- The Active Listener's Acid Folk Sampler Volume Two ♫
- Films on Wax - Moviedrone 1.1: Licence to Kill
- Hypnobobs - Hypnogoria 20: Clemens at the Movies
- Hypnobobs - Tomegoria 10: Night of the Crabs by Guy N Smith
- Hypnobobs - Microgoria 20: The Mystery of the Will-o-the-Wisp
- Trekabout - Episode 162: Second Sight / Sanctuary * Episode 163: Rivals / The Alternate
- The Strange and Deadly Show: Home Sweet Home / Honeymoon Horror
- A Podcast to the Curious - Episode 48: Auditor and Impresario
- SFFaudio Podcast: The Lord of the Rings (Book 5 of 6) with Jesse, Julie Davis, Seth & Maissa
- SFFaudio Podcast: Vulcan's Hammer by Philip K. Dick with Jesse, Paul & Marissa
- Let's Watch Star Trek: The Next Generation: Ep. 79: Remember Me (with Trekabout's Eric & Richard)
- Exploding Helicopter Podcast: The Beast Must Die (with Jim Moon)
- The Lovecraft eZine panel interviews Scott Thomas
- The Lovecraft eZine panel interviews Trent Zelazny
- Silent Snow, Secret Snow by Conrad Aiken vorgetragen von Julia Morgan
- NUTS4R2 bespricht Doctor Who: Under The Lake * The Incident (El Incidente) * The Martian * Doctor Who: Before The Flood * High-Rise * Ghost Theatre * Doctor Who: The Girl Who Died
- Open Culture: Oscar Wilde’s Play Salome Illustrated by Aubrey Beardsley in a Striking Modern Aesthetic (1894)
- Open Culture: 20 New Lines from The Epic of Gilgamesh Discovered in Iraq
- Open Culture: Terry Gilliam’s Lost Animations from Monty Python and the Holy Grail
- NASA Releases Trove of Over 8,000 HD Photos from the Apollo Moon Missions
- The James Brown Theory of Black Liberation von Adolph Reed
- Richard Teschner and His Puppets
- Celluloid Wicker Man: Walking A Warning To The Curious (M.R. James) von Adam Scovell
- Celluloid Wicker Man: Uncanny Portals And Standing Stones (Children Of The Stones, The Owl Service and Barbara Hepworth) – Part 3 von Adam Scovell
- Hypnotic Crescendos - Fashion & Italian Horror: The Stendhal Syndrome (1996) von Rachael Nisbet
- Of Love and Other Demons: A Lesbian Vampire in Daughters of Darkness (Harry Kümel, 1971) von Justine A. Smith
- Diary Of A Screenwriter: Interview with Suso Cecchi d’Amico
- Cinetropolis: View From The Overlook: Crafting The Shining
- Cinephilia & Beyond: Directed by John Ford
- Cinephilia & Beyond: John Ford’s The Searchers: The Essential Film of American Culture and Identity
- Cinephilia & Beyond: The Holy Grail of Workprints: The Five-Hour Rough Version of Apocalypse Now
- Cinephilia & Beyond: Stanley Kramer’s On the Beach: A Most Persuasive Cautioning Tale if We Ever Saw One
- Cinephilia & Beyond: Monty Python and the Holy Grail: The Peak of British Comedy
- World Socialist Web Site: Interview with Sri Lankan filmmaker Prasanna Vithanage
- Black Mass: The story of Whitey Bulger, gangster and FBI informant von Kevin Martinez
- Toronto Film Festival 2015: Eight films from Africa, the Middle East, China, Latin America and Eastern Europe: Contemporary social realism von David Walsh
- Sicario: A Zero Dark Thirty for the “war on drugs”? von Joanne Laurier
- Weird Fiction Review: Interview: Thomas Ligotti and the Realm of Nightmares
- Strange Horizons: Matrilines: Evangeline Walton: The Woman Who Defined a Genre von Kari Sperring
- Public Domain Review: Richard Spruce and the Trials of Victorian Bryology von Elaine Ayers
Seiten
"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."
Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."
Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten
Montag, 19. Oktober 2015
Strandgut der Woche
Samstag, 17. Oktober 2015
"Then at a Deadly Pace / It Came From Outer Space" (I)
Wenn sich die dunklen Wolken in meinem Hirn mal wieder besonders stark zusammenballen und der Schwarze Hund aggressiver als gewöhnlich sein Spiel treibt, kommt meist irgendwann der Punkt, an dem ich für wenigstens einen Abend die Flucht in das Wunderland der SciFi- und Horrorflicks der fünfziger Jahre antrete. Diese Filme haben für gewöhnlich eine angenehm besänftigende und aufmunternde Wirkung auf mich.
Dienstag abend war es mal wieder so weit, und so dachte ich mir, es wäre schön, meine Leserinnen und Leser zumindest an einem Teil meiner eskapistischen Eskapade teilhaben zu lassen und ihnen von einigen meiner dabei gemachten Entdeckungen zu berichten. Zumal all meine anderen Projekte zur Zeit so überhaupt nicht vorankommen. Und wie besser könnte man solch einen Ausflug beginnen, als mit dem grandiosen Eröffnungssong der Rocky Horror Picture Show – Science Fiction Double Feature:
Es war eine ziemlich lange Nacht, in deren Verlauf ich vier mehr oder minder "klassischen" Filmen der Ära einen erneuten bzw. ersten Besuch abstattete: It Came From Outer Space (1953), Earth vs. The Flying Saucers (1956), The Mole People (1956) und This Island Earth (1955).
Beschäftigen möchte ich mich vorerst aber nur mit den ersten beiden, bilden sie doch ein interessantes Gegensatzpaar, das zusammengenommen etwas von der erstaunlichen Vielfalt zu zeigen vermag, die der oft als bloßer Schlock verspottete SciFi-Film der Fifties zu bieten hat.
Beschäftigen möchte ich mich vorerst aber nur mit den ersten beiden, bilden sie doch ein interessantes Gegensatzpaar, das zusammengenommen etwas von der erstaunlichen Vielfalt zu zeigen vermag, die der oft als bloßer Schlock verspottete SciFi-Film der Fifties zu bieten hat.
Beginnen wir mit Columbia Pictures Untertassen-Invasions-Flick, der seine Berühmtheit wohl vor allem dem Beitrag des unvergesslichen Ray Harryhausen verdankt.
Über den Plot gibt es nach diesem Trailer eigentlich nicht mehr viel zu sagen. Der amerikanische Raketenwissenschaftler Russell Marvin (Hugh Marlowe) und seine Frau Carol (Joan Taylor) begegnen auf ihrer Fahrt zum Sitz des US-Raketenprojekts "Skyhook" einer Fliegenden Untertasse. Ein zugegeben recht omniöses Zusammentreffen, doch Dr. Marvin hat momentan wichtigeres zu tun. Unter seiner Leitung haben die USA begonnen, künstliche Satelliten in die Erdumlaufbahn zu schießen*, und an diesem Morgen steht Raketenstart Nr. 11 auf dem Plan. Die Lage ändert sich freilich dramatisch, als am nächsten Tag gleich mehrere UFOs über dem "Skyhook"-Gelände auftauchen, den Komplex in Schutt und Asche legen sowie Carols Vater, General Hanley (Morris Ankrum), entführen. Als es Marvin kurz darauf gelingt, die geheimnisvollen Radiobotschaften der Außerirdischen zu decodieren, erfährt er, dass diese ihn als eine Art Kontaktperson für die Menschheit ausgewählt haben. Schließlich werden der Wissenschaftler, seine Frau und ein paar Army-Leute auf eine der Untertassen gebracht, wo ihnen die Aliens ihr Ultimatum an die Erde übermitteln: In 56 Tagen haben sich die Regierungshäupter der Welt in Washington zu versammeln und ihre bedingungslose Kapitulation zu erklären. Andernfalls warten Tod und Vernichtung auf die Völker der Erde. Marvin und seinen Kollegen bleiben acht Wochen Zeit, eine Waffe gegen die schier unbesiegbar wirkenden Invasoren zu entwickeln ...
George Pals drei Jahre zuvor in die Kinos gelangte Technicolor - Adaption von H.G. Wells' War of the Worlds mag der bekanntere – vielleicht auch der bessere – Film sein, doch dafür präsentiert uns Earth vs. The Flying Saucers das Bild einer massiven Alien-Invasion, das seine Inspiration sehr viel direkter aus der zeitgenössischen UFO-Hysterie bezogen hat.
Auch der ältere Streifen war nicht frei von diesem Einfluss gewesen – schließlich hatten seine Marsianer wohl kaum zufällig ihre wells'schen Tripods gegen die seit Kenneth Arnolds angeblicher UFO-Sichtung von 1947 in Mode gekommenen Untertassen ausgetauscht –, aber der von Columbias B-Movie-Spezialisten Sam Katzman produzierte und von dessen "Hansdampf-in-allen-Gassen" - Regisseur Fred F. Sears gedrehte Flick stützt sich doch sehr viel unumwundener auf das Trara um angebliche Sichtungen außerirdischer Flugobjekte. Massenhafte Berichte über das Auftauchen geheimnisvoller "lights in the sky" und ähnlicher Phänomene waren zu diesem Zeitpunkt zu einem wellenartig auftretenden Phänomen (1947, 1949, 1952) in der US-Gesellschaft geworden. Das damit verbundene Interesse des Publikums versuchte der Flick offen auszunutzen. So zog man bei der Ausarbeitung der Story u.a. Donald Keyhoes drei Jahre zuvor erschienenen Bestseller Flying Saucers From Outer Space heran.
Donald E. Keyhoe war einer der Gründerväter der Ufologie in den USA. Auch wenn er selbst in diesem Zusammenhang sehr gerne seinen Dienst bei den US-Marines ins Spiel brachte und sich stets als "Major" titulieren ließ – was ihm wohl eine größere Autorität verleihen sollte – dürften zwei andere seiner früheren Tätigkeiten dabei eine weitaus größere Rolle gespielt haben. In den 20er Jahren hatte der gute Mann nämlich eine äußerst erfolgreiche Werbekampagne für Charles Lindbergh aufgezogen, um in den fogenden zwei Jahrzehnten dann unter die Pulp-Autoren zu gehen. Kurzgeschichten von ihm waren u.a. in Weird Tales und Flying Aces veröffentlicht worden. Keyhoe besaß offenbar sowohl ein Gespür für effektive PR als auch für reißerische Stories. Beide Talente kamen ihm zugute, als er sich 1950 mit einem Artikel für das Magazin True erstmals den Fliegenden Untertassen widmete. Der Erfolg war so groß, dass er sich alsbald daranmachte, ein ganzes Buch mit dem Titel The Flying Saucers Are Real – das man sich bei Interesse hier durchlesen kann – zu verfassen. Dem folgte drei Jahre später Flying Saucers From Outer Space. Beide Schmöker zitierten ausgiebigst aus offiziellen Dokumenten und Interviews mit Regierungsbeamten und Air Force - Offizieren, was ihnen einen seriösen Anstrich verlieh.
Die Macher von Earth vs. The Flying Saucers schöpften daneben aber auch aus etwas weniger gut beleumundeten Quellen. Als Ray Harryhausen das Design der Untertassen entwickelte, zog er nicht nur Keyhoes Buch zu Rate, sondern wandte sich offenbar auch an George Adamski, den wohl berühmtesten "Contactee" der 50er Jahre. Während Keyhoe den "wissenschaftlichen" Flügel der Ufologie repräsentierte, darf Adamski als einer der Gründer des "spiritualistischen" gelten. Lange vor seiner ersten Begegnung mit {damals noch zigarrenförmigen} Raumschiffen oder gesprächigen Venusianern hatte sich der Mann in den okkultistisch angehauchten Kreisen Kaliforniens bereits einen gewissen Namen als Westentaschen-Guru gemacht. Seine in Büchern wie Flying Saucers Have Landed (1953) und Inside the Space Ships (1956) veröffentlichten Berichte über Begegnungen mit Außerirdischen und die von diesen interstellaren Besuchern übermittelten Botschaften stellten im Grunde eine direkte Fortsetzung seiner früheren Tätigkeit als Verkünder theosophisch-mystizistischer Heilslehren dar. Er passte sich damit bloß der sich wandelnden Mode in der Welt der Esoterik an. Die "Weisen vom Himalaya" wurden ganz einfach durch die "Weisen von der Venus" ersetzt. Adamski war nicht der einzige, der diesen Weg beschritt, doch blieb er für ein gutes Jahrzehnt der wohl bekannteste und einflussreichste "Contactee".
Das Interessante ist, dass sich Drehbuchautor Curt Siodmak und SFX-Magier Ray Harryhausen zwar von Keyhoe und Adamski inspirieren ließen, wenn es um das Ercheinungsbild der UFOs und vergleichbare "technische" Details ging, die Story des Films hingegen nichts mit dem zu tun hat, was die beiden Ufologen in ihren Büchern über die Besucher von den Sternen erzählt hatten. Sowohl Keyhoe als auch Adamski waren nämlich überzeugt davon, dass die Aliens friedliche Absichten verfolgten.
Die reale UFO-Hysterie der 50er Jahre hatte erstaunlicherweise wenig bis gar nichts mit der Furcht vor einer möglichen außerirdischen Invasion zu tun. Im SciFi-Film der Zeit hingegen war dieses Motiv sehr weit verbreitet. {Wenn auch mit nichten omnipräsent, wie ich hier & hier schon einmal an zwei Beispielen gezeigt habe.}
Für gewöhnlich wird dies als Widerspiegelung der Kalte Kriegs - Paranoia interpretiert, und aufs Ganze gesehen ist das wohl auch nicht falsch. Doch weist Earth vs. The Flying Saucers gerade in dieser Hinsicht einige faszinierende Nuancen auf.
Einerseits ist der Film natürlich nicht ohne Grund zu einem der ikonischsten "Alien Invasion" - Flicks der 50er Jahre geworden. In vielem erscheint er geradezu archetypisch. Der Held ist ein amerikanischer Wissenschaftler, der eng mit dem Militär zusammenarbeitet und dessen Ehefrau sogar die Tochter eines Generals ist. Patriotisch-militaristisches Trara nimmt einen nicht unbedeutenden Platz in dem Film ein, inklusive einger Stock-Footage-Einspielungen von Kampfjets und Flak-Geschützen in Aktion. Auch ist es bezeichnend, dass die große finale Schlacht gegen die Untertassen in Washington ausgefochten wird, wobei eine ganze Reihe berühmter Symbole des US-Staates, u.a. das Weiße Haus, das Washington-Monument und das Kapitol gezeigt, zum Teil auch in Trümmer gelegt werden.
Soweit scheint das alles dem Schema zu entsprechen, von dem man spontan glauben mag, Filme dieser Art und dieser Ära müssten ihm folgen. Die USA und ihre Streitkräfte als Retter der Welt. Das Schema also, das der olle Roland Emmerich in seinem unerträglich öden Independence Day (1996) so sklavisch kopiert hat. Doch während Emmerich mit diesem Streifen {und dem nicht weniger grauslichen The Patriot [2000]} wohl tatsächlich beabsichtigte, eine Art filmischen Loyalitätseid gegenüber seiner Wahlheimat Amerika abzulegen, finden sich in Earth vs. The Flying Saucers eine Reihe kleiner Details, die diesem hurrapatriotischen Vibe entgegenstehen, ihn zwar nicht subversiv unterlaufen, aber doch relativieren.
So überrascht es z.B. ein wenig, dass die handelnden Personen die Entscheidung der Aliens, Washington zum Ort der weltweiten Kapitulationserklärung zu machen, offen thematisieren. Warum ausgerechnet Washington? Und die Antwort ist nicht etwa: Die USA sind die führende Weltmacht, nur logisch, dass die Außerirdischen uns Yankees als die natürlichen Vertreter der Erdbevölkerung betrachten, vielmehr erklärt einer der Charaktere: Washington ist eines der größten Zentren von politischer Macht auf der Welt. Auch wenn das unausgesprochen bleibt, können wir diesen Satz doch problemlos so erweitern: Die Aliens hätten ebensogut Moskau wählen können.
Auch wenn der Fokus des Films ganz auf unseren amerikanischen Helden und Heldinnen liegt, bemüht er sich doch hier und da ein Element von globaler Bedrohung, Solidarität und Zusammenarbeit einzuführen. Bezeichnenderweise hieß es in einem zeitgenössischen Variety - Artikel über den Film, die Welt werde am Ende durch "Yankee ingenuity" gerettet. Doch das ist nur teilweise richtig. Zwar sind es in der Tat amerikanische Ingenieure, die die Waffe entwickeln, mit der die Untertassen schließlich zurückgeschlagen werden, doch wird mehrfach betont, dass die Grundidee für diese neue Technologie von einem indischen Physiker stammte.
So klein und auf den ersten Blick unbedeutend diese Details auch sein mögen, für mich haben sie dem Film doch eine zusätzliche, recht interessante Note verliehen. Verantwortlich für sie war vermutlich in erster Linie Bernard Gordon, der für die letztgültige Fassung des Drehbuchs, an dem eine ganze Reihe von Leuten herumgedoktert hatten, verantwortlich zeichnete. Gordon, über den ich hier schon einmal etwas ausführlicher geschrieben habe, war ein überzeugter Sozialist und deshalb Opfer der Schwarzen Listen. Seine {natürlich inoffizielle} Mitarbeit an Earth vs The Flying Saucers verdanken wir Produzent Charles H. Schneer, der dem zum Pariah erklärten unter der Hand immer mal wieder einen Job organisierte.
Was bleibt am Ende zu sagen? – Der Film gehört sicher nicht zu den intelligentesten oder faszinierendsten SciFi-Flicks der 50er Jahre. {Anders als unser nächster Kandidat It Came From Outer Space.} Doch alles in allem darf er auch aus heutiger Sicht noch als ein äußerst unterhaltsamer "Alien Invasion" - Spaß mit sympanthischen Protagonisten, einem guten Pacing und einigen sehr schönen Sets und Spezialeffekten gelten. Die wahren Helden des Films sind natürlich Ray Harryhausens Stop Motion - Kreationen und die hübschen Verwüstungen, die sie während der finalen Schlacht in einem Modell-Washington anrichten. Doch auch das Design des Inneren der Fliegenden Untertassen mit dem riesigen, einer kristallenen Blüte ähnelnden "Übersetzungsapparat", der zugleich zur Gehirnwäsche eingesetzt werden kann, ist nicht ohne Reiz. Einzig die plumpen Schutzanzüge der Außerirdischen wirken etwas lächerlich. Aber ganz ehrlich: Einem Fifties - SciFi - Film würde etwas sehr wesentliches fehlen, wenn man nicht auch einmal ironisch kichern könnte.
Fortsetzung folgt ...
George Pals drei Jahre zuvor in die Kinos gelangte Technicolor - Adaption von H.G. Wells' War of the Worlds mag der bekanntere – vielleicht auch der bessere – Film sein, doch dafür präsentiert uns Earth vs. The Flying Saucers das Bild einer massiven Alien-Invasion, das seine Inspiration sehr viel direkter aus der zeitgenössischen UFO-Hysterie bezogen hat.
Auch der ältere Streifen war nicht frei von diesem Einfluss gewesen – schließlich hatten seine Marsianer wohl kaum zufällig ihre wells'schen Tripods gegen die seit Kenneth Arnolds angeblicher UFO-Sichtung von 1947 in Mode gekommenen Untertassen ausgetauscht –, aber der von Columbias B-Movie-Spezialisten Sam Katzman produzierte und von dessen "Hansdampf-in-allen-Gassen" - Regisseur Fred F. Sears gedrehte Flick stützt sich doch sehr viel unumwundener auf das Trara um angebliche Sichtungen außerirdischer Flugobjekte. Massenhafte Berichte über das Auftauchen geheimnisvoller "lights in the sky" und ähnlicher Phänomene waren zu diesem Zeitpunkt zu einem wellenartig auftretenden Phänomen (1947, 1949, 1952) in der US-Gesellschaft geworden. Das damit verbundene Interesse des Publikums versuchte der Flick offen auszunutzen. So zog man bei der Ausarbeitung der Story u.a. Donald Keyhoes drei Jahre zuvor erschienenen Bestseller Flying Saucers From Outer Space heran.
Donald E. Keyhoe war einer der Gründerväter der Ufologie in den USA. Auch wenn er selbst in diesem Zusammenhang sehr gerne seinen Dienst bei den US-Marines ins Spiel brachte und sich stets als "Major" titulieren ließ – was ihm wohl eine größere Autorität verleihen sollte – dürften zwei andere seiner früheren Tätigkeiten dabei eine weitaus größere Rolle gespielt haben. In den 20er Jahren hatte der gute Mann nämlich eine äußerst erfolgreiche Werbekampagne für Charles Lindbergh aufgezogen, um in den fogenden zwei Jahrzehnten dann unter die Pulp-Autoren zu gehen. Kurzgeschichten von ihm waren u.a. in Weird Tales und Flying Aces veröffentlicht worden. Keyhoe besaß offenbar sowohl ein Gespür für effektive PR als auch für reißerische Stories. Beide Talente kamen ihm zugute, als er sich 1950 mit einem Artikel für das Magazin True erstmals den Fliegenden Untertassen widmete. Der Erfolg war so groß, dass er sich alsbald daranmachte, ein ganzes Buch mit dem Titel The Flying Saucers Are Real – das man sich bei Interesse hier durchlesen kann – zu verfassen. Dem folgte drei Jahre später Flying Saucers From Outer Space. Beide Schmöker zitierten ausgiebigst aus offiziellen Dokumenten und Interviews mit Regierungsbeamten und Air Force - Offizieren, was ihnen einen seriösen Anstrich verlieh.
Die Macher von Earth vs. The Flying Saucers schöpften daneben aber auch aus etwas weniger gut beleumundeten Quellen. Als Ray Harryhausen das Design der Untertassen entwickelte, zog er nicht nur Keyhoes Buch zu Rate, sondern wandte sich offenbar auch an George Adamski, den wohl berühmtesten "Contactee" der 50er Jahre. Während Keyhoe den "wissenschaftlichen" Flügel der Ufologie repräsentierte, darf Adamski als einer der Gründer des "spiritualistischen" gelten. Lange vor seiner ersten Begegnung mit {damals noch zigarrenförmigen} Raumschiffen oder gesprächigen Venusianern hatte sich der Mann in den okkultistisch angehauchten Kreisen Kaliforniens bereits einen gewissen Namen als Westentaschen-Guru gemacht. Seine in Büchern wie Flying Saucers Have Landed (1953) und Inside the Space Ships (1956) veröffentlichten Berichte über Begegnungen mit Außerirdischen und die von diesen interstellaren Besuchern übermittelten Botschaften stellten im Grunde eine direkte Fortsetzung seiner früheren Tätigkeit als Verkünder theosophisch-mystizistischer Heilslehren dar. Er passte sich damit bloß der sich wandelnden Mode in der Welt der Esoterik an. Die "Weisen vom Himalaya" wurden ganz einfach durch die "Weisen von der Venus" ersetzt. Adamski war nicht der einzige, der diesen Weg beschritt, doch blieb er für ein gutes Jahrzehnt der wohl bekannteste und einflussreichste "Contactee".
Das Interessante ist, dass sich Drehbuchautor Curt Siodmak und SFX-Magier Ray Harryhausen zwar von Keyhoe und Adamski inspirieren ließen, wenn es um das Ercheinungsbild der UFOs und vergleichbare "technische" Details ging, die Story des Films hingegen nichts mit dem zu tun hat, was die beiden Ufologen in ihren Büchern über die Besucher von den Sternen erzählt hatten. Sowohl Keyhoe als auch Adamski waren nämlich überzeugt davon, dass die Aliens friedliche Absichten verfolgten.
Die reale UFO-Hysterie der 50er Jahre hatte erstaunlicherweise wenig bis gar nichts mit der Furcht vor einer möglichen außerirdischen Invasion zu tun. Im SciFi-Film der Zeit hingegen war dieses Motiv sehr weit verbreitet. {Wenn auch mit nichten omnipräsent, wie ich hier & hier schon einmal an zwei Beispielen gezeigt habe.}
Für gewöhnlich wird dies als Widerspiegelung der Kalte Kriegs - Paranoia interpretiert, und aufs Ganze gesehen ist das wohl auch nicht falsch. Doch weist Earth vs. The Flying Saucers gerade in dieser Hinsicht einige faszinierende Nuancen auf.
Einerseits ist der Film natürlich nicht ohne Grund zu einem der ikonischsten "Alien Invasion" - Flicks der 50er Jahre geworden. In vielem erscheint er geradezu archetypisch. Der Held ist ein amerikanischer Wissenschaftler, der eng mit dem Militär zusammenarbeitet und dessen Ehefrau sogar die Tochter eines Generals ist. Patriotisch-militaristisches Trara nimmt einen nicht unbedeutenden Platz in dem Film ein, inklusive einger Stock-Footage-Einspielungen von Kampfjets und Flak-Geschützen in Aktion. Auch ist es bezeichnend, dass die große finale Schlacht gegen die Untertassen in Washington ausgefochten wird, wobei eine ganze Reihe berühmter Symbole des US-Staates, u.a. das Weiße Haus, das Washington-Monument und das Kapitol gezeigt, zum Teil auch in Trümmer gelegt werden.
Soweit scheint das alles dem Schema zu entsprechen, von dem man spontan glauben mag, Filme dieser Art und dieser Ära müssten ihm folgen. Die USA und ihre Streitkräfte als Retter der Welt. Das Schema also, das der olle Roland Emmerich in seinem unerträglich öden Independence Day (1996) so sklavisch kopiert hat. Doch während Emmerich mit diesem Streifen {und dem nicht weniger grauslichen The Patriot [2000]} wohl tatsächlich beabsichtigte, eine Art filmischen Loyalitätseid gegenüber seiner Wahlheimat Amerika abzulegen, finden sich in Earth vs. The Flying Saucers eine Reihe kleiner Details, die diesem hurrapatriotischen Vibe entgegenstehen, ihn zwar nicht subversiv unterlaufen, aber doch relativieren.
So überrascht es z.B. ein wenig, dass die handelnden Personen die Entscheidung der Aliens, Washington zum Ort der weltweiten Kapitulationserklärung zu machen, offen thematisieren. Warum ausgerechnet Washington? Und die Antwort ist nicht etwa: Die USA sind die führende Weltmacht, nur logisch, dass die Außerirdischen uns Yankees als die natürlichen Vertreter der Erdbevölkerung betrachten, vielmehr erklärt einer der Charaktere: Washington ist eines der größten Zentren von politischer Macht auf der Welt. Auch wenn das unausgesprochen bleibt, können wir diesen Satz doch problemlos so erweitern: Die Aliens hätten ebensogut Moskau wählen können.
Auch wenn der Fokus des Films ganz auf unseren amerikanischen Helden und Heldinnen liegt, bemüht er sich doch hier und da ein Element von globaler Bedrohung, Solidarität und Zusammenarbeit einzuführen. Bezeichnenderweise hieß es in einem zeitgenössischen Variety - Artikel über den Film, die Welt werde am Ende durch "Yankee ingenuity" gerettet. Doch das ist nur teilweise richtig. Zwar sind es in der Tat amerikanische Ingenieure, die die Waffe entwickeln, mit der die Untertassen schließlich zurückgeschlagen werden, doch wird mehrfach betont, dass die Grundidee für diese neue Technologie von einem indischen Physiker stammte.
So klein und auf den ersten Blick unbedeutend diese Details auch sein mögen, für mich haben sie dem Film doch eine zusätzliche, recht interessante Note verliehen. Verantwortlich für sie war vermutlich in erster Linie Bernard Gordon, der für die letztgültige Fassung des Drehbuchs, an dem eine ganze Reihe von Leuten herumgedoktert hatten, verantwortlich zeichnete. Gordon, über den ich hier schon einmal etwas ausführlicher geschrieben habe, war ein überzeugter Sozialist und deshalb Opfer der Schwarzen Listen. Seine {natürlich inoffizielle} Mitarbeit an Earth vs The Flying Saucers verdanken wir Produzent Charles H. Schneer, der dem zum Pariah erklärten unter der Hand immer mal wieder einen Job organisierte.
Was bleibt am Ende zu sagen? – Der Film gehört sicher nicht zu den intelligentesten oder faszinierendsten SciFi-Flicks der 50er Jahre. {Anders als unser nächster Kandidat It Came From Outer Space.} Doch alles in allem darf er auch aus heutiger Sicht noch als ein äußerst unterhaltsamer "Alien Invasion" - Spaß mit sympanthischen Protagonisten, einem guten Pacing und einigen sehr schönen Sets und Spezialeffekten gelten. Die wahren Helden des Films sind natürlich Ray Harryhausens Stop Motion - Kreationen und die hübschen Verwüstungen, die sie während der finalen Schlacht in einem Modell-Washington anrichten. Doch auch das Design des Inneren der Fliegenden Untertassen mit dem riesigen, einer kristallenen Blüte ähnelnden "Übersetzungsapparat", der zugleich zur Gehirnwäsche eingesetzt werden kann, ist nicht ohne Reiz. Einzig die plumpen Schutzanzüge der Außerirdischen wirken etwas lächerlich. Aber ganz ehrlich: Einem Fifties - SciFi - Film würde etwas sehr wesentliches fehlen, wenn man nicht auch einmal ironisch kichern könnte.
Fortsetzung folgt ...
* Man bedenke: Ein Jahr später würde tatsächlich ein solches Objekt in den Orbit geschossen werden. Freilich nicht von den Amerikanern, sondern von den Sowjets: Sputnik 1.
Samstag, 3. Oktober 2015
Strandgut der Woche
- SFFaudio Podcast #336: A Voyage to Arcturus by David Lindsay (with Jesse, Paul Weimer & Bryan Alexander)
- Hypnobobs - From the Great Library of Dreams 12: The Dabblers by W.F. Harvey
- Trekabout - Episode 161: Rules of Acquisition / Necessary Evil
- The Strange and Deadly Show: Invasion of the Blood Farmers / Midnight
- Women at Warp - Episode 16. Pulaski Pulls No Punches
- Revelations in Black by Carl Jacobi & The Autopsy (Part 1 * Part 2) by Michael Shea, vorgetragen von Julia Morgan
- Bram Stoker's Dracula with Christopher Lee (adapted by Russ Jones; illustrated by Alden McWilliams; music by Dennis Rogers)
- NUTS4R2 bespricht Doctor Who: The Witch's Familiar * Solace * The Beast In Space / La Bestia Nello Spazio (1980)
- Tomb of the Trumps #09 - Devil Priest Pack Part IX von Jim Moon
- Folklore on Friday: Autumn Leaves von Jim Moon
- Celluloid Wicker Man: Tales of Mystery (1961-1963) – What Was It Like? (Algernon Blackwood) von Adam Scovell
- Trick R Treat is the Halloween movie you need in your life von Christopher Brown
- Films on Wax: An American Werewolf In London * Damien - Omen II * The Terminator
- Horror Flickers: An Interview with Sergio Martino
- Film on Paper: Japan and Monsters (Poland) * James Cameron's Aliens (Poland) * Vincent Gallo's Buffalo 66 (UK)
- Cinetropolis: Barry Lyndon: Death By A Thousand Cuts
- Cinephilia & Beyond: High Noon: A Remarkable Take on Society Whatever You Find Lurking Beneath Its Surface
- Cinephilia & Beyond: Bonnie and Clyde: An Exquisite Filmmaking Vision that Captured the Essence of the Sixties
- Of Love and Other Demons: Blood for Dracula (Paul Morrissey, 1974) von Justine A. Smith
- Irish Culture and Customs: Pangur Ban, a 9th century cat poem
- Making Innsmouth by Joshua Hoffine, the Horror Photographer
- The Nitrate Diva: Fear You Can Hear: 31 of the Scariest Old Time Radio Episodes for Halloween
- Public Domain Review: Tribal Life in Old Lyme: Canada’s Colorblind Chronicler and his Connecticut Exile von Abigail Walthausen
- Public Domain Review: Bad Air: Pollution, Sin, and Science Fiction in William Delisle Hay’s The Doom of the Great City (1880) von Brett Beasley
- Re-released after 40 years: The strengths and weaknesses of Robert Altman's Nashville von David Walsh
- Toronto Film Festival 2015: THE PEOPLE vs. FRITZ BAUER, Colonia, Desierto: Crimnals and their crimes von Joanne Laurier
- Toronto Film Festival 2015: I Saw the Light (Hank Williams) and Janis: Little Girl Blue (Janis Joplin) - Popular music and its discontents von David Walsh
- Twine: TOMBs of Reschette by Richard Goodness
Samstag, 26. September 2015
Strandgut der Woche
- Ivanhoe (Soundtrack Suite) von Miklós Rózsa ♫
- Women at Warp - Episode 15: D.C. Fontana-rama
- The Strange and Deadly Show: The Hills Have Eyes / The Texas Chainsaw Massacre
- Hypnobobs - Microgoria 19: Usbourne Supernatural Guides: Haunted Houses, Ghosts & Spectres
- The Black Dog Podcast - Episode 250: Shove It Up Your Birdemiking Pumpkin Festival
- Gentlemen's Grindhouse Radio: Voices of the Damned Review and Barbie Wilde Interview
- Trekabout - Episode 160: Cardassians / Melora
- NUTS4R2 bespricht The Transporter Refuelled * Predestination * Doctor Who: The Magician's Apprentice * The Image * Exam
- Magical Horror: An evil house, attracts evil men von Beth
- Hypnotic Crescendos: The Demons Series von Rachael Nisbet
- Cinetropolis: Unsung Heroes: Karen Ballard, On-Set Photographer
- Cinetropolis: The Code Of The East: Seven Samurai
- Of Love and Other Demons: Cat People (Jaques Tourneur, 1942) von Justine A. Smith
- Tomb of the Trumps #08 - Devil Priest Pack Part VIII von Jim Moon
- Folklore on Friday: Even A Stopped Clock ... & A Forgotten Feast von Jim Moon
- Satanic Pandemonium: Crimes at the Dark House
- Open Culture: Young Orson Welles Directs “Voodoo Macbeth,” the First Shakespeare Production With An All-Black Cast: Footage from 1936
- Toronto Film Festival 2015 - Part 1: The physical and emotional toll that capitalist society takes von David Walsh
Freitag, 25. September 2015
"And from the spirit's page thy runes can never pass"*
Lovecraft perfected a mode of cosmic horror
storytelling. The genre did not begin with
Lovecraft, nor did it end with Lovecraft.
It is quite possible, and necessary,
that much of the cosmic horror
to be written will bear scant witness
to Lovecraft's vision.
Laird Barron**
H.P. Lovecraft, dessen 125. Geburtstag wir letzten Monat feiern konnten, gehört ohne Zweifel zu den einflussreichsten phantastischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Unzählige Künstlerinnen & Künstler der verschiedensten Professionen haben sich von seinem Werk inspirieren lassen, und sein Einfluss scheint in den letzten ein-zwei Jahrzehnten eher zu- als abgenommen zu haben.
Man halte daneben, was er 1927 in einem Brief an Clark Ashton Smith über seine New Yorker Erfahrungen geschrieben hat:
Gerade Lovecrafts wütender Hass auf New York und auf alles, wofür die Metropole am Hudson für ihn stand, scheint mir sehr deutlich dafür zu sprechen, dass das, wovor ihn sein Traditionalismus schützen sollte, nichts mit der "Unendlichkeit von Zeit & Raum" zu tun hatte, sondern vielmehr in den gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen des beginnenden 20. Jahrhunderts zu suchen ist. Wenn er sich isoliert, verloren und machtlos vorkam, so nicht, weil die Wissenschaft ihm gezeigt hatte, wie unbedeutend der Mensch im kosmischen Gesamtzusammenhang ist, sondern weil die Gesellschaft, in der er lebte, sich in eine Richtung entwickelte, die ihm zutiefst zuwider war und die er als äußerst bedrohlich empfand.
Bedeutet das automatisch, dass all jene Künstler & Künstlerinnen, die inspiriert von Lovecraft in ihren Werken eine vergleichbare "kosmische Sichtweise" zum Ausdruck bringen, von denselben reaktionären, antimodernen Überzeugungen und Empfindungen erfüllt sind wie es der Alte Gentleman war?
Sicher nicht, auch wenn ich denke, dass dem "Kosmizismus" als solchem stets etwas von Pessimismus und Fatalismus anhaftet. Doch letztenendes gibt es eben nicht den "Kosmizismus". Schon Lovecrafts "kosmische Sichtweise" war nicht vollkommen identisch mit der seines Freundes Clark Ashton Smith, gar nicht erst zu reden von anderen Schriftstellern wie z.B. Ambrose Bierce (in An Inhabitant of Carcosa), George Sterling (in Testimony of the Suns) oder Robert W. Chambers (in The King in Yellow). In gewisser Hinsicht ist das "kosmische Grauen" mehr Form als Inhalt, kann dem Ausdruck ganz unterschiedlicher Empfindungen und Sichtweisen dienen.
So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass sich die "lovecraftianische" Literatur der Gegenwart als äußerst bunt und vielgestaltig präsentiert. Jeder ihrer Vertreterinnen & Vertreter verdient es, individuell betrachtet und beurteilt zu werden. So problematisch das Erbe Lovecrafts in meinen Augen auch ist, es wäre grundfalsch, davon ausgehend irgendwelche allgemeinen Urteile über eine ganze "Strömung" innerhalb der "weird fiction" zu fällen. Als Beispiele mögen die folgenden acht Schriftsteller & Schriftstellerinnen dienen, die allesamt vom Werk des alten Gentleman beeinflusst wurden, und doch in vielem nicht unterschiedlicher sein könnten.
{PS: Die Stories wurden mehr oder weniger willkürlich ausgewählt. Sie repräsentieren weder das "beste" noch das "lovecraftianischste", was die acht geschrieben haben.}
* Clark Ashton Smith: To Howard Phillips Lovecraft.
** Vgl. hier & hier.
*** Fritz Leiber: A Literary Copernicus. In: Ben J.S. Szumskyj & S.T. Joshi (Hg.): Fritz Leiber and H.P. Lovecraft: Writers of the Dark. S. 282ff.
storytelling. The genre did not begin with
Lovecraft, nor did it end with Lovecraft.
It is quite possible, and necessary,
that much of the cosmic horror
to be written will bear scant witness
to Lovecraft's vision.
Laird Barron**
H.P. Lovecraft, dessen 125. Geburtstag wir letzten Monat feiern konnten, gehört ohne Zweifel zu den einflussreichsten phantastischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Unzählige Künstlerinnen & Künstler der verschiedensten Professionen haben sich von seinem Werk inspirieren lassen, und sein Einfluss scheint in den letzten ein-zwei Jahrzehnten eher zu- als abgenommen zu haben.
Wie all jenen, die meinem Blog schon seit längerem folgen, bekannt sein dürfte, habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu Lovecraft und seinem Oeuvre. Einerseits bin ich ein großer Verehrer des alten Gentleman und fühle mich ihm auf eigenartige Weise sehr verbunden, andererseits mache ich mir keine Illusionen über seine extrem reaktionäre Weltanschauung und bin überzeugt davon, dass diese einen sehr deutlichen Niederschlag in einem Großteil seines Werkes gefunden hat. Und damit meine ich in erster Linie gar nicht einmal seinen inzwischen recht häufig thematisierten Rassismus {so widerlich dieser natürlich auch ist}. Wie ich vor Zeiten hier und hier schon einmal etwas ausführlicher zu beschreiben versucht habe, reicht das Problem für mich sehr viel tiefer. Kurz gesagt, ich glaube, dass viele von Lovecrafts Erzählungen der Angst des Schriftstellers vor einem drohenden Zusammenbruch der Zivilisation Ausdruck verleihen, die – untergraben von den zerstörerischen Kräften der Moderne (Industrie, Kapitalismus, Demokratie, Sozialismus) – schließlich in einer Orgie von Anarchie und Gewalt untergehen werde.
Damit will ich nicht gesagt haben, dies sei in meinen Augen der einzige Inhalt von Lovecrafts literarischem Schaffen. Bei weitem nicht! Trotzdem dürfte es erklären, warum ich dem Einfluss des alten Gentlemans auf die phantastische Kunst nicht vorbehaltlos positiv gegenüberstehe.
Fritz Leiber, der 1936 – in Lovecrafts letztem Lebensjahr – mit dem alten Gentleman korrespondiert und ihm u.a. das Manuskript von Adept's Gambit – der ersten Fafhrd & The Gray Mouser - Story – zur kritischen Begutachtung geschickt hatte, nannte ihn einmal "the Copernicus of the horror story".*** Mit ihm habe sich der Fokus von den alten, einer religiösen Zeit entwachsenen Schrecken der Teufel, Dämonen und Geister zu den neuen, der wissenschaftlich-materialistischen Ära entsprechenden Schrecken der Unendlichkeit des Kosmos und dem damit verbundenen Gefühl der Bedeutungslosigkeit und Verlorenheit des Menschen verlagert.
Nun ist Lovecraft zwar weder der erste noch der einzige Verkünder des "kosmischen Grauens" gewesen {und er selbst hat das auch nie behauptet}, dennoch dürfte dieser Aspekt seines Werkes der wirkmächtigste gewesen sein. Wenn wir heute von "lovecraftianischer" Literatur sprechen, dann meinen wir damit in erster Linie keine HPL-Pastiches im Stile von August Derleth und seinen Nachfolgern. Vertreter dieser "Strömung" müssen ihre Geschichten nicht einmal mit den allseits bekannten Versatzstücken des Cthulhu-Mythos bevölkern. "Mythos"-Stories bilden bloß ein Segment der "lovecraftianischen" Literatur. Entscheidend ist vielmehr das Motiv des "Kosmischen".
In einem Brief aus dem Jahre 1927 schreibt Lovecraft:
Lovecraft war ein überzeugter Atheist und Materialist, der sich selbst in der Tradition der großen Aufklärer des 18. Jahrhunderts sah. Dementsprechend stellte er das "kosmische Grauen" als eine direkte Folge der wachsenden naturwissenschaftlichen Erkenntnis dar, die die alten mythischen und religiösen Illusionen über die Beschaffenheit des Kosmos und unsere Stellung in ihm zerstört habe.
Nun ist Lovecraft zwar weder der erste noch der einzige Verkünder des "kosmischen Grauens" gewesen {und er selbst hat das auch nie behauptet}, dennoch dürfte dieser Aspekt seines Werkes der wirkmächtigste gewesen sein. Wenn wir heute von "lovecraftianischer" Literatur sprechen, dann meinen wir damit in erster Linie keine HPL-Pastiches im Stile von August Derleth und seinen Nachfolgern. Vertreter dieser "Strömung" müssen ihre Geschichten nicht einmal mit den allseits bekannten Versatzstücken des Cthulhu-Mythos bevölkern. "Mythos"-Stories bilden bloß ein Segment der "lovecraftianischen" Literatur. Entscheidend ist vielmehr das Motiv des "Kosmischen".
In einem Brief aus dem Jahre 1927 schreibt Lovecraft:
Now all my tales are based on the fundamental premise that common
human laws and interests and emotions have no validity or
significance in the vast cosmos-at-large. To me there is nothing but
puerility in a tale in which the human form - and the local human
passions and conditions and standards - are depicted as native to
other worlds or other universes. To achieve the essence of real
externality, whether of time or space or dimension, one must forget
that such things as organic life, good and evil, love and hate, and
all such local attributes of a negligible and temporary race called
mankind, have any existence at all. Only the human scenes and characters must have human qualities. These must be
handled with unsparing realism, (not catch-penny romanticism) but
when we cross the line to the boundless and hideous unknown - the
shadow-haunted Outside - we must remember to leave our humanity and
terrestrialism at the threshold. ****
Das "kosmische Grauen" entsteht aus der Konfrontation des Menschen mit einem unüberschaubaren und "unmenschlichen" Kosmos, aus der Realisation seiner eigenen Bedeutungslosigkeit im Gesamtzusammenhang eines sinn- und seelenlosen Universums, das von unveränderlichen
Gesetzen beherrscht wird, die nicht das Geringste mit seinen eigenen Wünschen,
Bedürfnissen und Moralvorstellungen zu tun haben.
Lovecraft war ein überzeugter Atheist und Materialist, der sich selbst in der Tradition der großen Aufklärer des 18. Jahrhunderts sah. Dementsprechend stellte er das "kosmische Grauen" als eine direkte Folge der wachsenden naturwissenschaftlichen Erkenntnis dar, die die alten mythischen und religiösen Illusionen über die Beschaffenheit des Kosmos und unsere Stellung in ihm zerstört habe.
Viele von denen, die über Lovecraft und sein Werk schreiben, scheinen diese Erklärung unreflektiert zu übernehmen. So schreibt z.B. Jason Colavito in seinem Essay Atheim's Mythographer, der Cthulhu-Mythos "strike close to the
post-modern crisis of man’s place in a materialist universe where
pure reason concludes that the gods of religion seem to have
abandoned man to the wrath of science.“
Ich halte diese Interpretation aus mehreren Gründen für fragwürdig.
Zuerst einmal finde ich es keineswegs selbstverständlich, dass die gewaltige Größe und Komplexität des Universums Gefühle von Furcht und Verzweifelung in uns hervorrufen sollen.
In The Whisperer in Darkness begegnet Erzähler Albert Wilmarth dem Vertreter einer
außerirdischen Intelligenz, der ihm u.a. offenbart, dass das uns
Menschen bekannte Raum-Zeit-Kontinuum keineswegs die gesamte
Wirklichkeit ausmacht, sondern lediglich ein winziges Element in
einer viel größeren, aus unzähligen Paralleluniversen aufgebauten
Realität ist. Wilmarths Reaktion auf den Bericht seines
Gesprächspartners, den er zu diesem Zeitpunkt noch für einen
menschlichen Verbündeten der Außerirdischen hält, fällt
merkwürdig hysterisch aus:
Of the extent of the cosmic horrors unfolded by that raucous voice
I cannot even hint. He had known hideous things before, but what he
had learned since making his pact with the Outside Things was almost
too much for sanity to bear. Even now I absolutely refused to believe
what he implied about the constitution of ultimate infinity, the
juxtaposition of dimensions, and the frightful position of our known
cosmos of space and time in the unending chain of linked cosmos-atoms
which makes up the immediate super-cosmos of curves, angles, and
material and semi-material electronic organisation.
Mir erscheint das Grauen hier nicht recht nachvollziehbar. Warum sollte die bloße
Tatsache, dass die Wirklichkeit viel größer ist, als wir Menschen
es uns bisher vorgestellt haben, solch panische Angst hervorrufen?
Wilmarth ist Wissenschaftler. Wären da nicht eher Neugier und
Faszination die zu erwartenden Reaktionen?
Lovecraft bezieht sich in seinen Briefen und Schriften sehr gerne auf die großen Umwälzungen in der Physik, die wir mit den Namen Planck, Einstein, Heisenberg verbinden. Doch gerade Albert
Einstein, der wie kaum ein anderer Mensch des letzten Jahrhunderts
die Grenzen unseres Verständnisses der Natur erweitert hat, schrieb
über seine Sicht des Kosmos: „The
Wonder of nature does not become smaller because one cannot measure
it by the standards of human moral and human aims.“ ***** Wie Lovecraft lehnte auch
er es ab, eine Zielgerichtetheit in die Natur hineinzuinterpretieren – sie zu "anthropomorphisieren", wie er das nannte. Doch wie
anders war seine emotionelle Reaktion! Keine Spur von "kosmischem
Grauen". Die gewaltige, alles menschliche Maß übersteigende
Weite und Komplexität des Universums war für ihn Anlass zur
Begeisterung und Objekt ästhetischen Genusses. Gleichzeitig zeigte
er sich immer wieder aufs Neue fasziniert von der Fähigkeit des
Menschen, die Gesetzmäßigkeiten zu ergünden, denen die Natur
unterworfen ist.
Ehrlich gesagt bin ich mir nicht einmal sicher, ob es das "kosmische Grauen" als echte Empfindung überhaupt gibt oder geben kann. Wenn man es genau betrachtet, können wir Menschen auf einer rein emotionalen, unterbewussten Ebene die überwältigende Größe des Kosmos überhaupt realisieren? G.K. Chesterton schreibt in seinem Essay A Defence of Planets: "It would be an interesting speculation to imagine whether the world will
ever develop a Copernican poetry and a Copernican habit of fancy;
whether we shall ever speak of 'early earth-turn' instead of 'early
sunrise,' and speak indifferently of looking up at the daisies, or
looking down on the stars." Ein interessanter Gedanke. In der Tat haben wir in unserem alltäglichem Empfinden bisher noch nicht einmal die Erkenntnisse eines Kopernikus oder Newton wirklich assimiliert, um wieviel weniger erst die eines Einstein, Heisenberg oder Hubble. Unser intellektuelles Verständnis der Natur ist unserer emotionalen Beziehung zu ihr um Lichtjahre voraus. Was nicht verwunderlich ist, scheint die Realität, wie sie von der modernen Naturwissenschaft beschrieben wird, doch im Gegensatz zu unseren unmittelbaren Alltagserfahrungen zu stehen. Schließlich sehen wir morgens die Sonne über dem Horizont aufsteigen, auch wenn wir wissen, dass es sich dabei in Wirklichkeit um eine Folge der Erdrotation handelt.
Doch wenn das Gefühl von Verlorenheit und Nichtigkeit, das den eigentlichen Inhalt des "kosmischen Grauens" ausmacht, in Wirklichkeit überhaupt nichts mit der Natur des Universums und der Stellung der Menschheit in ihm zu tun hat, worin liegen dann seine Wurzeln?
Ich denke, das menschliche Selbstbewusstsein und "Weltempfinden" wird sehr viel weniger durch die abstrakte Beziehung der Menschheit zum Kosmos als vielmehr durch die sehr konkreten Beziehungen der Menschen untereinander geprägt. Der Umstand, dass die
Natur sich nicht für unsere Empfindungen und Gedanken interessiert,
die Menschheit im kosmischen Gesamtzusammenhang nur eine verschwind
kleine Rolle spielt und das Universum nicht nach unseren Bedürfnissen
von einem freundlichen Schöpfergott eingerichtet wurde, ist
keineswegs Grund genug, um in Verzweifelung zu verfallen. Wie
Menschen diese Tatsachen aufnehmen, hängt in hohem Maße davon ab,
unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen sie leben.
Besonders interessant finde ich es deshalb auch, dass Lovecraft selbst seine "kosmische Sicht" immer wieder mit seinen politischen Überzeugungen, seinem unerschütterlichen Festhalten an überkommenen sozialen und kulturellen Wertvorstellungen verknüpft hat:
Now what gives one person or race or age relative painlessness &
contentment often disagrees sharply on the psychological side from
what gives these same boons to another person or race or age.
Therefore ‘good’ is a relative & variable quality, depending
on ancestry, chronology, geography, nationality, & individual
temperament. Amidst this variability there is only one anchor of
fixity which we can seize upon as the working pseudo-standard of
‘values’ which we need in order to feel settled & contented –
& that anchor is tradition, the potent emotional legacy
bequeathed to us by the massed experience of our ancestors,
individual or national, biological or cultural. Tradition means
nothing cosmically, but it means everything locally &
pragmatically because we have nothing else to shield us from a
devastating sense of ‘lostness’ in endless time & space. ******
Man halte daneben, was er 1927 in einem Brief an Clark Ashton Smith über seine New Yorker Erfahrungen geschrieben hat:
New York is too far removed from the main stream of any one
civilisation to be the home of any genuine art. It is a hybrid place,
with garishness & squalor in monotonous alternation. Such places
- like all cosmopolitanism - may breed the critical spirit, but never
art. Art grows out of solitude & communion with one's own past &
background, & at bottom is exceedingly nativistic &
nationalistic. One's dream-country, be it in Cocaigne or on Canopus,
is always a vague projection & etherealisation of one's own
childhood land; & the farther one's life gets from these
authentic sources, the weaker his art will become. New York belongs
to no well-defined fabric & has no place in anyone's hereditary
or continuous life - wherefore it is a nursery of pose & pretence
rather than of depth & sincerity in art. It is delightful to
visit on account of its faery pinnacles & wealth of museums &
the like - but as a place for a white man to live it simply doesn't
exist. The old New York is dead - this one is only a kennel of
feverish mongrels ... *******
Gerade Lovecrafts wütender Hass auf New York und auf alles, wofür die Metropole am Hudson für ihn stand, scheint mir sehr deutlich dafür zu sprechen, dass das, wovor ihn sein Traditionalismus schützen sollte, nichts mit der "Unendlichkeit von Zeit & Raum" zu tun hatte, sondern vielmehr in den gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen des beginnenden 20. Jahrhunderts zu suchen ist. Wenn er sich isoliert, verloren und machtlos vorkam, so nicht, weil die Wissenschaft ihm gezeigt hatte, wie unbedeutend der Mensch im kosmischen Gesamtzusammenhang ist, sondern weil die Gesellschaft, in der er lebte, sich in eine Richtung entwickelte, die ihm zutiefst zuwider war und die er als äußerst bedrohlich empfand.
Das Gefühl der
kosmischen Verlorenheit ist alles andere als neu. So hatte schon im 17.
Jahrhundert Blaise Pascal angesichts der Grenzenlosigkeit des
Alls ausgerufen: „Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume
macht mich schaudern.“ Ohne die kopernikanische Wende wäre
dieser Ausspruch zwar nicht denkbar gewesen, doch Pascals
Empfindungen hatten mehr mit dem Zerfall der alten Feudalordnung als
mit dem Untergang des ptolomäischen Weltbildes zu tun. Der Philosoph
sah sich von einer Welt umgeben, in der die aus den ständischen und
korporativen Bindungen des Mittelalters gelösten Individuen
scheinbar in ständigem Konkurrenzkampf zueinander standen: „Alle
Menschen hassen sich von Natur untereinander.“- Hobbes’ "homo
homini lupus". Angesichts dieser Realität konnte er nicht länger
an eine gottgegebene sittliche und vernüftige Weltordnung glauben.
Das damit verbundene Gefühl der Isolation übertrug er auf seine
Sicht des Kosmos.******** Bei Lovecraft verhielt sich das ganz ähnlich.
Bedeutet das automatisch, dass all jene Künstler & Künstlerinnen, die inspiriert von Lovecraft in ihren Werken eine vergleichbare "kosmische Sichtweise" zum Ausdruck bringen, von denselben reaktionären, antimodernen Überzeugungen und Empfindungen erfüllt sind wie es der Alte Gentleman war?
Sicher nicht, auch wenn ich denke, dass dem "Kosmizismus" als solchem stets etwas von Pessimismus und Fatalismus anhaftet. Doch letztenendes gibt es eben nicht den "Kosmizismus". Schon Lovecrafts "kosmische Sichtweise" war nicht vollkommen identisch mit der seines Freundes Clark Ashton Smith, gar nicht erst zu reden von anderen Schriftstellern wie z.B. Ambrose Bierce (in An Inhabitant of Carcosa), George Sterling (in Testimony of the Suns) oder Robert W. Chambers (in The King in Yellow). In gewisser Hinsicht ist das "kosmische Grauen" mehr Form als Inhalt, kann dem Ausdruck ganz unterschiedlicher Empfindungen und Sichtweisen dienen.
So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass sich die "lovecraftianische" Literatur der Gegenwart als äußerst bunt und vielgestaltig präsentiert. Jeder ihrer Vertreterinnen & Vertreter verdient es, individuell betrachtet und beurteilt zu werden. So problematisch das Erbe Lovecrafts in meinen Augen auch ist, es wäre grundfalsch, davon ausgehend irgendwelche allgemeinen Urteile über eine ganze "Strömung" innerhalb der "weird fiction" zu fällen. Als Beispiele mögen die folgenden acht Schriftsteller & Schriftstellerinnen dienen, die allesamt vom Werk des alten Gentleman beeinflusst wurden, und doch in vielem nicht unterschiedlicher sein könnten.
- Molly Tanzer: The Thing on the Cheerleading Squad
- Laird Barron: Shiva, Open Your Eye
- Livia Llewellyn: Jetsam
- Joseph S. Pulver: A Meeting on the Trail to Hot Iron
- Silvia Moreno-Garcia: In the House of the Humming Birds
- Pete Rawlik: The Arkham Terror
- Caitlín R. Kiernan: A Season of Broken Dolls
- W. H. Pugmire: Descent Into Shadow and Light * O, Lad of Memory and Shadow * Unearthly Awakening * In Phantom Isolation * Elder Instincts
{PS: Die Stories wurden mehr oder weniger willkürlich ausgewählt. Sie repräsentieren weder das "beste" noch das "lovecraftianischste", was die acht geschrieben haben.}
* Clark Ashton Smith: To Howard Phillips Lovecraft.
** Vgl. hier & hier.
*** Fritz Leiber: A Literary Copernicus. In: Ben J.S. Szumskyj & S.T. Joshi (Hg.): Fritz Leiber and H.P. Lovecraft: Writers of the Dark. S. 282ff.
**** H. P. Lovecraft: Selected Letters. Bd.
II. S. 150.
***** Brief vom 7. August 1941. Einstein Archive,
reel 54-927.
****** H. P. Lovecraft: Selected
Letters. Bd. II. S. 356f.
******* Brief an Clark Ashton Smith vom
18. 2. 1927. Cocaigne/Cocagne ist das Schlaraffenland der
mittelalterlichen französischen und englischen Literatur. In Smiths
Prosagedicht In Cocaigne erscheint es als das ersehnte Utopia.
Canopus - nach Sirius der zweithellste Stern am Nachthimmel - steht
hier offensichtlich für die "kosmischen Weiten".
******** Blaise Pascal: Gedanken. Eine Auswahl.
S. 41, 55.
Freitag, 18. September 2015
"Cry, haul! Aye! A-diddle-aye-dee!"
Heute ist "Talk Like A Pirate Day", und könnte man das auf bessere Weise feiern als mit der Ballad of Matelotage and Mutiny des unvergleichlichen Hal Duncan?
Den Text findet man hier.
Die "Matelotage" – eine offiziell anerkannte Art gleichgeschlechtlicher Ehe – hat es unter den Freibeutern übrigens wirklich gegeben. Ganz
allgemein war die Bruderschaft unter dem Jolly Roger eine in vielerlei
Hinsicht erstaunlich demokratische und soziale Gemeinschaft, wie man hier und hier nachlesen kann.
Arrr!
Mittwoch, 16. September 2015
Wenn's nicht Star Trek wäre ...
Nächstes Jahr werden wir den 50. Geburtstag von Star Trek feiern können, doch nach wie vor spricht – abgesehen von einigen äußerst vagen Gerüchten – nichts dafür, dass wir zehn Jahre nach dem Ende von Enterprise endlich eine neue Trek - Serie bekommen könnten. Sicher, die von J.J. Abrams losgetretene Kino-Reinkarnation von Kirk, Spock & Co wird weiter fortgesetzt werden, doch für mich ist das kein Trost – zum einen, weil diese Spektakel in meinen Augen nur wenig mit dem zu tun haben, was ich mir unter Star Trek vorstelle, zum anderen, weil die wirkliche Heimat von Trek immer das Fernsehen gewesen ist. Schon The Next Generation funktionierte nicht wirklich im Kino.
Aber neben dem offiziellen Star Trek gibt es ja auch noch das wild wuchernde Universum der Fan-Filme und -Serien, in das ich bislang allerdings nur einige wenige kurze Abstecher unternommen habe, die mich nicht begeistert zurückgelassen haben. Als ich vor einigen Tagen im Netz mitkriegte, dass der schon seit langem angekündigte fan-finanzierte und von Tim "Tuvok" Russ gedrehte Streifen Star Trek: Renegades, in dem neben Russ selbst u.a. Walter Koenig und Robert Picardo mitspielen, tatsächlich fertiggestellt und auf Youtube zu sehen ist, war meine Neugier dennoch geweckt. Wie ich vor Zeiten hier schon einmal dargelegt habe, schien mir die Idee, das Trekuniversum in die Gefilde von "grim & gritty" steuern zu wollen, zwar von Anfang an extrem fehlgeleitet, doch gerade deshalb reizte es mich, mir den Film anzuschauen. Würde er meine Befürchtungen bestätigen oder sollte mich eine angenehme Überraschung erwarten?
Es ist gar nicht so einfach, eine eindeutige Antwort auf diese Frage zu geben. Star Trek: Renegades ist ein äußerst uneinheitlicher und widersprüchlicher Film. Das fängt bereits bei der Qualität an.
Einige Szenen sind hübsch anzusehen und recht kompetent gefilmt, andere stürzen beinah bis auf das Niveau des Vorgängers Of Gods and Men ab. Manche der Schauspielerinnen und Schauspieler sind sichtlich bemüht, das Beste aus dem mageren Material herauszuholen, das ihnen zur Verfügung stand, andere liefern eine geradezu erbarmungswürdige Leistung ab. Ich denke da vor allem an Crystal Conway, die Chekovs Ur-Enkelin (?) spielt. Die Chekov-Szenen gehören ohnehin zu den schwächsten des Filmes, doch jedesmal, wenn sie auftauchte, konnte ich ein irritiertes Stöhnen nicht unterdrücken. Das Drehbuch von Ethan H. Calk und Sky Douglas Conway, die bereits für Of Gods and Men verantwortlich zeichneten, ist mehr oder weniger desaströs. Besonders unangenehm fallen einige äußerst ungelenk eingeflochtene Infodump-Monologe sowie mehrere nachgerade peinliche Fanservice-Szenen auf. Das gilt insbesondere für den gänzlich unmotivierten Auftritt von Robert Picardo als holographischer Version von Dr. Zimmerman. Ach ja, und der Plot selbst ist absoluter Nonsense.
Doch halt! Hier beginnen die Widersprüche. Die Story von Renegades ist ohne Zweifel hanebüchen, aber auf verwirrende Weise könnte man das sowohl zu den Schwächen als auch zu den Stärken des Filmes zählen. Versuchen wir sie kurz zusammenzufassen:
Zehn Jahre nach der Rückkehr der U.S.S. Voyager in den Alpha-Quadranten erwächst der Föderation urplötzlich eine neue tödliche Bedrohung. Ein brutales Kriegervolk mit hübschen Monstermasken hat sich daran gemacht, ganze Planeten aus dem Raum-Zeit-Kontinuum zu kicken. Vorzugsweise die Planeten, auf denen die Föderation Delithium-Kristalle abbaut. Eigenartigerweise halten weder die politische Führung noch die Chefetage von Starfleet diese rüde Verhalten für einen kriegerischen Akt. Kein Wunder eigentlich, dass Pavel Chekov (Walter Koenig), mit hundertvierzig Jahren inzwischen Admiral und Chef der Föderations-Sicherheit, eine Verschwörung wittert. Mit Hilfe seines Kollegen Tuvok (Tim Russ) heuert er deshalb im "Dirty Dozen" - Stil einen Trupp von Misfits und Outlaws unter der Führung von Khan Noonien Singhs Tochter Lexxa (Adrienne Wilkinson) an, die den Chef der Monstermasken heimlich, still und leise eleminieren soll. Kein so einfaches Unterfangen, zumal Lexxa und ihre Crew gleichzeitig von dem übereifrigen, aber nicht sonderlich kompetenten Starfleet-Captain Alvarez (Corin Nemec) gejagt werden.
Man wird am meisten Spaß mit Renegades haben, wenn man den Film als ein trashiges Pulp-Abenteuer betrachtet, und für ein solches ist der wirre Plot durchaus angemessen. Auch unsere Heldinnen und Helden passen am Besten in einen solchen Kontext. Ich habe eine große Schwäche für Weltraumpiraten und andere Underdogs in Outer Space. Und auch wenn Lexxa und ihre Crew – bestehend aus Gary Graham (Robotjox & Alien Nation), Dr. Lucien aka Sean Young (Blade Runner & Dune), Voyager-Ex-Borg Icheb (Manu Intiraymi), einer Betazoidin mit besonders aggressiven PSI-Kräften (Chasty Ballesteros), einem mies gelaunten Bajoraner (Kevin Fry), einem Breen, einem Cardassianer und Techno-Genie Fixer (Edward Furlong [Terminator 2]) – in dieser Hinsicht ganz sicher nicht zur ersten Garde gehören, entwickeln sie im Laufe der Handlung doch einen gewissen Charme. Als Charaktere freilich bleiben sie ausnahmslos völlig unterentwickelt. Die wenigen Bröckchen "Hintergrund", die man für einige wenige von ihnen zwischendurch aufgetischt bekommt, eröffnen keinen echten Einblick in ihre Persönlichkeiten oder ihre Motivationen. Das gilt auch für die eher verwirrenden Flashback-Szenen mit Lexxa und ihrer Mutter. Doch als archetypisches "Kollektiv der Underdogs" funktioniert der Trupp am Ende ganz gut, und das reicht, um ihm meine Sympathien zu sichern.
Freilich stellen sich einer solchen Herangehensweise an den Film neben den zahlreichen formalen Schwächen zwei Hindernisse in denWeg.
Zuerst einmal ist es ziemlich offensichtlich, dass die Macher von Renegades nicht die Absicht hatten, amüsant-absurden SciFi-Schlock zu drehen. Sie verfolgten das Ziel, eine "zeitgemäße", und das bedeutete in ihren Augen grimmig-düster-pseudorealistische, Variante von Star Trek zu kreieren. Dass dabei ein halbwegs unterhaltsames Pulp-Abenteuer herausgekommen ist, verdanken wir ausschließlich der mangelnden Kompetenz der Drehbuchschreiber.
Ihr Script besteht aus einer Aneinanderreihung von Szenen, die sich nicht zu einem organischen Ganzen zusammenfügen. Wie alles übrige ist darum auch das "grimmig-düstere" Element nichts, was der Handlung selbst eigen wäre, durch sie erzählerisch entwickelt würde. Vielmehr lässt es sich auf eine Handvoll von Szenen reduzieren, die ganz offensichtlich geschrieben wurden, um der Story einen entsprechenden Touch zu verleihen. So etwa, wenn Chekovs Enkelin die Hand abgeschnitten werden muss, weil die bösen Verschwörer ihr heimlich einen Miniatursprengsatz in selbige injiziert haben, um damit den guten Pawel ins Jenseits zu befördern.
Die Ungeschicklichkeit, mit der Calk & Conway zu Werke gegangen sind, macht es nicht nur sehr leicht, diese Szenen zu identifizieren, es raubt ihnen auch die Fähigkeit, die Story als Ganzes entsprechend einzufärben. Was ein großes Glück ist. Nicht nur wird uns damit die Möglichkeit eröffnet, den Film als trashigen Spaceadventure - Spaß statt als Grimdark - Star Trek zu goutieren, als Bonus erhalten wir außerdem die Gelegenheit, uns über die Tumbheit des Drehbuchs zu amüsieren. Es ist fazinierend, wenn man miterleben kann, wie ein Film dank der Inkompetenz seiner Macher zu etwas besserem (oder zumindest unterhaltsamerem) geworden ist, als das, was selbige geplant, aber nicht umzusetzen verstanden hatten.
Eine der Ideen, die das Renegades-Team hatte, war, dass es unter den Protagonisten heftige Konflikte geben sollte. Wie sie selbst es ausgedrückt haben, sollten ihre Helden & Heldinnen ständig gegen den Wunsch ankämpfen müssen, sich gegenseitig abzumurksen. Seine Umsetzung hat diese Idee in der Beziehung zwischen dem bajoranischen und dem cardassianischen Crewmitglied gefudnen. Dass ich sie nicht beim Namen nenne, ist kein Zufall. Keiner der beiden ist ein auch nur ansatzweise entwickelter Charakter, vielmehr bleiben sie gänzlich reduziert auf ihre ethnische Zugehörigkeit. Der Konflikt zwischen ihnen hat deshalb auch nichts mit ihnen persönlich zu tun. Mr. Bajor hasst Mr. Cardassia, weil dessen Volk sein Volk unterdrückt hat. Das Motiv wird nicht weiter ausgeführt {wie könnte es das auch, bleiben die beiden Charaktere doch bloße Schablonen}, und dreißig Minuten später sind beide tot!
Offenbar wollten Calk & Conway da zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Es sollte einen potentiell mörderischen Konflikt in der Gruppe geben, aber die Drehbuchschreiber wussten nicht, wie sie einen solchen glaubwürdig entwickeln sollten. Also fielen sie auf das Klischee der rassischen Resentiments zurück. Zugleich schien es ihnen wichtig, einige der Crewmitglieder sterben zu lassen, denn das Ganze sollte ja "grim & gritty" sein. Und da sie mit dem Konflikt zwischen Mr. Bajor & Mr. Cardassia über seine bloße Existenz hinaus nicht wirklich etwas anzufangen wussten, wählten sie diese beiden als Opfer aus.
Für uns Zuschauer & Zuschauerinnen hat das den Vorteil, dass das Motiv des mörderischen Konfliktes zeitig aus dem Weg geräumt wird und wir das zu sehen bekommen, was wir von einer Story dieses Typs erwarten: Wie sich unsere Misfits angesichts einer gewaltigen Übermacht schließlich zusammenraffen und gemeinsam obsiegen. Denn mal ehrlich: Streitereien unter den Underdog-Helden sind schön und gut – siehe Blake's 7 oder Farscape –, aber regelrechte Mordgelüste? Nein Danke! Am Ende sollte es in Geschichten dieser Art doch um Kameradschaft und Solidarität, um das Überwinden von Feindseligkeiten und Voruteilen gehen.
Den meisten "grim & gritty" - Szenen {und nicht nur denen} fehlt der größere Kontext, um wirklich funktionieren zu können. Ist Mr. Bajor in einem Flüchtlingslager aufgewachsen? Hat er miterleben müssen, wie Freunde oder Familienangehörige von den cardassianischen Besatzern misshandelt oder ermordet wurden? Ein noch so kleines Bröckchen Hintergrundinformation hätte geholfen, seinen Hass auf alle Cardassianer authetischer wirken zu lassen.
Bei einer anderen "grim & gritty" - Szene führt dieser fehlende Kontext dann allerdings zu einem potentiell äußerst unangenehmen, auf jedenfall aber irritierenden Eindruck. Wenn die Figur der Shree (Courtney Peldon) – einer andorianischen Hackerin, die für Chekov arbeitet – eingeführt wird, bekommen wir etwas zu sehen, was entweder eine lesbische Gedankenvergewaltigung oder Teil eines in gegenseitigem Einverständnis stattfindenden sadomasochistischen Sexspiels sein könnte. Uns fehlt ganz einfach die nötige Information, um entscheiden zu können, um was es sich handelt. Ganz offensichtlich wurde auch diese Szene nur geschrieben, um der Story und der Figur einen "dunklen" Touch zu verleihen. Doch die Vorstellung, eine unserer Heldinnen (am Ende wird Shree in die Renegades - Crew aufgenommen) könnte eine Serienvergewaltigerin sein, ist weniger "dunkel" als vielmehr ungeheuer geschmacklos.
Das zweite und größte Problem, das ich mit Renegades habe, ist, dass der Flick ganz einfach kein Star Trek - Film ist. Er sieht nicht aus wie Trek. Er fühlt sich nicht an wie Trek. Er ist kein Trek.
Selbst wenn es einem gelingt, das Ganze als amüsanten SciFi-Trash zu genießen, hilft das in dieser Hinsicht nur wenig. Die Bösewichter mögen nicht wirklich pulpiger erscheinen als die Son'a aus Insurrection oder die Remaner aus Nemesis, aber es ist kein gutes Zeichen, wenn man zur Legitimation den traurigen Endspurt der allgemein eher traurigen TNG-Filme heranziehen muss. Und ja, natürlich besaß die Original Series einen ordentlichen Anteil Schlock {ich denke da z.B. an Spock's Brain}, aber das war nie, was Star Trek eigentlich ausmachte, selbst zu Zeiten von Kirk, Spock und McCoy nicht. Für mich zumindest ist Trek vor allem eine bestimmte Geisteshaltung und Weltsicht. Wie ich vor anderthalb Jahren hier schon einmal geschrieben habe: "Star Trek hätte in meinen Augen nur dann eine Zukunft, wenn das Franchise einerseits zum humanistischen Optimismus seiner Ursprünge zurückkehren und andererseits die Lehren aus TNG und DS9 ziehen und seine utopische Vision einer besseren Zukunft realistischer, komplexer, kritischer und lebendiger gestalten würde, als dies in der Ära Gene Roddenberrys möglich gewesen war." Genau das jedoch tut Renegades nicht.
Auch wenn der "düster-grimmige" Ton sich als weniger penetrant herausgestellt hat, als ich befürchtet hatte, reicht er doch aus, um den Film als legitimen Beitrag zum Trek-Universum zu disqualifizieren. Das gilt insbesondere für die Darstellung der Föderation.
Die Föderation von Renegades ist nicht die Föderation von Star Trek. Das zeigt sich bereits an so kleinen Details wie dem Umstand, dass Shree, als Chekov sie beauftragt, sich in das Sicherheitssystem von Starfleet einzuhacken, eine "doppelte Bezahlung" verlangt. Spätestens in TNG wurde die Föderation als eine quasi-sozialistische Post Scarcity - Gesellschaft etabliert. Welche Art von Bezahlung könnte Shree, die offenbar auf der Erde lebt, verlangen? Oder man schaue sich Dr. Luciens Hintergrundsgeschichte an. Offenbar erwies sich ein Experiment der Wissenschaftlerin als ein katastrophaler Fehlschlag, wobei ihr Assistent ums Leben kam. Daraufhin wurde sie von der wissenschaftlichen Gemeinschaft ausgestoßen und zum Pariah erklärt. Die Trek-Föderation ist keine Gesellschaft, die jemanden für einen Fehler, so schlimm die Konsequenzen auch gewesen sein mögen, auf diese Weise bestrafen würde. Es passt einfach nicht zu ihrem Ethos. Renegades ist sichtlich bemüht, die Föderation in einem möglichst negativen Licht erscheinen zu lassen. Ein korrupter bürokratischer Apparat voller Karrieristen, Opportunisten und Intriganten.
Und unsere Starfleet-Helden Chekov und Tuvok? Bei denen sieht es aus ganz anderen Gründen auch nicht viel besser aus. Von allen Trek - Serien entfernte sich Deep Space 9 am weitesten von Roddenberrys ursprünglicher Vision. {Mit zwiespältigen Resultaten, wie ich meine.} Doch als DS9 "Section 31" einführte, wurden der Geheimdienst und seine skrupellosen Mitglieder immer noch als etwas dargestellt, was im Grunde gegen die Prinzipien der Föderation verstößt. Renegades macht die Methoden von "Section 31" nicht nur akzeptabel, der Film stellt sie in einem positiven Licht dar, verglichen mit dem feigen Verhalten der Politiker und Diplomaten, die sich hinter der "Prime Directive" verstecken. Dass Renegades die Ermordung des Führers eines anderen Volkes, initiiert von irgendwelchen Geheimdienstleuten, die hinter dem Rücken des Parlamentes ("Federation Council") agieren, als etwas positives darstellt, wirkt angesichts der Tatsache, dass immer mehr westliche Regierungen (USA, Frankreich, Großbritannien) "gezielte Tötungen" zur offiziellen Politik erklärt haben, besonders unangenehm. Doch selbst wenn man diesen realen politischen Hintergrund einmal außen vorlässt: Das ist nicht meine Föderation! Das ist nicht mein Star Trek!
Was bleibt am Ende zu sagen? Die Chancen, dass CBS aus Renegades eine reguläre Star Trek - Serie macht, dürften ähnlich hoch sein, wie dass der Sender Michael Dorns inzwischen nicht mehr gar so neue Idee einer Captain Worf - Serie aufgreift. Was mich beruhigt. Stattdessen werden wir wohl noch mindestens zwei Web-Episoden von Renegades präsentiert bekommen. Was mich nicht weiter stört. Ich werde sie mir vermutlich sogar anschauen, wenn sie irgendwann tatsächlich auftauchen sollten. Schließlich mag ich absurden SciFi-Schlock. Es wäre halt bloß besser gewesen, wenn Tim Russ & Co nicht versucht hätten, ihre neckischen Abenteuergeschichten im Star Trek - Universum anzusiedeln.
Einige Szenen sind hübsch anzusehen und recht kompetent gefilmt, andere stürzen beinah bis auf das Niveau des Vorgängers Of Gods and Men ab. Manche der Schauspielerinnen und Schauspieler sind sichtlich bemüht, das Beste aus dem mageren Material herauszuholen, das ihnen zur Verfügung stand, andere liefern eine geradezu erbarmungswürdige Leistung ab. Ich denke da vor allem an Crystal Conway, die Chekovs Ur-Enkelin (?) spielt. Die Chekov-Szenen gehören ohnehin zu den schwächsten des Filmes, doch jedesmal, wenn sie auftauchte, konnte ich ein irritiertes Stöhnen nicht unterdrücken. Das Drehbuch von Ethan H. Calk und Sky Douglas Conway, die bereits für Of Gods and Men verantwortlich zeichneten, ist mehr oder weniger desaströs. Besonders unangenehm fallen einige äußerst ungelenk eingeflochtene Infodump-Monologe sowie mehrere nachgerade peinliche Fanservice-Szenen auf. Das gilt insbesondere für den gänzlich unmotivierten Auftritt von Robert Picardo als holographischer Version von Dr. Zimmerman. Ach ja, und der Plot selbst ist absoluter Nonsense.
Doch halt! Hier beginnen die Widersprüche. Die Story von Renegades ist ohne Zweifel hanebüchen, aber auf verwirrende Weise könnte man das sowohl zu den Schwächen als auch zu den Stärken des Filmes zählen. Versuchen wir sie kurz zusammenzufassen:
Zehn Jahre nach der Rückkehr der U.S.S. Voyager in den Alpha-Quadranten erwächst der Föderation urplötzlich eine neue tödliche Bedrohung. Ein brutales Kriegervolk mit hübschen Monstermasken hat sich daran gemacht, ganze Planeten aus dem Raum-Zeit-Kontinuum zu kicken. Vorzugsweise die Planeten, auf denen die Föderation Delithium-Kristalle abbaut. Eigenartigerweise halten weder die politische Führung noch die Chefetage von Starfleet diese rüde Verhalten für einen kriegerischen Akt. Kein Wunder eigentlich, dass Pavel Chekov (Walter Koenig), mit hundertvierzig Jahren inzwischen Admiral und Chef der Föderations-Sicherheit, eine Verschwörung wittert. Mit Hilfe seines Kollegen Tuvok (Tim Russ) heuert er deshalb im "Dirty Dozen" - Stil einen Trupp von Misfits und Outlaws unter der Führung von Khan Noonien Singhs Tochter Lexxa (Adrienne Wilkinson) an, die den Chef der Monstermasken heimlich, still und leise eleminieren soll. Kein so einfaches Unterfangen, zumal Lexxa und ihre Crew gleichzeitig von dem übereifrigen, aber nicht sonderlich kompetenten Starfleet-Captain Alvarez (Corin Nemec) gejagt werden.
Man wird am meisten Spaß mit Renegades haben, wenn man den Film als ein trashiges Pulp-Abenteuer betrachtet, und für ein solches ist der wirre Plot durchaus angemessen. Auch unsere Heldinnen und Helden passen am Besten in einen solchen Kontext. Ich habe eine große Schwäche für Weltraumpiraten und andere Underdogs in Outer Space. Und auch wenn Lexxa und ihre Crew – bestehend aus Gary Graham (Robotjox & Alien Nation), Dr. Lucien aka Sean Young (Blade Runner & Dune), Voyager-Ex-Borg Icheb (Manu Intiraymi), einer Betazoidin mit besonders aggressiven PSI-Kräften (Chasty Ballesteros), einem mies gelaunten Bajoraner (Kevin Fry), einem Breen, einem Cardassianer und Techno-Genie Fixer (Edward Furlong [Terminator 2]) – in dieser Hinsicht ganz sicher nicht zur ersten Garde gehören, entwickeln sie im Laufe der Handlung doch einen gewissen Charme. Als Charaktere freilich bleiben sie ausnahmslos völlig unterentwickelt. Die wenigen Bröckchen "Hintergrund", die man für einige wenige von ihnen zwischendurch aufgetischt bekommt, eröffnen keinen echten Einblick in ihre Persönlichkeiten oder ihre Motivationen. Das gilt auch für die eher verwirrenden Flashback-Szenen mit Lexxa und ihrer Mutter. Doch als archetypisches "Kollektiv der Underdogs" funktioniert der Trupp am Ende ganz gut, und das reicht, um ihm meine Sympathien zu sichern.
Freilich stellen sich einer solchen Herangehensweise an den Film neben den zahlreichen formalen Schwächen zwei Hindernisse in denWeg.
Zuerst einmal ist es ziemlich offensichtlich, dass die Macher von Renegades nicht die Absicht hatten, amüsant-absurden SciFi-Schlock zu drehen. Sie verfolgten das Ziel, eine "zeitgemäße", und das bedeutete in ihren Augen grimmig-düster-pseudorealistische, Variante von Star Trek zu kreieren. Dass dabei ein halbwegs unterhaltsames Pulp-Abenteuer herausgekommen ist, verdanken wir ausschließlich der mangelnden Kompetenz der Drehbuchschreiber.
Ihr Script besteht aus einer Aneinanderreihung von Szenen, die sich nicht zu einem organischen Ganzen zusammenfügen. Wie alles übrige ist darum auch das "grimmig-düstere" Element nichts, was der Handlung selbst eigen wäre, durch sie erzählerisch entwickelt würde. Vielmehr lässt es sich auf eine Handvoll von Szenen reduzieren, die ganz offensichtlich geschrieben wurden, um der Story einen entsprechenden Touch zu verleihen. So etwa, wenn Chekovs Enkelin die Hand abgeschnitten werden muss, weil die bösen Verschwörer ihr heimlich einen Miniatursprengsatz in selbige injiziert haben, um damit den guten Pawel ins Jenseits zu befördern.
Die Ungeschicklichkeit, mit der Calk & Conway zu Werke gegangen sind, macht es nicht nur sehr leicht, diese Szenen zu identifizieren, es raubt ihnen auch die Fähigkeit, die Story als Ganzes entsprechend einzufärben. Was ein großes Glück ist. Nicht nur wird uns damit die Möglichkeit eröffnet, den Film als trashigen Spaceadventure - Spaß statt als Grimdark - Star Trek zu goutieren, als Bonus erhalten wir außerdem die Gelegenheit, uns über die Tumbheit des Drehbuchs zu amüsieren. Es ist fazinierend, wenn man miterleben kann, wie ein Film dank der Inkompetenz seiner Macher zu etwas besserem (oder zumindest unterhaltsamerem) geworden ist, als das, was selbige geplant, aber nicht umzusetzen verstanden hatten.
Eine der Ideen, die das Renegades-Team hatte, war, dass es unter den Protagonisten heftige Konflikte geben sollte. Wie sie selbst es ausgedrückt haben, sollten ihre Helden & Heldinnen ständig gegen den Wunsch ankämpfen müssen, sich gegenseitig abzumurksen. Seine Umsetzung hat diese Idee in der Beziehung zwischen dem bajoranischen und dem cardassianischen Crewmitglied gefudnen. Dass ich sie nicht beim Namen nenne, ist kein Zufall. Keiner der beiden ist ein auch nur ansatzweise entwickelter Charakter, vielmehr bleiben sie gänzlich reduziert auf ihre ethnische Zugehörigkeit. Der Konflikt zwischen ihnen hat deshalb auch nichts mit ihnen persönlich zu tun. Mr. Bajor hasst Mr. Cardassia, weil dessen Volk sein Volk unterdrückt hat. Das Motiv wird nicht weiter ausgeführt {wie könnte es das auch, bleiben die beiden Charaktere doch bloße Schablonen}, und dreißig Minuten später sind beide tot!
Offenbar wollten Calk & Conway da zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Es sollte einen potentiell mörderischen Konflikt in der Gruppe geben, aber die Drehbuchschreiber wussten nicht, wie sie einen solchen glaubwürdig entwickeln sollten. Also fielen sie auf das Klischee der rassischen Resentiments zurück. Zugleich schien es ihnen wichtig, einige der Crewmitglieder sterben zu lassen, denn das Ganze sollte ja "grim & gritty" sein. Und da sie mit dem Konflikt zwischen Mr. Bajor & Mr. Cardassia über seine bloße Existenz hinaus nicht wirklich etwas anzufangen wussten, wählten sie diese beiden als Opfer aus.
Für uns Zuschauer & Zuschauerinnen hat das den Vorteil, dass das Motiv des mörderischen Konfliktes zeitig aus dem Weg geräumt wird und wir das zu sehen bekommen, was wir von einer Story dieses Typs erwarten: Wie sich unsere Misfits angesichts einer gewaltigen Übermacht schließlich zusammenraffen und gemeinsam obsiegen. Denn mal ehrlich: Streitereien unter den Underdog-Helden sind schön und gut – siehe Blake's 7 oder Farscape –, aber regelrechte Mordgelüste? Nein Danke! Am Ende sollte es in Geschichten dieser Art doch um Kameradschaft und Solidarität, um das Überwinden von Feindseligkeiten und Voruteilen gehen.
Den meisten "grim & gritty" - Szenen {und nicht nur denen} fehlt der größere Kontext, um wirklich funktionieren zu können. Ist Mr. Bajor in einem Flüchtlingslager aufgewachsen? Hat er miterleben müssen, wie Freunde oder Familienangehörige von den cardassianischen Besatzern misshandelt oder ermordet wurden? Ein noch so kleines Bröckchen Hintergrundinformation hätte geholfen, seinen Hass auf alle Cardassianer authetischer wirken zu lassen.
Bei einer anderen "grim & gritty" - Szene führt dieser fehlende Kontext dann allerdings zu einem potentiell äußerst unangenehmen, auf jedenfall aber irritierenden Eindruck. Wenn die Figur der Shree (Courtney Peldon) – einer andorianischen Hackerin, die für Chekov arbeitet – eingeführt wird, bekommen wir etwas zu sehen, was entweder eine lesbische Gedankenvergewaltigung oder Teil eines in gegenseitigem Einverständnis stattfindenden sadomasochistischen Sexspiels sein könnte. Uns fehlt ganz einfach die nötige Information, um entscheiden zu können, um was es sich handelt. Ganz offensichtlich wurde auch diese Szene nur geschrieben, um der Story und der Figur einen "dunklen" Touch zu verleihen. Doch die Vorstellung, eine unserer Heldinnen (am Ende wird Shree in die Renegades - Crew aufgenommen) könnte eine Serienvergewaltigerin sein, ist weniger "dunkel" als vielmehr ungeheuer geschmacklos.
Das zweite und größte Problem, das ich mit Renegades habe, ist, dass der Flick ganz einfach kein Star Trek - Film ist. Er sieht nicht aus wie Trek. Er fühlt sich nicht an wie Trek. Er ist kein Trek.
Selbst wenn es einem gelingt, das Ganze als amüsanten SciFi-Trash zu genießen, hilft das in dieser Hinsicht nur wenig. Die Bösewichter mögen nicht wirklich pulpiger erscheinen als die Son'a aus Insurrection oder die Remaner aus Nemesis, aber es ist kein gutes Zeichen, wenn man zur Legitimation den traurigen Endspurt der allgemein eher traurigen TNG-Filme heranziehen muss. Und ja, natürlich besaß die Original Series einen ordentlichen Anteil Schlock {ich denke da z.B. an Spock's Brain}, aber das war nie, was Star Trek eigentlich ausmachte, selbst zu Zeiten von Kirk, Spock und McCoy nicht. Für mich zumindest ist Trek vor allem eine bestimmte Geisteshaltung und Weltsicht. Wie ich vor anderthalb Jahren hier schon einmal geschrieben habe: "Star Trek hätte in meinen Augen nur dann eine Zukunft, wenn das Franchise einerseits zum humanistischen Optimismus seiner Ursprünge zurückkehren und andererseits die Lehren aus TNG und DS9 ziehen und seine utopische Vision einer besseren Zukunft realistischer, komplexer, kritischer und lebendiger gestalten würde, als dies in der Ära Gene Roddenberrys möglich gewesen war." Genau das jedoch tut Renegades nicht.
Auch wenn der "düster-grimmige" Ton sich als weniger penetrant herausgestellt hat, als ich befürchtet hatte, reicht er doch aus, um den Film als legitimen Beitrag zum Trek-Universum zu disqualifizieren. Das gilt insbesondere für die Darstellung der Föderation.
Die Föderation von Renegades ist nicht die Föderation von Star Trek. Das zeigt sich bereits an so kleinen Details wie dem Umstand, dass Shree, als Chekov sie beauftragt, sich in das Sicherheitssystem von Starfleet einzuhacken, eine "doppelte Bezahlung" verlangt. Spätestens in TNG wurde die Föderation als eine quasi-sozialistische Post Scarcity - Gesellschaft etabliert. Welche Art von Bezahlung könnte Shree, die offenbar auf der Erde lebt, verlangen? Oder man schaue sich Dr. Luciens Hintergrundsgeschichte an. Offenbar erwies sich ein Experiment der Wissenschaftlerin als ein katastrophaler Fehlschlag, wobei ihr Assistent ums Leben kam. Daraufhin wurde sie von der wissenschaftlichen Gemeinschaft ausgestoßen und zum Pariah erklärt. Die Trek-Föderation ist keine Gesellschaft, die jemanden für einen Fehler, so schlimm die Konsequenzen auch gewesen sein mögen, auf diese Weise bestrafen würde. Es passt einfach nicht zu ihrem Ethos. Renegades ist sichtlich bemüht, die Föderation in einem möglichst negativen Licht erscheinen zu lassen. Ein korrupter bürokratischer Apparat voller Karrieristen, Opportunisten und Intriganten.
Und unsere Starfleet-Helden Chekov und Tuvok? Bei denen sieht es aus ganz anderen Gründen auch nicht viel besser aus. Von allen Trek - Serien entfernte sich Deep Space 9 am weitesten von Roddenberrys ursprünglicher Vision. {Mit zwiespältigen Resultaten, wie ich meine.} Doch als DS9 "Section 31" einführte, wurden der Geheimdienst und seine skrupellosen Mitglieder immer noch als etwas dargestellt, was im Grunde gegen die Prinzipien der Föderation verstößt. Renegades macht die Methoden von "Section 31" nicht nur akzeptabel, der Film stellt sie in einem positiven Licht dar, verglichen mit dem feigen Verhalten der Politiker und Diplomaten, die sich hinter der "Prime Directive" verstecken. Dass Renegades die Ermordung des Führers eines anderen Volkes, initiiert von irgendwelchen Geheimdienstleuten, die hinter dem Rücken des Parlamentes ("Federation Council") agieren, als etwas positives darstellt, wirkt angesichts der Tatsache, dass immer mehr westliche Regierungen (USA, Frankreich, Großbritannien) "gezielte Tötungen" zur offiziellen Politik erklärt haben, besonders unangenehm. Doch selbst wenn man diesen realen politischen Hintergrund einmal außen vorlässt: Das ist nicht meine Föderation! Das ist nicht mein Star Trek!
Was bleibt am Ende zu sagen? Die Chancen, dass CBS aus Renegades eine reguläre Star Trek - Serie macht, dürften ähnlich hoch sein, wie dass der Sender Michael Dorns inzwischen nicht mehr gar so neue Idee einer Captain Worf - Serie aufgreift. Was mich beruhigt. Stattdessen werden wir wohl noch mindestens zwei Web-Episoden von Renegades präsentiert bekommen. Was mich nicht weiter stört. Ich werde sie mir vermutlich sogar anschauen, wenn sie irgendwann tatsächlich auftauchen sollten. Schließlich mag ich absurden SciFi-Schlock. Es wäre halt bloß besser gewesen, wenn Tim Russ & Co nicht versucht hätten, ihre neckischen Abenteuergeschichten im Star Trek - Universum anzusiedeln.
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