"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


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Sonntag, 16. Oktober 2022

Expeditionen ins Reich der Eighties-Barbaren (XX): "Ator l'invincibile"

Kim Newman schreibt in seinem Klassiker Nightmare Movies:
Historically, the pattern of Italian commercial cinema has been an overlapping succession of genre cycles. Usually, but not invariably, triggered by the domestic popularity either of a specific American film or of a traditional Hollywood genre, these cycles come and go in a few years. During the short lifespan of any individual cycle, an incredible number of similar films are rushed through production and into distribution before the format wears thin and the popularity fades.
Einige dieser Zyklen spiegelten darüberhinaus auch etwas von den gesellschaftlichen Entwicklungen der Zeit wider. So hinterließen die rebellischen Strömungen der 60er, der gewaltige Ausbruch des Klassenkampfes im "Heißen Herbst"  und die darauf folgenden "Bleiernen Jahre" ihre Spuren in so unterschiedlichen Genres wie Italo-Western, Poliziotteschi und (auf unterschwelligere Weise) Giallo und Horror
Von dem kurzlebigen Sword & Sorcery - Boom der frühen 80er kann man das freilich eher nicht behaupten. Zwar konnten die Filmemacher dabei an die alten Peplum (Sandalenfilm) - Traditionen anknüpfen, aber ohne John Milius' Conan the Barbarian hätte es ihn vermutlich nicht gegeben. Der erreichte Italien offenbar überraschend früh bereits am 31. März 1982 -- und damit anderthalb Monate vor seiner offiziellen US-Premiere.** Über den Sommer machten sich die Knock-off - Spezialisten daran, allsogleich für wenig Geld die Abenteurer anderer Barbaren auf die Leinwand zu bannen. Die Nase vorn hatte dabei Franco Prosperi (den man nicht mit dem Mondo-Macher gleichen Namens verwechseln darf), dessen Gunan Il Guerriero am 9. September debütierte. Ihm folgte einen knappen Monat später Ator l'Invincibile.
 
Aristide Massaccesi alias Joe D'Amato ist vielleicht kein Regisseur, den man kennen muss, aber dafür einer, den man als Liebhaber des Euro-Exploitationfilms beinah zwangsläufig kennen wird. Mit einem gut 200 Filme umfassenden Oeuvre hat der gute Mann Beiträge zu fast allen Genres des italienischen B-Movies geschaffen. Horrorfans dürfte er vermutlich vor allem für Anthropophagus (1980) bekannt sein, der es in den 80ern auf die Schwarze Liste der britischen Video Nasties schaffte. Oder für so bizarre Horror-Erotika-Mixturen wie Le notti erotiche dei morti viventi / Erotic Nights of the Living Dead (1980) und Porno Holocaust (1981). Als Produzent zeichnete er u.a. mitverantwortlich für Claudio Fragassos legendär miesen Troll 2 (1990) und Claudio Lattanzis Killing Birds (1988), aber auch für Michele Soavis Debütfilm Deliria / Stagefright (1987). In den 70ern hatte er einen recht ordentlichen kommerziellen Erfolg mit den Black Emanuelle - Streifen feiern können, wobei er vor allem in den späteren Beiträgen zu der Serie immer mal wieder die von der Zensur gesetzten Grenzen ausgetestet hatte. Der Star der Serie Laura Gemser hat auch in Ator einen kurzen Auftritt. D'Amato hatte nie große künstlerische Ambitionen. Wie er von sich selbst einmal gesagt hat: "I have absolutely no interest in being an artist." Und tatsächlich käme wohl niemand auf die Idee, ihn auf eine Stufe mit solchen Großmeistern des italienischen Genre-Films zu stellen wie Mario Bava, Dario Argento, Lucio Fulci oder Sergio Martino. Aber auf seine bescheidene Art ist mir dieser ehrliche "Handwerker", dessen Liebe zum Film unbestreitbar war und der doch nie verleugnete, in erster Linie das zu drehen, was sich verkaufen ließ, irgendwie sympathisch. Und es ist auch nicht so, als habe er keinerlei  Talent besessen. In vielen seiner Filme finden sich durchaus einige interessant in Szene gesetzte Passagen. Doch nur selten wirken sie wie aus einem Guss. Und das gilt auch für seinen ersten Ausflug in die Gefilde der Sword & Sorcery.

Der erste Script-Entwurf für Ator stammte aus der Feder von Marco Modugno und Michele Soavi, der zu diesem Zeitpunkt noch ganz am Anfang seiner Karrire stand. Überarbeitet wurde das Ganze danach noch einmal von Jose Maria Sanchez und Joe D'Amato selbst. Vier Autoren? Das erklärt vielleicht, warum die Story in vielen Punkten zusammenhangslos und unlogisch wirkt. Nichtsdestoweniger hatte ich Ator stets als einen der sympathischeren El-Cheapo - S&S - Flicks der 80er in Erinnerung, Und ein kürzlich absolvierter Rewatch hat das noch einmal bestätigt. 
 
Schon der Vorspann lässt keinen Zweifel daran, dass wir es mit einem bewusst gemachten Conan - Knock-off zu tun haben, wenn in der Schwärze der Leinwand Flammen auflodern und eine bedeutungsschwangere Stimme aus dem Off einen Monolog zum Besten gibt. Freilich besitzt selbiger nichts von dem poetischen Pathos, der dem Original dank des Rückgriffs auf Robert E. Howards Phoenix on the Sword eigen it. Immerhin erfahren wir, wer die Bösen sind: Das "Spiderkingdom". Und natürlich gibt es eine Prophezeiung über den Helden, der kommen und die Herrschaft des finsteren "Ancient One" beenden wird. Unnötig verkompliziert durch einen Anhang über dessen Vater, der gleichfalls (wenn auich erfolglos) den Kampf gegen die dunklen Mächte aufgenommen hatte.
 
Es folgt eine Eröffnungssequenz um Ators Geburt: Wir sehen, wie das auserwählte Kind zur Welt kommt; allerlei Omen den bösen Hohepriester und Spinnenfetischisten (Dakar) alarmieren; dieser seine Handlanger losschickt, um das Problem aus der Welt zu schaffen; und der mysteriöse Schnauzbart- und Perückenträger Griba (Edumd Purdom) das Baby vor dem Massaker rettet. 
Ich muss sagen, diese ersten zehn Minuten schauen wirklich ziemlich hübsch aus. Insbesondere die beinah schon etwas bavaesk anmutende Farbgebung verleiht dem Ganzen eine sehr stimmungsvolle Atrmosphäre. Und dass D'Amato den "Tempel der Spinne" vom Halbrund eines alten römischen Theaters repräsentieren lässt, ist eine zwar sicher kostengünstige, aber gar nicht einmal so ungeschickte Lösung.  
    
 
Sobald die schicksalshafte Nacht vorbei ist nimmt der Film dann allerdings das eher banale Aussehen an, das er für den Großteil seiner Laufzeit beibehalten wird.
Griba übergibt den kleinen Ator einem armen Bauernpaar, in dessen Obhut er zu einem stattlichen jungen Mann mit einer wahren Löwenmähne von Haar (Miles O'Keefe) heranwächst. Dass er sich dabei zugleich in seine vermeintliche Schwester Sunya (Ritza Brown) verliebt, war sicher nicht geplant, gibt dafür aber Anlass zu folgenden unsterblichen Dialogzeilen:
- Why can't we marry? 
- Ator, we are brother and sister. 
- I'll talk with our father.
Wer von den vier Autoren sich wohl gedacht hat, dass das eine gute Zutat für diesen Film wäre? 
Das anschließende Vater-Sohn-Gespräch beginnt erwartungsgemäß awkward, führt aber rasch zur Enthüllung der tatsächlichen Verwandtschaftsverhältnisse. Und so steht einer fröhlichen Hochzeitsfeier eigentlich nichts mehr im Weg. Doch unglücklicherweise hat einer der "Schwarzen Ritter" bei einem Spazierritt in der Nähe des Dorfes Griba erspäht, bei dem es sich offensichtlich um einen verbannten Adepten der Spinne handelt. Warum der Hohepriester deshalb beschließt, gleich die ganze Gemeinde abschlachten zu lassen, ist zwar nicht ganz nachvollziehbar, führt aber zum genretypischen Startmassaker, an dessen Ende der Held alleine in der Welt und erfüllt vom Verlangen nach Rache dasteht. Dass die Bösewichter dabei gleich noch die holde Sunya verschleppt haben, kommt als zusätzliche Motivation hinzu.
Doch bevor Ator sich auf seine Queste machen kann, muss er erstmal ein solides Kampftraining unter Gribas Anleitung durchlaufen. Schließlich will dieser den Auserwählten benutzen, um sich an dem Hohepriester für sein Exil zu rächen. Was er demselben natürlich nicht auf die Nase bindet. Vorerst verheimlicht er ihm sogar seine wahre Herkunft. Dennoch erhält Ator am Ende seiner Ausbildung das Schwert seines Vaters Terrant, was zwar als entscheidener Wendepunkt seiner Laufbahn in Szene gesetzt ist, im weiteren Verlauf der Handlung aber nicht noch einmal angesprochen wird.
Wirklich wichtiger ist seine erste Begegnung mit der schwertschwingenden Roon (Sabrina Siani). Da Ator kaum ein Klischee ungenutzt links liegen lässt, besteht diese selbstverständlich darin, dass er der Kriegerin hilfreich zur Seite springt, als sie in einen Kampf mit drei Kontrahenten verwickelt wird. Allerdings wird seine "Rettertat" keineswegs mit Dankbarkeit gewürdigt. Und als er Roon fragt, ob die Kerle Räuber gewesen seien, die sie überfallen hätten, antwortet sie ganz gelassen: "I was the one who robbed them." Sprichts, besteigt ihr Pferd und reitet ohne einen weiteren Kommentar mit den erbeuteten Gäulen der Erschlagen von dannen. Ein gelungener Einstand!
 
Wenig später macht sich Ator dann endlich auf seine Heldenreise zum Tempel der Spinne.
 
Doch bevor wir uns den Abenteuern zuwenden, die ihn dabei erwarten, muss unbedingt noch das dritte Mitglied unseres Trios erwähnt werden: Ein kleiner Bär, den Ator irgendwo im Wald aufgelesen hat, und der seitdem treu hinter ihm her hoppelt. Ab und an greift er sogar hilfreich in die Handlung ein, was leichte Reminszenzen an Beastmaster wachruft. Ob Don Coscarellis zweieinhalb Monate vor Ator in den USA angelaufener S&S-Flick tatsächlich ein Einfluss war, weiß ich allerdings nicht. Es soll Leute geben, die den Bären für den talentiertesten Darsteller des Streifens halten. Ganz so weit würde ich vielleicht nicht gehen, aber ganz sicher habe ich jeden seiner Auftritte mit einem lauten "Ooooo" quittiert. Übrigens verschwindet Freund Petz auf unerklärliche Weise jedesmal aus der Handlung, wenn man sich nicht länger im Freien tummelt, nur um später dann auf ebenso mysteriöse Weise wieder aufzutauchen. Aber das passt im Grunde sehr gut zum Gesamteindruck, den der Plot hinterlässt.
 
 
Ators Queste besteht aus fünf Episoden, von denen nur die allerletzte in irgendeinem Zusammenhang mit dem Ziel seiner Reise steht. Auf manch Betrachter*innen hat das wohl ziemlich anödend gewirkt. Schließlich existieren sie ganz offensichtlich nur, um die Laufzeit des Filmes voll zu kriegen. Aber da fast jede von ihnen irgendein Element enthält, das meine Aufmerksamkeit wachgehalten hat, und sie alle verhältnismäßig kurz sind, habe ich eigentlich keinen Grund, den zusammengestoppelten Charakter des Plots groß zu beklagen.
 
Kaum hat sich unser Held von Griba getrennt (ohne ein Wort des Abschieds übrigens!), da fällt er auch schon einem Stamm von Amazonen in die Hände. Zu denen gehört auch die ihm bereits bekannte Roon, die ihn in einem Wettkampf auch gleich als eine Art menschlichen "Zuchthengst" gewinnt. Doch als sie erfährt, dass er auf dem Weg zum Tempel der Spinne ist, verschiebt sie den Mutterschaftsurlaub vom Kriegrinnendasein lieber noch mal und beschließt stattdessen, ihm zur Flucht zu verhelfen. Ihre Beweggründe sind freilich alles andere als altruistisch. Vielmehr wird sie von der Aussicht auf die legendären Tempelschätze des "Ancient One" angetrieben.       
 

Interessanterweise taucht auch in Gunan Il Guerriero ein Amazonenvolk auf. Die Beliebtheit dieses Motivs im italienischen Genrefilm erklärt sich selbstredend nicht aus irgendwelchen Sympathien für weibliche Emanzipation. Eher schon aus einer Vorliebe für attraktive Frauen in Leder-Bikinis. Aber verglichen mit manch anderen Darstellungen nimmt sich Ator in dieser Hinsicht noch relativ sympathisch aus. So hatte es z.B. in der ersten Hälfte der 70er Jahre eine Handvoll "Amazonen" - Filme gegeben (Le Amazzoni - Donne d'amore e di guerra / Battle of the Amazons [1973], Le guerriere dal seno nudo / War Goddess [1973], Superuomini, superdonne, superbotte / Super Stooges vs the Wonder Women [1975]), deren Inhalt allem Anschein nach stets darauf hinauslief, dass die Kriegerinnen von irgendwelchen Typen bezwungen oder "gezähmt" werden. Von dem extrem abstoßenden Thor Il Conquistatore (1983) ganz zu schweigen. Mit Abstand der widerlichste Streifen, von dem ich das Pech hatte, ihm auf meinen barbarischen Expeditionen zu begegnen. Nichts dergleichen bei Ator. Selbst die kurze "Catfight"-Szene bleibt äußerst zahm. Bei einem Roger Corman - Flick hätte das anders ausgesehen (vgl. etwa Barbarian Queen II [1990]). Zwar schließt sich an die gemeinsame Flucht alsbald die obligatorische "Badeszene im Wald" an, aber zumindest in der Version, die mir zur Verfügung stand, bekommt man dabei bloß die leicht verschwommene Gestalt von Sabrina Siani im Hintergrund der Einstellung zu sehen. Wobei ich mich allerdings frage, ob hier nicht etwas herausgekürzt worden ist. Denn traditionell existieren solche Szenen doch ausschließlich als Entschuldigung, die badende Heldin halbnackt ablichten zu dürfen. Und dass Sianis Karriere im italienischen S&S - Film -- neben Ator war sie auch bei Gunan, Sangraal (1983), Il Trono di fuoco (1983) und Lucio Fulcis Conquest (1983) dabei -- wohl eher nicht auf ihr schauspielerisches Talent zurückgeführt werden kann, ist leider kaum zu bestreiten.
Wie dem auch sei, wir dürfen jedenfalls heilfroh sein, dass wir das Amazonen-Intermezzo ohne größere Ärgernisse oder Peinlichkeiten hinter uns lassen können. Bloß am Rande sei erwähnt, dass Roons Zugehörigkeit zu dem Stamm eigentlich kaum Sinn macht. Ist sie doch ein unverkennbares Valeria - Stand-in. Mehr Diebin und Glücksritterin als stolze Kriegerin. Aber wer an diesem Punkt noch nach Stimmigkeit der Charakterzeichnung oder innerer Logik fragt, hat eh verloren.
 
Es folgt Laura Gemsers Gastauftritt als verführerische Zauberin -- halb Circe, halb Lamia. Wie zu erwarten der "erotischste" Part des Filmes, dabei aber auch recht harmlos. Erwähnenswert ist eigentlich nur der bizarre Kopfschmuck, den Gemser trägt, sowie die Tatsache, dass unser Held sein Überleben den gemeinsamen Anstrengungen von Juniorbär und Roon verdankt. Warum die Hexe es auf ihn abgesehen hatte, bleibt selbstverständlich völlig schleierhaft.   
 

In der Folge von George Romeros Dawn of the Dead aka Zombi (1978) und Lucio Fulcis Zombi 2 (1979) waren die Lebenden Toten Anfang der 80er Jahre im italienischen Genrefilm sehr angesagt. Kein Wunder also, dass ein paar von ihnen auch in Ator kurz durch die Landschaft schlurfen dürfen. Inhaltlich ist diese Episode wenig dramatisch -- es kommt nicht einmal zu einem Schlagabtausch mit Held & Heldin --, aber dafür gehört sie zu den filmerisch eindrucksvolleren. Mit viel Trockeneis und blendendem Gegenlicht verwandelt D'Amato die herumwankenden Statisten in ominöse Silhouetten.   
 
 
Den Lebenden Leichen glücklich entronnen beschließt man, dass es an der Zeit ist, endlich mal eine zünftige Fantasytaverne aufzusuchen. Roon ist außerdem der Ansicht, dass man sich ein paar Pferde organisieren sollte. Wobei sie bereits begehrliche Blicke auf den Geldbeutel der örtlichen Puffmutter wirft. Leider ist ihr Plan, wie sie diesen in die Hände bekommen könnte, reichlich tumb. Was der Sequenz viel von ihrem potenziellen Charme raubt.
 
Aber wir nähern uns eh dem Ende der Geschichte und so taucht plötzlich wie aus dem Nichts heraus erneut der gute Griba auf, um Ator nun endlich seine wahre Bestimmung zu enthüllen. Doch bevor unser Held dem bösen Spinnenpriester gegenübertreten und seine geliebte Sunya befreien kann, muss er noch rasch den magischen Schild von Mordor (!!) in seinen Besitz bringen. Also unternehmen Ator und Roon einen kurzen Abstecher in einige unter einem Vulkan gelegene Kavernen, wo ein (anscheinend ziemlich unfreundliches) Volk blinder Schmiede haust und emsig (magische?) Waffen produziert. Cooler als das eigentliche Finale ist der recht geschickt in Szene gesetzte Kampf, den Ator dort gegen seinen eigenen Schatten ausfechten muss. Und natürlich ist es erneut Roon, die ihm dabei seine Haut rettet. Was ihn allerdings nicht davon abhält, ihre ach so materialistische Goldgier weiterhin mit herablassenden Kommentaren und moralisch überlegenem Naserümpfen zu bedenken.
 
Der Endkampf im Tempel wirkt im Vergleich dazu leider etwas antiklimaktisch. Daran kann weder Gribas "dramatischer" Verrat (der Kerl hatte es die ganze Zeit bloß darauf abgesehen, selbst den Thron des Hohepriesters zu besteigen), noch der Auftritt einer wunderbar plumpen animatronischen Monsterspinne etwas ändern. Dass Roon bei dem Gefecht zu Tode kommt, ist zwar ärgerlich, aber in gewisser Weise auch folgerichtig. Damit die Storyline um die Rettung der "Damsel in Distress" zu einem ungetrübt "glücklichen Ende" gelangen kann, muss die eigenständigere Frauenfigur (und potenzielle Rivalin) beseitigt werden. Denn selbstverständlich hatte sich im Laufe der Geschichte eine "erotische Spannung" zwischen Held und Heldin aufgebaut. Dass die beiden auch einfach Freunde hätten sein können, wäre in Filmen dieser Zeit und dieses Genres undenkbar gewesen.
 
Warum D'Amato es offenbar für eine gute Idee hielt, seinen Fantasyflick mit einem fürchterlich schmalzigen Popsong zu beenden, wird wohl für immer ein Geheimnis bleiben. Vielleicht dachte er sich, er könne seinem Publikum zum Abschluss nicht noch einmal das immer gleiche musikalische Motiv vorsetzen, und das für den Soundtrack vorgesehene Budget war leider bereits aufgebraucht.
 
Ator l'Invicible ist astreiner Schlock. Die Sets billig. Die Darsteller*innen hölzern. Der Plot größtenteils wirr und zusammenhangslos. Dennoch finde ich, dass der Streifen besser ist als sein Ruf. Wer dieses Sammelsurium aus zum Teil völlig absurden Szenen "öde" findet, hat wohl noch nie Gunan oder Trono di fuoco gesehen. Im Vergleich zu diesen traurigen Vertretern der italienischen Sword & Sorcery ist Joe D'Amatos erster Ator - Flick ein wahres Feuerwerk an trashiger Unterhaltsamkeit.



* Kim Newman: Nightmare Movies. A Critical History of the Horror Film, 1968-88. S. 187.

** In einigen früheren Beiträgen zu dieser Reihe bin ich von einem merklich späteren Datum ausgegangen (man sollte sich halt nie 100%ig auf IMDB verlassen), was zu einigen kuriosen Fehleinschätzungen geführt hat, die ich aber zu faul bin, noch einmal zu korrigieren.

Dienstag, 4. Oktober 2022

Expeditionen ins Reich der Eighties-Barbaren (XIX): "Hawk the Slayer"

I punched a bloke in the face once for saying Hawk the Slayer was rubbish ...
I was defending the fantasy genre with terminal intensity.
 
Bilbo Bagshot in Spaced
 
 
Meine ursprüngliche und nie wirklich abgeschlossene Reise durch die wüsten Gefilde des Sword & Sorcery - Films der 80er Jahre liegt inzwischen eine halbe Ewigkeit zurück. Darum ist es wohl angmessen, hier zu Beginn noch einmal auf ein wichtiges Faktum hinzuweisen: Der gewaltige Erfolg von John Milius' 1982 in die Kinos gelangtem Conan the Barbarian war zwar ohne Zweifel von immenser Bedeutung. Ohne ihn hätten wir wohl weder Joe D'Amatos Ator - Filme, noch die ultrabilligen von Roger Corman produzierten und mehrheitlich in Argentinien gedrehten Flicks à la Deathstalker. Matt Cimbers Hundra, einer der interessanteren S&S - Streifen der Zeit, scheint in mancherlei Hinsicht sogar eine direkte Antwort auf Milius' Werk zu sein. Aber Conan stand nicht am Anfang der Welle. Albert Pyuns The Sword and the Sorcerer z.B. tauchte beinahe zeitgleich mit Arnies Cimmerier in den amerikanischen Filmtheatern auf und war unbeeinflusst von ihm entstanden. Und selbst vor 1982 hatten bereits einige wenige Sword & Sorcery - Held*innen ihren Weg auf die Leinwand gefunden. Wenn überhaupt irgendjemand den Titel des Allerersten in Anspruch nehmen darf, dann ist das ein 1980 in sechs Wochen für lächerliche £600.000 in den Pinewood Studios gedrehter Streifen, dem es bestimmt war, Jahrzehnte später zum Kultklassiker zu werden -- the one and only Hawk the Slayer!
 
Der gute Hawk war das Geisteskind von Drehbuchautor Terry Marcel und Filmkomponist Harry Robertson. Letzterer dürfte Freund*innen des Brit-Horror vor allem durch seine Arbeiten für Hammer (u.a. The Vampire Lovers, Countess Dracula, Demons of the Mind und Twins of Evil) und Tyburn (The Ghoul und Legend of the Werewolf) bekannt sein. Die beiden lernten sich Ende der 70er Jahre bei der Arbeit an zwei Ray Coone - Adaptionen (Why Not Stay for Breakfast? und There Goes the Bride) kennen. Sie stellten fest, dass sie eine gemeinsame Liebe zur phantastischen Genre-Literatur verband. Wie Marcel später einmal erzählt hat: "I’d always been a sword-and-sorcery fan – I loved Fritz Leiber and Robert E. Howard, and I particularly loved Solomon Kane" und "Harry and I both loved sci-fi and fantasy: Harry Harrison novels, the Conan books, all the greats." Hinzu kam, dass vor allem Marcel die Art bewunderte, in der Sergio Leone Kurosawas Yojimbo in A Fistful of Dollars verwandelt hatte. Wie wir noch sehen werden, macht dieser Italo-Western-Einfluss einen nicht unbeträchtlichen Teil des Charmes von Hawk the Slayer aus. Eine erste Storyidee "about a medieval warrior set in the fourteenth century" existierte bereits, die Terry Marcel während eines zweiwöchigen Spanienurlaubs zu einem siebzigseitigen Script ausarbeitete. Anschließend setzten die beiden sich noch einmal gemeinsam dran. Mit dem fertigen Drehbuch in Händen gelang es ihnen dann, das Interesse von  ITC (Incorporated Television Company) zu wecken. Die Kontrolle über die Produktion blieb aber ganz in ihren eigenen Händen via der eigens gegründeten Firma Marcel/Robertson Productions Limited.* Die Finanzspritze von ITC kann im übrigen nicht besonders groß gewesen sein. Immerhin erlaubte sie es den beiden, nach L.A. zu fliegen und Jack Palance für die Rolle des Bösewichts Voltan zu gewinnen:     
He wanted to come to England, he thought he could do something with the part, he liked the fun of it [...] I believe he got $100,000. He stayed in a small hotel in Soho, but on the set he shared a caravan with everyone else. There were no airs about the man, though he put me to the test at times – asking me what Voltan’s motivation was for adopting two children and so on.

Davon abgesehen, musste man sich aber wohl in erster Linie auf Marcels Connections in der britischen Film- und Fernsehindustrie stützen.

We were so lucky in Hawk because we had people like Roy Kinnear, who came in to do a few lines as the Innkeeper and Graham Stark, who I’d worked with on the Pink Panther films, playing Sparrow; you always get extra from those sorts of people because they’re such distinctive character actors. 
Für die Hauptrolle engagierte man den Neuling John Terry, der auch in There Goes the Bride mitgespielt hatte. Zu seinen Mitstreiter*innen gehörten aber auch bekanntere Namen wie Patricia "Magenta" Quinn als "Zauberin", Carry On - Regular Bernard Bresslaw als "Gort, der Riese" und Theater- und TV-Veteran William Morgan Sheppard als "Ranulf".
Erwähnenswert ist außerdem Kameraman Paul Beeson. Der war nämlich zwei Jahre zuvor einer der Directors of Photography bei Luigi Cozzis Trash-SciFi-Klassiker Starcrash gewesen und würde in der Folgezeit u.a. bei den Indiana Jones - Filmen und George Lucas' Willow mitarbeiten.
Gedreht wurde in den Pinewood Studios und den angrenzenden Wäldern von Buckinghamshire. Marcels langjährige Verbindung zu dem Studio dürfte beim Abschluss des Deals geholfen haben:
I’m a Pinewood boy – and they were very kind to me, they did an all-in deal for butkus; told us we could help ourselves to anything we could find, so we went around looking at props and pieces of set and whatever we could use!

Das erklärt so manches, was den Look des Filmes angeht. Als man mit dem Dreh begann, nahm Terry Marcel auf dem Regiestuhl Platz. Robertson fungierte offiziell als Produzent, kompomierte aber natürlich auch den Soundtrack.

                           

 

Mit diesen wunderbaren Worten beginnt das Abenteuer. 
 
In einer Art Prolog bekommen wir zu sehen, wie der finstere Voltan (Jack Palance) nächtens zur Burg seines königlichen Vaters reitet und in die gar güldenen Gemächer eindringt. Er verlangt die Preisgabe irgendeines magischen Geheimnisses, dessen Besitz ihm qua Erstgeburtrechts zusteht. Doch der alte König weigert sich standhaft, da die mystische Macht nicht in die Hände eines Dieners des Bösen fallen dürfe. Was er selbstredend mit dem Leben bezhalen muss. Voltans (deutlich) jüngerer Bruder Hawk (John Terry) kommt zu spät, um seinen Vater noch zu retten, aber immerhin bleibt dem Sterbenden noch genug Zeit, um nunmehr unseren Helden in das Geheimnis des magischen "Mindswords" einzuweihen und außerdem etwas kryptische Bemerkungen über die Erfüllung einer alten Prophezeiung von sich zu geben.
Jahre später: Der schwer verletzte Ranulf (William Morgan Sheppard), letzter Überlebender eines fürchterlichen Massakers, flüchtet sich in das kleine Nonnenkloster von Caddenbury. Er berichtet davon, wie Voltans wilde Schar sein Heimatdorf überfallen und sämtliche Einwohner abgeschlachtet habe. Seine Hand kann die heilkundige Äbtissin (Annette Crosbie) zwar nicht mehr retten, aber davon abgesehen gelingt es den Schwestern, den Unglücklichen wieder aufzupäppeln. Doch kaum ist er auf den Beinen, da kreuzen auch schon Voltan, sein Adoptivsohn Drogo (Shane Briant) und ein paar ihrer Halunken in dem friedlichen Refugium auf. Der "Dark One" bringt die Äbtissin in seine Gewalt und fordert ein Lösegeld von 2.000 Goldstücken.
Ranulf begibt sich zur "Holy Fortress" von Danefort, um Hilfe zu organisieren. Der "High Abbot" (Harry Andrews) gibt ihm den Rat, einen umherwandernden Krieger namens Hawk zu suchen, der in der Vergangenheit schon mehrfach gegen die Mächte der Finsternis gekämpft habe.
Als nächstes bekommen wir zu sehen, wie derselbige eine blinde Zauberin (Patricia Quinn) vor einem frühzeitigen Tod auf dem Scheiterhaufen bewahrt. Zum Dank wirft die Gerettete mit ihrem magischen "Dritten Auge" einen kurzen Blick in Hawks Zukunft und Bestimmung. Was dazu führt, dass unser Held sehr rasch den erneut in die Bredouille geratenen Ranulf findet und rettet, woraufhin man sich daran machen kann, eine Heldengruppe zum Kampf gegen Voltan zusammenzustellen. Mit Hilfe eines Teleportationszaubers werden drei alte Kumpels von Hawk -- Gort der Riese (Bernard Bresslaw), Crow der Elf (Ray Charleson) und Baldin der Zwerg (Peter O'Farrell) -- eingesammelt. Das Lösegeld organisiert man sich durch einen Überfall auf den Sklavenhändler Sped (Declan Mulholland). Doch Hawk bezweifelt, dass Voltan sich mit dem Gold abspeisen lassen wird, was immer auch die naive Schwester Monica (Cheryl Campbell) glauben mag. Also bereiten sich unsere Gefährten auf einen blutigen Showdown im Nonnenkloster vor.
 
Mein Twitter-Kumpel Ian hat einmal folgenden, sehr treffenden Kommentar über Hawk the Slayer gemacht: "It's so bad and so good all at once!
 
Ich habe eine große Schwäche für diesen Streifen. In meiner persönlichen Rangliste der Sword & Sorcery - Flicks der 80er Jahre rangiert er ziemlich weit oben. Und ähnlich wie bei Starcrash ist meine Liebe auch hier nicht ausschließlich -- oder auch nur hauptsächlich -- ironischer Natur. Hawk ist für mich nicht einfach ein Beispiel von "so bad it's good". Auch wenn er ohne Zweifel Szenen enthält, bei denen es schwerfällt, ein leises Kichern (oder auch ein lautes Auflachen) zu unterdrücken. Das gilt nicht nur für das zügellose "Scenery Chewing" von Jack Palance, sondern vor allem für beinahe jeden Einsatz von Magie. Die umeinander rotierenden Neonlicht-Reifen des Teleportationszaubers sind da ja bloß der Anfang. So setzt die Zauberin zwischendurch einen von Voltans Männern mit einem Spruch außer Gefecht, der bei mir jedesmal Erinnerungen an Killer Klowns from Outer Space wachruft. Und im großen Schlusskampf kommen dann massenhaft Kunstschnee und hüsch buntisch leuchtende, herumspringende Kügelchen zum Einsatz. Grandios! Doch so wichtig all das für den trashigen B-Movie-Charme von Hawk auch ist, der Streifen hat sehr viel mehr als das zu bieten.
 
 
Selbstverständlich standen Marcel, Robertson & Crew nur äußerst beschränkte Mittel zur Verfügung, wenn es darum ging, der phantastischen Welt ihrer Geschichte Gestalt zu verleihen. Aber gerade das gibt ihr miutunter einen eigenartig surrealen Charakter, den ich ziemlich ansprechend und faszinierend finde. So wirkt z.B. das hübsche Matte Painting der "Heiligen Festung" so, als habe der Künstler gar nicht erst versucht, den Eindruck von Realität zu erwecken. Grund dafür kann natürlich der Mangel an Geld und Zeit gewesen sein. Das Ergebnis aber ist, dass man in der entsprechenden Szene das bizarre Gefühl hat, als reite Ranulf in ein Gemälde hinein. Was ziemlich cool ist. 
 
 
Ein Gutteil der Handlung besteht aus wildem Herumgaloppiere durch die Wälder von Buckinghamshire. Aber mit Hilfe einiger ganz simpler Techniken, wird diesen eine bizarr-phantastische Atmosphäre verliehen. Zuerst einmal ist die Szenerie grundsätzlich immer nebelverhangen. Kaum eine Einstellung, in der im Hintergrund nicht irgendwelche Dunstschleier durchs Bild ziehen würden. Im krassen Gegensatz zu der eher nördlich-europäisch anmutenden Landschaft sieht man hie und da eine tropische Schlange im Baum hängen oder einen Gecko über einen Ast marschieren. Ganz nebenbei erhascht man außerdem immer wieder einen Blick auf irgendwelche Skelette, die wie zufällig am Wegrand liegen oder von Bäumen baumeln.  Der verfluchte "Forest of Weird" wartet zusätzlich noch mit grüner Beleuchtung, massig Halloween-Spinnenweben und ein-zwei putzigen Monsterpuppen auf, die hinter Steinen und Gestrüpp hervorlugen.
Besonders gut gefallen haben mir die vignettartigen Szenen, in denen die einzelnen Mitglieder der Heldengruppe eingeführt werden. Stets dient dabei irgendeine Waldlichtung als Setting, wobei man irgendwie das Gefühl hat, diese existierten unabhängig vom Rest der Welt. Selbst wenn da das Fuhrwerk eines Händler oder der Amboss eines Hufschmieds herumstehen. Die Lichtungen wirken wie kleine Theaterbühnen, auf denen die Akteure ihr kurzes Stück aufführen.
Diese Vignetten vermitteln zudem das Bild einer ziemlich heruntergekommenen Welt, die größtenteils von Halunken, Bullies und Halsabschneidern bevölkert zu sein scheint. Jeder der Gefährten befindet sich in einer etwas prekären Situation, als Hawk auftaucht, um ihn mitzunehmen: Gort ist dabei, sich mit irgendwelchen Soldaten herrumzuprügeln, die kaum mehr als bessere Wegelagerer zu sein scheinen; Crow wäre beinah von zwei Gaunern um Geld und Leben gebracht worden; und Baldin sollte von irgendwelchen durchgeknallten Priestern dem "Heiligen See" zum Opfer gebracht werden.
Und es ist auch nicht so, als bestehe unsere Heldengruppe selbst aus strahlenden Recken. Wir erfahren zwar nichts konkretes über ihre vergangenen gemeinsamen Abenteuer, aber die fünf machen doch eher den Eindruck etwas zwielichtiger Outsider und Underdogs. Hawks Hauptmotivation ist sein Verlangen nach Rache an Voltan, der nicht nur seinen Vater, sondern auch seine geliebte Eliane (Catriona MacColl) auf dem Gewissen hat**; Gort ist zwar ein gutmütiger Kerl, aber in erster Linie an Essen und gutem Bier interessiert; Crow lässt sich durch die Aussicht auf ein paar rasch verdiente Goldstücke auf einen ziemlich fragwürdigen Bogenschützenwettbewerb ein; und Baldin ist ein reichlich heruntergekommener Geselle mit fürchterlichen Manieren und einem etwas krausen Sinn für Humor. 
Hawk bezeichnet seine alten Kampfgefährten ausdrücklich als "the last of their kind". Von Crows Heimat, dem "Silver Forest", stehen nur noch verkohlte Baumstümpfe, und auch Baldins "Iron Hills" existieren nicht mehr. Vor allem das Schicksal der Elfen als einer "schwindenden Rasse" könnte einen an gewisse tolkieneske High Fantasy - Motive erinnern. Aber im Ganzen besitzt die Welt von Hawk the Slayer nichts von dieser mythischen Grandeur. Zwar befindet sie sich fraglos im Niedergang, das Leben der allermeisten wird von Anarchie und Gewalt beherrscht, während einige "fette Barone" (und wohl auch die Kirchenoberen) sicher auf ihren Zwingburgen hocken. Doch die Atmosphäre, die dabei vorherrscht ist erdig-dreckig, nicht mythisch-tragisch. Selbst Voltan, der als der "Dark One" in den Diensten irgendwelcher dämonischen Zauberer steht, ist eigentlich nicht viel mehr als der Anführer einer besonders rücksichtslosen Räuberbande, die kaum den Namen "Legions of Darkness" verdient hat. Wenn uns vorgeführt werden soll, wie brutal er ist, bekommen wir zu sehen, wie er sich in einem heruntergekommenen Wirthaus mit ein paar zerlumpten Handlangern des Sklavenhändlers Sed herumstreitet. Nicht unbedingt echtes Dark Lord - Niveau.   
 

Hier zeigt sich denn auch besonders stark der Italo-Western-Einfluss. Hawk ähnelt dem Archetyp des einsam herumziehenden Pistoleros. Seine Konfrontationen mit all den Halunken und Bullies sind oft haargenau so in Szene gesetzt wie klassische Westernduelle, nur dass hier halt keine Schießeisen, sondern Schwerter gezogen werden. Und wenn sich unsere fünf Gefährten am Ende in der Kapelle verschanzen und auf den Angriff von Voltans Leuten warten -- überzeugt davon, dass kaum alle von ihnen den nächsten Tag überleben werden -- hat das gleichfalls deutliche Spaghetti-Western-Vibes.
Verstärkt wird dies noch durch Harry Robertsons eigenwillige Musik, die teilweise ad hoc auf dem Set entstand, wie der Kompomnist einmal erzählt hat:
I wrote some of the score whilst on location. I would see how the scenes were coming out and then do a bit of writing or just jot down some ideas as and when I got them. It was an interesting experience because I had most of the score ready before the cameras had stopped rolling.
In Rezensionen wird oft die für einen Fantasystreifen tatsächlich recht bizarre "Disco-Qualität" des Soundtracks hervorgehoben. Doch wenn man sich etwas genauer auf die Musik einlässt, wird man außerdem einige recht deutliche Anklänge an Ennio Morricone heraushören können. Und das ist selbstverständlich kein Zufall:

Hawk was a fantasy western if you like. That’s why the score has little trills and motifs on it when we see the hero or the villain of the piece; it was my homage to Morricone and also the spaghetti western score.

Trotz des dreckigen Ambientes ist Hawk the Slayer übrigens erfreulich frei von all den eher unappetitlichen Elementen, denen man sonst so oft im Sword & Sorcery - Kino der 80er Jahre begegnet. So enthält der Film auch nicht einen Hauch von Sexploitation. Das steht vor allem in krassem Gegensatz zu den S&S-Flicks von Roger Corman, wo nackte Brüste (und nicht selten auch die Darstellung sexueller Gewalt) fester Bestandteil des Programms sind. Marcel und Robertson wollten mit Hawk einen Film "für die ganze Familie" drehen. Mit Kampfszenen wird zwar nicht gegeizt, und wenn Ranulf seine "Schnellfeuer-Armbrust" oder Crow seinen Bogen zückt, werden die Bösewichter gleich in Scharen umgemäht. Aber Blut und Gore bekommt man nicht zu sehen. Und auch wenn ich ja kein grundsätzlicher Verächter von Exploitation bin, steigert das in diesem Fall noch einmal die Sympathie, die ich für diesen Streifen empfinde.

Interessanterweise weicht der (im übrigen nicht übermäßig interessante) Hawk the Slayer - Comic von Garth Ennis und Henry Flint, der vor nicht allzulanger Zeit auf den Seiten von Judge Dredd: The Megazine erschienen ist, in diesem Punkt sehr deutlich von seiner Inspirationsquelle ab. Da geht's nämlich verdammt gory zu. Auch hat es sich Garth Ennis nicht nehmen lassen, seinen manchmal schon etwas obsessiv wirkenden Hass auf Religion in die Geschichte einfließen zu lassen. Leider wird dieser Comic vermutlich für immer das einzige Sequel zu Hawk bleiben, das wir zu sehen bekommen werden Auch wenn die Gerüchte über einen möglichen zweiten Film wohl erst mit Terry Marcels Tod ganz verstummen werden. Aber vielleicht ist das sogar ganz gut so. Fast nie gelingt es, die Magie alter B-Movies, Trash-Klassiker und Kultfilme wiederzubeleben, wenn man Jahrzehnte später irgendwelche Fortsetzungen zu ihnen dreht. Und ganz ehrlich: Braucht die Welt einen zweiten Hawk - Film? Ich denke nicht. Es reicht, dass es den einen gibt. Den aber werde ich mir sicher immer mal wieder mit großer Freude anschauen. "The one and only" halt ...

 

 

* Die Firma produzierte später noch Prisoners of the Lost Universe (1983) und Jane and the Lost City (1987), hielt also dem Pulp-Phantastischen die Treue.

** Die einzigen Parts von Hawk the Slayer, mit denen ich wirklich gar nichts anfangen kann, sind ein paar Flashback-Szenen, in denen wir diese Hintergrundsgeschichte erzählt bekommen. Nicht nur finde ich das Motiv der beiden Brüder, die sich um eine Frau streiten, reichlich abgeschmackt. Der Versuch, den Szenen ein "idyllisch-romantisches" Ambiente zu verleihen, macht sie zu irgendwie süßlich anmutenden Fremdkörpern in der Gesamtheit des Films. Einzig das dort eingeführte Motiv eines silbernen Kruzifixes, das Hawk von seiner Holden geschenkt bekommt und das er seitdem um den Hals trägt, rechtfertigt in meinen Augen die Existenz dieser Flashbacks. Das Schmuckstück rettet unserem Helden nämlich am Ende das Leben. Und zwar in sehr unerwarteter Weise: Während der finalen Konfrontation mit Voltan entpuppt es sich als getarntes Wurfmesser! Das ist so absurd, dass es Bühnenapplaus verdient.



Samstag, 22. Juni 2019

Expeditionen ins Reich der Eighties-Barbaren (XVIII): "Yor - The Hunter from the Future"

Nach einer halben Ewigkeit wollen wir heute endlich einmal wieder einen kleinen Ausflug in die wilden und wunderlichen Gefilde des Sword & Sorcery - Films der 80er Jahre unternehmen. Wie es dazu gekommen ist? Wikipedia hatte mich lange Zeit glauben lassen, Antonio Margheritis Il mondo di Yor / Yor - The Hunter from the Future (1983), einer der unbestrittenen Trash-Klassiker des italienischen Barbarenfilms, sei zwar ursprünglich als vierteilige TV-Miniserie für RAI geplant gewesen, aber dann eben doch als Kinofilm gedreht worden. So zumindest hatte ich den Eintrag immer verstanden. Und mir war auch nie etwas untergekommen, was diese Interpretation in Frage gestellt hätte. Man kann sich vorstellen, wie verblüfft ich war, als mir auf Youtube zufällig vier jeweils ungefähr 50 Minuten lange Yor-Clips unter die Augen kamen. Sollte es sich dabei am Ende um die vier Teile jener Miniserie handeln, von der ich bislang angenommen hatte, dass sie überhaupt nicht existiert? In der Tat! Natürlich machte ich mich umgehend daran, mir diese gut doppelt solange Version der Abenteuer des guten Yor zu Gemüte zu führen. Zumal meine letzte Begegnung mit dem blonden Krieger schon ziemlich lange zurücklag. {Weshalb ich im Folgenden übrigens auch nicht versuchen werde, die beiden Versionen miteinander zu vergleichen}



Der 1930 in Rom geborene Antonio Margheriti war schon in jungen Jahren ein begeisterter Leser von Science Fiction - Comics gewesen und hatte seine Regielaufbahn nicht zufällig mit zwei SciFi-Flicks Space Men (1960) und Il Pianeta degli uomini spenti / Battle of the Worlds (1961) begonnen. Im weiteren Verlauf seiner Karriere tummelte er sich zwar in so ziemlich allen Sparten des italienischen Genrefilms Peplum, Horror, Spaghetti-Western, Giallo, Eurospy, Kriegsfilm, Indiana Jones - Knock-offs , doch kehrte er immer mal wieder zu seiner alten Liebe zurück. So schuf er zwischen 1965 und 1967 seine Gamma I - Tetralogie (I Criminali della Galassia / Wild, Wild Planet [1965], I diafanoidi vengono da Marte / The War of the Planets [1966], Il pianeta errante [1966] und La morte viene dal pianeta Aytin / The Snow Devils [1967]), 1987 seine Weltraum-Version der Schatzinsel (L'isola del tesoro) mit Anthony Quinn als Long John Silver. Als 1983 in Reaktion auf John Milius' Conan the Barbarian auch in Italien eine kurzlebige Barbarenmode ausbrach {wobei man natürlich an die alten Peplum-Traditionen anknüpfen konnte}, wundert es deshalb nicht sonderlich, dass Margheriti die Inspiration für seinen Beitrag in einem Comic fand, der Fantasy- und SF-Elemente miteinander vermischte.
Seit 1974 erschienen in Argentiniens führendem Comicmagazin Skorpio die von Zeichner Juan Zanotto und den Textern Eugenio Zappietro (Ray Collins) & Alfred Julio Grassi (Roderico Schnell) kreierten Abenteuer des urzeitlichen Jägers Henga. Als ein Jahr später der italienische Ableger LancioStory gegründet wurde, übersiedelte der barbarische Held unter dem neuen Namen Yor auf dessen Seiten. Dort lernte ihn Margheriti kennen. Auf der Website Los cómic de Machete kann man sich eine ganze Reihe der Skorpio-Originale anschauen. {Dabei wird man auch auf Hor el Temerario stoßen, bei dem es sich um Hengas/Yors Sohn handelt.} Da ich selbst des Spanischen nicht mächtig bin, waren meiner Recherche da enge Grenzen gesetzt, aber ich habe beim Durchscrollen doch einige Szenen und Charaktere aus dem Film wiedererkannt. Margheriti scheint seiner Vorlage zumindest streckenweise recht eng gefolgt zu sein.

Jede Folge hebt mit dem wundervoll absurden Popsong Yor's World an, derweil unser Held (Reb Brown) durch das kappadokische Bergland joggt, was augenblicklich für gute Stimmung sorgt. In Episode 1 folgt dem ein ziemlich langer Prolog, der leider nur sehr spärlich untertitel wurde, aber offenbar irgendwelche pseudophilosophischen Ausführungen über den mühseligen Aufstieg des prähistorischen Menschen enthält. Vom harten Kampf ums Überleben und der Findigkeit des Homo Sapiens irgendwas in der Art. 
Während die Bevölkerung eines Dorfes auf Anordnung ihres prächtig langbärtigen Häuptlings ein abendliches Fest vorbereitet, machen sich der schon etwas ältliche Pag (Genre-Veteran Luciano Pigozzi) und seine Adoptivtochter Ka-Laa (Corinne Cléry, manchem vielleicht aus Moonraker bekannt) im nachbarlichen Dschungel noch mal rasch auf die Jagd nach einem wirklich putzigen Baby-Stegosaurus. Doch plötzlich bricht mit lautem Getöse ein riesiger Triceratops durchs Unterholz, der sich entgegen aller paläontologischen Erkenntnisse scheinbar für einen Fleischfresser hält. Welch Glück, dass der gute Yor gerade in der Nähe ist, der natürlich nicht zögert, sich in bester Heldenmanier auf den Dino zu stürzen. Nachdem er ihn mit seiner Axt zur Strecke gebracht und ein paar barbarische Triumphschreie ausgestoßen hat, trinkt er von dem Blut des erschlagenen Tieres, "um seine Kraft zu mehren". Als er Pag gleichfalls etwas von dem makabren Trunk anbietet, erwiedert dieser: "Nein danke. Ich bleib lieber schwach."  Ist es zu früh, jetzt schon zu sagen, dass sich der bärtige Geselle rasch zu meinem Favoriten entwickeln würde?
Natürlich lädt man den mutigen Retter zur Party ein, und Häuptling Langbart gibt ihm sogar den ersten Hinweis für seine kommende Queste. Yor hat nämlich ein großes Problem: Er weiß nicht, woher er kommt oder welchem Stamm er angehört. Einziges Indiz ist ein goldenes Amulett, das er seit Kindestagen um den Hals trägt. Nun erfährt er, dass es jenseits der Berge unter dem Volk der Wüste eine Frau geben soll, die ein ähnliches Schmuckstück besitzt. Man erzählt sich, sie werde wie eine Göttin verehrt, da sie einst "mit Feuer vom Himmel" gekommen sei. {Von Däniken - Alarm!} Ein bisschen mulmig hat es mich ja schon gestimmt, dass Yors "besondere" {"göttliche"} Herkunft wohl in erster Linie an seinen blonden Haaren zu erkennen ist. Aber wenn wir sein Volk am Ende tatsächlich kennenlernen, handelt es bei diesem nicht um irgendwelche "arischen Übermenschen", weshalb man dieses Detail wohl nicht gar zu wichtig nehmen sollte.
Ka-Laa hat sich natürlich vom ersten Moment an in ihren schmucken Retter verliebt. Wobei mir positiv aufgefallen ist, dass Yor bei allem Machogehabe zu keinem Zeitpunkt die semi-gewalttätige sexuelle Aggressivität an den Tag legt, die wir bei so vielen anderen 80er-Jahre-Barbaren beobachten können. Die Beziehung der beiden besitzt zwar ihre fragwürdigen Aspekte, aber wenigstens drängt er sich nie irgendeiner Frau auf. {Was allerdings auch kaum nötig erscheint, da offenbar jede, die ihn erblickt, augenblicklich mit ihm unter die Pelzdecke schlüpfen will.}
Doch die Festesfreuden werden schon bald brutal unterbrochen, als der wilde Ucahn und seine blauhäutigen Höhlenmenschen über das Dorf herfallen und das genregemäße Startgemetzel unter dem friedlichen Völkchen veranstalten. Yor, Ka-Laa und Pang gelingt die Flucht in die Sümpfe, wo sie u.a. einem wirklich coolen Ungeheuer einer Art Kreuzung aus Krokodil, Riesenbreitmaulfrosch und Tentakel-Monster begegnen, das von Ka-Laa mit einem Wurfdolch ins Auge erledigt wird. Die große Queste hat begonnen. In einem weiteren Scharmützel mit den Blauhäutigen stellt Pang zum ersten Mal seine Künste als Bogenschütze unter Beweis, während der findige Yor einen toten Pterodactylus als Fluggleiter benutzt!
Schließlich überqueren die drei das Gebirge und gelangen in das gefürchtete "Land der Toten", wo das Wüstenvolk hausen soll. Dort trifft Yor tatsächlich auf die blonde Roah (Aysche Gul), die jedoch über keine wirklich hilfreichen Informationen verfügt. Immerhin sind in die Eiswand ihres Tempels einige Leichen eingeschlossen, bei denen es sich gleichfalls um "Götter vom Himmel" handeln soll, was dem Geheimnis zumindest ein hübsch atmosphärisches neues Detail hinzufügt.
Leider wird die gute Roah aber auch zum Auslöser für das wohl ärgerlichste Element des ganzen Films. Nachdem Yor in ihr endlich eine Angehörige seines eigenen Volkes gefunden hat, verliebt er sich natürlich prompt leidenschaftlich in sie. Dass Ka-Laa darauf mit wütender Eifersucht reagiert, ist vielleicht nicht ganz unverständlich, aber leider wird dies im weiteren Verlauf zu ihrem wichtigsten Charakterzug, was denn doch etwas irritiert. Da eine Ménage à trois im Drehbuch nicht vorgesehen war, muss Roah schon bald das Zeitliche segnen. Und weil für ein weiteres cooles Urzeitmonster vermutlich das Budget fehlte {zwischendurch mussten sogar mal ein paar simple Vogelspinnen als "fürchterliche Bedrohung" herhalten}, werden zu diesem Zweck rasch noch einmal Ucahn und seine Höhlenmenschen aus dem Hut gezaubert.
Als unser Trio dann endlich den Strand des Großen Meeres erreicht, darf Yor seine anfängliche Heldentat noch einmal wiederholen und ein paar Mädchen vor einem Dimetrodon retten, was dann leider auch der endgültig letzte Auftritt eines animatronischen Dinos ist. 
Freilich befinden wir uns inzwischen auch schon in der zweiten Hälfte der dritten Episode, und so wird es langsam Zeit, das SciFi-Element ein bisschen in den Vordergrund zu rücken. Und so wird denn nach einer reichlich bizarren Hochzeitszeremonie, bei der Yor und Ka-Laa sich ewige Liebe schwören, das friedvolle Fischerdorf flugs von einem Raumgleiter angegriffen und mit Laserkanonen in Schutt und Asche gelegt.
Unsere aufrechten Drei machen sich daraufhin mit einem kaum seetüchtig zu nennenden Boot auf zu einer sagen- und nebelumwobenen Insel, die die Antwort auf alle Fragen um Yors Herkunft und die offenbar wenig freundlichen "Götter" zu beherbergen verspricht. Dort begegnen sie mörderischen Androiden, einer Mixtur aus futuristischen Kulissen und mittelalterlichen Gewölben, einem Dunklen Herrscher im Kapuzenmantel und einer Schar mutiger Rebellen. Wir Zuschauerinnen & Zuschauer bekommen außerdem ein paar Predigten über die Gefahr von menschlicher Machtgier und technischem Fortschritt gehalten. Immerhin klingt das Ganze dann doch noch auf einer relativ humanistischen Botschaft aus.

Yor wird es sicher nie gelingen, meinen absoluten Favoriten unter den italienischen Barbarenflicks Joe D'Amatos Ator (1983) vom Thron zu stoßen. Aber er stellt ohne Zweifel einen angenehm trashigen und unterhaltsamen Beitrag zum Genre dar. Da er ursprünglich ja eine TV-Serie war, enthält er keinerlei Gore oder Sexploitation-Elemente, aber das ist ja auch mal eine nette Abwechselung. Wenn es mich nach so was verlangt, schau ich mir dann halt einfach mal wieder Lucio Fulcis wunderbar bizarres Sword & Sorcery - Opus Conquest (1983) an. 
In seiner TV-Inkarnation enthält die Saga vom "Jäger aus der Zukunft" erwartungsgemäß einige Passagen, die keine andere Funktion besitzen, als Zeit zu schinden. So wandert unser Trio z.B. am Anfang der zweiten Episode knapp zehn Minuten durch die {zugegebenermaßen sehr hübsche} Landschaft, ohne dass irgendetwas passieren würde, wenn man von der ab und an dramatisch anschwellenden Musik einmal absieht. {Apropos, John Scotts Soundtrack ist mitunter recht interessant und eigenwillig.} Das ist ohne Zweifel öde, aber einige andere vergleichbare Passagen besaßen für mich ihren ganz eigenen Charme. In ihnen bekommen wir nämlich u.a. zu sehen wie Pag Pilze sammelt, Fische jagt oder ein Lagerfeuer in Gang bringt. Solche Szenen, die verdeutlichen, dass unsere Helden auf ihrer Queste ja auch was futtern müssen und andere alltägliche Bedürfnisse haben, die befriedigt werden wollen, "erden" die Story auf sympathische Weise. Und nicht zufällig ist es der schon leicht ergraute Jäger, der meistens diese Aufgaben übernimmt. Er ist für mich der wahre Held von Yor. Praktisch veranlagt, angenehm entspannt, nicht ohne Humor, und wenn's drauf ankommt mutig und kompetent. Ich würde behaupten, dass er alles in allem unserem blonden Heroen häufiger den Arsch rettet als umgekehrt.   

Mittwoch, 10. Mai 2017

Expeditionen ins Reich der Eighties-Barbaren (XVII): "Thor Il Conquistatore"

Es ist über anderthalb Jahre her, seit unsere abenteuerliche Queste durch die wüste und wunderliche Welt des Sword & Sorcery - Films der 80er Jahre mit Franco Prosperis Gunan Il Guerriero (1983) ihr ungeplantes und vorzeitiges Ende fand. 
Nun stecke ich schon seit einiger Zeit in einer besonders bedrückenden und quälenden depressiven Phase, und da dachte ich mir, ein erneuter Abstecher in das verrückte Reich des Barbarenkinos könnte mir wenigstens anderthalb Stunden amüsanter Ablenkung verschaffen. Es sollte anders kommen, denn unglücklicherweise fiel meine Wahl dabei auf Tonino Riccis Thor Il Conquistatore (1983).

Die deutschsprachige Wikipedia behauptet, bei dem Flick handele es sich "nach Ansicht vieler Kritiker um den schlechtesten Beitrag zum Genre des Barbarenfilms". Diesem Urteil kann ich mich zwar nicht voll anschließen, doch ist er ganz ohne Frage der abstoßenbdste Vertreter seiner Gattung, den ich bislang unter die Augen bekommen habe. Und das will nach solchen Monstrositäten wie Deathstalker (1983), Deathstalker and the Warriors from Hell (1988) und Sorceress (1982) einiges heißen. Doch wie unappetitlich diese Streifen in mancherlei Hinsicht auch sein mögen, keiner von ihnen verherrlicht ganz offen Vergewaltigung. So weit wäre Roger Corman selbst in seinen schmierigsten Fantasyproduktionen nicht gegangen. Tonino Ricci hingegen waren derlei Skrupel offenbar fremd.

Nachdem ich anderthalb Stunden meines Lebens durch sein übles Machwerk verschwendet hatte, fühlte ich mich nicht dazu getrieben, die Karriere des 1927 in Rom geborenen Filmemachers, der seine Flicks für gewöhnlich unter dem Pseudonym Anthony Richmond veröffentlichte, genauer zu erforschen. Es sei nur soviel gesagt, dass Ricci als Regieassistent zwar unter solchen Titanen des italienischen Genrefilms wie Mario Bava und Lucio Fulci gearbeitet hat, selbst jedoch nie über den Status eines Low Budget - Hacks hinausgelangte.

Ich will nicht leugnen, dass die Eröffnungssequenz von Thor Il Conquistatore durchaus vielversprechend auf mich gewirkt hat: Zu extrem dramatischer Musik marschieren auf wenig dramatische Weise drei Gestalten durch ein grünes Hügelland. Eine ominöse Stimme aus dem Off verkündet uns in wundervoll pathetischen Worten, dass wir alsbald der Geburt von Thor the Conqueror, Sprössling von Gant the Annihilator, beiwohnen werden, der dazu ausersehen ist, der größte Häuptling der Welt zu werden. Die kleine Gruppe, bei der es sich um Gant, seine Frau und den Zauberer Etna (Luigi Mezzanotte) -- der zugleich der Erzähler der Geschichte ist -- handelt, erreicht eine Waldlichtung, auf der einige "heilige Steine" herumstehen, die von "mystischen Symbolen" geziert werden, die an die Kritzeleien eines besonders fantasielosen Kindes erinnern. Erstmals dürfen wir die grandios riesigen Shoulder Pads des Zauberers und die ebenso grandios riesige Parierstange von Gants Schwert bewundern. Thors Mutter zieht sich in die Büsche zurück, um ihr auserwähltes Kind zu gebären. Kaum hat Klein-Thor das Licht der Welt erblickt, zerstören der böse Bogenschütze Gnut (Raf Baldassarre) und seine Mannen auch schon das Idyll. Wie zu erwarten, werden die Eltern unseres Helden abgemetzelt, derweil sich Etna mit dem Baby auf magische Weise aus dem Staub macht. Gants Schwert verwandelt sich in eine Schlange und sucht gleichfalls das Weite.

Soweit war das alles ganz wunderbarer Fantasy - Schlock. Doch es sollte nicht mehr  lange dauern, und der Streifen würde erstmals sein wahres Gesicht zeigen. 

Zwanzig Jahre später: Unter Etnas Obhut ist Thor zu einem muskulösen Krieger im Lendenschurz (Bruno Minniti) herangewachsen, der mit einem Stich seines Speers gleich drei Fische aufzuspießen versteht. Selbige werden roh verzehrt. Unser Held und sein Ziehvater {der nebenbei bemerkt die meiste Zeit des Tages in Gestalt einer Eule zu verbringen scheint} haben ihr barbarisches Mahl noch nicht ganz beendet, da taucht auch schon ein Trupp Kannibalen in der Nachbarschaft auf. Die üblen Gesellen führen zwei Gefangene mit sich -- einen Mann und eine Frau. Ersterer wird rasch getötet. Doch während die hungrigen Kerle herzhafte Bisse aus dem Arm des Unglücklichen nehmen, erwacht in Thor urplötzlich der Heroengeist. Oder vielleicht will er sich auch bloß dafür revanchieren, dass die Burschen seine eigene Mahlzeit gestört haben. Wie dem auch sei, jedenfalls hat er die armen Menschenfresser schon bald über den Jordan geschickt und kann sich stattdessen dem "Weibchen" ("Female") widmen. 
Während Etna einen Monolog über die Tugenden sexueller Gewalt -- "Play with her. What else is she good for? ... Have your way with her. Take her. She is yours ... Don't treat the woman so gently." -- und die göttergegebene Geschlechterordnung -- "The female is stupid ... The female has to obey her master ... She must fulfill you and bear the fruit that is called children" -- hält, beginnt unser Muskelmann die von ihm "Befreite" mit all der Grazie eines unerfahrenen Teenagers zu betatschen. Aber schließlich ist er Thor der Eroberer, und so geht diese nur gar zu willig auf seine ungeschickten Annäherungsversuche ein. 
Am nächsten Morgen wird sie von einem zufällig in die Höhle gestolperten Kannibalenkrieger getötet, was jedoch kein großer Verlust ist, hat sie doch ihre Aufgabe erfüllt. Denn nun nachdem Thor zum ersten Mal einen Mann erschlagen und eine Frau gevögelt hat, ist es an der Zeit, dass er hinauszieht und seine Bestimmung erfüllt. So sieht das jedenfalls Etna.

Ich denke, man wird verstehen können, warum mir an dieser Stelle erste ernsthafte Zweifel daran kamen, dass es eine kluge Wahl gewesen sei, den Abend mit diesem Flick einzuläuten. Nur die vage Hoffnung, im weiteren Verlauf der Handlung werde Thor schließlich zu der Erkenntnis gelangen, dass sein Ziehvater ein perverser alter Chauvi ist, ließ mich mein fehlgeleitetes Abenteuer fortsetzen. 
Und tatsächlich kehrte der Film erst einmal in unterhaltsam trashige B-Movie - Gefilde zurück. Nach einem denkbar inkompetent choreographierten Kampf gegen einen axtschwingenden Pseudo-Ork wird der gute Thor des nachts von beunruhigenden Visionen gequält, die die Gestalt bizarrer Masken und einer drittklassigen Geisterbahn entflohener Skelette annehmen. Sollte dies das Werk der bösen Hexe sein, die Etna in einem seiner Kommentare erwähnt hatte? {Die Antwort ist nein.} 
Doch dann betritt unser "Held" das Reich der "Kriegerjungfrauen". Kaum war dieses Wort gefallen, da schwante mir auch schon übles. Doch es sollte so viel übler kommen, als ich mir selbst in meinen traurigsten Fantasien hätte vorstellen können ..
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Dass die Helme der drei Amazonen, mit denen es Thor alsbald zu tun bekommt, aussehen wie zweckentfremdete Körbe, entlockten mir zuerst ein kurzes Kichern. Doch das Lachen sollte mir schon bald gründlichst vergehen. Zwei der Kriegerinnen finden rasch den Tod. Die dritte wird von unserem "Helden" erst entwaffnet, dann vergewaltigt.
Anders als im Fall der namenlosen Gefangenen versucht der Film hier nicht, den Akt sexueller Gewalt irgendwie zu beschönigen. Ina (Mari Romano) wird nicht von Thors "rauer Männlichkeit" überwältigt und gibt sich ihm hilflos hin {was übel genug wäre}, sie wird ohne Frage vergewaltigt. Die Szene schließt mit ihren angsterfüllten Schreien.

An diesem Punkt überkam mich physische Übelkeit. Ich hatte mir ein bisschen eskapistischen Schlock-Spaß erhofft, und stattdessen das. Ich stoppte den Film. Warum sollte ich mich weiter mit solch widerlichem Mist herumquälen? Doch schließlich entschied ich mich dazu, die zweite Hälfte von Riccis erbärmlichem Sword & Sorcery - Machwerk zumindest oberflächlich und unter intensiver Nutzung der "Fast Forward" - Taste in Augenschein zu nehmen. Und soviel sei gesagt: Es wird nicht wirklich besser. Ina verwandelt sich schon bald in Thors unterwürfiges "Weibchen", das jedem Befehl ihres "Herrn" gehorcht, wenn sie nicht gerade in stummer Verehrung neben ihrem Vergewaltiger auf dem Boden kniet. Der Krieger selbst schwingt sich zum Herrscher über ein Volk "verweichlichter" Männer auf und bekommt als Anzahlung für seine königlichen Dienste von diesem eine blonde Jungfrau ins Bett gelegt. {Was Ina übrigens völlig okay findet.} Der böse Gnut kreuzt wieder auf und wird nach einigem sinnlosen Hin und Her von unserem "Helden" abgemurkst. Ina gebärt Thor einen Sohn. Das Ende -- unterlegt mit erneutem pathetischem Gelaber von Etna, dessen größter Beitrag zum "glücklichen" Ausgang der Geschichte im Herbeizaubern eines Pferdes besteht.

Was bleibt mir zu sagen? Thor Il Conquistatore ist trotz einiger wundervoll trashiger Momente ein zutiefst abstoßendes Machwerk. Ich gehe davon aus, dass Drehbuchautor Tito Carpi seine Kenntnis der Sword & Sorcery in erster Linie aus John Normans Gor - Büchern bezogen hat. Oder vielleicht war er bloß ein ebenso sexistischer und untalentierter Schreiberling wie der olle Norman. Was mich unglücklicherweise daran erinnert, dass ich im Laufe dieser Serie irgendwann auch Fritz Kierschs Gor-Adaption aus dem Jahre 1987 werde besprechen müssen. May God have mercy on our souls!

Freitag, 14. August 2015

Expeditionen ins Reich der Eighties-Barbaren (XVI): "Gunan Il Guerriero"

Als uns unsere langwierige Queste durch die Welt des Sword & Sorcery - Films der 80er vor einem halben Jahr erstmals nach Italien führte, hatte ich ursprünglich geplant, nach Il trono di fuoco / Throne of Fire (1983) auch Gunan Il Guerriero (1982) einen Besuch abzustatten, denn nicht nur stammen die beiden von demselben Regisseur – Franco Prosperi –, Gunan gebührt zudem der zweifelhafte Ruhm, Italiens erster Eintrag in die Annalen des Barbarenkinos der Eighties zu sein. Doch leider war die einzige Version des Films, derer ich damals habhaft werden konnte, eine ungarische Fassung. Vor kurzem nun ist es mir gelungen, eine deutsche Synchro aufzutreiben – auch nicht unbedingt das, was ich mir gewünscht hätte,  aber doch Anlass genug, um in die italienische Provinz von Filmfantasyland zurückzukehren.

{hier kann man sich einen deutschen Trailer für den Film anschauen, der unverschämterweise mit
Basil Poledouris' grandioser Conan-Musik unterlegt ist, was ich denn doch etwas zu dreist fand.}

Im April 1982 war Conan the Barbarian in einer Reihe von europäischen Ländern – u.a. Frankreich, Großbritannien & Spanien angelaufen, bevor er am 14. Mai seine US-Premiere erlebte. Die italienischen Grindhouse - Studios zögerten nicht lange und machten sich alsbald daran, ihre eigenen Barabarenstreifen zu produzieren. Die Nase vorn hatte dabei die Firma Leader Films, dicht gefolgt von Joe D'Amatos Filmirage. Ihr gelang es, einen Tag vor Conan und einen Monat vor Ator mit Gunan einen eigenen "unbezwingbaren Barbaren" auf Italiens Kinopublikum loszulassen. Und so nahm die Ära der Sword & Sorcery im italienischen B-Movie leider einen alles andere als furiosen Auftakt.

Was mich an Franco Prosperi, den man übrigens nicht mit dem Mondo-Macher desselben Namens verwechseln darf, vielleicht am meisten verwundert, ist, dass er seine Karriere an der Seite des großen Mario Bava begonnen hatte. IMDB zufolge war er Co-Regisseur bei Ercole al centro della Terra / Hercules in the Haunted World (1961) – den ich hier besprochen habe , und fungierte sowohl bei Gli invasori / Erik the Conqueror (1961) als auch bei La ragazza che sapeva troppo / The Girl Who Knew Too Much (1963) als Regieassistent. Zugegebernmaßen kenne ich nur die beiden Fantasyflicks, mit denen er seine Laufbahn beendete, doch bei denen kam mir mehr als einmal die Frage in den Kopf: Wie konnte jemand, der mehrmals die Gelegenheit dazu hatte, sehr eng mit einem echten Meister der Filmkunst zusammenzuarbeiten, dabei scheinbar so gar nichts lernen? Sicher, Gunan und Throne of Fire wurden vermutlich beide in ein paar Tagen runtergedreht, aber selbst in Bavas billigsten und am hastigsten produzierten Streifen spürt man etwas vom ästhteischen Feingefühl des großen Maestros. Prosperis Flicks hingegen sind nicht bloß billig und hanebüchen das versteht sich beinah von selbst , sie sind vor allem öde, charakterlos, ohne einen Funken von Lebendigkeit oder Atmosphäre, und wirken darüber hinaus auch noch schrecklich inkompetent gemacht.

Ich tendiere dazu, Gunan Il Guerriero zum miesesten Sword & Sorcery - Streifen zu erklären, den ich bisher gesehen habe. Ich weiß, eine gewagte Behauptung angesichts solch cineastischer Monstrosiäten wie Sorceress, Deathstalker, Throne of Fire oder Deathstalker and the Warriors from Hell. Lasst mich das deshalb etwas genauer erklären. Anders als so manch andere Etappe auf unserer barbarischen Expedition hat mich Gunan zu keinem Zeitpunkt richtig wütend gemacht. Auch enthält er wenig bis gar nichts, was einen irgendwie abstoßen könnte. {Jedenfalls nichts, was über das Standard-Exploitationmaß hinausgeht.} Was er bei mir auslöste, war etwas ganz anderes und letztlich viel unverzeihlicheres – das ununterdrückbare Verlangen, alle paar Minuten auf die Zeitanzeige zu schauen, um herauszufinden, wie lange sich dieses klägliche Schauspiel noch hinziehen würde. Anders ausgedrückt: Statt wütenden Schreien provozierte Gunan vor allem qualvolles Stöhnen – sehr sehr viel qualvolles Stöhnen.
   
Schon Throne of Fire war ein erschreckend langweiliges Erlebnis gewesen, aber da hatten wenigstens noch einige seltsame filmerische Eigenheiten meine Aufmerksamkeit wach gehalten. Prosperis erster Fantasyfilm ist so öde, dass es mir schwerfällt, überhaupt etwas über ihn zu schreiben. Dabei ist der Plot gar nicht einmal ganz so redundanat wie bei Throne of Fire:

Die Völker von Filmfantasyland warten auf einen Erlöser-Krieger, doch dummerweise bringt die für diese Aufgabe auserwählte Frau Zwillinge zur Welt. Wie es sich gehört werden die Eltern der beiden mitsamt ihrem Stamm noch in derselben Nacht von den wilden Horden des schnauzbärtigen Bösewichts Nuriak (Emilio Messina) abgemetzelt. Die Neugeborenen entkommen selbstverständlich dem Massaker und werden von einer alten Hebamme zum Amazonenvolk der Kuniat gebracht, in deren Obhut sie aufwachsen. Da das von den Sternen diktierte Schicksal nicht vorgesehen hat, zwei unbesiegbare Heroen auf die Welt loszulassen, entwickelt sich notwendigerweise eine heftige Konkurrenz zwischen den beiden Brüdern. Schließlich kann nur einer von ihnen "Gunan der Unbezwingbare" sein, das "Zeichen der Macht" tragen und das Schwert des Auserwählten schwingen. Ein von den Kuniat organisierter Wettbewerb soll die Sache klären, doch der unterlegene Bruder (Giovanni Cianfriglia) klaut ganz einfach das "Zeichen" und macht sich auf, seine Eltern zu rächen. Es dauert nicht lang, und Nuriak hat ihn einen Kopf kürzer gemacht. Held Gunan (Pietro Torrisi) stellt sich beim ersten Versuch, sein Schicksal zu erfüllen, auch nicht viel geschickter an und findet sich alsbald wieder schwerverbundet bei den Kuniat ein. Während deren Priesterin Marga (Malisa Longo) ihn gesund pflegt, verguckt sich der Krieger in die hübsche Lenni (Sabrina Siani) – eine der Sklavinnen der Kuniat, deren einzige Aufgabe darin besteht, geschwängert zu werden und die nächste Amazonengeneration zu gebären. Die eifersüchtige Marga schnappt sich daraufhin das Mädchen und bringt es zu Nuriak, der Lenni als Köder verwendet, wodurch wir vor dem obligatorischen Endkampf noch in den Genuss einer kleinen und wenig spektakulären Foltereinlage kommen. Und dann ist Schluss.

Eine weitgehend archetypische Story für einen Sword & Sorcery - Film, auch wenn Drehbuchautor Piero Regnoli scheinbar nicht ganz sicher war, ob sein Held jetzt eher dem Typus "Rächer" oder dem Typus "Auserwählter" entsprechen sollte. Aber der Mangel an Originalität ist überhaupt nicht das Problem. Wie wir in einer kommenden Episode unserer barbarischen Expeditionen anhand von Joe D'Amtos Ator sehen werden, kann eine solch generische Geschichte die Grundlage für ein höchst unterhaltsames Schlockfest abgeben. Eines der Probleme von Gunan besteht ironischerweise gerade in all dem, was von der Geradlinigkeit der Story abweicht.  
So hätte z.B. das Motiv der zwei Brüder, die beide gerne der Auserwählte wären, im Prinzip ganz interessant sein können. Doch in Prosperis Film führt es bloß zu einer unnötigen Verzögerung. Der Wettkampf der Zwillinge dauert eine gefühlte Ewigkeit und erfüllt keinen erzählerischen Zweck, da der Unterlegene fünf Minuten später bereits das Zeitliche segnet. Dass Gunan mit dem Mord an seinem Bruder einen Grund mehr hat, um Nuriak zu hassen, ist kaum ausreichend, um das endlose Rumgeprügel und Rumgerenne zu legitimieren. 
Genauso sinnlos erscheint der Subplot um Gunan, Marga und Lenni. Sicher, gemäß den Regeln der generischen Fantasy braucht unser Held ein "love interest". Und dass Prosperi offenbar dachte, ein paar Szenen, in denen Sabrina Siani halbnackt durch die Wälder rennt, könnten seinem Film nicht schaden, kam man ihm im Grunde auch nicht zum Vorwurf machen. Doch wozu die ganze Eifersuchtsgeschichte? Gunan wäre so oder so erneut losgezogen, um seinen Racheschwur zu erfüllen. Eines Köders hätte es dazu nicht bedurft. 
Alle diese Abschweifungen scheinen letztlich nur einen Zweck zu haben: Zeit zu schinden. Denn alles in allem ist Gunan ein ähnlich plotloser Film wie Throne of Fire. Und so verstärken sie bloß die enervierende Zähigkeit der Story.  Erschwerend hinzu kommt noch Franco Prosperis irritierende Vorliebe für Zeitlupen, die mir bereits bei Throne of Fire aufgefallen war, hier jedoch ganz neue Dimensionen erreicht. Das Ganze wirkt so, als habe der Regisseur visuell verdeutlichen wollen, wie unbeschreiblich langweilig sein Streifen ist. 
Dass es sich bei Nuriak um den uninteressantesten Fantasyfilmbösewicht handelt, der mir bislang untergekommen ist, hilft auch nicht gerade. Kein Hexer, finsterer Hohepriester oder Dämonenbündler, sondern bestenfalls eine ultrabillige Version von Attila dem Hunnen. Braucht es wirklich einen waschechten "Auserwählten", um ihn und seine Rotte von in Höhlen hausenden Totschlägern zu erledigen? Zumal die Amazonen über magische Schilde verfügen, die sie allem Anschein nach unbesiegbar machen
Diese Schilde sind übrigens noch aus einem ganz anderen Grund problematisch. Relativ früh im Film sagt Marga einmal, die Kuniat seien die einzigen, die die Kunst der Eisenverarbeitung beherrschten. {Ein Schelm wer da an "The Secret of Steel" aus Conan denkt.} Doch das besondere an ihren Schilden ist gar nicht, dass sie aus Metall bestehen, vielmehr scheint ihr Funkeln jeden Gegner {inklusive Gunan} auf wundersame Weise wehrlos zu machen. Auf unterschwellige Art scheint damit gesagt zu werden, dass Frauen nur mit Hilfe magischer Tricks gegen Männer bestehen können. Keine besonders sympathische Botschaft. Außerdem: Wenn außer den Kuniat niemand Eisen zu bearbeiten versteht, woher haben Nuriak und seine Gefolgsleute dann ihre Schwerter? Zugegeben: Die überdimensionierten Dinger sehen aus als beständen sie aus Holz, aber der Eindruck wird doch kaum beabsichtigt gewesen sein?

Ich glaube, viel mehr gibt es zu diesem Streifen nicht zu sagen. Allerdings werde ich das nächste Mal, wenn wir unseren langen Marsch durch Joe D'Amatos Ator - Reihe beginnen, vermutlich noch das eine oder andere Mal auf ihn zurückkommen.