"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Mittwoch, 19. Januar 2022

Ein kurzer Blick zurück

Heute vor zehn Jahren habe ich zum ersten Mal einen Post auf diesem Blog veröffentlicht. Anlass genug für einen kleinen persönlichen Rückblick.

Als ich "Skalpell & Katzenklaue" einrichtete, befand ich mich in einer psychisch denkbar düsteren Lage. Entwicklungen jenseits meiner Kontrolle hatten dazu geführt, dass ich quasi über Nacht aus meinem bisherigen sozialen Umfeld herausgerissen worden war. Alle Fortschritte, die ich in der Zeit davor im Ringen mit dem Schwarzen Hund der Depression gemacht hatte, schienen zunichte. Die letzten übriggebliebenen sozialen Kontakte waren gekappt.

In gewisser Weise diente mir der Blog dazu, mich selbst neu zu erfinden. Was jetzt nicht heißen soll, er sei bloß eine Art Eigentherapie gewesen. Sein Inhalt entsprang von Beginn an meiner Liebe zur Phantastik, und ich hatte schon länger mit dem Gedanken an ein solches Projekt gespielt. Aber unter den gegebenen Umständen gewann er doch eine zusätzliche Bedeutung.

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich nicht die geringste Ahnung von der deutschen Phantastik-Szene oder dem was in ihr vorging. Ich war nie Teil derselben gewesen und meine einzige, lockere Verbindung zu ihr bestand im Forum der Bibliotheka Phantastika. Ich machte mir deshalb auch keine großen Gedanken darüber, wer meine Beiträge eigentlich lesen würde. Natürlich freute es mich, zu erfahren, dass es tatsächlich ein paar Leute gab, die mein Geschreibsel gut fanden. Ich bin nicht frei von Eitelkeit. Aber es beeinflusste kaum den Inhalt meiner Beiträge. Ich hatte kein Konzept für den Blog, sondern schrieb im Grunde einfach über das, was mich zu dem gegebenen Zeitpunkt gerade selbst interessierte.*
 
Daran hat sich bis heute nichts grundlegendes geändert. Mein Kontakt zur Phantastik-Szene hat sich über die Jahre zwar deutlich verstärkt und ich habe dabei eine ganze Reihe sehr lieber und mir wichtiger Menschen kennengelernt. Doch als Teil einer Community fühle ich mich eigentlich auch weiterhin nicht so richtig. Dementsprechend wird der Inhalt des Blogs nachwievor in erster Linie von dem bestimmt, was ich selbst spannend finde. Auch wenn das sicher kaum je mit dem zusammenfällt, was in der Szene gerade en vogue ist.
 
Insbesondere in den letzten vier Jahren hat die Anzahl der Beiträge stark abgenommen. Das hat mehrere Gründe. Zum einen lässt mir das Real Life einfach nicht mehr so viel Muße und Energie, um hier jede Woche etwas posten zu können. Inzwischen bin ich ja schon froh, wenn ich es mal schaffe, zwei Beiträge in einem Monat hinzukriegen. (Die Strandgut-Linklisten zähle ich nicht mit). Andererseits habe ich vor allem in der Frühzeit des Blogs hier immer mal wieder auch (meist missmutige) Kommentare zu irgendwelchen PopCulture- und Genre-News abgegeben. An so etwas habe ich kein Interesse mehr. Inhaltlich hat sich der Fokus von den filmischen Themen wegbewegt, die in den ersten Jahren deutlich dominierten. Im Rückblick war mein erster "Let Me Tell You Of The Days Of High Adventure" - Beitrag im Oktober 2018 sicher eine Art Wende. Ohne dass ich das geplant hätte, übernahm die Sword & Sorcery einen immer größéren Teil des Blogs. Damit habe ich mir in den letzten drei Jahren wohl eine Art Nische geschaffen. Aber ob sich der Fokus nicht irgendwann auch wieder verschieben wird, muss ungewiss bleiben.
 
Was die Zukunft von "Skalpell & Katzenklaue" angeht, gibt es keine konkreten Pläne. Sicher, ich habe mehr oder minder vage Ideen zu dem einen oder anderen Beitrag, den ich gerne mal schreiben würde, aber immer noch keine größeren Konzepte. Alles in allem werde ich wohl einfach so weiter machen wie bisher. Mal schaun, wohin uns das führen wird.
 
Und so bleibt mir am Ende eigentlich bloß noch, euch allen da draußen, die diesen Blog (ganz gleich ob regelmäßig oder sporadisch) lesen, ein herzliches Dankeschön auszusprechen. 
 
 
 
 
*  Auf Twitter hab' ich in den letzten zwei Wochen einen kleinen Thread angelegt, in dem ich auf ein paar ältere Beiträge verlinke, die mir auch heute noch ganz gut gefallen.
    

Samstag, 1. Januar 2022

Strandgut