"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Samstag, 19. Januar 2013

Zum Gedenken an Edgar Allan Poe

Moralisten haben immer hilflos vor der Frage gestanden, warum Poes "morbide" Geschichten geschrieben werden mussten. Sie mussten geschrieben werden, weil Altes sterben und sich auflösen muss, weil die alte Psyche allmählich demontiert werden muss, bevor etwas Neues entstehen kann.
Der Mensch muss sogar von sich selbst befreit werden. Und das ist ein schmerzhafter und manchmal ein gespenstischer Prozess.*
So schrieb D.H. Lawrence über den großen amerikanischen Meister des Phantastischen und Makabren. Ich weiß nicht, ob ich mich seinen Ausführungen anschließen würde, aber sie enthalten auf jedenfall einen interessanten Gedanken. 
Einer der Gründe für die bleibende Faszination, die von Poe ausgeht, besteht darin, dass er zu jenen Dichtern gehört, deren Werk sich nicht auf eindeutige Weise aufschlüsseln lässt. Jede neuerliche Begegnung mit seinen Gedichten und Kurzgeschichten – d.h. den besten unter ihnen – stellt uns erneut vor Rätsel, zieht uns mit ihrer Mischung aus Schönheit und Morbidität unausweichlich in ihren Bann, lässt uns nicht zur Ruhe kommen

Zur Feier seines 204. Geburtstags nun das Gedicht The Conqueror Worm, vorgetragen von Vincent Price:


PS: Mr. Jim Moon präsentiert aus gegebenem Anlass eine Zusammenstellung all seiner Podcasts, in denen er sich mit dem Werk Poes und dessen filmischen Adaptionen beschäftigt hat, auf seiner Website Hypnogoria.

* D.H. Lawrence: Edgar Allan Poe. In: Ders.: Überlegungen zum Tod eines Stachelschweins. Essays. S. 217.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.