"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Donnerstag, 16. August 2012

Die Fallstricke einer verfehlten Ideologie

In den letzten Wochen tobte ein Sturm durch Teile der englischsprachigen phantastischen Netzgemeinde, der abwechselnd Wut, Ekel, Enttäuschung und zynisches Amüsement in mir hervorrief. Inzwischen haben sich die Wogen wieder etwas geglättet, und man könnte zurecht fragen, warum ich mich jetzt noch dazu äußere. Ich habe lange gezögert, dies zu tun, weil ich die ganze Angelegenheit reichlich unappetitlich finde. Aber da mit Catherynne M. Valente eine Autorin, deren Werk ich sehr schätze, dabei eine wichtige (und wenig bewundernswerte) Rolle  gespielt hat, und die Themen, um die es ging, für jeden, der eine kritischere Beschäftigung mit phantastischer Kunst befürwortet, von Bedeutung sind, habe ich mich dann doch zur Abfassung dieses Posts durchgerungen.

Auslöserin des ganzen Spektakels war acrackedmoon alias Requires Hate (RH), Verfasserin des Blogs Requires Only That You Hate, die in den letzten Monaten aufgrund ihrer hasserfüllten, von Gewaltfantasien durchtränkten und mit ad hominem-Attacken gegen diverse SFF-Autoren & -Autorinnen sowie -Fans gespickten Posts  & Tweets zu einer fragwürdigen Berühmtheit gelangt ist. Oberflächlich betrachtet richten sich ihre giftigen Angriffe gegen angebliche Fälle von Rassismus, Sexismus und anderen bösen -ismen in der phantastischen Literatur, und mitunter pickt sie sich dabei Bücher heraus, die tatsächlich nach einer kritischen Behandlung verlangen. Ihr Image als radikale 'Social Justice'-Kämpferin hat dazu geführt, dass sie eine Reihe von Unterstützern & Unterstützerinnen gefunden hat, unter denen sich auch so bekannte Namen wie Cat Valente, Lavie Tidhar, Aliette de Bodard, Nick Mamatas und Rachel Swirsky finden. Der World SF Blog kooperierte mehrfach mit ihr, so im Falle der (nicht besonders geistreichen) Western Cultural Imperialism Bingo Card und einer 'Roundtable'-Diskussion über 'nichtwestliche SF', an der neben ihr de Bodard, Swirsky, Joyce Cheng, Rochita Loenen-Ruiz und Ekaterina Sedia teilnahmen. Bereits zuvor hatte man ihr ein Forum zur Verfügung gestellt, um ihre lange Fehde mit R. Scott Bakker aus ihrer Sicht darzustellen.
Ich habe RH, soweit ich mich erinnere, erstmals über Lake Hermanstadt kennenglernt, und mich selbst auch einmal auf sie berufen, was mir inzwischen verdammt peinlich ist. Später begegnete sie mir mehr oder weniger regelmäßig bei FerretBrain unter dem Pseudonym valse de la lune. Dort benimmt sie sich im Allgemeinen zivilisierter als gewöhnlich, was sich dadurch erklärt, dass sie sich bei FerretBrain in einem von den Ideen der Identitätspolitik durchtränkten Umfeld bewegt. Wer sie verärgert ist allerdings auch hier nicht vor ihren aggressiven Tiraden sicher.

Eine etwas intensivere Beschäftigung mit RH führt sehr bald zu der interessanten Erkenntnis, dass es sich bei ihr keineswegs um einen Neuling im Netz handelt. Vielmehr verfügt sie über eine ebenso lange wie berüchtigte Historie unter dem Pseudonym Winterfox. (1) Relativ neu ist lediglich ihre Verwandlung in die fanatische Vertreterin einer besonders extremen Form der Identitätspolitik.
Wann genau sie zum erstenmal die Weiten des Internets unsicher machte, darüber gehen die Meinungen auseinander (1999/2000?). Sicher ist nur, dass sie ihren ersten Auftritt in der Fanfic-Community hatte. Dort erwarb sie sich sehr schnell einen äußerst üblen Ruf, denn sie wies schon damals all die Charakterzüge auf, die sie heute in der 'politischen' Polemik an den Tag legt: Maßlose Arroganz und das ungezügelte Verlangen, andere Menschen zu verhöhnen und verbal niederzuknüppeln. Objekt ihres besonderen Hasses war die Fanfic-Autorin Link's Queen. Eine an den Debatten jener Zeit beteiligte Person erinnert sich: "Anyone with an ounce of compassion and common sense could figure out that Link's Queen was (and probably still is) bat-shit insane just from the stuff she'd post [...]  But not Winterfox. She derived such fun from bullying and rallying the dogpiling of someone with so little grip on reality that for a lot of people she lost any credibility as far as her speil about being so far above any of those lowly little immature fanfic writers and readers. There's arguing and heated disagreements with people you don't like, and there's flaming an unarmed opponent; Winterfox loved to engage in the latter". Ähnliche Verhaltensweisen zeigte sie offenbar auch in der Gamer-Community.

Rassismus, Sexismus, Homophobie etc. spielten in diesen Debatten keine Rolle. Und so schält sich erst recht vor diesem Hintergrund ein sehr unangenehmes psychologisches Profil heraus. Winterfox/RH ist offenbar eine extrem von sich selbst eingenommene Person, der es nicht ernsthaft darum geht, ihre Standpunkte argumentativ zu vertreten, sondern die es genießt,  zu verletzen und zu demütigen. Es bereitet ihr augenscheinlich ein sadistisches Vergnügen, andere Menschen durch den Schmutz zu ziehen, über sie zu triumphieren  und auf ihnen herumzu-trampeln. Ist das Opfer wehrlos, so erhöht dies noch ihren Genuss.

Wann genau Winterfox die Identitätspolitik für sich entdeckte, ist mir nicht bekannt. Ihren ersten großen Coup landete sie jedoch scheinbar bei 50books_poc, einer Community, die sich mit den Werken farbiger Autorinnen & Autoren beschäftigt. Dort startete sie heftige Attacken vor allem gegen N.K. Jemisin und Cindy Pon. Wer irgendetwas positives über die Bücher dieser Autorinnen zu sagen wagte, sah sich schon bald mit Kommentaren im Stile von "Your liking for this pile of verbal diarrhea proves what morons fantasy fans are" konfrontiert. Schließlich beschimpfte Winterfox Cindy Pon als "stupid fuck", und der Sturm brach los. Die ganze Affäre nahm schnell tragikomische Züge an und führte zu einem weitgehenden Zusammenbruch der Community. Rauchende Ruinen hinter sich zurücklassend verließ Winterfox daraufhin Livejournal, um sich anderen Gefilden zuzuwenden.

Man ist versucht, anzunehmen, ihre Hinwendung zu 'Social Justice'-Themen sei letztenendes darauf zurückzuführen, dass die Identitätspolitik ihr die einmalige Gelegenheit eröffnete, ihrem Hang zu wüsten Pöbeleien nachzugeben und sich dabei auch noch mit dem Heiligenschein einer höheren Moral zu umgeben und frenetischen Applaus zu empfangen. Doch wie auch immer es sich damit verhalten mag, die Ideologie der ID-Politik und die Gepflogenheiten des SJ-Milieus bieten einer Trollin ihres Kalibers in der Tat ausgezeichnete Entfaltungsmöglichkeiten. Mit fast schon bewunderswertem Geschick versteht sie es, die Glaubenssätze der ID-Politik zu verwenden, um sich selbst unangreifbar und ihre Opfer wehrlos zu machen. Da RH ausschließlich unter Pseudonymen auftritt, ist es völlig unmöglich, ihre Aussagen bezüglich der eigenen Person irgendeiner Prüfung zu unterziehen. Glaubt man ihr jedoch, so ist sie eine lesbische Thailänderin chinesischer Abstammung. (2) Freilich soll sie sich selbst auch schon als asexuell bezeichnet haben. Doch  wie dem auch sei, auf jedenfall befindet sie sich in einer nach den Regeln der ID-Politik geführten Diskussion in einer nahezu unübertrefflich guten Ausgangsposition. Nach der Logik der ID-Politik verleihen RHs Geschlecht, ihre Herkunft, Hautfarbe und sexuelle Orientierung ihren Aussagen zu entsprechenden Themen von vornherein eine größere Autorität. Es ist darum auch nicht verwunderlich, dass sie sich selten mit den Argumenten ihrer Kontrahenten abgibt, sondern diese stattdessen aggressiv bedrängt, ihre Hautfarbe offenzulegen. Ist die Person weiß, so hat sich die Diskussion eh erledigt. Jüngst hat 'Uncle Steve' mit dieser Methode Bekanntschaft schließen müssen und das Erlebnis auf seinem Livejournal beschrieben. (3) Oft wartet RH auch gar nicht erst auf ein entsprechendes 'Geständnis', sondern geht ganz einfach davon aus, dass jeder, der etwas an ihren Verdammungsurteilen auszusetzen hat, automatisch weiß und männlich sein muss. Dass sie dabei häufiger schon mal farbige Frauen erwischt hat, tut ihrer Glaubwürdigkeit bei ihren Fans offenbar keinen Abbruch. Während ihres Feldzugs gegen Cindy Pon trieb RH den SJ-Fetischismus um Authentizität und Identität auf solche Höhen, dass er engültig ins Lächerliche umschlug: Aufgrund ihrer chinesischen Abstammung bezeichnete sie sich selbst als 'asian-asian', was ihr das Recht geben sollte, besser über Fragen der chinesischen Kultur zu urteilen als Pon, die immerhin in Taiwan geboren wurde!

RHs monomanischer antiweißer Rassismus wird in weiten Teilen des SJ-Milieus nicht als solcher wahrgenommen, da man dort davon ausgeht, dass es so etwas wie Rassismus gegen Weiße überhaupt nicht geben kann. (4) Dies erlaubt es RH, mit den denkbar verachtungswürdigsten Äußerungen davonzukommen.
Als eine transsexuelle Frau in Bezug auf ihren 'Stil' anmerkte "I will say this: hate speech gets people like me killed", erntete sie bloß Hohn und Spott von der großen Verteidigerin der Unterdrückten: "Yes, hate speech directed at white westerners really will get someone killed". Einmal mehr bewies RH damit, dass ihr die elementare Fähigkeit zur Empathie fehlt.  Keiner ihrer SJ-Fans zog auch nur in Betracht, dass sie mit diesem Tweet möglicherweise ihre Voruteile gegenüber Transsexuellen bzw. Transgenders verraten haben könnte. Aber nicht doch! Mit solchen Unterstellungen würde man ja bloß sein 'weißes Privileg' ausnutzen. Schamlosigkeit ist ein viel zu schwaches Wort für dieses Verhalten!
Dass nebenbei hingeworfene Bemerkungen wie "well, shooting white men on sight is always a good option really" bei den SJ-Kämpfern nicht einmal ein Stirnerunzeln hervorrufen, ist weiter nicht verwunderlich. Dabei sind die Gewalt- und Folterfantasien, in denen RH regelmäßig schwelgt, wirklich mehr als nur ein bisschen beunruhigend. Eine Psychologin könnte da vielleicht genaueres zu sagen. Zu den bevorzugten Objekten von RHs sadistischen Tagträumen zählte in jüngerer Vergangenheit vor allem der Schriftsteller Paolo Bacigalupi:
"As for Bacigalupi, flay him alive slowly, pour salt, pour acid, dismember and keep alive as long as possible".
"If I see Bacigalupi being beaten in the street I'll stop to cheer on the attackers and pour some gasoline on him".
"Your country [the USA] could be carpet-bombed tomorrow and all your servicepeople murdered in their sleep, and the world'll be a better place". (5)
Wer sich etwas Humanität oder auch bloß guten Geschmack bewahrt hat, sollte spätestens nach diesen Ausfällen RH angewidert den Rücken kehren. Doch stattdessen werden Äußerungen solcher Art von vielen SJ-Kämpfern als 'feurige Rhetorik' entschuldigt, mitunter sogar bewundert. Im besten Fall bekommt man von ihnen zu hören, RH gehe manchmal vielleicht etwas zu weit in ihren Verbalattacken. Grundsätzliche Kritik ist jedenfalls verboten, denn damit würde man gegen eine der elementaren Gesetze der ID-Politik verstoßen: 'The Argument of Tone'. Ich bin dieser bizarren Regel erstmals bei FerretBrain begegnet. Als Alasdair Czyrnyj – von allen FerretBrainern wohl derjenige, der der ID-Politik am wenigsten ergeben ist – seinem Ärger über valse de la lune = RH nach langem Zögern endlich einmal Luft machte, musste er sich von einem seiner Community-Kollegen folgende Predigt anhören: "When you whine about tone, it just shows your privilege and the lack of awareness of that privilege which is in itself, a privilege. If you, a non-racist, say something racist even unintentionally and a person of color calls you out on it in a tone you dislike, do you disregard what that person has to say? It is not the responsibility of that person to make sure your feelings are okay when it is your statement that continues the dominant culture's oppressiveness. The comment doesn't need to be racist. It could be sexist, misogynistic, ablist, agist, homophobic, transphobic, sizist, classist, and whatever I'm missing. Those statements still devalue the human." Jede Kritik an der menschenverachtenden Sprache von RH ist demnach rassistisch und (Gipfel der Ironie!) verletzt die Menschenwürde von RH. Dabei ist es RHs modus operandi, jeden, den sie nicht leiden kann, zu entmenschlichen, zu Abschaum oder schlimmerem zu erklären! Natürlich entschuldigte sich Alasdair brav bei der 'unterdrückten' valse de la lune, ein Verhalten, dass man bei vielen von RHs zaghafteren Kritikern beobachten kann und das bei mir Reminiszenzen an das stalinistische Ritual der 'Selbstkritik' wachruft.

Damit das klar ist, ich habe nichts gegen eine aggressive, gerne auch mal mit Obszönitäten gespickte Polemik. So liebe ich z.B. Hal Duncans wütende, wortreiche und witzige Attacken gegen alle möglichen homophoben Arschlöcher. Aber zum einen spricht das selbsternannte Oberhaupt der Sodomitischen Weltverschwörung seinen Kontrahenten nicht das Recht ab, ihm mit gleicher Münze zurückzuzahlen, zum anderen ist er nicht darauf aus, diese zu erniedrigen und zu entmenschlichen. Einmal davon abgesehen, dass Duncan vermutlich einfach eine sehr viel humanere Persönlichkeit ist als RH, liegt der Grund für diesen Unterschied auch in der Weltanschauung, die seinen Polemiken zugrundeliegt. Er ist ein Anarchist, dessen Ideal eine Gesellschaft der Gleichen ist, in der die Menschen befreit von den Fesseln repressiver Moral, geleitet von Vernunft, Leidenschaft und Mitgefühl ihr Leben nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten können. Es fällt schwer auszumachen, welches Ideal RH besitzt. Aus ihren Texten spricht nichts außer Hass, Egoismus und Willen zur Macht. Und doch findet sie Unterstützung bei Menschen, die sehr wohl über Intelligenz und Mitgefühl verfügen. Bei Idealisten, die glauben, in ihr eine besonders feurige Mitstreiterin gegen die Übel unserer Gesellschaft gefunden zu haben. Dieser ebenso traurige wie irritierende Umstand ist die einzige Rechtfertigung für meine ausführliche Beschäftigung mit RH. Und so kommen wir denn nun endlich zu den Ereignissen der letzten Wochen, die der eigentliche Auslöser für diesen Post waren.

Doch halt, es gibt eine Vorgeschichte, die kurz erzählt werden muss. Eine Vorgeschichte, deren Protagonistinnen Catherynne M. Valente, Kari Sperring und RequiresHate sind. Ich bin ein großer Fan von Cat Valentes literarischem Werk (soweit ich es gelesen habe), doch wenn man ihren Blog liest, wird man sehr bald feststellen müssen, dass sie nicht nur eine gewisse Affektiertheit, sondern auch leicht narzisstische Züge und einen starken Hang zum Selbstmitleid an den Tag legt.  Alle diese Charaktereigenschaften äußerten sich im vorliegenden Fall auf ziemlich unangenehme Weise.
Am 24. Mai postete Valente einen Text mit dem aus Jim Hensons Labyrinth entlehnten Titel I Have Fought My Way Here To The Castle Beyond The Goblin City, der ihrer Liebe zu Edinburgh gewidmet ist. Darin schreibt sie über ihren ersten Besuch in Großbritannien im Alter von 21 Jahren: "My life changed the moment that train pulled out of the brick archways and into the rolling green countryside beyond London – it was just beginning to be autumn then, and the trees were full of crows. I remember thinking about bird magic, auguries, every story I’d ever heard about England and Scotland. [...] It was the first time I wanted something with that desperate, pure fire – and made it happen, by myself, with will and work. After all, if you grow up loving fairy tales and King Arthur and saints who battle monsters, you want the British Isles the way some kids want boyfriends." Nachdem in zahlreichen Kommentaren ein vergleichbar romantisiertes Bild von Großbritannien gezeichnet worden war, meldete sich die walisische Schriftstellerin Kari Sperring zu Worte und gab in keineswegs aggressiver Weise ihrem Unbehagen darüber Ausdruck, dass ihre Heimat von vielen Nichtbriten oft auf seine Mythen und Legenden reduziert werde. Großbritannien sei ein reales Land mit realen Menschen und nicht Robin Hoods Sherwood Forest oder König Arthurs Camelot. Nichts daran ließ sich vernünftigerweise als 'Angriff' auf Cat Valente interpretieren, aber diese ist gegenüber jedweder Kritik äußerst dünnhäutig und beklagte sich sogleich in verletztem Tonfall, Sperring habe ihr ihre schönen Erinnerungen kaputt gemacht. Außerdem werde sie als Amerikanerin ohnehin überall auf der Welt unfair behandelt. Im nächsten Moment tauchte RH auf und fiel in gewohnt bösartiger Weise über Sperring her. (6) Danach verlegte sie ihre Attacken auf Twitter, wo sie Sperring weiter verhöhnte und als Nutznießerin des Imperialismus beschimpfte. Der Druck auf die Schriftstellerin wurde schließlich so groß, dass diese einen Selbstmordversuch beging. Als sie dies später Valente gegenüber schilderte, erhielt sie folgende Antwort: "You know...I am also a clinical depressive. What you said to me sunk me into a hole for weeks, drove me away from the Internet, left me in tears and unable to pull myself out of any of it. I will say again that I am totally perplexed as to why I bear responsibility for the actions of someone I've never met because I don't disavow her strongly enough for others taste, something that smacks of thought police to me do much more strongly than anything critics say about books, but if RH bears fault for what her words did to you, you bear fault for what yours did to me. You destroyed me, Kari, for weeks. In a lot of ways I still don't feel comfortable blogging like I used to. But I didn't want to say anything, because my issues are my own and I have to deal with them. No one will help me, and as a pro, you have plenty of people to back you up. [sic!] But please don't forget that you too call people out when you think they're wrong, and with words that wound." Der Mangel an Empathie und das Ausmaß an Narzissmus und Selbstmitleid sind hier wirklich erschreckend. Ich weiß verflucht gut, was es bedeutet, an Depressionen zu leiden, und ich kann Valentes Gefühlsreaktionen deshalb nachvollziehen, doch ist dies keine Entschuldigung dafür, sich gegenüber einer Frau, die gerade versucht hat, sich das Leben zu nehmen, wie ein selbstgerechtes Arschloch aufzuführen.

Auch ist Valentes Charakterisierung ihres Verhältnisses zu RH ziemlich heuchlerisch. Es ist nicht das erste Mal, dass ihr Blog von RH benutzt wurde, um eine Vendetta gegen jemanden zu entfachen. Als die irische YA-Autorin Sarah Rees Brennan es dort wagte, ihrer Abneigung gegenüber RH Ausdruck zu verleihen ("at another point I saw her discuss wanting to put dog piss in a water pistol and fire it in a [...] author's mouth"), erging es ihr noch übler als Kari Sperring. Auch in diesem Fall verlegte RH ihre Attacken nach ersten Vorgeplänkeln auf Twitter, wo sie dann u.a. behauptete, die meisten Iren seien nicht viel besser als Nazis. Valente muss der Fall bekannt sein, ist sie doch eine regelmäßige Besucherin von RHs Twitter-Account und kommuniziert dort mit ihr. Ihre wiederholten Beteuerungen, sie kenne RH nicht, bedeuten lediglich, dass sie ihr noch nie 'im Fleische' begegnet ist. Und wer ist das schon? Tatsächlich hat sie öffentlich ihre Bewunderung für RH bekundet: "I love Requires. [...] She's important, because she doesn't care about sacred cows. And we have so many of those in SFF." Dies geschah im Kommentar zu ihrem eigenen Post Let Me Tell You About the Birds and the Bees, in dem sie RH als ein Beispiel für die ungerechte Behandlung von Rezensentinnen und Autorinnen anführt. Nun wird niemand, der nicht entweder blind oder willentlich ignorant ist, den mitunter massiven Sexismus in Teilen der phantastischen Netzgemeinde leugnen können. Auch RH hat davon sicher schon eine Menge abgekriegt. Bloß ist sie für die Rolle des 'verfolgten Opfers' nun wirklich nicht die Richtige. (7) Valentes Versuch, sie dennoch zu einem solchem zu stilisieren, hörte sich wie folgt an: "[S]he was called a rabid animal by Peter Watts,  a luminary in our field, who received very little public condemnation for his statements. (A rabid animal! Because she thought a book was sexist! I thought humorless feminists were the ones who took things too seriously!)" Wer sich die Mühe macht, Watts' Artikel wirklich zu lesen, wird feststellen, dass Valentes Darstellung eine bewusste Verfälschung ist. Watts bezeichnete RH nicht deshalb als 'rabid animal', weil sie ein Buch (R. Scott Bakkers Prince of Nothing) als sexistisch kritisiert hatte. Er tat dies, um damit auf RHs dehumanisierende Sprache hinzuweisen. (8) Als er dies in einem Kommentar zu Valentes Post klarzustellen versuchte, wurde er wie zu erwarten von der versammelten Fangemeinde niedergebrüllt.

Catherynne M. Valentes Nähe zu RH lässt sich nicht ernsthaft bestreiten. Deshalb ist es gut nachzuvollziehen, warum sich Liz Williams ausgerechnet an sie wandte und um eine Stellungnahme zu RHs Verhalten bat. Williams ist die Verfasserin der Inspector Chen - Bücher und als solche in den Augen von RH selbstverständlich eine Kulturimperialistin ersten Ranges. Doch ging es ihr nicht darum. Sie schrieb: "[O]ne of your fans - Requires Meds - has repeatedly called for writers to be attacked (Paolo Bacigalupi, apparently, deserves to have acid flung in his face; others guilty of the crime of being white writers should be shot, stabbed, or blown up). Requires Meds operates anonymously from behind a keyboard, and is a well known gaming troll, so her chances of actually carrying any of the death threats out are probably around zero and I suspect she is merely pathetic." Valente brachte die üblichen Entschuldigungen für RHs Tiraden vor: "Her rhetoric is inflammatory. It is intended to be. I do not and have never believed they represented serious threats. Obviously, I do not approve of acid attacks, for crying out loud. But in rhetoric, we exaggerate for effect." Zugegebenermaßen hatte sich Williams einen denkbar ungünstigen Ort ausgesucht, um eine Debatte über RH zu beginnen, ging es in Valentes Post doch um einen Fall von sexueller Belästigung auf der diesjährigen Readercon. Dass ändert aber nichts an der Berechtigung ihrer Frage, ob Valente das Verhalten RHs verurteile, was diese nicht wirklich tat. Sie veröffentlichte daraufhin am 1. August einen Post über RH auf ihrem Livejournal, der die SJ-Trollin recht adäquat charakterisierte: "Seeks Attention has only very recently come to my own attention, mainly by dint of the online equivalent of jumping up and down and swearing, but has had a long history of trolling in the gaming community and has been flung off multiple comms under a long list of aliases for anti-social behaviour (shows up, randomly spews venom at people, is told to go away – typical trollshit). More recently, she’s discovered the wonderful world of social justice, and is now busily blogging away, focusing most of her attacks on white male writers, but also making a point of attacking women, including transwomen and women of colour (referring to one author as ‘a stupid fuck’: this level of subtle analysis is pretty standard). The usual response to criticisms of SA is ‘she makes some good points’ – she may well do, but those points come with a massive side-order of obscene bullshit that overwhelms the main course. There’s also been a near constant Twitter feed, since Seeks Attention appears neither to work nor sleep, of threats against specific authors – Paolo Bacigalupi is one – including acid attacks, shooting people and blowing them up. SA has a particular thing about US servicemen and Western tourists, and has suggested mass killings of both. You don’t have to agree with Western warmongering or sex tourism, both of which are pretty foul, to have issues with this. She’s also accused rape survivors of being rape apologists and reserves particular ire for Asian-Americans, basically for not being Asian enough. Or possibly for breathing air – it’s hard to tell." Man kann sich vorstellen wie RHs Anhänger & Anhängerinnen reagierten. Um einen ungefähren Eindruck davon zu bekommen, schaue man z.B. bei sf-drama  vorbei. Wirklich peinlich wurde es jedoch, als Cat Valente (9) tagsdarauf einen Post veröffentlichte, in dem sie behauptete, man habe ihr ein Ultimatum gestellt, sich von RH loszusagen, und sie sei außerdem bedrängt worden, ihren  Usernamen yuki_onna abzulegen. Nach wie vor war sie nicht bereit, ein deutliches Wort über RH zu sagen. Vielmehr erweckte sie den Anschein, das bemitleidenswerte Opfer einer Hexenjagd zu sein. Es dauerte einige Zeit, bis sich herausstellte, dass mit dem angeblichen Ultimatum in Wirklichkeit Liz Williams einsamer Kommentar gemeint war (der kein Ultimatum enthalten hatte) und sich die Usernamen-Geschichte auf eine kurze Bemerkung in einer LJ-Diskussion bezog, in der es um die heuchlerischen Doppelstandards von RH gegangen war. Niemand hatte verlangt, Valente solle ihren Usernamen ändern. In den Mahlstrom der nun tobenden 'Debatte' wurde in gewisser Weise auch Caitlin R. Kiernan hineingezogen, die sich bereits am 20. & 25. Juli sehr deutlich zu RH geäußert hatte und bei der es sich um das von Liz Williams erwähnte Vergewaltigungsopfer handelt, das von RH als 'Apologetin von Vergewaltigung' beschimpft worden war.

Wie ich zu Anfang bereits gesagt habe, wirkt all dies auf mich zugleich abstoßend, lächerlich und traurig. Meine Achtung und meine Sympathie für den Menschen Catherynne M. Valente ist in den letzten anderthalb Wochen beträchtlich gesunken, auch wenn ich ich ihre Erzählungen und Bücher (soweit mir bekannt) nach wie vor liebe. Aber schön, es ist nie gut, jemanden zu idealisieren. Sehr viel mehr hat mich erschreckt, wie eine Ideologie, deren angebliches Ziel darin besteht, die Interessen der Unterdrückten und Benachteiligten zu vertreten, bei so vielen Menschen zu Inhumanität und Kleingeistigkeit führen kann. Es war widerlich und empörend zu sehen, wie Liz Williams von glühenden SJ-Kämpfern als 'ableist' verdammt wurde, weil sie Requires Hate in Requires Med umgetauft hatte, während der Selbstmordversuch von Kari Sperring denselben Leuten nicht ein Wörtchen des Mitgefühls oder Verständnisses zu entlocken vermochte. Wie blind muss man sein, um aus einer selbstgerechten Sadistin wie RH eine mutige Heldin zu machen?! Was bitte ist mutig daran, andere Menschen mit Scheiße zu bewerfen, während man sich hinter einem Pseudonym versteckt und Gegenangriffe nicht zu fürchten braucht, da man sich gar nicht erst auf irgendwelche Diskussionen mit dem 'untermenschlichen Abschaum' einlässt, der es wagt, sich gegen seine öffentliche Abschlachtung zu wehren?

Die meisten Kritiker & Kritikerinnen von RH vertreten selbst die Standpunkte der Identitätspolitik. Es wäre deshalb nicht fair, wollte man sie als repräsentativ für das ganze SJ-Milieu hinstellen. Doch gerade weil sie dessen Ideologie auf die Spitze treibt, treten bei ihr einige grundlegende Merkmale der ID-Politik besonders deutlich hervor.

Selbst viele, die ihr kritisch gegenüberstehen, gehen ganz selbstverständlich davon aus, dass RH zu den  'Unterdrückten' und 'Marginalisierten' gehört, einzig weil sie eine Frau ist, die aus Thailand stammt. Tatsächlich jedoch spricht sehr vieles dafür, dass es sich bei ihr um eine extrem privilegierte Person handelt. Ihre chinesische Abkunft kombiniert mit der von ihr selbst mehrfach erwähnten Ausbildung in Großbritannien machen es sehr wahrscheinlich, dass sie der dünnen thailändischen Oberschicht entstammt. Dies würde auch ihre erstaunliche Realitätsferne erklären.
Ihre Bemerkungen zu allen möglichen Themen belegen immer wieder aufs Neue, dass sie offenbar nicht die geringste Ahnung von der sozialen Wirklichkeit hat – weder was Thailand noch was die Länder der westlichen Welt betrifft. Es ist nicht verwunderlich, dass Pat von Pat's Fantasy Hotlist ganz selbstverständlich davon ausging, es bei RH mit jemandem aus dem Westen zu tun zu haben, der noch nie in Südostasien gewesen ist, als diese sein Reisetagebuch als rassistisch attackierte. In einigen der Passagen, über die sie herfiel, hatte Pat die Folgen der sozialen Ungleichheit in Bangkok beschrieben:
"It's kind of odd that some aspects of Bangkok could put any Western city to shame, and all the while show you sides straight out of a Third World country when you turn around and face the other way [...] It's kind of sad to see fat and old Western men walking hand in hand with pretty young Thai girls. They're absolutely everywhere and not likely to go away. There are a couple of universities here, so hopefully there is a brighter future for any Thai young women".
Das mag nun keine messerscharfe soziale Analyse sein (schließlich handelt es sich um Reiseimpressionen), aber es ist doch ziemlich klar, dass Pat im Sextourismus eine Folge der Armut in Thailand sieht. Für RH aber bewies er damit nur, dass er ein paternalistisches und imperialistisches Schwein ist. Sie betonte, Thailand verfüge über "tons of universities" und ging mit keinem Wort darauf ein, dass zahllose junge Frauen durch ökonomische Umstände in die Prostitution gezwungen werden. Für eine Radikalfeministin etwas merkwürdig, oder?
Kaum jemandem scheint der eigentümliche Umstand aufzufallen, dass RH sich als Kämpferin für die soziale Gerechtigkeit geriert und immer wieder ihre thailändische Herkunft betont, jedoch nie ein Wörtchen über die fürchterlichen sozialen Verhältnisse in ihrer Heimat verliert. Thailand ist eine der sozial ungleichsten Länder außerhalb von Afrika. Eine kleine und obszön reiche Elite, deren Mitglieder sich oft wie echte Aristokraten aufführen, herrscht über eine zum Teil völlig verelendete Bevölkerung. Die Universitäten, auf die RH so stolz hinweist, stehen in erster Linie deren Kindern offen und zementieren de facto noch den Abstand zwischen Arm und Reich. Die Interessen dieser Klasse werden von einem autoriären und korrupten Staat verteidigt, dessen Rückgrat Militär und Monarchie bilden, und dessen demokratische Fassade durch die zahlreichen mehr oder weniger offenen Staatsstreiche der letzten Jahre stark abgeblättert ist. Die Massenproteste der 'Rothemden' im Jahr 2010 waren der erste mächtige, wenn auch politisch diffuse Ausdruck für eine Revolte der arbeitenden Massen gegen diese Ordnung. Entsprechend rigoros ging das Militär gegen sie vor. Von dieser sozialen und politischen Realität findet sich auch nicht der leiseste Widerhall in RHs Posts.
Vieles an ihr wird verständlicher, wenn man davon ausgeht, dass sie die Bewohnerin einer kleinen und äußerst privilegierten Welt ist, über deren Grenzen hinauszuschauen sie entweder nicht willens oder nicht fähig ist. Wie anders ließe sich z.B. erklären, dass sie einmal allen Ernstes eine ausufernde Debatte darüber geführt hat, warum jeder, der ein iPhone und kein Android besitzt, in ihren Augen ein Trottel ist? Doch nicht nur solch bizarre Anekdoten erscheinen plötzlich nachvollziehbarer, auch auf ihre realitätsfernen Ausführungen zu ernsteren Themen fällt ein ganz anderes Licht. So veröffentlichte RH z.B. im April einen Post, in dem sie die Nutzlosigkeit der YA-Literatur unter Beweis stellen wollte. Der Anfang liest sich so: "I’ve never understood the argument that Twilight, Eragon, or the latest YA shitfest of the week 'at least gets kids reading.' Let me explain: I’m coming at this with a vastly different perspective. I’m from a country where English is not a first language, and in this climate 'at least it gets kids reading' does indeed have merit, in the sense that if it gets kids to read in English and thus get them to achieve proficiency with the language, it would be excellent and awesome, because we need that. We need to speak English to survive. We need to speak English just to get by. It’s not a choice. [...] But that is not the argument first-world Anglophones usually make [...] Getting kids to achieve proficiency in English isn’t the goal or the problem, because this is about Anglophonic children in first-world countries, not kids who need to cope in an imperialist world where speaking English is a matter of survival.'" Wenn sie von Thailand spricht, so versteht sie darunter offensichtlich nur die Mittel- und Oberschicht. Für die große Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung ihrer Heimat dürften Englischkenntnisse nämlich keine Frage des Überlebens sein. Und was ihr Bild des Westens angeht: Wer sich auch nur ein bisschen mit der Realität in den USA (oder Deutschland) auskennt, weiß, dass die Fähigkeit, mit geschriebenen Texten umzugehen, für viele Kinder keineswegs eine Selbstverständlichkeit ist. Vielmehr stellen Analphabetismus und Halbanalphabetismus nicht zuletzt aufgrund der wachsenden sozialen Ungleichheit auch in der sog. '1. Welt' echte Probleme dar. Ich habe selbst eine gute Bekannte, die damit zu kämpfen hat. Aber für RH sind halt alle Weißen und 'Westler' privilegierte Unterdrücker. Da sie selbst sich in ihrem ganzen Leben vermutlich noch nie Gedanken über Geld machen musste, existieren ökonomisches Elend und seine Folgen für sie nicht. Wie sonst könnte sie solch offensichtlich absurde Dinge schreiben wie: "I doubt I have class privilege over most white western men".

Jetzt lässt sich auch besser verstehen, warum sich bei RH das Getue um 'soziale Gerechtigkeit' mit einem so absoluten Mangel an Empathie vereinbaren lässt. Sie schäumt regelmäßig vor Wut über die 'Unterdrücker', solange es sich bei diesen um weiße 'Imperialisten' (=Bewohner eines westlichen Landes) handelt, aber sie zeigt an keiner Stelle Sympathie oder auch nur ehrliches Interesse für die Unterdrückten. Sie ist blind für echtes Elend und echtes Leid. Verständlich, verdankt sie ihre universitäre Bildung und ihre scheinbar unbegrenzte Freizeit, die es ihr erlauben, ihre unzähligen Feldzüge im Internet zu führen, doch mit ziemlicher Sicherheit einer sozialen Stellung, die selbst auf brutaler Ausbeutung basiert. Sich dies einzugestehen ist ihr unmöglich, denn dann müsste sie von ihrem hohen Ross herabsteigen und könnte nicht länger andere über deren angeblich 'privilegierten Status' belehren.

Die meisten Anhänger der Identitätspolitik, operieren wie RH mit Abstraktionen: 'die Frauen', 'die Männer', 'die Weißen', 'die Farbigen', 'die Homosexuellen' usw. Dabei blenden sie den alles dominierenden und entscheidenden Charakterzug der Gesellschaft, in der wir leben, aus. Die Tatsache nämlich, dass es sich bei ihr um eine Klassengesellschaft handelt. Zwar haben die ID-Ideologen den Begriff 'classism' erfunden, den sie manchmal neben 'sexism', 'racism', 'ableism' etc. stellen, aber mir ist bis heute nicht klar geworden, ob sie damit die materiellen Besitzunterschiede meinen, oder ob 'classism' bloß ein postmodernes Wort für Snobismus ist. Auf jedenfall reagieren die meisten SJ-Kämpfer äußerst ungehalten, wenn man die Klassenfrage ins Spiel bringt. (10) Meist tun sie sie hastig als 'Ablenkungsstrategie' ('derailing') ab. Die Gründe dafür sind nicht schwer zu erraten.
Mit 'Identität' ist bei ihnen ja nicht die individuelle Persönlichkeit, sondern die Zugehörigkeit zu einer Gruppe gemeint, die von ihrer Klassenzusammensetzung her stets heterogen ist. Und dennoch soll man sich in erster Linie mir ihr identifizieren und es wird postuliert, alle ihrer Angehörigen hätten dieselben Interessen. Dabei würde ein kurzer Blick in die soziale Realität sehr schnell zeigen, dass dem nicht so ist. Meike Schlecker hatte als Mitglied der Geschäftsleitung nicht dieselben, sondern diametral entgegengesetzte Interessen wie die Verkäuferinnen des für seine Sklaventreibermethoden berüchtigten Konzerns. Dass sie alle Frauen waren änderte daran nichts. Ebenso wäre es absurd, wollte man behaupten, ein Mann wie Czem Özdemir könne aufgrund seiner Herkunft für die Mehrheit der Türken und Türkinnen in Deutschland sprechen. Zwischen beiden klafft ein sozialer Abgrund.
Ich übertreibe natürlich. Die meisten Anhänger der ID-Politik sind nicht wirklich blind für solche Tatsachen, sie rücken bloß andere Elemente der sozialen Realität ins Zentrum ihrer Aufmerksamkeit. Doch das allein reicht oft schon, um bei ihnen ein völlig verzerrtes Bild der gesellschaftlichen Situation entstehen zu lassen. Ich nehme als Beispiel noch einmal Catherynne M. Valente, diesmal in ihrer Funktion als Vertreterin des Feminismus. Im März veröffentlichte sie einen Post mit dem Titel American Politics Are A Black, Morbid Circus And We're All Crammed in the Clown Car, in dem sie eine Reihe der beunruhigenden politischen Entwicklungen in den USA beschreibt. Gut vier Fünftel des Textes sind dem 'War on Women' gewidmet, den ein einflussreicher Teil der Republikanischen Partei eröffnet hat. Was hingegen keine Erwähnung findet sind a) steigende Arbeitslosigkeit und Verelendung breiter Bevölkerungsschichten; b) massiver Abbau des ohnehin erbärmlichen Sozialsystems; c) Ausbau eines zunehmend autoritären Staatsapparates; d) Militarismus und Krieg. Dabei sind dies die Themen, die die Mehrheit der Amerikanerinnen & Amerikaner unmittelbar berühren. Und nur im Rahmen dieser gesellschaftlichen Entwicklungen, die allesamt Kennzeichen der tiefen Krise des US-Kapitalismus sind, lässt sich auch der Aufstieg der christlich-fundamentalistischen Rechten und mit ihm die Angriffe auf die Rechte der Frauen verstehen. Doch Valentes feministische Ideologie macht sie blind für diese Zusammenhänge. Sie glaubt, die Gefahr gehe von einigen Ewiggestrigen aus, die die USA in die 50er Jahre zurückführen wollten. Schlimmer noch, sie macht einen Gutteil der US-amerikanischen Bevölkerung für all das verantwortlich: "A huge part of the country I live in wants to silence and crush people like me – and that 'like me' has multiple vectors. Female, queer, young, liberal, artist, techie." Mit keinem Wort hingegen kritisiert sie die Regierung. Natürlich nicht, entspricht diese doch in mancherlei Hinsicht den Wunschträumen der ID-Ideologen. An ihrer Spitze steht ein Farbiger und eines der mächtigsten Mitglieder des Kabinetts ist mit Hillary Clinton eine Frau. Sie ist der lebendige Beweis für das Scheitern der Identitätspolitik, und deshalb muss man sich ihr gegenüber blind stellen.

Viele Anhängerinnen und Anhänger der Identitätspolitik sind zweifllos ehrlich daran interessiert, gesellschaftliche Übel und Ungerechtigkeiten wie Sexismus, Rassismus oder Homophobie zu bekämpfen. Und natürlich müssen diese bekämpft und ausgerottet werden. Doch die ID-Ideologie selbst besitzt einen sozialen Inhalt, der einen wirklich erfolgversprechenden Kampf gegen sie faktisch unmöglich macht. Sie entstand in den späten 70er und vor allem in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, als sich die zuvor radikalisierten Mittelklasseintellektuellen endgültig von der Masse der arbeitenden Bevölkerung abwandten und vielfach einen steilen sozialen Aufstieg begannen. Im Kern drückt sie deren Interesse aus, in die herrschende Elite aufgenommen zu werden.

Versucht man die positiven Ziele von SJ-Kämpfern zu ergründen, so steht man oft vor einem gewaltigen Problem. In den meisten Fällen definieren sie sich ausschließlich über ihre Gegnerschaft zu etwas. Bei so jemandem wie RH mag die Abwesenheit eines angestrebten Ideals besonders augenfällig sein, aber im Grunde ist es ganz allgemein schwierig, zu sagen, wie bei der 'Sozialen Gerechtigkeit' die Gerechtigkeit eigentlich genau aussehen soll. Bohrt man etwas nach, so stellt sich für gewöhnlich heraus, dass man sich darunter so etwas wie eine universale Quotenregelung vorzustellen hat. Die existierende soziale Hierarchie wird nicht in Frage gestellt, es geht lediglich darum, der eigenen Gruppe einen 'fairen' Anteil auf jeder ihrer Stufen zu erkämpfen. Doch für die Mehrheit, auch für die Mehrheit in jeder einzelnen Gruppe, wäre damit in Wahrheit nichts gewonnen. Solange die Gesellschaft als ganzes auf Ungleichheit basiert, diese Ungleichheit sogar immer weiter zunimmt, ist es für 99% der Bevölkerung völlig gleichgültig, wie sich das herrschende 1% bezüglich Genderzugehörigkeit, ethnischer Herkunft oder sexueller Orientierung zusammensetzt. Ehrgeizigen Aufsteigern aus der Mittelklasse hingegen kommt die ID-Politik in ihrem Bemühen an die Fleischtöpfe von Reichtum und Einfluss zu gelangen, sehr entgegen. Hierin mag auch der Grund liegen, warum eine so offensichtlich vom Willen zur Macht zerfressene Person wie RH bei einigen SJ-Kämpfern eine verwandte Saite zum Schwingen bringt. Ihre Äußerungen bringen oft eine eigenartige Mischung aus Arroganz, dem Wunsch zu Dominieren und dem Gefühl, ungerecht behandelt worden zu sein, zum Ausdruck. Eine Mélange, die sehr gut zu Menschen passt, die glauben, dass sie aufgrund ihrer Bildung und ihrer 'Intelligenz' einen höheren Status verdient hätten, als sie momentan innehaben. Mit Empfindungen echter Empathie, mit den Idealen von Solidarität und Gleichheit, verträgt sich eine solche psychische Verfasstheit hingegen nicht.

John Scalzi hat die Philosophie der Identitätspolitik vor einiger Zeit  sehr schön auf den Punkt gebracht. In einem kleinen Aufsatz vergleicht er 'das Leben' mit einem Computerspiel, bei dem der heterosexuelle weiße Mann auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad beginnen darf, während alle anderen auf entsprechend schwierigeren Graden spielen müssen. Autor Steven Brust hat ihm darauf eine ganze fabelhafte Antwort gegeben, der ich mich nur voll und ganz anschließen kann, und mit der ich diesen Post beenden will. Es gäbe noch vieles zu sagen, so etwa über die z.T. sehr negativen Auswirkungen der ID-Politik auf die Kunst (und um Kunst sollte es doch eigentlich gehen). Aber für heute soll endgültig Schluss sein. Ich übergebe Steven das Wort:

"My problem can be stated thus: All of this effort put into either a) How do we make the game more fair, or b) At least making us aware of how unfair the rules are,  makes it that much harder to focus on what is, to me, most important: THE FUCKING GAME SUCKS.
I don’t want to play it, I don’t want to be forced to play it, I don’t want strangers to have no choice but to play it; I don’t like smug assholes 'dropping out' to live in the woods and then claiming they aren’t playing it.
The game needs to go.  It needs to be replaced by a game that doesn’t have a wealth stat, or an education stat, because those things are just always maxed for everyone.  It needs to be replaced by a game in which the stats are different talents, and the only thing to put points in are interests and passions.
John calls his game real life, and he’s right, it is.  But I passionately, deeply believe it isn’t the only choice for what real life can be.  Most people will believe my desire here is unrealistic, and dismiss it; but we must not forget that many of these people believe (or believed) that voting for Obama made a difference, so exactly who is unrealistic is open for debate.  In terms of material wealth and capacity for wealth production, there is, at present, enough to create the game I want, or at least get pretty close. In order to concentrate on changing the rules for stat setting, you must believe the game is always going to be there, more or less the same.
 I will never accept that."


(1) Ein weiteres ihrer bekannten Pseudonyme ist pyrofennec.
(2) Ihre Angaben fluktuieren offenbar, so soll sie einmal behauptet haben, sie sei in Thailand, einmal, sie sei in Honkong zur Welt gekommen. Es gibt einige Leute, die überzeugt sind, in ihren Posts eine Menge Indizien gefunden zu haben, die darauf hindeuten, dass sie weder aus Thailand stammt noch dort lebt. Ich kann das nicht beurteilen und gehe im Folgenden davon aus, dass sie in diesem Punkt die Wahrheit sagt.
(3) Ob es sich bei Advancedcookie um ein weiteres Pseudonym RHs handelt oder ob wir es bloß mit einem besonders fanatischen Fan zu tun haben, der Stil und Methode seiner Meisterin nahezu perfekt imitiert, ist bisher ungeklärt.
(4) Für ein besonders tragisches Beispiel der Vermischung von SJ-Ideologie und Rassismus siehe hier.
(5) Autor Colum Paget spielte eine zeitlang ernsthaft mit dem Gedanken, seine grade begonnene Schriftstellerkarriere wieder aufzugeben, nachdem RH bei Twitter erklärt hatte, man solle ihm den Kopf abschlagen.
(6) RHs freundschaftliches Verhältnis zu Cat Valente gibt dem uneingeweihten Betrachter Rätsel auf. Es gehört zu RHs Lieblingsbeschäftigungen, in den Werken westlicher Autorinnen & Autoren nach vermeintlichen Belegen für die Todsünde der 'cultural appropriation' zu suchen. So gesehen müsste sie Valentes Bücher eigentlich in der Luft zerfetzen und die öffentliche Hinrichtung der Schriftstellerin fordern, bedient sich diese doch ganz ungeniert bei Mythen und Märchen aus allen möglichen Kulturen. Auch würde RH über jeden anderen kübelweise Beleidigungen und Verspottungen ausschütten, der es wie Valente wagte zu behaupten, man habe ihn wegen seines amerikanischen Akzentes unfair behandelt. Stattdessen tritt RH nicht nur hier als Cats beißwütige Verteidigerin auf. Genießt sie einfach bloß die Nähe zu einer einigermaßen bekannten Künstlerin oder ist ihre Form der 'Literaturkritik' am Ende nur eine clevere Methode, um alles, was nicht ihrem persönlichen Geschmack entspricht, zu wertlosem rassistischem, sexistischem, kulturimperialistischem Schund erklären zu können, und spart deshalb jeden aus, dessen Werk ihr gefallen hat?  
(7) Ein sehr viel besseres und damals gleichfalls relativ aktuelles Beispiel wären z.B. die misogynen Anfeindungen gewesen, die Liz Bourke in den Kommentaren zu einer ihrer Rezensionen bei Strange Horizons entgegenschlugen.
(8) "Also, there is at least one rabid animal who hates it [Bakkers Buch], someone who goes by the monicker 'acrackedmoon'. Notice what I did there: I reduced a fellow human being to the status of a mentally-diseased animal. I thought long and hard about doing that. It surprises me a little that I’m willing to sink so low, so early in the discussion (maybe I won’t; maybe I’ll have second thoughts and edit it out before I post.) (Guess not.) I’d generally show more restraint, but for the fact that acm has beaten me to that particular punch by referring to Scott Bakker as 'a self-important little roach'. She calls him a number of other things, too, but I figure that particular shot justifies my own epithet (which at least accords acm the dignity of remaining a mammal)."
(9) Die ohne beim Namen genannt zu werden, von Williams' erwähnt worden war: "She [RH] is also, ironically, noted for her drooling support of an author whose, ahem, somewhat negative remarks about the Japanese are plastered all over the fanwank sites". Williams' spielte dabei auf eine Reihe abfälliger Bemerkungen Valentes über Japan an, wo diese eine Zeit lang als Ehefrau eines US-Offiziers auf einer Marinebasis gelebt hatte.
(10) Der Sozialist und Fantasyautor Will Shetterly ist für dieses Verbrechen vom 'politisch korrekten' SFF-Fandom zum 'Unberührbaren' erklärt worden, dessen Name nur noch unter Beschimpfungen oder ironischem Gelächter genannt werden darf. Ich stimme nicht mit allem 100%ig überein, was Shetterly auf seinem Blog schreibt, halte diesen aber auf jedenfall für sehr lesenwert.

Montag, 13. August 2012

Wie bitte ?!? Nordkorea !?!

Erinnert sich noch jemand an Red Dawn (Die rote Flut)? Der 1984 in die Kinos gelangte Film des rechten Exzentrikers und Conan-Regisseurs John Milius war das vielleicht groteskeste cinematographische Produkt von Ronald Reagans Zweitem Kalten Krieg. Er erzählt wie eine Gruppe amerikanischer Teenager (u.a. Patrick Swayze) einen Guerillakrieg gegen das sowjetisch-kubanische Besatzungsregime startet, welches zu Beginn des 3. Weltkriegs große Teile der Vereinigten Staaten kontrolliert ... Ja, der Film ist wirklich genauso bescheuert, wie diese Kurzversion des Plots klingt.
Als ich erfuhr, dass Metro Goldyn Mayer ein Remake des Streifens hat produzieren lassen, dachte ich zuerst, bei dieser Nachricht handele es sich um einen Witz. Selbst als ich dann den Trailer zu sehen bekam, schien mir die Möglichkeit, einen aufwendig gemachten Fake vor Augen zu haben, im ersten Moment nicht gar zu abwegig.


Doch nein, das ist kein Witz. Im Dezember dieses Jahres wird auf Kinoleinwänden in aller Welt zu sehen sein, wie die Nordkoreaner eine Invasion der USA starten, und einige aufrechte patriotische Teenies den bösen Asiaten anschließend Saures geben. Tut mir leid, aber ich komm aus dem Lachen gar nicht mehr raus ... NORDKOREA?!? Ursprünglich sollten die Invasoren natürlich Chinesen sein, aber dann realisierte irgendein kluger kapitalistischer Kopf bei MGM, dass die Volksrepublik inzwischen einen lukrativen Markt für Hollywoods Produkte darstellt, und man besserte noch mal nach. Und verwandelte Red Dawn damit endgültig in den vielleicht absurdesten Kriegsfilm aller Zeiten.

Und schon wieder Creepy Howie

Mein Dank geht an Caitlin R. Kiernan, deren Empfehlung mich soeben zu José Olivers and Bartolo Torres' Comicstrip Young Lovecraft geführt hat. Wer könnte schon dieser Charakterisierung widerstehen: "It's like Peanuts for creepy people, with just a dash of perversion"? Ich jedenfalls nicht ...

Samstag, 11. August 2012

Lovecraft einmal neckisch

Die Lovecraft eZine hat kürzlich eine Liste von im Netz frei verfügbaren HPL-Verfilmungen zusammengestellt, sowohl professionelle als auch Fanproduktionen. Unter letzteren findet sich die folgende, von einem Team in Schweden kreierte Adaption von The Shadow out of Time:


Ich kann mir nicht helfen, aber ich finde diesen Streifen auf eigentümliche Weise sehr charmant. Die zum Teil schrecklich amateurhafte Tricktechnik; das völlig überzogene Spiel des Hauptdarstellers; dazu der mit sonorer Stimme vorgetragene Text Lovecrafts mit all seinen stilistischen Idiosynkrasien ... zusammen wirkt das alles beinahe wie eine Parodie auf den Gentleman von Providence und seine Erzählung.
Es ist schwer zu sagen, wie viel Absicht hinter all dem steckt. Einer der Schöpfer des Filmchens hat in den Kommentaren bei Youtube geschrieben: "We tried our best to be respectful, as well as entertaining." Tatsächlich sieht man dem Streifen an, dass er von Leuten gemacht wurde, die Lovecraft lieben. Doch zugleich kann ich mir nur schwer vorstellen, dass der ironische Einschlag völlig unbewusst zustandegekommen sein soll. Vielmehr scheint es da in Schweden eine Gruppe Lovecraftfans mit Sinn für Humor zu geben, die ihren Lieblingsautor nicht bierernst nehmen. Ich finde das ausgesprochen sympathisch, zumal auch der alte HPL und seine Freunde mit dem Cthulhu-Mythos recht humorvoll umgegangen sind. Für sie war er zu einem Gutteil einfach ein amüsantes literarisches Spiel. Einen besonders deutlichen Niederschlag hat dies interessanter-weise ausgerechnet in The Shadow out of Time gefunden. Unter der buntgemischten Truppe von 'Zeit-Exilanten', denen Professor Peaslee während seines Aufenthaltes in der Welt der Großen Rasse begegnet, tummeln sich nämlich zahlreiche Vertreter aus dem literarischen Kosmos des Lovecraft-Zirkels. Da geben sich August Derleths Tcho-Tchos, die Anhänger Tsathogguas aus Clark Ashton Smiths Hyperborea und die Reptilienwesen von Velusia aus Robert E. Howards König Kull - Geschichten ein Stelldichein; mit dem cimmerischen Häuptling Crom-Ya ist sogar ein Stammesgenosse Conans mit von der Partie; und aus Lovecrafts eigenen Stories gesellen sich die Alten Wesen aus At the Mountains of Madness und der König von Lomar aus Polaris hinzu.  Man darf sich den Einsiedler von Providence wirklich nicht als einen ewigen Griesgram vorstellen.

Mittwoch, 8. August 2012

Musik der Kasbah



Im Herbst 2003 betritt Safinez Bousbia die Werkstatt des Spiegelmachers Ferkioui in Algier. Dort entdeckt sie zufällig ein Foto, auf dem eine Gruppe von Musikern im Konservatorium der 1940er Jahre zu sehen ist. Wie sie erfährt, war Herr Ferkioui Mitglied eines der in den 50er Jahren berühmtesten Chaabi-Orchesters des Landes. Fasziniert von dieser Geschichte macht sie sich auf die Suche nach den übrigen ehemaligen Mitgliedern. Ihre Suche führt zu einer Wiedervereinigung alter Freunde, zu einer Reihe von Konzerten und schließlich zu einem gegen zahlreiche Widerstände produzierten Film: El Gusto (2011).

Ich habe den Film nicht gesehen und weiß auch nicht, ob er hierzulande überhaupt schon irgendwo gespielt wurde. Aber ganz wie die Regisseurin hat die Geschichte mich auf Anhieb fasziniert.

Die Chaabi (wörtlich 'Volks'-) - Musik entstand gegen Ende des 19. Jahrhunderts im Kasbah-Viertel von Algier. Als eine Mischung aus alten andalusischen Traditionen, religiösen Gesängen und Berbermusik erwuchs sie aus einem städtischen Milieu, in dem Muslime, Juden und Christen friedlich zusammenlebten, und ihre kulturellen Traditionen sich gegenseitig befruchteten. Gabriela Zabala schreibt auf der World Socialist Web Site: "As El Gusto reveals, local Muslims used to attend the Casbah synagogue every Saturday just to listen to Hebrew music. One of the musicians interviewed also explains that prior to the 1946-1958 French military occupation there was harmony between all faiths and nationalities in the Casbah: 'Spaniards, Jews, Christians, Arabs and Muslims all lived together.'" Zu Chaabi-Orchestern wie dem des Herrn Ferkioui gehörten ganz selbstverständlich muslimische und jüdische Musiker.  Safinez Bousbia erzählt in einem Interview mit Indiewire: "El Gusto is a story that remains untold to the present day: The story of independent thinkers witnessing the Franco Algerian history, told not by soldiers or victims but by simple musicians. These men managed to prove the universality of music can transcend all differences and prejudice. In a modern day world where conflicts tear communities apart, highlighting their differences rather than their similarities, this exceptional reunion of Jewish and Muslim musicians is the occasion to remind the younger generation that cultural and religious coexistence was possible not long ago. Taking the stage again their belief in this cultural harmony with common origins is affirmed."

Lange Zeit als eine hauptsächlich in anrüchigen Kneipen gespielte Musik der städtischen Unterschicht verachtet, gelangte der Chaabi in den 1930er Jahren durch das Wirken von El Hadj M'Hamed El Anka zu offizieller Anerkennung. 


Ihm vor allem ist es zu verdanken, dass er auf dem Konservatorium gelehrt wurde und für einige Jahrzehnte zu einem festen Bestandteil des Alltags des algerischen Volkes wurde.

Letztenendes waren es die politischen Entwicklungen, die dieser Musikform den Garaus machten. Der französische Kolonialismus hatte das algerische Volk nach religiösen und ethnischen Kriterien aufgespalten, indem er eine Art Apartheidsregime geschaffen hatte, in dem die Muslime, welche die große Mehrheit der Bevölkerung bildeten, Menschen zweiter Klasse waren. Dies hatte die tolerante Welt der Kasbah offenbar nicht zu zerstören vermocht, aber es hatte den Samen gelegt, aus dem ihre Vernichtung hervorgehen würde. Als 1954 der algerische Befreiungskrieg ausbrach, der nach acht Jahren blutigen Ringens schließlich zur Vertreibung der Kolonialherren führen sollte, knüpften die Führer der Nationalen Befreiungsfront (FLN) an diese künstlichen Trennungen an und identifizierten die 'Nation' in hohem Maße mit dem Islam. Bei aller sozialistischen Rhetorik waren Ahmed Ben Bella und seine Genossen eben doch bürgerliche Nationalisten. Nicht der revolutionäre Kampf per se, sondern die bornierte politische Perspektive seiner Führung führte schließlich zum Untergang der multiethnischen und multireligiösen Kultur, deren Ausdruck der Chaabi gewesen war. Nach Erringen der Unabhängigkeit zwang das neue Regime nicht nur die Französisch-Algerier, sondern auch einen Großteil der jüdischen Bevölkerung zur Emigration. Der Beruf des Musikers wurde nicht offiziell anerkannt, die Kurse im Konservatorium eingestellt. Auf Druck der religiösen Autoritäten wurden die Kneipen der Kasbah, die alte Heimat des Chaabi, geschlossen. Der allmähliche Zerfall des Viertels verurteilte die Musik dann endgültig zu einem langsamen Tod.

Bis sie dank der alten Herren von El Gusto und mit der Unterstützung Safinez Bousbias eine Wiederauferstehung erleben durfte. Als Erinnerung an ein untergegangenes Gestern und als Ansporn für ein besseres Morgen.



Montag, 6. August 2012

Dr. Dr. Weinreich und die Politik des "Herr der Ringe" (V)

XIII

Tolkien hatte das Gefühl, in einer Zeit des allgemeinen Niedergangs zu leben. Alles, was er liebte und schätzte, schien ihm von zahlreichen Seiten unter Angriff zu stehen. Da war zum einen der "amerikanische Kosmopolitismus", der spätestens mit dem Ende des 2. Weltkriegs über die ganze westliche Welt zu triumphieren schien. Schon im Dezember 1943 schrieb der 'Professor' in hoffnungslos-ironischem Tonfall an seinen Sohn Christopher:
"Ich frage mich, ob es (wenn wir diesen Krieg überleben) nachher für reaktionäre Fossilien wie mich (und Dich) noch irgendeine Nische geben wird, wenn auch nur ein Plätzchen zum Leiden. Je mehr sich die Dinge ins Große auswachsen, desto kleiner, öder und platter wird der Erdball. Alles wird so, wie ein einziger verdammter kleiner Provinzvorort. Wenn einmal die amerikanische Hygiene, Moralreklame, Frauenrechte und Massenproduktion in ganz Nah-, Fern- und Mittelost eingeführt sind, in der UdSSR, den Pampas, im Gran Chaco, im Donaubecken, Äquatorialafrika, in Obernichtswieweghier und der Inneren Tandaradei, Gondhwanaland, Lhasa und den Dörfern im finsteren Berkshire, was werden wir dann erst froh sein! Immerhin wird es den Reiseverkehr vermindern, denn man wird nirgends mehr hin wollen. [...] Ich denke, ich werde es noch ablehnen müssen, irgend etwas außer Altmercianisch zu sprechen." (1)
Auf der anderen Seite standen die 'kommunistischen' "Verehrer des Staatsgottes" mit ihrem "Hohepriester" Stalin, die der konservative Tolkien selbstverständlich noch mehr hasste. (2)
Doch die Bedrohung kam nicht nur von außen. Es war die ganze moderne industrialisierte, kapitalistische Gesellschaft, die in seinen Augen Kultur und Menschlichkeit zu vernichten drohte, die eine "Roboterzeit" heraufbeschworen hatte, "in der sich Reichtum und Perfektion der Mittel mit Häßlichkeit zu einem (oftmals minderwertigen) Produkt vereinen", und "das Leben und Arbeiten der Menschen [...] mit beängstigender Geschwindigkeit immer barbarischer" wird. (3)
Um sich herum sah er eine Gesellschaft, in der "die Diener Morgoths angebetet werden" (4), und gegen Ende seines Lebens schrieb er voller Verzweifelung: "Was für eine grauenhafte, angstverdunkelte, kummerbeladene Welt, in der wir leben [...] Chesterton hat einmal gesagt, es sei unsere Pflicht, die Fahne dieser Welt hochzuhalten, aber heute erfordert dies einen stärkeren und erhabeneren Patriotismus als damals. [...] der Geist der Bosheit ist höheren Orts nun so mächtig und so vielköpfig in seinen Inkarnationen, daß es scheint, als könne man nicht mehr tun, als sich persönlich zu weigern, irgendeinen von den Köpfen der Hydra anzubeten ..." (5)

Angesichts dieser allgegenwärtigen Bedrohung die Restbestände der ‘abendländischen Kultur’ zu hüten und zu pflegen, schien ihm die vielleicht bedeutendste Aufgabe der Gegenwart zu sein. Doch der Staat, das dürfte wohl inzwischen klargeworden sein, konnte unmöglich die Rolle des Verteidigers übernehmen. Auf einen Messiaskönig im Stile Aragorns wartete Tolkien ganz sicher nicht. Doch gab es da noch eine andere Autorität, auf die er seine Hoffnungen setzen konnte, und die ebenso gottgegeben und absolut war wie das Königtum Gondors: "Wie in früheren dunklen Zeiten wird die christliche Kirche allein größere (doch nicht unveränderte und vielleicht auch nicht unbeschädigte) Traditionsbestände einer höheren geistigen Zivilisation retten können, allerdings nur, wenn sie nicht abermals in die Katakomben getrieben wird." (6) Und für Tolkien gab es selbstverständlich nur eine christliche Kirche, und an ihrer Spitze stand eine von Gott berufene Person: "Ich selbst bin überzeugt von den Petrinischen Ansprüchen, und wenn ich mich in der Welt umsehe, scheint mir nicht viel Zweifel möglich zu sein, welches (wenn das Christentum wahr ist) die Wahre Kirche ist, der Tempel des sterbenden, doch lebendigen Geistes, korrupt, doch heilig, sich selbst erneuernd und wiedererstehend." (7) Die Alleinseligmachende als letztes Bollwerk gegen die anschwellende Flut der Finsternis! (8)

XIV

Wenn Frank Weinreich ganz ernsthaft behauptet, Tolkien sei natürlich kein Reaktionär, sondern vielmehr ein Vertreter der "Ideale der Aufklärung" gewesen, kann ich bloß kichern. Aber die Welt besteht nicht aus Schwarz und Weiß. Ein Künstler kann sehr wohl einer reaktionären Philosophie anhängen und dennoch Werke von großem Wert schaffen. Ich zitiere noch einmal Rosa Luxemburgs ursprünglich auf Dostojewski gemünzten Ausspruch: "[B]eim wahren Künstler ist das soziale Rezept, das er empfiehlt, Nebensache: die Quelle seiner Kunst, ihr belebender Geist, nicht das Ziel, das er sich bewußt steckt, ist das Ausschlaggebende." Dieser Geist aber ist beim Schöpfer Mittelerdes einerseits erfüllt vom christlichen Ideal des Mitgefühls und besitzt andererseits einen deutlich antibürgerlichen Charakter. Letzteres im Detail zu belegen, möchte ich auf ein andermal verschieben. Für den Moment muss es genügen, einen Satz aus seinem Essay Über Märchen zu zitieren: "Wo es [das Schöpfungsverlangen] nicht verderbt ist, strebt es nicht nach Trug, Herrschaft und Behexung: Nach gemeinsamen Reichtum sucht es, nach Gefährten beim Schaffen und Genießen, nicht nach Sklaven." (9) Tolkien glaubte nicht, dass Menschen eine nach diesem Ideal eingerichtete Gesellschaftsordnung schaffen könnten. Doch trotzdem liegt das Verlangen nach eben einer solchen Welt seinem künstlerischen Schaffen zugrunde. 

ß


(1) Brief an Christopher Tolkien [9. Dezember 1943]. In: J.R.R. Tolkien: Briefe. Nr. 53. S. 89.
(2) Anmerkung zu W.H. Audens Besprechung von Return of the King. In: J.R.R. Tolkien: Briefe. Nr. 183. S. 320f.
(3) J.R.R. Tolkien: Über Märchen. In: Ders.: Die Ungeheuer und ihre Kritiker. Gesammelte Aufsätze. S. 191f.
(4) Brief an Michael Tolkien [24. Januar 1972]. In: J:R:R: Tolkien: Briefe. Nr.332. S. 542.
(5) Brief an Amy Ronald [16. November 1969]. In: J.R.R. Tolkien: Briefe. Nr. 312. S. 523.
(6) Brief an Christopher Tolkien [22. August 1944]. In: J.R.R. Tolkien: Briefe. Nr. 79. S. 123.
(7) Brief an Michael Tolkien [1. November 1963]. In: J.R.R. Tolkien: Briefe. Nr. 250. S. 442f.
(8) Die Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-65), mit denen sich die katholische Kirche zumindest partiell der Moderne anzupassen versuchte, ließen für Tolkien allerdings dann auch diese letzte Schutzwehr gegen die Übel des 20. Jahrhunderts immer brüchiger erscheinen.
(9) J.R.R. Tolkien: Über Märchen. In: Ders.: Die Ungeheuer und ihre Kritiker. S. 184. Hervorhebungen von mir.

Sonntag, 5. August 2012

Noch mehr Jackson, noch weniger Tolkien – Brauchen wir das?

Jetzt ist es also raus. Peter Jackson wird sich nicht mit zwei Hobbit-Filmen zufrieden geben, sondern noch einen dritten dranhängen. Als Erklärung dafür hat der Regisseur auf Facebook angegeben: "We know how much of the story of Bilbo Baggins, the Wizard Gandalf, the Dwarves of Erebor, the rise of the Necromancer, and the Battle of Dol Guldur will remain untold if we do not take this chance.  The richness of the story of The Hobbit, as well as some of the related material in the appendices of The Lord of the Rings, allows us to tell the full story of the adventures of Bilbo Baggins and the part he played in the sometimes dangerous, but at all times exciting, history of Middle-earth."

Nun war ja schon seit langem klar, dass dieser Hobbit weniger eine Verfilmung von Tolkiens Buch als vielmehr ein Prequel zu Jacksons eigenem Lord of the Rings werden und zusätzlich zu Bilbos abenteuerlicher Reise die Geschichte vom Kampf zwischen dem Weißen Rat und dem Nekromanten von Dol Guldur behandeln würde. So gesehen ist die Entscheidung, noch einen dritten Teil zu drehen, vielleicht nicht ganz unverständlich, auch unabhängig von zweifellos vorhandenen monetären Interessen.* Doch muss man sich deshalb darüber freuen? Die Meinungen sind auch in der Netzgemeinde geteilt. Während z.B. Kelsey Ann Barrett bei Tor voller Vorfreude zu spekulieren beginnt, was wohl jetzt noch alles in den Hobbit-Dreiteiler reingepackt werden wird, gibt sich Brian Murphy von Black Gate sehr viel weniger begeistert und hält Jacksons Ankündigung für keine wirklich freudige Botschaft.
Ich stehe da eher auf Murphys Seite. Wie dieser erklärt, ist es Jackson aufgrund der Verträge mit dem Tolkien Estate unmöglich, Material aus dem Silmarillion, den Unfinished Tales (Nachrichten aus Mittelerde) oder der History of Middle-Earth zu verwenden. Als Vorlage stehen ihm nur der Lord of the Rings und seine Anhänge zur Verfügung. Schon allein deshalb wird der gestreckte Hobbit im Vergleich zu den LotR-Filmen sehr viel mehr enthalten, was den Köpfen von Jackson und Fran Walsh entsprungen ist, und nicht dem des 'Professors'. Und wie auch Murphy ganz richtig bemerkt, waren schon im Lord of the Rings all jene Szenen am schwächsten, in denen man am deutlichsten die Handschrift des Paares erkennen konnte.

Um meine ursprüngliche Einschätzung von Peter Jackson einer  erneuten Prüfung zu unterziehen und wenn nötig zu modifizieren, habe ich mir noch einmal Fellowship of the Ring angeschaut, den ich als den mit Abstand besten Teil in Erinnerung hatte. Mein Eindruck ist jedoch auch danach im Großen und Ganzen der gleiche geblieben.
Jacksons offensichtlichste Schwäche ist, dass  er keinerlei Gespür für die poetischen Qualitäten des tolkienschen Textes besitzt. Ihm fehlt der Sinn für das Magische, Geheimnisvolle, Märchenhafte. Seine grobschlächtige Herangehensweise an den Stoff lässt keinen Raum für irgendwelche Feinheiten oder Nuancen. Nichts darf nur angedeutet, alles muss auf die denkbar platteste Weise dargestellt werden. Dabei wäre Zurückhaltung eine der wichtigsten Eigenschaften für einen Regisseur, der Tolkien verfilmen will.
Man nehme z.B. folgende Szene: Bilbo hat sich soeben auf recht dramatische Weise von seinen Verwandten und Landsleuten verabschiedet und macht sich nun auf, Beutelsend für immer zu verlassen. Gandalf drängt ihn, den Ring für Frodo zurückzulassen. Doch plötzlich packt den alten Hobbit die Gier. Er glaubt, der Zauberer wolle ihm seinen ‘Schatz’ wegnehmen. Im Buch heißt es hier: "’Wenn du meinen Ring selbst haben willst, dann sage es doch!’ rief Bilbo. ‘Aber du bekommst ihn nicht. Ich will meinen Schatz nicht hergeben. Das sage ich dir.’ Seine Hand verirrte sich zum Heft seines kleinen Schwerts. Gandalfs Augen funkelten. ‘Jetzt bin bald ich an der Reihe, zornig zu werden’, sagte er. ‘Wenn du das noch einmal sagst, ist es soweit. Dann wirst du Gandalf den Grauen unverhüllt sehen.’ Er machte einen Schritt auf den Hobbit zu und schien groß und bedrohlich zu werden, sein Schatten erfüllte den kleinen Raum. Bilbo wich zurück und stellte sich mit dem Rücken an die Wand; er atmete schwer, und seine Hand umklammerte die Tasche. Sie standen sich eine Weile gegenüber, die Luft im Raum prickelte. Gandalf ließ den Hobbit nicht aus den Augen. Langsam entspannten sich Bilbos Hände, und er begann zu zittern." Für einen kurzen Moment wird hinter der Gestalt des netten, ein wenig onkelhaften Zauberers eine gewaltige Macht und Autorität spürbar, die Bilbo verwirrt und verängstigt. Ein Schauspieler vom Formate Ian McKellens hätte diese Verwandlung ohne Zweifel äußerst eindrucksvoll allein durch Sprache, Mimik und Körperhaltung zum Ausdruck bringen können. Doch für so etwas fehlt Peter Jackson ganz einfach das nötige Feingefühl. Also muss es bei Gandalfs Worten schlagartig dunkel im Raum werden, und die Stimme des Zauberers wird zusätzlich auch noch künstlich verzerrt.
Noch ein Beispiel: Wenn es bei Tolkien von den Elben, denen die Hobbits im nächtlichen Auenland begegnen, heisst: "Sie trugen kein Licht, und doch war es, während sie gingen, als ob ein Schimmer wie der Schein des Mondes, ehe er sich über den Kamm der Berge erhebt, auf ihre Füße fiele"**, so ist das ein poetisches Bild. Wenn bei Jackson Gestalten in langen fließenden Gewändern unter Sphärenmusik durch den Wald ziehen und dabei im Dunkeln tatsächlich leuchten, dann ist das einfach übler Fantasykitsch.
Und in diesem Stil sind alle drei Filme gehalten. Was mich in Bezug auf den Hobbit am meisten beunruhigt, ist jedoch die Darstellung Saurons.
Tolkien verzichtete im Lord of the Rings aus guten Gründen darauf, den Dunklen Herrscher körperlich auftreten zu lassen. Er ist eine mythische Gestalt, ein gefallener Engel. Ihn den Hobbits und ihren Freunden leibhaftig gegenüberzustellen, würde ihn eines Großteils seiner unheimlichen, übernatürlichen Aura berauben.
Doch für Jackson ist die Vorstellung, dass man im Film eine Person nicht unbedingt sehen muss und ihre unheilvolle Präsenz dennoch spüren kann, bloß absurd: "The Sauron of the books is sketchy at best, which makes it hard to turn him into a screen villain to carry three movies. Imagine not really seeing Darth Vader for all three Star Wars films. You just can’t do it." Wessen Idee von Kino offenbar nicht über George Lucas hinausreicht, der wird freilich zu solchen Schlussfolgerungen gelangen müssen. Und so macht er im Prolog von Fellowship aus dem Herrn von Mordor einen ordinären 08/15-Fantasybösewicht mit gehörnter Maske, der einen riesigen Streitkolben schwingend durch die Gegend marschiert.

In den Hobbit-Filmen werden wir – so fürchte ich – von genau dieser Art Peinlichkeiten noch sehr viel mehr zu sehen bekommen. Tolkien hat meines Wissens nach nie beschrieben, wie wir uns den Angriff des Weißen Rates auf Dol Guldur und die Vertreibung des Nekromanten eigentlich genau vorstellen sollen. Als einen Feldzug, bei dem Saruman, Gandalf und Galadriel an der Spitze einer Elbenarmee den Anduin überschreiten, in den Düsterwald einmarschieren und Abertausende Orks abschlachten? Oder als ein Ringen der Geister, bei dem die Führer des Rates kraft ihrer Willensstärke den Dunklen Herrn zum Rückzug zwingen? Genau diese Ambiguität macht die Qualität von Tolkiens Erzählung aus. Sie verleiht ihr etwas mythisches und geheimnisvolles. Peter Jackson jedoch liebt computergenerierte Massenmetzeleien, und so dürfen wir wohl davon ausgehen, dass er uns neben einer vermutlich breit ausgewalzten Schlacht der Fünf Heere auch noch eine ebenso langwierige wie langweilige Schlacht um Dol Guldur präsentieren wird. Und an deren Höhepunkt werden wir uns dann auch noch einen Zweikampf zwischen Gandalf und dem Nekromanten anschauen müssen. Und wieder wird Sauron dabei wie eine Gestalt aus den Büchern von Terry Brooks oder Tracy Hickman einherkommen.
Es gibt allerdings Leute, die genau so etwas sehen wollen. So schreibt Kelsey Ann Barrett: "We’ve seen clips in the trailer of Gandalf wandering carefully through some creepy gray stone ruins, and one has to assume that there will be a big confrontation between him and the Necromancer. (Possibly in the tradition of that epic Gandalf v. Saruman smackdown in Fellowship? Or something even more terrifying?)" Die Szene, in der sich Gandalf und Saruman mithilfe ihrer magischen Kräfte gegenseitig durch das Turmzimmer des Orthanc schleudern, war in meinen Augen der vielleicht mieseste Teil von Fellowship. Sie wirkte wie ein Ausschnitt aus einem trashigen Superheldenflick oder einer Fantasyversion der StarWars - Prequels. Mächtige Personen in Tolkiens Kosmos – gleich ob gut oder böse – besitzen eine gewisse Würde. Man sollte sie nicht zu Comichelden machen.

Aber vielleicht bin ich ja auch bloß ein verstauber Kultursnob. Worauf ich mich beim Hobbit jedenfalls wirklich freue, ist es, noch einmal den wunderbaren Ian McKellen als Gandalf erleben zu dürfen. Mit seinem ebenso nuancierten wie humanen Spiel war er schon in Lord of the Rings der größte Lichtblick.


* 'Colophonius' hat dazu einen hübschen kleinen Cartoon bei Forumos gepostet.
** J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe. Bd. I. S. 50f.; 106.

Donnerstag, 2. August 2012

"Bow down: I am the emperor of dreams"

Ein paar verspätete Bemerkungen zu Clark Ashton Smiths 119. Geburtstag


ACHTUNG: Die verfrellte Layoutorganisation hat aus der Teufel weiß was für Gründen diesen Post aus dem Januar in die Gegenwart versetzt. Grrrr ....

Am 13. Januar 1893 erblickte in Long Valley (Kalifornien) Clark Ashton Smith das Licht der Welt. Poet, Schriftsteller, Maler, Bildhauer; in jungen Jahren als 'Keats der Pazifikküste' gefeiert, in den frühen 30ern zusammen mit H.P. Lovecraft und Robert E. Howard Teil des legendären Dreigestirns der Weird Tales; 'Barde von Auburn', Nekromant einer verstorbenen Romantik, Klarkash-Ton.

Zeit seines Lebens blieb er der große Außenseiter, und bis heute steht er im Schatten seiner zwei berühmten Freunde. Dabei ist Clark Ashton einer der faszinierendsten Schöpfer des Phantastischen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewesen.  Fritz Leiber nannte ihn sehr treffend "sui generis, one of the most uninfluenced and original writers I know of." In Our Lady of Darkness setzte er ihm ein würdiges Denkmal. Ray Bradbury zählte ihn zu seinen "huge loves which excited me to the world and its mysteries and made me want to do something about it." Für Michael Moorcock zeichnet sich sein Werk durch "intelligence and a genuine love of language, an almost playful relish for the exotic, a carelessness of spirit" (1) aus. China Miéville rechnet ihn neben Lovecraft, David Lindsay (A Voyage to Arcturus) und William Hope Hodgson (The Night Land) zu den großen Gründervätern der 'weird fiction'.
 
Der Festa Verlag hat vor einiger Zeit das sehr lobenswerte Projekt gestartet, eine auf fünf Bände angelegte Gesamtausgabe von Smiths erzählerischem Werk in deutscher Übersetzung zu veröffentlichen. Erschienen ist bisher Band 1 Die Stadt der Singenden Flamme, in diesem Jahr sollen zwei weitere Bände folgen. Es steht zu hoffen, dass damit seine Bekanntheit auch hierzulande ein wenig zunehmen wird. Wer nicht auf eine Übersetzung angewiesen ist, dem sei ein Besuch auf der ausgezeichneten Website The Eldritch Dark empfohlen.

In seinem berühmten Essay Über Märchen definiert J.R.R. Tolkien die drei wichtigsten Aufgaben, die der phantastischen Literatur seiner Meinung nach zukommen, als 'Flucht' ('escape'), 'Trost' ('consolation') und 'Wiederherstellung' ('recovery'). Letztere beschreibt er wie folgt: Es gelte, die Dinge wieder "so zu sehen, wie sie uns zugedacht sind (oder waren) – als von uns selber unabhängige Dinge. In jedem Fall müssen wir unsere Brillen putzen, damit die Dinge frei werden vom trüben Schleier der Abnutzung und Gewöhnung – frei von unserem Besitz. [...] Verblaßt oder zur schlechten Gewohnheit geworden ist uns dasjenige, das wir rechtlich oder seelisch in Besitz genommen haben. Von diesen Gesichtern sagen wir, wir würden sie kennen.  Sie sind gleichsam zu etwas geworden, das uns einmal durch sein Glitzern, seine Form oder Farbe gereizt hat, auf das wir die Hände gelegt, das wir erworben, in der Truhe weggeschlossen und dann nicht mehr angeschaut haben. [...] Die schöpferische Phantasie [...] kann die Truhe aufbrechen und alle Wertsachen, die darin weggeschlossen waren, davonfliegen lassen wie Vögel aus dem Käfig. Aus allen Juwelen werden Blumen und Flammen, und wir erfahren, daß alles, was wir besaßen (oder wußten) stark und gefährlich war, frei und ungezähmt, daß es nicht wirklich sicher an der Kette lag – ebensowenig eins mit uns wie unser eigen." Die phantastische Literatur soll also den durch zu lange Gewöhnung glanzlos und banal gewordenen Dingen der uns umgebenden Welt etwas von ihrer Lebendigkeit und Faszinationskraft zurückgeben, indem sie sie uns erneut in ihrer ursprünglichen 'Wildheit' und Unabhängigkeit vor Augen führt.
Man kann dieses 'Programm' unterschiedlich interpretieren und beurteilen, im Moment ist allein entscheidend, dass das eigentliche Objekt der Phantastik für Tolkien offenbar nicht das Fremdartige und Niegesehene war, sondern ganz im Gegenteil das eigentlich Altbekannte: "[T]atsächlich handeln die Märchen (oder die besseren unter ihnen) hauptsächlich von einfachen, elementaren Dingen, die von der Phantasie noch unberührt sind." (2) Und in der Tat wirkt Mittelerde im Vergleich etwa zu Lord Dunsanys 'Ländern jenseits des Ostens', die in tausend Farben zu schillern und von fremdartigen Düften umweht zu sein scheinen, ausgesprochen unexotisch. Das Stadttor von Minas Tirith besteht nicht aus einem einzigen Stück Elfenbein, wie dasjenige von Perdóndaris an den Ufern des Yann, und solch bizarre Dinge wären hier auch völlig Fehl am Platze.
Einer der Gründe hierfür dürfte meiner Meinung nach darin zu suchen sein, dass Arda seinem Schöpfer als eine Art geistige Ersatzheimat und als ein Refugium inmitten der verhassten Moderne dienen sollte, ausgestattet "mit einem heimischen Anhauch ... vom Himmel und der Erde des Nordwestens" (3). Tolkiens Welt umgibt zwar ein mythischer und märchenhafter Zauber, aber sie ist nicht dem Verlangen nach dem Unbekannten entsprungen, sondern soll letztenendes Gewohntes und Geliebtes ‘wiederhergestellt’, d.h. vom Schmutz und den Verunstaltungen des modernen Zeitalters gereinigt, heraufbeschwören.

Clark Ashton Smith verkörpert eine völlig andere Spielart der Phanastik. In vielerlei Hinsicht ist er das genaue Gegenteil von Tolkien. Auch er schuf seine Kunst aus einem tiefen Gefühl des Abscheus vor der modernen Gesellschaft heraus. Aber sein Hass, der gespeist wurde von einer ebenso großen Sehnsucht nach Schönheit, war schärfer und allumfassender als derjenige Tolkiens. Er war nicht gepaart mit einer nostalgischen Trauer um eine angeblich 'gute, alte Zeit', denn eine solche hatte es in seinen Augen nie gegeben. Und so benutzte er sein beachtliches poetisches Talent nicht dazu, den 'gesunden Blick' auf das Altbekannte 'wiederherzustellen', sondern nie dagewesenes heraufzubeschwören – unirdische Welten voll Schrecken und Schönheit.

Where no terrestrial dreams had trod
My vision entered undismayed,
And Life her hidden realms displayed
To me as to a curious god.

Wie er seinem Freund und einstigen Mentor, dem Dichter George Sterling, erklärte: "[M]y fondest dream is to find a Hyperborea beyond Hyperborea, in the realm of imaginative poetry." (4) In gewisser Hinsicht war Smith ein noch viel extremerer 'Eskapist' als Tolkien. Das Vorrecht der phantastischen Literatur bestand für ihn in "the exercise of imagination on things that lie beyond human experience – the adventuring of fantasy into the awful, sublime and infinite cosmos outside the human aquarium." Dem Vorwurf des Eskapismus begegnete er dabei u.a. mit folgendem Argument: "I've no quarrel with the slogan 'art for life's sake', but I think the current definition or delimitation of what constitutes life is worse than ridiculous. Anything that the human imagination can conceive of becomes thereby a part of life, and poetry such as mine, properly considered, is not an 'escape', but an extension." (5)

Inwieweit Smith hier die Tradition Sterlings und seines Fin de Siècle - Zirkels fortführt, braucht uns jetzt nicht zu interessieren. Es sollte jedoch klar sein, dass dieses ästhetische 'Programm' in gewisser Hinsicht undurchführbar ist. Kein Künstler und keine Künstlerin kann tatsächlich etwas schaffen, was in keinerlei Beziehung zur Sphäre menschlicher Erfahrung steht. Dennoch enthält die Gegenüberstellung von 'extension' und 'escape' eine tiefe Wahrheit. Indem die Phanatstik uns mit dem Fremdartigen, Bizarren, Grotesken und Unirdischen konfrontiert, ist sie in der Lage, unseren Horizont zu erweitern, unsere üblichen Denkmuster, Vorurteile und Sehgewohnheiten zu erschüttern. Nicht um uns wie bei Tolkien zu einer 'natürlichen' Sichtweise zurückzuführen, sondern um uns ein Gefühl für die unermessliche Vielgestaltigkeit der Welt und des menschlichen Wesens zu vermitteln. Die Phantastik besitzt etwas befreiendes und im besten Sinne utopisches.

Welche Welteinstellung Clark Ashtons Konzeption des Phantastischen zugrundelag, zeigt sehr schön seine Kurzgeschichte The Monster of the Prophecy. Der unverstandene und verarmte Poet Theophilus Alvor (ein selbstironisch gezeichnetes Alter Ego Smiths) wird von dem außerirdischen Zauberer/Wissenschaftler Vizaphmal vor dem Selbstmord bewahrt und auf seinen Heimatplaneten Satabbor mitgenommen. Dort angekommen zeigt sich sehr schnell, dass Alvors vermeintlicher Wohltäter ihn in Wahrheit als Instrument zur Befriedigung seiner Machtgier verwenden will. Mit seinem für die Bewohner dieser Welt höchst grotesken Aussehen – zwei Beine, zwei Arme, zwei Augen! – gleicht der Dichter nämlich aufs Haar der Beschreibung eines mythischen Ungeheuers aus einer uralten Prophezeiung, derer sich der Zauberer bedienen will, um den Thron von Ulphador zu usurpieren. Der Coup gelingt, und als lebendes Unterpfand der Herrschaft genießt Alvor für einige Zeit ein luxuriöses Dasein. Bald jedoch muss er erkennen, dass ihn die Leute auf Satabbor ganz genauso behandeln wie daheim auf der Erde: als eine Kuriosität, die man mit einer Mischung aus Neugier und Verachtung betrachtet. Schließlich wird er gar vor das Inquisitionstribunal gezerrt, da die Priesterschaft der Göttin Cunthamosi der Ansicht ist, dass ein solch groteskes Wesen unmöglich von der Kosmischen Mutter geschaffen worden sein kann und deshalb eine lebende Blasphemie darstelle. Durch einen absurden Zufall vor der Hinrichtung bewahrt, flüchtet Alvor in das Nachbarreich Omanorion, dessen Herrscherin Ambiala ihn freundlich aufnimmt. Die Kaiserin entpuppt sich nicht nur als eine geistesverwandte Poetin, sie fühlt sich unter ihrem Volk ebenso als Außenseiterin wie Alvor dies auf der Erde getan hatte. Es dauert nicht lange, und die beiden verlieben sich ineinander, wobei der Umstand, dass sie in den Augen des jeweils anderen beide ziemlich bizarr aussehen, ein rasch überwundenes Hindernis darstellt. Denn was ist letztenendes schon so wichtig daran, ob jemand nun zwei oder fünf Arme hat? "When it became known in Lompior that Alvor was the lover of Ambiala, no surprise or censure was expressed by any one. Doubtless the people, especially the male Alphads who had vainly wooed the empress, thought that her tastes were queer, not to say eccentric. But anyway, no comment was made: it was her own amour after all, and no one else could carry it on for her. It would seem, from this, that the people of Omanorion had mastered the ultra-civilized art of minding their own business."
Feindschaft gegen jede Art von Kleingeistigkeit und Intoleranz – Offenheit für das Neue, Ungewohnte,  Exzentrische und scheinbar Abnormale! Während Tolkiens Phantastik eine Bewegung des Rückzugs, der 'Heimkehr' enthält, verkörpert Smiths eine Bewegung des Ausbruchs, der Rebellion.

Nicht dass Clark Ashton ein in politischer Hinsicht fortschrittlicher Mensch oder frei von Vorurteilen gewesen wäre. Es gibt da z.B. einen üblen antisemitischen Briefwechsel mit Lovecraft, und in gesellschaftspolitischen Fragen orientierte er sich an den extrem elitären und antidemokratischen Ideen von Ambrose Bierce, dessen Essaysammlung Shadow on the Dial er einem Bekannten noch in den 30er Jahren als das intelligenteste Werk über die soziale Frage empfahl. Und doch stimmte es, was er R.H. Barlow, der ein Sympathisant der Kommunistischen Partei war, schrieb: "My own nature is that of the rebel: if it weren't, I would hardly write, paint and sculpt in the manners I have chosen." (6)
Smith sah sich selbst als Pariah in einer Welt, bevölkert von puritanischen Heuchlern, cleveren Geschäftemachern und engstirnigen Kleinbürgern. Er hasste leidenschaftlich das konformistische, selbstgefällige bürgerliche Amerika, dessen höchste Werte der Dollar und der Applaus der Spießer waren. Das Automobil wurde für ihm zur Verkörperung all dessen, was er an ihm verabscheute: Materialismus, Oberflächlichkeit, Erfolgsstreben, Schnelllebigkeit, geistlose Vergnügungssucht. Nicht zufällig trägt seine am offensten satirische Kurzgeschichte den Titel The Great God Awto. Als typischer Bohème-Rebell fand sich Smith nach seiner Abkehr von der bürgerlichen Gesellschaft in einem sozialen Niemandsland wieder – ohne Perspektive und damit letztlich auch ohne Hoffnung. Die Attitüde des stolzen Geistesaristokraten konnte da auf Dauer wenig helfen. Diese Isolation hatte natürlich auch Auswirkungen auf sein Werk, doch entwickelte er nie jenen cleveren und selbstverliebten Zynismus, der heute in manchen Kreisen als hip gilt. Der tiefe Pessimismus, der die meisten seiner literarischen Werke von seinem ersten Lyrikband The Star-Treader an prägte, war zum einen eine Reaktion auf das, was er den "blatant optimism of the Bromide" (7) nannte,  den Glauben des amerikanischen Spießers, in der besten aller möglichen Welten zu leben und dabei auch noch Gottes bevorzugtes Geschöpf zu sein. Vor diesem Hintergrund erscheint er als eine Form der Rebellion. Den selbstverliebten Bourgeois ruft der Dichter entgegen: All das, worauf ihr euch so furchtbar viel einbildet, wird eines Tages zu Staub zerfallen und die Sterne des Himmels werden unbeteiligt auf die Ruinen eurer ach so stolzen Zivilisation herabschauen. Zum anderen erwuchs er aus der enttäuschten Sehnsucht nach Schönheit angesichts einer von Kommerzialismus und Utilitarismus beherrschten Gesellschaft.

Clark Ashton war ein großer Bewunderer der Bücher Lafcadio Hearns, der wie kein Zweiter der englischsprachigen Leserschaft der Jahrhundertwende das damals noch immer geheimnisvolle Japan und seine Kultur nahegebracht hatte.  Auf ihren Seiten fand er die Beschreibung einer  Welt zartester Schönheit, in der die Poesie höher geschätzt wird als die Nützlichkeit und in der das Alltagsleben aller Menschen – gleich ob reich oder arm, gebildet oder ungebildet – von ihr durchdrungen wird:
"Poetry in Japan is universal as the air. It is felt by everybody. It is read by everybody. It is composed by almost everybody, – irrespective of class and condition. Nor is it thus ubiquitous in the mental atmosphere only: it is everywhere to be heard by the ear, and seen by the eye. As for audible poetry, wherever there is working there is singing. The toil of the fields and the labor of the streets are performed to the rhythm of chanted verse; and song would seem to be an expression of the life of the people in about the same sense that it is an expression of the life of cicada. As for visible poetry, it appears everywhere, written or graven, – in Chinese or in Japanese characters, – as a form of decoration. [...] Perhaps you might find your way to some Japanese hamlet in which there are neither trees nor flowers, but never to any hamlet in which there is no visible poetry. You might wander, – as I have done, – into a settlement so poor that you could not obtain there, for love or money, even a cup of real tea; but I do not believe that you could discover a settlement in which there is nobody capable of making a poem." (8)
Das Bild, das Hearn von Japan zeichnete, war natürlich romantisch verklärt, aber es fällt nicht schwer, sich vorzustellen, wie es auf Smith gewirkt haben muss. Er lebte in einer Gesellschaft, in der er – der Poet – als halbverrückter Sonderling verlacht wurde. Nicht Gedichte und kunstvolle Kalligraphien zierten die Hauswände, sondern geschmacklose Plakate, auf denen für Schuhcreme, Cornflakes oder Coca-Cola geworben wurde. Ästhetisches Feingefühl galt nichts im Vergleich zu Schlauheit und Geschäftssinn, ein neues Auto war tausendmal mehr wert als Shakespeares Sonette, Miltons Paradise Lost oder Keats' Hyperion. Musste ihm da Lafcadio Hearns Japan nicht wie ein Paradies vorkommen? Bot sich ihm dort doch das Bild einer Gesellschaft, in der das Leben und die Kunst eine wirkliche Einheit zu bilden schienen. Und ist das letztenendes nicht das Ideal eines jeden wahren Künstlers? 


Was Smiths beste Geschichten und Gedichte auszeichnet ist die Schönheit und Musikalität seiner Sprache, die in ihrer barocken, auserlesenen Pracht einen rauschhaften Sog auf den Leser auszuüben vermag, ihn hineinzieht in einen Kosmos voll fremdartiger Formen, Farben und Gerüche. Seine Welten können voll grotesker Schrecken sein wie Hyperborea, voll Romantik und Sinnlichkeit wie Averoigne, voll Dekadenz und Morbidität wie Zothique. Oft durchweht sie ein Hauch schmerzlicher Melancholie. Dann wieder blitzt der sardonische Humor des Autors auf. Aber noch in Grauen und Verfall sind sie erfüllt von Schönheit. 
Es ist in den seltensten Fällen die Handlung, die den Reiz dieser Erzählungen ausmacht, sondern vielmehr die Intensität der Atmosphäre, die Smith heraufzubeschwören versteht. Eigentlich sind sie überhaupt keine Short Stories, sondern überlange Prosagedichte. Noch als Verfasser von Horror- und Fantasygeschichten war Clark Ashton in erster Linie Poet.
Diese poetische Kraft – geboren aus einer tiefen Liebe zur Sprache –  ist es, die zusammen mit dem ungebremsten Vergnügen, in imme neue, nie betretene phantastische Gefilde vorzustoßen, seine Größe ausmacht. Mit ihr erfüllte er trotz seines tiefen Pessimismus in gewisser Weise die Prophezeiung, die George Sterling in seiner  Jugend über ihn ausgesprochen hatte:



(1) Michael Moorcock: Wizardry & Wild Romance. S. 56.
(2) J.R.R. Tolkien: Über Märchen. In: Ders.: Die Ungeheuer und ihre Kritiker. Gesammelte Aufsätze. S. 187ff. 
(3) Tolkien an Milton Waldman [1951]. In: J.R.R. Tolkien: Briefe. Nr. 131. S. 192.
(4) Clark Ashton Smith an George Sterling [4. November 1926]. In: David E. Schultz & S.T. Joshi [Hg.]: The Shadow of the Unattained. The Letters of George Sterling and Clark Ashton Smith. S. 284.
(5) Clark Ashton Smith an George Sterling [27. Oktober 1926]. In: The Shadow of the Unattained. S. 282f.
(6) Clark Ashton Smith an R.H. Barlow [16. Mai 1937]. In: David E. Schultz & Scott Connors [Hg.]:  Selected Letters of Clark Ashton Smith. S. 301.
(7) Clark Ashton Smith an George Sterling [26. September 1912]. In: The Shadow of the Unattained. S. 65.
(8) Lafcadio Hearn: Bits of Poetry. In: Ders.: In Ghostly Japan. S. 149ff.

Auf Monty!

Mit einem Tag Verspätung erhebe ich mein Glas auf Montague Rhodes James, den unangefochtenen Meister der klassischen Spukgeschichte, der gestern seinen 150. Geburtstag hätte feiern können. Die Phantastik wäre um so vieles ärmer ohne seine Stories mit ihrer dichten Atmosphäre, ihrem perfekten Spannungsaufbau, ihrem feinen Humor und ihren andersweltlichen Schrecken. Auf Monty!

Der ehrenwerte Mr. Jim Moon hat zu diesem Anlass noch einmal all die MR James - Geschichten zusammengestellt, die er in der Vergangenheit am Kamin der Bibliothek der Träume vorgetragen hat: Canon Alberic's Scrap-book, The Mezzotint, Count Magnus, There Was A Man Dwelt By A Churchyard und The Story of A Disappearance and An Appearance. Wer kein Problem damit hat, eine Geschichte auf Englisch zu hören, sollte hier auf jedenfall einmal reinlauschen.

Mittwoch, 1. August 2012

Rausch der Poesie

Im Jahre 1908 entdeckte der fünfzehnjährige Clark Ashton Smith in einer alten Ausgabe des Cosmopolitan ein Gedicht, das mit den folgenden Versen anhob:

Without, the battlements of sunset shine,
'Mid domes the sea-winds rear and overwhelm.
Into a crystal cup the dusky wine
I pour, and, musing at so rich a shrine,
I watch the star that haunts its ruddy gloom.
Now Fancy, empress of a purpled realm,
Awakes with brow caressed by poppy-bloom,
And wings in sudden dalliance her flight
To strands where opals of the shattered light
Gleam in the wind-strewn foam [...]

Es trug den Titel A Wine of Wizardry und begeisterte  ihn in einem Maße, wie dies bisher nur den Gedichten Edgar Allan Poes gelungen war. Jahre später schrieb er: "The poem, with its necromantic music, and splendours as of sunset on jewels and cathedral windows, was veritably all that its title implied; and – to pile marvel upon enchantment – there was the knowledge that it had been written in my own time, by someone who lived little more than a hundred miles away." Es sollten noch etwa drei Jahre vergehen, bis er den Schöpfer dieser Verse, George Sterling, selbst kennenlernen würde. Dann aber würde der König der Bohème von San Francisco, der inoffizielle Poeta Laureatus der Bay Area, zu seinem unermüdlichen Förderer und treuen Freund werden. Ohne A Wine of Wizardry wäre Smiths Oeuvre, sowohl seine eigene Lyrik wie auch seine phantastischen Short Stories, nicht denkbar.

Sterlings vielleicht berühmtestes Gedicht war erstmals 1907 veröffentlicht worden. Neben einigen anderen Poemen desselben Dichters, dem lyrischen Werk Clark Ashton Smiths und dem Book of Jade von David Park Barnitz ist es meiner Ansicht nach das großartigste Beispiel für Décadence-Lyrik in der amerikanischen Literatur.

Um A Wine of Wizardry richtig beurteilen zu können, muss man wissen, dass Schönheit für Sterling eine metaphysische Qualität besaß. In seinen Augen war sie eine jenseitige, unveränderliche Gewalt, die sich dem Künstler in einer Art Erweckungserlebnis offenbare und die dieser nur mit sehr unzulänglichen Mitteln nachzubilden imstande sei. Sie hat im Grunde nichts mit der sinnlichen Realität, die uns umgibt, zu tun. In ihr kann das Auge des Dichters bestenfalls einen matten Abglanz der Idee des Schönen finden. Angesichts dieses abstrakten Schönheitsbegriffes ist es nur zu verständlich, dass Sterling  die Musik offenbar für die höchste oder reinste aller Kunstformen hielt – für das "bond unseen/ That God hath made between/ His silence and our need." Während alle anderen Künste – zumindest in ihrer traditionellen Form – von der sinnlich wahrnehmbaren Realität ausgehen und bis zu einem gewissen Grad in deren Nachahmung bestehen, ist die Musik scheinbar gegenstandslos. In Sterlings Augen musste sie darum am ehesten geeignet erscheinen, die ungreifbare, transzendente Schönheit wiederzugeben:

Her face we have a little, but her voice
Is not of our imagining nor time,
And her deep soul is one, perchance, with life,
Immortal, cosmic. Heritage of her
Is half the human birthright. She hath part
With Love and Death in the one mystery
Of being, lifted on eternal wings
From world to world. Her home is in our hearts.

Der eigenen Lyrik versuchte er deshalb den Charakter von Musik zu verleihen. Rhythmus, Maß und Klang sind gegenüber dem Inhalt von primärer Bedeutung. Damit reiht sich Sterling in die Phalanx der Symbolisten ein, auch wenn seine Dichtung natürlich nie die Intensität und Perfektion von Mallarmés poésie pure erreicht.

Die Bedeutung eines symbolistischen Gedichtes lässt sich nicht durch eine inhaltliche Analyse ergründen, sie offenbart sich nur im Gesamteindruck des Kunstwerks. Niemand hat das schöner ausgedrückt als Stefan George:

Sie ist nach willen nicht: ist nicht für jede
Gewohne stunde: ist kein schatz der gilde.
Sie wird den vielen nie und nie durch rede
Sie wird den seltnen selten im gebilde. (1)

Es wäre darum sinnlos, wollte ich hier versuchen, den Inhalt von A Wine of Wizardry im Detail wiederzugeben. Man muss das Gedicht lesen, am besten laut. Es beschreibt den Flug der Fantasie, angeregt vom Anblick eines Sonnenuntergangs über dem Pazifik und dem Genuss eines Glases Wein. Dabei eröffnet sich uns ein Kaleidoskop phantastischer, exotischer, morbider Szenerien, bevölkert von grausigen und bizarren Gestalten. Es gibt weder einen Ruhepunkt noch eine ordnende Architektur. Um einen ungefähren Eindruck von diesem eigenartigen Werk zu vermitteln, möchte ich einmal jene Zeilen anführen, die auch Clark Ashton Smith in seinem Nachruf auf den Freund zitiert:

Within, lurk orbs that graven monsters clasp;
Red-embered rubies smolder in the gloom,
Betrayed by lamps that nurse a sullen flame,
And livid roots writhe in the marble's grasp,
As moaning airs invoke the conquered rust
Of lordly helms made equal in the dust.
Without, where baleful cypresses make rich
The bleeding sun's phantasmagoric gules,
Are fungus-tapers of the twilight witch
(Seen by the bat above unfathomed pools)
And tiger-lilies known to silent ghouls,
Whose king hath digged a somber carcanet
And necklaces with fevered opals set.

Direkt nach seinem Erscheinen rief A Wine of Wizardry heftige Kontroversen in den amerikanischen Feuilletons hervor. Sterlings Förderer und 'Meister' Ambrose Bierce sprach von einem ‘Bauernaufstand’ des nationalen Spießertums. Er hatte das Gedicht im Cosmopolitan veröffentlicht und mit einer Einleitung versehen, in der er Sterling als "incomparably the greatest [poet] that we have on this side of the Atlantic" (2) bezeichnete. Man darf annehmen, dass er sein Urteil absichtlich so überspitzt formulierte, um besonders heftige Reaktionen zu provozieren. Und er wurde nicht enttäuscht. In Scharen fielen Kritiker aus ganz Amerika über Sterling her. Die bekannte Dichterin Ella Wheeler Wilcox verfasste in kürzester Zeit eine bösartige Parodie auf A Wine of Wizardry, im San Francisco Examiner war zu lesen, dass "five lines from [the poem] would drive a man to beat a cripple, and ten lines would send him to the bottom of the river", und Kritiker Porter Garnett verglich es mit "the hammering of a tattoo on a sweet-toned bell." (3) Selbst Sterlings Freundinnen Ina Coolbrith und Gertrude Atherton taten sich schwer damit, den Wert des Werkes anzuerkennen. Am häufigsten war der Vorwurf zu hören, dem Gedicht fehle "a message to humanity", wie es Brian Hooker im Bookman formulierte. (4)

Das Morbide vieler Szenen war den literarischen Sittenwächtern natürlich vor allem ein Dorn im Auge, und die Zeilen "The blue-eyed vampire, sated at her feast,/ Smiles bloodily against the leprous moon" erlangten schon bald zweifelhafte Berühmtheit. Für die Streiter des ‘guten Geschmacks’ und der christlichen Moral verkörperten sie die ganze Perversität der Décadence. Die San Franciscoer Bohème kommentierte das auf ihre Weise: Das Verspaar zierte wenig später die Wand von Coppa’s Restaurant, einem der ältesten und beliebtesten Treffpunkte der munteren Gemeinde.

Ebenso oft wurde Sterlings Sprachstil, seine Vorliebe für wenig gebräuchliche Worte und archaische Formulierungen, beanstandet. Dies nun traf direkt einen der Kernpunkte seiner Ästhetik. Er selbst erklärte dazu: "Poetry must abjure every literal and familiar element, accumulate as many images of strange loveliness, and cherish all the past embodiments of visionary beauty, such as the beings of classical mythology." (5)
Ohne Zweifel besteht bei der Bevorzugung möglichst auserlesener und seltener Worte, wie sie von Sterling praktiziert wurde, stets die Gefahr, ins Pompöse und Lächerliche abzugleiten. Richtig gehandhabt und in Verbindung mit einem feinen Gespür für die musikalischen Qualitäten der Sprache, lassen sich damit jedoch erstaunliche Effekte erzielen. A Wine of Wizardry wirkt wie ein prunkvolles Geschmeide, übersät mit funkelnden Juwelen und getaucht in das blutige Rot der untergehenden Sonne und des dunklen Weins.
Zugleich übt das Gedicht eine soghafte Wirkung auf den Leser aus, der man sich nur schwer entziehen kann. Obwohl völlig handlungsfrei, enthält es keine Ruhepunkte, gleicht einem ständigen Strömen der Sprache. Der damals sehr prominente Dichter Edwin Markham bemängelte, "Mr. Sterling gives us the words, the images and the free lines; but they are not fused into a living whole. In every literary creation there must be a central figure with something that corresponds to a woven plot followed by a consistent crisis. There must be dramatic movement." (6)  Eben diesem Verständnis von Poesie verweigert sich das Gedicht ganz bewusst. Es erzählt keine Handlung, sondern beschwört eine Stimmung herauf. Dementsprechend besitzt es keinen dramatischen Aufbau, keine sukzessive Steigerung, keine Krise. Im Grunde ist es darauf angelegt, ewig weiterzuströmen. Darin ähnelt es nicht zufällig Richard Wagners ‘unendlicher Melodie’. Wir müssen uns ihm hingeben, um es genießen zu können. Vor allem dürfen wir nicht nach einer ‘Aussage’ oder ‘zentralen Idee’ suchen. Ambrose Bierce hatte völlig recht, als er schrieb: "The verses serve no cause, tell no story, point no moral. Their author has no ‘purpose, end, or care’ other than the writing of poetry. His work is as devoid of motive as is the song of a skylark it is merely poetry." (7) A Wine of Wizardry ist l’art pour l’art in Reinform. In ihm kam Sterling seinem Ziel, die unaussprechliche Idee des Schönen in der Musik der Sprache zum Ausdruck zu bringen, vielleicht am nächsten. Soweit man einem falsch gestellten Ziel eben nahe kommen kann. Clark Ashton Smith schrieb über das Gedicht seines Mentors: "Few things in literature are more serviceable as a test for determining whether people feel the verbal magic of poetry - or whether they merely comprehend and admire the thought, or philosophic content." Das mag übertrieben sein, enthält aber einen wahren Kern. A Wine of Wizardry wird nur der zu schätzen wissen, der anerkennt, dass die poetische Sprache unabhängig von irgendeinem Inhalt einen eigenständigen Wert besitzt.

Andererseits habe ich den Vergleich zu Wagner natürlich nicht ohne Grund angestellt. Nietzsche schrieb in seiner Polemik gegen den von ihm einst so verehrten Komponisten: "Die Absicht, welche die neuere Musik in dem verfolgt, was jetzt, sehr stark, aber undeutlich, ‘unendliche Melodie’ genannt wird, kann man sich dadurch klar machen, dass man in’s Meer geht, allmählich den sicheren Schritt auf dem Grunde verliert und sich endlich dem Elemente auf Gnade und Ungnade übergiebt: man soll schwimmen." (8) Ähnliches gilt auch für Sterlings Sprachmusik. Sie ist darauf ausgerichtet, eine berauschende Wirkung zu erzielen. Der Leser – oder eigentlich Hörer – soll sich in ihr verlieren. Und wie alle Rauschmittel dient auch sie letztenendes dazu, eine unangenehme Wirklichkeit vergessen zu machen.

Warum Sterling in seiner Lyrik einem solchen eskapistischen Verlangen Ausdruck verlieh, darauf möchte ich jetzt nicht näher eingehen.(9)  Doch sei es allen Liebhaberinnen und Liebhabern der phantastischen Poesie ans Herz gelegt, einmal A Wine of Wizardry zu lesen. Und danach haben sie ja vielleicht Lust, sich auch ein Bisschen unter den übrigen Werken Sterlings umzuschauen. Ein paar weitere Juwelen gibt es da auf jedenfall zu entdecken ...


(1) Stefan George: Der Teppich. In: Ders.: Der Teppich des Lebens und Die Lieder von Traum und Tod. S. 42.
(2) Ambrose Bierce: A Poet and his Poem. In: The Collected Works. Bd. 10. S. 181.
(4) Zit. nach: Michael Cisco: Biographical Sketch.
(5) Zit. nach: Horace Gregory & Marya Zaturenska: A History of American Poetry. 1900-1940. S. 56.
(6) Edwin Markham: California the Wonderful. S. 357f.
(7) Ambrose Bierce: A Poet and his Poem. In: The Collected Works. Bd. 10. S. 180.
(8) Friedrich Nietzsche: Nietzsche contra Wagner. In: Ders.: Der Fall Wagner [u.a.]. KSA 6. S. 421f.
(9) Ich träume ja immer noch davon, einmal meine Clark Ashton Smith - Biographie fertigzustellen, in der es auch ein paar Kapitel über die 'Westküstenromantik' und George Sterling geben soll ...