"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Samstag, 13. Juli 2019

Strandgut

Freitag, 12. Juli 2019

Willkommen an Bord der "Liberator" – S03/E03: "Volcano"

Ein Blake's 7 - Rewatch

Wie ich in meinem Beitrag zu Aftermath bereits angesprochen habe, hatte es ursprünglich die Idee gegeben, die Suche nach Blake zum überspannenden Handlungsbogen der dritten Staffel zu machen. Dieses Konzept war schon bald fallengelassen worden. Ein letzter Überrest findet sich aber noch in Volcano, denn wie wir erfahren ist einer der Gründe, warum sich die Liberator zum Planeten Obsidian begeben hat, das Gerücht, Blake sei dort gesehen worden. Die entsprechende Szene macht allerdings deutlich, dass Avon nichts davon hält, solchen Gerüchten nachzujagen: "It's getting to be a fairly common rumor. We could spend the rest of our lives chasing down the ones we've picked up so far." Natürlich dürfte er auch kaum ein Interesse daran haben, den verschwundenen Freiheitskämpfer tatsächlich wiederzufinden. Schließlich wollte er ihn schon seit langem loswerden. Dass sich die Liberator überhaupt im Orbit von Obsidian befindet, zeigt allerdings auch, dass es dem zynischen Computergenie, anders als er es erwartet hatte, nicht gelungen ist, das Kommando an sich zu reißen.
Auch Blakes Autorität war nie absolut gewesen. Wie Jenna in Voice From the Past zu ihm gesagt hatte, als er seine Genossen mal wieder gar zu selbstherrlich herumkommandieren wollte: "You lead. We don't take commands." Aber letztenendes war es ihm dank seines Charismas fast immer gelungen, seinen Willen durchzusetzen. Avon kann schon allein aufgrund seiner unverhüllt zur Schau getragenen Arroganz nicht hoffen, eine ähnliche Rolle zu spielen. Seine unzweifelbare Intelligenz allein ist nicht ausreichend, um ihn zum neuen Anführer zu machen. Zumal sich mit den Neuzugängen Dayna und Tarrant die Dynamik innerhalb der Crew sicher auf noch nicht abzusehende Weise verändern wird.
Der Entschluss, nach Obsidian zu fliegen, dürfte eine Mehrheitsentscheidung gewesen sein, bei der Avon ganz einfach überstimmt wurde. Ausschlaggebend war dabei vermutlich Dayna, denn auf dem Planeten sollen Freunde ihres ermordeten Vaters leben, die man vielleicht als Verbündete gewinnen könnte.  
Es ist darum auch nur logisch, dass sie sich als erste auf die von heftiger vulkanischer Aktivität gekennzeichnete Oberfläche teleportieren lässt. Weniger einfach zu erklären ist, warum Tarrant sie begleitet, zumal er dabei nicht besonders enthusiastisch wirkt. Als sie ihn ganz direkt nach seinen Beweggründen fragt, antwortet er ebenso direkt: "I don't trust anyone except my self. That's why I'm still alive." Derweil nutzt das auf der Liberator zurückgebliebene Rest-Trio der alten Crew die Abwesenheit der beiden dazu, die Vertrauenswürdigkeit ihrer neuen Kameraden zu diskutieren. Vila bringt am direktesten sein Misstrauen gegenüber Tarrant zum Ausdruck: "Tarrant says he was a space captain, but then he says a lot of things, and you don't have to believe it all, do you?" Und seine Vorbehalte gehen über Zweifel an der Aufrichtigkeit des Ex-Offiziers hinaus. Offenbar sieht er in ihm eine mögliche Bedrohung für die Gruppe: "[I]t's Tarrant you should be worried about." Inwieweit Cally und Avon seine Bedenken teilen, bleibt vorerst unklar. Sonnenklar ist für die beiden allerdings, warum sich Vilas Misstrauen nicht auch auf Dayna erstreckt:
Cally: Well, she's pretty, for one thing.
Vila: Pretty? Yes, I suppose she is. I hadn't really noticed.
Avon: We've seen you not really noticing ... frequently.
Dass sich Vilas Gehirn angesichts hübscher Frauen gerne Mal abschaltet, ist in der Tat nichts neues. Warum ihn Tarrants Anwesenheit auf der Liberator so mulmig stimmt, wird im Verlauf der nächsten drei Episoden sehr viel klarer werden. Doch das Verhalten des Ex-Offiziers, wie wir es in Volcano beobachten können, gibt darauf schon recht deutliche Hinweise.

Die auf Obsidian lebende Gemeinschaft, an deren Spitze "First Citizen" Hower (Michael Gough) steht, der in jungen Jahren mit Daynas Vater Hal Mallenby befreundet war, bekennt sich zu einem kompromisslosen Pazifismus. Sie lehnt es nicht nur ab, sich in irgendwelche interstellaren Konflikte verstricken zu lassen, unter Howers Führung ist man auch darangegangen, alle aggressiven Impulse unter den eigenen Mitgliedern auszurotten. Zur Unterdrückung der "animalischen" Seite der menschlichen Psyche bedient man sich einer Kombination aus Konditionierung ("usually with a minute electric shock") und "daily psychological propaganda". "We have no war, no fights among ourselves, no lawlessness, no crime." Dayna, deren eigene Persönlichkeit ja so gar nicht dem von Hower angepriesenen Ideal entspricht, zeigt sich skeptisch.

Michael Gough war ein großartiger Schauspieler und ein bekanntes Gesicht in der Welt des phantastischen Films und Fernsehens. In der Ära des klassischen Brit-Horrors bekam man ihn immer wieder zu sehen, sowohl in Hammer- und Amicus - Filmen als auch in einigen der Exploitation-lastigeren Produktionen der 70er Jahre: Dracula (1958), Horrors of the Black Museum (1959), Konga (1961), The Phantom of the Opera (1962), Dr. Terror's House of Horrors (1965), The Skull (1965), Curse of the Crimson Altar (1968), Trog (1970), The Corpse (1971), Horror Hospital (1973) und Satan's Slave (1976). Er wirkte mehrfach in Dr. Who mit und spielte in der TV-Adaption des Kleinen Vampir (1986) Onkel Theodor. Von Tim Burtons Batman (1989) bis Joel Schumachers Batman & Robin (1997) verkörperte er Bruce Waynes treuen Butler Alfred. Und schließlich hatte er auch noch einen Auftritt in Burtons charmanter Hammer - Horror - Hommage.Sleepy Hollow (1999).
Gough verleiht der Rolle des Hower eine unheimliche Aura von herablassender Gefühllosigkeit. Jede einzelne seiner Bewegungen wirkt extrem kontrolliert und manieriert. Ein Blick auf diesen Mann reicht aus, um zu erkennen, dass Obsidian kein Utopia ist. Ganz im Gegenteil ...

Tarrant macht keinen Hehl daraus, dass er die Gesetze und Ideale der Gemeinschaft von Obsidian für weltfremd hält. Das bedeutet jedoch nicht, dass er Howers Zurückweisung eines Büdnisses einfach akzeptieren würde. Der Alte ist offenbar viel zu dogmatisch, als dass sich eine Diskussion mit ihm lohnen würde, als ignoriert er ihn mehr oder weniger. Sein Sohn Bershar (Malcolm Bullivant), der für die Verteidigung der Kolonie verantwortlich ist, scheint da schon ein vielversprechenderer Ansprechpartner zu sein. Tarrants Argumente machen deutlich, dass soweit es ihn betrifft, die Liberator in Zukunft als Piratenschiff operieren soll. Im Austausch für eine Operationsbasis auf Obsidian und mögliche Rekruten bietet er den Schutz durch "the most powerful fighting ship in the galaxy" und einen Anteil an der Beute an, "and there will be spoils, once we're strong enough to take them." Es ist unklar, inwieweit diese Pläne mit dem Rest der Liberator - Crew abgesprochen wurden. Aber die forsche Art, in der er Daynas Versuche, ihn zu einem etwas weniger aggressiven Auftreten zu bewegen, beiseite wischt, lässt vermuten, dass er sich bereits als Kommandant der Liberator sieht. Hower kommentiert denn auch sehr treffend: "You were once a Federation space captain, you said ... You still sound like one."

Allerdings liegt Tarrant gar nicht so falsch mit der Vermutung, Bershar könnte ein offenes Ohr für derartige Argumente haben. Was er nicht ahnen konnte, ist bloß, dass dieser ein ähnliches Angebot bereits von einer anderen, mächtigeren Partei erhalten hatte: Servalan und der sich nach dem Krieg allmählich wieder festigenden Föderation.

Die Szenen auf Servalans Flagschiff deuten freilich an, dass "Madam President" noch lange nicht so fest im Sattel sitzt, wie sie gerne würde. Commander Mori (Ben Howard), der die Liberator kapern soll, scheut sich nicht, kritische Fragen zu stellen. Er zögert sogar, als ihm ein kaltblütiger Mord befohlen wird. Als die Diktatorin ihn daran erinnert, dass ihm der Posten des Obersten Befehlshabers winkt, falls er seine Mission erfolgreich zum Abschluss bringt, erwiedert er: "That, Madam President, is why I am going at all." Auch wenn er sich beeilt, hinzuzufügen: "That and my personal loyalty to you." Worauf Servalan trocken, aber auch etwas resigniert, zurückgibt: "Quite." Selbst der sehr viel folgsamer wirkende Kommandant eines Raumgeschwaders, das die Liberator attackieren soll, bricht den Angriff ab, ohne einen entsprechenden Befehl abzuwarten, als er gar zu viele Verluste einstecken muss. Servalans einziger Trost liegt darin, dass die Liberator ohne Blake wohl keine unmittelbare Bedrohung mehr darstellt:
Servalan: Well the crew have no political ambitions.
Mutoid: They are merely criminals.
Servalan: So they'll keep. Until the rule of law has been restored. Until my rule of law has been restored. 

Donnerstag, 4. Juli 2019

Let Me Tell You Of The Days Of High Adventure

Swords v. Cthulhu, hg. von Jesse Bullington & Molly Tanzer

Vor inzwischen über einem Monat veranstaltete ich auf Twitter eine kleine Umfrage, in der es darum ging, ob ich den Obertitel "Let Me Tell You Of The Days Of High Adventure" in Zukunft auch für Beiträge verwenden sollte, die sich zwar mit Werken der literarischen Sword & Sorcery, aber nicht länger mit der Frühphase des Genres beschäftigen. Die überwältigende Mehrheit {8 von 8} votierte dafür.
Allen daran Interessierten verspreche ich hoch und heilig und bei Crom, dass die ursprüngliche Serie fortgeführt und zum Abschluss gebracht werden wird. Heute aber wollen wir uns einem deutlich neueren Beispiel der Sword & Sorcery zuwenden. Allerdings besteht dabei sehr wohl eine gewisse Verbindung zu unseren alten Abenteuern.
Als ich mich Ende letzten Jahres mit Henry Kuttners Elak of Atlantis beschäftigte, ging ich dabei auch kurz auf die Rolle ein, die H.P. Lovecraft für die junge Sword & Sorcery gespielt hat, und merkte an, dass wir in einer ganzen Reihe von frühen Werken des Genres Anklänge an seinen Kosmischen Horror finden können. Nebenbei erwähnte ich auch, dass ich vorhätte, mir die 2016 bei Stone Skin Press erschienene und von Jesse Bullington & Molly Tanzer zusammengestellte Anthologie Swords v. Cthulhu zu besorgen, in der Cthulhu-Mythos und Sword & Sorcery sehr viel direkter zueinander finden. Das habe ich inzwischen getan.   

Freundinnen & Freunden der Weird Fiction dürften Jesse Bullington (The Sad Tale of the Brothers Grossbart, The Enterprise of Death, The Folly of the World) und Molly Tanzer (A Pretty Mouth, Vermilion, The Pleasure Merchant, Creatures of Will & Temper, Creatures of Want & Ruin) nicht ganz unbekannt sein. Wenn doch, kann ich nur empfehlen, dies bald möglichst zu korrigieren. Bullington ist außerdem für die gleichfalls von Stone Skin Press herausgebrachte Anthologie Letters to Lovecraft verantwortlich.

Swords v. Cthulhu ist eine Art Fortsetzung zum 2012 erschienenen Shotguns v. Cthulhu. Und wie schon bei diesem könnte man sich auch hier fragen, ob actiongeladene Abenteuergeschichten in der Welt des Cthulhu-Mythos überhaupt Sinn machen. Die völlige Hilflosigkeit des Menschen gegenüber den Schrecken der Großen Alten ist schließlich ein integraler Bestandteil des lovecraftianischen Kosmischen Horrors. Tatsächlich jedoch sind Stories dieser Art beinahe so alt wie der Mythos selbst. Und die erste wurde – wen wundert's? – von niemand anderem verfasst als von Robert E. Howard. Ursprünglich hatte dieser sogar vorgehabt, in seiner ersten Conan-Geschichte The Phoenix on the Sword nebenbei die Namen Cthulhu, Yog-Sothoth und Tsatthoggua fallen zu lassen. In der im Dezember 1932 in Weird Tales veröffentlichten Fassung ist dann allerdings nur noch von den "Nameless Old Ones" die Rede, deren "vast shadowy outlines" den Cimmerier erschauern lassen. Dafür überarebeitete er eine seiner im Nahen Osten angesiedelten Abenteuergeschichten noch einmal und fügte ihr ein übernatürliches und offen cthulhuides Element hinzu. Erstmals veröffentlicht wurde The Fire of Asshurbanipal allerdings erst nach dem Tod des Autors in der Dezemberausgabe 1936 von Weird Tales.
Der Amerikaner Steve Clarney und der Afghane Yar Ali sind ein unzertrennliches Abenteuerer-Duo, das schon seit Jahren den Nahen Osten und Zentralasien durchstreift, getrieben von ruheloser Wanderlust und stets auf der Suche nach "some vague and undiscovered treasure, some pot of gold at the foot of some yet unborn rainbow." Als die Kunde von einer mysteriösen Versunkenen Stadt in der Wüste an ihr Ohr dringt, die einen gewaltigen Rubin beherbergen soll, machen sie sich umgehend auf die Suche nach der übel beleumundeten Metropole, "[which] the Arabs called [...] Beled-el-Djinn, the City of Devils, and the Turks, Kara-Shehr, the Black City." Doch dann werden sie inmitten der Ödnis von einer Schar Beduinen überfallen. Dies ist die Situation, in der wir sie zu Beginn der Story vorfinden. Zwar gelingt es ihnen, die Attacke fürs erste zurückzuschlagen, aber Munitions- wie Wasserrvorräte neigen sich bedrohlich dem Ende zu, und ihre Reittiere haben sie jetzt auch verloren. Die Frage ist eigentlich bloß noch, ob sie verdursten werden oder zuvor den Kugeln der Beduinen zum Opfer fallen. Dennoch schleppen sie sich mit einer Art stoischem Fatalismus weiter durch die Wüste. Und siehe da, sie stolpern doch tatsächlich über die Ruinen einer gewaltigen Stadt. Nicht dass das ihre Lage wirklich verbessern würde, aber es hat doch irgendwie was erhebendes, während eines abenteuerlichen Erkundungsgangs und nicht irgendwo zwischen den Dünen zu krepieren, oder? Und so machen sich die beiden denn daran, die finsteren Gewölbe der unheimlichen Metropole zu erfrorschen. Sie entdecken auch wirklich ein königliches Skelett mit einem riesigen roten Edelstein in der Knochenhand. Doch schon wenig später tauchen erneut die Beduinen auf, diesmal angeführt von einem alten Rivalen unserer Helden, dem Ex-Sklavenhändler Nureddin El Mekru. Es kommt zu einer grandiosen Kampfszene. Am Ende liegen Clarney und Yar Ali gefesselt am Boden, während Nureddin sich über das "elaborate entertainment" freut, das er für die beiden geplant hat. Doch sie alle haben ihre Rechnung ohne den monströsen Wächter des "Feuers von Asshurbanipal" gemacht.
Bereits ganz am Anfang der Geschichte wird die Vermutung aufgestellt, Beled-el-Djinn könnte "the ancient, ancient City of Evil spoken of in the Necronomicon of the mad Arab Alhazred" sein.  Howard scheint dieses Motiv sehr gemocht zu haben, denn in einer weiteren seiner Mythos-Stories, der leider mit viel rassentheoretischem Blödsinn durchmixten Children of the Night, erwähnt er abermals eine mysteriöse "city in the waste", dort allerdings im Zusammenhang mit seinem eigenen Grimoire, den Unaussprechlichen Kulten des Von Juntz. Ob er dabei u.a. an die islamische Legende von der untergegangenen Stadt "Iram mit den Säulen" gedacht hat, die in der 89. Sura des Koran, al-faǧr (Die Morgendämmerung), unter den Völkern aufgezählt wird, an denen Gott in der Vergangenheit sein Strafgericht vollzogen habe?
(6) Hast du nicht gesehen, wie dein Herr (seinerzeit) mit den ʿĀd (und deren Siedlung) verfahren ist,
(7) mit Iram, der (Stadt) mit der Säule,
(8) dergleichen sonst nirgendwo (w. nicht im Land) geschaffen worden ist,
(9) und (mit) den Thamūd, die im Tal (in dem sie wohnten) den Fels aushöhlten,
(10) und (mit) Pharao, dem mit den Pfählen (?)
(11) (mit ihnen allen) die im Land aufsässig waren
(12) und darin viel Unheil anrichteten?
Lovecraft erwähnt "Iram mit den Säulen" in The Nameless City und The Call of Cthulhu, wo die Stadt sogar als das Zentrum des Kults der Großen Alten beschrieben wird. Ein Indiz dafür, dass Beled el-Djinn tatsächlich Iram sein soll, könnte die wiederholte Erwähnung gewaltiger Säulen sein, die die Architektur der Metropole zu dominieren scheinen:
[D]irectly in front of them ran a broad avenue, the outline of which not even the ravaging sands and winds of time had been able to efface. On either side of the wide way were ranged huge columns, not unusually tall, even allowing for the sand that hid their bases, but incredibly massive. On the top of each column stood a figure carved from solid stone great, somber images, half human, half bestial, partaking of the brooding brutishness of the whole city.
Wie dem auch sei, auf jedenfall ist die Stadt von einer typisch cthulhuiden Atmosphäre umgeben:
[T]he builders of Nineveh and Kara- Shehr were cast in another mold from the people of today. Their art and culture were too ponderous, too grimly barren of the lighter aspects of humanity, to be wholly human, as modern man understands humanity.
Im Zusammenhang mit dem monströsen Wächter des Edelsteins werden von einem alten Beduinen dann ganz ausdrücklich die "forgotten gods, Cthulhu and Koth and Yog-Sothoth" genannt, "and all the pre-Adamite Dwellers in the black cities under the sea and the caverns of the earth". Und zum Abschluss zitiert Clarney beinah das Necronomicon:
Mankind isn't the first owner of the earth; there were Beings here before his coming and now, survivals of hideously ancient epochs.*
The Fire of Asshurbanipal ist eine typische howardsche Abenteuerstory voller kinoreifer Action, Gewehrfeuer und Fisticuffs. Seine Protagonisten sind ebenso typische Howard-Helden, wobei angenehm auffällt, dass die beiden weitgehend als ebenbürtig beschrieben werden. In vielem erscheint Yar Ali sogar als der abgehärtetere der beiden, der außerdem über die besseren Instinkte verfügt. {Was natürlich nicht heißen soll, die Geschichte sei frei von ethnischen Stereotypen.}  Dennoch wirken die cthulhuiden Elemente in der überarbeiteten Fassung nicht wie Fremdkörper. Sie passen durchaus zur Gesamtatmosphäre. Und so zeigt The Fire of Asshurbanipal sehr schön, dass Mythos und Action sich nicht ausschließen müssen.

Schauen wir also, was uns Swords v. Cthulhu in dieser Hinsicht zu bieten hat.

Die Anthologie ist eine in Setting, Stil und Ton recht vielfältige Sammlung von zweiundzwanzig Geschichten. Einige von ihnen greifen ganz direkt Versatzstücke des klassischen Cthulhu-Mythos auf, bei anderen besteht die Verbindung nur in atmosphärischer Hinsicht. Manche spielen vor einem historischen Hintergrund, andere sind in phantastischen Welten, eine sogar in Lovecrafts eigenen Dreamlands, angesiedelt. Wie stets bei Anthologien haben einige der Stories einen stärkeren Eindruck auf mich gemacht als andere, aber zumindest ein paar Worte möchte ich doch über jede von ihnen verlieren.    

* John Langan: The Savage Angela in: The Beast in the Tunnels – Es macht Sinn, dass diese Geschichte am Anfang der Anthologie steht, spielt Langan in ihr doch mit einigen der geläufigen Klischees und Konventionen der Sword & Sorcery. Das macht ja schon der Titel deutlich, denn natürlich gibt es keine weiteren Stories über Savage Angela, es soll bloß der Eindruck einer Pulp-Serienheldin geweckt werden. Zusammen mit ihrem sprechenden Schwert Deus Ex Machina hat sich die gute Angela aufgemacht, im Auftrag von König Bram ein berüchtigtes Monster zu erlegen, das regelmäßig die "Joyweed"-Felder verwüstet, auf denen der schwunghafte Drogenhandel basiert, welcher für die gut gefüllte Schatztruhe des Reiches sorgt. Doch der eine bronzene Rüstung tragende Riesenmaulwurf ist in Wahrheit etwas sehr viel älteres und eigenartigeres als ein gewöhnliches Ungeheuer, und Angela selbst hat mit Deus Ex Machina, das ihr einst in einem Traum verliehen wurde, ein Schicksal akzeptiert, das düsterer kaum sein könnte.

* Michael Cisco: Non Omnis Moriar – H.P. Lovecraft war ein Liebhaber der klassischen lateinischen Literatur und ein großer Bewunderer des Römischen Reiches und seiner Kultur, was immer wieder zu freundschaftlichen Auseinandersetzungen mit Robert E. Howard führte, für den das Imperium die klassische Verkörperung jener repressiven "Zivilisation" war, die er so sehr verabscheute, wie man exemplarisch in der Bran Mak Morn - Story Worms of the Earth zu sehen bekommt. In einem Brief an Donald Wandrei vom 3. November 1927 schreibt Lovecraft, dass er in jungen Jahren häufiger "Roman dreams" gehabt habe: "I used to follow the Divine Julius all over Gallia as a Tribunus Militum o' Nights". In demselben Brief beschreibt er ausführlich einen ebensolchen, der ihm nach langer Unterbrechung kürzlich zuteil geworden sei. Als die Geschichtes dieses Traumes 1940 in der Fanzine Scienti-Snaps erstmals einem weiteren Publikum zugänglich gemacht wurde, verpasste man ihr den Titel The Very Old Folk. Michael Cisco hat eine Fortsetzung dazu geschrieben, in der der Aedil Tiberius Annaeus Stilpo seine bedrohte politische Karriere zu retten versucht, indem er sich zusammen mit dem verschuldeten Ex-Beamten Nicostratus Tutor, dem ehemaligen Gladiatoren Tullus Durio und dem baskischen Führer Otson ins Bergland der Pyrenäen aufmacht, um die Gründe für das geheimnisvolle Verschwinden der Kohorte aus The Very Old Folk zu erforschen. Dabei betreten die vier schließlich eine unheimliche Anderswelt, in der Schrecken auf sie warten, die zu groß für Mut und Verstand des römischen Karrieristen sind.

* Carrie Vaughn: The Lady of Shalott – Die gleichnamige Ballade dürfte zu den bekanntesten Werken Alfred Lord Tennysons gehören und hat über die Jahrzehnte unzählige Künstler wie Walter Crane, William Maw Egley, John Atkinson Grimshaw, Arthur Hughes, William Holman Hunt, Sidney Harold Meteyard und John William Watterhouse (1 * 2 * 3) inspiriert. In Carrie Vaughns Version der Geschichte fehlt das berühmte Selbstmord-Ende, stattdessen werden eine Art Außen- und Innenansicht der Ereignisse nebeneinander gestellt. Auf der einen Seite haben wir Lancelots Perspektive, der die mögliche "Befreiung" einer "verfluchten" Maid aus ihrem Turm für eine prächtige Aventiure-Gelegenheit hält. Die entsprechenden Passagen stellen eine nett-amüsante Parodie auf die Klischees der Ritterromantik dar. Auf der anderen Seite die Sicht der Lady selbst, die nicht weiß, warum sie dazu verdammt ist, für immer in ihrem Turmzimmer einen riesigen Wandbehang zu weben und nie auch nur einen Blick nach draußen werfen zu dürfen. Schließlich umgeht sie das Tabu mithilfe ihres Spiegels, doch ihre erwachende Sehnsucht nach der Außenwelt hat katastrophale Folgen. Leider untergräbt die finale Wendung in ihrer Durchgeknalltheit ein wenig die ernsthafteren Momente dieses zweiten Handlungsteils. 

* A. Scott Clancy: Trespassers – Vor dem historischen Hintergrund des "Great Game" des Ringens um die Vorherrschaft über Zentralasien zwischen Großbritannien und Russland gegen Ende des 19. Jahrhunderts erzählt Clancy eine atmosphärisch dichte Horror-Abenteuer-Story im Stil von Robert E. Howard oder anderen Pulpautoren der 20er/30er Jahre. Die Geschichte der blutigen Konfrontation zwischen Captain Henry Conders Gurkha-Truppe und einem Stamm untoter, kannibalistischer Pygmäen, die von dem monströsen "Unspeakable Lama of the Tcho-tchos" beherrscht werden, ist völlig frei von irgendwelchen ironischen, "genrekritischen" oder postmodernen Wendungen, doch  gerade diese klassische, kompromisslose Geradlinigkeit hat mir sehr gut gefallen.  

* Remy Nakamura: The Dan no Uchi Horror – Eine im feudalen Japan angesiedelte actiongeladene Neuerzählung des Dunwich Horror, in der sich die onna-bugeisha Takeda Inochinomi mit ihren monströsen Halbbrüdern und ihrer Mutter herumschlagen muss, die sich mit Yog-Sothoth eingelassen hat. Nebenbei bleibt außerdem Zeit für eine leidenschaftliche Affäre mit der itako Mizuko.

* L. Lark: St.Baboloki's Hymn for Lost Girls – Die Geschichte spielt irgendwo in einem phantastisch angehauchten Afrika. Anfangs war ich mir da nicht ganz sicher, aber der Knobkierie der Heldin, die Namen Naledi und Baboloki sowie das Monster Adze, bei dem es sich eigentlich um ein Wesen aus der Folklore des Ewe-Volkes handelt, gaben mir nach etwas Google-Recherche eindeutigen Aufschluss über das Setting. Der märchenartige Tonfall der Story führt dazu, dass wir am Ende beinahe so etwas wie Sympathie für das cthulhuide Ungeheuer empfinden können. Die Großen Alten sind bekanntlich nicht im landläufigen Sinne "böse". Sie stehen der Menschheit bloß mit absoluter Gleichgültigkeit gegenüber. Dasselbe gilt für das Adze. Das Wesen folgt ganz einfach seiner Natur, was unglücklicherweise Tod und Zerstörung für Naledis Volk bedeutet. Da unsere Heldin die Gabe besitzt, mit den Insekten sprechen zu können, ist es ihr auch möglich, mit dem Adze zu kommunizieren. Und dessen Erwiederungen wirken in ihrer höflichen Gleichgültigkeit beinah liebenswert. Erschlagen muss Naledi das Monster natürlich trotzdem.

* John Hornor Jacobs: The Children of Yig – Diese Story hat mich ziemlich beeindruckt, aber das cthulhuide Element spielte dabei so gut wie keine Rolle. Nach dem Tod ihres Vaters nimmt die junge Grislae erstmals an einer Wikingfahrt teil. Sie setzt alles daran, den Respekt des Führers Heingistr zu gewinnen und als vollwertiges Mitglied der Mannschaft der Reinen anerkannt zu werden. Als sie nach einem ersten kleineren Gefecht von Heingistr formell in den Trupp aufgenommen wird – "You are blooded now and one of my company" – beschreibt Jacobs ihre Reaktion so: "For the first time in her life, Grislae was happy. The feeling was so foreign and short-lived, she was only aware of it once it was gone." Da die Geschichte aus Grislaes Perspektive erzählt wird, gehört ihr spontan auch unsere Sympathie. Doch die Gemeinschaft, der sie sich zugehörig fühlen will, zeichnet sich durch eine geradezu selbstverständliche Brutalität aus. Plündern, Morden, Vergewaltigen ist ihr Geschäft. Grislaes Vater wurde von seinen Kameraden spöttisch "Boy-Lover" genannt, weil er sich weigerte, Kinder zu töten. Ein Grund mehr für sie, sich möglichst stark von ihm abzugrenzen und ein besonders rücksichtsloses Verhalten an den Tag zu legen. Die Story schwelgt nicht auf voyeuristische Weise in Szenen von Gewalt, sondern beschreibt diese in einem nüchtern-distanzierten Tonfall. Auf faszinierende Weise gelingt es Jacobs so, die Wikinger als "ganz normale" Leute mit "ganz normalen" Problemen und Gefühlen darzustellen, ohne die Allgegenwärtigkeit von Gewalt in ihrem Leben zu vertuschen. Eine Szene hat mir in dieser Hinsicht besonders gut gefallen. Auf dem Rückweg von einem erfolgreichen Raubzug unterhalten sich die Freunde Uvigg und Hoesna über ihre Familien daheim. Die letzte Ernte war mager, aber von der Beute wird man sich eine Kuh kaufen können. Die Söhne sind bald alt genug, um mit auf Wikingfahrt zu gehen, aber die Ehefrau wird nicht glücklich sein, alleine mit den Mädchen zurückbleiben zu müssen. Mitten im Satz wird Uviggs Kehle von einem Pfeil durchbohrt und er bricht tot zusammen, als der Trupp von den Gefolgsleuten des örtlichen Feudalherrn angegriffen wird. Der Subplot um den lovecraftschen Schlangengott Yig wirkt bei dem Ganzen dann beinah wie eine unnötige Zutat.

* Jeremiah Tolbert: The Dreamers of Alamoi – In einer phantastischen Welt, in deren Kultur und Gesellschaft Träume eine zentrale Rolle spielen, erhält der Abenteurer Garen von zwei Gelehrten der Traumuniversität den Auftrag, eine Metropole aufzusuchen, deren Bevölkerung einer "Traumseuche" erlegen ist. Ein Großer Alter hat von den Träumen der Einwohner Besitz ergriffen und diese bauen nun unter seiner Kontrolle ein riesiges Portal, das dem monströsen Gott die Rückkehr in die Welt der Menschen ermöglichen soll. Das muss verhindert werden! Da Garen schon seit Jahren nicht mehr in der Lage ist zu schlafen – ein Fluch, den er verzweifelt loszuwerden versucht und der ihn an den Rand des Wahnsinns getrieben hat – ist er der ideale Kandidat für diese Mission. Ein spannender Weltenbau und ein interessanter Protagonist, von denen ich gerne mehr lesen würde.  

* Ben Stewart: Two Suns over Zululand – Während um ihn herum der Kampf zwischen dem Volk der Zulu und dem britischen Empire tobt, muss der Krieger Lwazi im Auftrag des sangoma (~Schamanen) Mandlenkosi eine gestohlene Götterfigurine aus einem englischen Fort zurückholen, bevor der Große Alte H'aaztre (Hastur) unsere Welt betreten kann und die "zwei Sonnen" über Zululand aufgehen. Eine schnörkellose Mythos-Action-Geschichte in einem recht interessanten historisch-kulturellen Setting.  

* Orrin Grey: A Circle That Ever Returneth In – Wer hätte gedacht, in so einer Anthologie auf eine kurze Choose-Your-Own-Adventure - Story zu stoßen, die auf  charmante Weise Fritz Leiber, H.P. Lovecraft, Robert W. Chambers (The King in Yellow) und Edgar Allan Poe zusammenmixt und bei allem Humor doch ein mythosgerecht düsteres Ende besitzt?

* Wendy N. Wagner: Order Virtutum – Und gleich noch eine angenehme Überraschung. Ich hätte nämlich nicht gedacht, dass ich jemals eine Story lesen würde, in der Hildegard von Bingen und ihre Nonnen gegen lovecraftianische Monster kämpfen. Doch hier ist sie! Kurz nach dem Beginn der Bauarbeiten am Kloster auf dem Rupertsberg wird ein Mann aus dem Rhein gefischt, der von sich behauptet, der wiedergekehrte St. Rupertus zu sein. Ein Wiedergänger aus ferner Vergangenheit ist der Kerl tatsächlich, doch ganz sicher kein Heiliger. Es dauert nicht lange, und er hat die anwesenden Knechte und Arbeiter in Zombies verwandelt, mit deren Hilfe er den Berg für seinen "Gott" wieder in Besitz zu nehmen gedenkt. Hildegard, Schwester Richardis (von Stade) und eine kleine Schar Getreuer verschanzen sich in einem der wenigen bereits fertiggestellten Klostergebäude, und es kommt eine leichte Night of the Living Dead - Atmosphäre auf. Schließlich jedoch gelangt die Äbtissin zu dem Entschluss, dass Angriff immer noch die beste Verteidigung darstellt. Der kleine Mediävist in mir zwingt mich zwar, darauf hinzuweisen, dass Wendy N. Wagner in ihrer Darstellung eher dem populären Eso-Öko-Bild der mittelalterlichen Heiligen folgt als der historischen Realität, aber es macht einfach großen Spaß, ihr dabei zuzusehen, wie sie die Kräfte der Schöpfung und des Lebens –  sozusagen eine Art magisch-göttliche Flowerpower gegen die cthulhuiden Mächte von Verfall und Degeneration in die Schlacht führt.      

* Andrew S. Fuller: Red Sails, Dark Moon – Jinny hat es in die Traumlande verschlagen. Sie weiß nicht, wie sie dorthin gelangt ist, noch wo sie ursprünglich herkommt. In der Hafenstadt Dylath-Leen wird sie von Mond-Bestien gekidnappt und auf ein Sklavenschiff gebracht. Doch bevor die fliegende Galeere ihr lunares Ziel erreicht, wird sie von dem Piratenschiff Arkham Rose unter dem Kommando von Kapitänin Bloodrose angegriffen und gekapert. Bloodrose befreit die Sklaven, exekutiert die Mond-Bestien und nimmt deren Diener, Bewohner von Leng, in ihre eigene Crew auf. Als einziger Mensch unter den Gefangenen erregt Jinny das Interesse der Kapitänin und schon bald entwickelt sich eine leidenschaftliche Liebesbeziehung zwischen den beiden. Doch dann kommt eine Passage, die die Geschichte sofort in einen völlig anderen Kontext stellt: "She woke in horrendous pain, elsewhere. The skin on her back roared with a deep, etching fire. The air was different, muggy and plant sweet. Mosquitoes whined and bit. Someone touched a damp cloth to her forehead and sang softly of a sweet chariot. And Jinny slipped again. Away." Die Bestätigung erhalten wir zwar erst ganz am Ende, doch für mich war von diesem Moment an klar: Jinny ist eine schwarze Sklavin in den alten Südstaaten. Fuller benutzt Elemente aus The Dream-Quest of Unknown Kadath, angereichert mit Motiven aus dem Spiritual Swing Low Sweet Chariot und der Seeräuber-Jenny von Bert Brecht & Kurt Weill, um eine Geschichte über den Traum von Rebellion und Freiheit zu erzählen. Für mich eines der Highlights der Anthologie.     

* M. K. Sauer: The Thief in the Sand – Protagonistin der Story ist eine Diebin, in deren Körper irgendwelche merkwürdigen Parasiten hausen, die es ihr erlauben, bei Bedarf für einige Momente in ein Paralleluniversum überzuwechseln, das von irgendwelchen recht unfreundlichen cthulhuiden Götter-Monstern bewohnt wird. Zur Aktivieung ist allerdings ein Schluck Wasser erforderlich, was in dem Wüstenreich des Shah eine kostbare Seltenheit darstellt. Nachdem sie dank ihrer besonderen "Gabe" dem Schwert des Henkers entkommen ist, macht sie sich zusammen mit einem nicht ganz freiwillig rekrutierten Prinzen auf die Suche nach dem sagenumwobenen "Ma'ah Steed". Die Geschichte endet mit einer überraschenden und nett fiesen Wendung.  

* Jonathan L. Howard: Without Within – Inmitten der Wirren der Englischen Revolution entdecken Major John Bell, Offizier im Parlamentarischen Heer, und seine Leute bei Minierungsarbeiten unter den Stadtmauern von York ein uraltes Stollensystem, das möglicherweise ein Relikt aus der Römerzeit sein könnte. Und wie wir alle wissen, bedeutet so etwas in einem cthulhuiden Kontext nie etwas gutes.

* Jason Heller: Daughter of the Drifting – Seit die Kriegerin Y'vrn in den Besitz der magischen "Klinge von Anothqgg" gelangte, ist sie selbst zu einer Waffe in den endlosen Kriegen der Großen Alten geworden, denn das Wesen des Schwertes ist mit ihrer eigenen Seele verschmolzen. "My soul had been thrown countless times across the dimensions untold, strapped to my master's hip as he waged war with other Great Old Ones". Auf ihrer sinn-  und endlos erscheinenden Wanderung durch die desolate Ödnis des "Ocean Amorphous" ihrer eigenen Welt, wird sie von einer anderen Kriegerin verfolgt, die wie sie an einen der Großen Alten gebunden ist. Schließlich kommt es zum Zweikampf, doch als Anothqgg selbst eingreift, um seinen Champion zu retten, bedeutet das zugleich die Apokalypse für Y'vrns Heimat.

* Natania Barron: The Matter of Aude – Die Story basiert auf dem altfranzösischen Heldenepos (chanson de geste) Fierabras aus dem 12. Jahrhundert, ein beliebter Stoff, der u.a. Cervantes, Calderón und Franz Schubert inspirierte. Aude ist die Schwester Oliviers und die Verlobte Rolands, der beiden berühmtesten Paladine Karls des Großen. Als sie in einer vermeintlicherweise von der Mutter Gottes gesandten Vision vom drohenden Tod ihres Bruders erfährt, der vorhat, im Zweikampf gegen den sarazenischen Riesen Fierabras anzutreten, erpresst sie Bischof Turpin, sie als Novize verkleidet auf den Feldzug mitzunehmen. Doch als es ihr schließlich gelingt, sich in das Lager der Araber zu schleichen, erweist es sich, dass Prinz Fierabras gar kein dämonischer Riese, sondern ein ziemlich verängstigter junger Mann ist, der von den geheimnisvollen "Gelben Mönchen" vor jedem Kampf in einen monströsen, von Blutgier und blinder Wut erfüllten Krieger verwandelt wird. Die beiden gelangen zu einer Übereinkunft, doch am Ende erweist es sich, dass Audes "Schutzpatronin" nicht die christliche Himmelskönigin, sondern die Große Alte Shub-Niggurath ist. Und diese fordert einen Preis für ihre Unterstützung, einen Preis, der auf dem Schlachtfeld von Roncevaux bezahlt werden wird. 
 
* E. Catherine Tobler: The Living, Vengeant Star – Eine Gruppe von Abenteurerinnen zieht durch die Lande, um im Auftrag des mysteriösen "Dunklen Mannes" Monster zu erschlagen. Die meisten werden von der Aussicht auf Beute angetrieben, doch unsere Heldin Elspeth hofft auf diesem Weg, schließlich ihre Schwester aus dem Kerker von Lowenhold befreien zu können. Doch gibt es diese Schwester überhaupt wirklich oder ist die Erinnerung an sie bloß einer der Tricks des "Dunklen Mannes"? Tobler bricht in ihrer Story auf unbekümmerte Weise alle Gesetze des Cthulhu-Mythos. Elspeth erschlägt auf ihrer Queste reihenweise Götter wie Shub-Niggurath, Yig und schließlich sogar ihren Auftraggeber Nyarlathotep. Dennoch endet die Geschichte auf einer großartig kosmischen, aber auch ziemlich finsteren Note. 

* Carlos Orsi: The Argonaut – Noch einmal eine nautische Geschichte mit Piraten, bei der es sich letztenendes aber bloß um eine weitere unterhaltsame kleine Mythos-Action-Story handelt.

* Eneasz Brodski: Of All Possible Worlds Einer der finstersten und pessmistischsten Beiträge der Anthologie, angesiedelt im kaiserlichen Rom. Das Leben des hebräischen Sklaven Marad besteht aus einer einzigen Aneinanderreihung von Demütigungen und Schlimmerem. Den Glauben seiner Väter hat er schon lange aufgeben, wofür es wohl viele Gründe gegeben hat. Der gescheiterte Aufstand seines Volkes. Jener furchtbare Tag, an dem er aus Feigheit an der Steinigung seines einstigen Liebhabers Ehud teilgenommen hat. Oder ganz einfach die so offensichtliche Ungerechtigkeit und Grausamkeit der Welt. Nun ist es seine Aufgabe, die Gladiatorenkämpfe und Tierhatzen seines Herrn Gracus auszurichten. Ein blutiger, dreckiger Job, aber immer noch angenehmer als die Dinge, zu denen manch anderer Sklave gezwungen ist. Der einzige Lichtblick in Marads Existenz ist Aurelius, ein männlicher Tempelprostituierter im Schrein des Somnus, den er besucht, so oft er es sich leisten kann. Eines Tages erwirbt Marad für Gracus einen barbarischen Zauberer, der zur allgemeinen Überraschung in der Arena ein leibhaftiges Monster heraufbeschwört, das ein hübsches und viel bejubeltes Gemetzel unter den Gladiatoren anrichtet. Der Kaiser höchstpersönlich fordert eine Wiederholung der wilden Show. Beinah zu spät realisiert Marad, dass der Hexer und seine Gehilfin vorhaben, ein Portal in die Dimension des Schlafenden Gottes zu öffnen, um die Vernichtung der Menschheit einzuleiten. Und die Argumente der jungen Barbarin klingen für Marad erschreckend überzeugend: "This world is broken. The root of all interaction is violence. The only law is the use of force. You try to hide it under a veneer of justifications and proclamations, but even civilization is just the most powerful deciding what violence to inflict [...] Every comfort and laugh is bought with the pain of others. Every meal is born of the flesh or the toil ofthe vulnerable. This world must end. May the next dream [of God] be less of horror." Wenn Marad die Apokalypse dennoch verhindert, so nur deswegen, weil er selbst leben will, auch wenn es in einer so fürchterlichen Welt ist, wie der unsrigen. 

* Laurie Tom: The Final Gift of Zhuge Liang – China in der Ära der Drei Königreiche und der feudalen Kriege um die Reichseinigung. Zhuge Liang, der große Premierminister der Shu Han, ist während seines Feldzugs gegen die Wei gestorben. Sein Schüler Jiang Wei und dessen Freund Ma Yun, "[who] had been born a woman, but considered himself a man", versuchen einen geordneten Rückzug der Truppen zu organisieren, bevor die Nachricht vom Tod des ebenso geachteten wie gefürchteten Staatsmanns und Heerführers ans Ohr der Feinde gedrungen ist. Doch als sein ursprünglicher Plan fehlschlägt, beschließt Jiang sich der Dunklen Künste zu bedienen, mit deren Hilfe sein verstorbener Lehrmeister die Elemente zu kontrollieren vermochte. Natürlich ist der junge Gelehrte sich nicht im Klaren darüber, worauf er sich da einlässt. Wenn er sein Zusammentreffen mit den finsteren Mächten dennoch relativ unbeschadet übersteht, so aufgrund des "letzten Geschenks", das Zhuge Liang ihm und dem Reich der Shu zu geben vermag.

* Nathan Carson: The King of Lapland's Daughter – Trotz des Titels existiert keinerlei Verbindung zu Lord Dunsanys The King of Elfland's Daughter. Die Erzählung von Prinzessin Aili, ihrer hermaphroditischen Zauberergeliebten Tähti und dem Untergang eines phantatsisch eingefärbten Lapplands, das von einem cthulhuiden Monster aus dem eisigen Norden verwüstet wird, gehört gleichfalls zu den pessimistischsten Geschichten der Anthologie. Eine erschütternde Story, bei der Nathan Carson seinen Leserinnen & Lesern am Ende auch nur den kleinsten Lichtblick verweigert.

* Caleb Wilson: Bow Down Before the Snail King! – Die Anthologie schließt mit der nonlinear und sehr humorvoll erzählten Geschichte einer Schatzsuche, die anders endet als erwartet. Auf Anstoßen des "notorious old poet and flatterer" Loron machen sich "Strategist" {=Kriegerin} Charops, "Weird" {=Zauberin} Ichneumon und "man-at-arms" Kobius auf die Suche nach einer versunkenen Stadt. Den armen Kobius erwischt's schon auf der Hinreise, als wilde Störche {!} den kleinen Heldentrupp überfallen. Als das Rest-Trio schließlich die "Hallen des Schneckenkönigs" erreicht, zeigt sich sehr schnell, dass hier keine Schätze auf sie warten. Loron, der das Leben als serviler Schmeichler der Reichen und Mächtigen satt ist, verfolgt gänzlich andere Ziele. Doch der Auftritt einer monströsen, menschenfressenden Riesenschnecke war eigentlich nicht das, was er sich vorgestellt hatte. Zwar gelingt es Charops mit Hilfe der stets etwas geistesabwesenden Ichneumon {ein Berufsübel, denn die "Weirds" müssen sich alle ihre vergangenen Brüche der Naturgesetze ständig im Bewusstsein halten} den "Schneckenkönig" zu bezwingen, aber ein Blick in die Zukunft zeigt uns zwischendurch, dass unsere Heldin einmal eine wenig freundliche Laufbahn einschlagen wird, was der eigentlich so wunderbar spielerisch und leichtfüßig erzählten Story dann doch eine etwas düsterere Note verleiht.




* Vgl. Lovecrafts Dunwich Horror: "Nor is it to be thought [...] that man is either the oldest or the last of earth’s masters, or that the common bulk of life and substance walks alone. The Old Ones were, the Old Ones are, and the Old Ones shall be."

Montag, 1. Juli 2019

Strandgut

Samstag, 22. Juni 2019

Expeditionen ins Reich der Eighties-Barbaren (XVIII): "Yor - The Hunter from the Future"

Nach einer halben Ewigkeit wollen wir heute endlich einmal wieder einen kleinen Ausflug in die wilden und wunderlichen Gefilde des Sword & Sorcery - Films der 80er Jahre unternehmen. Wie es dazu gekommen ist? Wikipedia hatte mich lange Zeit glauben lassen, Antonio Margheritis Il mondo di Yor / Yor - The Hunter from the Future (1983), einer der unbestrittenen Trash-Klassiker des italienischen Barbarenfilms, sei zwar ursprünglich als vierteilige TV-Miniserie für RAI geplant gewesen, aber dann eben doch als Kinofilm gedreht worden. So zumindest hatte ich den Eintrag immer verstanden. Und mir war auch nie etwas untergekommen, was diese Interpretation in Frage gestellt hätte. Man kann sich vorstellen, wie verblüfft ich war, als mir auf Youtube zufällig vier jeweils ungefähr 50 Minuten lange Yor-Clips unter die Augen kamen. Sollte es sich dabei am Ende um die vier Teile jener Miniserie handeln, von der ich bislang angenommen hatte, dass sie überhaupt nicht existiert? In der Tat! Natürlich machte ich mich umgehend daran, mir diese gut doppelt solange Version der Abenteuer des guten Yor zu Gemüte zu führen. Zumal meine letzte Begegnung mit dem blonden Krieger schon ziemlich lange zurücklag. {Weshalb ich im Folgenden übrigens auch nicht versuchen werde, die beiden Versionen miteinander zu vergleichen}



Der 1930 in Rom geborene Antonio Margheriti war schon in jungen Jahren ein begeisterter Leser von Science Fiction - Comics gewesen und hatte seine Regielaufbahn nicht zufällig mit zwei SciFi-Flicks Space Men (1960) und Il Pianeta degli uomini spenti / Battle of the Worlds (1961) begonnen. Im weiteren Verlauf seiner Karriere tummelte er sich zwar in so ziemlich allen Sparten des italienischen Genrefilms Peplum, Horror, Spaghetti-Western, Giallo, Eurospy, Kriegsfilm, Indiana Jones - Knock-offs , doch kehrte er immer mal wieder zu seiner alten Liebe zurück. So schuf er zwischen 1965 und 1967 seine Gamma I - Tetralogie (I Criminali della Galassia / Wild, Wild Planet [1965], I diafanoidi vengono da Marte / The War of the Planets [1966], Il pianeta errante [1966] und La morte viene dal pianeta Aytin / The Snow Devils [1967]), 1987 seine Weltraum-Version der Schatzinsel (L'isola del tesoro) mit Anthony Quinn als Long John Silver. Als 1983 in Reaktion auf John Milius' Conan the Barbarian auch in Italien eine kurzlebige Barbarenmode ausbrach {wobei man natürlich an die alten Peplum-Traditionen anknüpfen konnte}, wundert es deshalb nicht sonderlich, dass Margheriti die Inspiration für seinen Beitrag in einem Comic fand, der Fantasy- und SF-Elemente miteinander vermischte.
Seit 1974 erschienen in Argentiniens führendem Comicmagazin Skorpio die von Zeichner Juan Zanotto und den Textern Eugenio Zappietro (Ray Collins) & Alfred Julio Grassi (Roderico Schnell) kreierten Abenteuer des urzeitlichen Jägers Henga. Als ein Jahr später der italienische Ableger LancioStory gegründet wurde, übersiedelte der barbarische Held unter dem neuen Namen Yor auf dessen Seiten. Dort lernte ihn Margheriti kennen. Auf der Website Los cómic de Machete kann man sich eine ganze Reihe der Skorpio-Originale anschauen. {Dabei wird man auch auf Hor el Temerario stoßen, bei dem es sich um Hengas/Yors Sohn handelt.} Da ich selbst des Spanischen nicht mächtig bin, waren meiner Recherche da enge Grenzen gesetzt, aber ich habe beim Durchscrollen doch einige Szenen und Charaktere aus dem Film wiedererkannt. Margheriti scheint seiner Vorlage zumindest streckenweise recht eng gefolgt zu sein.

Jede Folge hebt mit dem wundervoll absurden Popsong Yor's World an, derweil unser Held (Reb Brown) durch das kappadokische Bergland joggt, was augenblicklich für gute Stimmung sorgt. In Episode 1 folgt dem ein ziemlich langer Prolog, der leider nur sehr spärlich untertitel wurde, aber offenbar irgendwelche pseudophilosophischen Ausführungen über den mühseligen Aufstieg des prähistorischen Menschen enthält. Vom harten Kampf ums Überleben und der Findigkeit des Homo Sapiens irgendwas in der Art. 
Während die Bevölkerung eines Dorfes auf Anordnung ihres prächtig langbärtigen Häuptlings ein abendliches Fest vorbereitet, machen sich der schon etwas ältliche Pag (Genre-Veteran Luciano Pigozzi) und seine Adoptivtochter Ka-Laa (Corinne Cléry, manchem vielleicht aus Moonraker bekannt) im nachbarlichen Dschungel noch mal rasch auf die Jagd nach einem wirklich putzigen Baby-Stegosaurus. Doch plötzlich bricht mit lautem Getöse ein riesiger Triceratops durchs Unterholz, der sich entgegen aller paläontologischen Erkenntnisse scheinbar für einen Fleischfresser hält. Welch Glück, dass der gute Yor gerade in der Nähe ist, der natürlich nicht zögert, sich in bester Heldenmanier auf den Dino zu stürzen. Nachdem er ihn mit seiner Axt zur Strecke gebracht und ein paar barbarische Triumphschreie ausgestoßen hat, trinkt er von dem Blut des erschlagenen Tieres, "um seine Kraft zu mehren". Als er Pag gleichfalls etwas von dem makabren Trunk anbietet, erwiedert dieser: "Nein danke. Ich bleib lieber schwach."  Ist es zu früh, jetzt schon zu sagen, dass sich der bärtige Geselle rasch zu meinem Favoriten entwickeln würde?
Natürlich lädt man den mutigen Retter zur Party ein, und Häuptling Langbart gibt ihm sogar den ersten Hinweis für seine kommende Queste. Yor hat nämlich ein großes Problem: Er weiß nicht, woher er kommt oder welchem Stamm er angehört. Einziges Indiz ist ein goldenes Amulett, das er seit Kindestagen um den Hals trägt. Nun erfährt er, dass es jenseits der Berge unter dem Volk der Wüste eine Frau geben soll, die ein ähnliches Schmuckstück besitzt. Man erzählt sich, sie werde wie eine Göttin verehrt, da sie einst "mit Feuer vom Himmel" gekommen sei. {Von Däniken - Alarm!} Ein bisschen mulmig hat es mich ja schon gestimmt, dass Yors "besondere" {"göttliche"} Herkunft wohl in erster Linie an seinen blonden Haaren zu erkennen ist. Aber wenn wir sein Volk am Ende tatsächlich kennenlernen, handelt es bei diesem nicht um irgendwelche "arischen Übermenschen", weshalb man dieses Detail wohl nicht gar zu wichtig nehmen sollte.
Ka-Laa hat sich natürlich vom ersten Moment an in ihren schmucken Retter verliebt. Wobei mir positiv aufgefallen ist, dass Yor bei allem Machogehabe zu keinem Zeitpunkt die semi-gewalttätige sexuelle Aggressivität an den Tag legt, die wir bei so vielen anderen 80er-Jahre-Barbaren beobachten können. Die Beziehung der beiden besitzt zwar ihre fragwürdigen Aspekte, aber wenigstens drängt er sich nie irgendeiner Frau auf. {Was allerdings auch kaum nötig erscheint, da offenbar jede, die ihn erblickt, augenblicklich mit ihm unter die Pelzdecke schlüpfen will.}
Doch die Festesfreuden werden schon bald brutal unterbrochen, als der wilde Ucahn und seine blauhäutigen Höhlenmenschen über das Dorf herfallen und das genregemäße Startgemetzel unter dem friedlichen Völkchen veranstalten. Yor, Ka-Laa und Pang gelingt die Flucht in die Sümpfe, wo sie u.a. einem wirklich coolen Ungeheuer einer Art Kreuzung aus Krokodil, Riesenbreitmaulfrosch und Tentakel-Monster begegnen, das von Ka-Laa mit einem Wurfdolch ins Auge erledigt wird. Die große Queste hat begonnen. In einem weiteren Scharmützel mit den Blauhäutigen stellt Pang zum ersten Mal seine Künste als Bogenschütze unter Beweis, während der findige Yor einen toten Pterodactylus als Fluggleiter benutzt!
Schließlich überqueren die drei das Gebirge und gelangen in das gefürchtete "Land der Toten", wo das Wüstenvolk hausen soll. Dort trifft Yor tatsächlich auf die blonde Roah (Aysche Gul), die jedoch über keine wirklich hilfreichen Informationen verfügt. Immerhin sind in die Eiswand ihres Tempels einige Leichen eingeschlossen, bei denen es sich gleichfalls um "Götter vom Himmel" handeln soll, was dem Geheimnis zumindest ein hübsch atmosphärisches neues Detail hinzufügt.
Leider wird die gute Roah aber auch zum Auslöser für das wohl ärgerlichste Element des ganzen Films. Nachdem Yor in ihr endlich eine Angehörige seines eigenen Volkes gefunden hat, verliebt er sich natürlich prompt leidenschaftlich in sie. Dass Ka-Laa darauf mit wütender Eifersucht reagiert, ist vielleicht nicht ganz unverständlich, aber leider wird dies im weiteren Verlauf zu ihrem wichtigsten Charakterzug, was denn doch etwas irritiert. Da eine Ménage à trois im Drehbuch nicht vorgesehen war, muss Roah schon bald das Zeitliche segnen. Und weil für ein weiteres cooles Urzeitmonster vermutlich das Budget fehlte {zwischendurch mussten sogar mal ein paar simple Vogelspinnen als "fürchterliche Bedrohung" herhalten}, werden zu diesem Zweck rasch noch einmal Ucahn und seine Höhlenmenschen aus dem Hut gezaubert.
Als unser Trio dann endlich den Strand des Großen Meeres erreicht, darf Yor seine anfängliche Heldentat noch einmal wiederholen und ein paar Mädchen vor einem Dimetrodon retten, was dann leider auch der endgültig letzte Auftritt eines animatronischen Dinos ist. 
Freilich befinden wir uns inzwischen auch schon in der zweiten Hälfte der dritten Episode, und so wird es langsam Zeit, das SciFi-Element ein bisschen in den Vordergrund zu rücken. Und so wird denn nach einer reichlich bizarren Hochzeitszeremonie, bei der Yor und Ka-Laa sich ewige Liebe schwören, das friedvolle Fischerdorf flugs von einem Raumgleiter angegriffen und mit Laserkanonen in Schutt und Asche gelegt.
Unsere aufrechten Drei machen sich daraufhin mit einem kaum seetüchtig zu nennenden Boot auf zu einer sagen- und nebelumwobenen Insel, die die Antwort auf alle Fragen um Yors Herkunft und die offenbar wenig freundlichen "Götter" zu beherbergen verspricht. Dort begegnen sie mörderischen Androiden, einer Mixtur aus futuristischen Kulissen und mittelalterlichen Gewölben, einem Dunklen Herrscher im Kapuzenmantel und einer Schar mutiger Rebellen. Wir Zuschauerinnen & Zuschauer bekommen außerdem ein paar Predigten über die Gefahr von menschlicher Machtgier und technischem Fortschritt gehalten. Immerhin klingt das Ganze dann doch noch auf einer relativ humanistischen Botschaft aus.

Yor wird es sicher nie gelingen, meinen absoluten Favoriten unter den italienischen Barbarenflicks Joe D'Amatos Ator (1983) vom Thron zu stoßen. Aber er stellt ohne Zweifel einen angenehm trashigen und unterhaltsamen Beitrag zum Genre dar. Da er ursprünglich ja eine TV-Serie war, enthält er keinerlei Gore oder Sexploitation-Elemente, aber das ist ja auch mal eine nette Abwechselung. Wenn es mich nach so was verlangt, schau ich mir dann halt einfach mal wieder Lucio Fulcis wunderbar bizarres Sword & Sorcery - Opus Conquest (1983) an. 
In seiner TV-Inkarnation enthält die Saga vom "Jäger aus der Zukunft" erwartungsgemäß einige Passagen, die keine andere Funktion besitzen, als Zeit zu schinden. So wandert unser Trio z.B. am Anfang der zweiten Episode knapp zehn Minuten durch die {zugegebenermaßen sehr hübsche} Landschaft, ohne dass irgendetwas passieren würde, wenn man von der ab und an dramatisch anschwellenden Musik einmal absieht. {Apropos, John Scotts Soundtrack ist mitunter recht interessant und eigenwillig.} Das ist ohne Zweifel öde, aber einige andere vergleichbare Passagen besaßen für mich ihren ganz eigenen Charme. In ihnen bekommen wir nämlich u.a. zu sehen wie Pag Pilze sammelt, Fische jagt oder ein Lagerfeuer in Gang bringt. Solche Szenen, die verdeutlichen, dass unsere Helden auf ihrer Queste ja auch was futtern müssen und andere alltägliche Bedürfnisse haben, die befriedigt werden wollen, "erden" die Story auf sympathische Weise. Und nicht zufällig ist es der schon leicht ergraute Jäger, der meistens diese Aufgaben übernimmt. Er ist für mich der wahre Held von Yor. Praktisch veranlagt, angenehm entspannt, nicht ohne Humor, und wenn's drauf ankommt mutig und kompetent. Ich würde behaupten, dass er alles in allem unserem blonden Heroen häufiger den Arsch rettet als umgekehrt.   

Sonntag, 16. Juni 2019

Strandgut