- Hypnobobs - Hypnogoria 22: Sapphire and Steel
- The Strange and Deadly Show: Aftermath / The Last Hunter
- Trekabout - Episode 169: Crossover / The Collaborator
- Trekabout Presents: The Return of the Jedi
- A History of Horror Podcast: Ozploitation
- Flixwise Podcast - Episode 39: 400 Blows - The Adventures of Francois Truffaut! Featuring Laura Truffaut and Joseph McBride
- Flixwise Podcast - Episode 40: The Hitch-Hiker - Road Trippin’ with Ida Lupino
- Women at Warp - Episode 20: Book Club - Diane Duane
- Pulp Crazy - Episode 91: The Sword Women of Robert E. Howard and C.L. Moore: The Lineage of Red Sonja
- The Lovecraft eZine panel interviews Jason Aiken and Frank Schildiner
- NUTS4R2 bespricht Doctor Who: Face The Raven * Simians and Serialism: A History and Analysis of Jerry Goldsmith’s score to Planet Of The Apes * Umberto Lenzi's Nightmare City (1980)
- Magical Horror: Karloff "The Uncanny" von Beth
- Bloody Disgusting: Screamworks: Douglas Pipes Krampus von Charlie Brigden
- Bibliotheka Phantastika: Zum 60. Geburtstag von Steven Brust
- Cinetropolis: Guilty Pleasures: The League of Extraordinary Gentlemen
- Cinetropolis: Silent Running: Vintage Making Of Documentary
- Great Adaptations: The Warriors (1979) von Becky Lea
- Cinephilia & Beyond: The Lost Weekend and the Maverick Decision to Tackle Alcoholism in a Mainstream Picture
- Iraqi Odyssey opens in the US von David Walsh
- Sarah Gavron’s Suffragette: What do Mrs. Pankhurst and an East End laundress have in common? von Joanne Laurier
- Of Love and Other Demons: Joseph H. Lewis’ Gun Crazy and the Erotic Allure of Firearms von Justine A. Smith
- The Nitrate Diva: Criterion Dreaming: 5 Movies That Made Me a Cinephile
- Your Constant(ine) Companion: Part 1 - Episode 1: Non Est Asylum von Neil Sheppard
- After Paris: Meta, Irony, Narrative, Frames, and The Princess Bride von Jo Walton
- Weird Fiction Review: 101 Weird Writers #38: Leonora Carrington - “Seeing Rabbits and Falling Fingers” von Leif Schenstead-Harris
- Great Ghosts of the Shelves #23: Folk Horror Revival: Field Studies von Jim Moon
- Indiewire: Exclusive: Listen to Stuart Gordon's Terrifying "H.P. Lovecraft's The Hound"
- Film on Paper: Friday the 13th Part 2 (Turkey) *Dvoynoy Obgon (Poland)
- Red Letter Media: A Conversation with Max Landis
- Open Culture: Tony Zhou's Buster Keaton: The Art of the Gag
- Krampus is Coming von Amanda Norman
- SFFaudio: The Tomb-Spawn & The Double Shadow by Clark Ashton Smith (PDF)
Seiten
"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."
Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."
Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten
Samstag, 28. November 2015
Strandgut der Woche
Superhelden in aussichtsloser Lage
Wie ich auf diesem Blog schon mehr als einmal habe verlauten lassen, kann ich mit dem zeitgenössischen Superheldenfilm vor allem deshalb so wenig anfangen, weil er sich selbst und seine Helden & Heldinnen meines Erachtens nach viel zu ernst nimmt. Ein Aspekt dieses Problems besteht darin, dass er mich auf diese Weise dazu zwingt, ihn meinerseits ernster zu nehmen, als ihm gut tut. Dass ist mir vor ein paar Tagen besonders deutlich bewusst geworden, als ich mir den Trailer für Captain America: Civil War angeschaut habe.
Ich habe die Entwicklung des filmischen Marvel-Universums nur oberflächlich verfolgt, mit den Comics bin ich überhaupt nicht vertraut. Doch wenn ich es richtig verstehe, dann spalten sich die Avengers über der Frage, ob sie sich der Kontrolle durch die Regierung unterstellen (Tony Stark & Co) oder auf eigene Faust das tun sollen, was sie für richtig halten (Captain America & Co). Indem der Film unsere Helden und Heldinnen vor diese Alternative stellt, legt er auf besonders deutliche Weise den problematischen Inhalt des zeitgenössischen Superheldenkinos bloß. Denn ganz gleich, wie sie sich entscheiden, die Implikationen sind ziemlich beunruhigend.
Zwar sind die Marvel - Streifen im Großen und Ganzen verspielter und selbstironischer als die düster-pompös-prätentiösen Hervorbringungen der Nolan/Snyder - Schule, aber auch sie versuchen mehr zu sein als naiv-fröhlicher Eskapismus. Mehr als einmal haben sie motivisch auf den sog. "Krieg gegen den Terror" Bezug genommen oder den {ehrlich gesagt absurden} Versuch gestartet, das Superheldengenre mit dem des politischen Thrillers zu kreuzen. Ihre pseudorealistische Herangehensweise zwingt uns letztlich dazu, die von ihnen erzählten Geschichten im Kontext der realen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen unserer Zeit zu sehen. Und vor diesem Hintergrund ist die Wahl, die die Mitglieder der Avengers in Civil War treffen werden, eine Wahl zwischen zwei Übeln:
Folgen sie Tony Stark, dann erkennen sie die Legitimät der existierenden staatlichen Autorität an, bleiben die Verteidiger des gesellschaftlichen Status Quo, die sie im Grunde bisher immer gewesen sind.
Folgen sie Captain America, dann werden sie nicht etwa zu Proto-Revolutionären, sondern in der Tat zu Vigilantes, zu Individuen, die glauben, das Gesetz in die eigenen Hände nehmen zu dürfen {oder gar zu müssen}. Ihre Weigerung, sich der Kontrolle durch die Regierung zu unterwerfen, hätte nichts mit einer Revolte gegen eine ungerechte Gesellschaftsordnung zu tun, sondern würde eher dem Denken der extremen Rechten der USA ähneln, die den Staat ja gleichfalls für ein korruptes, bürokratisches Monstrum halten, gegen das alle "aufrechten Amerikaner" aufbegehren sollten. Oder aber man könnte Parallelen zwischen ihrem Verhalten und dem immer selbstbewusster artikulierten Verlangen von Vertretern des Militärs und der Geheimdienste ziehen, die sich nicht länger den zivilen Autoritäten unterordnen wollen.
Keine der beiden Alternativen wäre sonderlich sympathisch. Aber sie sind unausweichlich, wenn man die von Natur aus extrem individualistischen Superhelden in eine Welt verpflanzt, die auf pseudorealistische {und gänzlich unkritische} Weise die gesellschaftliche Wirklichkeit unserer Zeit widerzuspiegeln versucht.
Ich möchte noch einmal betonen, dass das Problem meiner Ansicht nach nicht im Superheldengenre per se liegt, sondern in der pseudorealistischen Herangehensweise. Man schaue sich zum Vergleich etwa Richard Donners Superman aus dem Jahre 1978 an. Niemand käme auch nur auf die Idee, sich zu fragen, ob es ein Problem darstellt, dass der Kryptonier ohne staatliche Autorisierung herumfliegt und verirrte Kätzchen oder abstürzende Jumbojets retttet. Die Welt, in der dieser Film spielt, ist ganz offensichtlich nicht die unsere, auch wenn Clark & Lois der Freiheitsstatue einen Besuch abstatten. Es handelt sich bei ihr um ein märchenhaft-phantastisches Paralleluniversum. In diesem Kontext können wir unseren Superhelden als das sehen, was er sein sollte: als den ins Heroisch-Phantastische überhöhten Vertreter simpler menschlicher Anständigkeit. Nimmt man ihm diese Aura der Naivität, zwingt man ihn dazu, auf unserer Welt zu leben, dann verwandelt er sich in eine mehr als zweifellhafte Figur, ob er das will oder nicht. Und so schließe ich diesen Post denn mit ein paar Szenen aus einem der meiner Meinung nach besten Superheldenfilme aller Zeiten, unterlegt mit der grandiosen Musik von John Williams.
Keine der beiden Alternativen wäre sonderlich sympathisch. Aber sie sind unausweichlich, wenn man die von Natur aus extrem individualistischen Superhelden in eine Welt verpflanzt, die auf pseudorealistische {und gänzlich unkritische} Weise die gesellschaftliche Wirklichkeit unserer Zeit widerzuspiegeln versucht.
Ich möchte noch einmal betonen, dass das Problem meiner Ansicht nach nicht im Superheldengenre per se liegt, sondern in der pseudorealistischen Herangehensweise. Man schaue sich zum Vergleich etwa Richard Donners Superman aus dem Jahre 1978 an. Niemand käme auch nur auf die Idee, sich zu fragen, ob es ein Problem darstellt, dass der Kryptonier ohne staatliche Autorisierung herumfliegt und verirrte Kätzchen oder abstürzende Jumbojets retttet. Die Welt, in der dieser Film spielt, ist ganz offensichtlich nicht die unsere, auch wenn Clark & Lois der Freiheitsstatue einen Besuch abstatten. Es handelt sich bei ihr um ein märchenhaft-phantastisches Paralleluniversum. In diesem Kontext können wir unseren Superhelden als das sehen, was er sein sollte: als den ins Heroisch-Phantastische überhöhten Vertreter simpler menschlicher Anständigkeit. Nimmt man ihm diese Aura der Naivität, zwingt man ihn dazu, auf unserer Welt zu leben, dann verwandelt er sich in eine mehr als zweifellhafte Figur, ob er das will oder nicht. Und so schließe ich diesen Post denn mit ein paar Szenen aus einem der meiner Meinung nach besten Superheldenfilme aller Zeiten, unterlegt mit der grandiosen Musik von John Williams.
Hach, ich liebe diesen Film -- bunter, fröhlicher, fantasievoller Abenteuerspaß mit menschlichem Herz. Und Christopher Reeve ist bis heute unübertroffen als Clark Kent.
Samstag, 21. November 2015
Strandgut der Woche
- The Active Listener Sampler 38 ♫
- Made For TV Mayhem Podcast - Episode 2: We Love Wes Craven!
- Exploding Helicopter Podcast - Episode 18: Angels & Demons
- Trekabout - Episode 168: The Maquis, Part II / The Wire
- Trekabout Presents: The Empire Strikes Back
- Microphones of Madness: Interview with Jeffrey Thomas
- Women at Warp - Episode 19: Star Trek Matriarchies
- SFFaudio Podcast: Beyond Thirty by Edgar Rice Burroughs & The Lord of the Rings (Book 6 of 6)
- NUTS4R2 bespricht Star Trek The Ultimate Voyage Concert Tour * Monstro!
- Translate or Die: Meine Lektüre Oktober 2015 & Niq Mhlongos Dog Eat Dog von Markus Mäurer
- Moyas Buchgewimmel: Moya schaut Fern: Barbarella von Sam/Moyashi
- Bibliotheka Phantastika: Zum 60. Geburtstag von Helga Glaesener * Zum 65. Geburtstag von Michael Swanwick * Zum 55. Geburtstag von Neil Gaiman * Zum 75. Geburtstag von Barry Sadler * Zum 70. Geburtstag von Katherine Dunn* Zum 50. Geburtstag von Heidrun Jänchen * Zum 60. Geburtstag von Ellen Kushner
- Films on Wax: Jaws von Karol Krok
- Cinetropolis: Outland: In Space No-one Can Hear You Punch The Clock
- Of Love and Other Demons: Howard Hawks' The Big Sleep (1946) Neuters Marlowe's Hatred von Justine A. Smith
- The Nitrate Diva: Brides of Dracula (1960): Dandy of the Damned * Leave Her to Heaven (1945): Dead Perfection
- Celluloid Wicker Man: Murder In The Cathedral (1952) – George Hoellering (BFI) von Adam Scovell
- Tomb of the Trumps #11 - Devil Priest Pack Part XI von Jim Moon
- Folklore on Friday: Changelings von Jim Moon
- Moxie McMurder bespricht The Lady in the Van
- Hypnotic Crescendos: Vlog: New York Ripper - Part 1 von Rachael Nisbet
- Autostraddle: 10 First-Ever Lesbian Characters on American TV: Killers, Tramps, Thieves and Therapists
- Filmcomment: 1965 Pier Paolo Pasolini Interview
- Film on Paper: End of the Lonely Farm Berghof (Poland) * Escape From New York (Poland)
Sonntag, 15. November 2015
Strandgut der Woche
- Ennio Morricones Soundtrack für Matt Cimbers Hundra (1983; vgl. hier) ♫
- The Strange and Deadly Show: Prom Night / The Prowler
- The Witless for the Defence - Case 25: Moonraker
- The SFFaudio Podcast #341: The Boats of the Glen Carrig by William Hope Hodgson
- Trekabout - Episode 167: Blood Oath / The Maquis, Part 1
- Trekabout Presents: Star Wars
- Hypnobobs - Tomegoria 11: The Devil You Know by Mike Carey
- NUTS4R2 bespricht Dracula's Heir * Scouts Guide To The Zombie Apocalypse * Doctor Who: Sleep No More
- Moxie McMurder bespricht The Final Girls
- Films on Wax: Film Scores and Depression: My Coping Mechanism von Charlie Brigden
- Films on Wax: Return to Oz * Out Of This World * Jaws 2 von Charlie Brigden
- Cinetropolis: Interview: Chela Cannon, 2001 A Space Odyssey’s Receptionist To The Stars
- Cinephilia & Beyond: Dario Argento’s Subversive Opera
- Movies Silently: The Narrow Road (1912)
- The Wrecking Crew: The “secret star-making machine” of 1960s pop music von Joanne Laurier
- Of Love and Other Demons: The Dark Mirror and the Paranoid Double (Robert Siodmak, 1946) von Justine A. Smith
- Hypnotic Crescendos: VHS Vault: Dario Argento von Rachael Nisbet
- Folklore on Friday: The Headless Hobgoblin of Neasham von Jim Moon
- Living Library: The Bat in Celtic Folklore von Shanon Sinn
- Youtube: A fond memory of shooting Chainsaw Sally with Gunnar Hansen
- Amanda’s Ghost and the Vampire von Amanda Norman
- Open Culture: Dostoevsky Draws Doodles of Raskolnikov and Other Characters in the Manuscript of Crime and Punishment#
- The Public Domain Review: The Price of Suffering: William Pynchon and The Meritorious Price of Our Redemption von Daniel Crown
- Film on Paper: Conan the Barbarian (Teaser)
- Uncanny Magazine: And the Balance in Blood von Elizabeth Bear
Samstag, 14. November 2015
Bye-bye, Howie
Der World Fantasy Award wird in Zukunft also nicht mehr das Antlitz von H.P. Lovecraft tragen. Für einige Leute scheint das ein ungemein wichtiges Thema zu sein, über das man lang und breit in irgendwelchen Foren, auf Twitter & Facebook diskutieren oder leidenschaftliche Blogposts verfassen muss. Ich für meinen Teil kapier das ganze Trara mal wieder nicht.
Der vernünftigste Kommentar, den ich zu dem Ganzen bisher gelesen habe, stammt von Black Gate's John O'Neill:
The World Fantasy Committee made the right call in changing the awards.I was initially resistant to the idea of a change, but I was swayed after Sofia Samatar won her award last year and accepted it with grace and humility, but shared just how uncomfortable it made her to receive an award with Lovecraft’s likeness. I spent the next few months educating myself on the extent of Lovecraft’s racism (it is appalling).If the highest award our genre has to offer makes some of its recipients that uncomfortable, then it needs to go. [...] [B]ecause I don’t want a trophy that makes that many of our finest writers that uncomfortable.It was time for it to go.
Die mit Abstand verrückteste Reaktion, die mir bislang unter die Augen gekommen ist, stammt von S.T. Joshi. {Seine wüste Tirade erweckt bizarrerweise den Eindruck, als habe der Preis bislang "H.P. Lovecraft Award" geheißen, was natürlich nicht stimmt, obwohl die Trophäe gerne scherzhaft als "Howie" bezeichnet wurde.}
Auch wenn manche, die meine alten Posts über Lovecrafts Rassismus (hier & hier) gelesen haben, das vielleicht glauben, bin ich keineswegs der Meinung, dass man sein Werk auf den Müllhaufen der Geschichte werfen sollte. Ganz im Gegenteil! Ich bin ein großer Bewunderer des alten Gentleman von Providence, den ich für einen der bedeutendsten phantastischen Autoren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts halte. Aber ich habe wenig Geduld für Leute, die versuchen, Lovecrafts bösartigen und abstoßenden Rassismus kleinzureden oder die blind dafür sind, dass selbiger einen sehr deutlichen Niederschlag in seinem literarischen Werk gefunden hat. Und ich kann nur zu gut verstehen, warum es für Autorinnen wie Nnedi Okorafor oder Sofia Samatar unangenehm gewesen ist, einen Preis entgegenzunehmen, der die Gestalt einer HPL-Büste besitzt.
Aus diesem Grund halte auch ich die Entscheidung des World Fantasy Commitee für äußerst begrüßenswert. Und das Gejammer der Fanboys für ziemlich erbärmlich ...
Aus diesem Grund halte auch ich die Entscheidung des World Fantasy Commitee für äußerst begrüßenswert. Und das Gejammer der Fanboys für ziemlich erbärmlich ...
Mittwoch, 11. November 2015
Mein Double Bill zu Halloween (I)
Wie ich in meinem letzten Post erwähnt habe, war es mir aus familiären Gründen unmöglich, Halloween 2015 so zu begehen, wie ich mir das eigentlich gewünscht hätte. Doch ungefähr um zehn Uhr nachts hatte ich dann doch endlich die Gelegenheit, das Licht zu dimmen, mir ein Glas Rotwein einzugießen und mich auf einen kleinen Trip in die gruseligeren Regionen der Filmwelt zu begeben.
Dank meiner wundervollen Twitter-Kumpelin Beth – deren Blog Magical Horror zu besuchen, ich allen Fans des cineastischen Grauens nur wärmstens empfehlen kann – standen mir dabei eine ganze Reihe interessanter Flicks zur Auswahl. Entschieden habe ich mich letztlich für zwei Filme, die zwar keinerlei übernatürliche Elemente enthalten, aber nichtsdestoweniger ziemlich unheimlich und verstörend sind: Alice, Sweet Alice (1976) und Pin (1988).
Für den Großteil seiner Karriere in der Filmindustrie arbeitete Alfred Sole als Produktionsdesigner. Nur viermal nahm er auf dem Regiestuhl Platz, und das Ergebnis dessen ist ein recht kurioses Mini-Ouevre, bestehend aus dem Porno Deep Sleep (1972); Alice, Sweet Alice (1976); dem äußerst bizarr klingenden Tanya's Island (1980), in dem Denise Matthews / Vanity offenbar eine sexuelle Beziehung mit einem Affen eingeht; sowie der Slasher-Parodie Pandemonium (1982) – hierzulande unter dem einfallsreichen Titel Freitag der 713. vermarktet. Das liest sich jetzt vielleicht nicht gerade wie die Filmographie eines verkannten Genies, aber zumindest auf mich übt diese bizarre Mixtur doch einen eigenartigen Reiz aus. Wie Alice, Sweet Alice sehr eindrücklich belegt, besaß Sole ein nicht unbeträchtliches filmerisches Talent, und selbst wenn der Streifen sein einziges wirklich gelungenes Werk sein sollte – was die allgemein verbreitete Meinung zu sein scheint –, könnte ich mir doch vorstellen, dass ich mich eines Tages mal auf die Jagd nach seinen anderen Flicks begeben werde.
Die Stadt Paterson in New Jersey war einst das Zentrum der amerikanischen Seidenindustrie und hatte aus diesem Grund vor allem im letzten Drittel des 19. Jahrhundert eine massive Zuwanderung von mehrheitlich aus Italien stammenden Arbeitern & Arbeiterinnen erlebt. Noch Jahrzehnte später existierten deshalb zahlreiche streng katholisch geprägte Gemeinschaften in der Stadt. Dies ist das Milieu, in dem Alice, Sweet Alice – auch bekannt als Communion und Holy Terror – angesiedelt ist. Ein Milieu, das der in Paterson geborene und aufgewachsene "Ex-Katholik" Alfred Sole vermutlich aus eigener Anschauung sehr gut kannte.
Entgegen meiner Gewohnheit werde ich versuchen, meine Zusammenfassung des Plots möglichst spoilerfrei zu halten, auch wenn das die Besprechung des Films naturgemäß etwas erschweren wird.
Die von ihrem Eheman Dominick ("Dom") getrennt lebende Catherine Spages (Linda Miller) hat zwei Töchter, die neunjährige Karen (Brooke Shields in ihrer ersten Filmrolle) und die zwölfjährige Alice (Paula E. Sheppard). Als Karens Erstkommunion herannaht, schenkt ihr Father Tom (Rudolph Willrich), der sehr eng mit Catherine befreundet ist, ein kleines Kruzifix, das einmal seiner eigenen Mutter gehörte. Das Mädchen ist scheinbar der Liebling aller. Ganz im Gegensatz zu ihrer Schwester. Alice ist – vorsichtig ausgedrückt – ein "schwieriges" Kind – störrisch, aggressiv und immer wieder auf beunruhigende Weise grausam. Offenbar angetrieben von Eifersucht terrorisiert sie Karen bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Doch ihre kleine Schwester ist das nicht das einzige Opfer ihrer Grausamkeiten. Da sind z.B. auch der ziemlich widerliche und monströs übergewichtige Vermieter Mr. Alphonso (Alphonso DeNoble) und Father Toms ältliche Haushälterin Mrs. Tredoni (Mildred Clinton). Immer wieder entzieht sich Alice der Aufsicht der Erwachsenen, steigt in den Keller des Mietshauses hinab, wo sie sich eine Art bizarren "Altar" eingerichtet hat, und legt einen gelben Regenmantel und eine gruselige Plastikmaske an, um in dieser Verkleidung ihre sadistischen "Rachefeldzüge" zu unternehmen {oder sich einfach von der übrigen Welt abzukapseln}.
Als Karen am Tag ihrer Erstkommunion in der Kirche auf grausame Weise ermordet wird, wobei der Killer erwähntes Kruzifix an sich nimmt, und einige Tage später Catherines Schwester Annie DeLorenze (Jane Lowry) von jemandem, der Alice' Verkleidung trägt, mit einem Fleischermesser attackiert und schwer verwundet wird, gerät diese ohnehin nicht eben spannungsfreie Welt völlig aus den Fugen. Ist die zwölfjährige Alice tatsächlich eine psychopathische Killerin? Vieles spricht dafür, aber natürlich wollen dies weder Catherine noch "Dom" (Niles McMaster), der wegen Karens Beerdigung nach Paterson zurückgekehrt ist, wahrhaben ...
Alice, Sweet Alice besitzt ohne Zweifel eine ganze Phalanx von Vorbildern, aus denen Alfred Sole seine Inspiration bezogen hat. Was die meisten von ihnen angeht, hat der Regisseur das auch nie geleugnet: "... a combination of Hitchcock, The Bad Seed [a 1956 film adapted from Maxwell Anderson's play], and Don't Look Now". Der Film selbst gibt da recht offene Hinweise. So können wir in einer Szene im Hintergrund ein Kinoplakat für Psycho erspähen, und mit Alice' gelbem Regenmantel wird ganz offen auf Nicolas Roegs in Deutschland unter dem Titel Wenn die Gondeln Trauer tragen bekannten Horrorklassiker angespielt. Doch erstaunlicherweise hat Sole stets steif und fest behauptet, das italienische Genre des Giallo sei ihm zu diesem Zeitpunkt noch völlig unbekannt gewesen: "[He] claims, he had never seen any of Dario Argento's films, for example, at the time"* Dabei sind die stilistischen Ähnlichkeiten doch recht augenfällig. Aus gutem Grund wird Alice, Sweet Alice immer mal wieder als einer der "giallo-esquesten" amerikanischen Horrorfilme aller Zeiten bezeichnet. Als direkte Vorbilder werden dabei manchmal Argentos Klassiker Profondo Rosso (1975) und Aldo Lados Chi l'ha vista morire? / Who Saw Her Die? (1972) genannt. Sei dem, wie ihm sei, auf jedenfall denke ich, dass eine gewisse Vertrautheit mit dem Giallo von Vorteil ist, um Soles Film richtig einzuschätzen.
Was den Film in meinen Augen in den Rang eines kleinen Klassikers erhebt, ist zu erst einmal Alice. Gespielt von der zum Zeitpunkt des Drehs neunzehnjährigen Paula Sheppard, die sechs Jahre später auch in dem berühmt-berüchtigten Kulftfilm Liquid Sky mitwirken würde, besitzt sie eine ungemein verstörende Präsenz, angefangen von jener frühen Szene, in der sie liebevoll-fasziniert ein Herz-Jesu-Bild streichelt – ganz offensichtlich angezogen von der Morbidität des Dargestellten, nicht von dessen religiöser Symbolik – bis hin zu der wirklich gruseligen letzten Einstellung des Films, die einen sicher noch lange verfolgen wird. Sobald sich der Fokus etwas von ihr entfernt, büßt der Streifen merklich an Faszinationskraft ein, doch immer, wenn sie im Zentrum steht, gelingt es Sole auf meisterliche Weise, Szenen von geradezu beklemmender Intensität zu schaffen. Und so erschreckend die Bösartigkeit und Grausamkeit des Mädchens auf den Zuschauer auch wirken müssen, zugleich vermittelt uns der Film ein Gefühl dafür, dass es irgendwelche Gründe geben muss, die sie zu dem gemacht haben, was sie ist. Wenn sie sich in ihr bizarres Refugium im Keller zurückzieht und ihre Verkleidung anlegt, versucht sie ganz offensichtlich der Realität zu entfliehen und eine "andere Person" zu werden. Warum? Auf diese Frage gibt der Film keine eindeutige Antwort.
John Kenneth Muir, Autor des Buches Horror Films of the 1970s, sieht darin eine seiner größten Schwächen. Diesem Urteil kann ich mich ganz und gar nicht anschließen. Ich würde sogar beinah das Gegenteil behaupten wollen. Betrachtet man Alice, Sweet Alice als eine Art amerikanischen Giallo, so wird man eine solche Antwort nämlich gar nicht erst erwarten.
In meinen Augen ist der Giallo kein "realistisches" Genre, er besitzt vielmehr einen leicht surreal-phantastischen Charakter. Ein logischer Plot oder glaubwürdige Charaktermotivationen spielen eine untergeordnete Rolle. Wovon ein Giallo lebt ist in erster Linie seine Atmosphäre. Die besten Vertreter des Genres vermitteln auf sehr eindringliche und faszinierende Weise das Bild einer kranken Welt, in der die Beziehungen zwischen den Menschen zutiefst pervertiert worden sind. Die mörderischen Handlungen, die scheinbar im Zentrum der Geschichte stehen, sind im Grunde nur ein konzentrierter Ausdruck dieser allgemeinen Atmosphäre. Ähnlich verhält es sich auch mit Alice, Sweet Alice. Wir brauchen keine offen formulierte Erklärung, warum das Mädchen eine gestörte Persönlichkeit besitzt. Die Atmosphäre des Films ist Antwort genug.
Symbole christlich-katholischer Religiosität – Kruzifixe, Jesusbilder, Marienstatuetten etc. – sind schier allgegenwärtig, und oft sind sie in einer Art gefilmt, die den Eindruck erweckt, als ragten sie wie irgendwelche monströsen Götzenbilder über der Welt der Menschen auf, welche gezwungen sind, in ihrem Schatten zu leben. Es ist nicht verwunderlich, dass der Film von kirchlicher Seite heftig bekämpft wurde und scheinbar sogar zu Alfred Soles Exkommunikation führte. Doch scheint mir der religionskritische Aspekt des Streifens oft falsch interpretiert zu werden. So als seien die Morde selbst unmittelbar religiös motiviert, als ginge es der Mörderin {oder dem Mörder?} darum, vermeintliche "Sünder" zu bestrafen. {John Kenneth Muir zieht sogar David Finchers Seven (1995) zum Vergleich heran, was ich aus mehr als einem Grund für völlig verfehlt halte.} Da ich nicht gar zur weit in Spoilerterritorium vorstoßen will, kann ich nicht genau erklären, warum ich diese Interpretation für falsch halte. Kurz gesagt: Die "religiös-moralischen" Argumente scheinen mir eher eine Art Selbstrechtfertigung für Handlungen zu sein, die in Wirklichkeit von einer tiefen – zum Teil, aber nicht ausschließlich sexuellen – Frustration angetrieben werden. Diese selbst ist allerdings aufs engste mit dem katholischen Charakter des Milieus verknüpft, in dem die handelnden Personen leben. Ein Milieu, das es ihnen oftmals nicht erlaubt, ihren wahren Gefühlen und Bedürfnissen Ausdruck zu verleihen. Dies zeigt sich besonders deutlich an der Beziehung zwischen Catherine und Father Tom. Zwischen den beiden herrscht eine unbezweifelbare erotische Spannung, die jedoch nie offen thematisiert wird. Die Auswirkungen der repressiven katholischen Moral werden noch zusätzlich dadurch verkompliziert, dass sich die von ihr beherrschte Welt in einem Zustand des Übergangs befindet. Die Geschichte spielt in den frühen 60er Jahren, einer Zeit, in der sich selbst der reaktionäre Dinosaurier Katholische Kirche allmählich und zaghaft der Moderne gegenüber zu öffnen begann. Father Tom ist ganz offensichtlich der Vertreter einer neuen, liberaleren Generation. So bereitet ihm z.B. die Tatsache, das Catherine und "Dom" getrennt leben {vielleicht sogar geschieden sind?} keinerlei Probleme. Und auch die Szenen, in denen wir die Gemeinde in der Kirche versammelt sehen, weisen auf subtile Art auf diesen Übergang hin. Viele der Frauen und Mädchen halten während der Messe ihr Haar in alter katholischer Tradition mit Kopftüchern oder Schleiern bedeckt. Doch nicht mehr alle. Nun mag man vielleicht einwenden, dass diese zaghafte Liberalisierung doch ohne Frage etwas gutes gewesen sei, wie könne sie die psychische Lage der Menschen, die in diesem Milieu leben, verschlimmern? Ganz einfach – man stelle sich einmal vor, man habe sein ganzes Leben einer Ideologie gewidmet, die von einem verlangt, die eigenen Bedürfnisse unbarmherzig zu unterdrücken, nur um am Ende erleben zu müssen, wie die offiziellen Vertreter dieser Ideologie selbst an ihrer Vollkommenheit zu zweifeln beginnen, und der Glaube, dem man alles geopfert hat, einem schließlich so erscheinen muss, wie der greise Monsignore, der in Father Toms Haus lebt: Einst von allen respektiert, nun bloß noch ein debiler, sabbender Greis.
Es ließe sich sicher noch sehr viel mehr über Alice, Sweet Alice sagen. Über die großartige Komposition einzelner Szenen, die atmosphärischen Sets, die an mehreren Stellen eingeflochtene Thematik von Pädophilie und Kindesmissbrauch, die Musik usw. usf. Doch ich will es für den Moment dabei belassen und zum Abschluss bloß noch einmal allen Freundinnen & Freunden des filmischen Grauens wärmstens ans Herz legen, sich dieses kleine Juwel des amerikanischen Horrorkinos bei Gelegenheit einmal anzuschauen. Sie werden es ganz sicher nicht bereuen.
* David Boyt & R.Barton Palmer (Hg.): After Hitchcock. Influence, Imitation, and Intertextuality. S. 196.
Samstag, 7. November 2015
Strandgut der Woche
- Common Blue (Album) von Kitchen Cynics ♫
- Ace (Album) von Saints Analogue ♫
- The Black Dog Podcast - Episode 255: Stick A Knife In Me I'm Done
- Trekabout - Episode 166: Playing God / Profit and Loss
- Films on Wax: Moviedrone 1.2: Watership Down
- NUTS4R2 bespricht S.P.E.C.T.R.E * Regression
- Translate or Die: The Ninja and I von Markus Mäurer
- Hypnotic Crescendos: Dial: Help (1988) von Rachael Nisbet
- Movies Silently: The Swashathon! A Blogathon of Swashbuckling Adventure
- Of Love and Other Demons: Gilda (Charles Vidor, 1946) von Justine A. Smith
- Cinetropolis: Guilty Pleasures: Billion Dollar Brain
- Cinetropolis: The Steadicam And The Shining: Vintage American Cinematographer Article
- Salon: They don't make them like Ralph Bakshi anymore
- Cinephilia & Beyond: Mildred Pierce: One of the Greatest Hollywood Comeback Stories
- Cinephilia & Beyond: Jean-Pierre Melville: Life and Work of a Groundbreaking Filmmaking Poet
- Remembering Sir Simon Marsden: Master of Infrared Photography von James C. Williams
- St. James Cemetery von Amanda Norman
- Folklore on Friday: The Curious Case of the Hammersmith Ghost Part II von Jim Moon
- Tomb of the Trumps #10 - Devil Priest Pack Part X von Jim Moon
- A Shared Madness: There’s Eyes in Them Thar Hills – Bone Tomahawk von Moxie McMurder
- Indiegames: The Warlock of Firetop Mountain Kickstarter von Konstantinos Dimopoulos / Gnome
- Uncanny Magazine: Wooden Feathers von Ursula Vernon
- Nightmare Magazine: Oct. 2015 (Issue 37): Queers Destroy Horror!
- Nightmare Magazine: Lacrimosa von Silvia Moreno-Garcia (+ Author Spotlight)
Sonntag, 1. November 2015
Strandgut der Woche
- Films on Wax:: Moviedrone Supplemental 1.1: The Music of JAWS
- Trekabout - Episode 165: Paradise / Shadowplay
- Hypnobobs - Hypnogoria 21: The Origins of Halloween Part II
- Hypnobobs - From the Great Library of Dreams: Man-size in Marble by E Nesbit
- Geek's Guide to the Galaxy - Episode 170: The History of Dungeons & Dragons & Episode 173: Queers Destroy Horror
- The Lovecraft eZine panel interviews Jeffrey Thomas and Christopher Taylor (Visions From Punktown)
- The Monster Hunters: The Doll's House
- NUTS4R2 bespricht The Last Witch Hunter * Sicario * Doctor Who: The Zygon Invasion
- The Nitrate Diva: Sherlock Holmes (1916): Romance of the Impossible
- Of Love and Other Demons: The Devils (Ken Russell, 1971) von Justine A. Smith
- The Day Hollywood Stood Still: Gort vs Chuck Norris: Invasion USA * Gort vs stop motion: Robot Jox * Gort vs dead frogs: Captain Kronos Vampire Hunter * Gort vs phallic antennae: From Beyond
- Cinetropolis: The Great Unmade? The Early Drafts Of Star Wars, Part 2
- Films on Wax: Sodom and Gomorrah
- Films on Wax: Bring Bond Back? von Charlie Brigden
- Film and Other Assorted Buffery: Shocktober '15 - The Full List (von Becky Lea & Jennifer Large)
- Celluloid Wicker Man: Ritual And Identity in Penda's Fen (1974) - Alan Clarke von Adam Scovell
- Cinephilia & Beyond: The Man Who Knew Too Much: The Thriller Master’s Only Remake
- Gay Times Magazine: Hello boys, Elvira has come to play von Darren Scott
- Open Culture: Hear Edgar Allan Poe’s The Tell Tale Heart Read by the Great Bela Lugosi (1946)
- Open Culture: "The First Horror Film": George Méliès’ The Manor of the Devil (1896)
- Open Culture: Original Bauhaus Books & Journals: Gropius, Klee, Kandinsky, Moholy-Nagy & More
- Electron Dance: Talos 1, The Words Made The World * Talos 2, I Am The Words * Talos 3, Where The Words End, The World Ends von Joel Goodwin
- Myth & Moor: Following the hare ... von Terri Windling
- Film on Paper: The Terminator (Thailand) * Innerspace (Poland) * Gordon's War (Japan) * The Call of Spring (Czechoslovakia) * The Emerald Forest (Thailand)
- SFFaudio: All Souls by Edith Wharton (PDF)
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