"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Samstag, 14. November 2015

Bye-bye, Howie

Der World Fantasy Award wird in Zukunft also nicht mehr das Antlitz von H.P. Lovecraft tragen. Für einige Leute scheint das ein ungemein wichtiges Thema zu sein, über das man lang und breit in irgendwelchen Foren, auf Twitter & Facebook diskutieren oder leidenschaftliche Blogposts verfassen muss. Ich für meinen Teil kapier das ganze Trara mal wieder nicht.

Der vernünftigste Kommentar, den ich zu dem Ganzen bisher gelesen habe, stammt von Black Gate's John O'Neill:  
The World Fantasy Committee made the right call in changing the awards.
I was initially resistant to the idea of a change, but I was swayed after Sofia Samatar won her award last year and accepted it with grace and humility, but shared just how uncomfortable it made her to receive an award with Lovecraft’s likeness. I spent the next few months educating myself on the extent of Lovecraft’s racism (it is appalling).
If the highest award our genre has to offer makes some of its recipients that uncomfortable, then it needs to go. [...] [B]ecause I don’t want a trophy that makes that many of our finest writers that uncomfortable.
It was time for it to go.
Die mit Abstand verrückteste Reaktion, die mir bislang unter die Augen gekommen ist, stammt von S.T. Joshi. {Seine wüste Tirade erweckt bizarrerweise den Eindruck, als habe der Preis bislang "H.P. Lovecraft Award" geheißen, was natürlich nicht stimmt, obwohl die Trophäe gerne scherzhaft als "Howie" bezeichnet wurde.} 

Auch wenn manche, die meine alten Posts über Lovecrafts Rassismus (hier & hier) gelesen haben, das vielleicht glauben, bin ich keineswegs der Meinung, dass man sein Werk auf den Müllhaufen der Geschichte werfen sollte. Ganz im Gegenteil! Ich bin ein großer Bewunderer des alten Gentleman von Providence, den ich für einen der bedeutendsten phantastischen Autoren der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts halte. Aber ich habe wenig Geduld für Leute, die versuchen, Lovecrafts bösartigen und abstoßenden Rassismus kleinzureden oder die blind dafür sind, dass selbiger einen sehr deutlichen Niederschlag in seinem literarischen Werk gefunden hat. Und ich kann nur zu gut verstehen, warum es für Autorinnen wie Nnedi Okorafor oder Sofia Samatar unangenehm gewesen ist, einen Preis entgegenzunehmen, der die Gestalt einer HPL-Büste besitzt.

Aus diesem Grund halte auch ich die Entscheidung des World Fantasy Commitee für äußerst begrüßenswert. Und das Gejammer der Fanboys für ziemlich erbärmlich ... 

1 Kommentar:

  1. Volle Zustimmung, ich lese Lovecraft sehr gerne und stimme deiner Einschätzung bzgl. seines Werks zu, aber seinen Rassismus sollte man auch nicht schön reden.

    Gruß Markus

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