"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Samstag, 11. August 2012

Lovecraft einmal neckisch

Die Lovecraft eZine hat kürzlich eine Liste von im Netz frei verfügbaren HPL-Verfilmungen zusammengestellt, sowohl professionelle als auch Fanproduktionen. Unter letzteren findet sich die folgende, von einem Team in Schweden kreierte Adaption von The Shadow out of Time:


Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde diesen Streifen auf eigentümliche Weise sehr charmant. Die zum Teil schrecklich amateurhafte Tricktechnik; das völlig überzogene Spiel des Hauptdarstellers; dazu der mit sonorer Stimme vorgetragene Text Lovecrafts mit all seinen stilistischen Idiosynkrasien ... zusammen wirkt das alles beinahe wie eine Parodie auf den Gentleman von Providence und seine Erzählung.
Es ist schwer zu sagen, wie viel Absicht hinter all dem steckt. Einer der Schöpfer des Filmchens hat in den Kommentaren bei Youtube geschrieben: "We tried our best to be respectful, as well as entertaining." Tatsächlich sieht man dem Streifen an, dass er von Leuten gemacht wurde, die Lovecraft lieben. Doch zugleich kann ich mir nur schwer vorstellen, dass der ironische Einschlag völlig unbewusst zustandegekommen sein soll. Vielmehr scheint es da in Schweden eine Gruppe Lovecraftfans mit Sinn für Humor zu geben, die ihren Lieblingsautor nicht bierernst nehmen. Ich finde das ausgesprochen sympathisch, zumal auch der alte HPL und seine Freunde mit dem Cthulhu-Mythos recht humorvoll umgegangen sind. Für sie war er zu einem Gutteil einfach ein amüsantes literarisches Spiel. Einen besonders deutlichen Niederschlag hat dies interessanter-weise ausgerechnet in The Shadow out of Time gefunden. Unter der buntgemischten Truppe von 'Zeit-Exilanten', denen Professor Peaslee während seines Aufenthaltes in der Welt der Großen Rasse begegnet, tummeln sich nämlich zahlreiche Vertreter aus dem literarischen Kosmos des Lovecraft-Zirkels. Da geben sich August Derleths Tcho-Tchos, die Anhänger Tsathogguas aus Clark Ashton Smiths Hyperborea und die Reptilienwesen von Velusia aus Robert E. Howards König Kull - Geschichten ein Stelldichein; mit dem cimmerischen Häuptling Crom-Ya ist sogar ein Stammesgenosse Conans mit von der Partie; und aus Lovecrafts eigenen Stories gesellen sich die Alten Wesen aus At the Mountains of Madness und der König von Lomar aus Polaris hinzu.  Man darf sich den Einsiedler von Providence wirklich nicht als einen ewigen Griesgram vorstellen.

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