"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."
Momentan spricht alles dafür, dass es Disney Studios gelungen ist, das Star Wars - Franchise neu zu starten und das Fundament für ein zweites "cineastisches Universum" zu legen, das ähnlich profitabel zu werden verspricht wie ihre Marvel - Reihe.
Mit einem Einspielergebnis von $933,662,528 istThe Force Awakens – zumindest nominell – der bis heute finanziell erfolgreichste Film auf dem nordamerikanischen Kinomarkt und muss sich auch in Hinblick auf die weltweiten Einnahmen nur Avatar und Titanic geschlagen geben. Zieht man Inflation etc. mit in Betracht, sieht das Ergebnis zwar etwas anders aus, aber ein gewaltiger kommerzieller Erfolg ist der Streifen auf jedenfall. Und mit einem Rating von 92% auf Rotten Tomatoesgenießt er offenbar auch die Gunst der überwältigenden Mehrheit der Kritiker & Kritikerinnen.
Die Animations-Serie Star Wars Rebels scheint sich gleichfalls großer Beliebtheit zu erfreuen.
{Was ich von ihr gesehen habe, schaut wirklich nicht so übel aus. Und das kommt vom einen erklärten Verächter der Clone Wars! Etwas irritieren tut mich allerdings, dass ich im Zusammenhang mit Rebels schon mehr als einmal auf die Formulierung gestoßen bin, die Serie sei eine Art "Kombination aus Star Wars und Firefly". Ich weiß ja, was ihr damit ausdrücken wollt, aber mich nervt allmählich diese ganze Joss Whedon - Mythos - Pflege! Firefly [2002/03] war nicht die erste SciFi - Serie, die eine konfliktreiche Crew von Misfits auf Weltraumabenteuer geschickt hätte. Ich erinnere bloß an Farscape [1999-2003], aber im Grunde könnte man bis zu Blake's 7 [1978-81] zurückgehen.}
Und der kürzlich veröffentlichte erste Teaser-Trailer für Rogue One scheint ebenfalls dafür zu sprechen, dass die Verantwortlichen bei Disney / Lucasfilm verstanden haben, wie man ein neues Star Wars - Franchise aufzuziehen hat. "This is a rebellion, isn't it?"
Dennoch kam mir vor ein paar Tagen der Gedanke, ob wir nicht vielleicht gerade dabei sind, dem Untergang des Star Wars - Mythos beizuwohnen.
Was mich auf diese, auf den ersten Blick möglicherweise etwas verrückt klingende Idee brachte, waren die Tweets einer zwanzigjährigen SciFi- und Filmfreundin, über die ich zufällig gestolpert war. Der erste lautete: "Muss ich alle Star Wars Filme gucken um The Force Awakens zu verstehen?" Dem folgte einige Tage später: "Entschluss gefasst. Ich werde mir Star Wars Episode IV-VI antun bevor ich Force Awakens schaue." Offenbar fand sie Star Wars aka A New Hope eher langweilig.
Obwohl ich kein leidenschaftlicher Star Wars - Fan bin, hatte ich für einen kurzen Moment doch das peinliche Gefühl, mich in einen grantelnden alten Sack zu verwandeln, der sich über die ach so respektlose Jugend von heute ereifert: Ob zum Guten oder zum Schlechten – George Lucas' Original ist einer der einflussreichsten SciFi-Filme aller Zeiten! Er hat besseres verdient, als zum belächelten Vorfahr eines gerade hippen Blockbusters degradiert zu werden, dessen Script zu einem Gutteil Lucas' alte Story recyelt!
Doch meine Empörung hielt glücklicherweise nicht all zu lang an, und stattdessen begannen meine Gedanken in folgende Richtung zu wandern: Auch wenn die Verfasserin dieser Tweets nicht repräsentativ für die Film- und SciFi - Fans ihrer Generation sein mag, ist es doch nicht unwahrscheinlich, dass eine wachsende Anzahl von Leuten bei Star Wars in Zukunft weniger an Lucas' Trilogie {die Prequels wollen wir ganz wie J.J. Abrams gnädig ignorieren} als vielmehr an die von Disney produzierten Filme und Serien denken werden.
Und in gewisser Hinsicht wäre das vielleicht gar nicht einmal so schlecht. Damit würde Star Wars endlich seine "mythische" Aura verlieren und zu einem SciFi - Franchise unter vielen werden. Niemand würde mehr die verrückte Behaptung aufstellen wollen, die Sternenkrieger-Saga sei das moderne Äquivalent zu Beowulf, dem Gilgamesch - Epos oder der Ilias. Denn wie kompetent gemacht und sympathisch die neuen Filme auch sein werden, es kann kein Zweifel daran bestehen, dass sie nie einen ähnlichen Status wie die ursprüngliche Trilogie erreichen werden. Ganz gleich wie kommerziell erfolgreich sie sind, ihr Einfluss auf den SciFi-Film und die Populärkultur im Allgemeinen wird garantiert nie so groß sein, wie der ihrer Vorgänger.Und so wird das Ende des Star Wars - Kultes ironischerweise vielleicht nicht durch dessen kritische oder künstlerische Dekonstruktion herbeigeführt werden, sondern durch eine Art Reboot des Franchises im Rahmen des zeitgenössischen Blockbuster-Kinos mit seinen "cineastischen Universen" und studioeigenen Fünf-Jahres-Plänen. Was ich irgendwie amüsant finde.
Ich stehe zwar immer noch zu dem, was ich vor über zwei Jahren in diesem Blog geschrieben habe: Star Wars hätte mit dem Abspann von Return of the Jedi enden sollen, aber dennoch habe ich mir vorgestern, kaum dass er online gegangen war, den neuen Teaser-Trailer für Episode VII: The Force Awakens angeschaut. Und ja, ich gebe zu, er sieht gar nicht so übel aus:
Ganz offensichtlich bemühen sich Disney und J.J. Abrams schon rein visuell, an die ursprüngliche Trilogie anzuknüpfen und die sterile CGI - und Green Screen - Bombastik der Prequels vergessen zu lassen. Unsere "weit weit entfernte Galaxis" wirkt wieder etwas erdiger, dreckiger und "verbrauchter" – ganz, wie es sich für einen guten Star Wars - Film gehört. Dennoch kann ich nicht so recht in die allenthalben im Internet ausbrechende Begeisterung einstimmen. Und dass nicht nur, weil man vergleichbare Jubelschreie auch im Vorfeld von The Phantom Menace vernehmen konnte – und wir alle wissen, was dann kam ... Der Trailer enthält ohne Zweifel einige wirklich coole Bilder, wie z.B. den abgestürzten Sternzerstörer, aber über den Plot von The Force Awakens wissen wir nach wie vor so gut wie nichts. Um Brad Brevet von Rope of Siliconzu zitieren:
What we learned from the Force Awakens panel [bei dem der Trailer vorgestellt wurde] is it seems the
three lead characters meet on the desert planet of Jaku (not Tatooine as
was assumed when set pictures leaked online). Those three characters
are Finn played by John Boyega who confirmed he is a stormtrooper, though whether he's good or bad is not revealed; another is Rey (Daisy Ridley) a scavenger and the third is Poe Dameron (Oscar Isaac) an X-Wing pilot sent on a mission by "a certain princess" who comes in contact with Finn.
Das ist ziemlich nichtssagend, und der Trailer selbst enthält keinerlei weitere Informationen. Dafür jedoch mindestens zwei Elemente, die mich etwas skeptisch gestimmt haben.
Da ist zum einen der kuriose Umstand, dass der gute Chewbacca um keinen Tag gealtert zu sein scheint. Zugegebenermaßen eine vielleicht etwas pedantisch anmutende Kritik, aber ich finde es ehrlich gesagt eigentümlich, dass scheinbar niemand in J.J. Abrams' Team aufgefallen ist, wie seltsam es wirken muss, wenn man dem greisen Harrison Ford einen haarigen Kumpel zur Seite stellt, der aussieht, als habe die Schlacht von Endor vorgestern stattgefunden. Sind die Wookiees eine "kanonisch" äußerst langlebige Rasse? Selbst wenn dem der Fall sein sollte, hätte es meiner Meinung nach besser zu dem oben erwähnten "erdigen" Touch gepasst, wenn wir einen Chewie mit ergrautem Fell zu sehen bekommen hätten. {Oder befürchtete man damit unangenehme Erinnerungen an Itchy aus dem Star Wars Holiday Special wachrufen zu können? Wenn ja, dann will ich nichts gesagt haben.}
Mein zweites und etwas ernsthafteres Problem mit dem Trailer ist der Bösewicht. Schon sein "Kreuz - Lichtschwert", das wir im ersten Teaser zu sehen bekommen haben, wirkt etwas lächerlich. Hier nun begegnen wir ihm erstmals "von Angesicht zu Angesicht", und ich kann mir nicht helfen, aber auf mich hinterlässt er mit seiner Maske und seiner schwarzen Rüstung {inklusive Mantel} den Eindruck, ein etwas agilerer Abklatsch des guten alten Darth Vader zu sein. Was mich ehrlich gesagt nicht wirklich überrascht, denn wie ich ich in dem oben verlinkten Blogpost bereits einmal erklärt habe: So wie ich es sehe, war das Potential von Star Wars – dieser neckischen Hommage an die alten SciFi-Serials – bereits nach den ersten drei Filmen erschöpft. Was jetzt kommt kann darum bestenfalls ein kompetent gemachtes und leicht modernisiertes Wiederaufwärmen der alten Ideen sein. Was alles in allem immer noch sehr viel besser wäre als manch anderes, was uns von Hollywood heute so vorgesetzt wird.
Womit wir auch schon bei dem zweiten "spektakulären" Trailer dieser Woche wären: Batman V Superman: Dawn of Justice:
Okay, wir alle haben kapiert, dass Warner Bros / DC auch weiterhin nicht bereit sein werden, von ihrer Grimdark - Version des Superheldenfilms abzuweichen. Christopher Nolans Dark Knight - Flicks waren einfach zu erfolgreich und zu einträglich. Und dennoch: Wird diese Masche allmählich nicht selbst dem ollen Zack Snyder etwas langweilig? Immer die gleiche düster-apokalyptische Ästhetik mit den gleichen finster vor sich hin brütenden "Helden".
Hier und da bin ich über Kommentare gestolpert, deren Verfasser aufgrund dieses Trailers die verwegene These aufstellen, Batman V Superman könne eine Art "Dekonstruktion" des Superman - Mythos werden. Sorry, aber das ist in meinen Augen absoluter Bullshit.Dieser Streifen soll der Startpunkt für Warner Bros "Justice League" - Universum werden, und schon allein deshalb wird er keine ernstzunehmende "Dekonstruktion" liefern können. Am Ende einer solchen bestände einfach keine Möglichkeit mehr für ein "heroisches" Sequel.
Und außerdem: Brauchen wir bald dreißig Jahre nach Alan Moores & Dave Gibbons' Watchmen wirklich noch eine weitere "Dekonstruktion" des Superhelden-Typus? {Dass Zack Znyder selbst für die filmische Adaption dieses epochalen Werkes verantwortlich gezeichnet hat, macht die ganze Angelegenheit nur noch lächerlicher.} Manche Leute sehen in Watchmen jaden Vorläufer der heute so beliebten düsteren und pseudorealistischen Superheldengeschichten. Im Rahmen der historischen Entwicklung des Comics mag das sogar stimmen. Aber zugleich zeigt das bloß, dass viele offenbar nicht verstanden haben, was Alan Moore mit seinem Werk eigentlich ausdrücken wollte. Überspitzt formuliert: Nach Watchmen hätte es keine Superheldenstories mehr geben dürfen. Und erst recht keine, die sich als "realistisch" zu geben versuchen.
Dass viele der Neuigkeiten und Gerüchte, die man aus Hollywood so zu hören bekommt, reichlich bizarr klingen, ist natürlich nichts neues: Ein Reboot von Stargate? Eine von niemandem herbeigesehnte Neuauflage des Highlander? Eine neuer Indiana Jonesmit Chris Pratt als Indy? Eine "Rekalibration" {was auch immer das sein soll} von Halloween? Derlei Schlagzeilen bin ich inzwischen gewohnt und sie rufen darum auch kaum mehr als ein Achselzucken bei mir hervor. Hin und wieder aber taucht dann doch noch etwas auf, das so absurd klingt, dass es mich aus meiner Apathie reißt. Selbiges war kürzlich der Fall, als ich lesen musste, Mel Brooks arbeite allen Ernstes an einem Sequel zu Spaceballs.
With a new Star Wars trilogy in the works, comedian and filmmaker Mel Brooks says he’s actively working on a sequel to his iconic spoofing Spaceballs, which would begin filming after the December 2015 release of Star Wars: The Force Awakens.
During a recent appearance on Adam Carolla’s Take a Knee podcast, Brooks confirmed his desire to make the film, which would be entitled Spaceballs: Search For More Money.
He said his intention is to bring back as many as the film’s original
cast members as possible, including Rick Moranis, who has all but
retired from acting in recent years.
Warum mich diese Botschaft stärker getroffen hat als all der andere Bullshit? Lasst es mich so formulieren: Mel Brooks war einmal ein großer Filmemacher, doch Spaceballs war nie ein großer Film.
Kaum jemand wird widersprechen können, dass die letzten Jahre in Brooks' Karriere als Regisseur einem rapiden Absturz glichen. Der Mann, der uns so wunderbare Klassiker wie The Producers (1968), Blazing Saddles (1974) und Young Frankenstein (1974) geschenkt hatte, verabschiedete sich vom Kinopublikum mit solch unglaublich öden, humor- und fantasielosen Machwerken wie Robin Hood: Man in Tights (1993) und {schauder} Dracula: Dead and Loving It (1995). Dieser Niedergang ist in seinen Ausmaßen geradezu erschreckend. Irgendwann in den 80er Jahren scheint die Quelle von Brooks' Kreativität – aus welchen Gründen auch immer – mit einmal ausgetrocknet zu sein, und sie sollte nie wieder in ihrer alten Frische zu sprudeln beginnen. Wo genau der Beginn dieses Prozesses anzusetzen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander, für mich lassen sich erste Symptome dessen bereits in History of the World, Part 1 (1981) ausmachen und mit Spaceballs (1987) beginnt dann der freie Fall.
Ich will gar nicht leugnen, dass der Streifen die eine oder andere witzige Szene enthält, aber das kann ihn in meinen Augen nicht retten. Ihm fehlen die Kreativität, Sorgfalt und Leidenschaft, die Brooks' wirklich große Filmparodien auszeichneten. Blazing Saddles und Young Frankenstein bestehen nicht einfach aus einer Aneinanderreihung mehr oder weniger gelungener Witze mit mehr oder weniger deutlichem Bezug zu ihrem "Quellenmaterial", sie schaffen es auf großartige Weise, den Look und die Atmosphäre eines klassischen Western oder Universal-Horrorfilms nachzuahmen. Ähnliches gilt für High Anxiety (1977), wenn Brooks z.B. einige von Hitchcocks berühmten cinematographischen Kunstgriffen kopiert. Diese Streifen verraten ein tiefes Verständnis für die Art von Filmen, die sie parodieren. Und vermutlich auch eine große Liebe zu ihnen. Nichts dergleichen lässt sich über Spaceballs sagen. Am nächsten kommt der Film dem vielleicht noch in der Szene mit dem Vorbeiflug des nicht enden wollenden Raumschiffs Spaceballs One, doch was dem folgt, scheint von Leuten gemacht zu sein, die kein Gefühl dafür hatten, was Star Wars oder den SciFi-Film im Allgemeinen ausmacht.
Zugegebenermaßen fand ich Spaceballs ziemlich witzig, als ich ihn mir zum ersten Mal anschaute, aber das liegt nun bereits eine halbe Ewigkeit zurück und ich war damals ... ich weiß nicht ... maximal achtzehn. Als ich mir den Streifen vor ein paar Jahren dann wieder einmal {und diesmal im englischen Original} reingezogen habe, musste ich mit Erschrecken feststellen, wie uninspiriert und streckenweise geradezu peinlich er in Wirklichkeit ist. Ich denke ein Großteil der Liebe, die dem Film auch heute noch von vielen entgegengebracht wird, wurzelt letztlich in ähnlich nostalgischen Erinnerungen.
Ulkigerweise war mir zum Zeitpunkt meiner ersten Begegnung mit Brooks' Werk auch schon der Film bekannt, den ich heute als eine sehr viel gelungenere Star Wars - Parodie Spaceballs entgegenstellen würde: The Ice Pirates von 1984. Ich weiß, eine Einschätzung, die wahrscheinlich nur von sehr wenigen geteilt wird {auf Rotten Tomatoes bekommt der Flick gerade mal 11%}, aber ich bleibe dabei: Stewart Raffills trashiger SciFi-Streifen ist vielleicht nicht wirklich ein besserer Film und er enthält vermutlich ebensoviele müde und pubertäre Witze wie Spaceballs, doch im Unterschied zu ihm ist er bei allem Rumgeblödel zugleich ein nett pulpiges Weltraumabenteuer, und das macht für mich den entscheidenden Unterschied aus: Spaceballs besteht aus einer Aneinanderreihung meist nur mäßig amüsanter Gags, für die der Plot und die Charaktere lediglich als Aufhänger fungieren. Der Film versucht gar nicht erst, eine wirkliche Story zu erzählen, die einen irgendwie packen oder auch nur interessieren könnte. The Ice Pirates hingegen mag zwar ein echt mieser Film sein, aber er erzählt weigstens eine echte Geschichte, in deren Verlauf ich zumindest echte Sympathien für Jason und seinen Trupp von Misfits & Underdogs entwickeln konnte.
Roger Ebert schrieb seinerzeit in seiner Rezension von Spaceballs::
Did Mel Brooks make "Spaceballs" to celebrate the 10th anniversary of the "Star Wars" saga? Last month we celebrated the first decade of George Lucas's great entertainment, and now here is Brooks's satire, complete with Dark Helmet and Pizza the Hutt. [...] The strangest thing about "Spaceballs" is that it should have been made
several years ago, before our appetite for "Star Wars" satires had been
completely exhausted.
In der Tat fragt man sich, was vier Jahre nach Return of the Jedi ein solcher Streifen noch in den Kinos zu suchen hatte. Anders als Blazing Saddles, Young Frankenstein, High Anxiety oder History of the World parodiert Spaceballs kein ganzes Genre, sondern ganz spezifisch Star Wars. Daran ändern auch die paar willkürlich eingestreuten "Anspielungen" auf Star Trek, Alien und Planet of the Apes nichts. Doch der große Hype war 1987 bereits vorbei. Ebenso angestaubt mussten deshalb Brooks' satirische Seitenhiebe auf die geldscheffelnden Merchandising-Maschinerie wirken, für die George Lucas schon seit langem berüchtigt war.
Wenn also bereits die erste Inkarnation von Spaceballs leicht anachronistisch wirken musste, um wieviel mehr würde dies für ein 2016 oder 2017 in die Kinos gelangendes Sequel gelten? Selbst wenn J.J. Abrams' The Force Awakens zu einem großen Erfolg werden sollte, wird der Film doch unter Garantie nichts auslösen, was dem Star Wars - Hype der späten 70er und frühen 80er gleichkäme.
Warum also streut der inzwischen achtundachtzigjährige Brooks Gerüchte über Spaceballs 2 aus? Braucht er dringend Geld und hofft tatsächlich, die Wiederauferstehung von Star Wars ausnutzen zu können? Ist er nicht länger damit zufrieden, seine alten Klassiker wie The Producers und Young Frankenstein in Broadway-Musical zu verwandeln? Will er's sich selbst und der Welt zwanzig Jahre nach seinem Abschied vom Regiestuhl noch einmal beweisen? Oder ist das Ganze bloß ein Spaß, den sich der alte Komiker auf Kosten der gerüchtegeilen Filmfangemeinde macht? Zumal es äußerst unwahrscheinlich ist, dass Rick Moranis aus dem Ruhezustand zurückkehren und sich erneut den schwarzen Riesenhelm überstülpen wird. Und Brooks selbst hat gesagt: "“Without Rick, I wouldn’t do it".
Ein Artikel über Star Wars VII, der mit den Worten beginnt "Sources say ...". {Welche Quellen genau steht da natürlich nicht.} – Eigentlich Grund genug, gar nicht erst weiterzulesen.
Gibt es derzeit irgendetwas Anödenderes in den phantastisch-geekig-cineastischen Gefilden des Netzes als irgendwelche Bullshit-News über JJ Abrams' kommenden Beitrag zum Universum der Sternenkrieger? Wer nimmt all diesen Blödsinn über "Insider-Informationen", angebliche Casting-Listen und ähnlichen Scheiß eigentlich noch ernst? Wozu werden diese nichtssagenden und peinlichen Beispiele von angeblichem "Netz-Journalismus" runtergetippt? Ist das irgendeine postmoderne Form von Humor, die ich nicht kapiere, weil ich dafür inzwischen zu alt bin? Oder ist das Fandom tatsächlich ein hirnloser Mob, der begeistert alles verschlingt, was mit dem Label seines Lieblingsfranchises versehen wurde? Ich möchte das eigentlich lieber nicht glauben ...
Wie dem auch sei, diesen Artikel des Hollywood Reporter finde ich trotzdem ganz interessant. Zwar ist mir im Grunde völlig egal, wer in Star Wars VII zuguterletzt tatsächlich mitwirken wird, aber das Gerücht, Lupita Nyongo'o könne die Rolle einer Nachfahrin von Obi-Wan Kenobi übernehmen, finde ich aus völlig anderen Gründen dennoch recht faszinierend.
Schon lange vor den kürzlich zelebrierten Oscar-Verleihungen hatte die offiziöse Kritikergemeinde 12 Years a Slave zu einem modernen "Klassiker" erklärt. Meine Ansicht über Steve McQueens Film ist zwar eine sehr viel weniger positive, doch das tut hier nichts zur Sache. Was Nyongo'o angeht, bedeutete dies jedenfalls, dass sie in Hollywood zu einer äußerst gefragten Schauspielerin geworden war. So gesehen wäre es nicht gar so erstaunlich, wenn sich Abrams um ihre Mitarbeit an Star Wars VII bemühen würde. Doch fällt es mir schwer, den Verdacht loszuwerden, dass dem Projekt damit auch ein "progressiveres" Antlitz verliehen werden soll. Ist 12 Years a Slave doch vor allem in liberalen, dem offiziellen "Antirassismus" huldigenden Kreisen besonders gut angekommen. Aber würde Lupita Nyongo'o in einer Hauptrolle Star Wars VII tatsächlich zu einer "demokratischeren" Geschichte machen?
Kurz gesagt: Nein! Sicher wäre es erfreulich, wenn wir in kommenden Star Wars - Flicks mehr farbige Protagonisten und weniger rassistische Stereotypen als in George Lucas' Filmen zu sehen bekommen würden. Aber leider liegt dem ganzen Star Wars - Universum nun einmal ein gänzlich undemokratisches Konzept zu Grunde. Die Jedi sind waschechte Aristokraten mit allem was dazu gehört. Sie stammen aus besonders bevorzugten Blutlinien und verfügen über Kräfte, von denen der simple Pöbel bloß träumen kann. Sie sind eine Kreuzung aus Weltraum-Samurais, Zen-Mönchen und X-Men. Ihre bloße Existenz macht es unmöglich, Star Wars zu einer Geschichte mit "egalitären" Werten umzuschreiben. Und dabei ist es völlig egal, welche Hautfarbe diese von "der Macht" auserwählten Aristos haben. Nur blinde Jünger & Jüngerinnen der modischen Identitätspolitik könnten glauben, dass die positive Darstellung eines hierarchischen Systems dadurch akzeptabler würde, dass wir in den führenden Rängen ein paar mehr Schwarze und Frauen zu sehen bekommen. Mit wirklich demokratischen Idealen hat das nichts, aber auch gar nichts gemein.
Ich kann bloß noch einmal wiederholen, Star Wars hätte mit Return of the Jedi enden sollen!
Man kann geteilter Meinung darüber sein, ob der gargantuane Erfolg des ersten Star Wars - Films ein Fluch oder ein Segen für das SciFi-Kino und den {amerikanischen} Film im Allgemeinen gewesen ist. Mir selbst würde es schwerfallen, da eindeutig Stellung zu beziehen. Wofür ich Onkel George jedoch ganz sicher auf ewig dankbar sein werde, ist, dass sein Weltraumabenteuer Ende der 70er / Anfang der 80er Jahre eine Reihe höchst skuriller Rip-offs nach sich zog. Niemand wird behaupten wollen, dass sich in dieser bunten B-Movie-Schar irgendwelche vergessenen Meisterwerke verstecken würden. Aber wer meine leicht perverse Liebe zu absurdem Trash teilt, wird an ihnen seine helle Freude haben. Und so lade ich denn alle Gleichgesinnten zu einem Abstecher in eine ganz andere "weit weit entfernte Galaxis" ein. Uns erwarten Abenteuer, wie sie sich kein gesundes Hirn jemals erträumt hätte.
Starcrash (1979)
Unsere kleine Rundreise beginnt gleich mit einem Juwel seiner Art. Knapp zwei Jahre nachdem George Lucas sämtliche Kassenrekorde gebrochen hatte, präsentierte Luigi Cozzi dem hungrigen Kinopublikum seine Version einer Space Opera unter dem grandiosen Titel Scontri stellari oltre la terza dimensione {ungefähr: "Stellare Zusammenstöße jenseits der dritten Dimension"}. Starcrash kann nicht nur mit sexy Genre-Ikone Caroline Munro, sondern auch mit einer Story glänzen, die bei aller Einfachheit so gut wie überhaupt keinen Sinn macht. Lichtschwerter kommen auch vor ...
Luigi Cozzi ist ein nicht uninteressanter Vertreter der prachtvollen italienischen B-Movie-Traditionen. Seine Karriere begann passenderweise mit einem SciFi-Amateurfilm, durch den Dario Argento auf ihn aufmerksam wurde. An seiner Seite sammelte er erste Erfahrungen als Co-Regisseur und Drehbuchschreiber, beschäftigte sich Mitte der 70er Jahre aber auch mit der Organisation von SciFi-Filmfestivals, auf denen das Publikum in den Genuss solcher Klassiker wie The Thing From Another World, The Cat People, Things To Come und Invasion of the Body Snatchers kommen konnte. Als bekannt wurde, dass Dino de Laurentiis ein Remake von King Kong plante, bewies Cozzi zum ersten Mal, dass er eine Nase für mögliche Cash-ins hatte. Nachdem sein Versuch, die italienischen Rechte für den britischen Riesenmonsterflick Gorgo (1961) zu erwerben, gescheitert war, wandte er sich stattdessen dem Urvater aller Kaijus zu – Ishirō Hondas Gojira (1954) – und brachte 1977 eine kolorierte und um zwanzig Minuten erweiterte Version in die Kinos. Eigenen Aussagen zufolge testete er bei der Überarbeitung von Godzilla die Stop-Motion-Technik, die ein Jahr später bei Starcrash zum Einsatz kommen sollte.
Nachdem er George Lucas' Werk geplündert hatte, wandte sich der gewiefte Kinopirat 1980 dem von Ridley Scott zu und drehte mit Contamination ein unterhaltsames Alien-Rip-off mit Horror-B-Movie-Legende Ian McCulloch in der Hauptrolle. Kim Newman hat den Streifen wohl nicht zu Unrecht als "the best of the Italian Alien pseudo-sequels"* bezeichnet. Was Cozzis spätere Werke angeht, so ist mir Nosferatu in Venice (1988) leider nicht aus eigener Anschauung bekannt. Ein Sequel zu Werner Herzogs Nosferatu (1979), bei dem sich Klaus Kinski nach dem Abgang von Mario Caiano als Regisseur versuchte, wobei ihm Cozzi als Unterstützung zur Seite gestellt wurde? Das Ergebnis mag noch so grottig sein, ich möchte es unbedingt einmal gesehen haben! Mit De Profundis aka The Black Cat aka Demons 6 (1989) schuf Cozzi außerdem einen inoffiziellen Abschluss zu Dario Argentos "Drei Mütter" - Trilogie. Ein ausgesprochen kurioser Film, geht es in ihm doch um einen Regisseur und einen Drehbuchschreiber, die eine Fortsetzung zu Argentos Suspiria und Inferno drehen wollen, was Levana, der dritten der "Mütter", überhaupt nicht gefällt! Ist das jetzt "meta" oder "mental"? Da das Ergebnis ziemlich unterirdisch ausgefallen ist, tippe ich eher auf letzteres: Amateurhaft anmutende Versuche, den Stil des genialen Horror-Auteurs nachzuahmen; grausige Schnitte; echt miese Spezial- und Soundeffekte; bizarre Ausbrüche von Rockmusik; Bärte, die von einer Szene zur nächsten verschwinden oder wieder auftauchen ... Diesen Flick kann nicht einmal mehr Caroline Munro retten.
Nun ja, jeder darf mal danebenlangen. Mit Starcrash verdanken wir Luigi Cozzi jedenfalls ein wahres Wunderwerk des Trashs. Der Streifen hat alles, was man sich von derartigem SciFi-Schlock nur wünschen kann. Er ist farbenfroh, verrückt und völlig hemmungslos. Und er macht ganz einfach irrsinnig viel Spaß.
Ich glaube nicht, dass es sehr viel Sinn machen würde, wollte ich versuchen den Plot des Films hier im Detail nachzuzeichnen. Die Geschichte von Schmugglerin Stella Star (Caroline Munro) – der besten Astro-Pilotin des Universums – und ihrem mystisch begabten Kumpel Akton (Marjoe Gortner), die erst von imperialen Truppen verhaftet werden, um sich wenig später gemeinsam mit dem grüngesichtigen Offizier Thor (Robert Tessier) und Polizeiroboter Elle (Judd Hamilton) im Auftrag des galaktischen Imperators (Christopher Plummer) aufzumachen, die geheime Superwaffe des bösen Count Zarth Arn (Joe Spinell) zu finden und zu zerstören, ist so wirr und widersprüchlich, dass es einer Beleidigung gleichkäme, wollte man sie als ein kohärentes Etwas darstellen.
Worin der besondere Reiz von Starcrash besteht? Zuerst einmal gehört der Streifen nicht zur Kategorie der "so bad it's good" - Filme wie etwa Ed Woods Plan 9 From Outer Space oder Claudio Fragassos Troll 2. Noch viel weniger ist einer jener meist eher nervigen, absichtlich schlecht gemachten Flicks wie Asylums Sharknado. Er ist liebenswert für das, was er ist. Um ihn so richtig genießen zu können, braucht man keine ironische Distanz. Ganz im Gegenteil! Man muss sich kopfüber in das kunterbunte Pulp-Universum stürzen, das sich einem hier eröffnet. Es ist seine fröhliche Naivität, die für mich den unwiderstehlichen Charme von Starcrash ausmacht. Cozzis Film wirkt wie einer der letzten Vertreter einer unschuldigeren Ära, bevor postmoderne Cleverness und "Ironie" dem simplen Spaß, den gute Pulp-Geschichten verbreiten sollten, den Kampf angesagt hatten. Und mehr noch als Star Wars zehrt der Film von den pulpigen Traditionen des Genres. Man braucht sich ja bloß die Sequenz mit dem Amazonen-Planeten oder den Bösewicht Zarth Arn anschauen, der sehr viel mehr von Flash Gordons Ming the Merciless als von Darth Vader hat.
Viel mehr habe ich eigentlich nicht zu Starcrash zu sagen. Das ist einer jener Filme, die man sehen muss, um zu verstehen, warum ihm von B-Movie-Fans so viel Liebe entgegengebracht wird. Ich möchte bloß noch erwähnen, dass ich die Beziehung zwischen Stella und Roboter Elle für den rührendsten Bestandteil der Geschichte halte. Dass unsere Heldin sich am Ende selbstverständlich in einen waschechten Prinzen (David Hasselhoff) verlieben muss, entspricht den Konventionen des Genres. Ich jedoch hatte das Gefühl, dass zwischen ihr und dem Blechkameraden emotional sehr viel mehr abgeht als bei dem Blaublüter.
Galaxina (1980)
Wenn Starcrash noch ernst gemeint war {d.h. so ernst wie etwa Buck Rogers in den 30er & 40er Jahren}, so betreten wir mit Galaxina einwandfrei satirischen Boden. William Sachs' Streifen kann als ein direkter Vorläufer zu Stewart Raffills wunderbaren Ice Pirates (1984) gelten, versucht doch auch er im Rahmen eines vulgären Weltraumabenteuers gleich eine ganze Reihe von Genre-Klassikern zu parodieren. Neben Star Wars trifft es vor allem Star Trek, Alien und 2001.
Einen Kommentar zu diesem Trailer verkneif ich mir lieber. Was den Inhalt des Films angeht, wäre es eigentlich völlig ausreichend, Space-Bösewicht Ordric of Mordric zu zitieren: "What's this shit!?" Dennoch möchte ich versuchen, rasch das zu skizzieren, was man mit viel gutem Willen als den Plot von Galaxina bezeichnen könnte:
Die Crew des Polizeiraumschiffs Infinity – ein Haufen kaputter Typen unter dem Kommando von Captain Cornelius Butt {was nicht nur "Hintern" bedeutet, sondern wohl auch eine Anspielung auf den großartigen Harry Mudd aus Star Trek sein soll} – erhält den Befehl, zu einer weit entfernten ehemaligen Sträflingskolonie zu fliegen, da dort die legendäre Wundersubstanz "Blue Star" gefunden wurde. Hinter der ist allerdings auch der fiese Ordric her, mit dem sich die Infinity bereits ein kleines Weltraumduell geliefert hat. Während die Mannschaft in ihren kryogenischen Schlafkammern "überwintert", verliebt sich Roboter Galaxina in den ersten Offizier Thor {warum ist mir unklar, aber hey – die Auswahl an möglichen Partnern ist nicht eben groß} und verwandelt sich aus einer eiskalten, emotionslosen Androidin in eine leidenschaftliche Frau. Den Plot bringt das übrigens kein Stück voran. An ihrem Ziel angelangt stoßen unsere Helden nicht nur auf eine Westernstadt, in deren Saloon vorzugsweise "Mensch" serviert wird und ein Mr. Spock - Verschnitt als Bartender fungiert, sondern müssen sich auch mit Ordric und einer Bikergang herumschlagen, die eine Harley Davidson als Gott verehrt.
Das klingt jetzt sicher wie absoluter Bullshit, und mit dieser Einschätzung läge man nicht gar zu weit von der Wahrheit entfernt. Nach allen einigermaßen objektiven Maßstäben beurteilt ist Galaxina ein echt mieser Film. Oder besser ausgedrückt: Er ist wie der alte Sam Wo auf dem Maschinendeck der Infinity – völlig stoned. Genau darin besteht aber auch sein Reiz.
Subtile Satire darf man natürlich nicht erwarten. Hier wird der Holzhammer geschwungen, und schlechter Geschmack ist oberstes Gebot. Dafür dürfen wir einige wunderbar groteske Szenen bewundern. So etwa, wenn plötzlich ein schrottreifes Space Shuttle durchs Bild getrudelt kommt. Das hat nicht nur nichts mit der Story zu tun, sondern wirkt angesichts der Tatsache, dass das erste Shuttle Columbia überhaupt erst 1981 gestartet ist, reichlich irritierend. Ist die Ähnlichkeit bloß ein Zufall?
Und in wenigstens einer Hinsicht ist Galaxina sogar richtig intelligent gemacht. Der Soundtrack ist beinah schon genial! Zum Großteil besteht er aus klassischen Kompositionen à la 2001. Und auch wenn es etwas simpel anmutet, wenn Captain Butts erster Auftritt mit dem Vorspiel aus Richard Strauß' Also sprach Zarathustra unterlegt ist, so erweist sich das ironische Spiel mit berühmten Musikstücken in der Folge als sehr viel geschickter gemacht. Alle Wagnerfans mögen die Ohren aufsperren und auf den Liebestodaus Tristan und Isolde warten. Ich jedenfalls musste bei dieser Szene laut loslachen. Hinzu kommen einige deutliche Anspielungen auf den Soundtrack von Alien sowie das stellenweise Anzitieren der typischen Musik einer Hollywood-Schnulze.
In die Riege echter Trash-Klassiker wie The Ice Pirates aufgenommen zu werden, verdient Galaxina dennoch nicht. Grund hierfür ist vor allem, dass uns die Crew der Infinity anders als Jason und seine Kumpels nicht ans Herz wächst. Butt, Thor, Buzz, Maurice, Sam Wo und Galaxina sind keine Charaktere, für die wir Sympathie entwickeln könnten. Sie bleiben den ganzen Film über grobschlächtige Karrikaturen oder sterile, wenig liebenswerte Klischeefiguren.
Alles in allem gilt für Galaxina dasselbe wie für den Mainzer Rosenmontagszug: Nüchtern sollte man sich das nicht anschauen, aber mit der richtigen alkoholischen Unterfütterung kann es ein Riesenspaß werden.
Battle Beyond the Stars (1980)
Wie nicht anders zu erwarten, versuchte auch der alte Schlockmeister und König der Cash-ins Roger Corman den von George Lucas losgetretenen Trend auszunutzen. Inhaltlich gesehen plündert der von ihm produzierte und unter der Regie von Jimmy T. Murakani gedrehte Film Battle Beyond the Stars allerdings weniger Star Wars als vielmehr The Magnificient Seven (1960). Robert Vaughn spielt als ehemaliger Auftragskiller Gelt sogar beinah dieselbe Figur, die er in John Sturges' Western-Remake von Akira Kurosawas Die sieben Samurai (1954) verkörpert hatte.
Weltraumtyrann Sador (John Saxon) droht den friedlichen Bewohnern des Planeten Akir mit völliger Vernichtung, wenn sie nicht willens sind, sich ihm zu unterwerfen. Auf Anraten des ehemaligen Kriegers Zed "the Corsair" (Jeff Corey) macht sich der junge Shad (Richard Thomas) mit Zeds Raumschiff auf, um Söldner zur Verteidigung Akirs anzuheuern. Es ist eine denkbar bunte Truppe, die er nach manchem Hin und Her schließlich zusammenbekommt: Die naive, aber technisch umfassend gebildete Nanelia (Darlanne Fluegel); der alte Space Cowboy (George Peppard); der Sklavenjäger Cayman (Morgan Woodward), der Sador ewige Rache geschworen hat, mitsamt seiner eigenartigen Crew; "Nestor" (Earl Boen) – eine Gruppe von Klonen mit einem kollektiven Bewusstsein; der verbitterte Berufskiller Gelt (Robert Vaughn); sowie die kampflüsterne Walküre Saint-Exmin (Sybil Danning). Zusammen mit den Bewohnern Akirs ziehen sie in die Schlacht gegen Sadors Mutanten und ihre alles zerstörende Höllenwaffe – den "Star Converter". Nur die wenigsten von ihnen werden diesen Kampf überleben.
Originell ist die Geschichte natürlich nicht gerade. Und als jemand, für den Die sieben Samurai zu den großartigsten Filmen aller Zeiten gehört, stehe ich selbst den besseren Rip-offs von Kurosawas Klassiker für gewöhnlich sehr skeptisch gegenüber. Dennoch halte ich Battle Beyond the Stars für einen auf seine simple und naive Art recht sympathischen Streifen. Hier und da schlägt das Drehbuch nicht ganz den richtigen Ton an {ein paar sehr müde Witze; eine angedeutete Vergewaltigung}, doch alles in allem haben wir es mit einen netten, kleinen, trashigen Weltraumabenteuer zu tun.
Was ihm seinen besonderen Charme verleiht, das sind vor allem die bizarren Aliens, die einen Gutteil unserer Heldentruppe ausmachen. In Star Wars dienen Außerirdische in erster Linie als exotische Staffage im Hintergrund. Von Chewbacca einmal abgesehen, scheint die Rebellenallianz in den ersten beiden Filmen ausschließlich aus Menschen zu bestehen. Erst in Return of the Jedi ändert sich das ein wenig. In Battle Beyond the Stars hingegen haben wir den reptilienhaften Cayman; die beiden Kelvins, die mittels Temperaturveränderungen kommunizieren; die fünf "Facetten" von Nestor. Diese exzentrischen Wesen verstärken noch den Eindruck, es mit einem Trupp von Misfits und Underdogs zu tun zu haben, die sich über alle "rassischen" und persönlichen Unterschiede hinweg zu einer Kampfgemeinschaft zusammenschließen, in der jeder bereit ist, für den anderen sein Leben zu lassen. Und auch wenn unsere Helden natürlich eher Klischees denn Charaktere sind, fühlen wir uns ihnen dennoch verbunden, und der Tod von vielen dieser kuriosen Krieger wird uns nicht völlig kaltlassen.
Mit einem Budget von ca. $2.000.000 war Battle Beyond the Stars der bis dahin teuerste von Roger Corman produzierte Film. Ein Großteil des Geldes soll allerdings für die Gage von Robert Vaughn und George Peppard draufgegangen sein. Sets und Spezialeffekte wurden in guter alter Corman-Manier "für'n Appel und 'n Ei" hergestellt. Wie Tonspezialist David Lewis Yewdall in seinem Buch Practical Art of Motion Picture Sound geschrieben hat: "The entire picture had been filmed in Venice, California, in his [Cormans] renowned lumberyard facility, and the spaceship interiors were crossbreeds of plywood, cardboard, styrofoam and milk crates". Das Ergebnis sieht für einen SciFi - Flick der Zeit erstaunlich gut aus. Übrigens stellte die Arbeit an den Modellen und Effekten für den damals fünfundzwanzigjährigen James Cameron den ersten großen Einstieg ins Hollywood-Geschäft dar. Gleichfalls nicht unerwähnt bleiben darf der prächtige Soundtrack von James Horner, der 1979/80 noch ganz am Anfang seiner Karriere stand, die ihn schließlich bis in Oscar-Höhen führen sollte. {Ja, der Mann hat auch die Musik zu Wrath of Khan [1982] geschrieben, und er hat offenbar kein Problem damit, seine eigenen Werke zu plündern.}
Daumen hoch für diesen charmanten B-Movie!
{Allerdings frage ich mich, warum so viele Filme die Eröffnungsszene von Star Wars kopieren, dabei jedoch genau das auslassen, was sie im Original so großartig macht? Kurz gesagt: Es braucht zwei Raumschiffe, um denselben Effekt zu erzielen!**}
Space Raiders (1983)
Wer sich im Anschluss an Battle Beyond the Stars Roger Cormans nächstes Weltraumabenteuer reinzieht, wird so manches Déja-vu erleben. Für Space Raiders stand ihm zweifelsohne ein sehr viel geringeres Budget zur Verfügung. Wen wundert's da, dass er ganz einfach noch einmal die Raumschiff- und Kampfszenen aus dem drei Jahre älteren Film verwendete? Und wenn man schon einmal am Plündern ist, warum nicht auch gleich die Musik mitgehen lassen? Leider sieht das Ergebnis zwar erwartungsgemäß billig aus, ist aber nicht verrückt und pulpmäßig genug, um richtigen Spaß zu machen. Schlimmer noch, die Story dreht sich um einen kleinen Jungen, der unter (ehrenwerte) Weltraumpiraten gerät. Und man muss wahrlich kein Kinderhasser sein, um zu wissen, dass einem der Balg schon bald ganz fürchterlich auf die Nerven gehen wird.
Eine Crew von Gaunern und Glücksrittern, die gegen ein böses, übermächtiges Wirtschaftsunternehmen kämpft? Das sollte eigentlich ganz nach meinem Geschmack sein. Doch ein abgebrühter Freibeuter, der es sich auf einmal in den Kopf setzt, die Rolle des heroischen Ersatzdaddys zu spielen, ist irgendwie so gar nicht cool. Klar, ich weiß, Hawk (Vince Edwards) ist einer von diesen "Schurken mit goldenem Herzen", aber könnte er das nicht auf andere Weise zeigen? Und wenn's denn wirklich sein muss, ist es zu viel verlangt, wenigstens einen nachvollziehbaren Grund dafür präsentiert zu bekommen, warum unsere Helden alles daransetzen, den Sohn eines führenden Angestellten eben jenes bösen Unternehmens zu beschützen? Der fiese Zariatin trifft den Nagel auf den Kopf, wenn er Hawk fragt: "Why are you all so willing to die for him?" Und für einen Film, der offensichtlich ein kindliches Publikum erreichen sollte {wozu sonst Klein-Peter als Held}, wird in Space Raiders verdammt viel gestorben. Man sollte meinen, eine Geschichte wie diese hätte am ehesten als farbenfrohes, spaßiges Weltraumabenteuer funktionieren können. Stattdessen wollte Drehbuchautor und Regisseur Howard R. Cohen offenbar einen "ernsten", beinah schon "tragischen" Film drehen. Außer Hawk und dem Jungen gehen sämtliche Mitglieder der Crew bei ihrem "grandiosen Abenteuer" drauf! Und doch will der Streifen uns das Gefühl eines Happy Ends vermitteln. Es ist wirklich bizarr. Das einzige, was mir an Space Raiders positiv aufgefallen ist, sind zwei Nebenfiguren. Der telepathisch begabte Außerirdische Flightplan (Thom Christopher) ist in seiner ruhigen und irgendwie sensibel wirkenden Art die mit Abstand sympathischste Gestalt des Filmes. Und mit der zigarillorauchenden Scharfschützin Amanda (Patsy Pease) dürfen wir endlich einmal eine kompetente Frau erleben, die nicht ständig halbnackt durch die Gegend laufen muss, wie das sonst in Filmen dieser Couleur all zu häufig der Fall ist. {Womit ich nichts gegen Caroline Munros Stella aus Starcrash gesagt haben will!}
Space Raiders macht einem wieder einmal bewusst, dass Schlock nicht immer spaßig sein muss. Oft genug handelt es sich dabei bloß um mies gemachte und ziemlich langweilige Filmchen. Und auf dieser warnenden Note möchte ich unsere kleine Rundreise durch die wunderliche Welt der Star Wars - Rip-offs ausklingen lassen. B-Movies können etwas ganz wunderbares sein, aber die echten Juwelen muss man sich aus einem Ozean von billigem Trash herauspicken.
{Es wäre schön gewesen, hätte ich wenigstens noch Metalstorm: The Destruction of Jared-Syn (1983)und Ice Pirates (1984) vorstellen können, doch leider habe ich momentan nicht die Möglichkeit, mir diese beiden Flicks wieder einmal anzuschauen.}
* Kim Newman: Nightmare Movies. A Critical History of the Horror Film, 1968-88. S. 174. ** Vgl.: RedLetterMedias Plinkett-Review von The Phantom Menace. Teil 1 - 10:48.
Ich habe über die Jahre wahrhaftig schon so manch grottigen Flick und manch grausige TV-Serie gesehen, aber es war doch noch einmal ein ganz eigenes Erlebnis, sich durch die zwei Filme zu quälen, die man 2005 aus den fünfundzwanzig Episoden der Animationsserie The Clone Wars zusammengekleistert hat. {Wie es die geschafft hat, auf IMDB eine Wertung von 7,4/10 zu bekommen, gehört für mich zu den unlösbaren Rätseln unseres Universums.}
Warum ich mich dem überhaupt ausgesetzt habe? Schließlich hatte ich mir geschworen, für immer die Finger von diesem wenig verführerischen Machwerk zu lassen. Wahrscheinlich befinden sich meine masochistischen Neigungen gerade mal wieder im Auftrieb. Ob es keine besseren Methoden gäbe, um selbige auszuleben, als vor dem Bildschirm? Hmm . Ja ... Äh ... Bleiben wir doch lieber bei den Clone Wars.
Wie war das damals eigentlich genau? 2002 hatte George Lucas dem Kinopublikum Attack of the Clones serviert. Eine Mixtur aus sterilen Bluescreen-Szenarien, unterirdischen Dialogen, einem hingeschluderten Plot, breit ausgewalzten Actionsequenzen und der vielleicht bizarrsten, leidenschaftslosesten und gruseligsten "Romanze" der gesamten Filmgeschichte. In den nächsten zweieinhalb Jahren schleuderte er den Kindern desselben Publikums diesen mies gezeichneten, mies geschriebenen und zum Teil wie eine bewusste Verhöhnung von Star Wars wirkenden Bockmist ins Gesicht. Warum war 2005 überhaupt noch irgendwer bereit, Geld für eine Kinokarte für Revenge of the Sith zu löhnen?
Ich gebe zu, wenn's den bärtigen Mogul von der Skywalker Ranch nicht gäbe, mir würde wirklich etwas fehlen. Und das nicht nur wegen der alten Star Wars - Filme und Indiana Jones {bei letzterem bin ich mir gar nicht einmal so sicher, wie ich den heute einschätzen würde ... da ist wohl mal ein Rewatch angesagt}. George Lucas ist und bleibt für mich ein ewiges Mysterium des amerikanischen Kinos, und das macht ihn ungemein faszinierend. Der Rebell, der zum Schöpfer des Blockbusters wurde. Der gefeierte Filmemacher, der jahrzehntelang keine Filme drehte. Der Gott eines Fankults, der zur Hassfigur seiner eigenen Fans wurde.
Manchmal denke ich, dass Lucas eines der besten Beispiele dafür ist, dass Erfolg ein echter Fluch sein kann.
Selbst zu seinen besten Zeiten war er keiner der ganz Großen. Man braucht sich nur noch einmal zu vergegenwärtigen, dass sein kometenhafter Aufstieg parallel zu dem seines Freundes Steven Spielberg verlief. Und neben dem äußerst talentierten Spielberg musste sich Lucas eigentlich immer schon wie eine eher mittelmäßige Figur ausnehmen. Einiges spricht dafür, dass er sich seiner Schwächen sehr wohl bewusst ist. So hat Lucas mehrfach erklärt, er wisse, dass er kein besonders guter Drehbuchschreiber ist. Seine große Bewunderung für Akira Kurosawa, dessen Verborgene Festung (1958) eines der wichtigsten Vorbilder für Star Wars war und dessen Kagemusha (1980) ohne Lucas' Eingreifen vielleicht nie fertiggestellt worden wäre, ist nicht nur ein Beleg dafür, dass der Mann einen guten Geschmack hat. Es zeigt vor allem, welche Art Filmemacher Lucas gerne wäre. Aber auch wenn er sich inzwischen vielleicht eingeredet hat, mit den Star Wars - Prequels etwas ähnlich "Episches" geschaffen zu haben wie Kagemusha oder Ran, glaube ich, dass er tief im Inneren weiß, dass er dazu gar nicht fähig ist.
In den 80ern und 90ern soll Lucas Bekannten und Freunden immer wieder von den zahllosen Projekten erzählt haben, die er gerne anpacken würde, wenn ihn seine Geschäftsverpflichtungen und das Erbe der Star Wars - Trilogie nicht daran hindern würden. Keine dieser angeblichen Herzensangelegenheiten ist je auch nur in die Nähe ihrer Verwirklichung gelangt. Um genau zu sein, wissen wir nicht einmal, wie ihr Inhalt ausgesehen hätte. Sie bleiben die geheimnisvollen "nichtgemachten Filme".
George Lucas entwickelte schon früh in seiner Karriere die Neigung, Mythen um seine eigene Person zu spinnen. Man ist deshalb versucht, sich zu fragen, ob diese ominösen "Projekte" je wirklich existiert haben. Doch selbst wenn es sie nicht gegeben haben sollte, symbolisieren sie doch Lucas' Wunsch, etwas "ganz anderes" zu schaffen, als die Filme, denen er seinen Ruhm und Reichtum verdankt. Es steckt etwas tief tragisches in dieser ganzen Geschichte.
Viele Regisseure fangen irgendwann an, Mythen über sich selbst zu kreieren. So erzählt Filmhistoriker Joseph McBride z.B. von Frank Capra und Steven Spielberg:
[W]hen you deal with these kinds of legendary figures, they’ve
often created a mythical persona that you then have to sort out. Some of
these myths really die hard. Directors are prone to this, because
that’s their job, after all, creating imaginative stories. Most
directors have a creation myth about their origins as filmmakers. Frank
Capra, for example, claimed that he was offered a job making a film in
San Francisco in 1921 by an entrepreneur, and that he had never made a
film and knew nothing about filmmaking. He was such a genius, the story
goes, that he was able to master the craft without any training, which
is complete poppycock. I found out, in fact, that he had been working in
films for about six years by then, in all different capacities. In
Steven Spielberg’s case, the story is that he walked into an empty
office at Universal Studios, set up an office for himself, and crashed
the gate every day. [...] In
reality, Spielberg’s father knew the guy in charge of computers at
Universal and asked him to help Steven get some kind of entrée there.
This individual put Steven’s father in touch with Chuck Silvers, the
head of the film library―a wonderful man, he became Steven’s true
mentor―who was smart enough to recognize immediately that this was a
talented young kid with a great passion for film. Spielberg,
contrary to myth, didn’t have his own office, he had a chair in
Silvers’s office, working with a lady named Julie Raymond, for whom
Steven worked as an assistant.
Was Lucas sehr deutlich von Leuten wie Capra oder Spielberg unterscheidet, ist, dass seine selbstgesponnenen Mythen sich größtenteils nicht um seinen Weg ins Filmgeschäft drehen. In ihrem Zentrum steht vielmehr Star Wars.
Ich habe keine Ahnung, wann genau George Lucas zum ersten Mal die Mär in Umlauf gebracht hat, dass er schon vor Drehbeginn des ersten Star Wars - Films die gesamte Saga in ihren Grundzügen ausgearbeitet gehabt hätte. Irgendwann jedoch wurde sie zu einem der Kernstücke des Lucas-Mythos. Auch wenn ich es ehrlich gesagt seltsam finde, dass sie ihm je abgekauft wurde. Es braucht wahrlich keinen magischen Jedi-Blick, um zu erkennen, dass der ursprünglichen
Trilogie kein im Voraus vorhandenes Story-Konzept zugrundelag.* Die tatsächliche Entwicklung der Saga in Form von Skizzen, Scripts und Drehbüchern ist äußerst komplex,** und Onkel Georges Lügengeschichten machen sie nur noch verwirrender. Doch ist das für mich nicht das wirkliche Interessante an der Sache. Vielmehr frage ich mich, warum Lucas überhaupt je begonnen hat, in diesem Zusammenhang den Baron Münchhausen zu spielen.
In mehr als einer Hinsicht hat Star Wars Lucas zu dem gemacht, was er heute ist. Und damit meine ich nicht nur die Tatsache, dass ein Gutteil seines Reichtums auf der cleveren {manche würden sagen perfiden} Ausbeutung des Erfolgs der ersten Trilogie beruht. Star Wars katapultierte den leicht rebellischen und semiunabhängigen Filmemacher quasi über Nacht ins Establishment von Hollywood. Dabei zeigte sich sehr schnell, dass sein verschwommener "Nonkonformismus" keine substanzielle Basis besaß. Was ihm am "alten Hollywood" gestunken hatte, war in erster Linie gewesen, dass er – George Lucas – sich anderen Leuten in der Studio-Hierarchie hatte unterordnen müssen. Viel weiter war seine "Revolte" nie gegangen.
Interessanterweise findet sich eine Widerspiegelung dessen in der Star Wars - Saga selbst. Ursprünglich sollte das Imperium von einer Allianz aus monopolistischen Wirtschaftsverbänden und der staatlichen Bürokratie geschaffen worden sein.*** Spuren davon finden sich noch in der Seperatistenbewegung der Prequel-Filme. Natürlich schwang da auch der allgemeine Zeitgeist der Sixties mit, aber letztlich ist es nicht schwer, in dieser "Koalition des Bösen" Lucas' persönlichen Buhmann zu erkennen: Die großen Studios. Denn was auf den ersten Blick demokratisch, vielleicht sogar irgendwie "antikapitalistisch" erscheinen könnte, wird auf der anderen Seite durch die extrem elitäre Idee der Jedi ergänzt. Wenn man all die offensichtlichen Samurai- und Zen-Bezüge einmal beiseite lässt, repräsentieren diese ganz einfach "außergewöhnliche Individuen", die von Natur aus den "Normalos" weit überlegen sind. Und so lässt sich der zentrale Konflikt von Star Wars als eine Allegorie auf Lucas eigenen Konflikt mit den Studios lesen. Hier die anonyme, bürokratische Machtmaschine, dort das "begnadete" Individuum.
Okay, das ist nun wirklich sehr spekulativ, und ich will auch gar nicht behaupten, dies sei der Hauptgrund dafür, dass Star Wars im Zentrum von Lucas' persönlicher Mythenspinnerei steht. Ebensowenig denke ich, dass es notwendig ist, zur Erklärung Lucas' quasireligiöse, dem ollen Campbell entlehnte Überzeugungen heranzuziehen,.auch wenn sich diese zweifelsohne in der Sagaausgedrückt finden. Alles entscheidend in meinen Augen ist vielmehr, dass Lucas' öffentliche Persönlichkeit sehr schnell mit "der Schöpfer von Star Wars" gleichgesetzt wurde. Sein Ruhm, sein Ansehen, seine privilegierte Stellung in Hollywood – alles basierte so gut wie ausschließlich auf dem Jedi-Epos. Natürlich gab es daneben noch Indiana Jones, aber zum einen war das eine Koproduktion mit Steven Spielberg gewesen, zum anderen erreichten Indys Abenteuer nie einen vergleichbaren Kultstatus. {Man braucht ja bloß an die letztjährige Übernahme von Lucasfilm durch Disney zurückzudenken, bei der sehr viel vom Star Wars - Franchise, aber kein einziges Mal von dem peitscheschwingenden Grabräuber [sorry, "Archäologen"] die Rede war.} George Lucas ist Star Wars. Und mit seiner meisterlichen finanziellen Ausbeutung des Kultes hat er selbst massiv dazu beigetragen, dieses Bild zu verfestigen.
Die traurige Ironie besteht darin, dass spätestens nach Return of the Jedi Lucas selbst im Grunde die Nase voll von Star Wars hatte. In den Worten von Michael Kaminski, dem Autor von The Secret History of Star Wars:
While Lucas continued to talk about Star Wars sequels and prequels throughout the 1980s, in reality he was burned out from the series. While he had remarked on occasion to being done with the series for good – for example to Dale Pollock – he never did publically follow through with this (he added to Pollock that it would be very hard to actually leave the series, for example), and instead remedied the situation by settling down and taking a breather. He concentrated on his business and raising his family, while occasionally producing movies and continuing to state that more Star Wars films would one day be made. Lucas had gone through a costly divorce in 1983 not long after Jedi was released, and for this reason alone did not have the resources to make more films, which may have also been a contributing factor to the quiet period in the mid and late 1980s.
Star Wars wurde mehr und mehr zu einem Gefängnis für Lucas. Prinzipiell wäre es natürlich möglich gewesen, aus diesem auszubrechen, doch standen dem vor allem zwei Dinge im Weg. Zuerst einmal kann kein Zweifel daran bestehen, dass Lucas sich ganz ausgezeichnet in die Welt des Blockbuster-Hollywoods der 80er Jahre eingefügt hatte. Sein Talent als Geschäftsmann war ohne Frage größer als sein Talent als Filmemacher. Star Wars den Rücken zu kehren, hätte bedeutet, sein profitabelstes Franchise aufzugeben, und Lucas ist nicht der Mann, der aus künstlerischen Beweggründen den dukatenscheißenden Esel schlachten würde. Was jedoch noch sehr viel wichtiger ist: Er hätte vermutlich überhaupt nicht gewusst, in welche Richtung er hätte ausbrechen sollen. Nichts spricht dafür, dass er je in der Lage gewesen wäre, etwas substanzielleres als seine Blockbuster zu schaffen. Dazu mangelt es ihm nicht nur an Talent, sondern auch an Ideen. An dem Willen oder der Fähigkeit, sich ernsthaft mit der Welt auseinanderzusetzen. Der beste Beweis dafür ist Red Tails (2012). Wenn es einen Film gibt, der einen ungefähren Eindruck davon vermittelt, wie Lucas' "andere" Filme wohl ausgesehen hätten, so ist es dieser. Und es ist kein erfreulicher Anblick.****
George Lucas blieb also Gefangener von Star Wars. Aber sein Traum, ein "großer Künstler" zu sein, starb deswegen noch lange nicht. Und so musste über die Jahre die Sternensaga allmählich den Platz einnehmen, der ursprünglich den "anderen", nie gedrehten Filmen zugedacht war. Lucas' Selbstverständnis verschmolz mit seiner "öffentlichen Persönlichkeit". Star Wars wurde zu seinem "Lebenswerk". Eine Entwicklung, die schließlich in der Prequel-Katastrophe kulminierte.
Zu Beginn der 90er Jahre erlebte das Star Wars - Franchise durch die von Dark Horse produzierten Comics und Timothy Zahns Thrawn - Trilogie einen erneuten Aufschwung. Parallel dazu begann 1993 mit Jurassic Park die Ära der CGIs. Beides zusammen überzeugte Lucas davon, dass nunmehr die Zeit gekommen sei, um die Saga auch filmisch fortzusetzen. Ende 1994 begann er mit der Arbeit an dem Drehbuch für "Episode I". Daneben wurden die ersten drei Filme digital überarbeitet und 1997 als Special Edition herausgegeben. Auf diese Weise konnte man nicht nur die neue Technik austesten, sondern auch ein Gutteil des Geldes aufbringen, das man für die Produktion von The Phantom Menace benötigte. Was folgte war ein Trauerspiel, das schon bald die Züge einer bizarren Groteske annehmen sollte.
Wenn das, was ich oben über Lucas' inneren Werdegang geschrieben habe, zumindest teilweise der Wahrheit entspricht, dann erscheint manches, was sich im Zusammenhang mit den Prequels abgespielt hat, vielleicht etwas verständlicher.
In Episode 17 von Half in the Bag diskutieren Mike Stoklasa & Jay Bauman mit Alexandre O. Philippe, dem Regisseur von The People vs. George Lucas, u.a. die Frage, warum Lucas unbedingt bei allen drei Prequels die Drehbücher schreiben und die Regie führen wollte*****, obwohl er in der Vergangenheit doch mehrfach zugegeben hatte, nicht der brillanteste Autor zu sein. Mir erscheint das nicht so geheimnisvoll. Bei den alten Filmen war Lucas ohne weiteres bereit gewesen, die Regie an Irvin Kershner bzw. Richard Marquand abzugeben, und hätte möglicherweise sogar Leigh Bracketts Drehbuch für The Empire Strikes Back ohne größere Veränderungen zur Verfilmung freigegeben, wenn die großartige Autorin nicht vor Abschluss ihrer Arbeit gestorben wäre. Doch zu dieser Zeit hatte Star Wars auch noch einen gänzlich anderen Platz im Selbstverständnis des Filmemachers innegehabt. Die Trilogie hatte den Startpunkt seiner Karriere bilden sollen. Aber selbige hatte sich nicht auf die von ihm erträumte Weise entwickelt, und Mitte der 90er Jahre war aus dem "Startpunkt" der verfrühte Höhepunkt seiner künstlerischen Laufbahn geworden. Die Prequels waren sozusagen die letzte Chance, um sich selbst und der Welt zu beweisen, dass er ein bedeutender Künstler ist. Aus verständlichen Gründen, hätte er um nichts in der Welt bei diesem Projekt die Zügel aus der Hand gegeben! George Lucas wird oft vorgeworfen, ein leidenschaftsloser und manipulativer Geschäftemacher zu sein, dem es nur darum gehe, eine Shitzillionen Dollars mit seinen Filmen und dem dazugehörigen Merchandising zu verdienen. Das ist ohne Zweifel ein Aspekt seiner Persönlichkeit, aber wenn da nicht noch mehr wäre, dann bliebe es in der Tat völlig unverständlich, warum er die Leitung der Prequels nicht an irgendwelche verdienten Blockbuster-Schöpfer delegierte.
Jetzt wird vielleicht auch etwas verständlicher, warum den Prequels jene verspielte Leichtigkeit abgeht, die einen Gutteil des Charmes der alten Trilogie ausmacht. Lucas wollte nicht als Schöpfer eines neckischen Rückgriffs auf die Sci-Fi-Serials der 40er Jahre in die Filmgeschichte eingehen, sondern als "echter Künstler". Und "echte Kunst" – so scheint er zu glauben – ist "ernste" Kunst. Und so mussten die Prequels die "Tragödie von Anakin Skywalker" erzählen, statt wie einst beabsichtigt die "Abenteuer von Obi-Wan Kenobi" {was sicher sehr viel interessanter gewesen wäre, zumal Lucas keine Ahnung hatte, wie er einen "tragischen" Handlungsbogen kreieren sollte.}
Tatsächlich zeigte die neue Trilogie nur, dass George Lucas weder ein großer "Künstler" noch auch nur ein kompetenter Geschichtenerzähler ist. Aber unter den gegebenen Umständen wäre es völlig undenkbar gewesen, hätte er sich das eingestanden. Und dies nicht nur, weil sein Ego eine solche Verletzung nicht ertragen hätte. Was über die Produktion der Prequels bekannt ist, macht sehr deutlich, dass Lucas von Menschen umgeben ist, die ihm nicht zu widersprechen wagen. Wie Gary Kurtz, der Produzent von A New Hope und Empire Strikes Back, der vor Jedi das Star Wars - Schiff verließ, um Jim Hensons Dark Crystal zuproduzieren {kluger Mann}, in einem Interview aus dem Jahr 2000 gesagt hat: "I think one of the problems that Lucas has now, in the Lucas Film empire, is the fact that he doesn’t have more people around him who really challenge him." Seine Lage gleicht schon seit längerem der eines Königs, umgeben von einer Gesellschaft aus Höflingen. Kein Milieu, das der Entwicklung einer selbstkritischen Einstellung förderlich wäre.
Vor diesem Hintergrund wirkt auch Lucas' gestörtes Verhältnis zu seinen Fans etwas weniger unverständlich.
Grob gesprochen gibt es drei Arten, wie man auf Kritik reagieren kann: Man kann sich ernsthaft mit ihr auseinandersetzen und dabei das eigene Werk einer erneuten kritischen Prüfung unterziehen. Man kann sie ignorieren. Oder man kann sie als persönlichen Angriff auffassen und zurückbeißen.
Nun ist es nicht so, als wäre man bei Lucasfilm überhaupt nicht auf die Kritik eingegangen. Bei Attack of the Clones versuchte man vielmehr ganz bewusst, alles zu vermeiden, was zu der vernichtenden Reaktion auf The Phantom Menace geführt hatte. Da agierte Onkel George als gewiefter Geschäftsmann. Doch seine ganz persönliche Reaktion war offenbar eine völlig andere. Wie nie zuvor in seiner Karriere hatte er bei den Prequels die uneingeschränkte Kontrolle über die Produktion besessen. Diese Filme waren seine ureigensten Schöpfungen. Und daneben sah er in ihnen wahrscheinlich so etwas wie sein künstlerisches Vermächtnis. Ich finde es nicht so schwer, mir auszumalen, wie er sich gefühlt haben muss, als ihm eine derartig massive Welle an Ablehnung und offenem Hass entgegenschlug. Vergessen wir nicht: Das Tohuwabohu um The Pantom Menace war das erste großflächige Beispiel für ein heute beinah alltäglich gewordenes Phänomen: Nerd Rage. Für eine abgeklärte Reaktion mangelte es Lucas wahrscheinlich an der nötigen Selbstsicherheit. So zumindest meine Theorie. Offene Aggressionsausbrüche freilich sind auch nicht seine Art. Stattdessen verkrampfte er sich erst recht in der Haltung des "künstlerischen Genies", das in der Verfolgung seiner Vision nicht auf das Gemaule des Pöbels achtet. Und so ist es in den letzten zehn Jahren zu zunehmend exzentrisch anmutenden Aktionen gekommen. Jede weitere Überarbeitung der alten Filme enthält neue, immer sinnlosere Abänderungen, deren einziger Zweck es inzwischen zu sein scheint, die Fans zu provozieren, derweil Onkel George in aller Öffentlichkeit mit einem "Han Shot First" - T-Shirt durch die Gegend läuft.
Lucas wird oft als einer der Erfinder des Blockbusterschemas dämonisiert, und natürlich ist etwas wahres an diesem Vorwurf. Doch daneben scheint er mir mindestens ebensosehr das Opfer des Star Wars - Kultes zu sein. Ein mittelmäßiger Filmemacher, der gerne mehr gewesen wäre, findet sich plötzlich in der Position eines cineastischen Gottes wieder, nur um zwanzig Jahre später erleben zu müssen, wie die, die ihn gestern noch anbeteten, heute am liebsten mit einem Schlachtermesser über ihn herfallen würden.
Huiii, da bin ich wohl etwas ins Schwafeln gekommen. Besser, ich beende jetzt meine spekulative Schwätzerei über den guten Onkel George, und versuche, mir abschließend noch ein paar kurze Bemerkungen über The Clone Wars aus den Fingern zu saugen.
Besonders viel will mir da freilich nicht einfallen. Vielleicht zuerst einmal ein kleiner Trailer:
All jene, die das Glück hatten, dieser Monstrosität bisher noch nicht begegnet zu sein, und mich jetzt dafür verfluchen, ihnen diesen Clip vorgesetzt zu haben, möchte ich antworten: Ich habe mich durch mehr als zwei Stunden von diesem Müll gequält, da werdet ihr wohl zweieinhalb Minuten aushalten. Außerdem solltet ihr mir dankbar dafür sein, dass ich den Trailer für Volume 2 genommen habe. Der erste Teil der Clone Wars ist nämlich noch um ein vielfaches schlimmer. Nicht nur, dass er zeichnerisch noch mieser daherkommt {ich weiß, schwer vorstellbar}, inhaltlich besteht er fast nur aus einer völlig willkürlich anmutenden Aneinanderreihung ebenso absurder wie stinklangweiliger Kampfsequenzen, denen mit der nicht wirklich packenderen Geschichte von Anakins Konfrontation mit Asajj Ventress nur mühsam eine Art Rahmen verpasst wurde. Teil 2 verfügt wenigstens in der zweiten Hälfte über eine einigermaßen kohärente Handlung, wenn der Film sich daran macht, die unmittelbare Vorgeschichte zu Revenge of the Sith (Grievous' Überfall auf Coruscant und die Entführung Palpatines) zu erzählen.
Das einzig interessante an diesen erbärmlichen Kreationen ist, dass sich in ihnen beinahe alles wiederfindet, was Attack of the Clones und Revenge of the Sith so unerträglich macht. Was deshalb erstaunlich ist, weil der Ton der Filme doch sehr anders ist. {Die Animationsserie wurde eben tatsächlich für Kinder gemacht.} Auf ironische Weise verdeutlicht The Clone Wars damit noch einmal, wie Lucas' "künstlerische Handschrift" aussieht.
Da wären zuerst einmal die unzähligen Kampfszenen, denen alle Dramatik und Spannung abgeht, wofür es vor allem zwei Gründe gibt. Zum einen besitzen wir zu keinem der Beteiligten – Obi-Wan & Anakin vielleicht ausgenommen – eine emotionale Beziehung. Ob er oder sie triumphiert oder unterliegt, überlebt oder stirbt, vermag uns deshalb nicht wirklich zu berühren. Zum anderen sind die Gegner in den allermeisten Fällen einfach gnadenlos unfähig. Wir wissen von vornherein, dass keiner der Jedi auch nur einen Kratzer abbekommen wird, ganz gleich, wieviele Kampfdroiden gegen ihn antreten. Und was bereits in den Prequels öde und lächerlich wirkt, nimmt in den Clone Wars endgültig offen groteske Formen an, so etwa wenn in Vol. 1 Mace Windu im Alleingang eine ganze Armee der Blechkameraden zerlegt. Der einzige Gegner, von dem uns der Eindruck vermittelt werden soll, er sei den Jedi gewachsen, ist General Grievous. Doch leider wirkt dieser ganz wie in Revenge of the Sith auch hier eher lächerlich denn bedrohlich. Ich frage mich bis heute, mit welcher Zielsetzung genau sein Erscheinungsbild eigentlich kreiert worden ist.
Die Kämpfe füllen zwar einen Großteil der beiden Filme aus, aber es sind vor allem andere Details, die immer wieder an die Prequels denken lassen. Da wären z.B. die nicht nur völlig unlustigen, sondern auch gänzlich fehlplazierten Versuche in Humor, für die in erster Linie C-3PO verwendet wird. Oder jene bizarren Szenen, bei denen es völlig unklar bleibt, welche Art von Reaktion sie beim Publikum hervorrufen sollen. Wenn wir Anakin Käfer und Würmer verspeisen sehen, sollen wir darüber lachen oder uns ekeln? Die Romanze zwischen Padmé und Anakin spielt dankenswerterweise so gut wie keine Rolle, aber die einzige richtige "Liebesszene" besitzt exakt den gleichen "creepy vibe" wie Attack of the Clones. Die deutlichste Parallele aber besteht im sinnlosen Anzitieren der ursprünglichen Filme. Nicht nur bekommen wir mehr als einmal "I have a bad feeling about this" zu hören, in einer Szene wiederholt Obi-Wan auch noch Han Solos Spruch "What an incredible smell you've discovered" aus der Müllschluckerszene in A New Hope! Und eine {mir zumindest} völlig unverständliche Flashback-Sequenz mit Qui-Gon Jinn kopiert außerdem die berühmte Höhlenszene aus Lukes Training auf Dagobah in The Empire Strikes Back!
Wenn all dies etwas beweist, so, dass The Clone Wars echte Lucas-Filme sind, was inzwischen ja leider nicht mehr als Empfehlung gelten kann.
* Am deutlichsten ist dies meiner Ansicht nach an der Figur Darth Vader zu erkennen. Als der erste Film gedreht wurde, war der Typ im schwarzen Robot-Anzug nicht mehr als einer der Bösewichte, der als Chefhandlanger von Grand Moff Tarkin nicht einmal zum imperialen Führungszirkel gehörte. Die Idee, dass es sich bei ihm um Lukes Vater handelt, existierte zu dieser Zeit noch nicht. All dies verändert sich auf dramatische Weise in The Empire Strikes Back. Vader wird auf einmal eine allseits gefürchtete Person, die in schöner Regelmäßigkeit imperiale Führungsoffiziere ermordet. Die Szene aus dem ersten Film, in der einer der Generäle sich über seinen Mystizismus lustig macht, erscheint im Rückblick nun völlig absurd. Mit der Verwandlung des Imperators in einen echten Dark Lord ist Vader nicht länger ein Relikt aus einer vergangenen Ära, der letzte Anhänger einer von den meisten bloß noch belächelten Religion, sondern der Meisterschüler und die rechte Hand des dämonischen Diktators. Damit rückt die Beziehung Luke-Vader mehr und mehr ins Zentrum der Geschichte, noch bevor der berüchtigte Satz "I am your father" fällt. Was jedoch noch lange nicht bedeutet, dass Vaders erneute Bekehrung zum Guten am Ende des dritten Filmes bereits geplant gewesen wäre. Nichts in Empire bereitet diese finale Wende vor, was entscheidend dazu beiträgt, dass sie in Return of the Jedi ehrlich gesagt ziemlich unrealistisch {weil aus heitrem Himmel kommend} wirkt. ** Ich habe mich nie eingehender mit ihr beschäftigt, aber auf der Website von Michael Kaminski finden sich dazu einige recht interessante Artikel, und bei Starkiller kann man sich eine ganze Reihe der frühen Script-Entwürfe runterladen. *** Im zweiten und dritten Drehbuchentwurf für Star Wars beginnt der einleitende Text mit dem Satz: "Ruthless trader barons, driven by greed and the lust for power, have replaced enlightenment with oppression, and 'rule by the people' with the FIRST GALACTIC EMPIRE." Im zweiten Entwurf bekommen wir über den Untergang der Republik folgendes zu hören: "As the Republic spread throughout the galaxy, encompassing over a million worlds, the GREAT SENATE grew to such overwhelming proportions that it no longer responded to the needs of its citizens. After a series of assassinations and elaborately rigged elections, the Great Senate became secretly controlled by the Power and Transport guilds. When the Jedi discovered the conspiracy and attempted to purge the Senate, they were denounced as traitors. Several Jedi allowed themselves to be tried and executed, but most of them fled into the Outland systems and tried to tell people of the conspiracy. But the elders chose to remain behind, and the Great Senate diverted them by creating civil disorder. The Senate secretly instigated race wars, and aided anti-government terrorists. They slowed down the system of justice, which caused the crime rate to rise to the point where a totally controlled and oppressive police state was welcomed by the systems. The Empire was born. The systems were exploited by a new economic policy which raised the cost of power and transport to unbelievable heights." Noch etwas ausführlichere Angaben finden sich in einem Interview mit Lucas aus dem Jahr 1979. **** Wer ein Gefühl dafür bekommen will, um was für ein grausiges Debakel es sich dabei handelt – die Jungs von RedLetterMedia haben alles nötige dazu in Episode 24 von Half in the Bag gesagt. Das Erfreulichste an Red Tails ist, dass der Flick Leuten wie Spike Lee die Möglichkeit gegeben hat, sich einmal so richtig schön lächerlich zu machen. ***** Was genaugenommen nicht ganz stimmt. Das Drehbuch zu Attack of the Clones wurde am Ende noch einmal von Jonathan Hales überarbeitet, mit dem Lucas zuvor bereits bei den Young Indiana Jones Chronicles zusammengearbeitet hatte.
Einige Leute sind ja der Meinung, der Augenblick, in dem der erste Ewok in Return of the Jedi aus dem Unterholz von Endor auftauchte, war der Anfang vom Ende für Star Wars. Ich selbst habe ehrlich gesagt nie so große Probleme mit den hamsterzahnigen Teddies gehabt. Mir ist natürlich klar, dass George Lucas sie nur deshalb in die Geschichte einbaute, um ein kindliches Publikum anzusprechen {und anschließend möglichst viele Merchandisingartikel verhökern zu können}. Aber was soll ich sagen? Bei mir ist diese Strategie damals hundertprozentig aufgegangen. Mit elf Jahren habe ich die Ewoks wirklich geliebt. Sie waren knuffig und lustig. Muss ich mich dafür im Nachhinein schämen? Ich denke nicht. Ja, sie sind lächerlich, aber auch nicht viel lächerlicher als so manches andere in Star Wars. Ja, sie entsprechen dem rassistischen Klischee der wilden Eingeborenen, aber das ist ein gängiges Pulp-Motiv und sollte meiner Meinung nach nicht gar so ernst genommen werden. Ganz genauso wie der Rest der Trilogie.
Ich gehöre also nicht zur Fraktion der erklärten Ewok-Hasser. Was wiederum auch nicht bedeuten soll, dass ich mich je dazu getrieben gefühlt hätte, mir die beiden, ursprünglich fürs Fernsehen produzierten Spin-off-Filme Caravan of Courage (1984) und Battle for Endor (1985) anzuschauen {von der Cartoon-Serie ganz zu schweigen} ... Das heißt, bis vorgestern Nacht ... Ein Anfall von Masochismus? Eine perverse Form von Neugier? Die esoterischen Auswirkungen einer Schwarzen Messe im Keller der Skywalker Ranch? Was auch immer die Gründe für meinen Ausflug auf den Waldmond gewesen sein mögen, ich bin nun jedenfalls in der Lage, meiner langen Anklageschrift gegen Onkel George zwei weitere Beweisstücke hinzuzufügen. Im Vergleich zum Star Wars Holiday Special wirken die beiden freilich eher harmlos. Und die Prequel-Streifen waren in ihrem Gigantismus und ihrer Green Screen - Sterilität eine sehr viel größere Beleidigung für mein Hirn und meine Augen. Doch auch wenn sie keine echten Monstrositäten sind, sondern bloß ziemlich langweilige Fantasyfilme für Kinder, untermauern sie doch einmal mehr meine Vermutung, dass alle wirklich gelungenen Werke von Lucas letztlich das Produkt glücklicher Zufälle waren. Der Mann hat nie bewusst verstanden, wie man einen guten Film macht. Zugegeben: Er war weder Regisseur noch Drehbuchschreiber für die Ewok-Streifen, doch in beiden Fällen stammte die ursprüngliche Storyidee von ihm, und er übte eine feste Kontrolle über alle Schritte der Produktion aus.
Die unter der Regie von John Korty gedrehte Caravan of Courage ist auf jedenfall der erträglichere der beiden Filme, kann man doch wenigstens erahnen, welche Art von Geschichte hier erzählt werden sollte: Eine klassische Fantasyqueste + Coming-of-Age - Story. Auch wenn keins der beiden Elemente wirklich funktioniert, besitzt der Film damit doch das Gerüst einer Geschichte, die hätte funktionieren können.
Die Familie Towani ist mit ihrem Raumschiff auf Endor gestrandet. Nachdem die Eltern – Jeremitt & Catarine – von dem Riesen Gorax entführt wurden, freunden sich die kleine Cindel (Aubree Miller) und ihr älterer Bruder Mace (Eric Walker) mit den in der Nähe lebenden Ewoks an. Schließlich machen sie sich gemeinsam mit einer Gruppe von ihnen zur fernen Gebirgsfestung des Riesen auf, um ihre Eltern zu befreien.
Das vielleicht erstaunlichste an Caravan of Courage ist, dass die Ewoks nicht das größte Problem darstellen. Sicher, es fällt nicht leicht, einen Trupp kleinwüchsiger Menschen, die in Teddybärkostümen durch die Gegend hüpfen, als Helden ernstzunehmen. Aber eigenartigerweise hat mich das nach dem ersten Drittel des Filmes gar nicht mehr sonderlich irritiert. Was den Film vor allem scheitern lässt, sind vielmehr die Story und das Drehbuch.
Im Grunde will Caravan of Courage davon erzählen, wie der zu Beginn fürchterlich arrogante und dumme Mace zu einem mutigen und sensiblen Jungen heranwächst, der im Laufe des Abenteuers gelernt hat, den Wert von Freundschaft und Familie, gegenseitigem Respekt und Selbstlosigkeit zu erkennen. Wenn man so will also eine kleine Coming-of-Age - Geschichte. Sicher eines der geläufigsten Themen in der Kinderfantasy. {Das gelungenste mir bekannte filmische Beispiel aus der Zeit ist Jim Hensons Labyrinth.} Leider jedoch funktioniert dieses Kernstück der Story meiner Meinung nach nicht, und das vor allem aus zwei Gründen.
Zum einen hätte bei einer Geschichte wie dieser Mace von Anfang bis Ende im Zentrum stehen müssen, doch das ist nicht der Fall. Für einen Gutteil des Films ist seine Schwester Cindel eine gleichberechtigte Protagonistin, wobei erschwerend hinzu kommt, dass sie eine sehr viel sympathischere Person ist als er. Sie freundet sich sofort mit den Ewoks an und zeigt sich offen und einfühlsam, während er versucht den "starken Mann" zu markieren. Andererseits macht das kleine Mädchen keine echte Entwicklung durch, und es ist ganz offensichtlich nicht ihre Geschichte oder die Geschichte der Beziehung zwischen den beiden Geschwistern, die Caravan of Courage erzählen will.
Zum anderen wirkt Maces Entwicklung nicht organisch. Das aggressive und unüberlegte Verhalten, das er anfangs an den Tag legt, ist für sich genommen nicht unglaubwürdig. Nach dem Verschwinden der Eltern {für das er sich vermutlich verantwortlich fühlt}, sieht er sich in die Rolle des "Erwachsenen" gedrängt, der seine kleine Schwester beschützen muss. Eine Aufgabe, der er logischerweise nicht gewachsen ist. Und dass er die Ewoks erst einmal nicht ernst nimmt, kann ihm eigentlich auch niemand vorwerfen. Dennoch wirken einige seiner Handlungen schon jetzt ziemlich eigenartig: Wie kann er in den Ewoks Tiere ohne Sprache sehen, selbst nachdem diese mithilfe ihrer Medizin seine kranke Schwester geheilt haben? Warum versucht er mit Cindel im Schutze der Nacht aus dem Ewokdorf zu "flüchten", obwohl nichts dafür spricht, dass die Teddies sie gewaltsam am Verlassen des Dorfes hindern würden? Seine spätere Entwicklung wirkt sprunghaft, wobei jeder Sprung von ihm selbst in einem kleinen Monolog beschrieben werden muss, weil wir ihn sonst gar nicht mitbekommen würden. Das aber ist die ungeschicktste Art, eine Geschichte zu erzählen. Nicht dass Maces Reifeprozess an sich unrealistisch wäre. So ist es z.B. durchaus nachvollziehbar, dass er die Ewoks wirklich zu respektieren lernt, nachdem ihm Wicket das Leben gerettet hat. Doch sollte er das nicht seiner kleinen Schwester {und uns} abends am Lagerfeuer erzählen müssen. Wir sollten diese Wandlung aus seinem Verhalten ablesen können.
Mit einem mangelhaften Drehbuch könnte ich vielleicht leben, wenn die Geschichte selbst mich in ihren Bann zu ziehen vermöchte. Doch leider ist Caravan of Courage vor allem ein exzellenter Beleg dafür, dass George Lucas zwar Fantasystories liebt, aber nicht verstanden hat, was ihren Reiz ausmacht. Der alles vernichtende Schwachpunkt des Films ist sein Bösewicht Gorax. Zuerst einmal bleibt es völlig unverständlich, warum der Riese die Eltern überhaupt entführt hat. Marschiert der Kerl tatsächlich alle paar Wochen hinab in die Wälder, um sich irgendwen zu schnappen und in den überdimensionierten Vogelkäfig über seinem Frühstückstisch zu stecken. Wozu? Reicht ihm sein "Boar Wolf" als Haustier nicht aus? Doch das sind bloß logische Mängel. Sehr viel schlimmer ist, dass Gorax die mythisch-märchenhafte Aura fehlt, die dem großen Gegenspieler in jeder ordentlichen Fantasyqueste zu eigen sein muss. Man vergleiche ihn bloß einmal mit Goblinkönig Jareth aus Labyrinth, dem Nome King aus Return to Oz oder dem Roten Stier & König Haggard aus The Last Unicorn. Gorax ist bloß ein besonders großes, furchteinflößendes und augenscheinlich ziemlich dummes Monstrum. Er kann nicht einmal sprechen! Als eine der Herausforderungen, die es im Verlauf einer Queste zu überwinden gilt, wäre er völlig in Ordnung. {Vergleiche jeden zweiten Ray Harryhausen -Streifen.} Doch er darf nicht an ihrem Ende stehen! Dort muss uns eine wirklich dämonische Gestalt erwarten. Oh ja, Lucas und sein Drehbuchschreiber Bob Carrau versuchen, den Riesen zu einem mythischen Gegner aufzubauen. Er lebt in einem Land, "aus dem noch kein Ewok zurückgekehrt ist", und das Verteilen "magischer" Geschenke an die Mitglieder der "Karawane" soll dem Unternehmen das Flair einer echten Queste verleihen. Doch all dies wirkt wie eine bewusste Irreführung, sobald uns Gorax in persona entgegen tritt.
Damit soll der Fall fürs Erste abgeschlossen sein. Als kurze Nachbemerkung möchte ich bloß noch erwähnen, dass das erste, was mir an Caravan of Courage aufgefallen ist, die schläfrig-gelangweilte Stimme des Erzählers war. Und dabei hatte man für diesen Part den großen Burt Ives verpflichtet. (Am bekanntesten vielleicht für seine Rollen in William Wylers The Big Country [1958] und Richard Brooks' Cat on a Hot Tin Roof [1958]) . Nicht eben ein gutes Zeichen ....
Wenn Caravan of Courage ein ziemlich missglückter Fantasyfilm für Kinder ist, so besitzt Battle for Endor eher den Charakter eines SciFi-Abenteuers für Kinder. Jedenfall wird sehr viel mit Blastern durch die Gegend geschossen. Missglückt ist allerdings auch er.
Das mit Abstand Bizarrste an diesem Streifen ist sein Anfang. In den ersten zehn Minuten wird auf blutige Weise alles zerstört, was in Caravan of Courage gewonnen worden war. Die Eltern, um deren Rettung es dort gegangen war; Mace, dessen Entwicklung im Zentrum gestanden hatte – sie alle werden ganz einfach von einer Horde dahergelaufener Banditen abgemetzelt! Kann man sich einen verrückteren Start für ein Sequel vorstellen? Und es wird noch besser, wenn man weiß, wie es zu dieser {ähem} etwas unkonventionellen Idee gekommen ist. Co-Regisseur Ken Wheat berichtet:
Lucas guided the creation of the story over the course of two four-hour sessions we had with him. He'd just watched 'Heidi' with his daughter the weekend before these took place, and the story idea he pushed was having the little girl from the first Ewok TV movie become an orphan who ends up living with a grumpy old hermit in the woods.
Lucas hört wirklich nie auf, mich in Erstaunen zu versetzen. Statt sich zu überlegen, wie man auf Caravan of Courage aufbauend eine weitere Geschichte erzählen könnte, schmeißt er einfach alles Zuvorgewesene über Bord und fängt praktisch noch mal von Null an. Und warum? Weil er am Wochenende zuvor Heidi gesehen hat! Wie bloß funktioniert das Gehirn dieses Mannes?!? Neben allem anderen zeigt dieses Verhalten aber auch, welch geringe Meinung die Beteiligten von dem ersten Film gehabt haben müssen. Die beiden Streifen entstanden im Abstand von einem Jahr, d.h. man wollte mit Battle for Endor dasselbe Publikum erreichen, das Caravan of Courage gesehen hatte. Offenbar war man der Meinung, dass weder Mace noch die Eltern dessen Zuneigung gewonnen hatten, so dass man sich ihrer ohne weiteres entledigen konnte. Übrig blieben nur Cindel und Wicket (Warwick "Willow-Leprechaun" Davis), von denen man scheinbar wusste, dass sie die eigentlichen Sympathieträger gewesen waren.
Zur Handlung des Films gibt es wenig zu sagen. "Räuberhauptmann" Terak überfällt mit seinen Mannen das Ewokdorf und ermordet Cindels Familie, um in den Besitz der Energiezelle ihres Raumschiffs zu gelangen, die er für eine magische Kraftquelle hält. Während die überlebenden Ewoks in Teraks Festung gebracht werden, gelingt es Cindel und Wicket zu entkommen, und sie gelangen nach einigem Hin und Her zu dem grummeligen, aber letztlich warmherzigen Einsiedler Noa (Wilford Brimley). Gemeinsam befreien sie die gefangenen Ewoks und bezwingen Terak und seine Horde in einer großen Endschlacht in den Wäldern.
Trotz des Auftritts einer gestaltswandlerischen Hexe ist das Fantasyflair bei Battle for Endor sehr viel schwächer als bei seinem Vorgänger. Es fehlt die typische Questenstruktur; das Heraufbeschwören einer mythischen Atmosphäre wird gar nicht erst versucht; und außerdem wird zu viel mit Blastern herumgeballert. Letzteres ist ohnehin etwas irritierend. Zum einen fragt man sich, wie Teraks Männer überhaupt in den Besitz dieser Waffen gelangt sind, obwohl es auf Endor doch keine fortschrittliche Technologie gibt. Zum anderen wirkt es reichlich seltsam, dass sie zwar wie selbstverständlich mit Energiewaffen herumhantieren, eine Energiezelle jedoch für ein magisches Artefakt halten, das man mittels Beschwörungsformeln zum Laufen bringen könnte. Was das Wunderding ihrer Meinung nach dann anstellen soll, bleibt übrigens gleichfalls ungeklärt.
Was gäbe es sonst noch zu sagen? Battle for Endor ist actionbetonter als Caravan of Courage; der Humor ist lahm; irgendwelche nennenswerten Charakterentwicklungen lassen sich nicht ausmachen. Dafür sieht Teraks Tod ziemlich cool aus. Mehr fällt mir ehrlich gesagt nicht ein. Das mag aber auch daran liegen, dass ich den Flick zu sehr fortgeschrittener Stunde {sprich im Halbschlaf} gesehen habe. Noch mal werde ich ihn mir jedoch ganz sicher nicht reinziehen ...
Und das Fazit? Alles in allem sind die Teddybären vom Waldmond nicht das Schlimmste, was Onkel George im Laufe seiner Karriere in die Welt gesetzt hat. Die Ewokfilme verdienen es weniger gehasst, als vielmehr vergessen zu werden.