"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Sonntag, 20. Januar 2013

Von Arkham ins Hinterland

Samstag Abend ... Die Nacht begann über dem verschneiten Herzen des Odenwaldes hereinzubrechen. Zeit, den Sessel zurecht zu rücken, ein kühles Bierchen zu öffnen und sich zu überlegen, mit welchem cineastisch-phantastischen Werk (oder Machwerk) ich mir die nächsten anderthalb Stunden versüßen könnte.
Sollte ich mir zuerst einmal Rocketship XM zu Ende anschauen? – Lieber nicht, den hatte ich nach gut dreißig Minuten abgebrochen, weil der "charmante" Chauvinismus der 50er Jahre irgendwann einfach zu unerträglich geworden war ... Tja, was dann? ... Im Gedenken an Edgar Allan Poes Geburtstag wäre es vielleicht passend, sich wieder einmal einen von Roger Cormans grandiosen Adaptionen der Werke des Meisters des Makabren zu Gemüte zu führen. The Masque of the Red Death möglicherweise oder The Fall of the House of Usher? ... Hmmm ... Doch was erblicke ich da auf einmal inmitten von Jim Moons wunderbarer Gallerie The Lost Art of Movie Posters? Eine 70er-Jahre-Verfilmung von H.P. Lovecrafts The Dunwich Horror?
Mir war nicht ganz unbekannt, dass die klassische Erzählung des Gentlemans von Providence ihren Weg auf die Leinwand gefunden hat. Wenn ich mich recht entsinne, sogar schon mindestens zweimal. Im Allgemeinen jedoch stehe ich filmischen Adaptionen von Lovecrafts Geschichten eher skeptisch gegenüber. Von den großartigen Werken der H.P. Lovecraft Historical Society einmal abgesehen. Ja, ich mag Cormans Charles Dexter Ward - Adaption The Haunted Palace mit Vincent Price. {Die Gestalten der deformierten Dorfbewohner haben ihrerzeit einen bleibenden Eindruck auf meiner jungen Psyche hinterlassen}. Doch darüber hinaus ... Es scheint nicht eben leicht zu sein, das Éch-Pi-Els Fantasie entsprungene Grauen auf Celluloid zu bannen.
Dennoch packte mich auf einmal das unbändige Verlangen, mir Daniel Hallers Flick aus dem Jahre 1970 anzuschauen. {Produzent: Roger Corman. Dem alten Schlockmeister ist einfach nicht zu entkommen!} Auf rottentomatoes erfährt er zwar die einmalig miese Bewertung von sage und schreibe 20% (!!) und rangiert damit sogar noch weit hinter so legendären Gurken wie Troll 2 (42%) oder Bride of the Monster (44%), aber wer verlässt sich schon auf rottentomatoes? Die dort versammelten Kritiker haben schließlich auch einem so grotesken Haufen cineastischen Bullshits wie Revenge of the Sith eine positive Wertung von 80% verpasst.

Wie dem auch sei, die Entscheidung war jedenfalls gefallen ...
                                        ... und die Enttäuschung folgte sozusagen auf dem Fuße.

Was ich bei Youtube auf den ersten Blick für eine vollständige Fassung des Streifens gehalten hatte, entpuppte sich als eine Ansammlung mit katalanischen Untertiteln versehener Schnipsel, die zusammengenommen ungefähr die erste Hälfte des Films ausmachen. Das vorhandene Material wirkt ziemlich interessant. Dean Stockwell als Wilbur Whateley mit Sixties-Schnauzbart ist nicht ohne gruseligen Charme, und einige der Szenen im Anwesen der Hexersippe üben einen nicht unbeträchtlichen psychedelischen Reiz aus. Man wird daran erinnert, dass der Regisseur für das Design der phantastischen Sets von Pit and Pendulum und Fall of the House of Usher verantwortlich war. Außerdem wären da noch die grotesken Traumszenen, in denen sich die Studentin Nancy (Sandra Dee) von einer Horde Horror-Hippies verfolgt sieht.


Verdammt ärgerlich also, dass einem die zweite Hälfte des Flicks vorenthalten wird. Ich werde wohl mal schauen, ob man ihn irgendwo zu einem vertretbaren Preis erwerben kann.
Doch da ich nun schon einmal einen {wenn auch brutal unterbrochenen} Trip nach Dunwich unternommen hatte, dachte ich mir, wenn ich schon nichts Definitives über Hallers Streifen erzählen kann, wäre dies vielleicht die richtige Gelegenheit, ein bisschen in meinen alten Lovecraft-Aufzeichnungen herumzuwühlen und etwas über den echten Horror of Dunwich zusammenzubasteln.

Die 1928 geschriebene Geschichte ist wie  The Whisperer in Darkness im Hinterland von Neuengland angesiedelt, und die einführende Passage gehört zum evokativsten, atmosphärisch dichtesten, was Lovecraft je geschrieben hat. Viel zu selten scheint mir darauf hingewiesen zu werden, dass eine seiner größten Stärken in der Schilderung von Landschaften bestand, die unter seiner Feder einen eigenartig beunruhigenden und bedrohlichen Charakter annahmen. Ich kann es mir nicht verkneifen, die Passage in voller Länge zu zitieren:
When a traveller in north central Massachusetts takes the wrong fork at the junction of the Aylesbury pike just beyond Dean’s Corners he comes upon a lonely and curious country. The ground gets higher, and the brier-bordered stone walls press closer and closer against the ruts of the dusty, curving road. The trees of the frequent forest belts seem too large, and the wild weeds, brambles, and grasses attain a luxuriance not often found in settled regions. At the same time the planted fields appear singularly few and barren; while the sparsely scattered houses wear a surprisingly uniform aspect of age, squalor, and dilapidation. Without knowing why, one hesitates to ask directions from the gnarled, solitary figures spied now and then on crumbling doorsteps or on the sloping, rock-strown meadows. Those figures are so silent and furtive that one feels somehow confronted by forbidden things, with which it would be better to have nothing to do. When a rise in the road brings the mountains in view above the deep woods, the feeling of strange uneasiness is increased. The summits are too rounded and symmetrical to give a sense of comfort and naturalness, and sometimes the sky silhouettes with especial clearness the queer circles of tall stone pillars with which most of them are crowned.
Gorges and ravines of problematical depth intersect the way, and the crude wooden bridges always seem of dubious safety. When the road dips again there are stretches of marshland that one instinctively dislikes, and indeed almost fears at evening when unseen whippoorwills chatter and the fireflies come out in abnormal profusion to dance to the raucous, creepily insistent rhythms of stridently piping bull-frogs. The thin, shining line of the Miskatonic’s upper reaches has an oddly serpent-like suggestion as it winds close to the feet of the domed hills among which it rises.
As the hills draw nearer, one heeds their wooded sides more than their stone-crowned tops. Those sides loom up so darkly and precipitously that one wishes they would keep their distance, but there is no road by which to escape them. Across a covered bridge one sees a small village huddled between the stream and the vertical slope of Round Mountain, and wonders at the cluster of rotting gambrel roofs bespeaking an earlier architectural period than that of the neighbouring region. It is not reassuring to see, on a closer glance, that most of the houses are deserted and falling to ruin, and that the broken-steepled church now harbours the one slovenly mercantile establishment of the hamlet. One dreads to trust the tenebrous tunnel of the bridge, yet there is no way to avoid it. Once across, it is hard to prevent the impression of a faint, malign odour about the village street, as of the massed mould and decay of centuries. It is always a relief to get clear of the place, and to follow the narrow road around the base of the hills and across the level country beyond till it rejoins the Aylesbury pike. Afterward one sometimes learns that one has been through Dunwich.
Vergleichbare Schilderungen finden sich auch in The Whisperer in Darkness, und nicht nur hierin verraten beide Erzählungen sehr deutlich den Einfluss des von Lovecraft verehrten Arthur Machen. Dieser hatte in Geschichten wie The Novel of the Black Seal und The Shining Pyramid auf ganz ähnliche Weise das Hügelland seiner walisischen Heimat in eine archaische Welt voll unterirdischer Schrecken verwandelt und zur Kulisse für seine ganz eigene Interpretation der keltischen Feenüberlieferungen gemacht. Hinter den Mythen vom Kleinen Volk verbergen sich bei ihm die Nachkommen der vorkeltischen Bevölkerung Britanniens, die einst vor den Eroberern unter die Erde geflohen sind und dort über die Jahrhunderte hinweg weitergelebt haben  ein primitiver Stamm abgrundtief hässlicher, bösartiger, zwergenhafter Kreaturen, Rückentwicklungen der Evolution.
Während The Whisperer in Darkness sich mit einiger Berechtigung als eine Art Verpflanzung dieser Machenschen Feengeschichten auf den amerikanischen Kontinent interpretieren lässt, verhält es sich mit The Dunwich Horror anders. Die oben zitierte Eingangspassage zeigt zwar deutliche Anklänge an den Stil Machens, doch die eigentliche Bedeutung dieses ‘backwater’-Szenarios ist eine andere als in den Geschichten des walisischen Schriftstellers. Lovecraft spart zwar nicht mit Anspielungen auf alte Legenden und das "unheilige" Erbe der indianischen Ureinwohner, aber wichtig ist vor allem das Bild, das er von den Bewohnern des gottverlassenen Fleckchens Dunwich zeichnet. Von ihnen heisst es, sie seien
repellently decadent, having gone far along that path of retrogression so common in many New England backwaters. They have come to form a race by themselves, with the well-defined mental and physical stigmata of degeneracy and inbreeding. The average of their intelligence is woefully low, whilst their annals reek of overt viciousness and of half-hidden murders, incests, and deeds of almost unnamable violence and perversity. The old gentry, representing the two or three armigerous families which came from Salem in 1692, have kept somewhat above the general level of decay; though many branches are sunk into the sordid populace so deeply that only their names remain as a key to the origin they disgrace.
Der Typus des degenerierten Hinterwäldlers taucht mehrfach in Lovecrafts Werk auf, so in Beyond the Wall of Sleep, The Lurking Fear und vielleicht am krassesten in The Picture in the House. (1)
Zum einen spiegelt sich darin wohl die Verachtung des Autors für die ländliche Bevölkerung wider. Bäuerlich geprägte Regionen waren in seinen Augen Überbleibsel der Barbarei, wie sein texanischer Freund Robert E. Howard mehr als einmal zu hören bekam. Darüberhinaus aber sind all die entarteten Primitivlinge, die sich in den Hügeln bei Dunwich (2) oder den Catskillbergen herumtreiben, bloß einmal mehr Verkörperungen des in Lovecrafts Werk allgegenwärtigen Motivs von Degeneration, Fäulnis und Zerfall.
Wie ich in einigen früheren Blogeinträgen (hier und hier) bereits etwas ausführlicher dargelegt habe, sehe ich in diesem Motiv vor allem einen Ausdruck der Furcht Lovecrafts vor dem Niedergang der Zivilisation, die unterhöhlt und zersetzt von Kommerzialismus, Industrie, Kosmopolitismus, "Rassenvermischung", Demokratie und Sozialismus ihrem drohenden Untergang entgegen gehe, woraufhin die dann befreiten animalischen und triebhaften Kräfte in Gestalt des rebellierenden Pöbels eine Orgie der Vernichtung veranstalten würden.
So gesehen finde ich es eigentlich recht passend, dass die Gestalt Wilbur Whateleys in Hallers Film mit der Gegenkultur der 60er Jahre in Verbindung gebracht wird, stellte diese in den Augen der Konservativen doch gleichfalls eine zersetzende Bewegung dar, die die Grundlagen der bürgerlichen Ordnung und Moral zu zerstören drohte. Das sexuelle Motiv, das dabei vor allem durch erwähnte Traumsequenz eingeführt wird,  erweist sich bei näherer Betrachtung gleichfalls als gar nicht so abwegig, wie man vielleicht annehmen könnte.
Eine Analyse des Ekels vor allem Sexuellen, der in vielen von Lovecrafts Geschichten zum Ausdruck kommt, würde einen eigenen kleinen Aufsatz erfordern. So muss es an dieser Stelle genügen festzuhalten, dass im Weltbild des Schriftstellers ein absoluter Gegensatz zwischen dem Animalischen und Körperlichen auf der einen und dem Rationalen und Ästhetischen auf der anderen Seite bestand. Die Verneinung des Sexuellen war für ihn geradezu die Vorbedingung für die Entwicklung von Kultur:
And as for Puritan inhibitions – I admire them more every day. They are attempts to make of life a work of art – to fashion a pattern of beauty in the hog-wallow that is animal existence – and they spring out of that divine hatred for life which marks the deepest and most sensitive soul ... An intellectual Puritan is a fool – almost as much of a fool is an anti-Puritan – but a Puritan in the conduct of life is the only kind of man one may honestly respect. I have no respect or reverence whatever for any person who does not live abstemiously and purely – I can like and tolerate him ... but in my heart I feel him to be my inferior – nearer the abysmal amoeba and the Neanderthal man ... (3)
Es erscheint darum kaum verwunderlich, dass Sex, wenn er überhaupt in Lovecrafts Erzählungen auftaucht, stets als ein Vehikel der Degeneration dargestellt wird, als ein Schritt hin zu Urschleim und Neandertaler.
The Dunwich Horror ist dafür ein besonders interessantes Beispiel, da die Geschichte alle explizit sexuellen Konnotationen ganz bewusst vermeidet. Dabei handelt es sich bei ihr ja um eine Art Adaption der guten alten Teufelsbuhlschaft an den Cthulhu-Mythos:
Lavinia, die Tochter des Dunwicher Hexers Whateley, wird in der Walpurgisnacht ("May-Eve") von Yog-Sothoth geschwängert und bringt zwei Kinder zur Welt. Den humanoiden Wilbur, der nach dem Tod seines Großvaters dessen okkulte Studien fortsetzt mit dem Ziel, den Großen Alten das Tor zu dieser Welt zu öffnen, und eine absolut monströse Kreatur, die in ihrem Äußeren eher dem unirdischen Vater nachschlägt und sich von Blut ernährt.
Ein waschechter ‘pulp-hack’ hätte bei so einem Szenario natürlich nicht mit zweideutigen Anspielungen auf die unappetitlichen Vorgänge der Walpurgisnacht gespart. Lovecraft hingegen bemüht sich nach Kräften, den sexuellen Ausgangspunkt seiner Geschichte möglichst rasch vergessen zu machen. Was sich zwischen Lavinia und dem widerwärtigen Yog-Sothoth abgespielt haben mag, bleibt viel zu nebulös und unwirklich, um die Fantasie des Lesers zu entzünden. Dass Sex auch hier mit Degeneration im Zusammenhang steht – die Whateleys sind dekadente Nachkommen ehemaliger Kleinadeliger und die Vermischung mit Yog-Sothoth ist so etwas wie der krönende Abschluss des jahrhundertelangen Niedergangs ihrer Sippe – scheint deshalb kaum von zentraler Bedeutung zu sein. Dennoch spielt das Thema Sexualität auf einer abstrakteren Ebene meiner Ansicht nach auch hier eine wichtige Rolle.
An dieser Stelle kommt erneut Arthur Machen ins Spiel.  Nicht ohne Grund wohl spielt Lovecraft auf dessen Roman The Great God Pan an. Als Wilbur in der Universitätsbibliothek in Arkham das Necronomicon auszuleihen versucht, macht sich der Bibliothekar Dr. Armitage so seine Gedanken über den merkwürdigen Besucher:
He thought of Wilbur, goatish and ominous, once again, and laughed mockingly at the village rumours of his parentage.
“Inbreeding?” Armitage muttered half-aloud to himself. “Great God, what simpletons! Shew them Arthur Machen’s Great God Pan and they’ll think it a common Dunwich scandal! But what thing – what cursed shapeless influence on or off this three-dimensioned earth  – was Wilbur Whateley’s father? Born on Candlemas  – nine months after May-Eve of 1912, when the talk about the queer earth noises reached clear to Arkham  – What walked on the mountains that May-Night? What Roodmas horror fastened itself on the world in half-human flesh and blood?”

Machens Roman erzählt auf suggestive und zum Teil sehr verstörende Weise von der Furcht der viktorianischen Gesellschaft vor den entfesselten Kräften der Sexualität. Er beginnt mit einer Gehirnoperation, die an einer jungen Frau vorgenommen wird, und die bewirken soll, dass diese die unter der Oberfläche der Welt verborgene Wirklichkeit wahrnehmen kann – jene Naturkräfte, die die Alten in Gestalt des Gottes Pan verehrten und fürchteten. In Folge der Prozedur wird die Frau schwachsinnig, schenkt jedoch neun Monate später einer Tochter das Leben. Im weiteren Verlauf der Erzählung erfahren wir aus den Berichten unterschiedlicher Personen, wie das Mädchen – Helen Vaughan – zu einer wunderschönen, aber irgendwie unheimlichen jungen Frau heranwächst und reihenweise Männer ins Verderben, in Wahnsinn und Selbstmord stürzt. Die ‘fürchterlichen Schandtaten’, zu denen Helen ihre Verehrer verleitet, sind ohne Zweifel sexueller Natur, auch wenn Machen sich dabei ganz bewusst auf verschwommene Andeutugen beschränkt.
Nun sind ganz sicher weder Wilbur noch sein monströser Bruder in dem gleichen Sinne wie Helen Vaughan Verkörperungen von Sinnlichkeit und Sexualität. An ihnen ist nichts verführerisches, sie sind einfach bloß widerwärtig. Und doch lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zwischen ihnen und Machens ‘Heldin’ ausmachen – abgesehen davon, dass sie alle drei keinen menschlichen Vater haben. Der gehirnchirurgische Eingriff am Anfang von The Great God Pan ist ja tatsächlich erfolgreich. Die junge Frau sieht die wahre Beschaffenheit der Welt, sie wirft einen Blick auf die unmenschlichen Kräfte, die die Natur beherrschen, und diese Erkenntnis raubt ihr den Verstand. Betrachtet man den weiteren Verlauf der Geschichte, so wird deutlich, dass Machen den Sexualtrieb zu den bedrohlichsten dieser Kräfte zählt. Trotz all des magischen Brimboriums – Walpurgisnacht, Beschwörungsformeln, Opfer – ließe sich die Begegnung Lavinias mit Yog-Sothoth auf dem Sentinel Hill durchaus mit der Hirnoperation vergleichen. In beiden Fällen findet eine Konfrontation mit der fürchterlichen Wahrheit statt, die sich hinter der scheinbar so geordneten Welt verbirgt. Und wie Machens Gott Pan repräsentieren auch Lovecrafts Große Alte die ungezügelte Macht des Triebhaften. Zumindest ist das ein Aspekt ihres Wesens. Als Produkte dieses Zusammentreffens verkörpern sowohl Helen Vaughan als auch Lavinias Kinder das Eindringen dieser zerstörerischen Gewalten in die Welt der Menschen.
 Dies wird vielleicht noch etwas deutlicher, wenn man sich die Gegenspieler der Whateley-Sippe anschaut. The Dunwich Horror ist die einzige Lovecraft-Geschichte, in der es so etwas wie einen klassischen Kampf ‘Gut gegen Böse’ gibt. Um so wichtiger ist, wer hier die Rolle der Verteidiger der Menschheit übernimmt. Als Dozenten der Miskatonic-Universität sind Dr. Armitage, Prof. Rice und Dr. Morgan exemplarische Vertreter jener vernunftorientierten und gebildeten Elite, die Lovecraft in seinen politischen und sozialen Reflexionen stets dem triebhaften Mob entgegenstellt. Wilbur Whateley hingegen zeichnet sich durch seine "mixed occult erudition and general illiteracy" aus. Anders als etwa bei Clark Ashton Smith sind Zauberer bei Lovecraft meist keine kultivierten Aristokraten, die in Schlössern leben, sondern primitive Hinterwälder, die bevorzugt in halb eingestürzten Häusern oder vermoderten Katen hausen und sich mit viel Dreck und schimmligen Büchern umgeben.
In seinem Buch The Philosophy of H. P. Lovecraft vertritt Timo Airakinsen die These, in The Dunwich Horror gehe es um "a cultural struggle between the familial, fecund and religious Whateleys and the clinical, bureaucratic and rigid academics of Miskatonic" (4) Gegen diese Interpretation ließe sich manches einwenden. So bilden die Whateleys zwar tatsächlich eine Sippe, doch der Umstand, dass Wilbur offenbar seine eigene Mutter tötet und auch seine Großmutter einen "unexplained death by violence" gefunden hat , spricht nicht eben für ihren Familiensinn. Und was das angeblich ‘klinische’ Leben der Akademiker betrifft, so hat Dr. Armitage eine Frau – für einen lovecraftschen Helden beinah eine kleine Sensation. Trotzdem denke ich, dass Airakinsens Ansatz gar nicht so falsch ist. Die dizipliniert arbeitenden, in geordneten Verhältnissen lebenden Intellektuellen aus Arkham sind tatsächlich die Repräsetanten der Zivilisation, denen in den Whateleys das Produkt von Degeneration und Barbarei gegenübersteht. Dunwich gleicht in vielerlei Hinsicht Innsmouth. Die heruntergekommenen Bewohner des Dorfes leiden zwar selbst unter dem Treiben der monströsen Kreatur, doch ihr verrottetes Gemeinwesen, in dem alle Regeln von Anstand, Gesetz und Moral zerbrochen sind, ist der Misthaufen, auf dem dieses Ungetüm herangewachsen ist.
Dass die Whateley-Brut im Gegensatz zu den kopflastigen Akademikern das Sinnenverhaftete und Triebhafte verkörpert, zeigt sich vielleicht am deutlichsten in ihrem Aussehen. Von Wilbur heisst es: "He was, however, exceedingly ugly despite his appearance of brilliancy; there being something almost goatish or animalistic about his thick lips, large-pored, yellowish skin, coarse crinkly hair, and oddly elongated ears." Da mag man noch an die klassischen Bilder von Satyr und Teufel denken. Doch über das, was sich unter seiner Kleidung verbirgt, bekommen wir später zu lesen:
Below the waist, though, it was the worst; for here all human resemblance left off and sheer phantasy began. The skin was thickly covered with coarse black fur, and from the abdomen a score of long greenish-grey tentacles with red sucking mouths protruded limply. Their arrangement was odd, and seemed to follow the symmetries of some cosmic geometry unknown to earth or the solar system. On each of the hips, deep set in a kind of pinkish, ciliated orbit, was what seemed to be a rudimentary eye; whilst in lieu of a tail there depended a kind of trunk or feeler with purple annular markings, and with many evidences of being an undeveloped mouth or throat.
Ist es gar zu freudianisch, bei schmatzenden Tentakeln, die aus dem Unterleib einer Kreatur heraushängen, an Sexuelles zu denken? Und erwecken die zahllosen Münder nicht zugleich die Vorstellung von Schmecken, Besabbern und Verschlingen und damit von primtiver Sinnenhaftigkeit? Natürlich ist das keine bewusste Symbolik. Doch vergessen wir nicht, dass Lovecraft die Inspiration für seine Monstren nicht selten aus seinen Träumen bezog. Nicht zufällig wohl stellt er der Erzählung ein Zitat aus Charles Lambs Essay Wiches and Other Night-Fears voran, in dem sich der englische Romantiker u.a. mit den Alpträumen seiner Kindheit beschäftigt:
Gorgons, and Hydras, and Chimaeras – dire stories of Celaeno and the Harpies – may reproduce themselves in the brain of superstition – but they were there before. They are transcripts, types – the archetypes are in us, and eternal. How else should the recital of that which we know in a waking sense to be false come to affect us at all?
Wir dürfen also wohl davon ausgehen, dass Wilbur Whateley mehr ist als ein besonders groteskes Ungetüm.
Lavinias zweites Kind zeichnet sich im Gegensatz zu der wenigstens noch ansatzweise humanoiden Gestalt seines Bruders vor allem durch seine Formlosigkeit aus.Wie einer der Dorfbewohner bei seinem Anblick ausruft: "nothin’ solid abaout it – all like jelly, an’ made o’ sep’rit wrigglin’ ropes pushed clost together".  Die Auflösung jeder festen Struktur ist in Lovecrafts ‘Phänomenologie des Grauens’ das Endprodukt des Verfalls. Seine fürchterlichsten Ungeheuer sind stets gallertartig. Doch zumindest verfügt das Monstrum über "ten or twenty maouths or trunks a-stickin’ aout all along the sides, big as stovepipes, an’ all a-tossin’ an’ openin’ an’ shuttin’". Genau in diesem interessanten Detail besteht also Familienähnlichkeit mit Wilbur. Von Intelligenz hingegen ist nichts zu spüren. Die groteske Kreatur, die nach Einschätzung ihres Bruders nicht viel "earth brain" besitzt, scheint nur einen Antrieb zu kennen: Das Verlangen nach Nahrung. Wenn Wilbur einen verschlagenen Eindruck macht, so ist dafür sein menschliches Erbteil verantwortlich. Sein Zwilling wirkt einfach nur monströs.
Yog-Sothoth und seine Artgenossen dürften ihm in dieser Hinsicht gleichen, sie sind triebgesteuerte Bestien und keine schlauen Verführer. Das Verbrechen der Whateleys besteht darin, dass sie diesen Kräften des Geistlos-Animalischen einen Zugang zu unserer Welt öffnen wollen: "the beings those Whateleys were so fond of – the beings they were going to let in tangibly to wipe out the human race and drag the earth off to some nameless place for some nameless purpose." Nach der Vernichtung der Menschheit sollen nur noch Kreaturen wie Lavinias zweites Kind gemeinsam mit den Großen Alten die Welt bevölkern.
Warum der alte Whateley die abscheulichen Wesen ‘von draußen’ bei ihrem Vorhaben unterstützt, ist eigentlich nicht recht nachzuvollziehen, denn auf einer vom Menschen ‘gereinigten’ Erde, wie Wilbur es nennt, wäre natürlich auch für solche wie ihn kein Platz mehr. Zwar ist mehrmals in der Erzählung von antiken Goldmünzen die Rede, mit denen der Hexer seine Rechnungen begleicht und deren Herkunft niemand zu nennen weiß, und wir dürfen wohl davon ausgehen, dass die Großen Alten ihm den Fundort dieses Schatzes verraten haben. Aber reicht das aus, um sein ganzes Leben dem Ziel der Ausrottung der Menschheit zu widmen und dafür auch die eigene Tochter zu opfern?
Denselben scheinbaren Haken weisen viele von Lovecrafts Geschichten auf. Es gibt einfach kein glaubwürdiges Motiv, warum irgendjemand die hirnlosen Götter des Cthulhu-Mythos bei ihrem zerstörerischen Werk unterstützen sollte. Diese Kreaturen scheinen wenig geeignet, einem die Vorteile zu verschaffen, die man sich für gewöhnlich von einem Pakt mit dem Teufel verspricht. Unter den Großen Alten wird man keinen Mephisto und keinen Samiel finden.
Doch die Frage ist letztlich falsch gestellt. Lovecrafts Geschichten gehorchen einer anderen Logik. Ein Mann wie Whateley will Yog-Sothoth nicht deshalb ein Tor in unsere Welt öffnen, weil er sich dadurch irgendeinen Gewinn verspricht, sondern weil die Großen Alten in Reimform das verkörpern, was ihn selbst auszeichnet. Ganz Dunwich steht für den Zerfall aller überkommenen Ordnung und Moral. Die Whateleys sind ein besonders reines Produkt dieses krankhaften Milieus. Lavinias monströse Kinder stehen am Ende einer Entwicklung, die nicht erst mit dem alten Hexenmeister begonnen hat. Der selbstzerstörerische Zug im Handeln des alten Whateley ist aber nicht nur auf diese eher abstrakte Weise folgerichtig, er ist selbst Ausdruck der Dekadenz. Wer die Ordnung der Gesellschaft zerstören will, der arbeitet – ob bewusst oder unbewusst – auf die allgemeine Vernichtung hin, denn er will die animalischen Urgewalten im Menschen entfesseln. Dem Triumph der Anarchie aber werden auch auch die Anarchisten zum Opfer fallen.
So zumindest sah es der selbsternannte Aristokrat Howard Phillips Lovecraft.


(1) Ein weiteres Beispiel wären die degenerierten Bewohner des Dorfes Chorazin [eine Anspielung auf M.R. James’ Count Magnus] in The Diary of Alonzo Typer, allerdings bin ich mir nicht sicher, wie groß der Anteil HPLs an der 1935 entstandenen Geschichte ist, die als eine Kooperation zwischen ihm und William Lumley gilt.
(2) Wikipedia zufolge stellt Dunwich nach Lovecrafts eigenen Angaben "a vague echo of the decadent Massachusetts countryside around Springfield –  say Wilbraham, Monson and Hampden" dar.
(3) H. P. Lovecraft: Selected Letters. Bd. I. S. 315. Vgl.: contrasoma.com/writing/lovecraft.html
(4) Zit. nach: Bruce Lord: The Genetics of Horror: Sex and Racism in H. P. Lovecraft’s Fiction.

Samstag, 19. Januar 2013

Zum Gedenken an Edgar Allan Poe

Moralisten haben immer hilflos vor der Frage gestanden, warum Poes "morbide" Geschichten geschrieben werden mussten. Sie mussten geschrieben werden, weil Altes sterben und sich auflösen muss, weil die alte Psyche allmählich demontiert werden muss, bevor etwas Neues entstehen kann.
Der Mensch muss sogar von sich selbst befreit werden. Und das ist ein schmerzhafter und manchmal ein gespenstischer Prozess.*
So schrieb D.H. Lawrence über den großen amerikanischen Meister des Phantastischen und Makabren. Ich weiß nicht, ob ich mich seinen Ausführungen anschließen würde, aber sie enthalten auf jedenfall einen interessanten Gedanken. 
Einer der Gründe für die bleibende Faszination, die von Poe ausgeht, besteht darin, dass er zu jenen Dichtern gehört, deren Werk sich nicht auf eindeutige Weise aufschlüsseln lässt. Jede neuerliche Begegnung mit seinen Gedichten und Kurzgeschichten – d.h. den besten unter ihnen – stellt uns erneut vor Rätsel, zieht uns mit ihrer Mischung aus Schönheit und Morbidität unausweichlich in ihren Bann, lässt uns nicht zur Ruhe kommen

Zur Feier seines 204. Geburtstags nun das Gedicht The Conqueror Worm, vorgetragen von Vincent Price:


PS: Mr. Jim Moon präsentiert aus gegebenem Anlass eine Zusammenstellung all seiner Podcasts, in denen er sich mit dem Werk Poes und dessen filmischen Adaptionen beschäftigt hat, auf seiner Website Hypnogoria.

* D.H. Lawrence: Edgar Allan Poe. In: Ders.: Überlegungen zum Tod eines Stachelschweins. Essays. S. 217.

Strandgut der Woche

Freitag, 18. Januar 2013

Wie aus dem Rezeptbuch?

Was tun, wenn wieder einmal der schwarze Hund der Depression zu heulen beginnt? – Eine meiner Strategien, um über diese Phasen hinwegzukommen, ist es, mir einen guten alten B-Movie anzuschauen. Die Lösung ist das sicher nicht, aber es hilft. Vorgestern Nacht fiel meine Wahl dabei auf einen echten Klassiker – einen Klassiker, den ich allerdings schon seit einer halben Ewigkeit nicht mehr gesehen hatte: William Cameron Menzies' Invaders from Mars aus dem Jahr 1953.


Spaß hat er mir auf jedenfall bereitet, aber was denke ich wirklich über diesen Film?

Auf IMDB findet man einen ganzen Haufen überraschend positiver Rezensionen. Doch bei aller Liebe zum B-Movie kann ich mich ihnen leider nicht aus vollem Herzen anschließen. Da hilft es auch nichts zu wissen, dass Menzies an The Thief of Bagdad (1940) mitgewirkt hat – einem der absoluten Lieblingsfilme meiner Kindheit. Und die vielgepriesene H.G. Wells - Adaption Things to come (1934), bei der er gleichfalls seine Finger im Spiel hatte, habe ich sowieso noch nicht gesehen.

In vielen der Rezensionen ist von "surrealen Szenen" und dem "Blickwinkel des Kindes" die Rede.
Ja, auch mir sind in dieser Hinsicht einige interessante Ansätze aufgefallen. Die Geschichte wird aus der Sicht des kleinen David (Jimmy Hunt) erzählt, der erst ein UFO hinter seinem Haus landen sieht; dann erleben muss, wie seine Eltern in bösartige Marionetten der Marsianer verwandelt werden; und schließlich alles daransetzt, um die Menschheit auf die Bedrohung durch die außerirdischen Invasoren  aufmerksam zu machen. So gesehen ließe sich der Film tatsächlich als eine Auseinandersetzung mit kindlichen Alpträumen und Angstvorstellungen interpretieren. Dafür spricht vor allem auch die bizarre, US-amerikanische Schlusssequenz.* Doch leider hat man nicht den Eindruck, als wäre es den Filmemachern darum gegangen, diesen Gedanken konsequent zu verfolgen. Viel zu vieles passt dabei einfach nicht ins Konzept.
Ebensowenig konnten mich die vereinzelten Szenen überzeugen, in denen durch eigenwillige Kameraperspektiven oder ungewöhnliche Sets tatsächlich eine leicht surreale Atmosphäre heraufbeschworen wird. Zwar wirken vor allem die Passagen in der Polizeistation in dieser Hinsicht faszinierend bizarr, aber auch in diesem Fall fügen sich die interessanten Einzelteile nicht zu einem stimmigen Ganzen zusammen. Zwar bekommt man ein Gefühl dafür, dass hier Intelligenz und Talent am Werke waren, letztlich scheinen diese jedoch eher verschwendet worden zu sein.

Der Gedanke, der mich nach einiger Zeit vor allem beherrschte, war vielmehr: Mein Gott, dieser Film erfüllt bis ins Detail jedes einzelne Klischee der 50er Jahre - SciFi - Flicks!
  1. Die amerikanische Kleinstadt als Setting. (Ländliche Gefilde wurden im Hollywood-Kino traditionell als Orte der Unschuld dem Sündenbabel Großstadt entgegengesetzt. Wollte man die Bedrohung des "amerikanischen Idylls" in Szene setzen, war hier also genau der richtige Ort.)
  2. Die zentrale Rolle der Kleinfamilie. (Brauche ich wirklich auf die Bedeutung der Familie als Keimzelle der bürgerlichen Gesellschaft eingehen? Wenn sie durch die Marsianer, die Mom und Dad zu Davids gruseligsten Gegnern machen, zerstört wird, bedeutet dies deshalb einen Angriff auf das Herzstück des American Way of Life.)
  3. Die Bedrohung durch eine fremde Macht von außen. (Wie so oft auch hier in Gestalt einer Anleihe aus dem seiner ursprünglichen subversiven Bedeutung beraubten War of the Worlds.)
  4. Das Motiv der Unterwanderung der amerikanischen Gesellschaft durch Agenten des Feindes. (Red Scare!)
  5. Die semi-unabhängige, akademisch gebildete Frau als weibliche Hauptfigur. (Man könnte vielleicht glauben, der Unterhaltungsfilm der 50er Jahre habe für Frauen nur die Rollen Eheweib, Mutter oder Sexobjekt vorgesehen. Dem war aber nicht so. Möglicherweise hatte es etwas damit zu tun, dass während des 2. Weltkriegs sehr viele Amerikanerinnen in den Arbeitsmarkt vorgestoßen waren. Jedenfalls finden wir in den klassischen phantastischen B-Movies meist eine Ärztin, Lehrerin oder Wissenschaftlerin in einer führenden Rolle. Bei Invaders from Mars ist dies die von Helena Carter sehr sympathisch verkörperte Dr. Pat Blake. Dem üblichen Schicksal, am Ende dem männlichen Protagonisten in die Arme zu sinken, entgeht sie zwar, doch muss sie im Finale trotzdem die Rolle der "damsel in distress" übernehmen.)
  6. Die männliche Autoriätsperson, meist in Gestalt eines Wissenschaftlers. (In diesem Fall der von Arthur Franz gespielte Astronom Dr. Stuart Kelston, der in der zentralen Szene im Observatorium den Plot so haargenau erklärt, als habe er das Drehbuch gelesen.)
  7. Patriotismus & Militarismus. (Hier in besonders massiven Dosen. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft wir minutenlang irgendwelche Panzerkolonnen über die Leinand rollen sehen. Nicht, dass die Tanks irgendeine erkennbare Funktion im Plot des Filmes besitzen würden ...)
Wie aus dem Rezeptbuch also. Grund hierfür mag allerdings sein, dass Invaders from Mars selbst dieses Rezeptbuch war. Menzies' Film war zwar weder der erste "Außerirdische Invasions" - Streifen aus Hollywood noch das erste Beispiel für die Verschmelzung von SciFi - Motiven mit der paranoiden Atmosphäre der McCarthy - Zeit (man denke z.B. an Mikel Conrads unverhüllt antikommunistischen Untertassen-Flick The Flying Saucer von 1950), aber dennoch stellte er das vermutlich einflussreichste Vorbild für einen Großteil des SciFi-Schlocks dar, der in den folgenden Jahren über die Leinwände der Autokinos flimmern sollte.    

Das Motiv der außerirdischen Infiltration konnte der Ausgangspunkt für sehr interessante filmische Erzählungen sein, wie u.a. Nigel Kneales Quatermass II (1955) und Don Siegels Invasion of the Body Snatchers (1956) zeigen würden. In Invaders from Mars wirkt es jedoch wie verschwendet. Seine unheimliche Wirkung entfaltet es nur in den ersten fünfundzwanzig Minuten des Films (wirklich gruselig ist dabei vor allem das kleine Nachbarsmädchen), danach ist es nur noch ein "technisches Detail" im Kampf zwischen den heroischen US-Militärs und den Marsianern. Anders als bei Siegel oder Kneale kann es darum auch nicht zur Metapher für gesellschaftliche Entfremdung oder Verunsicherung werden. Vielmehr wird man es auf die übliche Weise als eindeutiges Symbol für die "rote Gefahr" lesen müssen.

Als Invaders from Mars gedreht wurde, erreichte die antikommunistische Hysterie der Nachkriegsjahre gerade ihren Höhepunkt. Das beginnende atomare Wettrüsten, der Koreakrieg und die von Politik & Medien aufgepeitschte Angst vor allgegenwärtigen "roten" Agenten prägten das öffentliche Leben in den USA. "Hexenjäger" Joseph McCarthy befand sich auf dem Gipfel seiner politischen Laufbahn. In Hollywood herrschte das Regime der Schwarzen Listen.

Ein Plot-Detail ließ mich in diesem Zusammenhang besonders aufhorchen. Das unmittelbare Ziel der Marsianer besteht nämlich überhaupt nicht in der Vorbereitung einer Invasion, sondern in der Sabotage eines geheimen Raketenprojektes der US-Regierung, an dem auch Davids Vater mitarbeitet. Selbiges Projekt wiederum stellt den ersten Schritt zum Bau einer Raumstation dar, von der aus die USA jeden potentiellen Angreifer auf der Erde mit Raketen ins Visier nehmen könnten. Dass sie damit auch den ins All übergesiedelten Marsbewohnern in die Quere kommen, ist bloß ein dummer Zufall.
Dieses Raketenprojekt mag wie reine Science Fiction klingen. Tatsächlich jedoch warb Wernher von Braun seit 1952 u.a. mit Artikeln im auflagenstarken Magazin Collier für genau diese Idee:  Den Bau einer Orbitalstation als Abschussplattform für mit atomaren Sprengköpfen ausgerüstete Raketen – wie er markschreierisch erklärte die "endgültige Waffe":
Äußerste Zielgenauigkeit des Geschosses ist damit gewährleistet. Der Kernsprengkopf läßt sich exakt über dem Ziel zur Explosion bringen, während das Geschoß noch mit Überschallgeschwindigkeit fliegt. Abwehrmaßnahmen erscheinen nach Lage der Dinge gänzlich unwirksam.
Einer der Hauptvorteile von Raketen, die aus der Umlaufbahn abgefeuert werden, besteht, wenn man so will, in ihrer Uneingeschränktheit. Wie ein Arsenal der Sterne kreisen sie am Himmel, sichtbar für den potentiellen Gegner und dennoch unerreichbar. Wir hoffen, daß ihr Einsatz sich erübrigen wird, aber wenn es zum Schlimmsten kommt, dann soll sich zum maximalen Abschreckungseffekt ein Höchstmaß an Zerstörungswirkung gesellen.**

1953 erschien in der Bundesrepublik der unter von Brauns Anleitung entstandene Roman Menschen zwischen den Planeten aus der Feder des ehemaligen Nazischriftstellers Ernst Ludwig Neher, in dessen einleitenden Kapiteln diese Idee gleichfalls propagiert wird.
Vor diesem Hintergrund betrachtet erscheint die Story von Invaders from Mars nicht bloß als Ausdruck der allgemeinen Kalte-Kriegs-Atmosphäre, sondern konkreter noch der Hysterie um sowjetische "Atomspione". Die Tatsache, dass der Film im selben Jahr in die Kinos kam, in dem auch das Ehepaar Julius und Ethel Rosenberg hingerichtet wurde***, erhält dadurch eine makabere symbolische Bedeutung. 

Doch so wichtig es meiner Meinung nach auch ist, sich diesen historischen Kontext klarzumachen, sollte das nicht dazu führen, dass man den Film als bloßes Produkt des hysterischen Antikommunismus der 50er Jahre verwirft. Die erwähnten stilistischen Eigenheiten, auch wenn es ihnen an konsequenter Durchführung mangelt, reichen allein schon aus, um eine Begegnung mit Invaders from Mars zu einem lohnenden Erlebnis zu machen. Vom simplen Vergnügen, den einem ein ordentlich gemachter B-Movie in seiner charmanten Naivität bereiten kann, einmal ganz abgesehen. Zu den echten Glanzstücken seiner Art würde ich ihn jedoch ganz sicher nicht zählen. Als eine Art Vorläufer zu Invasion of the Body Snatchers verdient er ohne Zweifel Beachtung, doch davon einmal abgesehen gehört er eher zur breiten Mittelschicht der Fifties-SciFi. Zur Illustration dessen mag es genügen darauf hinzuweisen, dass im selben Jahr 1953 auch It Came from Outer Space seine Premiere erlebte. Und der nach einer Kurzgeschichte von Ray Bradbury gechaffene Alien-Flick des B-Movie-Meisters Jack Arnold  ist sicher sehr viel besser geeignet, einen die verborgenen Qualitäten alter Genrefilme spüren zu lassen.


* Für den britischen Markt wurde ein konventionelleres Ende gedreht.
** Zit. nach: Rainer Eisfeld: Mondsüchtig. Wernher von Braun und die Geburt der Raumfahrt aus dem Geist der Barbarei. S. 186f.

Sonntag, 13. Januar 2013

Erheben wir unser Glas auf Klarkash-Ton

Am heutigen Tag jährt sich zum einhundertundzwanzigsten Mal die Geburt eines der ganz Großen der Phantastik: Clark Ashton Smith.

Die meisten werden ihn wenn überhaupt vermutlich als Mitglied des legendären Triumvirats der Weird Tales kennen, dem er neben H.P. Lovecraft und Robert E. Howard angehörte.

Lesergunst und Literaturmarkt sind oft ungerechte Götter. Der schleimige Cthulhu und der muskelbepackte Conan sind längst zu Bestandteilen der Popkultur geworden, aber wer kennt schon die Erzmagier Malygris und Namirrha; den falschen Erzbischof Azédarac; die dem Leben zurückgegebenen Mönche Ambrose und Anselme mit ihren Geliebten Moriamis und Sephora; die Nekromanten Mmatmuor und Sodosma; die Despoten Zotulla, Adompha und Euvoran; die Haudegen Zobal und Cushara; oder die tragische Liebhaberin Morthylla und ihren dekadenten Verehrer Valzain?

Zum Objekt der Verehrung für eine riesige Fangemeinde wird Clark Ashton Smith im Unterschied zu Lovecraft und Howard freilich wohl nie werden. Dazu ist er ein zu eigenwilliges Gewächs im Garten der Musen. Er wird stets ein Autor für Liebhaber & Liebhaberinnen bleiben, die die Schönheit seiner kunstvoll gearbeiteten, barocken Sprache zu genießen verstehen; für Freunde & Freundinnen des Bizarren und Exzentrischen, die etwas ihnen Verwandtes in seinem sardonischen Humor und der schmerzlichen Melancholie entdecken können, von denen viele seiner Gedichte und Erzählungen durchtränkt sind; für all jene, denen die dekadente Mischung aus Morbidität und Sinnlichkeit mundet wie ein exotischer Gewürzwein. Ray Bradbury, selbst ein Meister des Wortes, hat einmal über ihn gesagt: "Man schreite über die Schwelle seiner Erzählungen, und man stürzt in Farbe, Laute, Geschmack, Geruch und Textur: in die Sprache."

Wenn man sich zum ersten Mal Smiths Oeuvre zuwenden möchte – womit sollte man beginnen?

Ist man dabei auf eine deutsche Übersetzung angewiesen, so bleibt die Auswahl eingeschränkt. Mit Die Stadt der Singenden Flamme und Die Grabgewölbe von Yoh-Vombis hat der Festa-Verlag inzwischen die ersten beiden Bände seiner geplanten Gesamtausgabe des erzählerischen Werkes vorgelegt. Darüberhinaus kann man sich auf die Jagd nach den alten Suhrkamp-Bänden Saat aus dem Grabe, Planet der Toten, Poseidonis und Das Haupt der Medusa begeben. Über die Qualität der Übersetzungen – in diesem Fall eine besonders wichtige Frage –  kann ich leider nichts sagen. Ich sollte mir wenigstens mal die Leseproben auf der Festa-Website anschauen ...
Wer Klarkash-Ton im englischen Original lesen will, der findet den größten Teil seines literarischen Oeuvres – Lyrik, Prosagedichte und Kurzgeschichten – auf der wunderbaren Website The Eldritch Dark. Dort kann er oder sie mittels einer recht umfangreichen Bildgallerie außerdem Bekanntschaft mit dem Maler und Bildhauer Smith schließen.

Einen guten Einstieg bietet meiner Ansicht nach der Zothique-Zyklus.
The Black Abbot of Puthuum; The Charnel God; The Dark Eidolon; The Death of Ilalotha; The Empire of the Necromancers; The Garden of Adompha; The Isle of the Torturers; The Last Hieroglyph; The Master of the Crabs; Morthylla; Necromancy in Naat; The Tomb-Spawn; The Voyage of King Euvoran; The Weaver in the Vault; The Witchcraft of Ulua;Xeethra
In ihrer Mischung aus Décadence, Wortmagie, Sinnlichkeit, Morbidität und Exotik vermitteln die Geschichten vom Letzten Kontinent unter einer sterbenden Sonne mit ihren sadistischen Despoten, vampirischen Hofdamen und finsteren Nekromanten; ihren prachtvollen Palästen, perversen Wundergärten und uralten Nekropolen einen ausgezeichneten Eindruck von Clark Ashton Smiths höchst eigenwilligem Charme. Daneben zählen die meisten von ihnen außerdem zu seinen unbestreitbaren literarischen Meisterwerken. Ein Jammer, dass er die Zothique-Novelle The Scarlet Succubus nie fertiggeschrieben hat. Freilich hätte ihr erotischer Charakter sie mit ziemlicher Sicherheit unverkäuflich gemacht, hatte es aus demselben Grund doch bereits bei den zum Averoigne-Zyklus gehörigen Stories Mother of Toads und The Satyr heftige Probleme gegeben.
Was Smith hingegen tatsächlich fertiggestellt hat, ist das gleichfalls in Zothique angesiedelte Drama The Dead Will Cuckold You. Wie sein Freund George F. Haas erzählt, wünschte er es sich von der Musik Ravi Shankars untermalt. Darum finde ich es irgendwie passend, diesen kurzen Geburtstags-Post mit einem Raga des indischen Meisters zu beenden. Und zu den Klängen der Sitar könnte man dann vielleicht Klarkash-Tons Gedicht Zothique lesen:




He who has trod the shadows of Zothique
And looked upon the coal-red sun oblique,
Henceforth returns to no anterior land,
But haunts a later coast
Where cities crumble in the black sea-sand
And dead gods drink the brine.


He who has known the gardens of Zothique
Were bleed the fruits torn by the simorgh's beak,
Savors no fruit of greener hemispheres:
In arbors uttermost,
In sunset cycles of the sombering years,
He sips an amaranth wine.


He who has loved the wild girls of Zothique
Shall not come back a gentler love to seek,
Nor know the vampire's from the lover's kiss:
For him the scarlet ghost
Of Lilith from time's last necropolis
Rears amorous and malign.


He who has sailed in galleys of Zothique
And seen the looming of strange spire and peak,
Must face again the sorcerer-sent typhoon,
And take the steerer's post
On far-poured oceans by the shifted moon
Or the re-shapen Sign.

Samstag, 12. Januar 2013

Strandgut der Woche

Dienstag, 8. Januar 2013

Christopher Lee als Baumbart

Lange bevor er das Schicksal vieler anderer talentierter Schauspieler & Schauspielerinnen teilte und in Peter Jacksons Lord of the Rings im Kampf gegen Drehbuch und Regie versuchte, einer tolkienschen Gestalt Leben einzuhauchen, war Christopher Lee als großer Fan des "Professors" bekannt. Wer genau hinschaut, kann ihn in The House That Dripped Blood einem Amicus-Episoden-Horror-Flick aus dem Jahr 1970 – sogar den Lord of the Rings lesen sehen. Und dass Mr. Lee  auch zu singen versteht, durften wir spätestens 1973 in The Wicker Man erleben. Insofern erscheint es vielleicht nicht ganz so verwunderlich, dass er an der dritten CD (2002) des aus Dänemark stammenden Tolkien Ensembles mitgewirkt hat. Besonders beeindruckend finde ich dabei seine Interpretation von Treebeard's Song


In the willow-meads of Tasarinan I walked in the Spring.
Ah! the sight and the smell of the Spring in Nan-tasarion!
And I said that was good.
I wandered in Summer in the elm-woods of Ossiriand.
Ah! the light and the music in the Summer by the Seven Rivers of Ossir!
And I thought that was best.
To the beeches of Neldoreth I came in the Autumn.
Ah! the gold and the red and the sighing of leaves in the Autumn in Taur-na-neldor!
It was more than my desire.
To the pine-trees upon the highland of Dorthonion I climbed in the Winter.
Ah! the wind and the whiteness and the black branches of Winter upon Orod-na-Thôn!
My voice went up and sang in the sky.
And now all those lands lie under the wave.
And I walk in Ambaróna, in Tauremorna, in Aldalómë.
In my own land, in the country of Fangorn,
Where the roots are long,
And the years lie thicker than the leaves
In Tauremornalómë.

Sonntag, 6. Januar 2013

Englands green & pleasant Land

Vor einiger Zeit habe ich hier im Zusammenhang mit Ingrid Pitt schon einmal den 1981 erstmals ausgestrahlten Fernsehfilm Artemis '81 erwähnt, in dem die Vampirlady in einer kleinen Nebenrolle als "Hitchcock Blonde" zu sehen ist. Dabei erklärte ich auch, dass ich mir aufgrund seines eigenartigen Charakters kein echtes Urteil über den Streifen erlauben werde, bevor ich ihn nicht wenigstens ein weiteres Mal gesehen habe.
Das ist bisher noch nicht geschehen, doch habe ich dafür einiges über den Drehbuchautor David Rudkin hinzugelernt, was eine erneute Beschäftigung mit Artemis '81 erst recht interessant erscheinen lässt. Rudkin gehört offenbar zu den bedeutenden Vertretern der britischen Phantastik – sowohl in der Welt des Theaters {er schuf u.a. eine Bühnenfassung von Bulgakows Der Meister und Margarita}, als auch in der des Kinos {das Drehbuch für François Truffauts Fahrenheit 451 stammte aus seiner Feder}, vor allem aber in der des Fernsehens. So zeichnete er u.a. für die hübsch verstörende Adaption von M.R. James' The Ash-Tree verantwortlich, die 1975 im Rahmen der traditionellen Ghost Stories for Christmas gesendet wurde. Noch sehr viel faszinierender aber ist sein Fernsehspiel Penda's Fen aus dem Jahre 1974.

Regisseur Alan Clarke, der eher für sozialrealistische und explizit politische Werke bekannt ist, hat einmal erklärt, ihm selbst sei nicht ganz klar, worum es in Penda's Fen eigentlich gehe. Tatsächlich macht es einem der Film nicht unbedingt leicht. Folgende Szenen mögen einen ungefähren Eindruck von seiner eigenwilligen, symbolistischen Ästhetik vermitteln:



Verglichen mit Artemis '81 scheint mir Penda's Fen dennoch sehr viel zugänglicher zu sein. Hatte ich dort das Gefühl, höchstens ab und an einige Grundthemen erahnen zu können, so fügt sich hier nach und nach alles zu einem einigermaßen verständlichen Bild zusammen. Manche Einzelteile wirken zwar auch dann noch mysteriös, aber alles in allem hinterlässt der Film einen zwar vielschichtigen, aber nicht unnötig verwirrenden Eindruck. Nichtsdestotrotz bleibt er offen für unterschiedliche Interpretationen, und ich würde meine eigene weder als die einzig mögliche noch notwendigerweise als die "korrekte" bezeichnen. Dem Werk von Rudkin und Clarke wäre eine wiederholte Betrachtung und eine ebenso detaillierte wie ausführliche Auseinandersetzung angemessen. Alles, was ich hier leisten kann, ist, ein paar der Gedanken zu skizzieren, die mir nach meiner allerersten Begegnung mit ihm gekommen sind. Und ich fürchte, auch das wird mir nicht besonders gut gelingen.

Der siebzehnjährige Stephen (Spencer Banks), Sohn eines Pastors und Schüler an einer Art Kadettenanstalt, ist aufgrund seines Mangels an "Männlichkeit", seines Desinteresses an Rugby und ähnlichen Sportarten, seiner Liebe zur klassischen Musik usw. ein von Lehrern wie Mitschülern verachteter und verspotteter Außenseiter. Zu Beginn des Filmes versucht er seine Einsamkeit durch ein krampfhaftes Hochhalten der traditionellen Werte von Patriotismus, Autorität und christlicher Religion sowie durch eine ungemein irritierende Arroganz zu kompensieren. Im Laufe der Geschichte gelingt es ihm, diesen Panzer aufzubrechen und seine Stellung zu sich selbst, seinen Mitmenschen und der Welt neu zu definieren, um am Ende als ein selbstbewusstes Individuum ins Erwachsenendasein hinaustreten zu können. Wichtige Wendepunkte sind dabei u.a., dass er seine eigene Homosexualität anzunehmen lernt, und mit der Erkenntnis konfrontiert wird, dass er ein Adoptivkind ist. Im Laufe dieser Entwicklung stellt er nach und nach all die Werte in Frage, die er so lange mit Feuereifer vertreten hat, um sie schließlich zu verwerfen.

Im Zentrum des Filmes scheint mir das Thema Tradition zu stehen, das jedoch nicht auf einseitig ablehnende, sondern auf differenziertere Weise angegangen wird. Viele der in dieser Hinsicht bedeutungsvollen Details werden mir vermutlich schon allein deshalb entgangen sein, weil es um explizit englische Traditionen geht  – nicht unbedingt mein Spezialgebiet. So bin ich z.B. nur sehr unzureichend vertraut mit dem musikalischen Werk von Edward Elgar (1857-1934), das eine wichtige Rolle in Penda's Fen spielt. Zwar habe ich mir inzwischen eine Aufführung seines Oratoriums The Dream of Gerontius angehört, aber das lässt sich wohl kaum als "Vertrautheit" bezeichnen. Dennoch glaube ich, dass selbst mein bescheidenes Wissen ausreicht, um zu verstehen, warum gerade Elgar eine so prominente Stellung in der Erzählung einnimmt.  Einerseits ist er von patriotischen Kreisen zu einer Art nationalen Ikone gemacht worden und gilt dort als der "englische" Komponist schlechthin. Eine Passage aus Pomp and Circumstance ist heute vermutlich vor allem in Form der jingoistischen Hymne Land of Hope and Glory* bekannt. Andererseits sah sich Elgar selbst stets als eine Art Außenseiter in der britischen Gesellschaft. Künstlerisch stand er ganz in der Tradition der kontinentaleuropäischen klassischen Musik. Sozial fühlte er sich als ein aus einfachen Verhältnissen stammender Mann im extrem standesbewussten und versnobten britischen Establishment nie wirklich heimisch. Und religiös blieb er als gläubiger Katholik immer der misstrauisch beäugte und heimlich verachtete "Papist".  Seine Person und sein Werk verkörpern darum sehr gut den ambivalenten Charakter der Tradition, um den es in Penda's Fen geht.

Die Tradition, der sich Stephen zu Beginn vepflichtet fühlt, ist die "offizielle" Tradition der herrschenden Elite: Nationaler Chauvinismus, Autoritarismus und die Bigotterie der organisierten Religion. Aber es gibt auch eine andere Tradition. Eine Tradition des Nonkonformismus, der Rebellion. Letztere findet ihre symbolische Verkörperung in der Gestalt von König Penda. Die Geschichte spielt in dem Dorf Pinvin in Worcestershire, dessen Name ursprünglich "Penda's Fen" bedeutet haben soll. Der historische Penda von Mercia (gest. 655) war der letzte große heidnische angelsächsische Herrscher. Bei Rudkin wird er zum Vertreter all jener Kräfte, die der modernen, kapitalistischen Gesellschaft Widerstand leisten.
In der Schlussszene des Films findet sich Stephen auf den Höhen der Malvern Hills wieder. Der "Vater" und die "Mutter" Englands treten an ihn heran und wollen ihn zum "reinen" und "unschuldigen" Erben ihres Reiches einsetzen. In deutlicher Anspielung auf die Versuchung Christi in der Wüste zeigen sie ihm das "grüne Land", das ihm untertan sein werde. Doch Stephen weist sie zurück. Er sei nicht "rein" und wolle auch nicht "rein" sein. Stattdessen wendet er sich König Penda zu, der ihn zum Erben der geheimen Flamme der Rebellion erklärt, die im wahren Herzen Englands brenne.

Was haben wir uns unter dieser Flamme vorzustellen? Welches sind die Kräfte, auf die Rudkin im Kampf gegen die heutige Gesellschaft zählt? Man wird von einem Film wie Penda's Fen keine eindeutige Antwort auf diese Fragen erwarten können.
Relativ früh ist in einer Szene einmal von landesweiten Streiks die Rede. Ein Fingerzeig auf den historischen Kontext, in dem man die Geschichte sehen muss. Seit 1971/72 wurde Großbritannien von einer sich immer weiter verstärkenden Welle militanter Arbeitskämpfe erschüttert, die sich gegen die erst 1970 ins Amt gelangte Tory-Regierung von Premierminister Heath richteten. Erstmals seit dem Generalstreik von 1926 war es dabei zu landesweiten Arbeitsniederlegungen im Bergbau gekommen. Fünfmal rief die Regierung den nationalen Notstand aus, bis sie sich 1974 schließlich gezwungen sah, Neuwahlen anzuberaumen. Mit dem Slogan "Who runs Britain, the government or the unions?" hoffte Heath, Teile der Mittelklasse gegen die Arbeiterbewegung mobilisieren zu können. Stattdessen erlitt er eine klare Niederlage an den Wahlurnen, war jedoch für mehrere Tage nicht bereit, 10 Downing Street zu räumen. Wie inzwischen bekannt geworden ist,  spielten Teile der britischen Elite zu diesem Zeitpunkt ernsthaft mit dem Gedanken an einen Militärputsch. Soweit kam es nicht, und Labours Harold Wilson bildete eine Minderheitsregierung.
Diesen aufgewühlten Hintergrund sollte man sich vergegenwärtigen, wenn man sich Penda's Fen anschaut. Unmittelbar zu sehen bekommt man allerdings nichts von der quasi vorrevolutionären Stimmung, die in vielen Teilen des Landes damals herrschte. Das erklärt sich zum einen aus der ländlichen Umgebung, in der die Geschichte spielt. Doch zugleich drückt sich darin wohl auch etwas von Rudkins eigener Sicht auf die Gesellschaft aus.
Als Vertreter der älteren Generation, die in gewisser Weise die Tradition des Nonkonformismus an Stephen weitergeben, bekommen wir mit dem Pastor und einem linken Schriftsteller zwei reichlich pessimistische Charaktere präsentiert. Ersterer hat sein Buch über den Verrat der Evangelisten an den revolutionären Ideen Jesu nie veröffentlicht und ist entgegen seiner Überzeugung ein offizieller Diener der Kirche geblieben, letzterer hält in erster Linie leicht paranoide Reden über die allgegenwärtigen Verschwörungen der Mächtigen und hofft nur noch darauf, dass die ganze Zivilisation eines Tages zusammenbrechen werde, damit auf ihren Trümmern eine neue Ordnung erstehen könne. Man geht wohl nicht völlig fehl, wenn man in diesen beiden Figuren etwas von Rudkin selbst zu erkennen glaubt. Sein König Penda erklärt am Ende, England stehe am Beginn eines dunklen Zeitalters. Von Hoffnung auf eine baldige Veränderung zum Besseren ist nichts zu spüren. Es geht nur darum, die schwache Flamme der Rebellion nicht ganz verlöschen zu lassen. Angesichts dieses Pessimismus ist es nicht verwunderlich, dass man in Penda's Fen deutliche Spuren eines allgemeinen Antimodernismus erkennen kann, der die Zivilisation an sich für den großen Feind hält. Dafür sprechen sowohl die Figur des linken Stückeschreibers als auch das Heraufbeschwören der heidnischen Vergangenheit als Gegenentwurf zur modernen, bürgerlichen Gesellschaft.

Vor allem letzteres lässt an jenen damals gerade in Mode kommenden antimodernen und ökologisch angehauchten Neopaganismus denken, der mir bei The Moon Stallion so unangenehm aufgestoßen ist. Dass ich im Falle von Penda's Fen weniger allergisch reagiere, hat mehrere Gründe.
Zuersteinmal lässt sich der Film nicht auf dieses Thema reduzieren. Kein echtes Kunstwerk besteht nur aus seiner "Botschaft", erst recht nicht, wenn es sich in so hohem Maße symbolhafter und bildlicher Ausdrucksformen bedient wie Penda's Fen. Und selbst wenn man sich auf die deutlicher auszumachenden Motive beschränkt, wird man neben dem antimodernen Zug noch sehr viel mehr entdecken können. Eine wichtige Rolle spielt z.B. die Auseinandersetzung mit einer christlich-manichäischen Moral und Weltsicht, die die Realität in "gut" und "böse", "rein" und "unrein", "tugendhaft" und "sündig" einteilt. Aus gutem Grund erscheinen Stephen in seinen Visionen oder Träumen Engel und Dämonen, und in seinem finalen Befreiungsakt weist er vor allem das Attribut der "Reinheit" zurück, in dem sich moralische, sexuelle und rassisch-nationale Elemente vermischen.
Was meine Reaktion jedoch vor allem bestimmt hat ist das erwähnte Motiv der Tradition. Auch wenn sich in Penda's Fen ohne Zweifel Elemente jener demoralisierten, zivilisationsmüden Mentalität ausmachen lassen, die sich in den 70er Jahren in Teilen der "linken" Intelligenzija breitmachte, knüpft der Film doch zugleich an eine Traditionslinie an, die mir selbst sehr am Herzen liegt. Ich meine damit jenen romantischen Antikapitalismus, dessen Ursprung sich {wie könnte es anders sein} unter den Dichtern der Englischen Romantik findet; dessen größte Vertreter im 19. Jahrhundert Thomas Carlyle, John Ruskin und in gewisser Hinsicht William Morris waren; und zu dessen letzten großen Nachkommen ich u.a. J.R.R. Tolkien zähle.
Direkt vor der Schlussszene auf den Malvern Hills sehen wir den Direktor von Stephens Schule auf der Abschlussfeier die ersten Zeilen von William Blakes berühmtem Gedicht And did those feet in ancient time vortragen. Er bezeichnet es als die "zweite Nationalhymne aller Engländer", und tatsächlich ist es seit Hubert Parrys Vertonung im Ersten Weltkrieg als ein nationalistisches Lied missbraucht worden. Ursprünglich aber war es Ausdruck eben jenes romantischen Antikapitalismus, zu dessen bedeutendsten Gründervätern der revolutionäre Dichter, Maler und Visionär Blake gehörte:

And did those feet in ancient time.
Walk upon Englands mountains green:
And was the holy Lamb of God,
On Englands pleasant pastures seen!

And did the Countenance Divine,
Shine forth upon our clouded hills?
And was Jerusalem builded here,
Among these dark Satanic Mills?

Bring me my Bow of burning gold;
Bring me my Arrows of desire:
Bring me my Spear: O clouds unfold!
Bring me my Chariot of fire!

I will not cease from Mental Fight,
Nor shall my Sword sleep in my hand:
Till we have built Jerusalem,
In Englands green & pleasant Land
*
Einmal mehr weist Rudkin hier also auf den zwiespältigen Charakter der Tradition hin. Dasselbe Gedicht kann sowohl der Verherrlichung des nationalen Chauvinismus dienen als auch den Geist der Rebellion in uns anfeuern. Der Blick über die grünen Hügel von Worcestershire in der sich unmittelbar anschließenden Schlussszene wirkt wie ein bildgewordener Kommentar zu Blakes Versen: Dies ist "Englands green & pleasant Land". Hierfür gilt es zu kämpfen, aber nicht so wie es uns die nationalen Chauvinsten einreden wollen. Es gibt zwei Britannien. Das eine ist unser Feind (verkörpert in "Vater und Mutter"), das andere unsere Heimat und unser Erbe.
An anderer Stelle habe ich mich schon einmal etwas ausführlicher über den romantischen Antikapitalismus ausgelassen. Wenn ich dort  geschrieben habe, dass er im Grunde schon bei Ruskin in einer Sackgasse angelangt war, so meinte ich damit, dass er als politische Philosophie bereits zur Zeit der Präraffaeliten seine Ohnmacht bewiesen hatte. Künstlerisch konnte er sich auch danach noch als durchaus fruchtbar erweisen. Sich dieses Erbe bewusst zu machen und es sich kritisch anzueignen, halte ich für ein äußerst lohnenswertes Unterfangen. Tradition bedeutet nicht automatisch Konservatismus. Natürlich darf man sich ihr nicht einfach blind anschließen. Eben darauf weist auch Rudkin hin, wenn er seinen König Penda zu Stephen sagen lässt, "Vater und Mutter Englands" wollten, dass er für immer ein Kind bleibe. Doch wenn wir diese kindliche Unselbstständigkeit im Umgang mit der Tradition überwunden haben, kann sie eine große Quelle der Kraft und der Inspiration für uns sein.


PS: So weit meine Schreibereien über Penda's Fen. Ob es mir gelungen ist, auszudrücken, was ich an diesem Film so faszinierend finde? Ich fürchte nicht. Und so kann ich meine Leserinnen & Leser nur auffordern, sich den Streifen selbst einmal anzuschauen. Es lohnt sich wirklich!   

 
* "Land of Hope and Glory, Mother of the Free,/ How shall we extol thee, who are born of thee?/ Wider still and wider shall thy bounds be set;/ God, who made thee mighty, make thee mightier yet,/ God, who made thee mighty, make thee mightier yet." Elgar war nicht glücklich über diese Verwendung seiner Musik und soll einmal eine Aufführung, in der der ursprünglich nicht zu dem Stück gehörende Gesang vorgetragen wurde, wütend verlassen haben.
** aus dem Vorwort zu Milton a Poem

Samstag, 5. Januar 2013

Freitag, 4. Januar 2013

"They come with the mist"

An Tagen wie heute, wenn dichter Nebel aus den Wäldern und Hügeln der Umgebung aufsteigt und sich in milchigen Schwaden über die Wiesen und Äcker legt, passiert es mir oft, dass ich an John McTiernans The 13th Warrior denken muss. Und ich bin jedesmal aufs Neue irritiert, denn es gibt so viele Gründe, warum ich diesen Film eigentlich überhaupt nicht leiden kann. Dennoch muss McTiernan irgendetwas richtig gemacht haben. Warum sonst käme mir immer wieder diese Assoziation?


Sehen wir einmal davon ab, dass The 13th Warrior zum x-ten Mal die wenig sympathische Geschichte erzählt, wie durch Kampf und Töten aus einem "Weichling" ein "echter Mann" wird, und konzentrieren wir uns auf all die übrigen Punkte, die gegen diese Adaption eines Schmökers von Michael Crichton (Eaters of the Dead) sprechen.
Zuerst einmal bin ich kein großer Freund davon, wenn sich Drehbuchschreiber & Filmemacher irgendwelche Versatzstücke aus Historie und Heldenepos schnappen, um aus ihnen eine oberflächliche Action-Fantasy-Story zusammenzuschustern. Erst recht nicht, wenn dabei sehr deutlich wird, dass sie keinerlei Gefühl für das von ihnen verwendete Material besitzen.
Okay, ich gebe zu, ein Trupp bärtiger und brüllender Klischeewikinger macht auch mir Spaß. Klischeewikinger sind cool. Aber wozu dem Ganzen ein paar leichte Anklänge an das Beowulf-Epos beimischen? Als Crichton Eaters of the Dead schrieb, wollte er damit angeblich beweisen, dass man den Beowulf-Stoff auf spannende Weise neuerzählen kann. Wenn es erlaubt ist, Rückschlüsse von der Verfilmung (an der Crichton mitgearbeitet hat) auf das Buch zu ziehen, dann kann ich nur sagen, dass mir eine Lektüre des Originals geeigneter erscheint, um dessen bleibende Qualität unter Beweis zu stellen. Das altenglische Gedicht ist sehr viel faszinierender und fantastischer als diese banale "Neuerzählung". Wie der alte Tolkien sehr gut begriffen hatte, ist der Stoff ohne echte Ungeheuer wie Grendel oder den Drachen nur halb soviel wert.
Sehr viel enttäuschender als Buliwyf, Hrothgar und ihre Mannen aber ist die Figur des von Antonio Banderas gespielten Ahmad Ibn Fadlan. Sein historisches Vorbild war ein berühmter arabischer Reisender und Religionsgelehrter, der mit einer Gesandtschaft des Kalifen al-Muqtadir im Jahr 921 zu den Wolgabulgaren zog. Die Aufzeichnungen, die er über diese Reise anfertigte, enthalten u.a. einen Bericht über seine Begegnung mit den Russiyah, in denen viele Historiker die warägischen Rus (also Wikinger) sehen. An diese Episode knüpft Crichton an. Tatsächlich besäße die Begegnung eines Vertreters der islamischen Hochkultur des Mittelalters mit der Welt der heidnischen Nordmänner das Potential für eine wirklich interessante und spannende Erzählung. Doch nichts davon materialisiert sich in The 13th Warrior. Keiner der Beteiligten hat sich offenbar die Mühe gemacht, sich ein Bisschen eingehender mit der Kultur des abbasidischen Kalifats vertraut zu machen. Nicht für einen Moment nimmt man Banderas' Ibn Fadlan ab, dass er ein mittelalterlicher Muslim oder auch nur ein Araber ist. Alles, was sich in dieser Hinsicht findet, sind ein paar Witzchen über gekrümmte Schwerter und das koranische Alkoholverbot.
Bleiben noch die monströsen "Wendols" kannibalistische Höhlenmenschen, die offenbar dem steinzeitlichen Bärenkult anhängen und zugleich einer gigantischen Version der Venus von Willendorf huldigen. Sie erinnern an die degenerierten Überbleibsel vergangener "Rassen", denen wir in den Geschichten von Robert E. Howard oder auch Arthur Machen begegnen. Übergehen wir für den Moment die unappetitlichen sozialdarwinistischen und rassistischen Assoziationen, die sich einem bei diesem Motiv aufdrängen könnten, so sind sie es, die für mich den Reiz von The 13th Warrior ausmachen. Allerdings nur solange ihnen noch etwas Geheimnisvolles anhaftet. Und damit kommen wir zum eigentlichen Problem des Films.
Grob gesprochen lässt sich der Streifen in drei Kapitel aufteilen. Das erste erzählt von der Begegnung Ibn Fadlans mit den zwölf Wikingern und ihrer Reise in den Norden. So weit akzeptabel, wenn auch nicht wirklich fesselnd. Das zweite beginnt mit ihrer Ankunft in Hrothgars Siedlung und erzählt von der Auseinandersetzung mit dem Sohn des Königs und der ersten Begegnung mit den "Wendols". Dieser Abschnitt enthält die positivsten Sequenzen des ganzen Films. Die Szenen, in denen wir den Nebel aus der nordischen Wald- und Heidelandschaft aufsteigen sehen, mit dem die grauslichen "Wendols" kommen, umgibt eine wirklich gespenstische Atmosphäre. Zugleich sorgen die Bemühungen der Wikinger, ihr Dorf gegen die scheinbar übernatürliche Bedrohung zu verteidigen, für echte Spannung. Doch leider wird das Geheimnis um die nächtlichen Angreifer viel zu schnell gelüftet, und es folgt Kapitel 3, dem ich den Titel "Kommandoeinsatz Bärenhöhle" geben will. Von der unheimlichen Atmosphäre bleibt nichts übrig, sobald unsere Helden in die unterirdische Behausung der "Wendols" eindringen, um deren "Mutter" und ihren Kriegshäuptling zu töten. Das Szenario erinnert vielmehr an ein altmodisches D&D - Abenteuer wie den Klassiker Festung im Grenzland.
Filmkritiker Roger Ebert hat im Laufe seiner langen Karriere viel Unsinn von sich gegeben, aber in Bezug auf The 13th Warrior hat er leider recht: Der Film "lumber[s] from one expensive set-piece to the next without taking the time to tell a story that might make us care". McTiernan und Crichton scheinen nicht recht gewusst zu haben, welche Geschichte sie eigentlich erzählen wollten. Das Pacing ist entsprechend fürchterlich.
Und dennoch überkommt mich gerade die Lust, mir den Streifen wieder einmal reinzuziehen. Denn in diesem ganzen banalen und unausgewogenen Mix verbirgt sich der Keim zu einem Film, den ich gern gesehen hätte. Immer dann, wenn die Nebel aufziehen ...

Samstag, 29. Dezember 2012

Strandgut der Woche

Montag, 24. Dezember 2012

Happy Hogswatch

allen Leserinnen und Lesern, allen zufälligen Besuchern und Besucherinnen!


Wie alle Pratchett-Verfilmungen gilt auch Vadim Jeans Adaption von Hogfather bei vielen als nicht besonders gelungen. Mir persönlich hat sie viel Vergnügen bereitet, und ich denke, dass sie den Geist des Buches recht gut wiedergibt.

Wer eine andere, sehr viel ältere, jedoch gleichfalls ziemlich eigenwillige Version der Geschichte vom Weihnachtsmann kennenlernen will, dem sei die Rankin/Bass-Version von The Life & Adventures of Santa Claus des Freidenkers und Oz-Schöpfer L. Frank Baum aus dem Jahre 1985 empfohlen. Bridget McGovern hat den Film einmal als "The World’s Most Bizarre Animated Christmas Special ... EVER." beschrieben. Und das könnte sogar stimmen.
Weihnachtsmärchen trifft High Fantasy, wenn Santa Claus mit einer Löwin und einem polyglotten Elfen an der Seite und unterstützt von einem ganzen Team ebenso phantastischer wie grotesker Unsterblicher gegen die bösen Awgwas antritt. Ein Weihnachtsfilm mit dreiäugigen Ogern, bösen Drachen und Riesenspinnen, der dennoch warmherzig und im besten Sinne "weihnachtlich" ist? Was will man mehr: