"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Dienstag, 17. Mai 2016

Der Décadent der Fantasy (8)

Auch wenn in diesen beiden Kapiteln erneut nichts über Clark Ashton Smith selbst zu lesen sein wird, nähern wir uns doch langsam aber sicher wieder dem guten Klarkash-Ton, geht es im Folgenden doch um den Kosmizismus im Werk von George Sterling und anderen Vertretern des kalifornischen Fin-de-siècle. Da Smiths eigenes Werk sehr stark von seiner "kosmischen Weltsicht" geprägt ist, ist es meiner Ansicht nach wichtig, sich anzuschauen, wie deren Vorläufer ausgesehen haben, um später sowohl die Kontinuitäten als auch die Unterschiede zwischen diesen beiden Formen oder Entwicklungsstufen des Kosmizismus herausarbeiten zu können.

(Ich habe übrigens keine Ahnung, wo die irritierenden weißen Streifen herkommen oder wie ich sie loswerden könnte. Meine Leser & Leserinnen mögen mir diese Unannehmlichkeit verzeihen.)

Teil 1 * Teil 2 * Teil 3 * Teil 4 * Teil 5 * Teil 6 * Teil 7


Ein neuer Hiob und der Kosmos
 
Schon Ambrose Bierce hatte George Sterling als den "Poeten der Himmel, Propheten der Sonnen" apostrophiert und dabei vor allem an sein erstes großes Werk The Testimony of the Suns gedacht. Bis heute gehört das epische Gedicht zu den bekanntesten Werken des Dichters. Jack London war so fasziniert von dem Poem seines Freundes, dass er es unter dem Titel Ephemera als das von aller Welt verkannte Meisterwerk des todkranken Russ Brissenden (1) in seinen Martin Eden einbaute:

It was a long poem of six or seven hundred lines, and it was a fantastic, amazing, unearthly thing. It was terrific, impossible; and yet there it was, scrawled in black ink across the sheets of paper. It dealt with man and his soul-gropings in their ultimate terms, plumbing the abysses of space for the testimony of remotest suns and rainbow spectrums. It was a mad orgy of imagination, was sailing in the skull of a dying man who half sobbed under his breath and was quick with the wild flutter of fading heart-beats. The poem swung in majestic rhythm to the cool tumult of interstellar conflict, to the onset of starry hosts, to the impact of cold suns and the flaming up of nebular in the darkened void; and through it all, unceasing and faint, like a silver shuttle, ran the frail, piping voice of man, a querulous chirp amid the screaming of planets and the crash of systems. (2)

Den Begriff "Kosmizismus" verbindet man heutzutage vor allem mit H. P. Lovecraft und einigen Schriftstellern aus seinem Umfeld, unter denen Clark Ashton Smith als der bedeutendste hervorragt. Man versteht darunter eine Sicht, die den Menschen in seiner kosmischen Bedeutungslosigkeit einem unendlichen, von unveränderlichen und gänzlich "inhumanen" Naturgesetzten beherrschten Universum gegenüberstellt.
Es ist verständlich und auch gar nicht völlig falsch, dass Leute wie S. T. Joshi in George Sterling den wichtigsten Vorläufer dieser philosophisch-ästhetischen Richtung sehen. Freilich betonen sie dabei oft über Gebühr die Rolle, die dieser Kosmizismus im Gesamtwerk Sterlings spielte. So erklärt Joshi in der Einleitung zu dem von ihm herausgegebenen Sterling-Band The Thirst of Satan: „Thematically, Sterling focused on the transience and evanescence of humanity in an endless cosmos that seems to have no purpose.“ In Wirklichkeit kommt der Idee des Schönen in seinem Œuvre eine sehr viel zentralere Rolle zu, und wie wir gleich sehen werden, beruht Testimony of the Suns auf ganz denselben Grundlagen und kann nur im Zusammenhang mit Sterlings stets unbefriedigter Sehnsucht nach Schönheit und Gemeinschaft verstanden werden. 
Das wird von all jenen übersehen, die den Kosmizismus hauptsächlich oder ausschließlich aus den naturwissenschaftlichen Umwälzungen der Zeit ableiten wollen. Scott Connors z.B. schreibt in seinem Aufsatz Gesturing Toward the Infinite: „Sterling would assault the optimistic piety of the times in large part by making use of the discoveries of nineteenth-century science that were both a cause and a byproduct of the great change in the nation's character from agrarian republic to industrial democracy.“
Ohne Frage ist die Zerstörung des teleologischen Naturverständnisses durch die wissenschaftlichen Fortschritte des 19. Jahrhunderts eine der unverzichtbaren Vorbedingungen für die Entstehung des Kosmizismus. 1830 hatte die englische Autorin Mary Roberts – Verfasserin zahlreicher populärer Naturkundebücher – noch ganz selbstverständlich schreiben können:

All die vielfältigen Teile der Natur sind wunderschön gestaltet, damit sie im Einklang tätig sein können. Wir erkennen die Hand Gottes in den niedrigsten und in unseren Augen oftmals verachtenswerten Geschöpfen; sie weist jedem Lebewesen seine Stellung zu und ordnet es auf so bewundernswerte Weise dem mächtigen Ganzen unter, dass jedes Teilchen der Materie, und jedes lebende Geschöpf, das kreucht, fleucht und sich auf Erden bewegt, im Dienste des allgemeinen Guten gebildet wird. (3)

Wir müssen heute schmunzeln, wenn wir so etwas lesen, doch über Jahrtausende war eben das die Art gewesen, in der man die Natur betrachtet hatte. Spätestens seit Darwins Revolution in der Biologie war das nicht mehr möglich. Hinzu kamen Erkenntnisse in anderen Wissenszweigen wie der Geologie und Astromomie, die den Horizont der Menschen in Raum und Zeit gewaltig erweiterten, und nichts mehr übrigließen von der Vorstellung einer lauschigen Heimstatt, die der Liebe Gott seinen Kinderchen mit soviel rührender Sorgfalt eingerichtet hatte.
Ohne die aus diesen Umwälzungen erwachsene neue Sicht der Welt wäre der Kosmizismus nicht denkbar. Doch handelt es sich bei ihm in erster Linie nicht um die künstlerische Verarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Scott Connors behauptet zwar, Sterling sei von Ernst Haeckels „scientific materialism“ (4) beeinflusst gewesen, doch bin ich mir nicht sicher, wie verlässlich solche Angaben sind. Jedenfalls fällt es schwer, in seinem Werk konkrete Belege für den Einfluss naturwissenschaftlicher Ideen zu finden. Platon, Keats und Shelley spielen da eine größere Rolle als Darwin, Huxley oder Haeckel. Die einzige Ausnahme bildet die Astronomie, mit der sich der Dichter in jungen Jahren einigermaßen intensiv beschäftigt hatte. Doch auch da ist Vorsicht geboten. Ein Grund für die häufige Verwendung astronomischer Bilder dürfte nämlich in dem Umstand zu suchen sein, dass die Namen der Sterne Sterlings ästhetischem Empfinden entgegenkamen. Man hat beinahe das Gefühl, als habe es ihm ein sinnliches Vergnügen bereitet, Worte wie Aldebaran, Arcturus oder Betelgeuse (=Beteigeuze) auszusprechen. Und sie passen ja tatsächlich ganz ausgezeichnet zur Sprachmagie der Décadence.

Mit was genau also haben wir es bei The Testimony of the Suns zu tun? Das Gedicht beginnt mit einem Blick in den Nachthimmel mit seinen ungezählten Sternen. Dabei wird der irdischen Sicht der Dinge (Time) die kosmische (Eternity) gegenübergestellt: 

Time, to thy sight what peace they [die Sterne] share
On Night's inviolable breast!
Remote in solitudes of rest,
Afar from human change or care.

Eternity, unto thine eyes
In war's unrest their legions surge,
Foam of the cosmic tides that urge
The battle of contending skies,

The war whose waves of onslaught, met
Where night's abysses storm afar,
Break on the high, tremendous bar
Athwart that central ocean set—

From seas whose cyclic ebb and sweep,
Unseen to Life's oblivious hours,
Are ostent of the changeless Pow'rs
That hold dominion of the Deep.

O armies of eternal night,
How flame your guidons on the dark!
Silent we turn from Time to hark
What final Orders sway your might. (5)

Eigentümlicherweise scheint kaum jemandem aufgefallen zu sein, dass dieser "kosmische Krieg" ein äußerst unpassendes Bild für die Vorgänge im Universum ist. Sterne bekämpfen sich nicht! Die Vorstellung ist weniger episch oder tragisch, als vielmehr ein klein Bisschen lächerlich, und lässt die Behauptung, wir hätten es hier mit einer objektiven Sicht der Welt zu tun, zumindest fragwürdig erscheinen. 
Sehr viel mehr Sinn macht das Panorama, wenn wir es als eine unbewusste Übertragung der Verhältnisse in der "dog eats dog" - Gesellschaft des ungezügelten Kapitalismus auf die Natur verstehen. Ein häufig zu beobachtendes Phänomen, wie es sich z.B. auch in den sozialdarwinistischen Anwandlungen Jack Londons zeigte. 
Was keineswegs bedeutet, dass es Sterling in seinem Gedicht nicht tatsächlich um "kosmische" Fragen gegangen wäre. Doch der, der diese Fragen stellte, war das Produkt einer bestimmten sozialen und kulturellen Umwelt. Das lyrische Ich von Testimony of the Suns ist nicht "der Mensch", sondern ein amerikanischer Intellektueller des beginnenden 20. Jahrhunderts. Was sucht er in den Weiten des Universums? Die Antwort ist eindeutig:

Child of unrest, but fain for peace,
Life dreams, in her expectant dark,
Of final things, and waits to hark
Conclusive trumpets crying cease.
  
Ruhe und Frieden, das Ende des ewigen Kampfes, die Gewissheit "ewiger Wahrheiten", danach verlangt es ihn. Und diesen Wunsch kann ihm die Natur nicht erfüllen.

O dream not all the worlds fulfill!
Unblest, unbidden, save of hope.
Not for finality the scope
And strength of that unaltered Will.

The eternal Night hath writ in stars
Denial of the ends ye name;
Ye stand rebuked by suns who claim
The consummation of her wars.

Hier müssen wir nun zwei Dinge klar voneinander unterscheiden: Worin bestehen die realen Wurzeln dieses Wunsches, und welche Gestalt nimmt der Wunsch innerhalb des Gedichtes an?
Eins sollte vorn vornherein klar sein: Worunter das lyrische Ich leidet und wonach es sich sehnt, hat absolut nichts mit der Tatsache zu tun, dass der Mensch im Verhältnis zum Universum ohne jede Bedeutung ist oder dass alles Leben auf Erden eines Tages zu Ende gehen wird. Kein Mensch empfindet in solch kosmischen Dimensionen. Was das Selbstgefühl des Menschen in erster Linie bestimmt ist sein Verhältnis zu anderen seiner Art, nicht zur Unendlichkeit des Weltalls. Die Rastlosigkeit, die Sterling als einen allgemeinmenschlichen Wesenszug darstellt, sollte in einer Reihe gesehen werden mit der Einsamkeit und Melancholie, die uns in so vielen seiner Gedichte begegnen. Der wahre Inhalt des Kosmizismus findet sich in dem Gedicht Mystery:

Men say that sundered by enormous nights
Burn star and nearest star.
That where companioned seem the sister lights
The great abysses are.
So held by Life's unsympathetic dark,
We press to hidden goals.
From gulfs unshared the friending fires we mark,
And we are lonely souls
Your hearts, O friends! beyond their veiling bars
Are hidden deep away.
Your faces gleam familiar as the stars,
And as unknown as they. (6)

Es ist der Wunsch nach wahrer Gemeinschaft und nach einem festen Platz, einer sicheren Orientierung in der Welt, die das lyrische Ich von Testimony of the Suns seine Fragen an das Universum stellen lässt. Doch "die Welt" ist nicht der unendliche Kosmos, sondern die menschliche Gesellschaft. Soziale Entwurzelung und die pessimistische Sicht auf eine gesellschaftliche Entwicklung, die von feindseligen und unüberwindbaren Mächten beherrscht zu werden scheint, machen den eigentlichen Nährboden für Sterlings Gefühl der Verlorenheit und den Kosmizismus aus. Ich habe bereits früher darauf hingewiesen, dass die Bohèmiens dazu tendieren, ihre persönlichen Tragödien zu Weltendramen zu verklären. Eben dies geschieht hier. Sterling macht die eigene Verzweifelung zu einem allgemeingültigen Ausdruck der condicio humana. In einem Brief an Ambrose Bierce vom 3. Juni 1902 schrieb er: „I hope that it will be clear enough to the intellectual reader that my invocation to the stars is only an allegory of man's search of the universe for the secret of life." (7)
Wenn vom "Geheimnis des Lebens" oder auch vom "Sinn des Lebens" die Rede ist, gilt es stets Obacht zu wahren, denn was folgt, wird fast immer ein Stück mehr oder weniger verschleierter Religion sein. „Child of unrest, but fain for peace“ – das erinnert mich irgendwie an den berühmten Ausspruch des heiligen Augustinus: „Et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te“ – „Und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir“. (8) Und tatsächlich – das Sternenepos ist eigentlich das Gedicht eines frommen Mannes, der nicht mehr an Gott glauben kann. Wie angenehm wäre es doch, wenn der Allmächtige uns an der Hand nehmen und einen Ausweg aus den Wirrnissen dieses Lebens zeigen würde. Oder wenn wir wenigstens im Glauben an ein glückliches Jenseits Trost zu finden vermöchten. 
 
Her [Life’s] fate, how stranger than we deem!
Tho' Faith behold with trusting eyes
A vision on transmuted skies –
The splendors of the human dream;

To live, tho' Pain and Sorrow cease;
To reach the high Eternal Heart;
To know Infinity, nor part;
To find the far Ideal, Peace –

Einige Mitglieder der "Carmel-Crowd" traten denn auch tatsächlich die Flucht in den Glauben an. Von diesen konvertierten eine ganze Reihe zum Katholizismus. Vermutlich weil diese Spielart des Christentums es besonders gut versteht, das ästhetische Empfinden sensibler Menschen anzusprechen – die Alleinseligmachende war schon immer die bevorzugte Kirche der Romantiker. Sie folgten damit den Spuren Charles W. Stoddards, der gegen Ende seines Lebens dem Orden der Franziskaner hatte beitreten wollen.
Sterling konnte diesen Weg nicht einschlagen, trotz seiner katholischen Erziehung. Doch das ersehnte Ideal blieb auch bei ihm ein religiöses. So wie er sich die Schönheit letztlich nur als platonische Idee vorzustellen vermochte, war Glück für ihn nur als ein aller Veränderung enthobener, ewiger Zustand denkbar. Mit anderen Worten – als Teilhabe am Göttlichen.

To hear within the deep of Law
The Word that moves her causal tides;
To know what Permanence abides
Beyond the veil the senses draw.

Er sucht "das Wort", also den Logos, die Weltvernunft, die sich hinter den äußeren Formen verbirgt. Und das ist ja ganz dasselbe "Wort", das im Prolog des Johannesevangeliums angerufen wird.
Nur wen es nach einem summum bonum im Sinne der alten Scholastiker verlangt, nach einem höchsten Gut, das sich durch Ewigkeit und Unveränderlichkeit auszeichnet, wird den permanenten Wandel, der sich in der Natur vollzieht, als Enttäuschung empfinden. Doch dieser Wunsch nach dem Ewigen kommt einer Negierung des Lebens gleich. Er sucht Erfüllung nicht in einer Tätigkeit, sondern in einem Zustand. Ziel und Sinn sind für Sterling Dinge, die von außen an den Menschen herangetragen, nicht von ihm selbst gesetzt und geschaffen werden. Wer so empfindet, dem muss der Anblick des Universums in der Tat grauenhaft erscheinen.

Without beginning, aim or end;
Supreme, incessant, unbegot;
The systems change, but goal is not,
Where the Infinities attend.

Bezeichnenderweise schließt The House of Orchids, das acht Jahre nach The Testimony of the Suns erschien, mit einem poetischen Stück, das den Titel The Forty-Third Chapter of Job trägt: Den Stil der King James - Bibel nachahmend fügt Sterling der großen Rede Gottes, der die Vorwürfe des zu Unrecht geschlagenen Gerechten mit dem Hinweis auf seine Allmacht zurückweist – „Shalt thou question My ways, or have dreams concerning My justice? Am not I the Lord?“ –, einen weiteren Abschnitt hinzu. Einer der Verse wirkt wie eine Erwiederung auf das "Star Poem": „Who art thou that eternity should hold parley with thee, or the pits of the sky be thy fortress?“ An die astronomischen Passagen aus dem 38. Kapitel des biblischen Weisheitsbuches anknüpfend (9) lässt er den HErrn ausrufen: „Who setteth Capella and Adicmar to be gods for a term, and a guide upon the deep to strange peoples;/ Who maketh Altair and Rigel the captains of His host; Who leaneth His spear upon Sirius ere the trumpets call;/ Who holdeth Vega His armor-bearer, and hangeth his buckler upon Aldebaran;/ Who hath convoked their chariots against the lamps of Evil, and their swords against the abyss?"
Die Beziehung zur Gedankenwelt der Testimony of the Suns ist offensichtlich. Und es scheint mir ein Beweis tiefster Resignation zu sein, dass der Dichter sein Buch mit einem "religiösen" Text ausklingen lässt, in dem dem leidenden und Gerechtigkeit einklagenden Menschen von der Gottheit entgegengerufen wird: „Be thou bowed down, nor question the pains that I have set over thee: for each thing have I ordained its shadow./ My thoughts are from eternity; I change not by reason of thy dismay. Thou shalt know Me for the Lord.“ (10)
Derselbe Band enthält Sterlings Verse auf das Grab des Franziskanerpaters Junipero Serra, in denen der Dichter selbst die Hiob-Frage stellt: 
 
Thou Power unseen whose hands implacable
Close in despair what man begins in hope, —
Unto what end, O Fate! unto what end
Dost thou hale forth on quests irradiant
Thy nobler sons? Is duty but a jest.
Seeing its guerdon given? In thy sight
Is Goodness even as Evil? Shall she find
Her wages also death? Wilt thou deride
Our ancient search for justice in thy ways?
With bitter viands evermore appease
Our hunger and our thirst for righteousness?
Dost fashion beauty for a moth's desire,
And sow thee life to garner thee but dust? (11)

Die Bildersprache der kosmischen Gedichte ist eine andere, aber das zugrundeliegende Gefühl ist dasselbe. Im Grunde verhält sich Sterling in Testimony of the Suns genauso wie Hiob, nur dass er seine Klagen nicht Gott, sondern dem Universum vorträgt. Das aber bedeutet, er behandelt die Natur als wäre sie ein göttliches Wesen. Ihre Antwort ist genauso niederschmetternd und genauso unanfechtbar wie die des alten Jahwe.

Sterlings Verhältnis zu Wissenschaft und Religion war ambivalent. So feierte er in den hymenhaften Gedichten, die er anlässlich der Panama-Pacific International Exposition von 1915 verfasste, Technik und Wissenschaft ganz im Sinne der Weltausstellung als Wegbereiter einer glücklicheren Zukunft. Aber das waren nicht mehr als die in altmodische Verse gekleideten Schulbuchweisheiten eines Fabiersozialisten, die der Weltkrieg zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits ad absurdum geführt hatte. Einen etwas anderen und sehr viel ehrlicheren Ton schlägt er in dem 1919 veröffentlichten Sonett To Science an:

And if thou slay Him, shall the ghost not rise?
Yea! if thou conquer Him thine enemy,
His specter from the dark shall visit thee-
Invincible, necessitous and wise,

The tyrant and mirage of human eyes,
Exhaled upon the spirit's darkened sea,
Shares He thy moment of Eternity,
Thy truth confronted ever with His lies.

Thy banners gleam a little, and are furled;
Against thy turrets surge His phantoms tow'rs;
Drugged with His opiates the nations nod,

Refusing still the beauty of thine hours;
And fragile is thy tenure of this world
Still haunted by the monstrous ghost of God. (12)

S. T. Joshi nennt dies ein „superb atheistic sonnet“ (13), aber wenn das Gedicht eins verdeutlicht, so nicht Sterlings Atheismus, sondern die Tatsache, dass er sich offenbar nie ganz von dem "Gespenst Gott" zu befreien vermochte. Die scheinbare Unbesiegbarkeit des HErrn, die er wohl deshalb so heftig beklagte, weil er sie sozusagen am eigenen Leib erfuhr, ist ein schöner Beleg dafür, dass naturwissenschaftliche Argumente allein wenig gegen religiöse Sehnsüchte auszurichten vermögen. Elsie Whitaker Martinez hatte wohl nicht ganz Unrecht, als sie auf das katholische Element in der Persönlichkeit des Dichters hinwies. (14) Vergessen wir nicht, dass Father Tabb sein erster poetischer Mentor gewesen war. Sterlings Verhältnis zur Religion unterschied sich vielleicht gar nicht so sehr von dem, was er einmal über die Verse des dichtenden Paters geschrieben hatte:

So airy sweet the fragile song,
I deemed his visions true,
And roamed Edenic vales along,
Lit by celestial dew.
Illusive gleamed the timeless bow'rs;
The winds and streams were such
As Eve had mourned but ah, the flow'rs!
Too delicate for touch! (15)

Die Vision von Eden hatte die Berührung mit der Realität nicht überstanden. Das heisst aber nicht, dass damit auch die Sehnsucht nach dem Paradies gestorben wäre. Sie lebte fort, sowohl im Kult des Schönen als auch in der gebrochenen Form des Kosmizismus. Mit Sterlings religiösen Empfindungen verhielt es sich ähnlich wie mit seinem Platonismus. Bei dem griechischen Philosophen war die Liebe zum Schönen ("Eros") ja nur die erste Stufe des Aufstiegs zur Idee des Guten gewesen. Für Sterling war dieser Weg nunmehr blockiert. Was blieb war das Gefühl eines nie zu stillenden Verlangens.

Dass The Testimony of the Suns die Gefühlslage vieler Intellektueller ziemlich genau widerspiegelte, zeigt nicht nur die begeisterte Aufnahme, die das Gedicht u.a. bei Bierce, London und Smith fand, sondern auch die Tatsache, dass sich in vielen Werken Herman Scheffauers ein ganz ähnlicher Kosmizismus findet. Mit The Masque of the Elements verfasste dieser 1906 sogar eine eine Art Mysterienspiel über den ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehehns im kosmischen Maßstab, und vergleichbare Gedanken finden sich bereits zuvor in einer ganzen Reihe seiner Gedichte, so etwa in Hymn to the Passing Earth:
When the cliff crumbles and the splintered peak
Feels the sharp fracture of the frost and snow;
When the fell deluge and the rivers seek
To drag green continents where oceans flow;
When moons are darkened and the suns lose lustre,
And the worn axles of old Earth turn slow,
While stars in terror round her orbit cluster
To peer upon her fall and overthrow,
And all Creation in an endless flowing,
Is tidal toward her still and secret springs,
Oblivious to his coming and his going,
Must Man be numbered with her mortal things? 
Scheffauers Gedicht endet allerdings auf einer trotzig-optimistischen Note:
Must Man, on Nature's temple threshold hoary,
Groan at the far futility of things ?
O great gray question! still the deeps lie shrouded
With midnights round the word for which we yearn.
What though across the Future's peaks unclouded
Ne'er sign nor answering symbol soar and burn
In light and not in shadow fall our race!
Nor shall the monster staves of Cosmos blight
Man in his mundane majesty of place
Nor halt his march against the evening height. (16)
In dem Versdrama Lilith, einem seiner interessantesten Werke, sollte Sterling eine ähnliche Position beziehen. Aber so weit sind wir noch nicht.

Wir werden es im Folgenden noch öfters mit dem Kosmizismus zu tun bekommen. Darum wollen wir fürs Erste nur festhalten:
  1. Seine Wurzeln liegen nicht primär in den wissenschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts, vielmehr benutzt er die durch die Zerstörung des teleologischen Naturverständnisses entstandene neue Sicht der Welt zum Ausdruck eines Gefühls der Verlorenheit, das sozial bedingt ist.
  2. Er ist keine objektive Darstellung der Situation des Menschen in einem unendlichen, sinnentleerten und gottlosen Universum, sondern eine Art demoralisierter Religiosität, die die Bedeutung des Lebens zwar immer noch außerhalb der menschlichen Gesellschaft und ihrer Entwicklung, in einer ewigen Weltordnung, sucht, dort aber nicht mehr zu finden vermag. Damit ist er eine geradezu klassische Verkörperung des Nihilismus, wie ihn Nietzsche beschrieben hat.
Schließen wir diesen Abschnitt mit einem längeren Zitat aus Maurice Maeterlincks Ziel der Menschheit. Der Essay des belgischen Symbolisten zeigt uns einerseits, dass der Kosmizismus nicht nur in Amerika ein Grundbestandteil des Fin-de-siècle war, und verdeutlicht andererseits, dass auch ein Dècadent nicht notwendigerweise pessimistische oder misanthrope Schlüsse aus ihm ziehen musste: 

Wohin geht die Menschheit? Dieses Fragen nach Zweck und Ziel ist eine Art von Kleinstädterei und Schwäche unsres Geistes und hat mit der Realität des Weltalls anscheinend nichts gemein. Haben die Dinge ein Ziel? Warum sollten sie eines haben und was heißt überhaupt ein Ziel oder Zweck in einem unendlichen Getriebe? Aber wenn es auch wahrscheinlich ist, daß wir keine andere Bestimmung haben, als eine kurze Spanne Zeit ein bescheidenes Plätzchen einzunehmen, das, wenn wir nicht wären, von Grillen oder Veilchen eingenommen würde, ohne daß die Schönheit des Welthaushaltes darum getrübt würde, ohne daß die Geschicke der Erde um eine Stunde hinausgeschoben oder verkürzt würden, wenn wir auch nur gehen, um zu gehen, ohne irgendwo hinzugehen, so brauchen wir unser Interesse doch nicht auf dem unnützen Weg, den wir machen, zu beschränken. Wir können an vielen Dingen Anteil nehmen, und dies ist auch ganz vernunftgemäß und das Klügste und Höchste, was wir tun können. [...] Die Vernunft in ihrer Erdenferne wird unfruchtbar und lehrt uns nichts als Unbeweglichkeit, wenn sie, nach Erkenntnis der Kleinheit und Nichtigkeit unserer Leidenschaften und Hoffnungen, unseres ganzen Daseins und ihrer selbst, nicht wieder umkehrt und sich von neuem für die Kleinigkeiten und diese ganze Nichtigkeit erwärmt, als wären sie das Einzige, wozu sie auf dieser Welt taugt.

Maeterlinck schließt mit einem hoffnungsvollen Ausblick auf die gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit, die nach Überwindung der gegenwärtigen Krise zu einem Reich der Muße führen werde,

wo die Arbeit, dank einer weniger papiernen Gerechtigkeit, dank den Maschinen, dank der landwirtschaftlichen Chemie, dank vielleicht der Medizin oder irgend einer eben auftauchenden Wissenschaft, weniger hart, weniger ununterbrochen, grob, tyrannisch und erbarmungslos sein wird. (17)

Dann wird es die höchste Aufgabe der Menschen sein, ihre so gewonnene Muße in einer würdigen und sie selbst moralisch und kulturell erhebenden Art zu nutzen.


Scissor Bill
 
Maeterlincks Essay zeigt sehr schön, dass der einzige Ausweg aus der kosmischen Verlorenheit in einer Hinwendung zur menschlichen Gesellschaft und im Glauben an die Überwindung der momentan in ihr herrschenden Verhältnisse besteht. Und tatsächlich bewies ja auch George Sterling Konsequenz genug, um im Sturz der bürgerlichen Ordnung die einzige Lösung für das Dilemma zu sehen, unter dem er litt. Doch wie wir gesehen haben, konnte er sich im Innersten nie wirklich mit dieser Perspektive identifizieren, und so eröffnete sie ihm auch keinen Ausweg aus seiner Einsamkeit und Melancholie. Ja, man könnte sogar die Vermutung aufstellen, sie habe seine seelische Zerrissenheit noch verstärkt. Es bleibt zu fragen, ob die Schuld dafür allein bei ihm selbst lag, seinem mangelnden Willen oder seiner psychischen Veranlagung.

Wie ich in einem früheren Kapitel ausgeführt habe, kann eine revolutionäre Arbeiterbewegung dem Bohèmien dabei helfen, seine psychologische Abhängigkeit vom bürgerlichen Milieu zu überwinden, seinem sozialen Niemandsland zu entfliehen und eine neue "Heimat" zu finden. Vorausgesetzt sie ist stark, selbstbewusst und energisch genug, um ihm Vertrauen in ihren letztendlichen Sieg einzuflößen. Ob diese Kriterien in den USA des beginnenden 20. Jahrhunderts erfüllt waren, muss jedoch bezweifelt werden.
Die amerikanische Arbeiterbewegung war zwar sehr militant und brachte eine Reihe herausragender Persönlichkeiten hervor, wie Eugene Debs, "Mother" Jones, "Big Bill" Haywood, "Rebel Girl" Elizabeth Gurley Flynn und Vincent "The Saint" St. John, doch die Sozialistische Partei wurde dem kaum gerecht. James P. Cannon – Wobblie, Kommunist der ersten Stunde und später Gründer und langjähriger Führer des amerikanischen Trotzkismus – hat sie im Rückblick einmal so charakterisiert:

All hues of the political rainbow, from dogmatic ultra-radicalism to Christian Socialism, showed up in the party from the start. The mixed assemblage was held together in uneasy unity by a loose organizational structure that left all hands free from any real central control. [...] To complete the picture of a socialist variety store, each party speaker, writer, editor and organizer, and – in actual practice – each individual, promoted his own kind of socialism in his own way; and the general unification, giving rise to the feeling of greater strength, stimulated all of them to greater effort. [...] The socialist movement, such as it was, was new in this country. In its experiences, as well as in its thinking, it lagged far behind the European movement. The different groups and tendencies espousing socialism had yet to test out the possibility of working out a common policy by working together in a single organization. The new Socialist Party provided an arena for the experiment. (18)

Die Heterogenität der Partei machte es leicht, sich "der Bewegung" zugehörig zu fühlen. Zugleich jedoch war es ihr unter diesen Umständen unmöglich, den Intellektuellen eine klare Perspektive zu präsentieren, die ihnen einen festen Halt hätte bieten können. Der herausfordernde Optimismus eines Jack London, wie er sich z.B. in seinem Essay Revolution zeigt, war zu einem Gutteil nur möglich, weil der Schriftsteller eine völlig unkritische Einstellung zur Arbeiterbewegung pflegte. So nannte er den glühenden Revolutionär Debs und den rechten Gewerkschaftsboss Gompers in einem Atemzug "Führer des Proletariats"! Kein Wunder, dass sich Londons Siegesgewissheit wenige Jahre später in Enttäuschung und Verbitterung verwandelte.
Die Sozialistische Partei wurde dominiert von Vertretern der Mittelschicht, Ärzten, Rechtsanwälten, Lehrern, Universitätsdozenten, Ingenieuren und überraschend vielen Pastoren, deren Bekehrung zum Sozialismus nicht unbedingt bedeutete, dass sie damit auch die Lebensweise und die Vorurteile ihrer Klasse abgeschüttelt hätten. Leo Trotzki, der 1917 im New Yorker Exil einige Erfahrungen mit diesen Führern sammeln konnte, sprach spöttisch von einem "Sozialismus der Babbitts". (19) Edwin Markhams Gedichte mit ihrer Mischung aus sentimentaler Menschheitsliebe, religiöser Phraseologie und verschwommenem Utopismus geben ein recht gutes Bild davon ab, wie man in diesen Kreisen dachte und empfand.
Noch schlechter stand es um die Gewerkschaftsbürokratie, denn dort verband sich borniertes Denken oft genug mit ungebremstem Karrierismus. Das galt für Samuel Gompers, den nationalen Vorsitzenden des AFL ("American Federation of Labor") ebenso wie für Patrick MacCarthy, den berüchtigten Gewerkschaftsboss von San Francisco. Die Stadtverwaltung der Union Labor Party war sogar nach den Maßstäben ihrer Zeit außergewöhnlich korrupt.
Ideologische Schwäche und Rückständigkeit der kalifornischen Arbeiterbewegung zeigten sich vielleicht am deutlichsten in ihrem antiasiatischen Rassismus. So wie Denis Kearneys Workingmen’s Party in den 1870ern der Champion der Anti-Coolie-Bewegung gewesen war, organisierte und finanzierte MacCarthys BTC ("Building Trades Council") nun die antijapanische Agitation. Obwohl sie sich offiziell zum Internationalismus bekannte, hielt sich die Sozialistische Partei zurück mit Kritik am Rassismus der Gewerkschaften. Sozialist Cameron King erklärte sogar ganz offen: „Our feelings of brotherhood toward the Japanese must wait until we have no longer reason to look upon them as an inflowing horde of alien scabs.“ (20) Der christliche Sozialist Jackson Stitt Wilson – von 1911 bis 1913 Bürgermeister von Berkeley – gehörte auf dem nationalen Parteitag von 1912 zu den lautstärksten Befürwortern restriktiver Einwanderungsbestimmungen. Wie in solchen Fällen üblich, mischte sich der Vorwurf des Lohndumping mit dem Glauben an die rassische und kulturelle Überlegenheit der Weißen, genauer gesagt der "Angelsachsen".
Die sozialistischen Zirkel, die Katayama Sen – einer der Pioniere der japanischen Arbeiterbewegung – unter den Issei von San Francisco gegründet hatte, änderten an dieser Einstellung wenig. Einige ihrer Mitglieder spielten möglicherweise eine Rolle bei der Gründung der kurzlebigen "Japanese-Mexican Labor Association" (JMLA), die im Jahre 1903 mehr als 1.200 mexikanische und japanische Landarbeiter im südkalifornischen Oxnard in einen erfolgreichen Streik führte. Die Reaktion der weißen AFL auf dieses großartige Beispiel für Klassensolidarität war ebenso erbärmlich wie symptomatisch. Sie war nur bereit, die JMLA in ihre Organisation aufzunehmen, wenn diese die Japaner aus ihren Reihen verbannte. Der mexikanische Arbeiterführer J. M. Lizarras reagierte mit wohlverdienter Verachtung auf Gompers unverschämte Forderung:

[O]ur Japanese brothers here were the first to recognize the importance of cooperating and uniting in demanding a fair wage scale. . . . They were not only just with us, but they were generous when one of our men was murdered by hired assassins of the oppressor of labor, they gave expression to their sympathy in a very substantial form. In the past we have counseled, fought and lived on very short rations with our Japanese brothers, and toiled with them in the fields, and they have been uniformly kind and considerate. We would be false to them and to ourselves and to the cause of unionism if we now accepted privileges for ourselves which are not accorded to them. We are going to stand by men who stood by us in the long, hard fight which ended in a victory over the enemy. (21)

Leider sahen die meisten weißen Gewerkschaftler die Sache nicht so wie Lizarras. Einzig die Wobblies führten einen kompromisslosen Kampf gegen jede Art von Diskriminierung. Sie vereinigten Weiße und Farbige, Amerikaner und Immigranten, Männer und Frauen, Ungelernte und Facharbeiter in ihrer "One Big Union". Einige von ihnen schlossen sich 1911 in Baja California der Revolutionsarmee des Anarchisten Ricardo Florez Magón an und kämpften Seite an Seite mit mexikanischen Peones und Cocopah Indianern gegen "El Caudillo" Porfirio Diaz und die Großgrundbesitzer.
Doch die Wobblies waren die Ausnahme. Es gab immer noch mehr als genug "Scissor Bills", von denen Joe Hill gesungen hatte:

You may ramble ‘round the country anywhere you will,
You’ll always run across the same old Scissor Bill.
He’s found upon the desert, he is on the hill,
He's found in every mining camp and lumber mill.
He looks just like a human, he can eat and walk,
But you will find he isn’t, when he starts to talk.
He’ll say, „This is my country“, with an honest face,
While all the cops they chase him out of every place.
Scissor Bill, he is a little dippy,
Scissor Bill, he has a funny face.
Scissor Bill should drown in Mississippi,
He is the missing link that Darwin tried to trace.

And Scissor Bill, he couldn’t live without the booze,
He sits around all day and spits tobacco juice.
He takes a deck of cards and tries to beat the Chink!
Yes, Bill would be a smart guy, if he only could think.
And Scissor Bill he says: „This country must be freed
From Niggers, Japs and Dutchmen and the gol durn Swede.“
He says that every cop would be a native son
If it wasn’t for the Irishman, the sonna fur gun.
Scissor Bill the „foreigners“ is cussin’;
Scissor Bill, he says: „I hate a Coon“;
Scissor Bill is down on everybody
The Hottentots, the Bushmen and the man in the moon.
 
Das rassistische Element in vielen Werken Jack Londons, sein dummes Geschwätz über die "gelbe Gefahr" und seine Begeisterung für die übelsten Seiten von Rudyard Kipling als dem Sänger des "White Man’s Burden" sind also weniger befremdlich, als man auf den ersten Blick annehmen möchte.
Sterling teilte mit seinem Freund den Glauben an die Überlegenheit der Angelsachsen als einer Art Eroberer- und Herrenrasse. In The Princess on the Headland kleidete er diese Überzeugung in Bilder einer düster-blutigen Romantik: Die Erbin eines Keltenkönigs verweigert sich den Männern ihres Volkes und wartet auf den Krieger, der über das Meer kommen und sie erobern wird.

At the thought of a Gaelic man
My heart is sister of ice.
T’is another for whom I wait,
Tho I have not kissed his sword :
He or none is my lord,
Tho our night be soon or late.

Dass es sich bei dem Herbeigesehnten um den angelsächsischen Eroberer handelt, ist klar, auch wenn dies nicht ausdrücklich gesagt wird. Er wird Tod und Vernichtung bringen, doch gleichzeitig eine neue Ära einleiten:

Sorrow I know he brings,
Battle, despair and change, —
Beauty cruel and strange,
And the shed bright blood of kings.

Und so träumt die Prinzessin von der lustvollen Unterwerfung unter den künftigen Bezwinger ihres Volkes:

Breast, be white for his sake!
Mouth, be red for the kiss!
Soul, be strong for your bliss!
Heart, be ready to break! (22)
  
Das Gedicht weckt unangenehme Assoziationen zu dem nur allzu bekannten Ariermythos, wobei das sexuelle Motiv dem ganzen noch zusätzlich eine besonders abstoßende Note verleiht. Ähnliche Phantasien von blonden und brutalen Eroberern und Herrenmenschen finden sich auch bei Jack London.

Einer der sympathischsten Züge Joaquin Millers war es, dass er sich diesem Rassenblödsinn strikt verweigerte und stattdessen in "The Hights" eine kleine Kolonie chinesischer und japanischer Künstler um sich scharte, zu denen u.a. der bekannte Dichter Yone Noguchi gehörte. Wie Elsie Whitaker Martinez erzählt: „At that time his ambition was to overthrow Kipling’s ‘East and West, never the twain shall meet’. Well, he was going to correct that. He succeeded in arranging several marriages between Americans and Japanese.“ (23) In dieser Hinsicht zeigte sich die junge Generation leider wenig bereit, von dem ergrauten "Byron der Sierras" zu lernen.
Selbst der alte Zyniker Ambrose Bierce erwies sich in seiner Einstellung zu "fremden Rassen" als sehr viel humaner und aufgeklärter denn so mancher Radikale. Während wir in Londons Valley of the Moon alle paar Seiten auf verächtliche Ausfälle gegen Chinesen, Japaner, Portugiesen, Mazedonier und sonstige "Ausländer" stoßen, verspottete Bierce in The Haunted Valley den amerikanischen Rassismus in Gestalt des bigotten Saloonbesitzers Dunfer, für den die Chinesen „a flight of devouring locusts“ sind und dessen christliche Moral so aussieht: „I saw him once in a towering rage because one of his herdsmen had permitted a travel-heated Asian to slake his thirst at the horse-trough in front of the saloon end of Jo's establishment. I ventured faintly to remonstrate with Jo for his unchristian spirit, but he merely explained that there was nothing about Chinamen in the New Testament, and strode away to wreak his displeasure upon his dog, which also, I suppose, the inspired scribes had over-looked.“ (24) Und hätte Bierce die rassistischen Linken treffsicherer verhöhnen können, als indem er in The Ashes of the Beacon San Francisco das Chaos der Revolution deshalb am besten überstehen lässt, weil „[it] was valorously and successfully defended by the Chinese“? (25)

Doch der Rassismus, von dem in Sterlings Werk ansonsten glücklicherweise wenig zu spüren ist, interessiert uns hier lediglich als Symptom. Dass sein Sozialismus nicht zur Überwindung seiner bigotten Vorurteile führte, ist bloß ein besonders deutliches Anzeichen für dessen innere Schwäche. Die endgültige Bestätigung dessen war Sterlings moralisch-politischer Kollaps während des Ersten Weltkriegs, auf den wir in einem späteren Kapitel eingehen werden. Den revolutionären Wobblies stand der Dichter des Wine of Wizardry so fern, wie seine kunstvoll-dekadenten Verse den ebenso schlichten wie intelligenten und witzigen Songs Joe Hills. Die Sozialistische Partei aber strahlte trotz der persönlichen Integrität von Leuten wie Eugene V. Debs nicht genügend moralische Kraft aus, um ihn aus seiner melancholischen Verlorenheit zu reißen. Und so wurde er letztenendes immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen. Dort aber konnte er keinen Frieden finden:

The stranger in my gates – lo! that am I,
And what my land of birth I do not know,
Nor yet the hidden land to which I go.
One may be lord of many ere he die,
And tell of many sorrows in one sigh,
But know himself he shall not, nor his woe,
Nor to what sea the tears of wisdom flow;
Nor why one star is taken from the sky.
An urging is upon him evermore,
And though he bide, his soul is wanderer,
Scanning the shadows with a sense of haste
Where fade the tracks of all who went before –
A dim and solitary traveller
On ways that end in evening and the waste. (26)

Schon die Übersiedelung nach Carmel 1905 war letztenendes nichts anderes als eine Flucht vor der sozialen Wirklichkeit gewesen – ein Akt des Defätismus. Im selben Jahr, in dem Sterling sich in sein Feenreich auf der Halbinsel Monterey zurückgezogen hatte, war Jack London kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten gereist und hatte Vorträge über die Russische Revolution gehalten ...

Fortsetzung folgt


(1) Nebenbei bemerkt mutet es schon etwas unheimlich an, dass London seinen besten Freund in Gestalt Brissendens einen ziemlich erbärmlichen Tod sterben lässt.
(2) Jack London: Martin Eden. S. 304f.
(3) Mary Roberts: The Conchologist’s Companion. Zit. nach: Stephen Jay Gould: Die unsichtbare Frau. In: Ders.: Ein Dinosaurier im Heuhaufen. Streifzüge durch die Naturgeschichte. S. 252.
(5) George Sterling: The Testimony of the Suns. In: Ders.: The Testimony of the Suns and Other Poems. S. 43-84.
(6) George Sterling: Mystery. In: Ders.: The Testimony of the Suns and Other Poems. S. 114.
(7) Zit. nach: S.T. Joshi: Introduction to "The Thirst of Satan".
(8) Aurelius Augustinus: Confessiones. I, 1. Zit. nach: Kurt Flasch: Augustin. Einführung in sein Denken. S. 257.
(9) „Canst thou bind the sweet influences of Pleiades, or loose the bands of Orion?/ Canst thou bring forth Maz-zaroth in his season? Or canst thou guide Arcturus with his sons?“ (Job 38, 31f.)
(10) George Sterling: The Forty-Third Chapter of Job. In: Ders.: The House of Orchids and Other Poems. S. 135; 136; 140; 139f.
(11) George Sterling: At the Grave of Serra. In: Ders.: The House of Orchids and Other Poems. S. 111f.
(12) George Sterling: To Science.
(13) S.T. Joshi: Introduction to "The Thirst of Satan".
(14) Vgl.: Elsie Whitaker Martinez: San Francisco Bay Area Writers and Artists. S. 167f.
(15) George Sterling: On Reading the Poems of Father Tabb. In: Ders.: The Testimony of the Suns and Other Poems. S. 121.
(16) Herman Scheffauer: Hymn to the Passing Earth. In: Ders.: Looms of Life. S. 74ff.
(17) Maurice Maeterlinck: Die Zukunft der Menschheit. In: Wolfgang Asholt & Walther Fähnders (Hg.): Fin de siècle. S. 199f.
(18) James P. Cannon: E.V. Debs.
(19) Vgl.: Leo Trotzki: Mein Leben. Versuch einer Autobiographie. S. 248f.
(20) Zit. nach: Michael Kazin: Reform, Utopia, and Racism. The Politics of California Craftsmen. In: Daniel Cornford (Hg.): Working People of California. S. 331.
(21) Zit. nach: Tomás Almaguer: Racial Domination and Class Conflict in Capitalist Agriculture. The Oxnard Sugar Beet Workers’ Strike of 1903. In: Daniel Cornford (Hg.): Working People of California. S. 200.
(22) George Sterling: The Princess on the Headland. In: Ders.: Sails and Mirage and Other Poems. S. 95f.
(23) Elsie Whitaker Martinez: San Francisco Bay Area Writers and Artists. S. 182.
(24) Ambrose Bierce: The Haunted Valley. In: Ders.: Can Such Things Be. S. 102f.
(25) Ambrose Bierce: The Ashes of the Beacon. In: The Collected Works. Bd. 1. S. 33.
(26) George Sterling: „Omnia Exeunt In Mysterium“. In: Ders.: Beyond the Breakers and Other Poems. S. 93.

Samstag, 14. Mai 2016

Ein Reisebericht aus den Vier Ländern - Teil 3

Teil 1 * Teil 2

Die Halbzeitmarke meines Marschs durch Terry Brooks' The Sword of Shannara ist überschritten. Der von seinen Freunden getrennte Shea irrt zusammen mit zwei neuen und recht ungewöhnlichen Gefährten auf der Suche nach dem sagenumwobenen Schwert durch die menschenleere Ödnis der Nordlande, derweil der Dämonen-Lord im festen Glauben an seinen nicht mehr aufzuhaltenden Triumph endlich seine Armeen in Bewegung gesetzt hat, um das Reich von Callahorn, den Schutzwall des zivilisierten Südens, zu überrennen. Kurz gesagt: Shit is starting to get real!

Derweil beglückt uns die Geschichte auch weiterhin mit einer auf ihre Art faszinierenden Mixtur aus dem Lord of the Rings entwendeten Versatzstücken und ausgesprochen "untolkienschen" Elementen. Auch gelange ich allmählich zu der Überzeugung, dass Gene Wolfe dieses Buch nie gelesen hat. Was ich ihm nicht wirkich übelnehmen kann ...

Wir befinden uns nunmehr in dem Abschnitt des Sword of Shannara, der ungefähr den Two Towers entspricht. Die in Culhaven zusammengestellte Heldengruppe ist auseinandergebrochen. Während Shea die ursprüngliche Queste weiter fortsetzt, machen sich die meisten anderen Mitglieder des Trupps daran, die Verteidigung der "freien Welt" gegen die Horden des Bösen zu organisieren, deren Vormarsch übrigens ganz wie im Lord of the Rings vom Heraufziehen einer unnatürlichen Finsternis begleitet wird.

Allerdings ist Sheas Alleingang anders als der seines Vorbilds Frodo nicht die Folge einer bewussten Entscheidung unseres Helden. Unglückliche Umstände haben ihn von seinen Gefährten getrennt und zu seiner Gefangennahme durch einen Gnomentrupp geführt. Die anschließende Sequenz weist entfernte Anklänge an das Schicksal von Merry und Pippin in den Händen der Uruk-hai auf, doch erhält die Geschichte schon bald eine unerwartete Wendung, als mit Panamon Creel und seinem Trollkumpel Keltset zwei Figuren die Bühne betreten, die in Tolkiens Universum schier undenkbar gewesen wären.
Der in Scharlachrot gewandete Glücksritter und Straßenräuber mit dem Eisenspieß anstelle der linken Hand wirkt wie eine Gestalt aus einer Sword & Sorcery - Story, die sich in einen High Fantasy - Plot verirrt hat, auch wenn wir seine Vorbilder vermutlich weniger bei Robert E. Howard oder Fritz Leiber als vielmehr in den klassischen Abenteuerromanen des 19. Jahrhunderts zu suchen haben, die für Brooks eine so große Inspiration darstellten.
Auch wenn überzeugende Charakterzeichnung nicht unbedingt zu den Stärken unseres Autors gehört, bringt der prahlerische, einzelgängerische und ziemlich skrupellose Haudegen doch etwas Farbe in die Geschichte. Sein Handeln wirkt zwar manchmal etwas unmotiviert {warum lässt er sich so leicht dazu überreden, den von ihm eher nebenbei befreiten Shea nach Paranor zu eskortieren?}, aber in Kontrast zu unserem fürchterlich naiven und etwas engstirnigen "Auserwählten" wirkt der sarkastische, doch zugleich überraschend offene und unvoreingenommene Panamon recht erfrischend, wenn auch leider nicht ganz so charmant wie er sollte.
Der stumme Troll Keltset, über dessen Vergangenheit wir bisher nur wenig erfahren haben, bildet einen vielleicht noch extremeren Bruch mit dem tolkienschen Vorbild. Anders als in Mittelerde gibt es in Brooks' Welt keine wirklich "bösen" Rassen. Zwar sind die gelbhäutigen Gnome ganz dem Stereotyp der "primtiven Wilden" nachempfunden und dienen als offensichtlicher Ersatz für Tolkiens Orks, doch weder sie noch Brooks' Trolle sind Schöpfungen des Dunklen Herrschers. Vielmehr handelt es sich bei ihnen {wie auch bei den Zwergen} um Nachkommen von Menschen, deren körperliche Erscheinung sich in der Folge der Großen (Atom)Kriege mehr oder weniger drastisch verändert hat.
Wie dem auch sei. Ich bin jedenfalls gespannt, welche Rolle Panamon Creel und Keltset im Rest des Romans noch spielen werden.
Wenn Brooks mit den beiden sehr schön zeigt, dass er etwas mehr zu bieten hat als ein simples Kopieren tolkienscher Vorbilder, lässt sich das gleiche leider nicht über Ersatz-Gollum Orl Fane sagen. Der feige, kleine Gnomen-Deserteur, der beim Leichenfleddern zufällig über das Schwert von Shannara gestolpert ist und sich mit dem wertvollen Fund nun aus dem Staub gemacht hat {vermutlich in Richtung Schädelreich}, verspricht vielmehr zu meiner bevorzugten Hassfigur zu werden. Der Grund dafür ist, dass der arme Sméagol und seine Beziehung zu Frodo und Sam für mich einen der interessantesten und berührendsten Bestandteile des Lord of the Rings ausmachen. Und es ist schon allein aufgrund der fehlenden Hintergrundgeschichte völlig unmöglich, dass wir im Falle von Orl Fane irgendetwas auch nur annähernd gleichwertiges zu sehen bekommen werden. Doch einen ausführlicheren Kommentar dazu hebe ich mir für später auf, wenn wir mehr von der weinerlichen Kreatur zu sehen bekommen haben.

Bleibt nur noch von Balinors Rückkehr in seine Heimat Callahorn zu berichten. 
In der Gestalt des heldenhaften Kronprinzen finden sich viele Anteile von Aragorn und Faramir, Callahorn stellt eine Mischform aus Rohan und Gondor dar, die Hauptstadt Tyrsis dient als Ersatz für Minas Tirith. Während Balinors Abwesenheit haben sich hier üble Intrigen entsponnen. Der greise König ist so gut wie abgesetzt, die Macht hat sein jüngerer Sohn, der unter dem Einfluss eines wenig vertrauenswürdigen "Mystikers" steht, übernommen, um allsogleich die berühmte Grenzlegion aufzulösen, obwohl die Heere des Dämonen-Lords in Kürze die Grenze des Reiches erreicht haben werden. 
Das klingt nicht besonders erfreulich und erinnert außerdem auf frappierende Weise an die Zustände am Hof von König Théoden, auch wenn besagter "Mystiker" nicht Grima Schlangenzunge heißt ... Doch für den Moment möchte ich bloß kurz darauf eingehen, wie sich am Beispiel von Callahorn sehr schön zeigen lässt, dass The Sword of Shannara keineswegs von dem feudal-romantischen Geist durchtränkt ist, den Gene Wolfe an The Lord of the Rings so schätzt.

Als eine Art Bollwerk gegen die barbarischen Völker des Nordens spielt Callahorn oberflächlich betrachtet eine ähnliche Rolle wie Gondor. Doch die besondere Bedeutung, die dem Reich der Dúnedain in Tolkiens Welt zukommt, beschränkt sich nicht aufs Politische oder Militärische. Es so zu sehen, ist ja gerade der kardinale Fehler des Truchsessen Denethor. Gondor ist nicht einfach bloß ein Königreich, sondern der letzte Ort {neben den schwindenden Elbenreichen}, an dem Überreste des Wissens und der Traditionen der Altvorderenzeit bewahrt werden. Im Kampf gegen Mordor und seine Vasallen verteidigt der "Turm der Wacht" nicht nur die Lande im Westen gegen die plündernden Horden aus dem Osten und Süden, sondern auch das Wissen um den Einen Wahren Gott gegen den Gottkönig Sauron und seine Verehrer. Zugleich verkörpert Gondor jenen romantisch verklärten Feudalismus, der Tolkien als ideale Gesellschaftsform erschien und der von der absoluten Despotie des Dunklen Herrschers bedroht wird. {Ich verweise in diesem Zusammenhang noch einmal auf meine hier, hier, hier, hier & hier zu findende Post-Reihe über die Politik des Herr der Ringe.}
Für Callahorn gilt nichts vergleichbares, wie wir einem mehrseitigen, leider sehr ungeschickt eingeflochtenen Infodump entnehmen können. Zwar bekommen wir dort zu lesen, "Callahorn war ein Land, das die Vergangenheit ebenso widerspiegelte wie die Zukunft", doch bedeutet das in Brooks' Universum etwas völlig anderes als in Tolkiens. Die Welt von Shannara kennt keine "Altvorderenzeit", deren untergegangener Schönheit man nachtrauern oder deren Traditionen man weitertragen könnte. Schließlich handelt es sich um ein postapokalyptisches Szenario. Die "Altvorderenzeit" der Vier Länder wäre unsere Gegenwart.
Wenn Callahorn die Vergangenheit widerspiegelt, dann in seinen Festungsbauten und den kriegerischen Traditionen seiner Grenzlegion. Anders als bei Tolkien ist die Vergangenheit bei Brooks nichts, was sehnsüchtige Melancholie hervorrufen könnte. Sie wird vielmehr vor allem mit Krieg und Gewalt assoziiert. Nicht seine Verbindung zum Alten, sondern die "Anzeichen für das Kommende" in Callahorns Gesellschaft sind es, die das Reich positiv auszeichnen:
Tyrsis war die Wegkreuzung der vier Länder, und durch seine Mauern und Landschaften strömten Angehörige aller Nationen, die den Einwohnern Gelegenheit gaben, zu sehen und zu begreifen, dass die Unterschiede in Gesicht und Körper bei den einzelnen Rassen unwichtig waren. Die Menschen hatten gelernt, die innere Person zu beurteilen. Ein riesiger Berg-Troll wurde nicht angestarrt und seiner bizarren Erscheinung wegen gemieden; Trolle kamen oft in dieses Land. Gnomen, Elfen und Zwerge aller Arten und Gattungen zogen regelmäßig hindurch, und wenn sie Freunde sein wollten, wurden sie willkommen geheißen. Balinor lächelte, als er von dieser neuen, sich ausbreitenden Erscheinung sprach, die endlich überall in den Ländern die Oberhand zu gewinnen schien, und er empfand Stolz darüber, dass sein Volk zu den ersten gehörte, die alte Vorurteile fallen ließen und nach gemeinsamen Grundlagen für Verständnis und Freundschaft suchten.
Dazu passt sehr gut, dass Callahorn anders als Gondor keine wirkliche Feudalgesellschaft ist. Brooks geht sogar so weit, aus dem Reich eine konstitutionelle Monarchie zu machen: "Callahorn war eine der wenigen aufgeklärten Monarchien der Welt [...] Theoretisch eine Monarchie, beherrscht von einem König, bestand die Regierung auch aus einer parlamantarischen Körperschaft, deren Repräsentanten vom Volk gewählt wurden und für die Verabschiedung der Gesetze verantwortlich waren." Desgleichen ist die Grenzlegion kein feudales Heer, sondern eher so etwas wie eine Volksmiliz, "in der nahezu jeder Mann gedient hatte oder noch diente".

Nun kann man zwar nicht behaupten, dass Terry Brooks diese fortschrittlichen, weltoffenen und zukunftsoptimistischen Elemente besonders geschickt in seine Story eingeflochten hätte, aber ihre bloße Existenz hebt The Sword of Shannara doch sehr deutlich von Tolkiens Lord of the Rings ab.

Fortsetzung folgt ...       

Strandgut der Woche

Dienstag, 10. Mai 2016

Die Republik Gilead - Faschismus in Amerika?

Dass Margaret Atwoods dystopischer Klassiker The Handmaid's Tale zweieinhalb Jahrzehnte nach seiner Adaption durch Volker Schlöndorff & Harold Pinter erneut verfilmt werden soll -- diesmal als zehnteilige TV-Serie -- ist sicher sehr begrüßenswert, wirkt Atwoods Geschichte über die theokratisch-totalitäre Republik Gilead angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen in den Vereinigten Staaten doch erschreckend zeitgemäß.

Trotz vereinzelter Rückschläge, wie der landesweiten Legalisierung gleichgeschlechtlicher Ehen durch den Obersten Gerichtshof im Juni 2015, ist der Einfluss christlich-fundamentalistischer Gruppen in den letzten Jahren eher gewachsen. Sie bilden die eigentliche Basis der Republikanischen Partei und initiieren immer aggressivere Attacken gegen die Rechte von Frauen, Homosexuellen, Transgenders u.s.w., derweil sich der "liberale" Flügel der US-Elite in der Verteidigung des demokratischen Grundprinzips der Trennung von Kirche und Staat oft als eher halbherzig und opportunistisch erweist. Als Beispiele seien bloß genannt: das Hobby Lobby - Urteil von 2014 und seine weitreichenden Implikationen; die von führenden Vertretern der Republikanischen Partei unterstützte Kampagne um Kim Davis, die die bigotte Standesbeamtin zu einer Märtyrerin der "Religionsfreiheit" hochzustilisieren versuchte; die in zahlreichen konservativ regierten Bundesstaaten wie North Dakota und Texas eingeführten Gesetze zur massiven Einschränkung des Rechts auf Abtreibung; die extrem aggressiv betriebene, auf grotesken Lügen und Verdrehungen basierende Kampagne gegen Planned Parenthood; die in mehreren Bundesstaaten lancierten transphoben "Bathroom Laws". Allein im März 2016 "three states have passed anti-LGBT discriminatory laws, while half a dozen have enacted new abortion restrictions, all part of the reactionary campaign for 'religious freedom.' The organization Human Rights Campaign estimates that nearly 200 bills they classify as anti-LGBT have been introduced in nearly three dozen states since the start of 2016 alone."
Zur selben Zeit erleben wir, wie sich in der herrschenden Elite der USA ein mehr und mehr offen faschistischer Flügel herauszubildem beginnt. Der am deutlichsten sichtbare Vertreter dieser Strömung ist selbstverständlich Donald Trump, doch vergessen wir nicht, dass sein stärkster Rivale im Vorwahlkampf mit Ted Cruz ein Repräsentant des extrem rechten Flügels der Republikanischen Partei war, der eine sehr viel engere Beziehung zu den christlichen Fundamentalisten unterhält als der demagogische Millionär. Trump ist bloß ein besonders exzentrisch anmutendes Beispiel für eine sehr viel umfassendere Entwicklung.

Vor diesem Hintergrund scheint eine erneute ernsthafte Beschäftigung mit The Handmaid's Tale wie gesagt äußerst begrüßenswert. Und wenn dies in Form einer {hoffentlich intelligenten} TV-Adaption geschieht, die das Potential besitzen würde, ein breites Publikum zu erreichen, um so besser. Allerdings besitzt Margaret Atwoods Roman meiner Ansicht nach auch einige signifikante Schwächen, die gerade im aktuellen politischen Kontext besonders deutlich hervortreten und sich mit ziemlicher Sicherheit auch in der kommenden Verfilmung wiederfinden werden. 

Die Republik Gilead ist letztenendes das Porträt eines genuin amerikanischen Faschismus. Dabei hat die kanadische Schriftstellerin sehr treffend die Rolle beschrieben, die der christliche Fundamentalismus in einem solchen Regime spielen würde. Worauf sie hingegen keine befriedigende Antwort zu haben scheint, ist, wie und warum eine solche Diktatur entstehen könnte. Wenn meine Erinnerung mich nicht trügt, spielt der durch Umweltverschmutzung und Epidemien ausgelöste drastische Rückgang der Geburtenrate eine zentrale Rolle für den Militärcoup, der zur ihrer Errichtung führt. In meinen Augen eine äußerst schwache Erklärung.

Als Margaret Atwood 1984 begann, The Handmaid's Tale zu schreiben, geschah dies ohne Frage in Reaktion auf die damaligen Entwicklungen in den USA. Unter der Führung von Leuten wie Pat Robertson und Jerry Falwell wuchs der christliche Fundamentalismus während der Reagan-Ära erstmals zu einer wirklich einflussreichen politischen Bewegung heran. Die Vorstellung, dass eines Tages auf dem Boden der Vereinigten Staaten eine theokratische Diktatur entstehen könnte, schien deshalb nicht so weit hergeholt. Doch was die Schriftstellerin offenbar nicht zu erkennen vermochte, war, dass der Aufstieg der christlich-fundamentalistischen Rechten Teil eines sehr viel größeren historischen Prozesses war. 
Auf den Niedergang der Massenbewegungen der 60er und frühen 70er Jahre folgte ein breit angelegter Gegenschlag der herrschenden Elite, durchgeführt an ökonomischer, sozialer, politischer und ideologisch-kultureller Front. Dieser begann bereits unter Jimmy Carter, gelangte zu seiner vollen Entfaltung aber erst unter Ronald Reagan. Beginnend mit der Niederschlagung des PATCO-Streiks von 1981 machte sich die Elite daran, der amerikanischen Arbeiterbewegung ein für alle Mal das Rückgrat zu brechen, wobei ihr die opportunistische Politik der Gewerkschaftsbürokratien unschätzbare Hilfe leistete. Die seit dem "Volcker-Schock" von 1979 bewusst vorangetriebene Deindistrualisierung führte zum immer rascheren Niedergang der traditionellen Kernindustrien der USA und damit verbunden zu wachsendem wirtschaftlichem und sozialem Elend. Derweil ebneten die Steuerpolitik der Reagan-Administration und die Deregulierung der Finanzmärkte immer wüsteren Bereicherungsorgien an der Spitze der Gesellschaft und dem raschen Heranwachsen einer auf Spekulationsgeschäften und wirtschaftlichem Parasitismus basierenden Oligarchie die Bahn. Parallel dazu wurde die Bevölkerung im Zuge von Reagans "zweitem Kalten Krieg" mit einer unablässigen Flut von antikommunistischer Propaganda und Lobeshymnen auf die Tugenden des freien Marktes überschüttet.
Kurz gesagt: Die herrschende Elite eröffnete in den 80er Jahren einen offenen Klassenkrieg gegen die arbeitende Bevölkerung. Einen Krieg, den sie in den letzten dreißig Jahren unvermindert fortgesetzt hat und der unter den Verhältnissen einer internationalen Krise des kapitalistischen Systems nun dabei ist, in eine neue, noch sehr viel brutalere Phase einzutreten.

Nur im Kontext dieser historischen Entwicklungen lässt sich meiner Ansicht nach der Aufstieg der christlich-fundamentalistischen Rechten verstehen. Und nur sie bieten eine Erklärung für die wachsende faschistische Bedrohung in den USA. Indem sie mit Hilfe der religiösen Fanatiker Hass und Vorurteile schürt und die rückständigsten Teile der Bevölkerung mobilisiert, züchtet die herrschende Elite das Fußvolk für eine künftige Diktatur heran, deren Errichtung dann auf die Agenda gesetzt werden wird, wenn ihre Ziele sich endgültig nicht länger im Rahmen eines formal demokratischen Regimes durchsetzenn lassen. Und dieser Zeitpunkt ist meiner Meinung nach nicht mehr so weit entfernt, wie man vielleicht glauben möchte.

The Handmaid's Tale zeichnet ein recht überzeugendes Bild der äußeren Formen eines faschistischen Regimes in den USA, hat aber wenig erhellendes über die historischen Wurzeln und den sozialen Inhalt, welche ein solches besitzen würde, zu sagen. 
Meine Empfehlung wäre es dehalb, neben Margaret Atwoods Roman außerdem Jack Londons dystopischen Klassiker The Iron Heel zu lesen. Zusammengenommen vermitteln die beiden Bücher meiner Meinung nach ein ziemlich realistisches Bild. {Ein kurzer Blick in It Can't Happen Here von Sinclair Lewis kann natürlich auch nicht schaden.}

Samstag, 7. Mai 2016

Strandgut der Woche

Mittwoch, 4. Mai 2016

Ein Reisebericht aus den Vier Ländern - Teil 2

Teil 1

Ich muss zugeben, dass ich bei meinem Re-read von The Sword of Shannara in den letzten zwei Wochen gerade einmal hundert Seiten weitergekommen bin. Allerdings wäre es etwas ungerecht, dafür in erster Linie Terry Brooks verantwortlich zu machen. Tatsächlich hat mir die zweite Etappe meiner Reise durch die Vier Länder alles in allem besser gefallen als die erste.

Ohne Frage wird das fröhliche Plündern des Lord of the Rings ungebrochen fortgesetzt. So ähnelt das in meinem letzten Bericht erwähnte Cyborg-Monster äußerlich zwar eher Shelob/Kankra, übernimmt plottechnisch aber bizarrerweise die Rolle des Hexenkönigs auf der Wetterspitze, d.h. es injeziert ein auf längere Sicht tödliches Gift in unseren Frodo-Charakter Shea, was den nächsten Abschnitt der Reise zu einem Wettlauf mit der Zeit macht. Doch selbstverständlich erreichen unsere Helden nach einigen Abenteuern rechtzeitig das Dorf Storlock, wo Shea im Eilverfahren behandelt wird. Nach Culhaven ist damit die Siedlung der guten Gnomenheiler eine Art zweites Rivendell. Im weiteren Verlauf der Queste bekommen wir mit der Halle der Könige Brooks' Version von Moria präsentiert, um schließlich in der Druidenfestung Paranor, wo sich das Schwert von Shannara befinden soll, eine etwas ärmliche Version von Gandalfs Konfrontation mit dem Balrog vorgesetzt zu bekommen.

Das klingt jetzt alles nicht so dolle, ich weiß, und im Vergleich zum tolkienschen Vorbild bleibt Brooks' Welt auch weiterhin ziemlich blass.
{Auch wenn ich zugeben muss, dass mir das Schiefertal / Valley of Shale mit seinem Eingang zur Unterwelt, aus der Allanon den Schatten des Erzdruiden Brimen heraufbeschwört, in atmosphärischer Hinsicht ganz gut gefallen hat. Auch fand ich es neckisch, dass hier einmal nicht Tolkien, sondern die antiken Heldenepen Odyssee und Aeneis anzitiert werden. Hey, das Tor zur Welt der Toten heißt sogar "Hadeshorn"!}
Doch der Mangel an mythisch-historischer Tiefe ist etwas, was der Autor selbst nie geleugnet hat, und was sich bis zu einem gewissen Grad aus dem intendierten Charakter der von ihm erzählten Geschichte erklären lässt. So schreibt er in den "Author Notes".
An adventure story, something wonderfully dangerous, filled with hair-raising escapes, men and women of character and purpose, dangers that threatened from every quarter -- that was what I wanted to write [...] But it had to be something grand. How wold D'Artagnan have handled Rupert of Hentzau from The Prisoner of Zenda? What if Jim Hawkins had met up with Quentin Durward? I envisioned a story that was panoramic, something vast and sweeping.    
Nicht Tolkien, sondern Autoren wie Walter Scott, Alexandre Dumas oder Robert Louis Stevenson lieferten die anfängliche Inspiration für Brooks' Geschichte. Der Lord of the Rings kam erst ins Spiel, als der Autor nach einem Weg zu suchen begann, seiner Abenteuerstory ein "episches" Flair zu verleihen. Es ist darum eigentlich leicht nachvollziehbar, dass das "Worldbuilding" für ihn einen ganz anderen Stellenwert besaß als für den "Professor": 
 I would set my adventure story in an imaginary world, a vast, sprawling, mythical world like that of Tolkien, filled with magic that had replaced science and races that had evolved from Man. But I was not Tolkien and did not share his background in academia or his interest in cultural study. So I would eliminate the poetry and songs, the digressions on the ways and habits of types of characters, and the appendices of language and backstory that characterized and informed Tolkien's work. I would write the sort of straightforward adventure story that barreled ahead, picking up speed as it went, compelling a turning of pages until there were no more pages to be turned.
Und in der Tat hat The Sword of Shannara während meiner zweiten Etappe mehr und mehr den Charakter einer actionreichen Abenteuergeschichte angenommen. Das Buch einen echten "Pageturner" zu nennen, wäre meiner Ansicht nach zwar etwas zu hoch gegriffen, aber Szenen wie die Überquerung des von den Gnomen besetzten Jadepasses oder der Kampf mit dem schleimigen Drachenungeheuer in der Halle der Könige sind in Sachen Spannung und Action gar nicht übel gelungen. {Einmal betreten ähnelt die Halle der Könige selbst übrigens weniger Khazad-dûm als vielmehr einem D&D - Dungeon. Ob der gute Brooks mit dem Urvater aller Fantasyrollenspiele vertraut war, als er seinen Erstling zu Papier brachte?}
Dem Charakter der Geschichte entspricht auch das im Vergleich zum doch recht gemächlichen Pacing des Lord of the Rings rasante Tempo von The Sword of Shannara. Während Tolkiens Helden ihre Queste für wochenlange Aufenthalte in Rivendell oder Lorien unterbrechen, gesteht Brooks seinem eben noch dem Tode nahen Shea gerade einmal eine Übernachtung in Storlock zu, bevor es weitergeht. Auffällig ist in diesem Zusammenhang auch, wie klein die Vier Länder zu sein scheinen. Ich habe da zwar nicht genau Buch drüber geführt, aber seit Shea und Flick Shady Vale verlassen haben, können bisher maximal vierzehn Tage vergangen sein, und dabei haben sie eine Wegstrecke zurückgelegt, die sie bei einem striken Nordkurs vom unteren zum oberen Rand der mitgelieferten Karte geführt hätte.
Der bei allen äußerlichen Ähnlichkeiten im Kern eher untolkiensche Charakter des Romans zeigt sich auch in einem seiner Hauptcharaktere: Menion Leah. Tom Shippey hat in ihm zwar offenbar gewisse Ähnlichkeiten mit Aragorn entdecken wollen, aber dem kann ich mich nicht recht anschließen. Sein Eintrittspunkt in die Geschichte gleicht zwar ungefähr dem des guten Strider/Streicher, und wäre er ein D&D - Charakter seine Klasse wäre ohne Frage "Ranger", aber seine Persönlichkeit ähnelt nicht im Mindesten der Aragorns. Eher noch ließe er sich mit Pippin oder Merry vergleichen, und dann auch eher mit den von Peter Jackson kreierten Zerrbildern der beiden Hobbits, und nicht mit Tolkiens Originalen. Zu Beginn ist er ein ziemlich verantwortungsloser, abenteuerlustiger Bursche, reift jedoch sehr schnell zu einer Art kühnem, wenn auch immer noch recht impuslivem  Recken heran. Als solcher scheint er mir beinah besser geeignet zu sein, den Protagonisten in Terry Brooks' Story zu spielen als Shea, der nachwievor nicht viel mehr als ein billiger und blasser Frodo-Abklatsch ist.

Das wär's für heute. In einem künftigen Reisebericht werde ich auf jedenfall noch auf Allanon eingehen müssen, denn was Terry Brooks mit dem Gandalf-Stereotyp angestellt hat, ist nicht ohne Reiz. Doch das soll warten, bis sich etwas mehr Material für eine gerechte Einschätzung des grüblerischen, autoritären und manipulativen Mentor-Druiden angesammelt hat. 

Dienstag, 3. Mai 2016

Schattenspiele

Ich bin heute zufällig auf zwei zauberhafte Beispiele von Schattentheater ("Shadow Puppetry") gestoßen, die ich der werten Leserschaft meines Blogs keinesfalls vorenthalten wollte. In beiden Fällen handelt es sich um Musikvideos, die von dem australischen Künstler Stephen Mushin kreiert wurden. 
Das 2007 produzierte Video für I'll Forget You von Lior ist eine Schöpfung des "Mikro-Theater" - Kollektivs Stories from the Ground, zu dem neben Mushin offenbar Anna Parry, Emily Smith, Sarita Ryan und Raku Pitt gehören. Die Regie führte Natasha Pincus.
 

Hier kann man sich eine Art Making-Of anschauen.

Über das zweite Video weiß ich leider nicht mehr, als dass es sich bei Rabbit Hole um ein Lied der aus Singapur stammenden Songwriterin Celina Foo handelt.