"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


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Sonntag, 12. November 2017

Lovecraftiana




Statues standing in a sea of night.
They weep for  forgotten shores of light.
That is not dead which can eternal lie,
And with strange aeons even death may die.

And you know the walls are whispering.
What do they say?
They won't go away.
 
{von dem 2001 erschienenen, H.P. Lovecraft gewidmeten Album Strange Aeons}

Meine zwei Wochen Urlaub neigen sich ihrem Ende entgegegen. Dank einer ziemlich fiesen und unangenehm zählebigen Erkältung, die sich mittlerweile zwar auf dem Rückzugsgefecht befindet, aber immer noch nicht ganz geschlagen ist, habe ich sie nicht so verbringen können, wie ich mir das eigentlich gewünscht hatte. Aber auf ihre Art waren sie wohl trotzdem ganz entspannend und erholsam.

Da ich durch meinen Gesundheitszustand mehr oder weniger an meine Eremitage gefesselt blieb, ist es wohl nicht verwunderlich, dass ich eine Ablenkung von krampfhaftem Gehuste und verschleimten Nebenhöhlen vor allem in den fantastischen Weiten des Netzes {und den nicht weniger fantastischen Universen, die sich zwischen manchen Buchdeckeln auftun} gesucht habe. Ein paar meiner dabei gemachten Funde möchte ich nun mit meinen Leserinnen und Lesern teilen. Um dem Ganzen eine etwas einheitlichere Form zu verleihen, beschränke ich mich auf den lovecraftianischen Anteil der Ausbeute.

1) Julie Hoversons "The Lovecraft 5"


Julie Hoversons Hörspielversionen von The Dunwich Horror, The Rats in the Walls und The Thing on the Doorstep, die man neben vielem anderen auf ihrer Website 19 Nocturne Boulevard finden kann, waren mir schon seit längerem bekannt. Warum mir die kleine Gruppe der Lovecraft 5 bisher entgangen war, weiß ich nicht genau. Vermutlich hatte ich sie unterbewusst immer den "simplen" Lesungen zugeordnet. 
In Wirklichkeit handelt es sich um sechs halbstündige Stücke, die zwar alle auf Geschichten des alten Gentlemans basieren, dabei jedoch zugleich dem Format der "Club Tales" folgen, wie wir sie etwa aus Lord Dunsanys Jorkens - Büchern oder auch aus William Hope Hodgsons Carnacki, the Ghost-finder kennen. Freilich wechselt dabei der Erzähler von Episode zu Episode. 
Die Grundidee ist, dass sich fünf miteinander befreundete "lovecraftianische Archetypen" – Charles, der "Dilettant"; Edward, der "Schriftsteller"; Herbert, "der Wissenschaftler"; Richard, der "Künstler" und Warren, der "Akademiker" – treffen und einander unheimliche und unglaubliche Geschichten erzählen. Jeder von ihnen hat eine andere, seinem Typ entsprechende Herangehensweise an das Erzählte. Und da keiner der fünf groß Bedenken hat, einem seiner Freunde ins Wort zu fallen, wird die Erzählung immer wieder von Fragen, freundschaftlichen Neckereien, pedantischen Abschweifungen und ironischen Zwischenbemerkungen unterbrochen. Das Endprodukt ist sicher weniger unheimlich, als man es von lovecraftianischen Geschichten vielleicht erwarten würde, doch dafür sehr amüsant und unterhaltsam.  

2) Jason Thompsons Webcomics

Der amerikanische Künstler Jason B. Thompson veröffentlichte 2011 nach einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne seine Comicadaption von Lovecrafts The Dream-Quest for Unknown Kadath, die er zwischen 1997 und 1999 geschaffen hatte, zusammen mit einigen weiteren Dreamlands - Geschichten. Wenn man das Hauptwerk sehen will, wird man nicht umhin kommen, den Geldbeutel zu zücken. Doch wer einen ersten Eindruck von Stil und Herangehensweise der Adaptionen erhalten will, kann sich einige kürzere Geschichten als Webcomics auf Thompsons Website anschauen.

3) Ryo Shinagawas H.P. Lovecraft's Dunwich Horror and Other Stories

Lovecraft besitzt eine recht ansehnliche Fangemeinde in Japan, und so ist es nicht erstaunlich, dass sich auch japanische Künstler immer wieder an Adaptionen seiner Werke versuchen. Einer von ihnen ist der Filmemacher Ryo Shinagawa. Leider hat eine kurze Google-Suche mit Ausnahme dieses Vimeo-Accounts keinerlei weitere Informationen über ihn zu Tage gefördert. Seine Ga-nime - Adaption von The Picture in the House, The Dunwich Horror und The Festival aus dem Jahre 2007 ist jedenfalls ein äußerst faszinierender Film. Doch Achtung: Der Streifen besitzt keinerlei Untertitel. Wer also kein Japanisch beherrscht, sollte mit den zugrundeliegenden Geschichten vertraut sein.


Sonntag, 25. Dezember 2016

Julzeit-Vergnügen

When I returned to the drawing-room I found the company seated round the fire listening to the parson, who was deeply ensconced in a high-backed oaken chair, the work of some cunning artificer of yore, which had been brought from the library for his particular accommodation. From this venerable piece of furniture, with which his shadowy figure and dark weazen face so admirably accorded, he was dealing out strange accounts of the popular superstitions and legends of the surrounding country, with which he had become acquainted in the course of his antiquarian researches. I am half inclined to think that the old gentleman was himself somewhat tinctured with superstition, as men  are very apt to be who live a recluse and studious life in a sequestered part of the country and pore over black-letter tracts, so often filled with the marvelous and supernatural.   

Wie berichtet, war ich nicht unbedingt in Festtagslaune, als Heilig Abend herannahte. Das hat sich inzwischen erfreulicherweise etwas geändert. Grund hierfür war vor allem ein Weihnachtsgeschenk besonderer Art, als eine sehr liebe Freundin, von der ich seit längerer Zeit nichts mehr gehört hatte, sich plötzlich bei mir zurückmeldete. 
Wie dem auch sei, auf jedenfall befand ich mich heute in der richtigen Stimmung, um das Fest auf eine Weise zu feiern, die mir besonders sympathisch ist.
 
Alle, die meinem Blog schon etwas länger folgen, wissen vermutlich, dass ich ein großer Freund der alten englischen Tradition bin, sich zur Julzeit mit dem Erzählen von Gespenstergeschichten zu unterhalten. Da kam mir ein anderes, etwas materielleres -- aber gleichfalls phantastisches -- Weihnachtsgeschenk sehr entgegen, das ich am Abend zuvor erhalten hatte: Die von Leah Moore und John Reppion kreierte Comicadaption der ersten vier Ghost Stories of an Antiquary des unsterblichen M.R. James.

Ich muss gestehen, dass der Comic eine Kunstform ist, zu der ich lange Zeit keinen rechten Zugang habe finden können. Warum, weiß ich selbst nicht so genau. Auf jedenfall ist meine Vertrautheit mit ihr auch heute noch sehr unterentwickelt. Was mich allerdings nicht davon abgehalten hat, das exquisite kleine Bändchen schon beim ersten Hineinschmökern äußerst ansprechend zu finden. Moore und Reppion beweisen ein tiefes Einfühlungsvermögen in Montys Erzählkunst, deren besondere Qualitäten sie sehr geschickt in das neue Medium zu übertragen verstehen. Die Zeichnungen von Aneke, Kit Buss, Fouad Mezher und Alisdair Wood verleihen aufgrund der sehr unterschiedlichen Stile der Künstlerinnen & Künstler jeder der vier Geschichten (Canon Alberic's Scrap-book, Lost Hearts, The Mezzotint und The Ash-tree) einen distinkten Charakter. Selbstredend kann eine erste, oberflächliche Lektüre einem Werk dieser Art nicht gerecht werden. Es verlangt nach eingehenderer und aufmerksamerer Betrachtung. Dennoch kann ich Ghost Stories of an Antiquary Vol. 1 schon jetzt jedem Freund & jeder Freundin des Phantastischen, und vor allem natürlich allen Verehrerinnen & Verehrern von M.R. James und der klassischen englischen Gespenstergeschichte, wärmstens ans Herz legen. {Interviews mit John Reppion & Leah Moore zu dem Buch kann man sich in diesen Episoden von A Podcast to the Curious und The Northern Soul Podcast anhören.}

Da der 24. Dezember nicht nur Heilig Abend, sondern zugleich der Geburtstag des von mir tief verehrten Fritz Leiber ist, dachte ich mir, die Lektüre einer seiner unheimlichen Kurzgeschichten sei gleichfalls keine schlechte Idee für den ersten Weihnachtstag. Ich entschied mich für The Girl with the Hungry Eyes
Wenn Monty der unbestrittene Großmeister der klassischen Geistergeschichte ist, legt uns Leiber mit dieser beeindruckenden kleinen Story ein frühes Beispiel für einen spezifisch modernen Horror vor.

Doch so schön es auch ist, eine gute Spukgeschichte zu lesen, es ist nicht dasselbe, wie sie erzählt zu bekommen. Für die richtige Julfest-Unterhaltung musste ich mich anderswo umschauen. Glücklicherweise kenne ich genug britische Freunde & Freundinnen des Unheimlichen & Phantastischen, die diese Tradition ihrer Heimat hochhalten und zur Weihnachtszeit entsprechende Beiträge ins Netz stellen.
Da hätten wir z.B. Christopher Browns großartige A Drinker's Story. Was mich an dieser Geschichte besonders angesprochen hat, ist, dass der Akt des Erzählens selbst ein integraler Bestandteil der Erzähluing ist. Sie würde nicht diesselbe Wirkung erzielen, wenn man sie lesen würde.
Der gute Mr. Jim Moon derweil erfreut uns in Do You Hear What I Hear mit einem Bericht darüber, wie die alte Standuhr, die allen Hörern & Hörerinnen seines Podcasts Hypnobobs wohlbekannt sein dürfte, ursprünglich ihren Weg in Darlingtons "Great Library of Dreams" gefunden hat. Dabei wandelt er wieder einmal auf den Spuren des großen Geisterjägers Carnacki.
Und die wundervolle Julia Morgan (Morgan Scorpion) schließlich hat vor einigen Stunden eine von ihr vorgetragene Fassung von Elizabeth Gaskells The Old Nurse's Story hochgeladen. Für weitere nächtliche Julzeit-Vergnügen ist damit gesorgt.

Montag, 14. Oktober 2013

Pilgerfahrt nach Aldeburgh

Das magische Gefühl, das sich einstellt, wenn man Orte aufsucht, an denen geliebte Erzählungen spielen, ist vermutlich etwas, was die meisten fanatischen Freunde & Freundinnen von Literatur nachempfinden können. Ich selbst habe dies bisher nur ein einziges Mal erleben dürfen, als ich vor der Litfass-Säule stand, welche in Arno Schmidts Tina oder Über die Unsterblichkeit einen Fahrstuhl in die Unterwelt beherbergt. Und die entsprechende "Pilgerfahrt" war nicht besonders anstrengend, habe ich doch bis zu meinem neunzehnten Lebensjahr in unmittelbarer Umgebung von Darmstadt gewohnt und bin auch später nie aus der Region hinausgekommen. 
Doch wie dem auch sei, jedenfalls haben Will Ross und Mike Taylor – Schöpfer und Moderatoren des ausgezeichneten M.R. James - Podcasts A Podcast to the Curious kürzlich einen Ausflug nach Aldeburgh in Suffolk unternommen, dem Ort, der als Vorlage für Seaburgh in A Warning to the Curious diente – sicher eine der berühmtesten Spukgeschichten des alten Monty. Von dort haben sie zwar nicht die mythische dritte Krone von Anglia zurückgebracht {was nur gut ist, denn wer will schon von einem verrotteten Leichnam verfolgt werden}, dafür jedoch folgenden kurzen Film:

         

Freitag, 4. Oktober 2013

Eine Einladung in die Bibliothek der Träume

Bilden die Sterne gerade irgendeine finstere Konstellation und rührt sich im fernen R'lyeh der träumende Cthulhu in seinem Grab, oder warum kann ich mich momentan nicht dem Bannkreis lovecraftianischer Geschichten entziehen? Während ich selbst noch an meiner Besprechung von Dan Gildarks Film Cthulhu herumfeile, hat Hypnogorias Mr. Jim Moon der Öffentlichkeit soeben sein erstes Hörbuch präsentiert:    


Nach der im letzten Dezember erschienenen phantastischen Anthologie Seven of Spectres hat damit endlich das zweite Produkt der Hypnogoria Press das Licht der Welt erblickt.

In vergangenen Episoden seines exzellenten Podcasts Hypnobobs hat uns Mr. Moon schon öfters in die Bibliothek der Träume eingeladen, wo wir am knisternden Kaminfeuer sitzen und seiner einschmeichelnden Stimme lauschen durften, die uns Geschichten von E.F. Benson, Perceval Landon, Arthur Conan Doyle, Clark Ashton Smith, M.R. James, H.G. Wells oder William Hope Hodgson vortrug. Einmal mehr sind nun alle Liebhaber & Liebhaberinnen des Unheimlichen und Phantastischen aufgerufen, es sich mit einem guten Glas Port in einem der alten Lehnstühle bequem zu machen. Wie stets ergänzt unser Gastgeber die von ihm vorgetragene Geschichte mit einigen interessanten Details über deren Entstehung. Und wie stets ist es ein Vergnügen, sich von ihm in die Welt des Makabren und Wundersamen entführen zu lassen.

Hören und erwerben kann man The Haunter of the Dark unter dieser Adresse.

Freitag, 23. August 2013

Lovecrafts menschlichster Moment?

Vor kurzem habe ich mir Julie Hoversons Hörspiel-Adaption von H.P. Lovecrafts Erzählung The Rats in the Walls angehört, die man zusammen mit vielen anderen Hörspielen und Lesungen {nicht nur von Werken des alten Gentlemans} auf der famosen Website 19 Nocturne Boulevard finden kann.
Ich muss allerdings zugeben, dass sie mir nicht 100%ig zugesagt hat. Schon eher nach meinem Geschmack ist da Hoversons Adaption von The Dunwich Horror {mit Drunken Zombies Lord Blood-Rah als der "Stimme des Necronomicon"!}.Bei den Ratten erschien mir vieles zu überzogen gespielt, und auch wenn ich absolut nichts gegen eine parodistische Herangehensweise an Lovecraft habe, finde ich eine Vermischung von "ernsthaft" und "ironisch" doch nicht wirklich klug. Jedenfalls nicht, wenn sie sich bis in das grausige Finale in den Gewölben unter Exham Priory erstreckt. Keinerlei Probleme hingegen habe ich damit, dass die Hauptfigur zu Mrs. De la Poer {gesprochen von Julie Hoverson selbst} geworden ist. Frauen sind in Lovecrafts Oeuvre mehr als bloß "unterrepräsentiert", und eine kleine Korrektur kann da absolut nichts schaden. Was mir außerdem besonders gut gefallen hat, ist, dass die Autorin das Motiv von De la Poers Sohn, der an den Folgen einer Weltkriegsverletzung gestorben ist, gegenüber ihrer Vorlage deutlich stärker betont, in dem sie die Erzählung immer wieder durch Auszüge aus Briefen des jungen Soldaten unterbricht. Denn es ist dieses Motiv, welches Rats in the Walls in meinen Augen sehr deutlich von beinahe allen anderen Lovecraft-Stories unterscheidet und der Erzählung einen Hauch echter Menschlichkeit verleiht, wie wir ihn vom alten Gentleman sonst eher nicht gewohnt sind.

Im Kern freilich ist The Rats in the Walls einmal mehr eine Geschichte über Degeneration und Atavismus, und spiegelt insofern die von mir schon öfters angesprochene Angst Lovecrafts vor einem Zusammenbruch der Zivilisation {wohl aber auch vor den "triebhaften" Elementen seiner eigenen Persönlichkeit} wider:
Der reiche Amerikaner De la Poer zieht nach England und kauft den ehemaligen Familiensitz Exham Priory, den er restaurieren lässt, um dort seinen Lebensabend zu verbringen, nachdem sein einziger Sohn den Verletzungen erlegen ist, die ihm im Weltkrieg zugefüt wurden. 
Schon bald erfährt er, dass seine Familie in der alten Heimat selbst noch nach Jahrhunderten einen denkbar schlechten Ruf genießt. Man erzählt sich wüste Schauergeschichten über die blutigen Untaten und perversen Ausschweifungen der alten De la Poers. Walther, der Vorfahr unseres Helden, ermordete schließlich im 17. Jahrhunderts seine ganze Sippschaft und floh nach Virginia. Drei Monate nach diesem Ereignis soll ein riesiges Heer von Ratten aus dem verlassenen Schloss hervorgequollen und über das Umland hergefallen sein. Und dann gibt es da auch noch düstere Legenden über einen Tempel der Muttergöttin Kybele, der in antiken Zeiten an der Stelle von Exham Priory gestanden haben soll. Man munkelt von bizarren Ritualen, die auch Jahrhunderte nach dem offiziellen Untergang des Kultes von heimlichen Anhängern der Magna Mater zelebriert worden seien.
Kaum ist De la Poer in die wiederaufgebaute Burg eingezogen, da geschehen merkwürdige Dinge. Des nachts quälen ihn Alpträume von einem furchtbaren Schweinehirten und seiner pilzüberwucherten Herde. Außerdem glaubt er, das Getrappel unzähliger Ratten hinter den Wänden seines Schlafzimmers zu hören, obwohl es eigentlich keine Nager in dem Gebäude geben dürfte. Die Tiere scheinen durch das Gemäuer nach unten zu laufen – in den Keller und noch tiefer hinab. Man entdeckt einen geheimen Eingang und zusammen mit sechs anderen Männern, zu denen auch sein Nachbar Norrys und ein Spiritist namens Thornton gehören, beginnt De la Poer den Abstieg in das Reich des Grauens:
Through a nearly square opening in the tiled floor, sprawling on a flight of stone steps so prodigiously worn that it was little more than an inclined plane at the centre, was a ghastly array of human or semi-human bones. Those which retained their collocation as skeletons showed attitudes of panic fear, and over all were the marks of rodent gnawing. The skulls denoted nothing short of utter idiocy, cretinism, or primitive semi-apedom. [...]
I must be very deliberate now, and choose my words. After ploughing down a few steps amidst the gnawled bones we saw that there was light ahead; not any mystic phosphorescence, but a filtered daylight which could not come except from unknown fissures in the cliff that over-looked the waste valley. [...]
It was a twilit grotto of enormous height, stretching away farther than any eye could see; a subterraneous world of limitless mystery and horrible suggestion. There were buildings and other architectural remains in one terrified glance I saw a weird pattern of tumuli, a savage circle of monoliths, a low-domed Roman ruin, a sprawling Saxon pile, and an early English edifice of wood but all these were dwarfed by the ghoulish spectacle presented by the general surface of the ground. For yards about the steps extended an insane tangle of human bones, or bones at least as human as those on the steps. Like a foamy sea they stretched, some fallen apart, but others wholly or partly articulated as skeletons; these latter invariably in postures of daemoniac frenzy, either fighting off some menace or clutching other forms with cannibal intent. When Dr Trask, the anthropologist, stopped to classify the skulls, he found a degraded mixture which utterly baffled him. They were mostly lower than the Piltdown man in the scale of evolution, but in every case definitely human. Many were of higher grade, and a very few were the skulls of supremely and sensitively developed types. All the bones were gnawed, mostly by rats, but somewhat by others of the half-human drove. Mixed with them were many tiny bones of rats -- fallen members of the lethal army which closed the ancient epic.
De la Poer wird schlagartig bewusst, worin das grausige Geheimnis seiner Sippe besteht. Seine Vorfahren waren Kannibalen und diese Höhle hatte einst die Funktion eines riesigen "Viehstalls". Während er durch die grauenvolle Szenerie taumelt, beginnen sich seine Gedanken allmählich immer mehr zu verwirren. Er verliert seine Begleiter aus den Augen, nur Captain Norrys ist noch in seiner Nähe. Und dann ... 
My searchlight expired, but still I ran. I heard voices, and yowls, and echoes, but above all there gently rose that impious, insidious scurrying; gently rising, rising, as a stiff bloated corpse gently rises above an oily river that flows under the endless onyx bridges to a black, putrid sea. Something bumped into me - something soft and plump. It must have been the rats; the viscous, gelatinous, ravenous army that feast on the dead and the living ... Why shouldn't rats eat a de la Poer as a de la Poer eats forbidden things? ... The war ate my boy, damn them all ... and the Yanks ate Carfax with flames and burnt Grandsire Delapore and the secret ... No, no, I tell you, I am not that daemon swineherd in the twilit grotto! It was not Edward Norrys' fat face on that flabby fungous thing! Who says I am a de la Poer? He lived, but my boy died! ... Shall a Norrys hold the land of a de la Poer? ... It's voodoo, I tell you ... that spotted snake ... Curse you, Thornton, I'll teach you to faint at what my family do! ... 'Sblood, thou stinkard, I'll learn ye how to gust ... wolde ye swynke me thilke wys?... Magna Mater! Magna Mater!... Atys... Dia ad aghaidh's ad aodaun... agus bas dunarch ort! Dhonas 's dholas ort, agus leat-sa!... Ungl unl... rrlh ... chchch... This is what they say I said when they found me in the blackness after three hours; found me crouching in the blackness over the plump, half-eaten body of Capt. Norrys.
Rats in the Walls gehört ohne Zweifel zu Lovecrafts eindrucksvollsten Geschichten. Ihr symbolischer Charakter ist unschwer zu erkennen, aber nicht eindeutig aufzuschlüsseln.
Der Abstieg ins Innere der Erde ist offensichtlich ein Abstieg "zu den Wurzeln", in die Vergangenheit sowohl der Familie De la Poer als auch der Menschheit. Zugleich lässt sie sich als eine Reise ins Unterbewusste interpretieren. Und möglicherweise spielt auch noch das klassische Motiv der Unterweltfahrt mit hinein, ist die Höhle doch so etwas wie ein Totenreich.
Dass es dabei um mehr als nur eine Art Familienfluch geht, machen die eigenartigen Bauwerke deutlich, die sich in der gewaltigen Grotte befinden, und für deren Vorhandensein es keinen vernünftigen Grund gibt. Offensichtlich sollen sie unterschiedliche Entwicklungsstufen der Zivilisation repräsentieren, so wie die verschiedenartigen Skelettformen die biologische Evolution des Menschen verkörpern. In De la Poers wahnsinnigem Gestammel vollzieht sich gleichfalls eine Art "kulturelle" Rückentwicklung von Neuenglisch über Angelsächsisch zu Kymrisch (Walisisch). Es wird hier also gleich auf mehreren Ebenen ein atavistischer Rückfall in die Barbarei beschrieben.
Interpretieren wir den Abstieg in die Höhle als Vordringen ins Unterbewusste, so würde das bedeuten, dass sich unter der dünnen, über Jahrhunderte gewachsenen Schicht aus Kultur und Zivilisation immer noch die primtive, menschenfressende Bestie verbirgt, die jeden Augenblick wieder hervorbrechen kann. Ein typisch lovecraftianisches Motiv.
Und was die mögliche Parallel zu einer Unterweltfahrt angeht: Warum suchen Helden wie Odysseus oder Aeneas den Hades auf? Um etwas über die Zukunft zu erfahren ...

So weit ist das alles zwar recht beeindruckend umgesetzt, aber eben doch typisch Lovecraft. Doch wenn der dem Wahnsinn verfallende De la Poer "The war ate my boy, damn them all ..." hervorstößt, dann wird damit plötzlich eine Note angeschlagen, die in einer Erzählung des Gentlemans von Providence eher fremd wirkt. Zumindest andeutungsweise zeigt sich hier eine ganz andere Idee als die von der allgemeinen Degeneration: Wenn die gesellschaftliche Wirklichkeit so grausam ist, wenn Hundertausende junger Menschen auf den Schlachtfeldern des Weltkriegs einen sinnlosen Tod sterben mussten, was ist dann an offenem Kannibalismus noch so schrecklich?
Ich kann natürlich nicht wirklich beweisen, dass dies tatsächlich Lovecrafts Gedanke gewesen ist. Doch was mich darin bestärkt, zu glauben, dass meine Interpretation nicht völlig aus der Luft gegriffen ist, ist die sich direkt anschließende Schlusspassage der Erzählung. Wie sonst fast nie in seinen Geschichten zeigt der alte Gentleman hier nämlich so etwas wie ehrliches Mitgefühl für seinen Protagonisten:
Now they have blown up Exham Priory, taken my Nigger-Man [seine über alles geliebte Katze]* away from me, and shut me into this barred room at Hanwell with fearful whispers about my heredity and experiences. Thornton is in the next room, but they prevent me from talking to him. They are trying, too, to suppress most of the facts concerning the priory. When I speak of poor Norrys they accuse me of a hideous thing, but they must know that I did not do it. They must know it was the rats; the slithering, scurrying rats whose scampering will never let me sleep; the daemon rats that race behind the padding in this room and beckon me down to greater horrors than I have ever known; the rats they can never hear; the rats, the rats in the walls.
 Oder sehe ich das alles völlig falsch?


* Ja, ich würde meine Katze auch nicht so nennen, und finde es völlig in Ordnung, dass Julie Hoverson ihr einen anderen Namen verpasst hat. Es ist jedoch vielleicht ganz interessant, zu erfahren, dass Lovecraft selbst als Kind eine Katze namens Nigger-Man besessen hatte, die fortlief, kurz nachdem die Familie das Haus des alten Whipple van Buren Philipps hatte verlassen müssen, d.h. zu genau dem Zeitpunkt, als der für den Autor offenbar traumatische soziale Absturz der Familie stattgefunden hatte.

Sonntag, 7. April 2013

Neues aus Night Vale

Night Vale eine ganz normale amerikanische Kleinstadt irgendwo in der Wüste. Nun ja, vielleicht nicht ganz normal ... Da wären zum Beispiel die geheimnisvollen Lichter am Nachthimmel; die düsteren Kapuzenträger, die sich regelmäßig im städtischen Hundepark versammeln; die Hafenanlage, deren Zweck sich dem unbedarften Betrachter nicht so ohne weiteres erschließt; oder Old Woman Jocy mit ihren Engeln ...
Alle zwei Wochen berichtet der lokale Radiosender über aktuelle Ereignisse, kulturelle Veranstaltungen, neue Mitbürger, offizielle Verlautbarungen von Stadtrat und Sheriff sowie das Wetter in
Welcome to Night Vale

Geschrieben von Joseph Fink & Jeffrey Cranor * Vorgetragen von Cecil Baldwin * Mit Musik von Disparition und zahlreichen Gastbands * Präsentiert von Commonplace Books

Montag, 4. Februar 2013

Clark Ashton Smiths phantastische Poesie

Wie schön, dass Mr. Jim Moon meine Liebe zu Klarkash-Ton teilt. In der neuesten Episode von Hypnobobs lädt er seine Hörer & Hörerinnen zu einer "phantastischen Reise durch einen Ozean aus Klang und Musik" ein, auf der sie eine kleine Auswahl aus Clark Ashton Smiths Poesie kennenlernen können:
Wer die Gedichte noch einmal nachlesen will, der sei erneut auf die Website The Eldritch Dark verwiesen.

Montag, 21. Januar 2013

Let's have some fun !

Ich hätte den heutigen Tag wirklich nicht besser beginnen können als mit der neuesten Episode von Mr. Jim Moons Hypnobobs
Es bereitet mir ohnehin stets großes Vergnügen, den Gentleman aus Darlington bei seinen Streifzügen durch die Gefilde des Wunderbaren und Phantastischen zu begleiten. Diesmal aber hat er sich außerdem ein besonders liebenswertes Objekt für seine Betrachtungen ausgesucht. Vier klassische phantastische Filme der 70er Jahre voller Gummimonster und fesselnder Abenteuer: The Land That Time Forgot (1974), At the Earth's Core (1976), The People That Time Forgot (1977) und The Warlords of Atlantis (1978). Die ersten drei basieren auf Stories aus der Feder des großen Pulp-Pioniers und Tarzan-Schöpfers Edgar Rice Burroughs. Das soll jetzt aber nur insofern eine Rolle spielen, als es darauf hindeutet, womit wir es bei diesen Flicks zu tun haben. Mit prallem, fantasievollem, buntem, altmodischem, abenteuerlichem Unsinn! Und davon könnten wir wahrhaftig mal wieder eine ordentliche Dosis gebrauchen! All der modische Zynismus und düstere Pseudorealismus unserer Zeit hat dazu geführt, dass die Phantastik nur noch selten einer ihrer wichtigsten Aufgaben gerecht wird: Ganz einfach, Spaß zu machen und Freude zu bereiten!

Sonntag, 11. November 2012

König Alfred und die Großen Alten

Ich bin soeben in der letzten Ausgabe des Dark Fiction Magazine auf die stimmungsvoll düstere (und vorzüglich vorgetragene) Geschichte
von Lou Morgan gestoßen.

In nachklassischer Cthulhu-Mythos-Literatur kenne ich mich ja so gut wie gar nicht aus und habe deshalb keine Ahnung, ob es öfters vorkommt, dass der Schrecken der Großen Alten wie hier  in ein mittelalterliches Setting verlegt wird. Morgans in der Zeit der Kriege zwischen Alfred dem Großen von Wessex und den Dänen spielende Story zeigt jedenfalls, dass man damit sehr effektvolle Ergebnisse erzielen kann.

Montag, 29. Oktober 2012

Die runden Hundert

Für Leserinnen und Leser meines Blogs dürfte es kein Geheimnis sein, dass ich geradezu vernarrt bin in Hypnogorias Mr. Jim Moon. Eben gerade hat der Magus von Darlington die hundertste Episode seines phantastischen Podcasts online gebracht, und ich kann ihm bloß aus ganzem Herzen zu diesem denkwürdigen Jubiläum gratulieren. Möge er uns noch lange mit seiner Stimme, seinem Witz und seinem Wissen beglücken! Dem, der keine Schwierigkeiten damit hat, auch einem englischsprachigen Podcast zu folgen, kann ich nur wärmstens empfehlen, sich einmal die Woche in der Bibliothek der Träume einzufinden. Es dürfte äußerst schwer fallen, eine ähnlich elegant gemachte, sympathische und in höchstem Maße informative Sendung über das Phantastische in Film und Literatur zu finden wie


Freitag, 19. Oktober 2012

Monsterjagd in Swinging London

Wir schreiben das Jahr des Herrn 1971. Uralte finstere Mächte – lange schlafend und beinahe vergessen – sind wieder erwacht, um Chaos und Zerstörung über die Stadt an der Themse zu bringen. Doch es gibt Hoffnung. Um der Bedrohung entgegenzutreten, gründet der ebenso exzentrische wie mysteriöse Sir Maxwell House ein Zwei-Mann-Team wie es noch keines gegeben hat. Roy Steel – professioneller Alkoholiker, Draufgänger, Frauenheld und zweitgrößter Großwildjäger der Welt – und Lorrimer Chesterfield – Professor an Londons London University, Koryphäe des Okkulten und bis 1957 Bewohner eines Luftschutzbunkers – vereinigen ihre so unterschiedlichen Talente um Swinging London vor dem Ansturm des Bösen zu bewahren. Gemeinsam sind sie
Unbedingt hörenswert!

Freitag, 28. September 2012

Podcast - News

Als großer Fan sowohl von Clark Ashton Smith als auch von M. R. James war ich hocherfreut, zwei Podcasts zu entdecken, die dem Werk dieser beiden Meister des Phantastischen, Unheimlichen, Grotesken und Makabren gewidmet sind. Zum Reinhören hatte ich bisher noch keine Zeit, wollte aber trotzdem hier schon einmal auf sie hinweisen:

PS: Letzterer präsentiert als seine neueste Errungenschaft außerdem eine interaktive Karte, auf der die Schauplätze von Montys Erzählungen verzeichnet sind.