"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Samstag, 21. November 2020

Retro Hugos und der Derleth-Mythos

Die Verleihung des diesjährigen Hugo Award war bekanntlich eine mittelprächtige Katastrophe, die berechtigterweise zu einer Menge Aufruhr in Phantastik-Kreisen führte. Auch wenn, wie in solchen Fällen üblich, einige der Reaktionen in meinen Augen etwas hyperbolisch ausfielen. 
Doch es war nicht allein die völlig missglückte Form der Präsentation durch George R.R. Martin und Robert Silverberg, die auf viele zurecht herabsetzend und beleidigend wirkte, welche Kritik auf sich zog. Auch die Retro Hugos riefen wütende Proteste hervor, die sich zum Teil bis zu der Forderung steigerten, diesen Preis ganz abzuschaffen. 
Dafür waren vor allem die Gewinner in zwei Kategorien verantwortlich.
 
Zum einen war in der Sparte "Best Editor, Short Form" einmal mehr John W. Campbell zum Sieger gekürt worden. Was aus nachvollziehbaren Gründen auf viele als eine bewusste Provokation wirken musste. Immerhin hatte die Dankesrede der letztjährigen Hugo-Gewinnerin Jeannette Ng zu einer heilsamen Diskussion über die Rolle des Herausgebers geführt, die schließlich zur Umbenenung des John W. Campell Awards in den Astounding Award geführt hatte. Dass ihm nun erneut ein Retro Hugo verliehen wurde, ließ sich kaum anders als eine Gegen-Proklamation seitens des konservativen Fandom-Flügels interpretieren. Wenn's nach mir gegangen wäre, hätte übrigens Dorothy McIlwraith die Auszeichnung erhalten.
Zum anderen ging der Preis in der Kategorie "Series" an den "Cthulhu Mythos, by H. P. Lovecraft, August Derleth, and others".
Zu diesem Preis möchte ich heute einen verspäteten Kommentar abgeben. 
Zuvor aber noch kurz darauf hinweisen, dass andere Retro Hugos in diesem Jahr an Leigh Brackett (für Shadow Over Mars und The Science-Fiction Field), Margaret Brundage ("Best Professional Artist") und Myrtle "Morojo" R. Douglas (als Mitherausgeberin des Fanzines Voice of the Imagi-Nation) gingen.* Der Retro Hugo ist also keineswegs die ausschließliche Domäne der immer gleichen "alten, weißen Männer", wie manchmal behauptet wird. Er besitzt durchaus das Potential, ein Licht auf die Diversität der Stimmen zu werfen, die es auch in der Pulp-Ära bereits gab. Dass gar zuviele Wahlberechtigte ihre Stimme lieber immer noch Leuten wie Campbell geben, ist ein anderes Problem. 
 
H.P. Lovecraft ist für einen Gutteil des "progressiven" Fandom-Flügels inzwischen ja zu einer Art bête noire geworden. Sobald sein Name fällt, braucht man darum nicht lange auf einen  entsprechenden Aufschrei der Empörung zu warten. Verantwortlich dafür ist beinah ausschließlich der unleugbare und äußerst abstoßende Rassismus des Autors, der sich auch in einer Reihe seiner literarischen Werke deutlich ausgedrückt findet.**
Aber mit dieser Debatte will ich mich für den Moment gar nicht beschäftigen. Denn genau genommen hat ja nicht der alte Gentleman einen Retro Hugo verliehen bekommen, sondern der "Cthulhu-Mythos". Ob es überhaupt Sinn macht, den unter die Kategorie "Serie" zu packen, ist natürlich auch noch so eine Frage. Aber akzeptieren wir das der Einfachheit halber mal.
Wie die regulären Hugos werden ja auch die Retros für Werke verliehen, die in einem bestimmten Jahr erschienen sind. Diesmal war das 1944. Und da stellt sich mir dann schon die Frage, welch cthulhuides Material denn in diesem Jahr das Licht der Welt erblickte? Und ob dasselbige ausreichend Grundlage für das Verleihen eines Preises darstellt?
Lovecraft selbst können wir da gleich von Anfang an beiseite lassen. Von dem hat das Jahr nämlich keinerlei Erstveröffentlichungen zu bieten. Das Hauptaugenmerk muss vielmehr auf den zweiten namentlich genannten Autor fallen: August Derleth, von dem im März und November 1944 in Weird Tales zwei etwas längere Mythos-Geschichten erschienen: The Trail of Cthulhu und The Dweller in Darkness. Und damit bekommt die Sache gleich eine ganz andere Wendung.
 
Derleth hatte zusammen mit Donald Wandrei 1939 Arkham House gegründet. Der Verlag leistete durch die Herausgabe mehrerer Sammelbände ohne Zweifel einen großen Beitrag für das Fortleben nicht nur von Lovecraft, sondern auch von anderen Autoren wie Clark Ashton Smith oder Henry S. Whitehead. Daneben veröffentlichte er später u.a. Evangeline Waltons Roman Witch House (1945), Ray Bradburys erste Anthologie Dark Carnival (1947) und Neuauflagen von William Hope Hodgson, Algernon Blackwood und Lord Dunsany. In den 60ern und frühen 70ern erschienen dort auch die ersten Storysammlungen von Ramsey Campbell (The Inhabitant of the Lake and Less Welcome Tenants [1964]) und Brian Lumley (The Caller of the Black [1971]). Doch in Sachen Cthulhu Mythos spielte Derleth noch eine ganz andere Rolle.
Zu Zeiten des alten Gentlemans war der Mythos eine Spielwiese gewesen, offen für alle, die sich darauf tummeln wollten. Es gab keine Regeln und keine festgefügte Lore. In Lovecrafts eigenen Geschichten änderte der Mythos seine Gestalt, je nach den augenblicklichen Erfordernissen. Bei Clark Ashton Smith besaß er eher den Charakter einer humorvollen Groteske. Howard vermischte ihn stellenweise mit seiner eigenen Sword & Sorcery. Derleth fügte ihm bereits einige seiner eigenen bevorzugten Elemente, wie die "Elementals", hinzu. Niemand (auch nicht HPL) spielte den obersten Schiedsrichter, der entscheiden durfte, was aufgenommen wurde und was nicht. 
Dieser freie, spielerische Charakter ging verloren, als August Derleth begann, das Ruder an sich zu reißen. Es begann das große Kodifizieren und Systematisieren. 
Solche Bestrebungen hatte es zwar schon früher gegeben. So etwa hatte Clark Ashton Smith im Juni 1934 auf eine entsprechende Anfrage R.H. Barlows einen Stammbaum der cthulhuiden Götter entworfen. Doch dieser war offensichtlich eher als eine Parodie gedacht gewesen. Derleths Herangehensweise hingegen war völlig frei von jedem ironischen Vibe. Ganz allgemein habe ich das Gefühl, dass sein Umgang mit dem Mythos sehr humorlos und pedantisch war.***
Solange es sich dabei bloß um eine persönliche Vorliebe handelte, stellte das natürlich weiter kein Problem dar. Doch August Derleth startete nach Lovecrafts Tod mit ziemlich rücksichtslosen Methoden den Versuch, die Kontrolle über dessen literarisches Erbe zu erlangen. 
Am Anfang davon stand eine zusammen mit Donald Wandrei geführte Diffamierungskampagne gegen R.H. Barlow, den der alte Gentleman offiziell als seinen Nachlassverwalter eingesetzt hatte. Dies führte u.a. dazu, dass Clark Ashton Smith den freundschaftlichen Kontakt zu Barlow abbrach, was ein furchtbarer Schlag für den sensiblen jungen Mann gewesen sein muss: Der Effekt "was of cutting out my entrails with a meat cleaver." Als 1946/47 mit C. Hall Thompson erstmals ein Schriftsteller, der nicht zum ursprünglichen Zirkel gehört hatte, lovecraftianische Geschichten veröffentlichte und dabei scheinbar auf ein äußerst positives Echo bei der Leserschaft stieß, bedrängte Derleth aufs aggressivste Weird Tales, keine weiteren Stories von ihm zu kaufen. Er erreichte sein Ziel, und Thompson verließ die Weird Fiction und wandte sich ausschließlich Western und Crime/Detective Stories zu.
Mit Hilfe von Arkham House gelang es Derleth schließlich, die Entwicklung der Mythos-Literatur für mehrere Jahrzehnte fast vollständig zu dominieren.
Dazu gehörte es auch, seine Interpretation des Mythos als die "kanonische" durchzusetzen, obwohl sie sehr deutlich von Lovecrafts ursprünglicher Vision abwich. Zum einen führte er eine scharfe Gut-Böse-Dichotomie ein, die vermutlich stark von seinen eigenen christlichen Überzeugungen geprägt war. Er stellte den "bösen" Großen Alten (Great Old Ones) die "guten" Älteren Götter (Elder Gods) entgegen. Zum anderen ordnete er die verschiedenen Großen Alten den vier Elementen zu: Cthulhu = Wasser; Hastur = Luft; Nyarlathotep & Yog-Sothoth = Erde; Cthuga = Feuer usw. Dabei herrschen zwischen diesen "Elementarsphären" Konflikte, die von "eingeweihten" Menschen ausgenutzt werden können, um sie gegeneinander auszuspielen. Beides zusammen bedeutete eine deutliche Entschärfung von Lovecrafts ursprünglichem "kosmischen Horror".
Freilich überlebte diese Version des Cthulhu-Mythos ihren Schöpfer nicht sehr lange. Derleth starb 1971 und bereits zwei Jahre später erschien Richard L. Tierneys Aufsatz The Derleth Mythos, mit dem die Dekonstruktion einsetzte. Zugleich begann die allmähliche Öffnung der Mythosliteratur für neue und unkoventionellere Stimmen und Visionen, was schließlich zu der großen Vielgestaltigkeit führte, durch die sie sich heute auszeichnet.

Werfen wir nun also einen kurzen Blick auf die beiden 1944 veröffentlichten Derleth-Geschichten. Viel zu sagen habe allerdings ich über keine von ihnen, denn sie sind wirklich nicht besonders gut.  
The Trail of Cthulhu ist sogar ausgesprochen mies. Selbst wenn man die gar zu unverhüllte (und dabei wenig geglückte) Art, in der Derleth den Stil seines Vorbilds Lovecraft nachzuahmen versucht, einmal beiseite lässt, ist der Aufbau der Geschichte so ungelenk und alle vermeintlich "mysteriösen" Wendungen so offensichtlich, dass man ein wiederholtes Gähnen und Aufstöhnen kaum wird unterdrücken können. Freilich ist der Versuch, Mythos-Geschichte und Pulp-Abenteuer miteinander zu kombinieren, schon geeignet, leichtes Amüsement hervorzurufen. Immerhin dürfen wir miterleben, wie ein Professor und sein Assistent unter dem Einfluss von göttlichem Met auf riesigen Fledermäusen durch die Gegend fliegen, um verschiedene magische Portale, aus denen Cthulhu hervorgekrochen kommen könnte, mit Nitroglyzerin in die Luft zu sprengen. Doch liest sich das als Konzept spaßiger als es in Wirklichkeit ist.
The Dweller in Darkness wirkt da zumindest schon ein wenig gelungener. Auch hier ist der Pastiche-Charakter zwar nicht zu übersehen. Vor allem der Eingangsparagraph erinnert doch sehr stark an die entsprechende Passage aus Lovecrafts The Dunwich Horror. Auch ist der Aufbau immer noch ziemlich holprig. Doch gelingt es Derleth zumindest hier und da etwas echte Atmosphäre zu erzeugen. Was vielleicht auch daran liegt, dass die Geschichte in seinem heimatlichen Wisconsin und nicht im neuenglischen Lovecraft Country angesiedelt ist. Inhaltlich hat sie jedoch nichts originelles zu bieten.
Was beide Geschichten miteinander verbindet, ist, dass sie auf geradezu aufdringliche Weise, die derleth'sche Version des Cthulhu-Mythos propagieren. Nun habe ich zwar nur wenige Geschichten aus seiner Feder gelesen, doch scheint die Figur des "alten Gelehrten", der an irgendeinem Punkt der Handlung plötzlich anfängt, auf recht prosaische Weise die Details des Mythos darzulegen, häufiger bei ihm aufzutauchen. Nicht gerade das geschickteste erzählerische Instrument.
 
Einige der Bestandteile des Derleth-Mythos waren freilich schon deutlich älter. So tauchen die "Elementals" erstmals in der im Januar 1931 in Strange Tales of Mystery and Terror erschienenen Geschichte The Thing That Walked On The Wind auf. Der dort beschriebene "Lufteelementar" wird zwar nicht ausdrücklich als ein Großer Alter bezeichnet. Er erinnert eher an den Wendigo.**** Aber die ihm zugeschriebenen Aktivitäten ähneln sehr stark bestimmten "mysteriösen Ereignissen" aus The Lurker at the Threshold (1945), der ersten von Derleths berüchtigten "posthumen Kollaborationen" mit Lovecraft. Ein weiterer wichtiger Schritt hin zur "Elementartheorie" war Francis T. Laneys im Winter 1942 in The Acolyte veröffentlichter Essay The Cthulhu Mythology, den Derleth in überarbeiteter Fassung in seinen Lovecraft-Sammelband Beyond the Wall of Sleep (1943) aufnahm.

Dennoch dürfen wir die beiden Geschichten als zwei frühe Vertreter des voll ausgewachsenen Derleth-Mythos betrachten. Und damit hätte wohl eigentlich der den diesjährigen Retro Hugo gewonnen. Nicht dass ich glauben würde, dies sei tatsächlich die Absicht jener gewesen, die ihm zu dieser Auszeichnung verholfen haben. 
 
Die einzige andere mögliche Grundlage für den Retro, die ich habe finden können, wären die drei 1944 erschienen Ausgaben des von Francis Laney in Los Angeles herausgegebenen Fanzines The Acolyte. Das seit 1942 erscheinende Heft war zwar nicht ausschließlich Lovecraft und dem Cthulhu-Mythos gewidmet, aber die beiden nahmen darin doch stets eine sehr prominente Stellung ein. Hier war unter anderem auch im Winter '42 das erste "cthulhuide" Gedicht aus der Feder einer Frau erschienen, Virginia "Nanek" Andersons Shadow Over Innsmouth. Wer mehr über die Dichterin und ihr Werk erfahren will, sei auf diesen Beitrag von Bobby Derie verwiesen. 1944 erschien im Acolyte ihre sehr kurze Kurzgeschichte Fifth Column, die zwar nichts mit Lovecraft zu tun hat, in der dafür aber zwei Katzen die Eroberung der Weltherrschaft planen. Im selben Jahr druckte das Fanzine auch einige Verse der SF-Pionierin Lilith Lorraine ab. In Bezug auf den Cthulhu-Mythos verdient vor allem Fritz Leibers in der Herbstnummer veröffentlichter Essay The Works of H. P. Lovecraft: Suggestions for a Critical Appraisal Erwähnung. Und dieser wirkt ironischerweise fast wie ein Gegenentwurf zum Derleth-Mythos. Betont Leiber doch gleich am Anfang die "kosmizistische" Qualität des lovecraftschen Horrors:
Perhaps Lovecraft's most important single contribution was the adaptation of science-fiction material for the purpose of supernatural terror. The decline of at least naive belief in Christian theology, resulting in an immense loss of prestige for Satan and his hosts, left the emotion of supernatural fear swinging around loose, without any well-recognized object. Lovecraft took up this loose end and tied it to the unknown but possible denizens of other planets and regions beyond the space-time continuum.*****     
Zumindet ansatzweise können wir hier bereits die Gedanken erkennen, die Leiber fünf Jahre später in seinem Essay A Literary Copernicus genauer ausführen würde. Und diese standen wenigstens implizit im Widerspruch zum quasi-christlichen Gut vs Böse des Derleth-Mythos.                    

Freilich glaube ich ebensowenig, dass dies die Grundlage für den diesjährigen  Retro Hugo gewesen ist. Letztenendes dürfte der "Cthulhu-Mythos" seine Auszeichnung gar nicht dem verdanken, was 1944 tatsächlich erschienen ist. War der Preis als Provokation gedacht, wie ich das im Falle Campbells durchaus nicht für unwahrscheinlich halte? Möglich, dass das bei einigen derer, die ihm ihm ihre Stimme gegeben haben, die Intention gewesen ist. Doch glaube ich eher, dass sich darin ganz einfach die popkulturelle Popularität des Mythos widerspiegelt. Vor allem, wenn man sich die anderen Finalisten in der Kategorie "Series" anschaut: Captain Future, Doc Savage, Jules de Grandin, Pellucidar und The Shadow. Persönlich hätte ich wahrscheinlich Pellucidar gewählt, weil ich die Amicus-Verfilmung von At the Earth's Core mit Doug McClure, Peter Cushing & Caroline Munro so mag. Oder Captain Future, in Erinnerung an die alte Zeichentrickserie und kindliches Fanboytum. Aber es wundert mich nicht, dass Cthulhu den Vorzug erhalten hat. Winden sich seine Tentakel inzwischen doch in alle möglichen Ecken und Winkel der zeitgenössischen Popkultur.         

  
 
 
 
 
* Myrtle Douglas gewann den Preis zusammen mit Forrest J. Ackerman, der zwar gleichfalls eine "problematische" Figur ist, aber bei weitem nicht so viel Zorn hervorruft wie Campbell und Lovecraft.

** Wobei man aber vielleicht hinzufügen sollte, dass Lovecrafts Erzählungen in dieser Hinsicht nicht extremer sind als viele andere Werke der Pulp-Ära. Was nicht als Entschuldigung missverstanden werden soll. Ich habe 2012 selbst einen zweiteiligen Artikel über Lovecrafts Rassismus auf diesem Blog veröffentlicht: Teil 1 * Teil 2. Hier und da würde ich manches heute vielleicht etwas anders formulieren, doch in allen wichtigen Punkten stehe ich nach wie vor zu dem Text.

*** Es wird gerne übersehen, dass Lovecraft einen sehr ausgeprägten Sinn für Humor hatte. 

**** Der Name fällt nicht in der Geschichte. Dafür wird gleich mehrfach auf Algernon Blackwood verwiesen. Dessen Wendigo nebenbei bemerkt ein sehr viel besseres Stück Weird Fiction ist.  

***** In: Fritz Leiber and H.P. Lovecraft: Writers of the Dark. S. 273.    

Dienstag, 27. Oktober 2020

Strandgut

Sonntag, 25. Oktober 2020

Let Me Tell You Of The Days Of High Adventure

Kothar - Barbarian Swordsman von Gardner F. Fox

"Rage was a rumble in his thickly thewed throat"

 
In den letzten beiden Artikeln haben wir uns mit Beiträgen zum Subgenre beschäftigt, die zwar dem "goldenen Zeitalter" der 70er Jahre entsprangen, aber sehr stark vom Klischeebild abweichen, das sich viele von der Sword & Sorcery jener Ära machen: Jessica Amanda Salmonsons Anthologie Amazons! und Janrae Franks Kriegerin Chimquar the Lionhawk.

Heute wollen wir uns stattdessen einer Figur zuwenden, die ganz dem klassischen Clonan-Typ entspricht. Dabei jedoch nicht ohne ihren eigenen trashigen Charme ist.  

Ich glaube es war über den Twitterfeed des famosen Jesse Willis von SFFaudio, dass ich auf die Existenz der Gardner Francis Fox Library aufmerksam wurde. Dort kann man kostenlos Einsicht in eine ganze Reihe von Pulp-Romanen dieses Schriftstellers nehmen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis ich mir einmal einen seiner Sword & Sorcery - Bände vornehmen würde.

Wie regelmäßigere Besucher*innen dieses Blogs inzwischen wissen dürften, habe ich denkbar wenig Interesse an Superheldengeschichten – gleich ob in Comic- oder Filmformat. Darum werde ich gar nicht erst versuchen, den Beitrag, den Gardner Fox zwischen 1937 und 1968 bei DC Comics für dieses Genre geleistet hat, zusammenzufassen oder gar zu bewerten. Das Ende kam jedenfalls, nachdem er zusammen mit einigen anderen altgedienten künstlerischen Mitarbeitern wie Bill Finger, Otto Binder und Arnold Drake das Unternehmen um Regelungen für Gesundheits- und Altersvorsorge angegangen war. Wenig später versiegten die Aufträge. Herausgeber Julius Schwartz behauptete zwar, Grund hierfür sei die abnehmende Qualität seiner Stories gewesen, doch es fällt schwer, in diesem Zusammentreffen einen bloßen Zufall zu sehen. 

Neben seiner Arbeit für DC hatte Gardner Fox immer schon Pulpromane für eine ganze Reihe von Verlagen, in den unterschiedlichsten Genres und unter einer Vielzahl von Pseudonymen, geschrieben. Das Ende seiner Comic-Karriere bedeutete darum wohl nicht unbedingt eine finanzielle Katastrophe für den Autor. Allerdings steigerte sich sein jährlicher Output, der ohnehin schon recht ansehnlich gewesen war, in den 70er Jahren noch einmal beträchtlich. So steuerte er zwischen 1967 und 1975 u.a. vierzehn bzw. elf Bände zu den Sexploitation-Reihen Lady from L.U.S.T. und Cherry Delight bei. 

Schon in den 40er Jahren hatte Fox eine Reihe von SciFi-Kurzgeschichten an Planet Stories verkauft und in den 60ern waren einige SciFi-Romane aus seiner Feder bei Paperback Library und Ace Books erschienen. Auch abseits der Superhelden war ihm das Phantastische also nicht fremd, und er war zu diesem Zeitpunkt bereits ein erfahrener Pulp-Hack. Kein Wunder also, dass er kurz nach dem Anbruch des großen Sword & Sorcery -Booms auf den Zug aufsprang und mit Kothar seinen eigenen Clonan ins Rennen schickte.         

Kaum verhüllte Kopien des Cimmeriers waren freilich schon seit den frühsten Tagen des Subgenres in ihren Pelzstiefeln durch die Weiten von Fantasyland gestapft. So hatte bereits kaum ein Jahr nach Robert E. Howards tragischem Tod Clifford Balls Duar the Accursed im Mai 1937 auf den Seiten von Weird Tales versucht, Conans Erbe anzutreten. Mit eher mäßigem Erfolg, wie ich vor Zeiten bereits einmal etwas ausführlicher geschildert habe. Gardner Fox selbst hatte dann 1950 in seinen drei Comics über Crom the Barbarian dem Typus seine wenn man so will "klassische" Form verliehen, wie hier von mir berichtet. Danach war es freilich erst einmal wieder etwas stiller um die barbarischen Gesellen geworden. Bis Mitte der 60er John Jakes' Brak und Lin Carters Thongor als erste Vorboten des einige Jahre später ausbrechenden Sword & Sorcery - Booms aufgetaucht waren.

Als Gardner Fox die drei Novellen schrieb, die 1969 bei Belmont Books unter dem Titel Kothar – Barbarian Swordsman und mit einem Cover von Jeffrey Catherine Jones (1) erschienen, war das Klischee des S & S - Barbaren also schon einigermaßen gefestigt. Und Fox verfolgte ganz sicher nicht das Ziel, sich auf irgendwelche Experimente einzulassen. Es galt eine Mode auszuschlachten. Dem Publikum zu geben, wonach das Publikum verlangte. Doch spricht manches dafür, dass der Autor dabei nicht nur großen Spaß hatte, sondern das Unternehmen auch "firmly tongue-in-cheek" anging.

Wenn man den Belmont - Band aufschlägt, erwartet einen nämlich zuallererst ein Vorwort, das mit "Donald McIvers, PhD." unterzeichnet ist. Es ist nicht anzunehmen, dass es den guten Mr. McIvers je gegeben hat. Die Einführung jedenfalls ist ein grandios pompöser Erguss über die "tiefe philosophische Relevanz" der Kothar-Geschichten. Dabei wird auf die Schriften eines deutschen Denkers namens Albert Kremnitz Bezug genommen, der natürlich genauso fiktiv ist. Dieser habe Mitte des 19. Jahrhunderts geschrieben, dass "the Industrial Revolution, The Age of Materialism, will almost certainly drive people back to mysticism rather than away from it". Anfangs werde sich der populäre Geschmack zwar ganz dem Profanen zuwenden, doch schließlich "mankind will find itself troubled by what it has cast aside". Und dann werde erneut die Stunde des Phantastisch-Mystischen schlagen. Dieser Zeitpunkt ist nun gekommen und Kothar ist der Held, den die moderne Welt braucht! (2):
Kremnitz goes on to describe this "new Age of Heroes". He states that since the modern hero will have been dwarfed by his environment, the popular demand for larger-than-life heroes will have to be satisfied by the recreation of mythical supermen
Zugleich verlange es den modernen Menschen danach, erneut Kontakt zu seinen "barbarischen" Wurzeln aufzunehmen.
Ob dieses ganze hyperbolische Geschreibsel als ein satirischer Kommentar auf Robert E. Howards Ideen über Barbarei und Zivilisation verstanden werden soll, die sich ja recht deutlich in seinen Conan-Stories ausgedrückt finden, sei dahingestellt. Ganz sicher jedenfalls macht sich Gardner Fox hier über eine bestimmte Art Fantasyfans lustig, die sich getrieben fühlen, selbst den trashigsten Vertretern ihres Lieblingsgenres eine vermeintliche Tiefgründigkeit zu unterstellen, um ihre eigenen Lesevorlieben zu rechtfertigen.
Daneben ergeht sich der Autor in augenzwinkernd-schamlosem Eigenlob, wenn er "Donald McIvers" über den "distinguished American writer Gardner F. Fox" schreiben lässt: "So skilled a writer is Gardner Fox, so cunningly does he spin this epic tale, that we come to accept the world of Kothar almost without realizing that we have done so." Seine Lobeshymne auf die angeblich so packende "Glaubwürdigkeit" des phantastischen Settings enthält außerdem eine satirische Spitze gegen das Worldbuilding im Stile Tolkiens: "Mapped, charted, chronicled, with history, language, literature, and conventions of its own, the world of the godlike barbarian mercenary becomes as real, and in some strange way perhaps mor real than the world we live in." Selbstredend hat Fox nichts von dem getan, was ihm hier angedichtet wird. Das Setting der Kothar-Geschichten ist vielmehr ein unverhülltes Rip-off des Hyborian Age. Besonders putzig nimmt es sich aus, wenn "McIvers" schreibt: "Why should we be inclined to disbelieve when there is even a detailed map of Kothar's world to help us to completely understand it? When we are informed that as a boy Kothar was cast up on the shores of Grondel Bay we have simply to look for it on the map, and we find it. Of course, we exclaim, there is it on the map!" Der Belmont - Band enthält keine derartige Karte. Aber ich nehme mal an, Kartenfetischismus war schon damals ein weit verbreitetes Phänomen in der Fantasygemeinde.

Dieses Vorwort wird natürlich die Art beeinflussen, in der man an die Geschichten selbst herantritt. Und vor allem die erste von ihnen, The Sword of the Sorcerer, scheint mir das auch zu rechtfertigen. Um Missverständnissen vorzubeugen: Auch sie ist keine explizite Parodie. Das hier ist nicht John Jakes' Mention My Name in Atlantis (1972). Mein Eindruck ist vielmehr, dass diese Stories sehr wissend geschrieben wurden. Gardner Fox gibt sich keinerlei Illusionen darüber hin, was er hier macht. Er ist sich bewusst, dass er ein schlockiges Conan - Knock-off schreibt. Er weiß, welche Klischees er zu bedienen hat. Und als professioneller Pulp-Autor zögert er nicht, genau das auch zu tun. Aber dabei erlaubt er sich den Spaß, die Dinge immer ein klein wenig weiter zu treiben, als unbedingt nötig wäre. Diese Übertreibungen gehen nicht so weit, dass sie den Charakter der Geschichten verändern, sie in offene Parodien verwandeln würden. Doch sie verleihen ihnen einen amüsant ironischen Unterton.

Den drei Novellen vorangestellt ist ein zweiseitiger Prolog. Als "fragment of The Lord Histories of Satoram Mandamor" erinnert dieser zwar deutlich an den berühmten Anfang von Robert E. Howards erster Conan-Story The Phoenix on the Sword. (3) Doch zugleich versucht er den Eindruck zu erwecken, es bestehe ein fundamentaler Unterschied zwischen dem Hyborian Age und der Welt Kothars. Wie wir erfahren ist letztere nämlich nicht in einer mythischen Vergangenheit, sondern in einer fernen Zukunft angesiedelt. Einer seeehr fernen Zukunft:

The Universe is old. Old!
For ten billion years the stars of this, our galaxy, hurtled outward across the gulfs of space. For another billion years they hung suspended at the apex of their expansion.
During the past three billion years, now that the universe is contracting instead of expanding, those stars, dim and faint with age, have been collapsing in upon themselves, rushing headlong back to their beginnings and their ultimate destruction.
In time, their will be not Time.
Die von den Menschen gegründete interstellare Zivilisation ist seit langem zusammengebrochen und auf den von ihnen kolonisierten Planeten herrscht ein neues Zeitalter der Barbarei.
Kothars Welt wird damit in die Nähe von Settings wie Clark Ashton Smiths Letztem Kontinent Zothique oder Jack Vances Dying Earth gerückt. Die Geschichten selbst besitzen jedoch keineswegs die dekadente Atmospohäre, die man deshalb vielleicht erwarten würde. Ebensowenig stößt unser Held im Verlauf seiner Abenteuer auf irgendwelche Überreste der untergegangenen Zivilisation wie in Fred Saberhagens Empire of the East - Reihe. Ich glaube deshalb, dass dieser Prolog nur aus einem Grund existiert: Grandiosität.

Die eigentliche Eröffnungspassage von The Sword of the Sorcerer vermittelt einen sehr viel besseren Eindruck davon, was uns in der Folge erwartet.

The blood lay red upon his dented mail shirt and spotted his yellow hair in ghastly fashion. It ran wetly, redly, from the worn sleeve of his leather hacqueton to drop upon his big hand and ooze across the pommel of his shattered sword. It stained his fur kilt and riding boots and dripped steadily with every step he took. 

Blutige Action und ein blonder Barbar – das ist es, was Fox seiner Leserschaft verspricht, und er wird sie nicht enttäuschen. Er beginnt seine erste Story in medias res, was sofort verdeutlicht, dass er nicht vorhat, Zeit mit irgendwelchen langwierigen Expositionen oder ähnlichem Ballast zu verschwenden. Das flotte Tempo ist ein durchgehendes Merkmal aller drei Geschichten.  

Sprachlich ist das Bemühen, Howards Stil zu immitieren, sehr offensichtlich. Doch trägt Fox dabei extra dick auf. Man gibt sehr schnell den Versuch auf, mitzuzählen, wie oft von Kothars "bulging muscles" die Rede ist, und kaum ein Körperteil des Barbaren wird nicht einmal als "iron-thewed" beschrieben. Unabhängig davon, ob das Sinn macht oder nicht. Mein persönlicher Höhepunkt ist der Satz, den ich diesem Artikel vorangestellt habe: "Rage was a rumble in his thickly thewed throat". Das dürfte das erste Mal gewesen sein, dass ich von einer muskulösen Kehle gelesen habe. Und ich halte es für schwer vorstellbar, dass Fox kein ironisches Grinsen auf den Lippen hatte, als er diesen Satz in seine Schreibmaschine gehauen hat. Daneben beweist er eine große Vorliebe für antiqierte Begriffe wie "kyrtle" und "kak". "Hacqueton" scheint es ihm besonders angetan zu haben. Dabei fällt es schwer, zu beurteilen, ob Fox seinen Stories damit ein besonders "phantastisches" Flair verleihen wollte, oder es sich dabei bloß um die persönliche Marotte eines geschichtsbegeisterten Pulpautors handelt.

Der eigentliche Plot von Sword of the Sorcerer schreitet zwar zügig, aber zugleich stolpernd und sprunghaft voran. Eine Eigenschaft, die die Geschichte offenbar mit den späteren Kothar-Romanen teilt, auch wenn ich das noch nicht aus eigener Leseerfahrung bestätigen kann.

Unser Held, Kothar "the Cumberian" {!}, ist ein "sellsword", ein Söldner, der als Hauptmann der Foreign Guard im Dienste der Königin Elfa steht. Im Reich tobt Bürgerkrieg. Lord Markoth versucht mit Unterstützung der mächtigen Hexe Red Lori die Krone an sich zu reißen. Dass der Bösewicht Elfas Gatte ist, habe ich allerdings erst ganz am Ende der Geschichte kapiert.

Für den Moment besitzt Markoth die Oberhand und als wir Kothar zum ersten Mal begegnen, schleppt er sich gerade als letzter Überlebender der Foreign Guard vom Schlachtfeld. Aber keine Sorge, unser Barbar bleibt nicht lange in dieser depremierenden Lage. Eine Höhle, in der er sich zu verstecken versucht, entpuppt sich als Gruft des mächtigen Zauberers Afgorkon, der natürlich sofort von den Toten aufersteht. Kothar hat eigentlich nur wenig für Magie übrig, doch als der Lich (4) ihm das mächtige Schwert "Frostfire" in die Hand drückt und ihn zurück zu Elfa schickt, zögert er nicht, dem Folge zu leisten. Er weiß, das Schicksal ist dabei, sich zu Gunsten der Königin zu wenden.
Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Waldhütte einer (guten) Hexe zwecks Wundenheilung, erhält Kothar von Elfa seinen eigentlichen Auftrag: Ihr einstiger Hofmagier Kazazael hängt seit der vrelorenen Schlacht mit abgezogener Haut über Windmere Wood in der Luft Red Loris Art, ihre bezwungenen Kontrahenten zu bestrafen. Kothar soll ihn befreien. 
Der Witz ist, dass der Weg zum Leidensort des Magiers im Stile einer langen und gefahrvollen Queste beschrieben wird:
"How do I find Kazazael? I've never heard of this Windmere Wood! And if Red Lori has put up safeguards against anyone helping him – surely she'll make it next to impossible to locate him?" 
Und dann setzt sich Kothar einfach auf sein neues Schlachtross Greyling, reitet ein paar Stunden durch den Wald und schon ist er da! Sein größtes Problem ist, dass er allmählich ganz schön hungrig zu werden beginnt! Ein Motiv, dem wir uns später noch etwas genauer zuwenden werden.
Der gefolterte Magier ist eine hübsch makabre Erscheinung, bei deren Anblick selbst unserem Barbaren das Gruseln kommt. Doch im Grunde ist auch er bloß eine Zwischenstation, denn bald schon ist Kothar wieder unterwegs. Diesmal um den Mantel der Seeschlange Iormungar zu suchen. Und wer da jetzt an die Midgardschlange denken muss: Gardner Fox liebte es, Motive und Namen aus Mythos und Sage in seine Geschichten einzusprenkeln. Und der Kampf, in dem die Suche gipfelt, ist denn auch tatsächlich ziemlich episch. Fox verstand es, seinem Publikum zu geben, was es sich wünschte. Über die Logik der Unterwasserhöhle und ihrer schleimigen Bewohner, in die Kothar dabei vordringt, sollte man allerdings nicht zu lange nachdenken.
Nachdem der Mantel errungen und der Magier wieder hergestellt ist, begeben sich die beiden auf dem Luftweg zu Kazazaels Burg. Der Plan des Zauberers ist denkbar simpel: Er wird Red Lori in einen magischen Zweikampf verwickeln, was Kothar die Gelegenheit eröffnen wird, in den Turm der Hexe einzudringen und sie zu erschlagen. Da es dazu noch einiger thaumaturgischer Vorbereitungen bedarf, bleibt genug Zeit für unseren Barbaren, sich endlich einmal wieder den Bauch vollzuschlagen. Und aufgetragen werden ihm Speise und Trank selbstverständlich von einer Schar hübscher Dienstmädchen. Was Anlass für folgenden Absatz gibt:
Kothar grinned, knowing how to deal with pretty maid-servants when he required food. He kissed one, pinched the plump buttock of another, stroked a third on her smooth bare side, and winked at the fourth.
Nun ist mir zwar schleierhaft, worin genau die Verbindung zwischen sexueller Belästigung und dem Servieren von Speisen bestehen soll, aber dafür bietet diese Passage ein hübsch krasses Beispiel für das Frauenbild der Kothar - Geschichten. Dass selbiges unterstes Niveau ist, lohnt eigentlich keinen Kommentar. Und sollte auch nicht überraschen. Das gehört halt zu den geläufigen Klischees, die Gardner Fox sehr bewusst bedient. Aber auch dabei treibt er es oft so weit, dass es schwerfällt, den derben Sexismus dieser Stories wirklich ernst zu nehmen.   
Nachdem er gesättigt ist, gelüstet es unseren Barbaren nach anderen Sinnesfreuden. Was dann so klingt: "Come, now, you girls ... You've served me well, and it's only right I serve you four the same." Doch bevor man so richtig zur Sache kommen kann, tauchen urplötzlich zwölf feindliche Krieger vor dem Burgtor auf. Ärgerlich, aber für Kothar dennoch eher ein Amlass zum Jubeln, denn "he was in a mood to do a little slaying, after all this sorcery he'd been encountering." Und Metzeln tut er. Einziger Wermutstropfen: Der Spaß ist viel zu schnell vorbei. Andererseits: "After a fight, there was nothing like soft lips and smooth flesh in his arms to make him forget the berserk rage in which he battled." Also zurück zu den Mädchen! Doch erneut wird unser Held rüde unterbrochen, als Kazazael ihm mitteilt, es sei nun an der Zeit, Red Loris Turm einen Besuch abzustatten. "Kothar grumbled – the brunette was a shapely siren – but a promise to Queen Elfa was a promise he meant to keep."
Man könnte diesen Abschnitt natürlich ziemlich widerlich finden. Ein kruder Mix aus Sexismus und Gewaltverrlichung. Ich musste beim Lesen laut kichern.
Im Turm der Hexe angekommen prügelt sich Kothar erst einmal mit einer Monsterkatze herum, um anschließend mit deren abgeschlagener Pfote das magische Portal zu öffnen, das ihn ins Innere Sanctum führt. Zwischen Phiolen und Retorten, blubbernden Kesseln und magischen Insignien kommt es dann endlich zur großen Konfrontation zwischen Barbar und Zauberin. 
Für dieses Finale öffnet Gardner Fox die Trash-Schleusen noch einmal besonders weit. Das beginnt mit der Beschreibung Red Loris, die so wirkt, als habe der Autor dabei eine Illustration von Boris Vallejo vor Augen gehabt:
She was all white flesh and creamy skin, clad only in a red velvet panel before here loins and a similar panel behind her. Here arms were lifted high, making her full breasts quiver, her red hair waving where there was no breeze as she stood between seven athanors fueled by demon fires. Here sole garment was held to her loins by golden links shaped in the forbidden words of Beltham-quar, father of demons. 
Die Hexe, die ja gerade ihr magisches Duell mit Kazazael ausfechtet, befindet sich in einer Art Trance. Als Kothar sie zu packen versucht, wird er von ihren dämonischen Schutzherren attackiert. Im folgenden Kampfgetümmel hagelt es Begriffe wie "evil megacosm", "hobgobs" und "cacodaemons".
Doch Red Loris letzte Verteidigung ist selbstverständlich sexueller Natur. Zugleich dient sie Fox als Anlass für etwas pseudophilosophisches Geschwurbel über die "aretê" des Barbaren. Denn nur seine altgriechisch-heroische "Tüchtigkeit" erlaubt es Kothar, der verführerischen Verheißung von Red Loris Kuss zu widerstehen, die zugleich die Dekadenz einer verweichlichten Zivilisation verkörpert. Wobei wir u.a. diesen herrlichen Satz zu lesen bekommen: "Kothar was a barbarian, with the impulses of a savage on whose bronzed hide the niceties of civilization were no more lasting than the effect of a sunburn." Erneut kann ich nicht anders, als hierin eine bewusste Verulkung von Robert E. Howards Verherrlichung des Barbarentums zu sehen.
Auch wenn Kothar im allgemeinen ja schon großen Spaß daran hat, Menschen zu massakrieren, gilt das natürlich nicht für hübsche, halbnackte Hexen. Und so endet Red Lori schließlich in einem Käfig unter der Decke von Königin Elfas Thronsaal. Von dort herab schleudert sie ihren Fluch auf den Barbaren:
No matter where you go, what you do, I shall be with you, guiding your feet in the wrong direction for ease, stirring up trouble where you rest your golden head. You shall pay, barbarian – you shall pay!
Interessanterweise wird sich Kothar in den nächsten Stories tatsächlich von Red Loris hasserfülltem Geist verfolgt fühlen. Ob dieses Motiv auch in den späteren Romanen eine Rolle spielt, weiß ich allerdings nicht.
Für den Moment freilich könnte unser Barbar eigentlich erst einmal die Früchte seines Triumphes genießen. Immerhin hatte Elfa ihm Adelstitel und Lehen als Belohnung versprochen. Doch dann müsste er Frostfire zurückgeben. Denn das Schwert kann nur von einem Mann ohne Besitz geführt werden. Warum sich Kothar dennoch für die Klinge entscheidet, ist ehrlich gesagt ziemlich schleierhaft. Frostfire besitzt keine offensichtlichen magischen Qualitäten und der Barbar ist ein Söldner, der nicht für hehre Ideale, sondern für harte Münzen kämpft. Eine eigene Baronie und die damit verbundenen Reichtümer sollten die Erfüllung seiner größten Wunschträume sein. Aber dann könnte er ja keine weiteren Abenteuer erleben. Und so schwingt er sich am Ende wieder in Greylings Sattel und reitet in den Sonnenuntergang. Na ja, nicht wörtlich ...

Die beiden etwas kürzeren Geschichten The Treasure in the Labyrinth und The Woman in the Witch-Wood werde ich nicht so ausführlich behandeln. Verglichen mit The Sword of the Sorcerer wirken sie weit weniger überzogen. Natürlich gibt es immer noch mehr als genug quasi-howardsche Phrasen von "eisernen Muskeln" und "pantherhafter Geschmeidigkeit", jedes Schankmädchen ist "a shapely wench" und ein Satz wie "I myself own black pearls from Isthapan and red rubies from Mongrolia" klingt in meinen Ohren schon wie eine bewusste Veräppelung des Hyborian Age, dessen Länder und Volker bekanntlich aus kaum verhüllten Parallelen zu realweltlichen Kulturen bestehen. Dennoch haben sie auf mich eher den Eindruck "normaler" Sword & Sorcery - Stories gemacht. Sie waren deshalb auch weit weniger amüsant zu lesen. Dafür besitzen sie einen bescheidenen, aber durchaus unironischen Charme. Was vor allem daran liegt, dass Kothar in ihnen eine deutlich sympathischere Figur wird. Verfolgt von Red Loris Fluch zieht der Barbar recht ziellos durch die Lande, verdingt sich hier und da bei einem Raubritter, zückt Frostfire zu seinem eigenen Erstaunen aber immer mal wieder auch für eine selbstlose Heldentat. Dabei ist er am Ende eines Abenteuers stets genauso abgebrannt wie zu Beginn. 

Dass Hunger & Essen dabei zu so etwas wie einem Leitmotiv der Kothar-Geschichten werden, fand ich irgendwie besonders ansprechend. 
Wir hatten das ja schon in The Sword of the Sorcerer, wenn Kothar mit grummelnden Magen zum Windmere Wood reitet. Doch in The Treasure in the Labyrinth wird das zum Ausgangs- und Endpunkt der Geschichte, die dadurch eine Art zyklischen Charakter erhält. Zu Beginn hockt unser Held in irgendeiner astreinen Sword & Sorcery - Taverne (inkluse nackter Tänzerin auf dem Tisch). Sein letztes Geld hat er für ein Ale ausgegeben und beäugt nun hungrig all die Speisen, die an ihm vorbeigetragen werden. Als ihm wenig später ein fetter Kaufmann vorschlägt, in ein magisches Labyrinth einzusteigen, das unermessliche Reichtümer bergen soll, ist er natürlich sofort Feuer und Flamme. Zumal die Anzahlung aus einem ausgiebigen Festmahl besteht. Nachdem er sich mit einem "römischen Legionär", einem Spinnenmonster und einem Minotaurus herumgeprügelt, ein verfluchtes Liebespaar erlöst und einen Beutel voll Edelsteine errungen hat, wird er nach seiner Rückkehr aus dem Irrgarten von demselben Händler und einem sehr anschmiegsamen Schankmädchen übers Ohr gehauen und ausgeplündert. Am Ende sitzt er wieder mit leerem Magen neben den Ruinen des Labyrinths und kann sich bereits glücklich schätzen, dass ein freundlicher Greis Brot und Käse mit ihm teilt.
Ganz ähnlich der Anfang von The Woman in the Witch-Wood. Auf seiner Reise zu den Reichen der "robber barons", bei denen er eine Anstellung zu finden hofft, ist Kothar vom Weg abgekommen und findet sich bei Anbruch der Nacht in irgendeinem gruseligen Forst. Und wie stets liegt seine letzte Mahlzeit schon viel zu lange zurück. Als ein mysteriöser Sirenengesang aus der Dunkelheit an sein Ohr dringt, zeigt er sich wenig beeindruckt. Etwas anders sieht es da schon aus, als ihm wenig später der Geruch gebratener Karnickel in die Nase steigt: "What a siren voice might not do, a food scent might." Und so findet er sich schon bald am Lagerfeuer einer sexy Hexe wieder, die ihn allsogleich auf sein nächstes Abenteuer schickt, in dessen Verlauf er es mit magischen Tätowierungen, unoten Mumien und einem mächtigen Dämonenbündler zu tun bekommt, nur um am Ende kurzzeitig in einen Hund verwandelt zu werden.

Kann ich guten Gewissens eine ehrliche Empfehlung für Kothar – Barbarian Swordsman abgeben? Schwerlich. Doch wer wie ich nicht nur ein Sword & Sorcery - Fan ist, sondern auch eine Liebe für derben Trash besitzt, wird sicher ein paar unterhaltsame Stündchen mit dem Buch verbringen können. Gardner Fox' flotte Erzählweise lässt keine Langeweile aufkommen und auch wenn Originalität sicher nicht zu seinen Stärken zählte, wird man doch stets auf genug stilistische und erzählerische Absurditäten stoßen, um einen bei Laune zu halten. Allerdings darf man nicht gar zu empfindlich sein, wenn's auch mal etwas schmuddelig wird. Ich jedenfalls hatte großen Spaß mit den Abenteuern des Barbaren und werde irgendwann sicher noch einmal zu einem der anderen Bände greifen.  


 
 

 

(1) Zu dieser Zeit freilich noch als Jeff Jones bekannt. Erst nach ihrer Geschlechtsangleichung 1998 nahm die Künstlerin den Namen Jeffrey Catherine an. Vgl. diesen Artikel über ihr Leben und Werk.

(2) Beim Lesen musste ich auch deshalb so laut kichern, weil mich all das doch stark an Frank Weinreichs Theorie von der Fantasy als "metaphysischer Literatur" erinnerte.

(3) "Know, oh prince, that between the years when the oceans drank Atlantis and the gleaming cities, and the years of the rise of the Sons of Aryas, there was an age undreamed of, when shining kingdoms lay spread across the world like blue mantles beneath the stars ..."

(4) Ja, das hier ist tatsächlich der Ursprungsort des berühmten D&D - Monsters, wie Gary Gygax höchstselbst einmal offiziell bestätigt hat.

Montag, 5. Oktober 2020

Strandgut

Sonntag, 4. Oktober 2020

Willkommen an Bord der "Liberator" – S03/E08: "Rumours of Death"

Ein Blake's 7 - Rewatch

Meine Vertrautheit mit dem Doctor Who - Franchise ist bis heute eher kursorisch und basiert größtenteils auf meiner Online-Bekanntschaft mit einigen britischen Fans, für die die Serie seit Kindestagen fester Bestandteil ihres Lebens ist. Doch in den letzten Monaten habe ich tatsächlich einige etwas umfangreichere Abstecher in dieses Universum gemacht.

Natürlich werde ich mich nie mit den Feinheiten der Lore einer Serie auskennen, die zumindest den Anschein zu erwecken versucht, ein bald sechzig Jahre umfassendes erzählerisches Kontinuum darzustellen. Und um ehrlich zu sein, besitze ich diesen Ehrgeiz auch gar nicht. Denn ein echter Whovianer werde ich wohl ohnehin nicht mehr werden. Ich spiele allerdings mit dem Gedanken, hier wenigstens irgendwann einmal ein paar meiner Gedanken zu den beiden Jodie Whittaker - Staffeln niederzulegen. Doch nicht heute. Verraten kann ich aber vielleicht jetzt schon, dass mir von allen "neuen" Doctor Who - Sachen (2005+), die ich bisher gesehen habe, die Staffel mit Christopher Eccleston am besten gefallen hat. Nicht zuletzt wegen Billie Pipers Working Class - Mädel Rose Taylor als Companion.

Ich habe mich aber ohnehin mehr in der Ära des Vierten Doktors Tom Baker, vor allem in Staffel 14 bis 17 (1977-1979), herumgetrieben. Dabei hatte ich recht viel Spaß mit Serials wie

  • The Sun Makers – Revolution gegen eine bürokratisch-kapitalistische Despotie
  • The Pirate Planet – Der Beitrag von Douglas Adams
  • The Power of Kroll – Antikolonialistische Geschichte, die mich ein bisschen an Le Guins The Word for World is Forest erinnert hat. Außerdem: Riesenoktopus!
  • The Talons of Weng-Chiang Sehr nettes Arthur Conan Doyle - Sax Rohmer - Pastiche
  • The Ribos Operation – Ein interstellarer Warlord will einen "primitiven" Planeten als neuen Stützpunkt erwerben. Außerdem: Trickbetrüger, ein Stadtwachen-Orakel und ein visionärer Häretiker à la Galileo Galilei oder Giordano Bruno 
  • The Stones of Blood – Mörderische Menhire
  • The Androids of Tara – "Mittelalter"-Abenteuer mit finalem Fechtkampf
  • The Horror of Fang Rock  – Eine Nacht im Leuchtturm, belagert von einem Killer-Alien

Nebenbei habe ich dabei sofort Roboter-Hund K-9 ins Herz geschlossen.

Vor allem aber hatte ich die Gelegenheit, mir endlich einmal Chris Bouchers Beitrag zu Doctor Who zu Gemüte zu führen, bestehend aus The Face of Evil, The Robots of Death und Image of the Fendahl. Vor allem im zweiten Serial erinnerten mich die pointierten und zynischen Dialoge sehr deutlich daran, warum er der beste Drehbuchautor von Blake's 7 und als Script Editor einer der Hauptverantwortlichen für die überragende Qualität der Serie ist. Und so dachte ich mir, dass wir einmal einen etwas längeren Blick auf sein Leben und seine Karriere werfen sollten, bevor wir unseren Rewatch mit einer seiner Episoden fortsetzen.

Geboren 1943, wuchs Chris Boucher in der Kleinstadt Maldon, in Essex, auf. Sein genauer sozialer Hintergrund ist mir unbekannt, doch bezeichnete er sich selbst gern als "a working class lad". Schon relativ früh wurde er ein begeisterter Leser und entwickelte bald eine besondere Liebe zur Science Fiction:

I was a fan from the moment of discovering American pulp mags like Amazing Stories, and Astounding Science Fiction, and British stuff like New Worlds. I went on from them to general anthologies, and then on to particular writers.

Obwohl er in einem traditionell-religiösen Umfeld aufwuchs – "I was a choirboy; I was confirmed; I was wracked with non-specific guilt [...] I prayed a lot for forgiveness" – wandte er sich später vom Glauben ab und wurde ein überzeugter Atheist. Wann genau dies geschah, weiß ich zwar nicht, doch scheint er schon früh das Bedürfnis gehabt zu haben, aus dem familiären Mileu auszubrechen, und man kann sich gut vorstellen, dass parallel dazu auch eine Art geistiger Rebellion stattfand. So machte er sich unmittelbar nach seinem Schulabschluss zusammen mit einem Kumpel auf den "Landweg" nach Australien – quer durch den Nahen Osten bis nach Kalkutta/Kolkata. Nach der Überfahrt auf den Fünften Kontinent arbeitete er dort ein Jahr lang bei der Eisenbahn.  
Als er schließlich nach Hause zurückkehrte war er freilich völlig pleite – "I had five shillings old money in my pocket" – und musste erst einmal wieder bei den Eltern unterschlüpfen. Schließlich fand er einen Job bei Calor Gas, der Firma, bei der auch sein Vater angestellt war: "I became what was laughingly known as a management trainee". Das Unternehmen ermöglichte ihm sogar den Besuch der jungen Universität von Essex. Allerdings musste er dort Wirtschaftswissenschaften studieren, wofür er denkbar wenig Interesse aufbringen konnte. Dennoch machte er brav seinen Bachelor-Abschluss.
Mit zweinundzwanzig Jahren heiratete Chris Boucher. Vorerst war die finazielle Lage des jungen Paares stabil, da beide arbeiteten. Doch als Bouchers Frau Lyn vier Jahre später schwanger wurde und ihren Job aufgeben musste, schien es geboten, sich nach einer weiteren Einnahmequelle umzuschauen. Und so versuchte Boucher sich erstmals als Autor:

I did some, what I discover later were called, three-line quickies, for a television programme called Braden's Week and also I wrote a couple of short stories and sent them off to women's magazines. I think I did a science fiction story as well, which I whacked off somewhere and then sat back and waited for the money to start flooding in.      

Antwort erhielt er nur von der BBC. Mit der allerdings entwickelte sich rasch eine auch finanziell sehr zufriedenstellende Zusammenarbeit. Es dauerte nicht gar zu lange und Boucher konnte mit dem Verkauf seiner Scripts wöchentlich etwa £30 einstreichen, was für die Zeit eine recht ordentliche Summe war. Er nahm die Dienste eines professionellen Agenten – John Hays – in Anspruch, und dieser bemühte sich redlich, neue Kanäle für seinen Klienten zu eröffnen, die es diesem schließlich erlauben sollten, seinen Brotjob bei Calor Gas an den Nagel zu hängen. Einer seiner Ratschläge bestand darin, es einmal bei Doctor Who zu versuchen, denn die Serie war bekannt dafür, auch Drehbücher nicht-etablierter Autoren anzunehmen. Und so landete ein Spec Script mit dem Titel The Silent Scream 1975 auf dem Schreibtisch von Script Editor Robert Holmes.

Zusammen mit Produzent Philip Hinchcliffe hatte Holmes begonnen, Doctor Who in düsterere, unheimlichere und surrealere Gefilde als bisher zu lenken. Was dem "genial, supremely talented hack", wie ihn Taylor Parkes einmal beschrieben hat, alsbald den Zorn der berüchtigten christlich-konservativen Aktivistin und Möchtegernzensorin Mary Whitehouse einbrachte, die in solch frivolem Treiben natürlich bloß eine weitere Attacke der "halbkommunistischen" BBC auf die moralische Gesundheit von Großbritanniens heranwachsender Generation erblickte. Chris Boucher schien Holmes ein geeigneter Mitstreiter bei diesem infernalischen Unternehmen zu sein. The Silent Scream fand dabei zwar keine weitere Verwendung, doch dafür lieferte Boucher schließlich ein Drehbuch mit dem provokanten Titel The Day God Went Mad ab. Gedreht und ausgestrahlt wurde es am Ende als The Face of Evil (Januar 1977). 

In diesem Serial begegnet der Doctor auf einem Dschungelplaneten zwei Völkern – den primitiven Sevateem und den technisch hochentwickelten Tesh –, bei denen es sich in Wirklichkeit um die Nachfahren einer irdischen Weltraumexpedition handelt. Von ihrer Herkunft wissen sie allerdings nichts mehr. Die KI ihres alten Raumschiffs, Xoanon, die beide Gruppen als ihren Gott verehren, ist geistig verwirrt und verfolgt den wahnsinnigen Plan, eine Art Übermenschenrasse zu züchten. Wie sich herausstellt ist der Doctor selbst aufgrund eines Besuchs in der Vergangenheit für den Zustand Xoanons verantwortlich und wird deshalb von den Sevateem als Inkarnation des Teufels ("The Evil One") angesehen.

Mit Face of Evil schuf Chris Boucher auch die Figur der Sevateem Leela, die bis zum Ende der 15. Staffel (The Invasion of Time, Februar/März 1978) die Gefährtin (Companion) des Doctors bleiben sollte. Eigenwillig, impulsiv, kämpferisch und stets bereit, ihr Wurfmesser zu zücken, wich sie ziemlich stark vom Typus ihrer Vorgängerinnen ab.  
Boucher bezog Inspiration u.a. aus dem Vorbild der militanten palästinensischen Kämpferin Leila Khaled, die 1969/70 an zwei von der Volksfront zur Befreiung Palästinas (PFLP) organisierten Flugzeugentführungen beteiligt gewesen war. Was möglicherweise auch etwas über seine politischen Überzeugungen aussagt.
She was from a time when plane hijacking was still considered to be an almost idealistic, brave and noble thing to do. She was jailed for her beliefs and no one had been killed, she was glamorous, she was articulate, but she also became the precursor of some rather less appealing people and happenings.

Leila Khaled wurde nicht zuletzt durch Eddie Adams' berühmte Fotografien für viele Linke im Westen zu einer Art Ikone, die ähnlich wie Che Guevara die vermeintliche Romantik des "bewaffneten Kampfes" verkörperte. Ein Themenkomplex, der meiner Ansicht nach bei Blake's 7 eine wichtige Rolle spielt, worüber ich hier schon einmal etwas ausführlicher gesprochen habe.    

Chris Boucher hatte Leela als "a reaction against the little screaming companion type" konzipiert. Allerdings wurden keineswegs alle späteren Scripts ihrem starken Charakter gerecht. Ich denke da vor allem an The Invisible Enemy von Bob Baker & Dave Martin, in dem sie streckenweise geradezu infantilisiert wird. Auch kollidierte Schauspielerin Louise Jameson schon bald mit Tom Bakers berüchtigtem übergroßen Ego, der zudem die Gewaltbereitschaft der Figur nicht leiden konnte. Dennoch war Leela alles in allem sicher eine interessante Bereicherung für das Universum von Doctor Who.

In The Robots of Death landen der Doctor und Leela auf einem riesigen Bergwerksfahrzeug, das seine Existenz sehr deutlich dem Spice Harvester aus Dune verdankt. Die Besatzung besteht aus einer kleinen Gruppe dekadenter Menschen und einem Haufen Roboter. Als ein Mord geschieht, beginnt jeder jeden zu verdächtigen, da die Blechkameraden angeblich so programmiert sind, dass sie Menschen nicht verletzen können ... In The Image of the Fendahl entpuppt sich eine von einem reichen Privatmann finanzierte paläontologische Ausgrabung als ein okkultes Unternehmen, in dessen Verlauf eine Gruppe von Kultisten eine mächtige außerirdische Entität wiederzubeleben versucht, die einst auf dem heute zerstörten (und von den Timelords in einer "Zeitschleife" versiegelten) Fünften Planeten existierte. Beim Versuch, dies zu verhindern, genießen der Doctor und Leela die Unterstützung der örtlichen "Kräuterhexe" Ma Tyler und ihres Enkels.    

Wie es Boucher selbst einmal so hübsch ausgedrückt hat: "[A]nyone who says they write completely original material is either insane or a liar, or possibly both." Und so machte er nie einen Hehl daraus, dass sich in seinen Scripts fast immer Elemente finden lassen, die er aus Werken anderer entlehnt hatte sei es Harry Harrisons Captive Universe bei The Face of Evil, Frank Herberts Dune (und möglicherweise etwas Isaac Asimov) bei The Robots of Death oder Nigel Kneales Quatermass and the Pit und Kurt Vonneguts The Sirens of Titan bei Image of the Fendahl.   

1977 war ein Jahr des Umbruchs für Doctor Who. Nach dem Ende der 14. Staffel wurde Hinchcliffe als Produzent von Graham Williams abgelöst. Dieser besaß die ausdrückliche Order, die Serie wieder in "kindgerechtere" Bahnen zu lenken. Schon zuvor hatte sich BBC Director General Sir Charles Curran öffentlich bei Mary Whitehouse für die "Gewaltexzesse" in Robert Holmes' (ziemlich coolem) Serial The Deadly Assassin "entschuldigt". Nun knickte man endgültig vor der konservativen Aktivistin ein.  Holmes selbst blieb zwar noch etwas länger als Drehbuchautor dabei, aber auch sein Abschied war bereits eine abgemachte Sache. Die unablässigen Attacken durch Whitehouse und ihre Gefolgschaft hatten ihn zunehmend verbittert und erschöpft. Das dürfte auch mit ein Grund dafür gewesen sein, warum er es ablehnte, die Position des Script Editors bei Blake's 7 zu übernehmen. 

Dafür schlug er Produzent David Maloney als Ersatz Chris Boucher vor. Und der war nur zu bereit, den Posten zu übernehmen. Auch wenn das bedeutete, dass er nicht länger für Doctor Who schreiben durfte. Er sollte es nicht bereuen: "[I]t was the best move I ever made. It was the happiest work related experience I've ever had before or since. It was great!". Das einzige, worüber er sich im Nachhinein ärgerte, war, dass er sich nicht in angemessener Weise von Calor Gas verabschiedete, denen er nun endlich für immer den Rücken kehrten konnte:

[M]y only regret about leaving was that I didn't go to the guy I was working for and tell him to stick his job up his arse, and that is a sort of regret. You know, I should have just stopped in and said, "Listen you bastard, you can take your job and stick it where the sun don't shine, and you're a miserable prick to boot."
Als Boucher zum Team stieß, hatte Terry Nation schon einen kleinen Stapel von Script-Entwürfen zu Papier gebracht. Dennoch war sein Einfluss auf den Charakter, den die Serie schließlich annehmen sollte, von Anfang an nicht unbeträchtlich. Zumindest wenn man seiner eigenen Einschätzung folgt:
Terry had a much clearer notion of right and wrong than I did, and saw the series as basically Robin Hood in space. Whereas I sort of warped it a bit and tried to make it more ambiguous, so that in the end it became more like Che Guevara and the Dirty Dozen.
Ich denke, Bouchers tiefe Abneigung gegen jede Form von moralischem Absolutismus spielte eine wichtige Rolle für seinen Beitrag zu Blake's 7. Er war nicht an irgendwelchen glasklaren Gut vs Böse - Parabeln interessiert, sondern daran, wie Menschen durch die Umstände geformt werden, unter denen sie leben.

I don't believe there is such a thing as fundamental evil. [...] I don't think you can say, "ooh look at that bastard. There is a chunk of pure evil.” I mean evil arises out of situations, it arises out of inadequacies, pain and ignorance and fear, and I suspect it's awfully easy to stumble into evil and to stumble into being evil, or into being what is perceived as evil, but I don't believe that it starts out that way. I often get depressed by the way society appears to be going, where you hear strange politicians, and God knows we've got a lot of those now, saying, "it's no excuse to say that joy-riding and rioting arise because of unemployment," and I find myself yelling at the television, "no one's saying that it's an excuse, they're saying it's an explanation, you stupid twat."

Nach dem Ende von Blake's 7 arbeitete Chris Boucher hauptsächlich im Krimigenre, so bei Juliet Bravo (1982), Bergerac (1983-87) und The Bill (1987). Nur einmal noch kehrte er in TV - Science Fiction - Gefilde zurück. Doch die von ihm selbst konzipierte Serie Star Cops (1987) war eine von zahlreichen Problemen geplagte Produktion und wurde bereits nach neun Episoden wieder eingestellt. In späteren Jahren (1999-2005) schrieb Boucher vier Doctor Who - Romane für BBC Books, in denen der Vierte Doktor und Leela neue Abenteuer erleben. Außerdem entwickelte er die Hörspiel-Serie Kaldor City (2001), deren Setting auf The Robots of Death zurückgreift, in der aber auch eine Figur aus Bouchers Blake's 7 - Episode Weapon auftaucht. 

Avon war von Anfang an eine von Chris Bouchers Lieblingsfiguren. Dafür war zum einen die exzellente Zusammenarbeit mit Schauspieler Paul Darrow verantwortlich. Doch lag ihm sicher auch der ambivalente Charakter des selbstverliebten Computergenies:

I was always careful to make sure that Avon could have an idealistic reason for doing something, and also a totally selfish and cynical one, and you pays your money and you takes your choice. I don't think to my mind the character was really sure of his own motives anyway

Und so ist es nur angebracht, dass die Folge, mit der wir uns nun beschäftigen wollen, eindeutig eine Avon-Episode ist.

Wie wir aus Children of Auron wissen, will Avon das Chaos nach dem Ende des Intergalaktischen Krieges nutzen, um endlich eine offene Rechnung mit dem "Verhörexperten" (Folterknecht) Shrinker zu begleichen, den er für den Tod seiner Partnerin Anna verantwortlich macht. 
Nachdem der Ausbruch einer Pandemie auf Callys Heimatwelt dieses Unternehmen erst einmal unterbrochen hatte, ist die Liberator inzwischen endlich im Erdorbit angelangt. Avon hat sich absichtlich gefangen nehmen lassen, da er überzeugt davon ist, dass früher oder später Shrinker (John Bryans) zu Verhör & Folterung in seiner Zelle auftauchen wird. Der Plan geht auf und wenig später schon findet sich der uniformierte Sadist auf der Liberator wieder. Shrinker gibt eine ziemlich jämmerliche Figur ab, sobald er nicht länger das Sagen hat. Wie wohl nicht anders zu erwarten, versucht er sich hinter dem altgedienten "[I]  only ever followed orders" - Argument zu verstecken, aber damit kommt er hier nicht weit. Nur Cally ist nach wie vor wenig begeistert von Avons Racheplänen.
Cally: Are you sure you want to go on with it?
Avon: Yes, I'm sure I want to go on with it. Look, Cally, I know you don't want any part of this. All right, I'm not going to give you any part of it. You're out. This is mine. I'm doing it. 
Cally: And what am I doing, Avon? Just following orders, like him? 
...  
Tarrant: He's an animal, Cally.  
Cally: Yes, and it's contagious, isn't it?

Aber natürlich lässt sich Avon dadurch nicht aufhalten. Zusammen mit Shrinker lässt er sich in eine Höhle ohne Ausgang teleportieren und beginnt sein Verhör. Der völlig verängstigten Folterknecht beteuert, nie eine Anna Grant gekannt zu haben, aber er erinnert sich schließlich an den Fall. Wie sich zeigt, war der große Bankbetrug, den Avon und Anna durchziehen wollten, keineswegs der "geniale Coup", für den unser arrogantes Computergenie ihn immer gehalten hat: 

Avon: I'd found my way around the security programs in the banking computers. I was about to undermine confidence in the entire Federation credit system. Anna and I were going to be so rich that no one could touch us. And we were almost there.     
Shrinker: You were never even close. I remember you now -- you're Kerr Avon, the great bank fraud. 
Avon: That's what I just said. 
Shrinker:  Bartolomew was running you. 
Avon: Running me? 
Shrinker: Central Security -- Bartolomew was their best agent. They were on to you from the start. But they were convinced that you were political, so Bartolomew stayed close and let you run. Anyone that you so much as looked at was marked for collection. 

Shrinker gelingt es, Avon davon zu überzeugen, dass nicht er, sondern der ominöse Bartolomew für Annas Tod verantwortlich gewesen sein muss. Das bewahrt ihn allerdings nicht vor einem ziemlich grausamen Schicksal.

Derweil bereitet man sich in Servalans neuer Residenz auf einen Staatsempfang vor, mit dem die vollständige Niederschlagung der Aufstände gefeiert werden soll, die nach den Ereignissen von Star One offenbar wirklich ausgebrochen waren.
Dabei stellen wir als Zuschauende erstaunt fest, dass Anna (Lorna Heilbron) offenbar nicht nur nicht tot, sondern unter dem Namen Sula die Ehefrau eines mächtigen Politikers, Councilor Chesku (Peter Clay) ist. Die Situation wird noch mysteriöser, als Sula ihren Gatten kaltblütig ermordet und zusammen mit einem kleinen Guerilla-Trupp die Stürmung des Palastes vorbereitet.

Ein Gutteil der Episode dreht sich überhaupt nicht um Avons Versuch, Annas "Mörder" zu finden, sondern um diesen versuchten Staatsstreich. Dabei bekommen wir die Ereignisse vor allem aus der Sicht zweier Offiziere, Major Grenlee (Donald Douglas) und Section Leader Forres (David Haig), zu sehen, die für Überwachung und Sicherheit der Residenz verantwortlich sind. Von Boucher waren die beiden offenbar als eine Art "comedy double" konzipiert. Nun sind ihre Dialoge zwar nicht ganz so witzig und schlagfertig, wie man vielleicht erhofft hätte. Aber dafür zeichnen sie recht hübsch das Bild zweier "kleiner Nummern", die für ihre Vorgesetzten zwar nichts als Verachtung übrig haben, dabei jedoch sehr genau wissen, dass die Parole "Maul halten" zu heißen hat, wenn sie nicht seeehr großen Ärger bekommen wollen.

Forres: One law for the rich, eh Major?
Grenlee: There's no law for the rich, Forres, and even less for the rich, personal friends of the President.
Forres: They are only civilians, though.
Grenlee: If you want to get on in this man's army, Forres, you've got to learn to distinguish between civilians who are and civilians who aren't.
Forres: Sir. [Thinks twice] Are and aren't what, sir? 
Grenlee: When you know that, Section Leader, you'll be ready for promotion.
Forres: I don't know that I'd want it -- promotion, I mean. 
Und dass die beiden bei der Erstürmung der Residenz dann ganz "nebenbei" von den Rebellen über den Haufen geschossen werden, ist fast ein bisschen schockierend. Gerade weil sie bis dahin so was wie die "comedy sidekicks" der Handlung gewesen waren.

Wie so oft in Blake's 7 erscheinen auch in Rumours of Death die Revolutionäre in einem durchaus kritischen Licht. So erzählt Shrinker über den ersten großen Aufstand: 

One of the first targets of the Rebellion was Central Security. That was where they made their mistake. They were obsessed with revenge. By the time they'd finished kicking the corpses, they, they'd lost their chance, and the, the President had regrouped her forces.
Und auch der von Sula geführte Staatsstreich wirkt ambivalent. Die Guerilleros scheinen überzeugte Freiheitskämpfer zu sein. Doch was ist mit ihrer Anführerin? Ihr Stellvertreter Hob (David Gilles), der offenbar der ursprüngliche Organisator der Gruppe war, erklärt nach dem "Sieg" recht deutlich:

We didn't fight to put you behind that desk, Sula. [Sie hat wie selbstverständlich Servalans Platz eingenommen.]
Aber droht nicht genau das bei dieser "Revolution" herauszukommen? Sulas echte Motive werden uns zwar nicht enthüllt, doch wir wissen, dass sie zum Führungszirkel des totalitären Regimes gehörte. Können wir wirklich glauben, dass sie plötzlich zu einer ehrlichen Demokratin geworden ist? Wir haben schon in der Vergangenheit (Voice From the Past) gesehen, wie Vertreter des Establishments versucht haben, ihren eigenen Griff nach der Macht als einen selbstlosen Kampf für die Freiheit darzustellen. Warum sollte das nicht auch für Sula gelten? Zumal wir inzwischen wohl davon überzeugt sein dürften, dass sie "Bartolomew" gewesen ist. Verstellung war ihr Beruf.

Avon weiß zu diesem Zeitpunkt von all dem natürlich noch nichts. Er befindet sich weiterhin auf seinem Rachefeldzug. Nach der Enttäuschung mit Shrinker ist sein Ziel nunmehr Servalan selbst. Sie zumindest muss wissen, wer sich hinter dem Decknamen "Bartolomew" verbirgt.
Und auch wenn das für ihn selbst ein sehr persönliches Unternehmen ist, beharren seine Kameraden & Kameradinnen darauf, ihn zu begleiten.
Avon: This has nothing to do with you -- any of you.
Tarrant: That's true.
Dayna: On the other hand, you have something to do with us.
Cally: We've talked about it and discovered we care what happens to you. 
Tarrant: Within reason, of course. 
Dayna: We're as surprised about it as you are. 
Vila: Not to mention, embarrassed.
Ob es ihm passt oder nicht, die Gang wird das gemeinsam durchziehen.
Als sie die Präsidentenresidenz erreichen, berät der selbsterklärte "Volksrat" ("People's Council") der Rebellen gerade eifrigst darüber, ob man Servalan umgehend hinrichten oder als Werkzeug zur Konsolidierung der neuen Macht benutzen soll, wie Sula es vorgeschlagen hat. Und so gelingt es ihnen unbemerkt in den Keller vorzustoßen, wo sie die in Ketten gelegte Präsidentin finden.
Wie Tarrant ganz richtig erkennt, ist Servalans Selbstbewusstsein durch diesen Coup zum ersten Mal ernsthaft erschüttert worden. Sie war zuvor schon in prekären Situationen, aber das hier ist anders. Sie wurde im Zentrum ihrer Macht von einem kleinen Trupp Guerilleros überwältigt, gedemütigt und gefangen gesetzt. 
Avon:  Is that it? Have you finally lost your nerve? Have you murdered your way to the wall of an underground room?
Doch noch ist sie nicht völlig gebrochen:
It's an old wall, Avon, it waits. I hope you don't die before you reach it. 

Und tatsächlich erwartet Avon ein ähnlich erschütterndes Erlebnis, als Anna/Sula auftaucht und er realisiert, dass eine der wenigen Personen, die er wirklich geliebt und der er vertraut hat, eine Agentin des Feindes war.

Avon: Of all the things I have known myself to be, I never recognized the fool.
Rumours of Death ist eine der exzellentesten Episoden der dritten Staffel. Neben Chris Bouchers Drehbuch ist dafür vor allem Paul Darrow verantwortlich. Deutlich spüren wir die heftigen Emotionen, von denen der sonst so eisig-sarkastische Avon hier beherrscht wird. Sein hasserfülltes Verlangen nach Rache ebenso wie die verzweifelte Desillusionierung, als sich ihm die grausame Wahrheit offenbart. Großartig!