"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Sonntag, 9. Dezember 2018

Strandgut der Woche

Samstag, 8. Dezember 2018

Let Me Tell You Of The Days Of High Adventure (5)

Henry Kuttners Elak of Atlantis

Im Dezember 1963 erschien bei Pyramid Books die von L. Sprague de Camp herausgegebene Anthologie Swords & Sorcery. Ihr folgten mit The Spell of Seven (1965), The Fantastic Swordsmen (1967) und Warlocks and Warriors (1970) drei weitere Sammelbände, die zusammen mit den ab 1966 bei Lancer Books erscheinenden Neuauflagen von Robert E. Howards Conan-Geschichten (in der von de Camp "überarbeiteten" Form) einen wichtigen Beitrag zur "Wiedergeburt" der Sword & Sorcery leisteten, welche von Ende der 60er bis Anfang der 80er Jahre dann so etwas wie ihr Goldenes Zeitalter erleben sollte. 
Wirft man einmal einen kurzen Blick in diese Anthologie, so stellt man mit Erstaunen fest, dass sie nicht nur Stories von Howard, Fritz Leiber, C.L. Moore, Henry Kuttner, Poul Anderson, Clark Ashton Smith und Lord Dunsany enthält, sondern auch H.P. Lovecrafts The Doom That Came To Sarnath.  Im ersten Beitrag zu dieser Blogpostreihe bin ich ja bereits kurz darauf eingegangen, warum ich Dunsany höchstens unter großen Vorbehalten zu den Vorvätern der Sword & Sorcery zählen würde. Der Gentleman von Providence erscheint mir freilich als ein noch sehr viel fragwürdigerer Kandidat. Am ehesten ließen sich da vielleicht noch einige Passagen aus The Dream-Quest of Unknown Kadath heranziehen, aber alle übrigen Dreamlands - Geschichten scheinen mir dem Subgenre noch ferner zu stehen als die Erzählungen Dunsanys, nach deren Vorbild sie geschaffen wurden.
Doch auch wenn er selbst meiner Ansicht nach keine eigenen literarischen Werke zu dem sich allmählich herausbildenenden  Subgenre beitrug, spielte er doch ohne Frage eine nicht ganz unwichtige Rolle in dessen Frühphase. Praktisch alle bedeutenden Autoren & Autorinnen der jungen Sword & Sorcery gehörten dem Lovecraft-Zirkel an: Neben Howard und Clark Ashton Smith gilt das auch für C.L. Moore, Fritz Leiber und Henry Kuttner. Und so ist es nicht unbedingt erstaunlich, dass sich in deren Fantasystories immer mal wieder Anklänge an den Cthulhu-Mythos finden. Wohlgemerkt werden die Helden & Heldinnen dabei nie direkt mit Gestalten wie Yog-Sothoth oder Nyrlathotep konfrontiert. Ebensowenig blättern sie in verstaubten Bibliotheken in besonders altertümlichen Ausgaben des Necronomicon herum. (1) Die Verbindung äußerst sich mehr in motivischer und atmosphärischer Hinsicht. Nichtsdestoweniger ist sie deutlich erkennbar.

Dass Henry Kuttners Geschichten um Elak of Atlantis dafür ein gutes Beispiel abgeben, überrascht nicht, hatte der Autor seine Karriere doch mit einer Reihe von Lovecraft - Pastiches begonnen.
Nicht dass sich alle seine 1936/37 in Weird Tales, Thrilling Mystery, Thrilling Wonder Stories und Spicy Mystery erschienenen Geschichten dieser Kategorie zuordnen ließen. Die 1995 erschienene, von Robert M. Price zusammengestellte Sammlung seiner Mythos-Stories The Book of Iod enthält gerade einmal elf Titel. Allerdings verraten auch einige andere frühe Werke Kuttners sehr deutlich den Einfluss Lovecrafts. Natürlich habe ich nicht alle von ihnen gelesen, aber sein Debüt The Graveyard Rats zum Beispiel enthält zwar keine direkten Bezüge zum Cthulhu-Mythos, und findet sich deshhalb auch nicht im Book of Iod, ahmt jedoch in Stil wie Inhalt sehr wohl den Gentleman von Providence nach. Zu den bona fide Mythos-Geschichten gehören u.a. The Secret of Kralitz, die sowohl an The Festival als auch an Rats in the Walls erinnert, sowie The Salem Horror, eine Variante auf Dreams in the Witch-House, in der wir zum ersten Mal dem "okkulten Detektiv" Michael Leigh begegnen und die Anklänge an die Gut-Böse-Dichotomie aufweist, welche August Derleth allmählich in den Mythos einzuführen begann. Für unser Thema am interessantesten sind jedoch die beiden kurzen Geschichtchen The Eater of Souls und The Jest of Droom-Avista, in denen Kuttner sich im dunsany'esken Dreamlands-Stil versucht. Vergleichbaren Szenen von andersweltlicher Weirdness werden wir auch in seiner Sword & Sorcery begegnen. In The Jest of Droom-Avista bemüht er sich außerdem, eine an Clark Ashton Smith erinnernde Ironie einfließen zu lassen, allerdings mit eher mäßigem Erfolg.

Henry Kuttner wurde am 7. April 1915 als Sohn eines gleichnamigen Buchhändlers in Los Angeles geboren. Seine Großeltern väterlicherseits waren in den 1850er Jahren aus Posen nach Amerika ausgewandert. Urgroßvater Josua Heschel Kut(t)ner war Rabbiner der Gemeinde von Lissa/Leszno und ein recht bekannter jüdisch-orthodoxer Theologe gewesen. Nach dem frühen Tod des Vaters (1920) war die finanzielle Situation der Familie ziemlich prekär. Der junge Henry begann schon bald in der Literaturagentur seines Onkels Laurence D'Orsay zu jobben. Jahre später sollte er dabei den Verkauf von Leigh Bracketts erster Story Martian Quest an John W. Campbells Astounding Science Fiction vermitteln. Von früh an ein begeisterter Leser von Weird Tales, wurde Kuttner in der zweiten Hälfte der 30er Jahre zu einem festen Mitglied der SFF-Gemeinde Kaliforniens. Er lernte u.a. Pulp-Autor E. Hoffman Price kennen, der als einziger aus dem Lovecraft-Zirkel alle drei Mitglieder des "Triumvirats" (HPL, REH und CAS) in persona getroffen hatte, und der Kuttners ersten Besuch bei Clark Ashton Smith in Auburn organisierte. Zu seinem Freundes- und Bekanntenkreis zählten später neben Brackett, Price und Smith u.a. Forrest J. Ackerman, Ray Bradbury, für den er dessen erste Horrorstory The Candle fertigschrieb, und Richard Matheson, der ihm seinen berühmten Roman I Am Legend widmete. Kuttners Korrespondenz mit Lovecraft war aufgrund von dessen frühem Tod im März 1937 eher kurz, führte aber immerhin dazu, dass er Catherine L. Moore kennenlernte, die der alte Gentleman für eines der größten Talente von Weird Tales hielt. Die beiden heirateten 1940 und begannen zugleich eine äußerst enge schriftstellerische Partnerschaft. Alle Werke von Kuttner und Moore, die nach diesem Termin entstanden sind, dürfen als Gemeinschaftswerke gelten. Sein Debüt als veröffentlichter Autor hatte Henry mit der Märzausgabe 1936 von Weird Tales feiern können.

Wie wir in unserem letzten Beitrag gesehen haben, suchte das "Unique Magazine" nach Robert E. Howards Tod und der postumen Veröffentlichung seiner letzten Conan-Story Red Nails (Juli-Oktober 1936) nach einem Ersatz für den Cimmerier, der sich bei Leserschaft großer Beliebtheit erfreut hatte. Die Sword & Sorcery - Stories des Pulp-Neulings Clifford Ball waren ein erster solcher Versuch gewesen, doch 1938 kam schließlich Henry Kuttner zum Zuge, der stets Spaß daran hatte, sich in unterschiedlichen Genres der Phantastik zu versuchen. In den Ausgaben Mai/Juni erschien Elaks erstes Abenteuer, Thunder in the Dawn.

Die Geschichte beginnt in der atlantischen Hafenstadt Poseidonia und an einem der klassischsten Schauplätze der Sword & Sorcery einer rauchgeschwängerten Taverne voller dubioser und nicht ganz nüchterner Gestalten. Elaks Kumpel Lycon wartet ungeduldig auf das Erscheinen seines Freundes, der an diesem Abend ein Stelldichein mit Velia, der Ehefrau von Herzog Granicor, hat. Es dauert nicht lange und schon stecken wir mitten in einer zünftigen Kneipenschlägerei, an der neben Lycon ein baumlanger Wikinger, der gerade rechtzeitig eingetroffene Elak, eine geflügelte Schlange und der Druide Dalan beteiligt sind. Nach einer ersten recht eindrucksvollen Demonstration druidischer Feuermagie, machen sich Lycon und Elak zusammen mit Dalan schnellst möglich aus dem Staub. Wir erfahren, dass Elak kein gewöhnlicher Söldner und Glücksritter ist, sondern ein Prinz aus dem nordatlantischen Reich Cyrena, der ein Leben im Exil wählte, nachdem er seinen Adoptivvater unter {scheinbar ehrenhaften} Umständen erschlagen hatte. Dalan bittet ihn nun, in seine Heimat zurückzukehren. Der böse Zauberer Elf hat mit Hilfe seiner übserseeischen Wikingerverbündeten die Macht an sich gerissen und Elaks Bruder Orander gefangen gesetzt. Nur der "verlorene Prinz" sei in der Lage, die zerstrittenen Feudalherren zu einen und in einen Aufstand gegen den Magier zu führen. Vor dem Aufbruch aus Poseidonia will Elak sich allerdings noch von Velia verabschieden, die es ihm wirklich angetan hat. Unglücklicherweise kommt es dabei zu einer recht unfreundlichen Konfrontation mit ihrem herzöglichen Gemahl..Velia, die dem Leben als Ehesklavin eines ihr verhassten Mannes ohnehin zu entfliehen wünscht, schließt sich unserem Trio an, und schon bald befinden sich die vier auf einer Galeere, die über den zentralen Fluss von Atlantis Richtung Norden fährt, verfolgt von dem wütenden Granicor und bedroht von Elfs finsterer Magie.
Henry Kuttner war offenbar nicht daran interessiert, einen simplen Conan-Klon im Stile von Clifford Balls Duard the Accursed zu kreieren. Sein Elak ist kein grimmiger Barbar, der voller Verachtung durch die Städte einer dekadenten Zivilisation streift. Sein Außenseitertum ist von anderer Art. Selbst ein Spross der feudalen Aristokratie von Atlantis hat er deren Kreise aus persönlichen {wenn auch nie genau definierten} Gründen verlassen, um stattdessen das Leben eines vagabundierenden Glücksritters zu führen. Bezeichnenderweise ist seine bevorzugte Waffe kein mächtiger Bihänder, sondern ein eher zierliches Rapier. Freilich bleibt seine Charakterisierung insgesamt ziemlich blass, was sich leider auch in den weiteren drei Geschichten nicht groß ändern wird.
Dasselbe gilt auch für Lycon. Die Beziehung zwischen den beiden ist keine von ebenbürtigen Gefährten, wie wir sie bei Clark Ashton Smiths Helden Zobal und Cushara in The Black Abbot of Puthuum gesehen haben und bei Fritz Leibers Fafhrd und dem Gray Mouser wiederfinden werden. Lycon bleibt über die ganze Serie ein relativ eindimensionaler Sidekick-Charakter, dessen hervorstechendste Eigenschaft sein unstillbarer Durst auf Met, Wein und andere Alkoholika ist. Wenn ich ihn dennoch ganz ansprechend finde, so vor allem, weil er nicht den genretypischen heroischen Standards entspricht. Er ist ein kleiner dicker Kerl, dessen Erscheinungsbild später sogar einmal mit einem Affen verglichen wird. Nichtsdestoweniger erweit er sich als ein geschickter Schwertkämpfer und loyaler Kamerad. Zumindest unter Kuttners Nebenfiguren gillt nicht die archetypische Gleichsetzung von körperlicher Hässlichkeit mit moralischer Verworfenheit. Der Druide Dalan mit seinem krötenhaften Gesicht ist gleichfalls keine besonders ansprechende Erscheinung.

Thunder in the Dawn ist die mit Abstand längste Elak of Atlantis - Geschichte, allerdings auch die schwächste. Der Stil ist stellenweise recht holprig, vor allem aber wirkt der Handlungsaufbau ziemlich unbeholfen. Die eigentlich sehr geradlinige Story der Reise nach Cyrena wird abrupt unterbrochen, wenn Elak erst über Bord geht und dann in die Hände zwergenhafter Pikten fällt, die ihn einer monströsen Wesenheit dem "Schatten" opfern wollen.
Dass es sich bei den Gesellen um "Pikhts" handelt, haben wir ohne Frage Robert E. Howard zu verdanken, der dieses Volk immer wieder in seinen Sword & Sorcery - Geschichten hatte auftauchen lassen Kulls engster Gefolgsmann Brule ist ein Pikte, Conan bekommt es in Beyond the Black River mit einem barbarischen Stamm desselben Namens zu tun, und Bran Mak Morn ist gar selbst König des dem Untergang geweihten Piktenvolkes. Zugleich jedoch scheint mir Kuttners Beschreibung der degeneriert wirkenden, unterirdisch lebenden Zwerge von Arthur Machens Version des "Kleinen Volkes" der keltischen Sagenwelt beeinflusst zu sein:
Was diese seitenlange Abschweifung, die für die weitere Handlung keinerlei nennenswerte Folgen hat, interessant macht, ist jedoch etwas ganz anderes: Erstmals betritt Elak mit dem Reich des "Schattens" eine bizarre, phantasmagorische Dimension jenseits unserer Welt:
It was no earthly landscape which he saw. Obscure color-patterns, shifting and dancing strangely, weaved in the cool air all around him. He thought of the shadows of trees painted on white rock, flickering arabesques of dancing leaves fluttering in the wind. [...]
Colorless shadows, dancing. Or were they colorless? He did not know, nor was he ever to know, the color of the grotesque weaving that laced him in a web of magic, for while his mind told him that he saw colors, his eyes denied it.
Conan hatte nie vergleichbar fremdartige Welten betreten müssen. Ähnliches hatte es in der jungen Sword & Sorcery bislang nur in C.L. Moores Jirel of Joiry - Stories gegeben, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt. Elak wird auch in späteren Geschichten immer wieder solche andersweltlichen Universen besuchen, und ihre Schilderung ist das vielleicht reizvollste Element von Henry Kuttners Erzählungen. Auch scheint sich mir in ihnen am deutlichsten der eingangs erwähnte Einfluss des Cthulhu-Mythos zu zeigen. Man betrachte sich etwa den folgenden Absatz:
The sound of wings came to Elak. Something was flying far overhead, something that wailed endlessly and mournfully, keening the cry of one lost and wandering in eternal night. A sense of overpowering awe touched Elak, and horror beyond all imagination – the horror one feels in the presence of a thing so alien that the flesh of mankind instinctively shrinks and shudders. Elak knew, somehow, that he had entered a land in which men had not been intended to exist.
Auch wenn die Episode innerhalb der eigentlichen Handlung wie eine unnötige und darum leicht irritierende Abschweifung wirkt, ist sie aufgrund ihres bizarren Charakters doch recht faszinierend.

Abschließend möchte ich noch kurz auf Velia zu sprechen kommen. Betrachtet man sich die Gesamtheit von Henry Kuttners Sword & Sorcery, so bekommt man das Gefühl, der Autor habe sich immer wieder bemüht, seine Frauengestalten aktiver und selbstbewusster darzustellen, als dies zu dieser Zeit im Genre üblich war. So erleben wir am Anfang der großen Schlacht gegen die Wikinger, wie sich Velia von der bloßen Geliebten unseres Helden in eine regelrechte Kriegerin verwandelt:
[Elak] tested the metal of his rapier. "It's good to have a weapon like this again. I'll give this blade its baptism today."
"And I'll give mine," Velia broke in, coming lightly up the hill toward them. Her slim armor-clad body gleamed in the gray light of false dawn. Her bronze hair foamed out from a helmet that was too small to prison its bright masses. "This is different from Poseidonia, Elak. This was the life I was meant for – not a perfumed harem in Granicor's palace."
Das wirkt zuerst einmal natürlicht recht sympathisch, und man ist versucht, anzunehmen, dass dieses Bemühen auf den Einfluss Catherine L. Moores zurückzuführen ist. Doch leider weiß Kuttner mit diesen vermeintlich so eigenständigen Frauenfiguren nichts rechtes anzufangen. Er steckt sie in Rüstungen, aber er gibt ihnen keine echte Persönlichkeit. Sie bleiben bloße Randfiguren, die kaum Einfluss auf die eigentliche Handlung haben. Es wirkt beinahe so, als habe Kuttner eine Art moralische Verpflichtung verspürt, seine weiblichen Charaktere nicht zu bloßen Damsels zu machen, doch sei andererseits unfähig gewesen, wirklich aktive und glaubhafte Frauenfiguren für seine Sword & Sorcery - Szenarien zu kreieren.   

Interessanterweise begegnen wir in der zweiten Elak - Geschichte, The Spawn of Dagon, dann einer weiblichen Figur, die auf geradezu absurde Weise keine andere erzählerische Funktion besitzt, als die, als eine Art sexuelle Belohnung für unseren Helden zu dienen. Sie bekommt nicht einmal einen Namen! Mir scheint dies allerdings weniger etwas über Henry Kuttner als vielmehr über die Macht und Zählebigkeit von Klischees auszusagen.
Spawn of Dagon erschien in der Juliausgabe 1938 von Weird Tales und wurde als einzige von Kuttners Sword & Sorcery - Geschichten in das Book of Iod aufgenommen. Robert M. Price erschien sie demnach als besonders "cthulhuid". Was insofern erstaunlich ist, da sie anders als die übrigen Elak-Stories keine Schilderung phantasmagorischer Dimensionen jenseits von Zeit und Raum, keine Konfrontation mit dem "völlig Fremdem" enthält. Von Kuttners Geschichten erinnert diese vielmehr am stärksten an Howards Conan-Abenteuer. Doch da unsere Helden es in ihr mit Wesen zu tun bekommen, die eine gewisse Ähnlichkeit mit Lovecrafts Deep Ones aufweisen, ist die Entscheidung wohl schon irgendwie nachvollziehbar.
Die Geschichte beginnt in einer nächtlichen Gasse mit einer makabren Wette zwischen Elak und Lycon, bei der es um das ausströmende Blut eines erschlagenen Mannes und den Inhalt seiner Geldbörse geht. Schon bald befinden sich die beiden auf der Flucht vor der Stadtgarde von San-Mu. Der mysteriöse Gesti sichert ihr Entkommen und bietet Elak einen lukrativen Auftrag an, nachdem der sturzbesoffene Lycon in dem unterirdischen Versteck auf einem Stuhl zusammengesackt und eingeschlafen ist.  Er soll in die Residenz des berüchtigten Zauberers Zend eindringen und diesen töten. Da ein weiteres Verbleiben in San-Mu nicht ratsam erscheint, wäre ein vorheriges Aufstocken der Reisekasse durchaus wünschenswert. Also nimmt Elak das Angebot an und befindet sich wenig später auch schon in Zends Palast, wo der zwergenhafte Magier und sein riesiger untoter Gehilfe gerade dabei sind, eine holde Maid für irgendein gar schröckliches Experiment vorzubereiten. Die Situation scheint ziemlich klar für unseren Helden: Zauberer killen Maid befreien Belohnung kassieren Abhauen. Doch in Wirklichkeit ist die Lage etwas komplizierter und bald schon steht nicht weniger auf dem Spiel als die Existenz von Atlantis. Was für ein Glück, dass der gute Lycon selbst im volltrunkenen Zustand zu perfekt "getimeten" Rettungsaktionen fähig ist.
Spawn of Dagon ist gut gemachter klassischer Sword & Sorcery - Spaß. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Gerade einmal zwölf Seiten lang, voller Action, ohne Längen oder unnötige Abschweifungen, aber dafür mit der einen oder anderen neckischen kleinen Wendung. Elak und Lycon erscheinen hier deutlich abgebrühter und moralisch ambivalenter als in Thunder in the Dawn. Überhaupt gibt es in dieser Geschichte keine simple Gut-Böse-Dichotomie. Zend ist ganz sicher kein sonderlich sympathischer Zeitgenosse, aber am Ende erweist er sich als übernatürlicher Beschützer von Atlantis, ohne dessen Magie das Inselreich längst im Meer versunken wäre. Was andererseits kein Grund für unsere Helden ist, ihm irgendwelche gekidnappten Frauen für seine finsteren Experimente zu überlassen, nachdem die unmittelbare Bedrohung durch Gesti und sein monströses Meervolk gebannt ist.

Wenn Spawn of Dagon also am ehesten einer "klassischen" Sword & Sorcery - Story howard'scher Prägung ähnelt, liegt in der dritten Elak-Geschichte Beyond the Phoenix, die im Oktober 1938 in Weird Tales erschien, die Betonung ganz auf der Schilderung einer wirklich bizarren Anderswelt.(2)
Elak und Lycon haben sich als Palastwachen für König Phrygior von Sarhaddon verdingt. Nachdem es ihnen nicht gelungen ist, ihn vor den mörderischen Ränken des Priesters Xandar zu bewahren, erhalten sie von dem sterbenden Monarchen einen ungewöhnlichen Auftrag. Sie müssen seinen Leichnam gemeinsam mit Prinzessin Esarra auf einer Barke durch das Phönixtor befördern. Xandar hat ein Bündnis mit Baal-Yagoth geschlossen, einer finsteren Gottheit, die vor Urzeiten von unserer Welt verbannt wurde und nur in sie zurückkehren kann, wenn ihr jemand den eigenen Körper und das eigene Hirn als Gefäß für eine neuerliche Manifestation zur Verfügung stellt. Genau das hat der machthungrige Priester getan. Um diese Bedrohung zu bekämpfen, braucht es göttliche Unterstützung, die in der Welt hinter dem Phönixtor erlangt werden könne, wo Assurah leben soll, dessen Blut angeblich in den Adern der Königsdynastie fließt. 
Auf den ersten paar Seiten kommt es zwar auch hier zum genreüblichen Kreuzen der Klingen, wobei sich Esarra als den Männern vollkommen ebenbürtig erweist. Wie Lycon sich ausdrückt: "[H]er dagger drew blood as often as my sword." Doch sobald die drei das Phönixtor durchquert haben, befinden sie sich in einer Welt, bizarrer als alles, was wir in den Elak-Stories bisher zu sehen bekommen haben:
Now it seemed to Elak that he dreamed, or so he thought; for, though his eyes were closed, he clearly saw what occured around him. There was at first only a thick shroud of fog, swirling slowly in drab grayness; and very slowly this mistfaded and was gone. In its place was a cold, blue emptiness that seemed to stretch into infinite distances.
But it was not the sky, despite the gleaming points of light that swam into view like stars. That Elak knew. For the glowing specks grew brighter and larger, and he saw that they resembled flowers, many-petaled yet no flowers of earth. With a cold and dreadful certainty he knew that they were alive.
They watched him, hanging motionless in the blue vastness, until the grip of nightmare cltched Elak. Nothing existed but these malefic flowers, it seemed, and they seemed to press toward him with avid hunger; they strained against the blueness that held them back. It was impossible to judge their size. They might have been small as a man's hand, and very close; or unimaginably huge and far away. They waited ...
Das klingt schon nach einem ziemlich irren Drogentrip, oder? 
In diesem grotesken Jenseitsreich begegnen unsere Helden zwei gottähnlichen Gestalten, der weiblichen Tyrala und dem männlichen Ihthron. Die beiden scheinen die Rolle von Richtern des Totenreiches zu spielen,  aber es zeigt sich schnell, dass zwischen ihnen deutliche Diskrepanzen bestehen. Tyrala hat sich gleichfalls mit Baal-Yagoth eingelassen, und ihr Weinkelch und sein Inhalt erwecken außerdem Assoziationen zur Hure Baylon aus der Johannesapokalypse. (3). Was genau in diesem "Nyrvana" jenseits des Phönixtors vor sich geht bleibt ebenso verschwommen wie die Motive Ithrons und Tyralas. Aber das trägt nur um so mehr zu der faszinierenden Weirdness des Szenarios bei. Es kommt offenbar zu einer Art Kampf zwischen den beiden, bei dem Tyrala die Oberhand behält. Das Ganze gipfelt in einer bizarren Tanzszene, die leichte Anklänge an Lovecrafts hirnlosen Dämonen-Sultan Azathoth aufweist. (4)
A muffled drumming throbbed out; shrill insane flutings piped weirdly. There were monstrously misshapen beings that squatted on scaled haunches, demoniac toad-like creatures whose flaming eyes dwelt on the two figures that danced before the altar. Tyrala – and Ithron! Both nude, Ithron's pale body in strange contrast to the dark vividness of the witch-woman – and Ithron dancing, whirling like a weightless leaf in Tyrala's grasp. An empty goblet lay on the stones. Ithron had tasted the dreadful wine! The two figures moved in a swift, grotesque saraband, to the tunes of the evil drumming and the pipes. The flower-things in the walls waited.
Wenn sich am Ende doch noch alles zum Guten wendet, so bloß aufgrund des Eingreifens des völlig mysteriös bleibenden Phönix-Assurah.

Die vierte und letzte Elak-Geschichte Dragon Moon erschien erst im Februar 1941. Schaut man zurück über die Reihe, kann man erkennen, wie Henry Kuttners Stil im Laufe der Jahre gereift ist. Dragon Moon beginnt als eine Art Remake von Thunder in the Dawn, wodurch dies noch deutlicher ins Auge springt.
Erneut werden Elak und Lyon in einer Hafenkneipe von Poseidonia in eine Schlägerei verwickelt. Wieder kommt ihnen dabei der Druide Dalan mit seiner Feuermagie zur Hilfe. Und wie zuvor bitte er unseren Helden in seine alte Heimat Cyrena zurückzukehren, um Atlantis vor einer diabolischen Bedrohung zu bewahren. Diesmal jedoch soll er dabei selbst den Drachenthron seiner Väter besteigen, denn sein Bruder hat sich selbst getötet, um einem sehr viel grausigeren Schicksal zu entgehen: Das willenlose Gefäß einer monströsen, andersweltlichen Entität zu werden:
Out of the unknown has come a being named Karkora. What he is I know not. I have cast the runes, and they say little for me. The altar fires have whispered of a shadow that will come upon Cyrena, a shadow that may spread over all Atlantis. Karkora, the Pallid One, is not human, nor is he a demon. He is – alien, Elak.         
Sepher, der Herrscher des Nachbarreiches Kiriath, ist diesem cthulhuid anmutenden Wesen "beyond good and evil", "beyond humanity or deitiy" bereits zum Opfer gefallen. Er ist bloß noch die menschliche Hülle für einen unmenschlichen Geist. Nun strebe Karkora danach, seine Herrschaft auf Cyrena auszuweiten, und wenn ihm dies nicht durch die Korrumpierung des Königs gelingen könne, was Oranders Selbstmord unmöglich gemacht hat, dann eben durch Krieg.
Elak jedoch hat kein Verlangen nach der Krone. Vielleicht hält er sich aufgrund seines Vagabundenlebens auch für unwürdig, Anspruch auf den Thron zu erheben. Er weist das Ansinnen Dalans deshalb zurück, woraufhin der Druide wutentbrannt aus Poseidonia abreist.
Als unser Held in der darauffolgenden Nacht in einer Traumvision die monströse Präsenz Karkoras zu spüren bekommt, revidiert er seine Entscheidung. Die Idee, eine Galeere nach Norden zu nehmen, entpuppt sich allerdings als wenig glücklich. Wenig später sind Elak und Lycon auch schon an die Ruderbank gekettet. Doch so schnell lassen sich die beiden natürlich nicht unterkriegen. Nach einem conanmäßig organisierten Sklavenaufstand steuert man das Schiff an die raue Steilküste von Amenalk. Einer von Dalan gesandten Traumvision folgend will Elak dort die Hilfe eines gewissen Aynger suchen. Der entpuppt sich als ein stolzer Barbar mit leichtem Highlander-Einschlag. Einst habe sein Volk über das heutige Kiriath geherrscht. Dies allein ist Grund genug für ihn, Cyrena die Unterstützung seiner Gefolgsleute im rasch heraufziehenden Krieg zuzusichern. Um einen Weg zu finden, Karkora selbst zu bekämpfen, müsse Elak sich jedoch an die mysteriöse Mayana wenden, die in einer alten Burg über dem Meer lebt. 
Erneut betritt unser Held mit den Kavernen unter der Ruine eine phantasmagorische Anderswelt. Mayana ist eine "Tochter Poseidons", Angehörige eines uralten Meervolkes. Aus Liebe zu Sepher nahm sie vor Zeiten menschliche Gestalt an und die beiden lebten als Mann und Frau. Doch ihr größter Wunsch, ihrem Gemahl einen Sohn zu schenken, blieb ihr verwehrt. Also schloss sie schließlich einen Handel mit dem finsteren Zauberer Erykion. Mit Hilfe von dessen Magie gebahr sie tatsächlich ein Kind, doch handelte es sich um eine grausig deformierte Totgeburt. Erykion versprach, dem Kind Leben einzuhauchen, wenn er es danach in seine eigene Obhut nehmen dürfe. Und so kam es zur grauenhaften, widernatürlichen Geburt von Karkora:
I remembered something Erykion had once told me. 'We have in us a sixth sense, primeval und submerged, which can be very powerful once it is brought to light. I know how to do that. A blind man's hearing may become acute; his power goes to the sense remaining. If a child, at birth, be deprived of all five senses, his power will got this sixth sense. My magic can insure that.' So Erykion made of my man-child a being blind and dumb and without conciousness, almost; for years he worked his spells and opened the gates of Time and Space, letting alien powers flood through.This sixth sense within the child grew stronger. And the dweller in his mind waxed great, unbound by the earthly fetters that bind humans. This is my son – my man-child – Karkora, the Pallid One!
Entstanden aus fehlgeleiteter Liebe, grenzenlosem Ehrgeiz und der Folterung eines hilflosen Kindes ist Karkora eine wahrhaft monströse Kreatur. Wenn Elak ihn im großen Finale schließlich zu sehen bekommt, ist das ein zutiefst verstörender Anblick:
And below was a shapeless and flesh-colored hulk that lay inert ten feet down. It was man-sized and naked. But it was not human. The pulpy arms had grown to the sides; the legs had grown together. Not since birth had the thing moved by itself. It was blind, and had no mouth. Its head was a malformed grotesquerie of sheer horror.
Eine der irritierendsten Eigenheiten von Henry Kuttners Sword & Sorcery ist die  anachronistische Verwendung von Namen und Begriffen aus einer ganzen Reihe realer Kulturen. Poseidon mag noch durchgehen, schließlich ist diese Gottheit seit den platonischen Dialogen aufs engste mit dem mythischen Atlantis verknüpft. Aber Thor, Odin, Bifröst, Ragnarök, Nirvana, Shaitan, Ischtar, Tammuz, die Elysischen Gefilde, Lethe? Der Name des Gottes der Druiden, Mider, könnte der altirischen Erzählung Tochmarc Étaíne ("Das Werben um Étaín") entnommen sein. Ein solch wahlloses Plündern der Kulturgeschichte  ist in meinen Augen der Atmosphäre einer Fantasyerzählung eher abträglich.
Die Figur Mayanas dagegen ist ein exzellentes Beispiel für eine etwas subtilere und deshalb wirkungsvollere Verwendung von Motiven aus Mythos und Sage. Sie entstammt jenem altehrwürdigen Geschlecht von feenähnlichen Frauengestalten, die aus Liebe zu einem Menschenmann ihr eigenes Reich verlassen, mit meist tragischen Folgen. Zu ihren Vorfahrinnen gehören die mittelalterliche Melusine, Fouqués Undine und natürlich Hans Christian Andersens Kleine Meerjungfrau. Anders als bei dem oberflächlichen Name-Dropping, das Kuttner sonst auf so inflationäre Weise betreibt, greift er in diesem Fall nicht bloß die äußere Form, sondern auch den inneren Gehalt der mythischen Figur auf. Nicht nur endet Mayanas Liebe zu Sepher unglücklich, sie hat darüberhinaus mit der Entstehung von Karkora katastrophale Folgen, die zum Untergang von ganz Atlantis führen könnten. Mayana fühlt sich stark zur Welt der Menschen hingezogen "green fields with the bright cornflowers and daisies gay amid the grass", "fresh winds", "hearth-fires", "the sound of human voices", "a man's love". Aber sie weiß zugleich, dass sie ewig eine Außenseiterin und Fremde in ihr bleiben wird. Dennoch ist sie am Ende von Dragon Moon bereit, ihr eigenes Leben zu opfern, um das Leben ihres monströsen Kindes zu beenden – "to save a world to which she had never belonged". Ein Opfer, das noch größer erscheint, da sie wie ihre mythischen Vorläuferinnen keine Seele besitzt und damit auch kein Ewiges Leben im Jenseits erwarten kann:
It is cold in my kingdom, Elak – cold and lonely. And I have no soul, only my life, while it lasts. My span is long, but when it ends, there will be only darkness
Dragon Moon ist in sprachlicher wie inhaltlicher Hinsicht der krönende Abschluss der Elak of Atlantis - Reihe. Vielleicht kein vergessen gegangenes Juwel der Fantasyliteratur, aber doch ein Werk, das ich allen Freundinnen & Freunden der Sword & Sorcery nur wärmstens ans Herz legen kann. Waren Spawn of Dagon und Beyond the Phoenix bereits zwei durchaus lesenswerte und interessante Vertreter des Subgenres, wäre ich geneigt, diese letzte Erzählung sehr wohl in die Nähe der klassischen Werke von Robert E. Howard, C.L. Moore und Fritz Leiber zu rücken. Kuttners größte Schwäche, die es mir verbietet, sie mit diesen auf eine Stufe zu stellen, bleibt bis zum Ende die mangelnde Ausarbeitung seiner Charaktere.

Warum Kuttner keine weiteren Geschichten über Elak geschrieben hat, ist nicht ganz klar. Es geht das Gerücht, Dorothy McIlwraith, die 1940 die Nachfolge von Farnsworth Wright an der Spitze von Weird Tales, antrat, habe wenig für die Stories übrig gehabt und sei nicht daran interessiert gewesen, weitere zu erwerben. Handfeste Belege für diese Theorie scheint es aber nicht zu geben. Keith West stellt in diesem Artikel die Vermutung auf, die Verhältnisse auf dem Pulp-Markt seien für Kuttners Entscheidung letztlich ausschlaggebend gewesen:
Kuttner was trying to establish a professional writing career.  Weird Tales had a reputation, much deserved, for being slow in paying.  And not always paying that well.  There were a lot more science fiction markets than there were fantasy.  Kuttner didn't restrict himself to just fantasy and science fiction, but also wrote weird menace and mysteries, and he continued to write fantasy for a number of years, especially for Unknown.  However, he had his greatest success in science fiction.  It seems to me, and this is just speculation, that Kuttner began to focus on writing more science fiction because he could make a better living at it.
Allerdings hatte er zuvor noch zwei weitere Geschichten zur jungen Sword & Sorcery beigetragen, die wir uns nun abschließend kurz anschauen wollen.

1939 erschien unter der Leitung von Mort Weisinger mit Strange Stories ein neues Pulpmagazin, das Weird Tales Konkurrenz zu machen versuchte. Freilich wurde das Projekt nach dreizehn Ausgaben 1941 auch schon wieder eingestellt, da man sich nicht bloß gegen W.T., sondern auch gegen John W. Campbells gleichzeitig an den Start gegangenes Magazin Unknown behaupten musste, was sich schnell als unmöglich erwies. Zu den Stories, die Kuttner während des kurzen Lebens von Strange Stories dort hatte unterbringen können, gehören auch seine zwei Sword & Sorcery - Geschichten über die Abenteuer von Prinz Raynor.
Cursed Be The City (April 1939) beginnt mit dem Fall von Raynors Heimatstadt Sardopolis. Der siegreiche Eroberer König Cyaxares befiehlt auf Antreiben seines dämonisch-mephistophelischen "Ratgebers" Necho, den Prinzen zu Tode zu foltern. Doch dieser wird von seinem nubischen Diener Eblik befreit, und die beiden machen sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen "Valley of Silence", um eine uralte Prophezeiung zu erfüllen und Tod und Vernichtung über die Invasoren zu bringen. Der Eingang des Tales wird von der Burg des "Reavers" bewacht, bei dem es sich um eine Art Räuberfürsten handelt einen netten Räuberfürsten allerdings. Wie sich herausstellt, war der Ort, an dem Sardopolis errichtet wurde, einst die Heimstatt des urzeitlichen Gottes Pan. Raynors Vorfahren die auch die Vorfahren des "Reavers" waren verbannten den Gott in das "Tal der Stille". Nun ist es die Aufgabe des Prinzen, ihn wieder zu erwecken und zu befreien, damit er in seine alte Heimat zurückkehren und dort Chaos und Vernichtung unter Cyaxeres' Truppen anrichten könne. Gemeinsam mit Delphia, der Tochter des "Reavers", betreten Raynor und Eblik das verzauberte Tal.
Die erste Prinz Raynor - Geschichte gehört meiner Meinung nach mit zum Besten, was Henry Kuttner in der Sword & Sorcery geleistet hat. Zugegeben, das anachronistische Mythenmixen wird hier wirklich auf die Spitze getrieben, wobei in der Schilderung von Pan vielleicht auch noch eine kleine Dosis Arthur Machen mit einfließt. Dennoch ist die Story atmosphärisch dicht und verfügt darüberhinaus über ein ansehnliches Ensemble interessanter Figuren. Das gilt sowohl für Cyaxares und Necho, als auch für Eblik und Delphia. Natürlich entspricht der riesige Nubier in mancherlei Hinsicht dem Klischee des "treuen schwarzen Dieners", aber er ist bei weitem nicht so simpel gestrickt und einfältig, wie man es bei dieser Rolle vielleicht erwarten würde. Dass seine äußére Erscheinung als "hässlich" beschrieben wird, muss übrigens keinesfalls rassistisch interpretiert werden, schließlich waren Elaks Gefährten Lycon und Dalan gleichfalls keine Schönheiten. Alles in allem ist der Auftritt eines heroischen Schwarzen, wenn auch bloß als Sidekick, zu diesem Zeitpunkt in der Sword & Sorcery immer noch etwas erstaunliches. Delphia wiederum ist Kuttners wohl gelungenster Versuch, eine "starke Frauenfigur" zu schaffen. Wenn wir ihr zum ersten Mal begegnen, ist sie gerade von einem Raubzug der "Reavers"-Bande zurückgekehrt, den sie selbst angeführt hat. Und anders als im Falle von Velia aus Thunder in the Dawn dürfen wir sie nicht bloß in Rüstung durch die Gegend marschieren, sondern auch aktiv im Schlachtgetümmel die Klinge schwingen sehen.
Um so trauriger mutet es an, dass Delphia im Sequel The Citadel of Darkness (August 1939) zur Damsel-in-Distress gemacht wird, die von Raynor und Eblik aus den Klauen des Zauberers Ghiar befreit werden muss. Trotz dieses großen Wermuttropfens ist auch diese Story durchaus lesenswert. Und immerhin darf Eblik erstmals vorsichtig andeuten, dass sich Raynor nach dem Untergang von Sardopolis ihm gegenüber vielleicht nicht länger als Prinz und Herr aufspielen sollte.

Henry Kuttners Beitrag zur jungen Sword & Sorcery war sicher nicht welterschütternd oder revolutionär, aber doch weit entfernt von bloßen Howard-Pastiches. Allen Freundinnen & Freunden des Subgenres kann ich guten Gewissens empfehlen, sich einmal auf die Suche nach den sechs Geschichten zu machen.  




(1) Wem eine direktere Mixtur aus Cthulhu-Mythyos und Sword & Sorcery verführerisch erscheint, möge sich etwas gedulden. Ich habe vor, mir die 2016 von Molly Tanzer und Jesse Bullington herausgebene Anthologie Swords v. Cthulhu zu besorgen und zu besprechen – when the stars are right ...

(2) Die Illustration für Beyond the Phoenix war die letzte Arbeit von Jim Mooney, der später eine bedeutende Karriere als Comickünstler machen sollte, die in Weird Tales erschien. Es war Kuttner gewesen, der seinen Freund dazu animiert hatte, probeweise einige seiner Zeichnungen an Farnsworth Wright zu schicken. Mooneys erste professionell veröffentlichte Arbeit war eine Illustration zu Kuttners I, The Vampire in der Februarausgabe 1937 des "Unique Magazine".  

(3) "Dort sah ich eine Frau auf einem scharlachroten Tier sitzen, das über und über mit gotteslästerlichen Namen beschrieben war und sieben Köpfe und sieben Hörner hatte. Die Frau war in Purpur und Scharlach gekleidet und mit Gold, Edelsteinen und Perlen geschmückt. Sie hielt einen goldenen Becher in der Hand, der mit dem abscheulichen Schmutz ihrer Hurerei gefüllt war. Auf ihrer Stirn stand ein Name, ein geheimnisvoller Name: Babylon, die Große, die Mutter der Huren und aller Abscheuchlichkeiten der Erde. Und ich sah, dass die Frau betrunken war vom Blut der Heiligen und vom Blut der Zeuegn Jesu." (Off 17,1-6) 

(4) Vgl. z.B. das zweiundzwanzigste Sonett aus seinem Gedichtzyklus Fungi from Yuggoth:
Out in the mindless void the daemon bore me,
Past the bright clusters of dimensioned space,
Till neither time nor matter stretched before me,
But only Chaos, without form or place.
Here the vast Lord of All in darkness muttered
Things he had dreamed but could not understand,
While near him shapeless bat-things flopped and fluttered
In idiot vortices that ray-streams fanned.

They danced insanely to the high, thin whining
Of a cracked flute clutched in a monstrous paw,
Whence flow the aimless waves whose chance combining
Gives each frail cosmos its eternal law.
“I am His Messenger,” the daemon said,
As in contempt he struck his Master’s head.
In The Haunter of the Dark wird von den "ancient legends of Ultimate Chaos" berichtet, "at whose center sprawls the blind idiot god Azathoth, Lord of All Things, encircled by his flopping horde of mindless and amorphous dancers, and lulled by the thin monotonous piping of a demonic flute held in nameless paws".

Samstag, 24. November 2018

Strandgut der Woche

Sonntag, 18. November 2018

Let Me Tell You Of The Days Of High Adventure (4)

Ersatz für Conan? – Clifford Balls Sword & Sorcery

In seinem letzten Brief an Clark Ashton Smith vom Juni 1935 schrieb Robert E. Howarrd über die Conan-Story Red Nails, die er gerade an Weird Tales verkauft hatte: "[I]t may be the last fantasy I'll ever write". (1) In der Tat spricht einiges dafür, dass Howard keine weiteren Geschichten über die Abenteuer des Cimmeriers geschrieben hätte, selbst wenn die Depression ein Jahr später nicht die Oberhand gewonnen und er sich nicht das Leben genommen hätte.

Über die Gründe dafür lässt sich natürlich bloß spekulieren. 
Im November desselben Jahres schrieb er August Derleth: 
I'm seriously contemplating devoting all my time and efforts to western writing, abandoning all other forms of work entirely; the older I get the more my thoughts and interests are drawn back over the trails of the past; so much has been written; but there is so much that should be written. (2)
Tief verwurzelt in den kulturellen Traditionen seiner texanischen Heimat und ihrer Frontier-Mythologie, war es Howard schon immer ein Anliegen gewesen, diesen in seinem literarischen Werk Ausdruck zu verleihen. Auch viele seiner phantastischen und historischen Erzählungen sind stark von ihnen geprägt. So handelt es sich bei einer seiner berühmtesten Conan-Stories, Beyond the Black River, im Grunde um einen in das Hyborian Age verlegten Western.
Allem Anschein nach plante Howard in den letzten Jahren seines Lebens, diese Thematik in Zukunft direkter anzupacken. Im Westerngenre hatte er sich zwar von Beginn an immer mal wieder versucht, bislang jedoch meist mit eher mittelmäßigem Erfolg. Die große Ausnahme bildeten seine humorvollen Geschichten über die Abenteuer des bärenstarken, aber etwas einfältigen Cowboys Breckinridge Elkins, die seit März 1934 regelmäßig in Action Stories erschienen und eine seiner Haupteinnahmequellen darstellten. Mit ihnen knüpfte Howard am unmittelbarsten an die mündliche texanische Erzähltradition der Tall Tales an, die nach der Überzeugung seines Biographen Mark Finn eine der wichtigsten Grundlagen für sein gesamtes literarisches Schaffen bildete.
Ein weiterer Hinweis findet sich in dem anfangs erwähnten Brief an Smith. Howard schreibt dort:
I've been concentrating on adventure stuff recently, trying to break into that field permanently. I've made a start, with yarns published in Action, Thrilling Adventures, and Top-Notch; got a couple of covers designs in a row with Top-Notch and am toiling manfully to become a regular contributor.
Tatsächlich waren die in Afghanistan angesiedelten Abenteuergeschichten um Francis X. Gordon / El Borak und Kirby O'Donnell in den letzten Jahren seines Lebens neben Breckenridge Elkins Howards zweitwichtigstes finanzielles Standbein. Womit wir zu einem weiteren möglichen Motiv für seine geplante Abkehr von der Fantasy kämen: Der erbärmlich miesen Zahlungsmoral von Weird Tales. Im Mai 1935 schrieb Howard an Farnsworth Wright:
I always hate to write a letter like this, but dire necessity forces me. It is, in short, an urgent plea for money. [...] I do not feel that my request is unreasonable. As you know, it has been six months since "The People of the Black Circle" appeared in Weird Tales. Weird Tales owes me over eight hundred dollars for stories already published and supposed to be paid for on publication – enough to pay all my debts and get me back on my feet again if I could receive it all at once. Perhaps this is impossible. I have no wish to be unreasonable; I know times are hard to everybody. But I don't believe I am being unreasonable in asking you to pay me a check each month until the accounts are squared. Honestly, at the rate we're going now, I'll be an old man before I get paid up! And my need for money now is urgent. [...] 
I may not – may never be a great writer, but no writer ever worked with more earnest sincerity than I have worked on the tales that have appeared in Weird Tales. I have grown up in the magazine, so to speak, and it is as much a part of my life as are my hands and arms. But to a poor man the money he makes is his life's blood, and of late when I write of Conan's adventures I have to struggle against the disheartening reflection that if the story is accepted, it may be years before I get paid for it. (3)
Unter den Verhältnissen der Großen Depression stand Weird Tales in den 30er Jahren ständig am Rande des Bankrotts. Man erzählt sich, ohne die sexy Coverillustrationen von Margaret Brundage hätte das Magazin nicht überlebt. (4) So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass W.T. seinen Zahlungsverpflichtungen nur sehr unregelmäßig nachkam. Was für die betroffenen Autoren & Autorinnen freilich kein großer Trost sein konnte. Es war ohnehin schon schwer genug, seinen Lebensunterhalt im Pulp-Geschäft zu verdienen. Es sei denn, man gehörte zum festen Autorenstamm eines Magazins wie Adventure. Dann konnte man davon ausgehen, seine Stories regelmäßig verkauft zu bekommen und auch prompt für sie bezahlt zu werden. Doch wer sein Brot in der Phantastik verdienen wollte und auf Abnehmer wie Hugo Gernsback oder Farnsworth Wright angewiesen war, befand sich permanent in einer prekären Lage.       
Verglichen mit Clark Ashton Smith und vor allem mit H.P. Lovecraft ging Howard das Pulp-Geschäft relativ professionell an. Er hatte mit Otis Adelbert Kline seit 1933 einen Agenten, war ständig bemüht, sich neue Märkte zu erschließen, und weigerte sich dabei auch nicht, auf die gerade vorherrschende Nachfrage einzugehen. Wenn Farnsworth Wright entweder nicht willens oder nicht fähig war, ihn für seine Arbeit zu bezahlen, war es deshalb nicht überraschend, dass er – wenn vielleicht auch schweren Herzens – mit dem Gedanken spielte, sich von Weird Tales zu trennen.

Ich habe keine Ahnung, wie Wright auf den oben zitierten Brief reagierte. Jedenfalls nicht, indem er seine Schulden Howard gegenüber beglich. Diese beliefen sich auch nach dem Tod des Schriftstellers auf $800 bis $1.300 – die genaue Summe scheint im Gerangel um das Erbe nie festgestellt worden zu sein.

Dabei war Conan ohne Frage eines der wichtigsten Zugpferde des Magazins. Ganze neun Mal hatte sich der Cimmerier zwischen 1932 und 1936 den begehrten Titel der Coverstory erobert. Kein Wunder also, dass man nach Howards tragischem Tod schnellstmöglich einen Ersatz zu bekommen versuchte. Zwar verfügte Weird Tales in Sachen Sword & Sorcery immer noch über C.L. Moores Jirel of Joiry - Reihe, aber die schien für diese Rolle nicht geeignet. Und ja, der Umstand, dass man es in ihr mit einer weiblichen Hauptfigur zu tun hatte, dürfte für diese Einschätzung leider nicht ganz unwichtig gewesen sein. Moores rothaarige Amazone schaffte es kein einziges Mal auf das Cover des "Unique Magazine". Ein weiterer möglicher Anwärter auf die Howard-Nachfolge hätte Nictzin Dyalhis werden können, mit dessen Werk wir uns bei Gelegenheit vielleicht auch mal beschäftigen sollten. Aber dieser hatte scheinbar kein Interesse daran, in die Gefilde der Sword & Sorcery zurückzukehren, denen er 1934 in The Sapphire Goddess einen Besuch abgestattet hatte.

Der erste Autor, der in die Bresche sprang, war ein Neuling im Geschäft: Clifford Ball.
Wie über so viele andere Autoren & Autorinnen der Pulp-Ära wissen wir wir auch über ihn so gut wie nichts. Die abenteuerliche Biographie, die der Leserschaft von Weird Tales im Oktober 1937 in The Eyrie präsentiert wurde, liest sich zwar spannend, muss aber wohl mit der nötigen Skepsis betrachtet werden:
This 29-year-old newest sensation of Weird Tales has led a life as adventurous as that of either of his two barbarian heroes. He went through high school in Millerstown, Pennsylvania, experiencing great difficulty with his mathematics and with a young and attractive school-teacher of whom he became enamored. After he had been graduated, he took a job in the license bureau of the State Highway Department. A few months later he began to hate the place, and left. The Miami catastrophe of 1927 occurred, and he and a friend trekked south to Florida, expecting to find heavy salaries waiting for eager workers. The state was "broke;" and tourists, alarmed by the tidal wave, were frightened away. Ball has slung hash, worked on dynamite crews as a capper, fry-cooked, run a dice table in a gambling-house, dug ditches, leveled auto springs, spread cloth in a shirt factory, and served beer in a Virginia tavern. This will always remain in Ball's memory, he says, as the best moments of his life. (5)
Dass Ball sich in der Vergangenheit von Gelegenheitsjob zu Gelegenheitsjob gehangelt hatte, ist sicher nicht unwahrscheinlich. Jedenfalls fügt sich sein Abstecher in die Welt der Pulps nahtlos in dieses Schema ein. Alles in allem erschienen bloß sechs Geschichten aus seiner Feder in Weird Tales, und danach sollte man nie wieder etwas von ihm hören. Nur die ersten drei dieser Stories gehören der Sword & Sorcery an.

Der Reigen beginnt mit Duar the Accursed, veröffentlicht in der Maiausgabe von 1937. 
Der Held der Geschichte ließe sich wohl nicht ganz zu Unrecht als der Urvater aller Conan-Klone beschreiben: Ein stolzer, ungehobelter Barbarenkrieger, der sich nach einer Karriere als Söldner und Pirat ein eigenes Königreich erobert, dieses durch eine geheimnisvolle Katastrophe aber wieder verliert. Seine Lebensmaxime hätte so ähnlich durchaus auch von dem Cimmerier formuliert werden können: "I am Duar the Accursed! I fight for no cause but my own, and my only power is the sword I hold!"
Doch anders als Conan, den Howard trotz all seiner phantastischen Abenteuer nie als etwas anderes beschreibt als einen normalen, wenn auch extrem kompetenten Menschen, ist Duar von einem übernatürlichen Mysterium umgeben. Schon sein äußeres Erscheinungsbild deutet darauf hin, dass er kein gewöhnlicher Sterblicher ist:
Whence did you come? What far-off country saw your birth, you who have the height of the mountain men, the thin nostrils of the horsemen of Kor, the blackhair of the cavemen, the blue eyes of those who haunt the islands of the seas, and the swift strength of the dwellers of the plains? In all of our world there has never been born such a composite prodigy of nature. Or are you of our world?
Mehrfach sollen dämonische Mächte das Schlachtenglück zu seinen Gunsten beeinflusst haben. Noch erstaunlicher ist allerdings, dass Duar sich selbst ein Rätsel ist. Er weiß nicht, wo er geboren wurde und aufwuchs:
My first memories are of the clash and ring of metal upon metal in the heat of a great battle and sweat and blood on my face as I called our battle-cry. I was a mercenary on the field of Sate fighting in the service of the fool King Taerus, whom later I had the satisfaction of spitting on my sword.
Wie wir später erfahren, ist Duar die Reinkarnation des Hohepriesters einer untergegangenen Rasse, die einst über die Erde herrschte. Er verfügt über eine Art übernatürliche Schutzpatronin in Gestalt der geisterhaften Shar, die zu erreichen versucht, dass er sich dem Wissen um seine vorherige Existenz öffnet und damit die Wiedergeburt des Reiches der "Ancients" einleitet. 
Hier hätte sich das Potential für eine interessante Variante auf den klassischen S&S-Helden geboten. Duar ist eine Art gespaltene Persönlichkeit. Seine barbarische Hälfte weigert sich, sein magisches Erbe anzunehmen, und hadert mit der Vorstellung, ein durch eine vergangene Existenz vorherbestimmtes Schicksal zu besitzen. Doch zugleich verdankt er viele seiner Erfolge letztenendes eben nicht seinem eigenen Willen und Geschick, sondern dem Eingreifen Shars, auch wenn er sich dessen erst langsam bewusst wird.
Aber leider weiß Ball mit diesem interessanten Grundkonzept nichts rechtes anzufangen. Am Ende behält Duars Barbarennatur die Oberhand und Shar bleibt nichts anderes übrig, als auf seine nächste Reinkarnation zu warten, um ihr Glück dann noch einmal zu versuchen.
Der eigentliche Plot der Geschichte hat mit all dem erstaunlicherweise so gut wie überhaupt nichts zu tun. Duar ist in das Reich Ygoth gekommen, um aus dem fluchbeladenen Schwarzen Turm die Rose von Gaon zu entwenden, einen riesenhaften Rubin, der es ihm erlauben soll, eine Armee aufzustellen und sein eigenes Königreich zurückzuerobern. Doch bevor er das sagenumwobene finstere Gemäuer erreicht, wird er von Ygoths Garde überwältigt und vor die junge Königin Nione geführt. 
Und hier beginnt das eigentliche Problem, das ich mit Duar the Accursed habe. Unglücklicherweise kopiert Ball in seinem Debüt eine der unsympathischsten Storyschemata aus Howards Conan-Repertoire: Die stolze, arrogante Aristokratin, die nach anfänglichem Widerstand unter dem Eindruck der rauen, unverfälschten Männlichkeit des Barbaren dahinschmilzt und zum gefügigen Weibchen wird. Duars Verhalten gegenüber der Königin besteht aus einer einzigen Aneinanderreihung von Respektlosigkeiten und Provokationen. Im Grunde tut er nichts anderes, als sie permanent zu verhöhnen und zu demütigen. Da Frauen bekanntlich irrationale, impulsive Geschöpfe sind, reagiert sie darauf zuerst mit wütendem Gekreische ("like any fish-wife"), findet diese Behandlung aber irgendwann total klasse und wohl auch sexuell erregend – beweist Duar damit doch bloß, dass er ein "wahrer Mann" ist. Sein altes Reich wird sich der Barbar wohl nicht zurückerobern, doch dafür wartet am Ende der Geschichte Ygoths Thron auf ihn. Denn jedes Königreich braucht schließlich einen König, und Nione mag sich noch so sehr bemühen, als Frau kann sie diese Rolle nicht ausfüllen.
Und dann wäre da noch dieser kuriose kleine Satz: "If the guardsmen had been startled before, now they were certainly in panic, much as if they had captured one of the terrible white apes from the hills of Barsoom". Clifford Ball war wohl ein großer Fan von Edgar Rice Burroughs, aber eine so direkte Anspielung auf die John Carter of Mars - Erzählungen wirkt doch ziemlich irritierend und ungeschickt.

Zwei Monate später erschien mit The Thief of Forthe Balls zweite Sword & Sorcery - Geschichte in Weird Tales. Sie ist zwar in derselben Welt angesiedelt wie Duar the Accursed, erwähnt den Barbaren aber mit keinem Wort. Howards Vorbild ist allerdings auch in ihr immer noch deutlich zu spüren. Die Story ist im Grunde eine Variation auf Rogues in the House
Meisterdieb Rald wird von dem finsteren und möglicherweise nicht ganz menschlichen Magier Karlk dazu angestiftet, das königliche Geschmeide von Forthe zu stehlen, dessen Träger keine Schwierigkeiten haben sollte, sich zum neuen Herrscher ausrufen zu lassen. Rald hat zwar nur wenig für den intriganten Zauberer übrig, aber sein Ehrgeiz erwacht angesichts eines solch verwegenen Plans: Man stelle sich vor, ein ganzes Königreich zu stehlen! Und Karlk will nicht einmal selbst den Thron besteigen, sondern sich mit der Rolle der grauen Eminenz am Hofe des frisch gekönten Meisterdieb-Monarchen begnügen. Wer könnte einer solchen Versuchung widerstehen? Also steigt unser Held noch in derselben Nacht in den Palast von Forthe ein, wo ihn selbstverständlich größere Komplikationen erwarten, als vorausgesehen.
Verglichen mit Duar the Accursed wirkt The Thief of Forthe sehr viel konventioneller, zugleich jedoch auch sehr viel sympathischer. Unser Held mag keine mysteriöse, äonenumspannende Hintergrundgeschichte besitzen, doch dafür ist er ganz der liebenswerte Spitzbube. Auch er gewinnt im Verlauf seines Abenteuers die Liebe einer Aristokratin – der Prinzessin Thrine , doch bezeichnenderweise nicht mit arrogantem Machogehabe, sondern mit einer charmanten Mischung aus Höflichkeit und Unverschämtheit. Die ganze Story besitzt einen leicht ironischen Unterton. Vor allem, wenn nacheinander Thrine, Karlk und König Thrall in die Schatzkammer mit dem Geschmeide gestürmt kommen, dabei immer einander und den zunehmend verwirrten Rald überraschend.

Es verwundert nicht, dass Clifford Ball in The Goddess Awakes (Februar 1938) erneut den Meisterdieb zum Helden seiner Geschichte machte. Dieser hat inzwischen allerdings einen Berufswechsel vollzogen und ist zusammen mit seinem Kumpel Thwaine ins Söldnergeschäft eingestiegen. "What difference? Stealing for a king or for yourself?" Unglücklicherweise hat die Armee, in der die beiden gedient haben, gerade eine vernichtende Niederlage erlitten. Thwaine kommentiert verbittert: "Why do we always pick the losing side to fight on? Once in a while we should be victors!" Und ob das in pechschwarze Dunkelheit gehüllte Tal, in das die beiden gerade geflohen sind, wirklich soviel sicherer ist als das Schlachtfeld, bleibt auch noch abzuwarten. Die Antwort ist natürlich Nein. Schon bald sind unsere beiden Helden die Gefangenen eines Amazonenvolkes, das unter dem Einfluss des finsteren Magiers Throal steht, und sollen an die monströse Katzengöttin Hess verfüttert werden.
Leider hält The Goddess Awakes nicht, was die durchaus ansprechende Eröffnungsszene mit ihren sarkastische Bemerkungen austauschenden Söldnern auf der Flucht verspricht. Vielmehr fällt Ball mit seiner dritten Geschichte erneut in die unangenehm sexistischen Gepflogenheiten seines Erstlingswerks zurück. Ganz so übel wie in Duar the Accursed wird es zwar nicht, aber wie wohl fast immer, wenn in Stories dieser Ära und dieser Provinienz ein Amazonenvolk auftaucht, muss man sich auf manch unangenehme und mitunter auch peinliche Szene gefasst machen. Von Ralds ursprünglichem Charme hat sich leider nur wenig erhalten, und auch wenn die finale Konfrontation mit der Katzengöttin recht beeindruckend ausfällt, bleibt der schale Nachgeschmack, dass all dies letztlich auf die Wiederherstellung der "natürlichen Ordnung zwischen den Geschlechtern" hinausläuft. Auch mutet es eigentümlich an, wenn in einer Fantasystory wie dieser Namen wie Isis, Nil, Bastet oder Buddha fallen. Conans Hyborian Age bestand zwar auch aus einer Ansammlung kaum verhüllter Analogien zu realen Ländern, Völkern und Kulturen, aber ganz so direkt wäre Howard denn doch nicht vorgegangen.  

Alles in allem ist Clifford Balls Beitrag zur frühen Sword & Sorcery hauptsächlich von historischem Interesse. Hier und da finden sich zwar einige interessante Ideen oder sympathische Momente, aber als Ganzes betrachtet können die drei Stories nicht wirklich überzeugen. Es verwundert darum auch nicht, dass Ball in seiner Rolle als Sword & Sorcery - Lieferant schon bald von einem etwas erfahreneren Weird Tales - Autoren abgelöst werden sollte. Drei Monate nach The Goddess Awakes erschien mit Thunder in the Dawn Henry Kuttners erste Story über Elak of Atlantis. Doch das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden.        
   


(1) Zit. nach: Mark Finn: Blood & Thunder. The Life & Art of Robert E. Howard. S. 174.:
(2) Zit. nach: Ebd. S. 197.
(3) Zit. nach: Ebd. S. 174f.
(4) Ich habe vor Zeiten eimmal hier einen Beitrag über die legendäre "Königin der Pulps" veröffentlicht.
(5) Weird Tales, Vol. 30, Nr. 4. S. 510.