"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Freitag, 26. März 2021

Vom Umgang mit Traditionen

Die Sword & Sorcery hatte in den Augen "linker" Phantastikkritiker nie einen leichten Stand.  In den 80er Jahren gehörte es bei denen hierzulande zum guten Ton, Robert E. Howard und sein Werk als "faschistoid" zu verdammen, und manch einer ging gar soweit, Conan zu einer Verkörperung der nazi-nietzscheanischen "blonden Bestie" zu erklären. (1) Hans Joachim Alpers etwa schrieb damals über ihn:

Conan hat die Söldnermen­talität eines Kongo-Müller und seine Autoren natürlich auch. Wenn Conan anderen hilft, dann nicht aus Edelmut, son­dern aus Kalkül. Was ihn zu seinen Taten treibt, ist einmal das Geld (was ihn mit vielen Helden des Sado-Westerns vereint), zum anderen die Mordlust. Für Geld tut er al­les: er ist der käufliche Hand­langer jedes Herrschers für je­des Ziel, der das Volk unter­drücken hilft und Aufstände niederwirft, wenn er nicht auf eigene Rechnung arbeitet und sengend und mordend durch die Lande zieht, sich abermals mit dem Blut und dem Schweiß der arbeitenden Bevölkerung mästend. (2)

Und diese Art von "Kritik" beschränkte sich nicht allein auf den Cimmerier. So erklärte Joachim Kalka im Vorwort zu seiner 1982 erschienenen Anthologie Die geheime Position der Nordküste: "Fritz Leibers 'Sword-and-Sorcery'-Zyklus um Fafhrd und den Grey Mouser hat die Fantasy stark und nicht besonders glücklich beeinflusst". (3) Und im Vorwort zum 1983 veröffentlichten Goldmann Fantasy Foliant 1 dehnte Herausgeber Peter Wilfert diese "Kritik" auf die gesamte Sword & Sorcery aus, die er unterschiedslos als "Herrenmensch-Helden" - Schund abqualifizierte, deren einziger Zweck im Ausleben von "Macht- und Sexualphantasien" bestehe. Fairerweise sollte man wohl hinzufügen, dass Wilfert dabei u.a. an John Normans Gor - Bücher dachte. Doch die Erwähnung von "Groschenmagazinen" und Formulierungen wie "unterste Schublade des literarischen Geschmacks" machen es wahrscheinlich, dass dabei auch ein Gutteil jener bildungsbürgerlichen Verachtung für die Populärkultur mitschwang, die nicht zuletzt dank Adorno & Co auch unter vermeintlichen "Linken" weit verbreitet war. (4)

Die heutige "linke" Kritik sieht im Allgemeinen etwas anders aus und konzentriert sich in erster Linie auf Sexismus und Rassismus. So erschien z.B. 2012 auf FerretBrain ein ziemlich langer Artikel von Arthur B. mit dem Titel We Need To Talk About Conan, der sämtliche Stories über den Cimmerier auf entsprechende Motive und Szenen durchging. Der Beitrag schloss mit der Erklärung:

I can’t recommend the Conan stories to readers for any reason other than historical interest. [...] Of course we shouldn’t throw Howard down the memory hole, any more than we should throw any author down the memory hole, but we can at least turf him out of the pantheon. Let him, if he hasn’t already, become one of those authors who is more talked about than read, whose influence we recognise and acknowledge but whose work we read for research rather than enjoyment. (5)

Und vor nicht gar zu langer Zeit bin ich einmal über einen Tweet gestolpert, in dem erklärt wurde, kein heute Schreibender könne sich noch mit der Tradition der Sword & Sorcery identifizieren, weil diese so unauflöslich mit Rassismus und Sexismus verknüpft sei.

Wer meinen Blog kennt, wird sich denken können, dass ich mich derartiger "Fundamentalkritik" nicht anschließen kann. Schließlich beschäftige ich mich hier häufiger mit alter Sword & Sorcery, sei es aus den 30er/40er oder den 70er/80er Jahren. Und ich lese diese Stories (auch Howard) nicht allein aus "historischem Interesse". Ebenso klar ist hoffentlich aber auch, dass ich nicht einer unkritischen Herangehensweise an das Genre das Wort reden will. Denn auch wenn ich solch allgemeine Verdammungsurteile für einseitig und undifferenziert halte, enthält die alte S&S selbstverständlich genug reaktionären Ballast, über den man nicht einfach kommentarlos hinwegsehen kann.
 
Eine Art Vorbild für mich ist da der im Mai letzten Jahres verstorbene Charles R. Saunders. Der schwarze Schriftsteller und Journalist, der mit seinen Geschichten um Imaro und Dossouye zum Begründer der Sword & Soul wurde, war einer der ersten gewesen, der Mitte der 70er Jahre in seinem Essay Die, Black Dog! sehr klare Worte über den Rassismus in der traditionellen Heroic Fantasy fand. Dort schrieb er u.a. über die Conan-Stories Shadows in Zamboula und The Vale of Lost Women: "Reading them is like having a front-row seat at a Ku Klux Klan rally." Die Wut über den Rassismus –  sowohl in der realen Welt, als auch in der Fantasyliteratur –  war ein primärer Antrieb bei der Erschaffung seines Helden Imaro. Und dennoch konnte er Conan als "one of the most dynamic and compelling characters ever created" bezeichnen und stets die wichtige Rolle anerkennen, die Vorbilder wie Robert E. Howard und Karl Edward Wagner für ihn gespielt hatten. Er sah sich immer als Teil einer Traditionslinie. 2012 wurde seine Dossouye-Geschichte Gimmile's Song in der von David G. Hartwell & Jacob Weisman herausgegebenen Sword & Sorcery Anthology neu abgedruckt. Der Band war eindeutig als Überblick über eine ebensolche Tradition konzipiert. In ihm fanden sich Stories von "Klassikern" wie Howard, C.L. Moore, Fritz Leiber und Poul Anderson ebenso wie Werke zeitgenössischer Autor*innen wie Caitlín R. Kiernan und Jeffrey Ford. Und Charles Saunders fühlte sich ausgesprochen wohl in dieser Gesellschaft: "To be in an anthology alongside my idols and contemporaries ... it doesn't get much better than that, folks."  

Ich bin in letzter Zeit mehrfach Beiträgen begegnet, in denen insbesondere die Alyx - Geschichten von Joanna Russ und Samuel R. Delanys Nevèrÿon als Beispiele für eine "andere", "gute", "progressive" Sword & Sorcery angeführt wurden. Zuletzt in Episode 32 von Judith Vogts & Lena Richters Podcast Genderswapped. Ich freue mich stets, wenn etwas Aufmerksamkeit auf die beiden gelenkt wird. Und es ist in der Tat sehr ärgerlich, dass es keine aktuelle Gesamtausgabe der Alyx - Geschichten gibt und man auf Sammelbände aus den 80er Jahren zurückgreifen muss. Ganz zu schweigen davon, dass der Zyklus in seiner Gänze nie ins Deutsche übersetzt wurde. (6) Ich habe fest vor, beide irgendwann im Rahmen von "Let Me Tell You Of The Days Of High Adventure" etwas ausführlicher zu besprechen. Aber leider habe ich das Gefühl, dass die Werke von Russ und Delany hier als einsame Ausnahmeerscheinungen präsentiert werden, die man dem Gros des Genres entgegegnstellt. Sie werden ausschließlich als Gegenentwürfe, nicht als Teil einer Tradition gesehen. Dabei sind sie in Wirklichkeit natürlich beides. Denn genau das ist die Art, in der sich jedes Genre weiterentwickelt. Schon Fritz Leibers Fafhrd & der Grey Mouser waren ein Gegenentwurf zu Conan gewesen. Dasselbe gilt für Michael Moorcocks Elric. Steven Brust, der mit den Vlad Taltos - Büchern seinen eigenen Beitrag zur Weiterentwicklung der Sword & Sorcery leistete, hat das einmal sehr treffend so ausgedrückt: "Every form of art [...], every sub-form, every genre and sub-genre, develops by contradiction, that is, in dialog with and (to a greater or lesser degree) in opposition to earlier forms." Völlig unverständlich ist mir deshalb auch Judith Vogts Behauptung, Russ und Delany hätten keine Fortsetzung gefunden, hätten im Genre "nicht nachgewirkt". Auf Nevèrÿon mit seinem komplexen philosophischen Unterbau mag das vielleicht zutreffen. Doch von Alyx führt eine sehr klare Entwicklungslinie zu Jessica Amanda Salmonsons Anthologien Amazons! (1979) und Amazons II (1982), weiter zu Marion Zimmer Bradleys Sword & Sorceress - Anthologien der 80er Jahre (7) und weit darüber hinaus. Solche Fehleinschätzungen zementieren im Grunde nur das Klischeebild von der Sword & Sorcery als eines Genres von muskelbepackten Barbaren und leichtbekleideten Damsels-in-Distress. Was ihr wirklich nicht gerecht wird. (8)

Ich jedenfalls bin ganz und gar nicht bereit, die Traditionen der Sword & Sorcery kampflos den Reaktionären zu überlassen. Und das ist keine bloß akademische Frage, denn innerhalb des Fandoms existiert zweifellos ein rechtsextremes Segment. Wie groß dieses ist, sei erst einmal dahingestellt, doch macht es sich von Zeit zu Zeit recht lautstark bemerkbar.

Ich denke da z.B. an Leo Grin, der den seinerzeit sehr anerkannten Blog The Cimmerian leitete, sich 2015 während der großen Puppy - Kriege (9) dann aber als Anhänger des faschistischen Provokateurs Theodore Beale (aka Vox Day) outete und eine ehemalige Mitarbeiterin des zu dieser Zeit bereits nur noch als Archiv fungierenden Blogs, Barbara Barrett, als böse Feministin und SJW rückwirkend exkommunizierte. Was sehr schnell dazu führte, dass die große Mehrheit der Blog-Autoren aus Protest ihre Beiträge gleichfalls aus dem Archiv entfernen ließen. (10) 
Oder um ein aktuelleres Beispiel zu nennnen: Robert M. Price, der neben vielem anderen der literarische Nachlassverwalter von Lin Carter ist. Der versuchte letztes Jahr dessen klassische Anthologie Flashing Swords wiederzubeleben. Nun befindet sich Price schon seit etlichen Jahren auf einem immer steileren Abstieg in den rechten Sumpf. Und so entschied er sich, das Vorwort von Flashing Swords #6 als Plattform für eine wüste Tirade über einige seiner  dementsprechenden Obsessionen zu nutzen: als da wären liberale Verweichlichung, männerhassende Feministinnen und natürlich der "Genderwahn". Wer mag, kann sich Teile davon hier durchlesen. Es stellte sich heraus, dass keiner der in der Anthologie vertretenen Autoren über den Inhalt dieses Vorworts informiert worden war. Umgehend forderten Cliff Biggers, Frank Schildiner, Paul MacNamee und Charles R. Rutledge, dass ihre Stories aus dem Sammelband entfernt werden sollten. Wenig später zog der Verlag Pulp Hero Press das Buch vom Vorverkauf zurück.
 
Das Erfreuliche an beiden Fällen ist sicher, wie rasch und in wie großer Zahl Vertreter*innen der Sword & Sorcery - Gemeinde den Versuch zurückwiesen, "ihr" Genre für eine rechte Agenda zu vereinnahmen. Dennoch wäre es falsch, Leute wie Leo Grin oder Robert M. Price einfach als isolierte Wirrköpfe abzutun. Der beste Beleg dafür ist, dass Flashing Swords #6 im Januar dieses Jahres dann doch noch erschienen ist. Zwar bei einem anderen Verlag und mit einem deutlich veränderten Inhalt, aber immer noch mit Price' Vorwort, das dem offiziellen Statement von Timaios Press zufolge sogar noch um "even more criticism against feminist myths and the many strange ideas flourishing in the feminist community" erweitert wurde. Dass Timaios ein ziemlich rechter Verein ist, der sich den Kampf gegen "Political Correctness" und "Cancel Culture" aufs Banner geschrieben hat, wird sicher niemanden verwundern. Schade allerdings, dass sich genug Autoren gefunden haben, die bei so einem Unternehmen dabei sein wollten. Zwar sagt mir keiner der Namen in der TOC was, aber das heißt nichts.
 
Die radikalen Rechten sind also keine bloßen Fringe-Gestalten in der Sword & Sorcery - Gemeinde. In ihrem Kommentar zur Flashing Swords - Katastrophe schrieb S&S - Autorin Angeline B. Adams im August 2020:
This genre went through a major schism not so many years ago. People made statements, chose sides, left discussion groups, and in some cases ended friendships.
Ich nehme an, diese Spaltung vollzog sich im Zusammenhang mit der Hugokalypse von 2015. Sowohl die Sad als auch die Rabid Puppies spielten sich ja als Verteidiger des glorreichen Pulp-Erbes gegen eine Kamarilla verkopfter und elitärer linker Ideologen auf, die die einst so lebendige und bunte SF&F in eine graue Ödnis politisch korrekter "message fic" verwandelt habe. Dass sich davon auch eine Reihe von Sword & Sorcery - Fans angesprochen fühlten, verwundert mich ehrlich gesagt nicht.  Vor allem unter denen, für die das Genre ausschließlich aus Conan und seinen Look-alikes besteht.
 
Meiner Meinung nach darf sich die Reaktion auf diesen rechten Flügel nicht darauf beschränken, zu erklären, dass er sich zu Unrecht als Verteidiger der Traditionen aufspielt. Es stimmt zwar, dass das Bild, das diese Leutchen von der klassischen Sword & Sorcery haben, genauso verzerrt ist wie der Blödsinn von der "unpolitischen" klassischen Science Fiction, den die Puppies seinerzeit so gerne ins Feld geführt haben. Und es kann z.B. nie schaden, immer mal wieder hervorzuheben, dass am Anfang des Genres eben nicht nur Über-Macho Conan, sondern auch C.L. Moores amazonische Jirel of Joiry stand. Oder dass die S&S der 60er und 70er nicht nur aus Clonans wie Brak oder Kothar bestand. Genau das versuche ich hier ja immer wieder zu tun.
 
Zugleich jedoch sollte man anerkennen, dass gerade Robert E. Howards Conan-Stories eine Reihe von Motiven enthalten, die tatsächlich als Anknüpfungspunkte zur Weltsicht und Mentalität rechter Kreise dienen können. Damit meine ich weniger den Rassismus, der dafür fast schon etwa zu krude wirkt, und mehr die Vorstellungen von "Männlichkeit", den "rugged individualism", die Verachtung für die "dekadente Zivilisation" usw. Selbst einige der eher anarchisch anmutenden Elemente ließen sich durchaus mit einer rechten Weltanschauung verknüpfen. Das gilt in besonderem Maße für die USA, wo es in der radikalen Rechten ja starke "antistaatliche" Strömungen gibt, deren Wurzeln wohl in einer Mischung aus alten Südstaatentraditionen (11), libertärer Ideologie und dem typisch kleinbürgerlichen Misstrauen gegenüber allen "großen" Organisationen liegen.
 
Das anzuerkennen, bedeutet nun aber nicht, dass man die Conan-Stories in alter Manier als "faschistoid" verdammen müsste. Selbst was diese scheinbaren Berührungspunkte angeht, tut die Vereinnahmung der Geschichten durch die extremen Rechten diesen meiner Meinung nach Gewalt an. (12) Aber es zeigt doch, dass man "Klassiker" wie Howard mit einem kritischen Auge lesen sollte. Blind-begeistertes Fanboytum ist unangebracht. Man muss die Stories als das sehen, was sie sind, "warts and all". Kritische Lektüre, Reflexion und Auseinandersetzung. Dies scheint mir der einzig sinnvolle Umgang mit der Tradition zu sein. Und zugleich die beste Antwort sowohl auf die undifferenzierten Verdammungsurteile als auch auf die rechten Vereinnahmungsversuche.  
 
Und zumindest ich habe die Erfahrung gemacht, dass das keineswegs dazu führen muss, dass man keinen Spaß mehr mit den Stories haben kann.  


 

(1) Ja, der Cimmerier ist dunkelhaarig und vom Typ her eher "keltisch" als "nordisch", aber manch Kritiker hat ja auch in Tolkiens schwarzhaarigen Elben "arische Übermenschen" sehen wollen ...

(2) Zit. nach: Zauberspiegel Online.

(3) Zit. nach: Hardy Kettlitz & Christian Hoffmann: Fritz Leiber. Schöpfer dunkler Lande und unrühmlicher Helden. S. 5.

(4) Peter Wilfert (Hg.): Goldmann Fantasy Foliant I. S. 11f.

(5) FerretBrain wurde 2019 eingestellt und die Website existiert nicht länger. Doch der Artikel hat sich glücklicherweise auf dem persönlichen Blog von Arthur B. erhalten.

(6) The Barbarian findet sich aktuell in Lisa Yaszeks Anthologie The Future is Female! (2018) und in Jeff & Ann VanderMeers Big Book of Modern Fantasy (2020) neu abgedruckt. The Adventuress in Paula Gurans Swords Against Darkness (2017). Was deutschsprachige Übersetzungen angeht, wurde der Kurzroman Picnic on Paradise bei Droemer Knaur unter dem Titel Alyx (1983) herausgegeben. Übersetzungen von  I Gave Her Sack and Sherry, The Adventuress und The Second Inquisition erschienen in Band 3 und 7 der Damon Knight's Collection (1972) im Fischerverlag.  

(7) Ich kann es übrigens vollkommen verstehen, wenn man keine von MZB geschriebenen Bücher mehr in die Hand nehmen will. Dafür gibt es gute Gründe, und in diesem Fall empfinde ich sogar ähnlich. Aber das sollte nicht dazu führen, dass man die positive Rolle, die sie als Herausgeberin für die Entwicklung des Genres gespielt hat, unter den Tisch fallen lässt. Das wäre vor allem äußerst unfair gegenüber all den Autor*innen, deren Stories auf den Seiten von Sword & Sorceress erschienen sind.

(8) Dass in der deutschen Rollenspielwelt ein derartiges Bild der Sword & Sorcery -- und damit einhergehend entsprechende Sicht- und Verhaltensweisen --  nach wie vor weit verbreitet sind, will ich freilich gar nicht anzweifeln.   

(9) Für alle, die das Glück hatten, die Puppy-Saga nicht live miterleben zu müssen, hier eine kurze Zusammenfassung: Die Bewegung der "Sad Puppies" nahm ihren Ausgang allem Anschein nach vom verletzten Ego des SciFi - Autors Larry Correia, der fest damit gerechnet hatte, 2011 den John W. Campbell - Award (inzwischen in Astounding umbenannt) zu gewinnen, was ihm nicht vergönnt war. 2013 startete er die erste SP - Kampagne mit dem erklärten Ziel, sich selbst einen Hugo zu bescheren. Er stellte dies als Rebellion des hart arbeitenden Pulp-Autoren gegen ein von versnobten "literati" dominiertes Establishment dar. Die politische Komponente stand dabei noch nicht im Zentrum, war aber bereits vorhanden, denn die "literati" bevorzugten offenbar "heavy handed message fic". 2014 wiederholte Correia seine Aktion. Erneut war der Slogan: "Make literati heads explode". Doch diesmal ging es um mehr als bloß eine besonders aggressive Werbekampagne für seine eigene Nominierung. Correias "Wahlliste" ("Slate") enthielt neben seinem eigenen Roman Warbound u.a. Werke von Brad Torgersen, Sarah Hoyt und Theodore Beale / Vox Day. Die "Sad Puppies" waren dabei, eine Art Sammelbewegung der rechten und konservativen Elemente in der amerikanischen SF&F zu werden. Dass Correia bereit war, dabei ein Bündnis mit dem allgemein verachteten Vox Day einzugehen, ließ tief blicken. Und dass Beale es tatsächlich unter die Finalisten schaffte, war zugleich ein Beleg dafür, dass die Taktik der "Sad Puppies", mittels der Bildung eines Wahlblocks den Hugo zu kapern, Aussicht auf Erfolg hatte. Und so dämmerte schließlich das Jahr der großen Hugokalypse herauf. Unter ihrem neuen Führer Brad Torgersen entwickelten die "Sad Puppies" eine rege Aktivität. Sie wurden dabei zum Sprachrohr für alle rechten Ressentiments, die in Teilen des SFF-Fandoms gegen die angebliche "Dikatur" von "Politisch Korrekten", SJWs, Feministinnen und anderem linken Gelichter existierten. Keine Woche verging, ohne dass nicht irgendwelche Schlammschlachten in den Weiten des englischsprachigen SFF-Internets ausgefochten worden wären. Theodore Beale derweil hatte sich von den SPs abgespalten und seine eigene Bewegung gebildet, die offen faschistischen "Rabid Puppies". Beiden zusammen gelang es tatsächlich, den Hugo mit ihnen genehmen Finalist*innen zu überfluten. Was am Ende dazu führte, dass im August 2015 auf der Worldcon in Spokane/Washington reihenweise "No Awards" verliehen wurden. Der (zweifelhafte) Triumph der "Puppies" war allerdings auch der Beginn ihres Niedergangs. Zumindest als organisierte Bewegung. Ihre Führer & Führerinnen ebenso wie das von ihnen repräsentierte Gedankengut sind natürlich auch weiterhin virulent. Kurz gesagt: Die "Puppies" waren so etwas wie das "Gamergate" der amerikanischen SF&F.       

(10) Für genauere Infos zu dem Cimmerian - Debakel siehe diesen Blogpost von Al Harron. Zu den Autoren, die sich darafhin von dem Blog distanzierten, gehörte auch Howard - Biograph Mark Finn. Der "Sword-and-Sorcery expert Morgan Holmes", dessen "Ehre" Leo Grin damals gegen die bösen SJWs "verteidigte", schreibt bis heute wöchentliche Beiträge für den Blog von Theo Beales Verlag Castalia House.

(11) Ich denke da u.a. an die historische Rolle der "States' Rights" - Doktrin und an das in Zusammenhang mit der "Lost Cause" - Mythologie stehende Bild der "Reconstruction" - Ära als einer Invasion des Südens durch Yankee-Besatzer und Horden räuberischer "Carpetbaggers".

(12)  Als ich vor zweieinhalb Jahren begann, die "Let Me Tell You Of The Days Of High Adventure" - Artikel zu schreiben, erklärte ich gleich zu Anfang, dass ich den Cimmerier dabei erst einmal beiseite lassen würde. Ein Grund dafür war, dass ich den Blick meiner Leser*innen auf einige weniger bekannte Beispiele früher Sword & Sorcery lenken wollte. Aber  ich hatte ehrlich gesagt auch nur wenig Lust, mich an eine eingehendere Auseinandersetzung mit den Conan - Geschichten zu setzen. Nicht weil sie mir in Gänze zuwider wären, sondern weil der Anspruch an mich selbst der gewesen wäre, sie zugleich kritisch, aber auch fair zu behandeln. Denn ganz wie ihr Schöpfer sind sie in meinen Augen vielschichtig und widersprüchlich, enthalten abstoßende, aber auch anziehende Elemente. Um ihnen gerecht zu werden, hätte ich mich erst noch einmal sehr viel intensiver nicht nur mit Leben und Persönlichkeit von Robert E. Howard, sondern auch mit der Geschichte der texanischen Gesellschaft beschäftigen müssen, die ihn formte.  Und in der Zwischenzeit ist auch noch die neue Howard-Biographie Renegades and Rogues von Todd B. Vick erschienen, die ich zuvor erst einmal gelesen haben wollte. Es kann also noch etwas dauern, bis ich mich auf diesem Blog einmal eingehender mit dem Cimmerier beschäftigen werde. Aber irgendwann möchte ich das natürlich schon noch machen.  

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