"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


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Sonntag, 4. März 2018

Auf nach Pellucidar!

Freundinnen & Freunden des britischen Horrorfilms dürfte Amicus Productions in erster Linie als Hammers großer kleiner Nebenbuhler und Geburtsstätte zahlreicher Portmanteau-Streifen wie Dr. Terror's House of Horrors (1965), Torture Garden (1967), The House That Dripped Blood (1970), Asylum (1972), Tales From The Crypt (1972), The Vault of Horror (1973) und From Beyond The Grave (1974) bekannt sein.* Doch ganz wie ihr großer Konkurrent musste sich auch die Firma von Milton Subotsky und Max Rosenberg nach Alternativen umschauen, als der klassische Brit-Horror in der ersten Hälfte der 70er Jahre allmählich auf sein Totenbett sank.
Allgemein gilt das Jahr 1973 als der ultimative Wendepunkt und The Exorcist als der Film, der dem stilvoll-dekadenten Horror der 60er Jahre, wie ihn nicht nur die Briten, sondern auch American International Pictures (AIP) verkörpert hatten, den Todesstoß versetzte. Während Friedkins Schocker mit einem Einspielergebnis von $66,3 Mio. 1974 zum zweiteinträglichsten Film auf dem amerikanischen Markt wurde, produzierte Amicus mit Madhouse und The Beast Must Die seine letzten Horrorstreifen {wenn man von dem bizarren Nachzügler Monster Club [1981] einmal absieht, der aber eher für ein jüngeres Publikum gedacht war}.
Beide Filme lassen etwas von dem Wandel im Genre erahnen, mit dem Amicus zu ringen hatte. Madhouse  eine von zahlreichen Problemen belastete Koproduktion mit AIP {was das Mitwirken von Vincent Price erklärt} lässt sich als eine Art Metakommentar auf denselben interpretieren, wie ich vor Zeiten in meinem Count Yorga - Post beschrieben habe. The Beast Must Die wiederum ist in seiner kuriosen Mixtur aus Werwolfflick,  Whodunit und Blaxploitation garniert mit dem William Castle - mäßigen Gimmick der "Werewolf Break"** – ein deutlicher Versuch, dem Genre neue Facetten abzugewinnen, ohne der inzwischen in Mode gekommenen Tendenz zu mehr Gore und Sex zu folgen, die Milton Subotsky gar nicht behagte.***
Letztenendes suchte Amicus sein Heil aber in anderen Gefilden. 
Mitte der 60er Jahre hatte die Firma die beiden Dr. Who - Filme mit Peter Cushing produziert {Dr. Who and the Daleks [1965] und Daleks – Invasion Earth: 2150 A.D. [1966]}. Das Ende des "klassischen" Horrors vor Augen, beschlossen Subotsky und Rosenberg nunmehr, sich erneut SciFi und Fantasy zuzuwenden. Zur Vorlage nahmen sie sich dafür Werke des Genre-Altmeisters Edgar Rice Burroughs. Heraus kam dabei eine äußerst charmante Trilogie von Filmen voller phantastischer Abenteuer und liebenswerter Gummimonster: The Land That Time Forgot (1975), At the Earth's Core (1976) und The People That Time Forgot (1977).
Da Amicus' finanzielle Ressourcen ganz sicher nicht ausgereicht hätten, die exotischen Welten von Caprona und Pellucidar zum B-Movie-Leben zu erwecken, tat man sich erneut mit AIP zusammen, die unter der alleinigen Leitung von Samuel Z. Arkoff dem Horrorgenre inzwischen gleichfalls weitgehend den Rücken gekehrt hatten. Den Amerikanern war es auch zu verdanken, dass Doug McClure mit an Bord kam, der in allen drei Filmen die Hauptrolle spielte. Die Regie der Trilogie übernahm Kevin Connor, der sein Debüt ein Jahr zuvor in Amicus' letzter "echten" Horror-Anthologie From Beyond The Grave (1974) hatte feiern können.

Bei The Land That Time Forgot war Amicus ein echter Geniestreich gelungen, als man zur Erarbeitung des Drehbuchs Michael Moorcock engagierte. Ich bin überzeugt davon, dass wir es in erster Linie dem alten Anarchisten zu verdanken haben, dass Burroughs' Story in einigen wichtigen Punkten eine humanistische Aufbesserung erfuhr, ohne dabei etwas von ihrem Pulp-Charme einzubüßen, wie ich vor einer halben Ewigkeit  in diesem Post ausgeführt habe.
Vergleichbares lässt sich über At the Earth's Core zwar nicht sagen, doch tut dies dem Spaß keinen Abbruch, den man mit mit diesem Flick haben kann.
Verglichen mit dem ersten Caprona-Abenteuer kommt der Abstecher in die Hohlwelt von Pellucidar sehr viel lockerer und humorvoller daher. Sicher kein Film, der einen tief berühren wird, aber dafür altmodisch-fröhlich-farbenfroher Eskapismus. Und dass dem guten Doug McClure in seinem Kampf gegen telepathisch begabte Dino-Papageien Peter Cushing und Caroline Munro zur Seite stehen, lässt den Film zumindest für mich sofort noch ein paar Rangstufen höher klettern. 

TRAILER
     
Der englische Ingenieur Dr. Abner Perry (Peter Cushing) und sein amerikanischer Finanzier David Innes (Doug McClure) haben eine gewaltige, bemannte Bohrmaschine entwickelt, die den Bergbau zu revolutionieren verspricht. 
Die Jungernfahrt beginnt mit Champagner und Blaskapelle, nur um schon bald eine katastrophale Wendung zu nehmen, als sich herausstellt, dass es unmöglich ist, den Eisernen Maulwurf von seinem vertikalen Kurs abzubringen. Das Gefährt bohrt sich unaufhaltsam immer tiefer in die Erde. Doch statt in glühender Magma zu enden, landen die beiden schließlich in der von bizarren Urzeitmonstern, neckischen Riesenpilzen und -farnen, Steinzeitmenschen und orkartigen Sagoths bevölkerten Hohlwelt Pellucidar. 
Es dauert nicht lange, und schon sind sie Teil einer Sagoth-Sklavenkarawane und auf dem Weg zur Metropole der Mahars, jener schon erwähnten Dino-Papageien, die über Pellucidar herrschen. Unterwegs erhält man die Gelegenheit, dem Duell zweier putziger Ungeheuer beizuwohnen, und David findet außerdem noch Zeit, sich in die hübsche Mitgefangene Dia (Caroline Munro) zu verlieben, nur um sich beinah im selben Augenblick ihren unversöhnlichen Zorn zuzuziehen, da er mit Pellucidars Sitten nicht vertraut ist. Zugleich macht er sich den feige-verräterischen Hoojah the Sly One (Sean Lynch) zum Feind.
In der von gewaltigen Lavaströmen durchzogenen unterirdischen Stadt der Mahars werden unsere Helden erst Zeuge der telepathischen Macht der grotesken Flügelechsen, doch dann entdeckt Perry bei seiner Arbeit im herrschaftlichen Archiv zufällig deren große Schwachstelle. Worum genau es sich dabei handelt, bleibt im Film seltsam verschwommen, aber bevor wir uns darüber gar zu viele Gedanken machen können, ist David auch schon die Flucht aus der Metropole gelungen. Wieder in Freiheit begegnet er dem stolzen Krieger Ra (Cy Grant), mit dem er trotz einer anfänglichen Prügelei Freundschaft schließt, nachdem er ihn vor einer wunderhübschen freischfressenden Pflanze gerettet hat. 
Nach einigen weiteren Abenteuern, zu denen auch Davids Arenakampf gegen ein Urzeitmonster gehört, dem Wiederauftauchen Dias und der Befreiung Perrys, machen sich unsere Helden daran, die Stämme Pellucidars zu vereinen und in den großen Endkampf gegen die Mahars zu führen.

Alles in allem hält sich der Film erstaunlich eng an seine literarische Vorlage. Wenn man vom finalen Sturm auf die Stadt der Mahar absieht, wird man für beinahe jede Szene ein Äquivalent in Burroughs' Roman finden können, auch wenn diese stets einer mehr oder weniger starken Veränderung unterzogen wurden. So ist es im Roman z.B. nicht David, der in der Arena kämpfen muss, sondern ein namenloses Sklavenpaar; es gibt keine Lavaströme in der Stadt der Mahars und deren "großes Geheimnis" schaut deshalb auch weit weniger spektakulär aus; Ra {der bei Burroughs Ja heißt} wird nicht von einer dämonischen Monsterpflanze, sondern von einer riesigen Seeschlange {oder einem Plesiosaurus?} bedroht usw.
Sehr nett in diesem Zusammenhang ist die Szene, in der David auf einem schmalen Felsgrat Dia wiedertrifft. Im Buch werden die beiden von einem Pterodactylus angegriffen, und natürlich darf unser Protagonist sofort in die Rolle des heroischen Retters seiner Angebeten schlüpfen. Im Film hingegen dürfen wir uns an dem Auftritt einer feuerspeienden Riesenkröte delektieren, und es ist nicht David, der das Ungeheuer zur Strecke bringt, sondern der alte Doc Perry, der seinen Steinzeitbogen mit großer Akkuratess und sichtlichem Vergnügen zu handhaben versteht.

Von allen Figuren unterscheidet sich Abner Perry sicher am stärksten von seiner Vorlage. Der religiöse Fanatismus des im Buch natürlich amerikanischen Ingenieurs ist gänzlich gestrichen worden, und stattdessen präsentiert sich uns Doc als der typische exzentrische Professor – sehr britisch-viktorianisch {"You can't mesmerize me. I'm British!"}; stets auf Höflichkeit und das Wahren der Form bedacht {sein Regenschirm scheint ihm sein wichtigstes Besitztum zu sein}; etwas weltfremd, zerstreut und voller Enthusiasmus {mitten während der Flucht aus der Mahar-Stadt fragt er David plötzlich: "What would you think of going to the moon?"}; alles in allem völlig ungeeignet für die Abenteuer, in die er verwickelt wird. Peter Cushing hatte offensichtlich großen Spaß mit der Rolle, in der er zur Abwechselung einmal sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen konnte.

Dass Caroline Munros Rolle in der Story ziemlich unbedeutend ist, werde sicher nicht nur ich bedauern. Der Fairness halber muss allerdings hinzugefügt werden, dass Dia in Burroughs' Roman noch blasser rüberkommt als in der Filmvariante. Milton Subotsky, der auch das Drehbuch verfasste, hat zumindest versucht, sie etwas aufzuwerten. Dennoch bleibt sie mehr oder weniger in den Klischees von "Love Interest" und "Damsel in Distress" gefangen. Caroline Munro mag nicht die brillanteste Schauspielerin aller Zeiten sein, aber sie besitzt eine leidenschaftliche Austrahlung, die es jedesmal zu einem Vergnügen macht, sie auf der Leinwand {oder dem Bildschirm} zu sehen. Und wie Ryan Harvey in seiner Besprechung des Filmes schreibt: " It helps that Munro looks like she broke free from a Frank Frazetta painting. Few actresses are so visually suited for Burroughs she could’ve hammered down the part of Dejah Thoris if A Princess of Mars were filmed at the time." Ein Jammer, dass ihr in At the Earth's Core kaum Gelegenheit gegeben wird, ihr Charisma voll zu entfalten.

Ras Rolle in der Geschichte ist gegenüber der Romanvorlage deutlich ausgebaut worden.
Bei Burroughs ist der Jäger Teil einer längeren Abschweifung von der Haupthandlung, die der ursprünglichen Story hinzugefügt wurde, um die geforderte Wortzahl zu erreichen. Der Autor hatte zuerst versucht, seine Hohlweltgeschichte in John S. Phillips' respektablerem American Magazine unterzubringen, wenn auch mit geringer Hoffnung auf Erfolg: "[I] is so wildly ridiculous that I am quite sure you would not care for it." Diese Einschätzung bestätigte sich rasch, und so wandte Burroughs sich erneut dem bewährten Pulp-Markt zu. Dazu allerdings musste er At the Earth's Core von ca. 30.000 Wörtern auf Romlänge aufstocken.
Im Film ist Ra der engste Verbündete von David, Perry und Dia in ihrem Kampf gegen die Mahars. Ihm gelingt es als erstem, einen der monströsen Tyrannen Pellucidars zu töten, und zusammen mit Gakh the Hairy One (Godfrey James) spielt er eine zentrale Rolle bei der Vereinigung der Stämme.
Sympathischerweise erscheint diese Vereinigung im Film ausschließlich als Teil eines gemeinsamen Befreiungskampfes. Anders als bei Burroughs träumt David Innes hier nicht in kolonialistischer Manier davon, sich mit Hilfe der Technik der Oberwelt zum Kaiser von Pellucidar aufzuschwingen – was er dem frommen Perry gegenüber sogar als die Erfüllung einer göttlichen Mission verkauft.

Die Ja/Ra - Kapitel enthalten eine der beeindruckendsten Szenen in Burroughs' Roman:
Die Mahars versammeln sich zu einer ihrer religiösen Zeremonien in einem abgelegenen Tempel, dessen Innenraum aus einem künstlichen See besteht. Mit Hilfe ihrer telepathischen Kräfte zwingen sie menschliche Opfer dazu, immer wieder durch das Gewässer zu marschieren, wobei sie für längere Zeit vollständig untertauchen müssen. Und stets, wenn sie wieder an die Oberfläche kommen, fehlt ihnen ein weiterer Teil ihres Körpers. Auf diese Weise werden die willenlos gemachten Menschen nach und nach von den im Buch amphibischen Flugechsen aufgefressen. Ein wirklich verstörendes Szenario.
Eine vergleichbare Opferzeremonie gibt es zwar auch im Film, aber natürlich ohne künstlichen See und ohne das makabre Schauspiel einer schrittweisen Verstümmelung willenloser Opfer. So etwas hätte kaum zum lockeren Ton des Filmes gepasst. Auch wäre das Budget für solche Extravaganzen kaum ausreichend gewesen.

Solange sie bloß stumm und finster auf ihren Felsvorsprüngen hocken, und nicht an Drähten befestigt durch die Lüfte segeln, sind die Mahars durchaus passable Bösewichter. Recht wirkungsvoll ist, dass jeder Einsatz ihrer hypnotischen Kräfte von einem schrillen Ton und dem Glühen der Augen begleitet wird.
Etwas schade ist es allerdings schon, dass wir anders als im Buch nichts über ihre Geschichte und Kultur erfahren. Bei Burroughs sind die Flügelechsen nämlich nicht bloß grausliche Ungeheuer. Von allen Völkern Pellucidars sind sie ohne Zweifel zivilisatorisch am fortgeschrittensten, weshalb Perry sich auch zuerst dagegen sträubt, einige von ihnen kaltblütig zu ermorden. Die weiblichen Vertreter der Spezies haben sich vor Zeiten als überlegen erwiesen, und mit Hilfe eugenischer und biochemischer Forschungen ist es ihnen schließlich gelungen, eine Methode der künstlichen Fortpflanzung zu entwickeln, woraufhin sie die Männchen zum Aussterben verurteilt haben.**** Das ist das "große Geheimnis" {und die Achillesferse} der Mahars. Die perverse "religiöse" Zeremonie, die David beobachtet, erklärt sich wiederum daraus, dass den Echsen ein unstillbares Verlangen nach Menschenfleisch innewohnt, dieser Trieb von ihnen jedoch als beschämend empfunden wird, weshalb sie seine Befriedigung in das Gewand eines okkulten Rituals gekleidet haben.
Doch vermutlich hätten solche Details angesichts der simplen Geschichte, die der Film erzählen will, bloß unnötigen Ballast dargestellt.

Dasselbe gilt wohl auch für die faszinierendste Eigenheit von Burroughs' Pellucidar, die der Film nur einmal am Rande kurz berührt. Da die Sonne der Hohlwelt {bei der er sich in Wirklichkeit um den glühenden Erdkern handelt} stets im Zenit steht und es keine Nacht gibt, ist den Bewohnern von Pellucidar das Prinzip Zeit fremd, denn es gibt für sie ja keine natürliche Möglichkeit, deren Ablauf zu messen. Auch David und Perry verlieren bald jedes annähernd genaue Zeitgefühl. Doch Burroughs geht noch weiter. Er stellt die Frage, ob Zeit unter diesen Verhältnissen überhaupt ein objektiv existierender Faktor ist. Die Erzählung deutet mehrmals an, dass dem nicht so ist. So etwa, wenn David nach seinen langen Abenteuern mit Ja/Ra in die Stadt der Mahars zurückkehrt und dort von einem Perry begrüßt wird, der davon überzeugt ist, erst vor wenig mehr als einer Stunde von seinem Gefährten getrennt worden zu sein. In sich schlüssig ist das Ganze sicher nicht, aber es verleiht Burroughs' Hohlwelt einen ganz eigenen, leicht surrealen Charakter.
Davon hat sich im Film nur wenig erhalten. Ganz allgemein wirkt Pellucidar hier eher wie ein Verwandter der unterirdischen Welten aus Jules Vernes Reise zum Mittelpunkt der Erde.

Doch all das stört mich nur wenig. Dazu ist der altmodische Charme dieser im Studio erschaffenen phantastischen Welt mit ihren neckischen Riesenpilzen, schweinsgesichtigen Sagoths und prachtvollen Matte-Paintings, ihrer leicht violetten Beleuchtung und ihren famosen Gummimonstern einfach zu groß. Der Feuervorhang in der Mahar-Stadt ist sogar ein recht beeindruckender Effekt und neben dem wunderbar steampunkigen Eisernen Maulwurf sicher eines der Highlights des Streifens.

At the Earth's Core ist der liebenswerte Vertreter einer Abart des phantastischen Films, die es fast gar nicht mehr zu geben scheint. Praller, farbenfroher, fantasievoller, abenteuerlicher Nonsense, der sich selbst nicht übermäßig ernst nimmt und nur ein Ziel verfolgt: Spaß zu machen. Ich finde, davon könnten wir auch heute wieder etwas mehr gebrauchen.   




* Das Format war dem Vorbild des britischen Horrorklassikers Dead of Night (1945) entlehnt, und einige der Filme bezogen ihre Inspiration außerdem aus den legendären E.C.-Comics.
** Chris Brown spricht in einer Episode seines Last Horror Podcast über William Castle und The Art Of The Movie Gimmick.
*** Vgl. Episode 16 des Exploding Helicopter Podcasts, in der Hypnobobs Mr. Jim Moon zu Gast ist, um über The Beast Must Die zu reden.
**** Ich wüsste zwar nicht, dass es dafür konkrete Belege gibt, aber könnte Burroughs hier Mary E. Bradley Lanes feministisch-rassistische Utopie Mizora (1880/81) parodiert haben? Schließlich handelt es sich bei dieser gleichfalls um eine Hohlweltgeschichte, in der eine monogeschlechtliche Gesellschaft beschrieben wird, die allerdings aus eugenisch herangezüchteten, ultra-arischen Blondinen besteht. 

Freitag, 22. Dezember 2017

Leigh Brackett und die Abenteuer des Eric John Stark

Im Jahre 1911 beschloss ein fünfunddreißigjähriger Vertreter für Bleistiftanspitzer, es nach dem Scheitern einiger anderer Geschäftsideen einmal als Autor für Pulp-Magazine zu versuchen. Sein Gedankengang war ebenso simpel wie bestechend:
I had gone thoroughly through some of the all-fiction magazines and I made up my mind that if people were paid for writing such rot as I read I could write stories just as rotten.
Ein Jahr später erschien die erste Geschichte aus seiner Feder in serialisierter Form auf den Seiten des Magazins The All-Story und veränderte für immer das Antlitz der SciFi- und Abenteuerliteratur. Ihr Titel war A Princess of Mars*, der Name ihres Verfassers: Edgar Rice Burroughs.

Wie groß Burroughs' Einfluss gewesen ist, zeigte sich 2012 auf ironische Weise beim Erscheinen der John Carter of Mars - Verfilmung. Auf viele wirkte der Streifen klischeehaft und unoriginell. Was natürlich daran lag, dass die ihm zugrundeliegenden Barsoom - Romane zahllose Konventionen und Klischees des Genres überhaupt erst geschaffen haben. So gesehen war die Kritik zugleich unfair und nachvollziehbar.

Doch um ERB soll es heute eigentlich gar nicht gehen. Wenn ich meinen Post trotzdem mit ihm begonnen habe, so weil A Princess of Mars als der erste Vertreter eines Subgenres der Science Fiction gilt, das man gemeinhin als "Planetary Romance" bezeichnet. Anders als in der "Space Opera", die anderthalb Jahrzehnte später von Leuten wie E.E. "Doc" Smith geprägt wurde, bleibt der Handlungsschauplatz hier ganz auf die Oberfläche eines Planeten beschränkt. Bei vielen frühen Vertretern des Subgenres wie den Barsoom - Büchern gelangt der irdische Held mittels Astralreise oder ähnlicher mystisch-magischer Tricks auf diese fremde Welt, so dass auf Raumschiffe und vergleichbares technisches Spielzeug sogar ganz verzichtet werden kann. Aber auch wenn sich dies später ändert, bleibt die Welt interplanetarischer Raumflüge doch meist ganz im Hintergrund und hat keinen unmittelbaren Einfluss auf die eigentliche Handlung, die zumindest bei Burroughs und seinen unmittelbaren Nachfolgern den Charakter typischer Swashbuckler-Abenteuer besitzt.

Als die achtjährige Leigh Brackett 1924 Burroughs' zweiten Barsoom - Band The Gods of Mars in die Finger bekam, war dies der Beginn einer lebenslangen Liebesbeziehung zum Genre. Sie selbst hat es später einmal so ausgedrückt
I was never the same after that. Suddenly, I became aware of other worlds out there and then, from that time on, I was destined to be a science fiction writer. 
Es verwundert darum auch nicht, dass für die Autorin, der später oft der Titel "Queen of Space Opera" verliehen wurde, die "Planetary Romance" immer das bevorzugte Subgenre blieb. Was nicht etwa heißen soll, sie sei eine Burroughs - Epigonin gewesen. In ihren eigenen Worten:
[T]he Mars stories, all my Mars stories came out of Burroughs -- I tried never to exactly copy his Mars, I tried to make it my own, but I think my fascination for Mars came from the fascination for his Mars.
Wie die meisten literarischen Marslandschaften verdanken auch die ihren ohne Zweifel einiges dem Vorbild Barsooms, aber vor allem der Charakter ihrer Helden unterscheidet Bracketts SciFi - Stories denn doch sehr deutlich von denen ERBs. Wie Michael Moorcock in einem Essay über die von ihm bewunderte Schriftstellerin schreibt:
Burroughs' [...] heroes were fundamentally country (occasionally arboreal) gents, while Leigh’s, wherever their actual adventures took place, were fundamentally urban rough diamonds. They tended to bring metropolitan experience and values to the frontier. [...] She antedated cyberpunk by some fifty years, by bringing the spare, laconic prose and psychically wounded heroes of Hemingway, Hammett and Chandler into the sf pulp**  
Einer der Gründe für diesen Unterschied ist denke ich im Charakter der Ära zu suchen, in der Bracketts literarische Karriere ihren Anfang nahm.

Erste kleinere Erfolge hatte sie schon in ihren Schuljahren im Zusammenhang mit ihren Schauspielklassen feiern können, doch eine weiterführende College -Ausbildung war ihr trotz eines angebotenen Stipendiums aus ökonomischen Gründen verwehrt geblieben.
In den späten 30ern wurde sie Teil des kalifornischen SF - Fandoms und begann, eigene Genrestories zu schreiben.
Sure enough, there wasn't a heck of a lot of money in it, but it was a heck of a lot of fun; there's some awfully nice people. It was a very chummy world in those days because there weren't very many of us writing, or reading science fiction
1939 schloss sie sich der gerade gegründeten*** Los Angeles Science Fantasy Society (LASFS) an. Zu dem Milieu aus Fans und {angehenden} Künstlern, in dem sie sich bewegte, gehörten Leute wie Ray Bradbury, Robert Heinlein, Henry Kuttner, Catherine L. Moore, Forrest J. Ackerman und Ray Harryhausen. Mit den ersten beiden schloss sie schon bald innige und langwährende Freundschaften. 1940 lernte sie den SciFi-Autor Edmond Hamilton {yep, den Schöpfer von Captain Future} kennen, den sie sechs Jahre später heiraten würde.
Im selben Jahr wurde ihre erste eigene Story Martian Quest in John W. Campbells Astounding Science-Fiction veröffentlicht. Aber wie für manch andere Autoren auch, machten Campbells rigide und mitunter recht exzentrische Vorstellungen davon, wie "richtige" Science Fiction auszusehen habe, eine längerfristige Zusammenarbeit für Brackett unmöglich.**** Es könnte sein, dass dabei auf Seiten Campbells auch sexistische Vorurteile mit hineinspielten, auch wenn Brackett selbst stets erklärt hat, dass sie nie das Gefühl gehabt habe, in der SciFi-Szene aufgrund ihres Geschlechtes unfair behandelt worden zu sein. Das heißt, vereinzelte Leserkommentare im Stile von "Frauen können keine Science Fiction schreiben" erwähnt sie in Interviews zwar schon, doch scheint sie diese nie besonders ernst genommen zu haben. Im Ganzen gesehen habe sie sich jedenfalls in der Szene stets Willkommen gefühlt: "They all welcomed me with open arms. There were so few of us nuts that they were just happy to receive another lamb into the fold."
Wie dem auch sei, ihre bevorzugte Heimat fand sie später jedenfalls bei Planet Stories.
Das im Winter 1939 erstmals erschienene Magazin bezahlte seine Autoren & Autorinnen selbst für die Verhältnisse auf dem Pulp-Markt außergewöhnlich schlecht. Und natürlich war es ganz allgemein nicht gerade leicht, in diesen Jahren als reiner SciFi-Autor wirtschaftlich über die Runden zu kommen. Von familiärer Seite erhielt Leigh Brackett keinerlei Unterstützung. Dort dachte man, wenn sie sich schon als Schriftstellerin versuchen wollte, könnte sie doch wenigstens Geschichten für das Ladies Home Journal schreiben, und nicht für diese fürchterlichen Pulps. Dazu jedoch besaß sie nicht die geringste Neigung, und als sie aus finanziellen Beweggründen tatsächlich daran ging, es auch einmal in anderen Genres zu versuchen, fiel ihre Wahl auf etwas, was ihrer Sippschaft noch sehr viel weniger gefallen haben dürfte: Sie schrieb eine "hard-boiled detective story" im Stile von Raymond Chandler und Dashiell Hammett  
Im Jahre 1944 veröffentlicht, war No Good from a Corpse Leigh Bracketts erstes Werk, das in Buchform erschien. Für ihre weitere Karriere am wichtigsten war ohne Zweifel, dass sich ihr damit die Tür zu Hollywood öffnete. Genau genommen hatte sie ihre ersten Aufträge als Drehbuchschreiberin für Republic Pictures zwar ihrem Agenten Hugh King zu verdanken. Das Studio war bemüht, verspätet auf die zweite große Horrorwelle, die 1938 von den legendären Dracula-Frankenstein-Double Bills ausgelöst worden war, aufzuspringen, und da die Bosse zwischen SF und Horror nicht recht zu unterscheiden verstanden -- "to [them] it was all the same - 'bug eyed monsters'" --, ließen sie sich von King überzeugen, die Autorin für The Vampire's Ghost (1945) zu engagieren. Aber es war die Lektüre von No Good from a Corpse, die Howard Hawks dazu animierte, Brackett neben William Faulkner als Drehbuchautorin für seine Chandler-Adaption The Big Sleep (1946) zu engagieren. Der Beginn einer langen und fruchtbaren Zusammenarbeit, zu der u.a. auch der John Wayne - Klassiker Rio Bravo (1959) gehörte.***** Daneben würde Leigh Brackett außerdem sehr viel später das Drehbuch für einen meiner absoluten Lieblingsfilme schreiben -- Robert Altmans The Long Goodbye (1973).****** Und natürlich stammte auch der erste Scriptentwurf für The Empire Strikes Back aus ihrer Feder.*******

In der kalifornischen SF-Szene jener Jahre herrschte allgemein ein optimistisch-utopistischer Geist, wie es Jason V. Brock in Last of the Titans, seinem Nachruf auf Ray Harryhausen, beschrieben hat:
Clifton’s Cafeteria was a safe haven for individuals with like minds who believed fervently in the dawning scientifically oriented future, and who maintained a devout sense of awe about the expansion of human knowledge and the coming futuristic age, as represented by rockets, Mars, utopias, and the prospect of peace in the world. [...] Even when issuing warnings about fading morality and technology run amok, there was still a basic optimism in the work and conversation of the LASFS, an abiding sense that tomorrow would bring more than fear, pain, and misery; indeed, tomorrow promised hope, opportunity, and change for the betterment of humanity.
Doch vergessen wir nicht, dass der historische Hintergrund für diesen {mitunter etwas exzentrische Formen annehmenden*******} Zukunftsoptimismus die Ära der Großen Depression und des Zweiten Weltkriegs war. Eine Zeit wirtschaftlichen Elends, tiefer Verunsicherung und extrem heftiger Klassenkämpfe in den USA, sowie des blutigen Grauens von Faschismus und Krieg in Europa und Ostasien. 
Soweit ich das beurteilen kann, scheint die kalifornische SF-Gemeinde weniger "links" gewesen zu sein als etwa die New Yorker Futurians*********, aber auch ihre Mitglieder werden von den ökonomischen und politischen Konflikten ihrer Zeit nicht unberührt geblieben sein. Das naive Vertrauen in den unaufhaltsamen Triumphzug des Kapitalismus, das bei vielen Amerikanern während der Boomära der 20er Jahre geherrscht hatte, war durch die Weltwirtschaftskrise zutiefst erschüttert worden. Natürlich zog daraus nicht jeder sozialistisch-revolutionäre Schlüsse, aber auch bei vielen von denen, die das nicht taten, schärfte sich der kritische Blick auf die Wirklichkeit. Bis dato unerschütterliche "Wahrheiten" gerieten ins Wanken. Die offizielle Fassade der US-Gesellschaft hatte tiefe Risse bekommen, und was dahinter zum Vorschein kam, war ziemlich hässlich und beunruhigend.
In ihren besten Vertretern war die "hard-boiled detective story" Ausdruck dieser veränderten Perspektive. Wenn Leigh Brackett sich dem Genre nicht nur aus monetären Erwägungen zuwandte, sondern Hammett und Chandler darüberhinaus für zwei ihrer größten literarischen Inspirationen hielt -- was der Fall war --, so lässt sich denke ich vermuten, dass die Erfahrungen dieser Zeit auch für sie von ähnlich prägender Bedeutung waren. Anders als etwa Hammett {oder einige der Futurians} wandte sich zwar nie dem Sozialismus zu -- Moorcock erwähnt in seinem Essay, dass Brackett in politischer Hinsicht wohl eher John Wayne als ihm selbst nahegestanden habe --, aber wie ihre Stories sehr deutlich zeigen, besaß sie eine große Sympathie für Underdogs und Rebellen aller Art und eine ebenso große Skepsis gegenüber den Reichen und Mächtigen. Und dies ist einer der Punkte, der ihre "Planetary Romances" deutlich von denen Edgar Rice Burroughs' unterscheidet.

Als Beispiel sollen ihre ersten drei Eric John Stark - Stories dienen, die ich vor kurzem zum ersten Mal und mit großem Vergnügen gelesen habe.

Wenn wir unserem Helden am Anfang von Queen of the Martian Catacombs (1949) zum ersten Mal begegnen, flieht er gerade durch die marsianische Wüste, verfolgt von einem terranischen Polizeitrupp, der ihn in die Luna-Strafkolonie überführen soll, wo man ihn für das Verbrechen einzukerkern gedenkt, Waffen für die rebellischen Venusstämme geschmuggelt zu haben, die sich gegen den Großkonzern Terro-Venusian Metals erhoben hatten. Starks Lage scheint aussichtslos und wir bekommen einen ersten Einblick in seine Psyche: "He recognized the inevitable. He was used to inevitables -- hunger, pain, loneliness, the emptiness of dreams. He had accepted a lot of them in his time. Yet he made no move to surrender." Stark ist kein strahlender Recke, sondern ein einzelgängerischer Outlaw.
Der Anführer des Polizeitrupps entpuppt sich als Simon Ashton, Eric John Starks Ziehvater, womit die Gelegenheit gegeben ist, die Hintergrundsgeschichte unseres Helden einzuführen. Als Kind terranischer Bergleute kommt er auf dem Merkur zur Welt, verliert seine Eltern sehr früh durch ein Grubenunglück und wird von den Mitgliedern eines primitiven einheimischen Stammes adoptiert. Sie geben ihm den Namen N'Chaka ("Mann ohne Stamm"), und er wächst im Glauben auf, einer der ihren zu sein. Jahre später wird der gesamte Stamm von einem weiteren Trup terranischer Kolonisten abgemetzelt. Einzig N'Chaka wird {vorerst} verschont und in einem Käfig als Kuriosität zur Schau gestellt. Dort findet ihn Simon Ashton, sorgt für seine Freilassung und nimmt sich seiner als einer Art Adoptivsohn an. Wann und unter welchen Umständen es schließlich zum Bruch zwischen den beiden gekommen ist, bleibt unklar.
Diese Hintergrundsgeschichte erhellt sowohl den Charakter Starks, als auch den der Welt, in der er lebt.
Die Geschichten spielen in einem kolonialistischen Kontext. Doch anders als in vielen anderen Pulp-SciFi-Stories der Zeit sind die Kolonisatoren von der Erde bei Leigh Brackett nicht die Helden. Ihre Interaktionen mit den "Eingeborenen" erscheinen selten in einem besonders guten Licht. Völkermörderische Massaker, wie Stark sie hat erleben müssen, mögen zwar nicht die Regel sein, aber es ist klar, dass die Ankunft der Händler, Siedler, Polizisten und Kolonialbeamten von der Erde für die Bewohner der anderen Welten kein Segen gewesen ist. Ebenso klar ist, dass wirtschaftliche Interessen hinter der kolonialen Expansion stecken, wobei Unternehmen wie Terro-Venusian Metals die Rolle der British East India Company übernommen haben.
Stark seinerseits ist der Urtyp des heimatlosen Außenseiters. Seine von der Merkursonne dunkelbraun gebrannte Haut ist ein äußeres Zeichen dieses Außenseitertums. Die einzige "Familie", die er je gekannt hat, wurde von seinen "eigenen Leuten" ermordet. Auch wenn er dank Simon Ashton in die "moderne" Gesellschaft reintegriert wurde, steckt immer noch viel von dem "Wilden" in ihm, was stets dann hervorbricht, wenn er sich bedroht fühlt oder in einer extremen Gefahrensituation steckt. Obwohl der Herkunft nach ein Terraner, hat er keinerlei emotionale Bindungen zur Erde. In Enchantress of Venus (1949) bemerkt er trocken: "I haven't been there for a long time. The police were too ready with a welcoming committee." Seine Sympathie gehört stets den "Eingeborenen", auch wenn er weiß, dass er auch unter ihnen nie wird heimisch werden können. Die einzigen echten Freunde Starks, denen wir in den Geschichten begegnen, sind Ureinwohner von Mars und Venus. Unter den Bewohnern dieser Planeten selbst bevorzugt er eindeutig die "Barbaren" und "Gauner" gegenüber den aristokratischen Herrschern der lokalen Stadtstaaten. Zwar hören wir an einer Stelle, "that [he] had led a native revolt somewhere in the Jovian Colonies", aber alles in allem ist er nicht der Typus des Revolutionärs. Eher schon ähnelt er dem einsamen Outlaw und Revolverhelden aus einem Italowestern. Ewig umherstreifend, immer mit einem Fuß im Gefängnis, nicht selten skrupellos und brutal, aber im Herzen doch ein aufrechter Mensch, der mitunter zu großem Heroismus fähig ist. Dabei sind seine Erfolge nicht selten bloß halbe Siege. Weder gelingt es ihm in Black Amazon of Mars (1951) die Eroberung der Stadt Kushat zu verhindern, noch kann er in Queen of the Martian Catacombs den marginalisierten Stämmen der Drylands zu ihrem Recht verhelfen. Das Beste, was er zu leisten vermag, ist es, sie von ihrem falschen Messias zu befreien, der sie zusammen mit einem marsianischen Verbrecherboss und einigen Terranern für seine eigennützigen Pläne missbrauchen wollte. Am erfolgreichsten ist Stark vielleicht noch in Enchantress of Venus, wenn er dazu beiträgt, die despotische Herrschaft eines dekadeten Adelsclans zu beenden, dessen Mitglieder grob der Julisch-Claudischen Dynastie aus Robert Graves' I, Claudius nachempfunden sind. 

Was mich neben dem Underdog-Protagonisten an den drei Stories besonders stark angesprochen hat, ist Leigh Bracketts Stil: Meist sehr knapp, beinah lakonisch, dabei jedoch zugleich äußerst evokativ, mitunter beinah poetisch. Auch besitzen ihre außerirdischen Landschaften eine extrem dichte Atmosphäre, ganz gleich ob es sich bei ihnen um die halb zu Ruinen verfallene Stadt Valkis am Ufer eines längst ausgetrockneten Meeres in Queen of the Martian Catacombs, das aus brennendem Gas bestehende "Rote Meer" und die in ihr versunkene Metropole mit ihren "toten Wäldern" in Enchantress of Venus oder die zyklopischen Überreste uralter Türme und die Stadt unter dem Eis in Black Amazon of Mars handelt. Am stärksten beeindruckt hat mich übrigens die letztere. Und dass sie gewisse Reminiszenzen an Lovecrafts At the Mountains of Madness wachruft, war dafür nicht der Hauptgrund. 
  


https://twitter.com/raskolnik2/status/862444160363712512
* Bei ihrer Erstveröffentlichung im Februar 1912 hieß sie noch Under the Moons of Mars, aber wirklich bekannt geworden ist sie unter dem Titel, den sie 1914 bei ihrem Erscheinen in Buchform erhielt.
** Michael Moorcock: Queen of the Martian Mysteries: An Appreciation of Leigh Brackett
*** Die LASFS war eine Abspaltung der älteren, 1934 von Hugo Gernsback ins Leben gerufenen Science Fiction League.
**** John O'Neill hat auf Black Gate kürzlich einen recht amüsanten und erhellenden Ausschnitt aus Alfred Besters Bericht über sein "one demented meeting with the great John W. Campbell, Jr." gepostet.
***** Wer sich für Bracketts Zusammenarbeit mit Hawks interessiert, findet Interessantes dazu in diesem Interview aus dem Starlog Magazine.
****** Wer diese großartig subversive Raymond Chandler - Adaption noch nicht kennt, lässt sich vielleicht durch die Eröffnungssequenz in Versuchung führen: Philip Marlowe versucht, seine Katze zu füttern.
******* Das Script findet man hier.
******** So scheint unter ihnen z.B. eine weitverbreitete Begeisterung für die künstliche "Weltsprache" Esperanto geherrscht zu haben. Das entnehme ich zumindest den Erinnerungen von Forry Ackerman.
********* Was J. Edgar Hoover nicht davon abhielt, in den 50er Jahren einen Undercover-Agenten des FBI in die LASFS einzuschleusen, der ein wachsames Auge auf die "kommunistische Infiltration" des SF-Fandoms halten sollte.
********** Die antikommunistische Hexenjagd der McCarthy-Ära der 50er Jahre muss zu einem Gutteil als Versuch der herrschenden Elite verstanden werden, die Erfahrungen der vorangegangenen zwei Jahrzehnte aus dem gesellschaftlichen Bewusstsein auszulöschen.  

Dienstag, 12. März 2013

Tarzans Rückkehr ?

Bei Warner Bros. scheint man ernsthaft auf eine Rückkehr des Herrn des Dschungels auf die Leinwand hinzuarbeiten. Wie ich einem Artikel von Ryan Harvey auf Black Gate entnehme, war ein solches Projekt offenbar schon seit längerem im Gespräch und letzten November plazierte Produzent Jerry Weintraub schließlich David Yates auf dem Regiestuhl. Eine Entscheidung, die nicht unbedingt euphorische Vorfreude auf kommende Urwaldabenteuer in mir weckt. Harry Potter and the Deathly Hallows habe ich zwar nicht gesehen, doch weder Order of the Phoenix noch Half-Blood Prince haben mich sonderlich begeistern können. Ich bin allerdings ohnehin kein großer Fan des Töpferjungen, gleich in welcher Inkarnation er mir bisher begegnet ist. Was Tarzan betrifft, so geht seit letzter Woche außerdem das Gerücht um, Jessica Chastain – die wir momentan in Kathryn Bigelows Zero Dark Thirty "bewundern" können {wenn wir es über uns bringen, für diesen Streifen Geld auszugeben – was auf mich nicht zutrifft} – werde die Rolle der Jane übernehmen. Für den Part des Lianenschwinger selbst ist anscheinend vor allem Alexander Skarsgård (True Blood) im Gespräch.
Soweit die Fakten und Gerüchte, nun zur sehr viel grundsätzlicheren Frage: Ist eine filmische Neuauflage von Edgar Rice Burroughs' berühmtestem Helden überhaupt wünschenswert?
Da ich mich weder betreffs der literarischen noch der filmischen Verkörperungen des Herrn des Dschungels als sonderlich bewandert bezeichnen kann, maße ich mir keine ausreichende Autorität zur Beantwortung dieser Frage an. Die alten Johnny Weissmüller - Flicks wecken in mir allerdings nostalgische Kindheitserinnerungen – offenbar wurden sie früher öfters mal im Fernsehen gezeigt. Und auch wenn mir klar ist, dass ERBs Romane eine Menge kolonialistischen und rassistischen Gedankenguts enthalten {verwiesen sei in diesem Zusammenhang auf einen sehr lesenswerten Artikel von Freund Anubis auf Lake Hermanstadt}, kann ich doch nicht behaupten, dass ich einer Rückkehr in das naiv-pulpig-abenteuerliche Afrika Tarzans gänzlich abgeneigt wäre. Etwas mulmig wird mir allerdings zumute, wennn ich Ryan Harveys Zusammenfassung des geplanten Plots lese:
Apparently it will be Tarzan: On Her Majesty’s Secret Service. Thankfully, someone at Warner Bros. realized that audiences are sick of origin stories, and since we all know the deal with Tarzan, they are skipping the front material and hopping right into espionage adventure. The story from writers John August, Cormac and Marianne Wibberley, and Adam Cozad has Tarzan already living among civilization. He returns to his birthplace of Africa on an assignment from Queen Victoria to enter the Congo and investigate the vile doings of a warlord. The Ape Man teams up with Samuel L. Jackson, and hopefully the full-blooded ERB Tarzan — who kills jungle warmongers real good — gets into some savage simian fury. The storyline sounds like it borrows elements from two early ERB novels, The Return of Tarzan (Tarzan as world-traveling adventurer) and Tarzan the Untamed (a violent colonial war tale). It sounds like a story Burroughs might have written in the ‘teen, and it means seeing a Tarzan adept at both city and wilderness life, no doubt kicking butt in both.
Statt der Vorfreude auf farbenprächtige Pulp-Geschichten alten Stils kommen mir da recht unangenehme Assoziationen zu sehr aktuellen politischen Entwicklungen. Insbesondere bei der Nennung des Wörtchens "Warlord" schwant mir Übles, spielt selbiges doch eine zentrale Rolle bei der propagandistischen Rechtfertigung der neokolonialen Kriege, die in immer kürzeren Abständen von den Großmächten gestartet werden. Und spätestens der vor drei Monaten begonnene Krieg im Mali, an dem neben Frankreich und den USA auch Deutschland beteiligt ist, hat gezeigt, dass Afrika dabei erneut zu einem der zentralen Schlachtfelder geworden ist. Statt neckischer Abenteuer mit Elefanten, Schimpansen und schurkischen Großwildjägern, könnte der neue Tarzan also zum Vehikel für die Ideologie des "humanitären Imperialismus" werden, der die hilflosen "Eingeborenen" vor "Warlords", Terroristen oder anderen Bösewichtern beschützt. Und so einen Film möchte ich nicht sehen. Dann doch lieber Cheetah und der gute alte Johnny Weissmüller ... 

  

Mittwoch, 13. Februar 2013

Amicus, Edgar Rice Burroughs & Michael Moorcock

Als sich die legendäre englische Filmproduktionsfirma Amicus Productions Mitte der 70er Jahre plötzlich dem Werk des alten Pulp-Meisters Edgar Rice Burroughs zuwandte, stellte dies vermutlich einen Versuch dar, sich aus den zunehmend unprofitabel erscheinenden Gefilden des Brit-Horrors zurückzuziehen und sich einen neuen, gewinnversprechenderen Markt zu eröffnen. Spätestens seit dem gewaltigen internationalen Erfolg von The Exorcist (1973) schien das Schicksal des bereits zuvor kränkelnden Genres endgültig besiegelt zu sein, und Amicus' Versuch, mit Madhouse (1974) der Entwicklung hin zu mehr Blut und expliziter Gewalt nachzueifern, war aus verschiedenen Gründen gescheitert.* Andererseits hatte die Firma sich nie ausschließlich auf Horror beschränkt. So war sie z.B. Mitte der 60er Jahre für die Produktion der beiden Dr. Who - Kinofilme mit Peter Cushing verantwortlich gewesen. Sich erneut einer familienfreundlicheren Form der Phantastik zuzuwenden, erschien Subotsky und Rosenberg deshalb vermutlich naheliegend.
Erstaunlicherweise hatte von Edgar Rice Burroughs' Kreationen bisher eigentlich nur Tarzan seinen Weg auf die Leinwand gefunden – angefangen mit dem ungeheuer erfolgreichen Tarzan of the Apes von 1918 und den Johnny Weissmueller - Flicks der 30er & 40er Jahre, die bis heute das populäre Bild des Herrn des Dschungels prägen. Dabei hätte dessen umfangreiches Oeuvre findigen Filmproduzenten eigentlich als eine wahre Goldgrube erscheinen müssen, und als man bei Amicus nun ERB's 1918 erschienene Story The Land That Time Forgot hervorkramte, war den Verantwortlichen offenbar auf Anhieb klar, dass sie den idealen Stoff für einen phantastischen Abenteuerfilm in Händen hielten. Das größte Problem stellte die Finanzierung dar. Für sich alleine hätte Amicus unmöglich das Budget aufbringen können, das nötig erschien, um den von Sauriern und Affenmenschen bevölkerten Kontinent Caprona in die Kinowirklichkeit zu übertragen. Also handelte man eine Kooperation mit American International Pictures aus, mit denen man zuvor bereits bei Madhouse zusammengearbeitet hatte. In der amerikanischen Schlock-Schmiede war man inzwischen gleichfalls zu der Überzeugung gelangt, dass der Horrorboom der 60er Jahre, als Roger Cormans Poe-Adaptionen mit Vincent Price AIPs ertragreichste Produkte gewesen waren, sein Ende erreicht hatte. Unter der Leitung von Samuel Z. Arkoff hatte man sich verstärkt der Produktion von Filmen wie Martin Scorseses Boxcar Bertha (1972) oder der legendären Blaxploitation-Flicks Blacula (1973) und Foxy Brown (1974) zugewandt. Eine Edgar Rice Burroughs - Adaption schien Arkoff jedoch offenbar gleichfalls eine vielversprechende Idee zu sein. Neben dem nötigen Geld steuerte AIP vor allem seinen Action-Star Doug McClure zu dem Projekt bei.

Zuvor hatte man natürlich auch noch die Filmrechte an der Story erwerben müssen. Dabei hatten Edgar Rice Burroughs' Erben ihr Einverständnis an die Bedingung geknüpft, dass es sich um eine vorlagengetreue Verfilmung handeln müsse. Als es daran ging, einen Drehbuchautor zu finden, der diese Transformation bewerkstelligen sollte, landete Amicus einen wahren Geniestreich: Man engagierte Michael Moorcock.
Der SF- und Fantasyautor hat seine Pulpwurzeln nie verleugnet und mehr als einmal seiner großen Liebe zu Edgar Rice Burroughs Ausdruck verliehen. Bevor er mit eigenen Werken und als Herausgeber von New Worlds seinen Beitrag zum Durchbruch der "New Wave" leistete, hatte er sich seine literarischen Sporen u.a. als Herausgeber von Tarzan Adventures verdient (und das im Alter von siebzehn Jahren!). Hätte man einen besseren Kandidaten für den Job finden können?

Als ich mir angeregt von Jim Moons The McClure Quartet kürzlich wieder einmal The Land That Time Forgot anschaute, begann ich mich zu fragen, wie groß genau Moorcocks Anteil an der Geschichte wohl war, die sich da vor meinen Augen entfaltete. Vor allem die sympathisch humanen und fortschrittlichen Züge des Films schienen mir sehr deutlich die Handschrift des alten Anarchisten zu verraten. Also beschloss ich, zum Vergleich das Original zu lesen.**

Abgesehen von dem kataklysmischen Finale, bei dem ein Großteil Capronas der Zerstörung durch einen Vulkanausbruch anheimfällt (eine altbewährte Methode zur Entsorgung Verlorener Welten), hält sich Kevin Connors Film im Großen und Ganzen tatsächlich recht eng an seine literarische Vorlage.


Im Jahr 1916 wird ein englisches Passagierschiff im Atlantik von einem deutschen U-Boot unter dem Kommando von Kapitän Von Schoenvorts (John McEnery)*** torpediert und versenkt. An Bord befinden sich u.a. der Amerikaner Bowen Tyler (Doug McClure) und die junge Lisa Clayton (Susan Penhaligon). Die überlebenden Briten kapern unter Tylers Führung das U-Boot. Es gelingt ihnen jedoch nicht, wie geplant zu einem englischen Hafen zu fahren, stattdessen landen sie nach Meutereien und Kontermeuterein schließlich in der Antarktis, wo sie auf den von unüberwindlichen Klippen umgebenen legendären Kontinent Caprona stoßen. Nach der riskanten Fahrt durch einen unterseeischen Kanal taucht das U-Boot inmitten einer tropischen, von urzeitlichen Tieren und neandertalerartigen Höhlenmenschen bevölkerten Welt auf. Briten und Deutsche beschließen, ihre Animositäten erst einmal beizulegen, und gemeinsam den Gefahren dieser fremden Welt zu trotzen und einen Weg zu suchen, um in die Zivilisation zurückzukehren. Dabei kommt es nicht nur zu einigen recht unfreundlichen Begegnungen mit diversen Dinosauriern, unsere Helden entdecken außerdem, dass die Evolution auf diesem mysteriösen Eiland recht seltsame Wege beschritten hat. Offenbar werden die meisten Lebewesen hier in ihrer primitivsten Form geboren, um im Laufe ihres Lebens sukzessive alle weiteren Entwicklungsstufen zu durchlaufen und dabei gleichzeitig immer weiter ins Inland abzuwandern. Dies zeigt sich vor allem an den unterschiedlichen Menschenrassen, denen Tyler, Lisa und Von Schoenvorts während ihrer Expeditionen begegnen.

Eine ähnlich knappe Zusammenfassung von Edgar Rice Burroughs' Roman würde nicht viel anders klingen. Der auffälligste Unterschied wäre, dass die Protagonistin dort Liz La Rue heißt. Und doch sind Michael Moorcocks Eingriffe überdeutlich, insbesondere was die Zeichnung der Charaktere Lisa und Von Schoenvorts angeht.
Der U-Boot-Kapitän ist bei ERB eine durch und durch unsympathische Figur, die in vielen Punkten dem von der damaligen amerikanischen Kriegspropaganda gezeichneten Bild der "Bestie von Berlin" entspricht.**** Der preußische Aristokrat ist arrogant, brutal und verräterisch. Völlig anders im Film. Dort erweist sich Von Schoenvorts als zivilisiert, gebildet und außergewöhnlich ehrenhaft. Er ist es, der als erster eine Kooperation zwischen Briten und Deutschen vorschlägt, und er ist es auch, der zusammen mit Lisa dem biologischen Geheimnis von Caprona auf die Spur kommt.
Und während Liz in erster Linie die Rolle von Tylers "unsterblicher Liebe" und der "damsell in distress" zu spielen hat, erweist sich ihr Gegenstück Lisa – wunderbar verkörpert von Susan Penhaligon – nicht nur als mutig und selbstständig, sondern auch als eine äußerst kompetente Wissenschaftlerin.

Was mir an Moorcocks Umgang mit seiner Vorlage besonders gut gefällt, ist, dass er der Geschichte einen humaneren und fortschrittlicheren Geist einhaucht, ohne dabei ihren pulpigen Charme zu zerstören. Auch seine Version von The Land That Time Forgot ist vor allem eine spannende Abenteuerstory mit U-Booten, Faustkämpfen, Verlorenen Kontinenten, Dinosauriern und Affenmenschen. Nationaler Chauvinismus und sexistische Klischees sind kein Muss für solch ein Pulp-Adventure. Sie lassen sich ebenso leicht entfernen, wie der anarchistische Saboteur und die rassistischen Bemerkungen über die "negroiden" Züge der primitiven Urmenschen, denen wir in Edgar Rice Burroughs' Roman begegnen. Ja, man kann sie sogar ersetzen durch die "Botschaft" einer alles Misstrauen und alle nationale Feindschaft überwindenden menschlichen Solidarität, ohne dass man die Geschichte deshalb in ein politisches Lehrstück oder eine "Dekonstruktion" verwandeln müsste. Ein wenig erinnert mich das an Moorcocks Umgang mit der Sword & Sorcery in seinen frühen Elric-Romanen. Die Geschichten um den tragischen Albinofürsten von Melniboné stellen natürlich sehr viel deutlicher einen kritischen Gegenentwurf zu den Konventionen des Genres dar, aber auch sie sind zugleich Ausdruck der Liebe des Autors zu dessen Pulp-Wurzeln. Zumindest zu jener Zeit war Moorcocks kritischer Blick noch kein Blick von oben herab. So jedenfalls mein Eindruck. Er war vielmehr der Blick eines Fans, der weder bereit war, seine Augen vor den eher unappetitlichen Elementen in der "klassischen" Phantastik zu verschließen, noch deshalb gleich das Kind mit dem Bade auszuschütten. Eine Einstellung die mir ausgesprochen sympathisch ist.    


* Jim Moon berichtet ausführlich über die unglücklichen Umstände, unter denen dieser Streifen entstand, in Episode 34 von Hypnobobs: You Only Live Price.
** IMDB führt als zweiten Drehbuchautor James Cawthorn an. Wie groß dessen Anteil an dem Script war, entzieht sich jedoch leider meiner Kenntnis. Allerdings hat Moorcock mehrfach betont, dass die letzten zwanzig Minuten des Films mit dem vulkanischen Finale nicht aus seiner Feder stammten. Im Umkehrschluss darf man wohl annehmen, dass der Rest seinen Intentionen entpspricht.
*** Die Stimme, die wir zu hören bekommen, gehört allerdings nicht McEnery, sondern dem aus Deutschland stammenden Anton Diffring, Liebhabern des phantastischen Kinos vermutlich vor allem als Fabian in François Truffauts Fahrenheit 451 bekannt.
**** Als Beispiel für diese antideutsche Hetze, deren Spuren wir nebenbei bemerkt auch noch in H.P. Lovecrafts 1920 verfasster Kurzgeschichte The Temple finden können, möchte ich rasch George Sterlings Gedicht Germany on the Seas zitieren. Ganz einfach, weil es mir so wunderbar zu The Land That Time Forgot zu passen scheint:

What monsters of the mythologic den
    Shall match the horror of the Hun at sea ?
    The frozen blood congeals, then, leaping free,
Goes furious on its outraged course again.
This is the work of devils, not of men!
    By this they do, know now that man may be
    Deeper below the beast than ever we
Have soared above the reptiles of the fen.

They do this open-eyed. This is their plan,
    Tho all the world go sick with qualms of it.
Such savageries do men devise for man,
        Conscious and nothing loth, as tho Hell's slime
    Took form to do the bidding of the Pit –
        A stench upon our days and ways of Time!

Montag, 21. Januar 2013

Let's have some fun !

Ich hätte den heutigen Tag wirklich nicht besser beginnen können als mit der neuesten Episode von Mr. Jim Moons Hypnobobs
Es bereitet mir ohnehin stets großes Vergnügen, den Gentleman aus Darlington bei seinen Streifzügen durch die Gefilde des Wunderbaren und Phantastischen zu begleiten. Diesmal aber hat er sich außerdem ein besonders liebenswertes Objekt für seine Betrachtungen ausgesucht. Vier klassische phantastische Filme der 70er Jahre voller Gummimonster und fesselnder Abenteuer: The Land That Time Forgot (1974), At the Earth's Core (1976), The People That Time Forgot (1977) und The Warlords of Atlantis (1978). Die ersten drei basieren auf Stories aus der Feder des großen Pulp-Pioniers und Tarzan-Schöpfers Edgar Rice Burroughs. Das soll jetzt aber nur insofern eine Rolle spielen, als es darauf hindeutet, womit wir es bei diesen Flicks zu tun haben. Mit prallem, fantasievollem, buntem, altmodischem, abenteuerlichem Unsinn! Und davon könnten wir wahrhaftig mal wieder eine ordentliche Dosis gebrauchen! All der modische Zynismus und düstere Pseudorealismus unserer Zeit hat dazu geführt, dass die Phantastik nur noch selten einer ihrer wichtigsten Aufgaben gerecht wird: Ganz einfach, Spaß zu machen und Freude zu bereiten!