"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Samstag, 29. März 2014

Vampire in Amerika (III): "Grave of the Vampire"

Puh, das war anstrengender als ich gedacht hätte ... Nightmare in Blood ist billig, schludrig inszeniert, aber irgendwie charmant. Grave of the Vampire ist noch billiger, noch schludriger inszeniert und wirklich-wirklich mies. Wenn ich den Film als "erstaunlich brutal" beschrieben habe, so hat man dabei nicht an zerstückelte Körper und Eimer voller Blut zu denken. Vielmehr zeichnet er sich durch einen unangenehmen Vibe von sexueller Gewalt, gepaart mit einem nicht weniger unangenehmen Frauenbild aus. Dass er außerdem verdammt inkompetent konstruiert ist und mit peinlich schlechten Dialogen und ebenso hölzernen Darstellern aufwartet, hilft auch nicht gerade. Der Flick ist nicht eben lang, aber ihn in einem Anlauf ganz anzuschauen, war mir einfach unmöglich. Und das will was heißen ... 
Doch der Reihe nach: Was an John Hayes' 1972 in die Kinos gelangtem und auch unter dem Titel Seed of Terror bekannten Film zu allererst auffällt, ist seine reichlich bizarr anmutende Konstruktion. Das gute erste Drittel besteht aus einer Art Vorgeschichte. Irgendwann in den 50ern verdrücken sich Leslie (Kitty Vallacher) und ihr Liebster während einer Party auf den örtlichen Friedhof, um dort "intim" zu werden. Und weil wir in den 50ern sind, bedeutet das, dass er ihr einen Heiratsantrag macht. Dummerweise erwacht zur gleichen Zeit der ortsansässige Vampir (Michael Pataki) und kriecht aus seinem Sakrophag. Und auch wenn die nebelverhangene Landschaft mit ihren pittoresken Grabsteinen und die nett fette Tarantel, die über die bleiche Hand unseres Untonten krabbelt, an die Atmosphäre eines klassisch-gotischen Horrorfilms der 60er gemahnen, erweist sich unser Blutsauger nicht als der altmodische Aristokrat mit schwarzem Cape und diabolischem Charme, sondern als ein widerliches, bestialisches Monstrum, das ruckzuck den netten Jungen abschlachtet und seine Braut in spe in einem der reichlich vorhandenen offenen Gräber vergewaltigt. So weit, so unappetitlich. Doch wirklich bizarr wird's, wenn wir in der nächsten Szene einen Polizeibeamten präsentiert bekommen, dessen erster Gedanke angesichts dieser Verbrechen ist: Das muss ein Vampir gewesen sein! Moment mal, gehört es nicht zu den ungeschriebenen Gesetzen des Horrorgenres, dass die offiziellen Autoritäten erst einmal nicht an die Existenz des Übernatürlichen glauben und nur mühsam von ihrem Skeptizismus befreit werden können? Doch keine Angst, zehn Minuten später ist unser Möchtegernvampirjäger auch schon tot, und wir bekommen stattdessen erzählt, dass die arme Leslie schwanger ist. Und wie der {gleichfalls alles andere als skeptische} Doktor ihr erzählt: Das, was in ihrem Leib heranwächst "ist nicht lebendig". Unglücklicherweise weigert sie sich, eine Abtreibung vornehmen zu lassen und so kommen wir in den Genuss eines billigen Rosemary's Baby -Plagiats im Schnelldurchlauf, an dessen Ende mit James Eastman (William Smith) endlich unser eigentlicher Held die Bühne betritt.
Fünfunddreißig von neunundachtzig Minuten dieses grausigen Machwerks haben wir zu diesem Zeitpunkt bereits hinter uns, doch die eigentliche Story beginnt erst jetzt. Sprung vorwärts in die 70er Jahre. Unser Vampir hält inzwischen als Professor Lockwood abendliche Vorlesungen über Okkultismus. Warum er dies tut, erfahren wir nicht, aber für einen jahrhundertealten Untoten war so was in den esoterikbegeisterten 70ern vermutlich die Marktlücke. Zu seinen Studenten gehört allerdings auch James, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, seinen Erzeuger und den Vergewaltiger seiner Mutter zur Strecke zu bringen. 
Doch bevor es zum unausweichlichen Endkampf zwischen Papa Vampir und seinem Filius kommt, müssen wir erst einmal erleben, wie Lockwood eine Reihe junger Frauen ermordet. Und hier wird's so richtig unangenehm. Denn alle Opfer erwecken den Eindruck, als wollten sie von dem Untoten "genommen" werden. In Grave of the Vampire sehnen sich Frauen entweder dannach, sich "faszinierenden" Männern zu unterwerfen, oder sie machen auf flirtende "Verführerin" {und haben ihr blutiges Schicksal deshalb vielleicht sogar verdient?!?!?}. Nein, dieser Film macht wirklich keinen Spaß. Wenn freilich Anita (Diane Holden) Lockwood gegenüber erklärt: "I want you to make me a vampire", dann kippt das Ganze endgültig ins Groteske um. Das macht es nicht wirklich besser, hat mich aber doch laut auflachen lassen.
Mir noch mehr über diesen Streifen aus den Fingern zu saugen, halte ich für unnötig. Es sei bloß noch erwähnt, dass das "große Finale" mit einer Séance in Lockwoods Villa anhebt. Das macht zwar überhaupt keinen Sinn, darf jedoch als eine Kopie des Anfangs von Count Yorga gelten. Und der ist zwar beileibe kein Meisterwerk, doch nach dieser Tortur freue ich mich richtig darauf, dem Grafen wieder einen Besuch abzustatten. Ach ja, ganz interessant ist vielleicht auch noch, dass zu John Hayes' Oeuvre neben Grave of the Vampire so wohlklingende Titel wie Sweet Trash (1970), Convicts' Women (1970), Heterosexualis (1973), Mama's Dirty Girls (1974) und Jailbait Babysitter (1978) gehören. Muss ich noch mehr sagen ...?

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