- Cokaigne (Album) von Heed The Thunder ♫
- La Fonte des Glaces (Album) von Cosmic Analog Ensemble ♫
- The Active Listener Sampler 24 ♫
- Perfect Shot: Andrei Tarkowskis Stalker (1979) ☼
- Lauren Bacall ☼
- Errol Flynn und sein Sohn Sean ☼
- Jacques Tati hinter der Kamera ☼
- Francis Ford Coppola, Irvin Kershner, Akira Kurosawa, George Lucas, Steven Spielberg, & Carroll Ballard (1980) ☼
- Lobby display for The Mummy (1932) ☼
- Italienisches Filmplakat für Howard Hawks' To Have and Have Not (1944) ☼
- Italienisches Filmplakat für The Blob (1958) ☼
- Dana Wynter & Kevin McCarthy während des Drehs von Don Siegels Invasion of the Body Snatchers (1956) ☼
- Carricature Art für Norman Jewisons The Russians Are Coming (1966) ☼
- Kurt Russell und John Carpenter auf dem Set von Big Trouble in Little China (1986) ☼
- Charles Middleton als "Ming the Merciless" ☼
- Sidney Lumet & Faye Dunaway auf dem Set von Network ☼
- Black cat casting call for horror flick Tales of Terror (1961) ☼
- Eric Millikan's super sweet horror portraits done in Halloween candy ☼
- The Black Dog Podcast - Episode 213: Death by Catflap
- Video Nasties Podcast: Don't Go In The House
- Hypnobobs: WITLESS SPECIAL - The Transformers Audio Logs
- Hypnobobs: Microgoria 04: All About Monsters
- The Witless for the Defence - Case 16 (Part 1): Transformers 1986 - 1 - 2 & 3
- Trekabout - Episode 110: Disaster / The Game
- NUTS4R2 bespricht Doctor Who: Kill the Moon * Asia Argentos Incompresa (aka Misunderstood) * Richard Kellys The Box
- Bibliotheka Phantastika: Zum 55. Geburtstag von Steven Erikson * Zum 50. Geburtstag von Jacqueline Carey
- Lake Hermanstadt: Der Traurende und die Elfen von Murilegus rex
- Movie Poster of the Week: The Posters of Eva Švankmajerová von Adrian Curry
- The Main Types Of Ghost Story, And How To Recognize Them von Kim Newman
- Folklore on Friday: Headless Horsemen von Jim Moon
- Where Would We Be Without Denial, or, Embracing the Contradiction von Steven Brust
Seiten
"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."
Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."
Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten
Samstag, 11. Oktober 2014
Strandgut der Woche
Sonntag, 5. Oktober 2014
Von "Dark Star" zu "Screamers" – Dan O'Bannons etwas unglückliche Karriere
In der zweiten Hälfte der 60er Jahre glich Hollywoods klassisches Studiosystem mehr und mehr einem schwerfälligen, verknöcherten, dem Tode geweihten Dinosaurier. Um Filmhistoriker Joseph McBride zu zitieren:
Freilich gelang nur einer Handvoll Vertretern der "Film School Generation" der Aufstieg in die neue Aristokratie der Traumfabrik. Zu denen, die sich mit sehr viel weniger begnügen mussten, gehörte Dan O'Bannon. In der Geschichte der amerikanischen Filmphantastik hat der 2009 verstorbene Drehbuchschreiber und Regisseur dennoch eine nicht ganz unwichtige Rolle gespielt.
Der 1946 in St.Louis/Missouri geborene O'Bannon studierte an der USC. Dort lernte er den jungen John Carpenter kennen, und 1970 machten sich die. beiden daran, einen SciFi-Film zu kreieren, der zu einem der ganz großen Kultklassiker des Genres werden sollte: Dark Star. Das Drehbuch hatten sie gemeinsam entwickelt (5), O'Bannon zeichnete für Spezialeffekte und Schnitt verantwortlich und übernahm außerdem die Rolle von Sgt. Pinback. Mit seinem dreckigen Weltraumproleten-Vibe stellte Dark Star einen radikalen Bruch mit dem in der filmischen SciFi bis dahin üblichen Bild einer heroischen, glitzernd-verchromten Zukunft dar. Nachdem der Streifen 1973 auf einer Reihe von Filmfestivals mit Erfolg gezeigt worden war, gelangte er ein Jahr später in überarbeiteter und um fünfzehn Minuten erweiterter Form in die Kinos.
Der mit einem lächerlichen Budget von $60.000 produzierte Film verhalf John Carpenter zu dem Ruf, mit wenig Geld beeindruckende Resultate erzielen zu können. Ein Image, das er 1976 mit Assault on Precinct 13 festigen konnte, was ihm schließlich den Weg zu Halloween (1978), und damit zu seinem wohl größten finanziellen Erfolg, ebnen sollte. O'Bannons Karriere nahm einen weniger glücklichen Verlauf, was mit zum baldigen Ende der Freundschaft zwischen ihm und Carpenter beigetragen haben dürfte. O'Bannon fühlte sich offenbar übergangen und unfair behandelt – ein Vorwurf, den der Künstler in späteren Jahren immer wieder gegen Produzenten, Kritiker und Filmjournalisten vorbringen würde.
Allerdings wäre es verfehlt, behaupten zu wollen, O'Bannon habe gar nicht von Dark Star profitieren können. Der eigentliche Grund für den etwas unglücklichen Verlauf, den seine berufliche Laufbahn nehmen sollte, lag anderswo.
Wenn Carpenter mit ihrem gemeinsamen Studentenfilm die Grundlage für eine Regiekarriere im Low Budget - Bereich legen konnte, gelangte O'Bannon durch ihn in den Ruf ein vielversprechender SFX-Magier zu sein. Schließlich hatte er für 'n Appel und 'n Ei einige ziemlich ansehnliche Tricks aus dem Hut gezaubert. Und so erreichte ihn bald schon ein faszinierendes Angebot aus Frankreich: Er – und nicht Douglas Trumbull, wie ursprünglich angedacht – sollte die Leitung des Special Effects - Teams für Alejandro Jodorowskys legendäres Dune - Projekt übernehmen! O'Bannon war sofort Feuer und Flamme, und als er 1975 nach Paris übersiedelte, setzte er damit sozusagen alles auf eine Karte.
[G]enerations of nepotism had made the studios terminally inbred and unwelcoming to newcomers. The average age of the Hollywood labor force was fifty-five. There was no organized apprenticeship program to train their replacements in an industry that appeared moribund. The studio system, long under siege from television, falling box-office receipts, and skyrocketing costs, was in a state of impending collapse. (1)Zu Beginn der 70er Jahre ließen sich dann die allerersten zaghaften Anzeichen eines beginnenden Umbruchs ausmachen, als es einer Gruppe junger Filmemacher allmählich gelang, in der Industrie Fuß zu fassen. Die meisten von ihnen hatten an den Filmfakultäten der University of Southern California (USC), der University of California, Los Angeles (UCLA) oder der New York University (NYU) studiert, weshalb man sie oft unter dem Begriff der "Film School Generation" zusammenfasst. (2) Hollywoods Establishment machte es ihnen wahrlich nicht leicht. Lange Zeit war der alte Schlockmeister Roger Corman der einzige Produzent, der regelmäßig junge Talente engagierte. Einer seiner Protegés war Francis Ford Coppola, dem es mit You're a Big Boy Now (1967) als erstem der "Movie Brats" gelang, einen Regieauftrag von einem großem Studio (Warner-Seven Arts) zu ergattern. Doch erst als zwei Jahre später Dennis Hoppers Easy Rider zum großen Überraschungshit an den Kinokassen wurde, begann es den Bossen langsam zu dämmern, dass es allein schon aus Profitinteressen dringend nötig war, dem greisen Organismus von Hollywood etwas frisches Blut zuzuführen. Wie George Lucas es formulierte "A bit of history opened up like a seam, and as many of us who could crammed in. Then it drifted back close again." (3) Ein gutes Jahrfünft später, und das Bild hatte sich vollkommen gewandelt. In Kim Newmans Worten: "Hollywood became the Glitz Castle. Ageing moguls kow-towed to the youthful kings of megabuck success, Francis Ford Coppola, Steven Spielberg and George Lucas." (4)
Freilich gelang nur einer Handvoll Vertretern der "Film School Generation" der Aufstieg in die neue Aristokratie der Traumfabrik. Zu denen, die sich mit sehr viel weniger begnügen mussten, gehörte Dan O'Bannon. In der Geschichte der amerikanischen Filmphantastik hat der 2009 verstorbene Drehbuchschreiber und Regisseur dennoch eine nicht ganz unwichtige Rolle gespielt.
Der 1946 in St.Louis/Missouri geborene O'Bannon studierte an der USC. Dort lernte er den jungen John Carpenter kennen, und 1970 machten sich die. beiden daran, einen SciFi-Film zu kreieren, der zu einem der ganz großen Kultklassiker des Genres werden sollte: Dark Star. Das Drehbuch hatten sie gemeinsam entwickelt (5), O'Bannon zeichnete für Spezialeffekte und Schnitt verantwortlich und übernahm außerdem die Rolle von Sgt. Pinback. Mit seinem dreckigen Weltraumproleten-Vibe stellte Dark Star einen radikalen Bruch mit dem in der filmischen SciFi bis dahin üblichen Bild einer heroischen, glitzernd-verchromten Zukunft dar. Nachdem der Streifen 1973 auf einer Reihe von Filmfestivals mit Erfolg gezeigt worden war, gelangte er ein Jahr später in überarbeiteter und um fünfzehn Minuten erweiterter Form in die Kinos.
Der mit einem lächerlichen Budget von $60.000 produzierte Film verhalf John Carpenter zu dem Ruf, mit wenig Geld beeindruckende Resultate erzielen zu können. Ein Image, das er 1976 mit Assault on Precinct 13 festigen konnte, was ihm schließlich den Weg zu Halloween (1978), und damit zu seinem wohl größten finanziellen Erfolg, ebnen sollte. O'Bannons Karriere nahm einen weniger glücklichen Verlauf, was mit zum baldigen Ende der Freundschaft zwischen ihm und Carpenter beigetragen haben dürfte. O'Bannon fühlte sich offenbar übergangen und unfair behandelt – ein Vorwurf, den der Künstler in späteren Jahren immer wieder gegen Produzenten, Kritiker und Filmjournalisten vorbringen würde.
Allerdings wäre es verfehlt, behaupten zu wollen, O'Bannon habe gar nicht von Dark Star profitieren können. Der eigentliche Grund für den etwas unglücklichen Verlauf, den seine berufliche Laufbahn nehmen sollte, lag anderswo.
Wenn Carpenter mit ihrem gemeinsamen Studentenfilm die Grundlage für eine Regiekarriere im Low Budget - Bereich legen konnte, gelangte O'Bannon durch ihn in den Ruf ein vielversprechender SFX-Magier zu sein. Schließlich hatte er für 'n Appel und 'n Ei einige ziemlich ansehnliche Tricks aus dem Hut gezaubert. Und so erreichte ihn bald schon ein faszinierendes Angebot aus Frankreich: Er – und nicht Douglas Trumbull, wie ursprünglich angedacht – sollte die Leitung des Special Effects - Teams für Alejandro Jodorowskys legendäres Dune - Projekt übernehmen! O'Bannon war sofort Feuer und Flamme, und als er 1975 nach Paris übersiedelte, setzte er damit sozusagen alles auf eine Karte.
I went over to Paris, which was quite a thrill, and I stayed there for six months. Jodorowsky had found a company that did a lot of special effects for French commercials, and he told them that I was going to be their boss. So I worked with them.I told Jodorowsky that in order to do these effects we were going to have to storyboard. He wasn’t familiar with storyboards, so I explained it to him, and he got so interested in it that he had the entire film storyboarded – every shot. That was more than I needed, but what the heck. And I was over there with a guy named Guy Delacluse, and he had a company; he was very nice and we worked together planning how we were going to do all these effects.So the entire movie was designed, and Jodorowsky found these very good and fantastically original sci-fi artists to do design all of the sets and costumes and spaceships and everything. It was an amazing achievement. It was like being in an art museum, that room where they were hanging it, designing it all and putting it on the wall.
Das extrem ehrgeizige, idiosynkratische und vielleicht auch ein bisschen größenwahnsinnige Projekt scheiterte schließlich daran, dass kein Studio bereit war, die immensen Produktionskosten zu tragen. Für alle Freunde & Freundinnen des phantastischen Kinos ohne Zweifel ein nie wieder gut zu machender Verlust. Jodorowsky hatte u.a. H.R. Giger, Jean Giraud (Moebius), Chris Foss, Orson Welles (als Baron Harkonnen) und Salvador Dalí (als Padishah Emperor Shaddam IV.) für die Umsetzung seiner Vision gewinnen können! Die Musik sollten neben anderen Pink Floyd und Karlheinz Stockhausen beisteuern! (6)
Für Dan O'Bannon bedeutete das Ende von Jodorowskys Dune den finanziellen Ruin. Als er in die USA zurückkehrte, besaß er dort nicht einmal mehr ein Dach über dem Kopf und war gezwungen, sich eine Zeit lang bei seinem Freund Ronald Shusett einzuquartieren. Als George Lucas ihn schließlich beauftragte, einige der Computeranimationen für Star Wars zu kreieren, erlöste ihn das von der Obdachlosigkeit, doch die möglicherweise größte Leistung seiner Karriere hatte er bereits zuvor erbracht: Gemeinsam mit Shusett hatte er das Drehbuch für Alien geschrieben.
Nun gehört das unerfreuliche Abenteuer der Nostromo - Crew ganz sicher zu den Juwelen des SciFi-Kinos, und es liegt mir fern, Dan O'Bannons Beitrag schmälern zu wollen. Der Streifen etablierte endgültig das in Dark Star vorweggenommene dreckig-proletarische Ambiente, und außerdem war es O'Bannon, der die Idee einbrachte, H.R. Giger zu engagieren, den er ja bereits von seinen Pariser Tagen her kannte. Dennoch halte ich es nur für fair, die Leistung des Drehbuchschreibers in wenigstens zwei Punkten ein wenig zu relativieren: Zuerst einmal kannte O'Bannon keine Skrupel, wenn es darum ging, die Werke anderer als {räusper - räusper} "Inspirationsquellen" zu benutzen. So plünderte er recht schamlos Edward L. Cahns It! The Terror From Beyond Space, einen Mitte der 70er vermutlich weitgehend in Vergessenheit geratenen B-Movie aus dem Jahre 1958. (7) Auch wurde O'Bannons Drehbuch vor der Umsetzung von Walter Hill & David Giler überarbeitet. Und auch wenn es den beiden dabei wirklich nur darum gegangen sein sollte, O'Bannon um die Früchte seiner Arbeit zu bringen {wovon dieser felsenfest überzeugt war}, verdanken wir es doch ihrem Eingriff, dass die Hauptfigur eine Frau wurde.
Wie dem auch sei, jedenfalls öffnete der Erfolg von Alien Dan O'Bannon zumindest einige Türen in Hollywood. Zum Startpunkt einer glanzvollen Karriere wurde der Streifen für ihn dennoch nicht. 1981 lieferte er einen Beitrag zu Heavy Metal, 1984 zu C.H.U.D. Dazwischen durfte er miterleben, wie sein Drehbuch für Blue Thunder (1983) entstellt und seines politischen Inhalts beraubt wurde. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Mitte der 80er Jahre beging O'Bannon den Fehler, seine Karriere mit der Tobe Hoopers zu verbinden. {Oder war es Hooper, der hier den Fehler beging?}
Nachdem er sich mit The Texas Chainsaw Massacre (1974) den Ruf eines ebenso talentierten wie unkonventionellen Horror-Regisseurs erworben hatte, war Hoopers Werdegang in Hollywood eher von Enttäuschungen und Demütigungen geprägt gewesen. Zu keiner Zeit gelang es ihm, den Erwartungen, die sein furioses Debüt geweckt hatten, gerecht zu werden. Und als er mit Poltergeist (1981) zum ersten Mal die Chance erhielt, für ein großes Studio (MGM) zu arbeiten, musste er miterleben, wie Produzent Steven Spielberg die Kontrolle an sich riss und er selbst zum bloßen Handlanger des De Facto - Regisseurs degradiert wurde. Drehbuchschreiber Bob Gale berichtete später, "whenever Hooper gave an instruction to cinematographer Matthew F. Leonetti, Leonetti would look over his shoulder at Spielberg, who would nod or shake his head". (8) Dem folgte eine nicht nur finanziell desaströse Kooperation mit der B-Movie-Schmiede Cannon Films, welche zur Produktion von Lifeforce (1985), Invaders from Mars (1986) und The Texas Chainsaw Massacre 2 (1986) führte. An den ersten beiden war Dan O'Bannon als Drehbuchautor beteiligt.
Lifeforce – diese eigenartige SciFi-Mixtur aus Vampirflick und Zombieapokalypse – besitzt zumindest einige interessante {wenn auch eher unangenehme} Facetten, auf die ich vielleicht einmal in einem eigenen Post etwas näher eingehen werde. Doch Invaders from Mars war ganz ohne Zweifel von Anfang an ein missgeleitetes Projekt. Niemand brauchte ein Remake von Menzies' UFO-Klassiker aus dem Jahr 1953. (9) Jedenfalls nicht, wenn dem alten Stoff dabei kein neuer, den Zeitumständen enstprechender Geist eingehaucht wurde, wie dies bei Philip Kaufmans Invasion of the Body Snatchers (1978) oder John Carpenters The Thing (1982) der Fall gewesen war.
Zur selben Zeit hatte O'Bannon bei The Return of the Living Dead (1985) zum ersten Mal die Gelegenheit, selbst Regie zu führen. Ursprünglich war Tobe Hopper für den Posten vorgesehen, aber als dieser es vorzog, den Möchtegern-Blockbuster Lifeforce zu drehen, wandte sich Indie-Produzent Tom Fox an O'Bannon, der zuvor bereits John Russos Script überarbeitet hatte. Glaubt man ihm, so war er nicht wirklich begeistert von dem Angebot. Er hatte schon immer eine Abneigung gegen Sequels, und Return war in gewisser Weise eine Fortsetzung zu George Romeros Night of the Living Dead (1968). (10) Auch erklärte er später mehrfach, "that if he had known he were going to direct, he would have written a somewhat different script, more tailored to his own strengths than to Hooper's". Dennoch machte er sich mit einigem Enthusiasmus an die Arbeit:
Die 80er Jahre waren eine Zeit, in der ironische Horrorgrotesken einen immer prominenteren Platz im Genre einzunehmen begannen. Ich denke da an Streifen wie Don Coscarellis Phantasm (1979), George Romeros Creepshow (1982), Stuart Gordons Re-Animator (1985) oder Sam Raimis The Evil Dead II (1987), die ich allesamt sehr schätze, aber auch an Tom Hollands Fright Night (1985) und Joel Schumachers The Lost Boys (1987). Return of the Living Dead lässt sich als Teil dieses Trends verstehen, ist jedoch sehr viel eindeutiger als die meisten anderen Filme der Sorte als regelrechte Horrorkomödie angelegt. An sich ist dagegen natürlich nichts einzuwenden, aber Humor ist halt so eine Sache. Bei dem einen klickst, bei der anderen nicht. Cinefantastiques Steve Biodrowski schreibt in seiner Besprechung des Films: "The standout among the cast is James Karen, who overplays his role as Frank, long-time employee at the mdeical warehouse; his broad performance hits exactly the right tone in the context of the outrageous scenario". Das mag schon stimmen, aber mich spricht dieser Ton halt einfach nicht so recht an. Ich finde Karens überzogenes Spiel sehr schnell ermüdend, ganz wie den Großteil des Films. Aber das ist wohl einfach Geschmackssache.
Kim Newman hat den Streifen in seinem Buch Nightmare Movies als "opportunist" und "too hip and goofy for its own good" bezeichnet. (11) Möglicherweise ein etwas zu harsches Urteil, aber auch wenn Return of the Living Dead fraglos einige hübsch groteske Szenen enthält, denke ich, dass der gute Kim da nicht so ganz Unrecht hat. Vor allem, wenn man sich vergegenwärtigt, dass einen Monat vor dem Streifen Romeros Day of the Dead in den US-Kinos angelaufen war. O'Bannons Flick will offensichtlich zugleich eine Hommage an und eine Parodie auf Night of the Living Dead sein. Aber er hat nichts wirklich interessantes oder geistreiches über das Zombiegenre zu sagen, während Romero dasselbe beinah zeitgleich weiter ausbaute. Da können dann auch ein nackt über den Friedhof tollendes Punk-Girl, zum Teil recht coole Musik und das inzwischen zum Klischee gewordene "Brainssss ...." der Zombies nicht mehr viel retten.
Im Kontext der Zombiehistorie gebührt The Return of the Living Dead dennoch ein nicht unbedeutender Platz. Immerhin giert es die Lebenden Toten hier erstmals nach menschlichen Gehirnen. Und lange bevor Romero-Puristen eine bizarre Diskussion um die gesteigerte Zombiemobilität in Zack Snyders Remake von Dawn of the Dead (2004) entafchten, durften die untoten Kameraden bereits bei O'Bannon erstaunlich leichtfüßig über die Leinwand flitzen.
Kommen wir zu O'Bannons neben Alien vielleicht bekanntestem Beitrag zum phantastischen Film.
Der Erfolg von Ridley Scotts Bladerunner (1982) hatte in Hollywood-Kreisen das Interesse an Philip K. Dick geweckt. Da traf es sich ganz ausgezeichnet, dass Ronald Shusett weiland die Verfilmungsrechte an einigen Stories des Autors erworben hatte – zu einer Zeit, als das noch für wenig Geld möglich gewesen war. Eine dieser Kurzgeschichten war We Can Remember It For You Wholesale. Der Prozess, in dem daraus schließlich das Drehbuch für Paul Verhoevens Total Recall (1990) wurde, zog sich über Jahre hin und war offenbar ziemlich verworren. Doch den Hauptteil der Arbeit leistete, da scheint man sich einig zu sein, Shusetts alter Kumpel Dan O'Bannan.
Nun gehöre ich nicht zu Verhoevens großen Verehrern, und Total Recall besitzt nicht einmal die subversiven Ambitionen von RoboCop (1987) oder Starship Troopers (1997). Dennoch habe ich eine Schwäche für den Flick. Meine Beziehung zu ihm ähnelt meiner Beziehung zu seinem Star. Ich weiß, Arnold Schwarzenegger war stets ein miserabler Schauspieler {und ist es immer geblieben}, aber in seinen besten Tagen, damals in der Ära der testosteronüberfluteten Actioners der 80er, umgab ihn ein gewisses Charisma. Es macht einfach Spaß, ihn in Filmen wie Conan the Barbarian, Terminator oder Predator seine Muskeln durch die Gegend wuchten zu sehen. Ähnlich verhält es sich mit Total Recall. Sicher kein gehaltvoller Film und ebenso sicher keine wirklich gelungene Dick-Adaption, aber wie Molly Tanzer es einmal so hübsch ausgedrückt hat: "[I]t's still fucking awesome in the way only big-budget sci-fi action movies can be: loud and bullet-riddled, and filled with questionably-futuristic technology, hot babes, awesome dudes, evil corporations, and cool stuff." Außerdem kann man, wenn einem der Sinn danach steht, eine wirklich fiese Wendung in den Film hineinlesen, die ihn zwar nicht unbedingt intelligenter, aber zumindest ambivalenter macht.
Einige Jahre nach Total Recall wandte sich O'Bannon ein zweites Mal dem Werk von Philip K. Dick zu. Angesichts des finanziellen Erfolgs von Verhoevens Film hielt man es bei Sony Pictures Unterabteilung Triumph Films offenbar für eine gute Idee, gleichfalls eine PKD-Adaption produzieren zu lassen. Die Wahl fiel auf Dicks Story Second Variety (12), heraus kam dabei der unter der Regie von Christian Duguay gedrehte Flick Screamers (1995) mit "RoboCop" Peter Weller in der Hauptrolle. Für das Drehbuch zeichneten Miguel Tejada-Flores und O'Bannon verantwortlich.
Der Streifen erwies sich als gewaltiger Flop an den Kinokassen. Dennoch handelt es bei ihm um eine erstaunlich gelungene PKD-Verfilmung. Wie Jason P. Vest in seinem Buch Future Imperfect: Philip K. Dick at the Movies schreibt:
Screamers bezeichnete mehr oder weniger das Ende von Dan O'Bannons Karriere. Spätere Projekte gelangten nie über das Anfangsstadium hinaus. 1997 wurde mit Bleeders aka Hemoglobin noch einmal ein altes Drehbuch von O'Bannon und Shusett verfilmt. Als ich den Streifen vor Jahren zum ersten Mal im Fernsehen sah, hinterließ er einen merkwürdig intensiven Eindruck bei mir. Ein Rewatch des Flicks mit Rutger Hauer in der Hauptrolle hat sich jedoch als eher unbefriedigend erwiesen. Einige Storyelemente sind H.P. Lovecrafts Erzählung The Lurking Fear entlehnt, aber von einer wirklichen Lovecraft-Adaption lässt sich nicht sprechen. Eine solche hatte O'Bannon allerdings bereits fünf Jahre zuvor mit seiner zweiten Regiearbeit The Resurrected geliefert – dem Film, der mich ursprünglich zum Verfassen dieses Blogposts animiert hat, den ich nun aber in einem eigenen Artikel behandeln werde, in welchem ich mich dann auch mit seiner Quelle – HPLs The Case of Charles Dexter Ward – beschäftigen werde.
Es fällt nicht leicht, ein abschließendes Urteil über Dan O'Bannons Oeuvre zu fällen. Seine Karriere in Hollywood litt ohne Zweifel unter seiner mangelnden Bereitschaft, "das Spiel zu spielen" und sich einzufügen. Dennoch finde ich es schwer, in ihm ein Opfer der "seelenlosen Kulturindustrie" zu sehen. Offenbar besaß er die Tendenz, überall persönliche Feinde und gegen ihn gerichtete Verschwörungen zu wittern. Steve Biodrowski präsentiert uns in seinem Nachruf einige entsprechende Anekdoten und Martin Andersons Interview liefert zusätzliches Belegmaterial direkt aus dem Mund des Künstlers. Ob O'Bannons Nonkonformismus auf irgendwelchen ernstzunehmenden künstlerischen Überzeugungen basierte, scheint mir angesichts dessen eher ungewiss. Sicher hegte er einen Abscheu davor, Filmemachen als bloßes Geschäft zu betreiben. Seine kompromisslose Ablehnung des Ausbaus von Alien zu einem ganzen Franchise, zeigt dies sehr deutlich. Doch andererseits gelingt es mir nicht, in seinem Werk irgendwelche Themen ausfindig zu machen, mit denen er sich auf dauerhaftere und intensivere Art auseinandergesetzt hätte. Seine vielleicht größte Leistung bestand darin, dreckige und düstere SciFi-Szenarien (Dark Star, Alien, Screamers) zu entwerfen, ohne dabei in billigen Zynismus zu verfallen. Das ist immerhin etwas, aber für ein ganzes Lebenswerk bleibt es doch ein eher mageres Resultat.
(1) Joseph McBride: Steven Spielberg. A Biography. S. 136.
(2) Die bedeutendste Ausnahme stellt Steven Spielberg dar, der nie eine der großen Filmschulen besuchte.
(3) Zit. nach: Ebd.: S. 137.
(4) Kim Newman: Nightmare Movies. A Critical History of the Horror Film, 1966-86. S. 121.
(5) Das ursprüngliche Script von Dark Star kann man sich hier durchlesen.
(6) Leider ist es mir bisher noch nicht gelungen, Frank Pavichs Dokumentarfilm Jodorowsky's Dune in die Finger zu bekommen.
(7) Wer etwas mehr über diesen Streifen und andere "Vorläufer" von Alien erfahren will, begebe sich gemeinsam mit Mr. Jim Moon und den Black Doggern Lee Medcalf & Darren Barnard auf eine kleine Entdeckungsreise in Episode 80 von Hypnobobs.
(8) Zit. nach: Joseph McBride: Steven Spielberg. A Biography. S. 339.
(9) Über den ich hier bereits einmal einen Beitrag veröffentlicht habe.
(10) Russo hatte sein Drehbuch ursprünglich als direktes Sequel zu dem von Romero und ihm geschaffenen Klassiker angelegt, was von Fox jedoch verworfen wurde. Der Familienstammbaum des modernen Zombiefilms ist eine äußerst verwirrende Angelegenheit
(11) Kim Newman: Nightmare Movies. A Critical History of the Horror Film, 1966-86. S. 207.
(12) Die man sich bei SFFaudio als PDF herunterladen kann,
(13) Jason P. Vest: Future Imperfect: Philip K. Dick at the Movies. S. 78.
Für Dan O'Bannon bedeutete das Ende von Jodorowskys Dune den finanziellen Ruin. Als er in die USA zurückkehrte, besaß er dort nicht einmal mehr ein Dach über dem Kopf und war gezwungen, sich eine Zeit lang bei seinem Freund Ronald Shusett einzuquartieren. Als George Lucas ihn schließlich beauftragte, einige der Computeranimationen für Star Wars zu kreieren, erlöste ihn das von der Obdachlosigkeit, doch die möglicherweise größte Leistung seiner Karriere hatte er bereits zuvor erbracht: Gemeinsam mit Shusett hatte er das Drehbuch für Alien geschrieben.
Nun gehört das unerfreuliche Abenteuer der Nostromo - Crew ganz sicher zu den Juwelen des SciFi-Kinos, und es liegt mir fern, Dan O'Bannons Beitrag schmälern zu wollen. Der Streifen etablierte endgültig das in Dark Star vorweggenommene dreckig-proletarische Ambiente, und außerdem war es O'Bannon, der die Idee einbrachte, H.R. Giger zu engagieren, den er ja bereits von seinen Pariser Tagen her kannte. Dennoch halte ich es nur für fair, die Leistung des Drehbuchschreibers in wenigstens zwei Punkten ein wenig zu relativieren: Zuerst einmal kannte O'Bannon keine Skrupel, wenn es darum ging, die Werke anderer als {räusper - räusper} "Inspirationsquellen" zu benutzen. So plünderte er recht schamlos Edward L. Cahns It! The Terror From Beyond Space, einen Mitte der 70er vermutlich weitgehend in Vergessenheit geratenen B-Movie aus dem Jahre 1958. (7) Auch wurde O'Bannons Drehbuch vor der Umsetzung von Walter Hill & David Giler überarbeitet. Und auch wenn es den beiden dabei wirklich nur darum gegangen sein sollte, O'Bannon um die Früchte seiner Arbeit zu bringen {wovon dieser felsenfest überzeugt war}, verdanken wir es doch ihrem Eingriff, dass die Hauptfigur eine Frau wurde.
Wie dem auch sei, jedenfalls öffnete der Erfolg von Alien Dan O'Bannon zumindest einige Türen in Hollywood. Zum Startpunkt einer glanzvollen Karriere wurde der Streifen für ihn dennoch nicht. 1981 lieferte er einen Beitrag zu Heavy Metal, 1984 zu C.H.U.D. Dazwischen durfte er miterleben, wie sein Drehbuch für Blue Thunder (1983) entstellt und seines politischen Inhalts beraubt wurde. Doch es sollte noch schlimmer kommen. Mitte der 80er Jahre beging O'Bannon den Fehler, seine Karriere mit der Tobe Hoopers zu verbinden. {Oder war es Hooper, der hier den Fehler beging?}
Nachdem er sich mit The Texas Chainsaw Massacre (1974) den Ruf eines ebenso talentierten wie unkonventionellen Horror-Regisseurs erworben hatte, war Hoopers Werdegang in Hollywood eher von Enttäuschungen und Demütigungen geprägt gewesen. Zu keiner Zeit gelang es ihm, den Erwartungen, die sein furioses Debüt geweckt hatten, gerecht zu werden. Und als er mit Poltergeist (1981) zum ersten Mal die Chance erhielt, für ein großes Studio (MGM) zu arbeiten, musste er miterleben, wie Produzent Steven Spielberg die Kontrolle an sich riss und er selbst zum bloßen Handlanger des De Facto - Regisseurs degradiert wurde. Drehbuchschreiber Bob Gale berichtete später, "whenever Hooper gave an instruction to cinematographer Matthew F. Leonetti, Leonetti would look over his shoulder at Spielberg, who would nod or shake his head". (8) Dem folgte eine nicht nur finanziell desaströse Kooperation mit der B-Movie-Schmiede Cannon Films, welche zur Produktion von Lifeforce (1985), Invaders from Mars (1986) und The Texas Chainsaw Massacre 2 (1986) führte. An den ersten beiden war Dan O'Bannon als Drehbuchautor beteiligt.
Lifeforce – diese eigenartige SciFi-Mixtur aus Vampirflick und Zombieapokalypse – besitzt zumindest einige interessante {wenn auch eher unangenehme} Facetten, auf die ich vielleicht einmal in einem eigenen Post etwas näher eingehen werde. Doch Invaders from Mars war ganz ohne Zweifel von Anfang an ein missgeleitetes Projekt. Niemand brauchte ein Remake von Menzies' UFO-Klassiker aus dem Jahr 1953. (9) Jedenfalls nicht, wenn dem alten Stoff dabei kein neuer, den Zeitumständen enstprechender Geist eingehaucht wurde, wie dies bei Philip Kaufmans Invasion of the Body Snatchers (1978) oder John Carpenters The Thing (1982) der Fall gewesen war.
Zur selben Zeit hatte O'Bannon bei The Return of the Living Dead (1985) zum ersten Mal die Gelegenheit, selbst Regie zu führen. Ursprünglich war Tobe Hopper für den Posten vorgesehen, aber als dieser es vorzog, den Möchtegern-Blockbuster Lifeforce zu drehen, wandte sich Indie-Produzent Tom Fox an O'Bannon, der zuvor bereits John Russos Script überarbeitet hatte. Glaubt man ihm, so war er nicht wirklich begeistert von dem Angebot. Er hatte schon immer eine Abneigung gegen Sequels, und Return war in gewisser Weise eine Fortsetzung zu George Romeros Night of the Living Dead (1968). (10) Auch erklärte er später mehrfach, "that if he had known he were going to direct, he would have written a somewhat different script, more tailored to his own strengths than to Hooper's". Dennoch machte er sich mit einigem Enthusiasmus an die Arbeit:
I came from USC, and when I was studying there the auteur theory was the big thing – the director has to do it all. And I believed them, and in fact I taught myself how to do every job on a movie. So when my turn came on Return, I indeed micro-managed everybody, as a result of which they all hated my guts, and it was a very unpleasant experience.Meiner Meinung nach allerdings ist das Ergebnis dieser Bemühungen nicht so recht überzeugend, auch wenn der Film bei vielen inzwischen Kultstatus genießt.
Die 80er Jahre waren eine Zeit, in der ironische Horrorgrotesken einen immer prominenteren Platz im Genre einzunehmen begannen. Ich denke da an Streifen wie Don Coscarellis Phantasm (1979), George Romeros Creepshow (1982), Stuart Gordons Re-Animator (1985) oder Sam Raimis The Evil Dead II (1987), die ich allesamt sehr schätze, aber auch an Tom Hollands Fright Night (1985) und Joel Schumachers The Lost Boys (1987). Return of the Living Dead lässt sich als Teil dieses Trends verstehen, ist jedoch sehr viel eindeutiger als die meisten anderen Filme der Sorte als regelrechte Horrorkomödie angelegt. An sich ist dagegen natürlich nichts einzuwenden, aber Humor ist halt so eine Sache. Bei dem einen klickst, bei der anderen nicht. Cinefantastiques Steve Biodrowski schreibt in seiner Besprechung des Films: "The standout among the cast is James Karen, who overplays his role as Frank, long-time employee at the mdeical warehouse; his broad performance hits exactly the right tone in the context of the outrageous scenario". Das mag schon stimmen, aber mich spricht dieser Ton halt einfach nicht so recht an. Ich finde Karens überzogenes Spiel sehr schnell ermüdend, ganz wie den Großteil des Films. Aber das ist wohl einfach Geschmackssache.
Kim Newman hat den Streifen in seinem Buch Nightmare Movies als "opportunist" und "too hip and goofy for its own good" bezeichnet. (11) Möglicherweise ein etwas zu harsches Urteil, aber auch wenn Return of the Living Dead fraglos einige hübsch groteske Szenen enthält, denke ich, dass der gute Kim da nicht so ganz Unrecht hat. Vor allem, wenn man sich vergegenwärtigt, dass einen Monat vor dem Streifen Romeros Day of the Dead in den US-Kinos angelaufen war. O'Bannons Flick will offensichtlich zugleich eine Hommage an und eine Parodie auf Night of the Living Dead sein. Aber er hat nichts wirklich interessantes oder geistreiches über das Zombiegenre zu sagen, während Romero dasselbe beinah zeitgleich weiter ausbaute. Da können dann auch ein nackt über den Friedhof tollendes Punk-Girl, zum Teil recht coole Musik und das inzwischen zum Klischee gewordene "Brainssss ...." der Zombies nicht mehr viel retten.
Im Kontext der Zombiehistorie gebührt The Return of the Living Dead dennoch ein nicht unbedeutender Platz. Immerhin giert es die Lebenden Toten hier erstmals nach menschlichen Gehirnen. Und lange bevor Romero-Puristen eine bizarre Diskussion um die gesteigerte Zombiemobilität in Zack Snyders Remake von Dawn of the Dead (2004) entafchten, durften die untoten Kameraden bereits bei O'Bannon erstaunlich leichtfüßig über die Leinwand flitzen.
Kommen wir zu O'Bannons neben Alien vielleicht bekanntestem Beitrag zum phantastischen Film.
Der Erfolg von Ridley Scotts Bladerunner (1982) hatte in Hollywood-Kreisen das Interesse an Philip K. Dick geweckt. Da traf es sich ganz ausgezeichnet, dass Ronald Shusett weiland die Verfilmungsrechte an einigen Stories des Autors erworben hatte – zu einer Zeit, als das noch für wenig Geld möglich gewesen war. Eine dieser Kurzgeschichten war We Can Remember It For You Wholesale. Der Prozess, in dem daraus schließlich das Drehbuch für Paul Verhoevens Total Recall (1990) wurde, zog sich über Jahre hin und war offenbar ziemlich verworren. Doch den Hauptteil der Arbeit leistete, da scheint man sich einig zu sein, Shusetts alter Kumpel Dan O'Bannan.
Nun gehöre ich nicht zu Verhoevens großen Verehrern, und Total Recall besitzt nicht einmal die subversiven Ambitionen von RoboCop (1987) oder Starship Troopers (1997). Dennoch habe ich eine Schwäche für den Flick. Meine Beziehung zu ihm ähnelt meiner Beziehung zu seinem Star. Ich weiß, Arnold Schwarzenegger war stets ein miserabler Schauspieler {und ist es immer geblieben}, aber in seinen besten Tagen, damals in der Ära der testosteronüberfluteten Actioners der 80er, umgab ihn ein gewisses Charisma. Es macht einfach Spaß, ihn in Filmen wie Conan the Barbarian, Terminator oder Predator seine Muskeln durch die Gegend wuchten zu sehen. Ähnlich verhält es sich mit Total Recall. Sicher kein gehaltvoller Film und ebenso sicher keine wirklich gelungene Dick-Adaption, aber wie Molly Tanzer es einmal so hübsch ausgedrückt hat: "[I]t's still fucking awesome in the way only big-budget sci-fi action movies can be: loud and bullet-riddled, and filled with questionably-futuristic technology, hot babes, awesome dudes, evil corporations, and cool stuff." Außerdem kann man, wenn einem der Sinn danach steht, eine wirklich fiese Wendung in den Film hineinlesen, die ihn zwar nicht unbedingt intelligenter, aber zumindest ambivalenter macht.
Einige Jahre nach Total Recall wandte sich O'Bannon ein zweites Mal dem Werk von Philip K. Dick zu. Angesichts des finanziellen Erfolgs von Verhoevens Film hielt man es bei Sony Pictures Unterabteilung Triumph Films offenbar für eine gute Idee, gleichfalls eine PKD-Adaption produzieren zu lassen. Die Wahl fiel auf Dicks Story Second Variety (12), heraus kam dabei der unter der Regie von Christian Duguay gedrehte Flick Screamers (1995) mit "RoboCop" Peter Weller in der Hauptrolle. Für das Drehbuch zeichneten Miguel Tejada-Flores und O'Bannon verantwortlich.
Der Streifen erwies sich als gewaltiger Flop an den Kinokassen. Dennoch handelt es bei ihm um eine erstaunlich gelungene PKD-Verfilmung. Wie Jason P. Vest in seinem Buch Future Imperfect: Philip K. Dick at the Movies schreibt:
Screamers [...] reproduces Dick's original text more faithfully than most other movies adapted from his writing. Its ominous atmosphere occasionally verges into outright misery, which captures the sinister tone of Second Variety remarkably well. [...] Duguay honors the short story's focus on what Dick himself has identified as "my grand theme – who is human and who only appears (masquerades) as human?" Perri Gorrara's set design reflects the short story's malevolent atmosphere, while Rodney Gibbon's cinematography plunges the audience into a world of unsightly nuclear devastation that gives way to uncomfortably constricted interiors. Most impressive is Peter Weller's textured performance as Commander Joseph Hendricksson, a man who like the short story's Major Hendricks, is so exhausted by fighting an endless war that his desire to establish peace with his enemies leads to disastrous consequences for humanity. (13)Screamers ist bei weitem kein makelloser Film. Neben Wellers Hendricksson muten die meisten anderen Charaktere blass und klischeehaft an, und insbesondere die erzwungen wirkende Liebesbeziehung zwischen ihm und Jessica hinterlässt einen schalen Nachgeschmack. Mit seiner intensiven, bedrückenden Atmosphäre und der recht intelligenten Umsetzung des zentralen Themas von simpel-brutalen Tötungsmaschinen, die sich zu einer eigenständigen Lebensform weiterentwickeln, gehört er dennoch zu den sehenswerteren SciFi-Flicks seiner Ära.
Screamers bezeichnete mehr oder weniger das Ende von Dan O'Bannons Karriere. Spätere Projekte gelangten nie über das Anfangsstadium hinaus. 1997 wurde mit Bleeders aka Hemoglobin noch einmal ein altes Drehbuch von O'Bannon und Shusett verfilmt. Als ich den Streifen vor Jahren zum ersten Mal im Fernsehen sah, hinterließ er einen merkwürdig intensiven Eindruck bei mir. Ein Rewatch des Flicks mit Rutger Hauer in der Hauptrolle hat sich jedoch als eher unbefriedigend erwiesen. Einige Storyelemente sind H.P. Lovecrafts Erzählung The Lurking Fear entlehnt, aber von einer wirklichen Lovecraft-Adaption lässt sich nicht sprechen. Eine solche hatte O'Bannon allerdings bereits fünf Jahre zuvor mit seiner zweiten Regiearbeit The Resurrected geliefert – dem Film, der mich ursprünglich zum Verfassen dieses Blogposts animiert hat, den ich nun aber in einem eigenen Artikel behandeln werde, in welchem ich mich dann auch mit seiner Quelle – HPLs The Case of Charles Dexter Ward – beschäftigen werde.
Es fällt nicht leicht, ein abschließendes Urteil über Dan O'Bannons Oeuvre zu fällen. Seine Karriere in Hollywood litt ohne Zweifel unter seiner mangelnden Bereitschaft, "das Spiel zu spielen" und sich einzufügen. Dennoch finde ich es schwer, in ihm ein Opfer der "seelenlosen Kulturindustrie" zu sehen. Offenbar besaß er die Tendenz, überall persönliche Feinde und gegen ihn gerichtete Verschwörungen zu wittern. Steve Biodrowski präsentiert uns in seinem Nachruf einige entsprechende Anekdoten und Martin Andersons Interview liefert zusätzliches Belegmaterial direkt aus dem Mund des Künstlers. Ob O'Bannons Nonkonformismus auf irgendwelchen ernstzunehmenden künstlerischen Überzeugungen basierte, scheint mir angesichts dessen eher ungewiss. Sicher hegte er einen Abscheu davor, Filmemachen als bloßes Geschäft zu betreiben. Seine kompromisslose Ablehnung des Ausbaus von Alien zu einem ganzen Franchise, zeigt dies sehr deutlich. Doch andererseits gelingt es mir nicht, in seinem Werk irgendwelche Themen ausfindig zu machen, mit denen er sich auf dauerhaftere und intensivere Art auseinandergesetzt hätte. Seine vielleicht größte Leistung bestand darin, dreckige und düstere SciFi-Szenarien (Dark Star, Alien, Screamers) zu entwerfen, ohne dabei in billigen Zynismus zu verfallen. Das ist immerhin etwas, aber für ein ganzes Lebenswerk bleibt es doch ein eher mageres Resultat.
(1) Joseph McBride: Steven Spielberg. A Biography. S. 136.
(2) Die bedeutendste Ausnahme stellt Steven Spielberg dar, der nie eine der großen Filmschulen besuchte.
(3) Zit. nach: Ebd.: S. 137.
(4) Kim Newman: Nightmare Movies. A Critical History of the Horror Film, 1966-86. S. 121.
(5) Das ursprüngliche Script von Dark Star kann man sich hier durchlesen.
(6) Leider ist es mir bisher noch nicht gelungen, Frank Pavichs Dokumentarfilm Jodorowsky's Dune in die Finger zu bekommen.
(7) Wer etwas mehr über diesen Streifen und andere "Vorläufer" von Alien erfahren will, begebe sich gemeinsam mit Mr. Jim Moon und den Black Doggern Lee Medcalf & Darren Barnard auf eine kleine Entdeckungsreise in Episode 80 von Hypnobobs.
(8) Zit. nach: Joseph McBride: Steven Spielberg. A Biography. S. 339.
(9) Über den ich hier bereits einmal einen Beitrag veröffentlicht habe.
(10) Russo hatte sein Drehbuch ursprünglich als direktes Sequel zu dem von Romero und ihm geschaffenen Klassiker angelegt, was von Fox jedoch verworfen wurde. Der Familienstammbaum des modernen Zombiefilms ist eine äußerst verwirrende Angelegenheit
(11) Kim Newman: Nightmare Movies. A Critical History of the Horror Film, 1966-86. S. 207.
(12) Die man sich bei SFFaudio als PDF herunterladen kann,
(13) Jason P. Vest: Future Imperfect: Philip K. Dick at the Movies. S. 78.
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Samstag, 4. Oktober 2014
Strandgut der Woche
- Perfect Shot: James Whales The Invisible Man (1933) ☼
- Perfect Shot: Sergei Eisensteins Iwan der Schreckliche - Teil 1 (1944)
- Perfect Shot: Sam Raimis Army of Darkness (1992) ☼
- John Ford im Monument Valley ☼
- Sam Peckinpah & Steve McQueen ☼
- Mickey Mouse, Sergei Eisenstein und Walt Disney ☼
- Stan Laurel und Oliver Hardy während ihrer Bühnentournee durch Großbritannien (1953) ☼
- Lauren Bacall ☼
- Catherine Deneuve (1969)
- Groucho Marx & Marlene Dietrich ☼
- Der junge Alfred Hitchcock während des Drehs von Blackmail (1929) ☼
- Thrilling reading! The cast of Dracula (1931) in a rather literary pose ☼
- Boris Karloff, in make-up, reading his script for The Mummy (1932) ☼
- Anita Louise in Max Reinhardts A Midsummer Night's Dream (1935) ☼
- Japanisches Filmplakat für François Truffauts Les Quatre Cents Coups / Sie küssten und sie schlugen ihn (1959) ☼
- Orson Welles auf dem Set von The Trial (1962) ☼
- Batmans Schurkengallerie (1967) ☼
- Dianne Wiest, Mia Farrow, Barbara Hershey & Woody Allen auf dem Set von Hannah and Her Sisters (1986)
- The Soviet Union's Dogs That Conquered Space (ca. 1957-1970) ☼
- Fotographien von Janine Niépce (1) * (2) * (3) * (4) * (5) * (6) * (7) * (8) * (9) * (10) * (11) * (12) ☼
- How to Gird Up Your Loins ☼
- Possible origin for Baba Yaga's chicken-legged hut ☼
- Mission Log Podcast - Episode 105: Hide and Q & Episode 106: Haven
- Video Nasties Podcast: Forest of Fear
- The Black Dog Podcast - Episode 212: Jobby Brown Onesie
- Trekabout - Episode 109: Ensign Ro / Silicon Avatar
- NUTS4R2 bespricht Doctor Who: The Caretakter * I Origins
- Bibliotheka Phantastika: Zum 60. Geburtstag von Paul Park * Zum 50. Geburtstag von Elizabeth E. Wein * Zum 70. Geburtstag von Katharine Kerr
- Bibliotheka Phantastika: Hexer-Kurzgeschichten von Mistkaeferl
- An evaluation of South African novelist Nadine Gordimer (1923-2014) von Sandy English
- The Dissolve: John Waters discusses 50 years of John Waters movies, and why he refuses to go backward von Matt Patches
- Cinephilia and Beyond: The Men Who Made The Movies: Alfred Hitchcock (1973)
- Cinephilia and Beyond. Leigh Bracketts Drehbuch für Robert Altmans Meisterwerk The Long Goodbye
- Open Culture: The Eyes of Hitchcock: A Mesmerizing Video Essay on the Expressive Power of Eyes in Hitchcok's Films
- Toronto International Film Festival 2014 - Part 4: Iraqi Odyssey and other pictures of the modern world von David Walsh
- Open Culture: A Free Cartoon Biography of Ayn Rand: Her Life & Thought
- Once Upon A Time: Kirby's Prisoner von Charles Hatfield
- Folklore on Friday: The Devil's Blackberries & Witch Bottles von Jim Moon
- Celluloid Wicker Man: The Aural Aestetics of Ghosts in BBC Ghost Stories - Part 3 (William Ager) von Adam Scovell
- The Red Shirt Diaries - Episode 5: The Enemy Within
Samstag, 27. September 2014
Strandgut der Woche
- 12 Theories of Time Travel (Album) von The Blue Giant Zeta Puppies ♫
- Luchino Visconti & Alain Delon ☼
- Boris Karloff & Bela Lugosi ☼
- Stanley Kubrick ☼
- Orson Welles, Oliver Hardy & Stan Laurel (1943) ☼
- Anita Ekberg (1951) ☼
- Rainer Werner Fassbinder & Hanna Schygulla ☼
- Behind the scenes of Frankenstein (1931-39) ☼
- Stan Laurel mit Tochter Lois (1938) ☼
- Humphrey Bogart & Lauren Bacall frühstücken auf dem Set von African Queen (1951) ☼
- Französisches Filmplakat für Gojira / Godzilla (1954) ☼
- John Huston und Orson Welles während des Drehs von Moby Dick (1957) ☼
- Behind the scenes of Batman (ca. 1966) ☼
- Michelangelo Antonioni und Vanessa Redgrave auf dem Set on Blow-Up (1966) ☼
- Japanisches Filmplakat für Roman Polanskis Rosemary's Baby (1968) ☼
- Bette Davis und Karen Black in Dan Curtis' Burnt Offerings ( 1976) - einer jener Filme, die {trotz des grandiosen Ensembles [neben Davis & Black Burgess Meredith & Oliver Reed]} wohl nicht wirklich "gut" sind, aber dennoch einen bleibenden {& äußerst verstörenden} Eindruck bei mir hinterlassen haben ☼
- John Cleese rehearsing on the set of Monthy Python and the Holy Grail (1975) ☼
- Sigourney Weaver auf dem Set von Alien (1979) ☼
- Debbie Harry & David Bowie (1977) ☼
- The Ready Room 157: Removable Sideburns (mit Trekabouts Eric Brasure als einem der Gastdiskutanten)
- Mission Log Podcast - Episode 104: The Battle
- Video Nasties Podcast: Women Behind Bars
- The Black Dog Podcast - Episode 211: Ed Harris Pink Helmet
- Trekabout - Episode 108: Redemption II / Darmok
- SFFaudio: Die BBC-Hörspieladaption von Stephen Kings Salem's Lot
- NUTS4R2 bespricht Doctor Who: Time Heist * A Walk Among The Tombstones * Battle Beyond The Stars von Jimmy Murakami & Roger Corman * David Mackenzies Perfect Sense
- Lake Hermanstadt: The Song of Wandering Aengus von Murilegus Rex ("The Writer Formerly Known As Anubis")
- Bibliotheka Phantastika: Zum 40. Geburtstag von Christoph Hardebusch und zum 80. Geburtstag von John Brunner
- A Pencil of Light: The Surrealist Films of Man Ray
- Cinephilia and Beyond: Akira Kurosawas Drehbuch für Dreams
- Cinephilia and Beyond: Graham Greenes Drehbuch für The Third Man
- Cinephilia and Beyond: Robert Bresson's Notes on Cinematography
- The Rise and Fall of Vampira, Dark Goddess of Horror von W. Scott Poole
- Postscripts to Darkness: Interview mit Silvia Moreno-Garcia
- Fantasyguide: Interview mit Karsten Kruschel
- Folklore on Friday: The Legend of the Kelpie von Jim Moon
- Toronto International Film Festival 2014 - Part 3: Drone warfare in Good Kill ... and a roundtable interview with writer-director Andrew Niccol and actor Ethan Hawke von David Walsh
- Grave of the Fireflies: Two children fighting for survival in wartime Japan von Elle Chapman
- Drabblecast: Mongoose Part 1 & 2 * Boojum Part 1 & 2 * The Wreck Of The Charles Dexter Ward Part 1 & 2 von Elizabeth Bear & Sarah Monette {Zum Lesen: Boojum & Moongoose}
- Clark Ashton Smiths The Dark Eidolon (PDF)
- Ashens: 17-Year-Old Jurassic Park: Lost World Mystery Bag * Intercontinental Snack Special *
- The Red Shirt Diaries - Episode 4: The Naked Time
Dienstag, 23. September 2014
"There are demons, and they are more terrible than we can imagine"
Ich glaube, ich bin zum ersten Mal durch den Blogeintrag "Solstice shenanigans" auf Helen Grant aufmerksam geworden. Wenn ich mich recht entsinne, hatte Jim Moon via Twitter auf ihn verlinkt. In ihm erzählt die Schriftstellerin von einer mysteriösen Entdeckung, die sie vor Jahren an einem 22. Juni (dem Tag nach der Sommersonnenwende) in den Wäldern nahe der Alten Burg bei Bad Münstereifel gemacht hatte. Was mich daran faszinierte war allerdings weniger die besagte Entdeckung, auch wenn die Vorstellung, stundenlang durch die Wälder zu streifen und dabei über alte Ruinen und geheimnisvolle Steinkreise zu stolpern, sehr glückliche Erinnerungen aus meiner Jugendzeit in mir weckte. Der entscheidende Punkt war vielmehr, dass Helen Grant in diesem Zusammenhang erwähnt, ihr erster Roman The Vanishing of Katharina Linden sei von den Volkssagen der Eifelregion inspiriert worden.
Ich bin nicht sofort aufgesprungen, um mir The Vanishing of Katharina Linden zu besorgen, aber mein Interesse war geweckt.
Das nächste Mal bin ich Helen Grants Namen dann in Episode 8 von A Podcast to the Curious begegnet, in der sich Will & Mike mit The Treasure of Abbot Thomas beschäftigen. Wie sich dabei herausstellte, ist die Autorin nicht nur eine große Liebhaberin der unheimlichen Geschichten von M.R. James {stets ein gutes Zeichen!}, sondern verfasst auch in unregelmäßigen Abständen Beiträge für Ghosts & Scholars, als da wären:
The book is about a series of disappearances that occur in this beautiful but seemingly sleepy little town; the heroine, Pia Kolvenbach, and her friend Stefan are inspired to investigate by the legends of the town, which suggest to them that there is some supernatural explanation behind what is going on. The legends are woven into the narrative and are all genuine local Eifel legends, retold by me.Ich mag es, wenn Bücher oder Filme Folklore und Fiktion miteinander vermischen, erst recht, wenn die dabei verwendeten Sagen, Überlieferungen oder Bräuche eine spezifisch regionale Verankerung besitzen. Wenn gut recherchiert und gut umgesetzt, kann einer Geschichte damit ein ganz eigener Charakter verliehen werden. Hat es etwas mit Authentizität zu tun? Ich bin mir nicht ganz sicher. Wichtig ist auf jedenfall, dass derartige Sagen unauflöslich mit den jeweiligen Orten verbunden sind. Selbst wenn sie weiter verbreitete Motive aufgreifen {Grant erwähnt z.B., dass die Ruinen der Alten Burg in der Überlieferung mit der Gestalt des Wilden Jägers in Zusammenhang gebracht werden}, verdanken sie ihre konkrete Ausformung doch der Geschichte und Geographie der Landschaft. Diesen Eindruck des organisch Gewachsenen in neu erfundenen "Sagen" nachzuahmen, dürfte äußerst schwer fallen.
Ich bin nicht sofort aufgesprungen, um mir The Vanishing of Katharina Linden zu besorgen, aber mein Interesse war geweckt.
Das nächste Mal bin ich Helen Grants Namen dann in Episode 8 von A Podcast to the Curious begegnet, in der sich Will & Mike mit The Treasure of Abbot Thomas beschäftigen. Wie sich dabei herausstellte, ist die Autorin nicht nur eine große Liebhaberin der unheimlichen Geschichten von M.R. James {stets ein gutes Zeichen!}, sondern verfasst auch in unregelmäßigen Abständen Beiträge für Ghosts & Scholars, als da wären:
- The Black Spider: Antecedents of The Ash Tree – in dem sie die These aufstellt, Jeremias Gotthelfs wunderbar verstörende Erzählung Die Schwarze Spinne könnte eine der Inspirationsquellen für Montys Geschichte gewesen sein.
- 'Depositum Custodi': Wells and Treasure in German Folklore – in dem sie sich ausgehend von The Treasure of Abbot Thomas mit der Beziehung zwischen Brunnen und verborgenen Schätzen in deutschen Volksüberlieferungen beschäftigt, wobei sie ihre Beispiele erneut in erster Linie aus Bad Münstereifel bezieht.
- 'He was laughing in the church': A Visit to St Bertrand de Comminges – in dem sie {erstmals als "Jamesian Traveller"} von ihrem Besuch in der französischen Kleinstadt erzählt, die Canon Alberic's Scrap-Book als Schauplatz dient.
- The Nature of the Beast: The Demonology of Canon Alberic's Scrap-Book
- 'The shadow of the occupant of Number 13': A Visit to Viborg – ihr zweiter Beitrag als "Jamesian Traveller".
- 'Places I have tried to visit': Marcilly-le-Hayer – eine weitere Reisereportage des "Jamesian Travellers"
- The Treasure of Steinfeld Abbey: A Visit to the Scene of The Treasure of Abbot Thomas
The story fascinated me for several reasons. I was amazed that something as fragile as stained glass could be removed from the cloister windows without being smashed to smithereens. And I couldn't help thinking that if a second series of windows by the same craftsman were to be discovered nowadays, they would be almost priceless.
Ich muss gestehen, dass ich selbst dann noch nicht in den nächsten Buchladen gespurtet bin, obwohl die Ingredienzen, die Helen Grant für ihre Bücher verwendet, von Mal zu Mal immer verlockender klangen: Authentische Volkssagen, M.R. James, mittelalterliche Buntglasfenster ... Das musste doch eigentlich ganz nach meinem Geschmack sein. Doch erst nachdem mir Grants Gastauftritt in Episode 34 von A Podcast to the Curious das bereits Gelesene wieder in Erinnerung gerufen hatte, besorgte ich mir endlich eines ihrer Bücher. Und natürlich handelte es sich dabei um The Glass Demon.
Die siebzehnjährige Lin hatte sich diesen Sommer wahrlich anders vorgestellt. Schulabschluss, Abhängen mit Freunden usw. Doch als ihr Vater – der extrem ehrgeizige Mediävist Oliver Fox – den angestrebten prestigeträchtigen Posten an seiner Universität nicht erhält, versteift er sich darauf, dem vagen Hinweis eines Lokalhistorikers aus Deutschland zu folgen und sich auf die Suche nach den legendären Buntglasfenstern der Abtei Allerheiligen zu begeben – Gerhard Remsichs Meisterwerk, das seit langem als verschollen gilt. Und so findet sich die Familie – zu der neben Lin und ihrem Vater Mutter Tuesday, Schwester Polly und das kleine Brüderchen Ru gehören – schon bald in einer halb verfallenen Burg in den Wäldern nahe des {fiktiven} Eifeldorfs Baumgarten wieder. Aber es wird noch schlimmer. Kaum sind die englischen Schatzsucher in dem Provinznest angekommen, da kommt es auch schon zu einer Reihe mysteriöser Todesfälle und anderer beunruhigender und makabrer Ereignisse. Und stets finden sich dabei mysteriöse Glassplitter am Ort des Geschehens. Versucht irgend jemand mit allen Mitteln zu verhindern, dass die Allerheiligen-Fenster wiedergefunden werden, oder ist doch etwas dran an der alten Legende von dem Dämon Bonschariant, der auf magische Weise an das Buntglas gebunden sein soll?
The Glass Demon setzt sich aus drei Story-Komponenten zusammen.
Ein Gutteil des Romans dreht sich um die ziemlich gestörten Verhältnisse in Lins Familie: Vater Oliver und seine verbissene Jagd nach Ruhm, der er alles andere zu opfern bereit ist. Die narzissistische Tuesday. Die willensschwache Polly, die stets tut, was man von ihr verlangt, nie wagt, ihre eigenen Interessen offensiv durchzusetzen oder auch nur klar auszusprechen, und die unter dem dadurch entstandenen psychischen Druck schließlich selbstzerstörerische Tendenzen (Magersucht) entwickelt. Lin selbst, die lernen muss, ihren Vater als das zu sehen, was er ist: ein schwacher, getriebener, selbstsüchtiger Mensch, und nicht das idealisierte Heldenbild aus ihrer Kindheit.
Hinzu kommt als zweiter Hauptbestandteil die Krimi/Mystery - Handlung um die Morde etc.
Und als {mögliche} dritte Komponente wäre da außerdem noch das mit der Legende von Bonschariant verbundene phantastische Element.
Alle drei Facetten finden ihre Vereinigung in der Figur des Dämons. Er steht nicht allein für die höllische Kreatur aus der mittelalterlichen Überlieferung, sondern ebenso für die Obsessionen und zerstörerischen Impulse, von denen so viele der beteiligten Personen beherrscht werden. "There are demons, and they are more terrible than we can imagine." Der Satz, der relativ früh in Lins Erzählung fällt, ließe sich sehr gut als Motto für die gesamte Geschichte begreifen.
Helen Grants Bücher werden unter dem Label "Jugendliteratur" (YA) verkauft. Ich kann mit solchen Kategorisierungen ehrlich gesagt nur wenig anfangen, zumal es mir an fest umrissenen Kriterien zu mangeln scheint, mit deren Hilfe sich bestimmen ließe, ob ein Buch der YA-Literatur zuzuordnen ist oder nicht. Das jugendliche Alter der Protagonistin und Erzählerin allein kann dafür doch wohl kaum ausreichen. Die Schriftstellerin selbst hat sich ursprünglich wohl auch nicht wirklich als "Jugendbuchautorin" verstanden, dieses Label inzwischen aber offenbar akzeptiert.
Und warum auch nicht? – Solange sich erwachsene Leser und Leserinnen dadurch nicht abgeschreckt fühlen, ihre Bücher zur Hand zu nehmen! Denn das wäre in der Tat höchst bedauernswert. Ich jedenfalls habe den ca. 400 Seiten starken Roman in knapp vier Tagen verschlungen. Und das ist angesichts der Tatsache, dass ich zur Zeit eigentlich kein wirklich schneller Leser bin, erstaunlich.
The Glass Demon ist eine straff gebündelte, spannend erzählte Geschichte ohne Längen oder Absacker mit einer sehr lebendigen und sympathischen Protagonistin, der es ausgesprochen gut gelingt, die Schilderung zwischenmenschlicher {familiärer} Probleme und Auseinandersetzungen mit einer abenteuerlichen Handlung zu verknüpfen, die durch die historisch-legendenhaften Elemente und deren sehr authentisch wirkende regionale Verankerung einen ganz eigenen, für mich sehr ansprechenden Charakter erhält.
Ganz sicher wird dies nicht das einzige Buch von Helen Grant bleiben, das einen Platz in meiner Bibliothek findet. Erst recht nicht, wenn die anderen Romane {inzwischen sind es insgesamt fünf} halten, was die Autorin in einem kürzlich veröffentlichten Interview versprochen hat: "[A] strong sense of place (I love my foreign locations!), thrills, and a sprinkling of gruesome and sometimes grotesque deaths!" Yeah!
The Glass Demon setzt sich aus drei Story-Komponenten zusammen.
Ein Gutteil des Romans dreht sich um die ziemlich gestörten Verhältnisse in Lins Familie: Vater Oliver und seine verbissene Jagd nach Ruhm, der er alles andere zu opfern bereit ist. Die narzissistische Tuesday. Die willensschwache Polly, die stets tut, was man von ihr verlangt, nie wagt, ihre eigenen Interessen offensiv durchzusetzen oder auch nur klar auszusprechen, und die unter dem dadurch entstandenen psychischen Druck schließlich selbstzerstörerische Tendenzen (Magersucht) entwickelt. Lin selbst, die lernen muss, ihren Vater als das zu sehen, was er ist: ein schwacher, getriebener, selbstsüchtiger Mensch, und nicht das idealisierte Heldenbild aus ihrer Kindheit.
Hinzu kommt als zweiter Hauptbestandteil die Krimi/Mystery - Handlung um die Morde etc.
Und als {mögliche} dritte Komponente wäre da außerdem noch das mit der Legende von Bonschariant verbundene phantastische Element.
Alle drei Facetten finden ihre Vereinigung in der Figur des Dämons. Er steht nicht allein für die höllische Kreatur aus der mittelalterlichen Überlieferung, sondern ebenso für die Obsessionen und zerstörerischen Impulse, von denen so viele der beteiligten Personen beherrscht werden. "There are demons, and they are more terrible than we can imagine." Der Satz, der relativ früh in Lins Erzählung fällt, ließe sich sehr gut als Motto für die gesamte Geschichte begreifen.
Helen Grants Bücher werden unter dem Label "Jugendliteratur" (YA) verkauft. Ich kann mit solchen Kategorisierungen ehrlich gesagt nur wenig anfangen, zumal es mir an fest umrissenen Kriterien zu mangeln scheint, mit deren Hilfe sich bestimmen ließe, ob ein Buch der YA-Literatur zuzuordnen ist oder nicht. Das jugendliche Alter der Protagonistin und Erzählerin allein kann dafür doch wohl kaum ausreichen. Die Schriftstellerin selbst hat sich ursprünglich wohl auch nicht wirklich als "Jugendbuchautorin" verstanden, dieses Label inzwischen aber offenbar akzeptiert.
Und warum auch nicht? – Solange sich erwachsene Leser und Leserinnen dadurch nicht abgeschreckt fühlen, ihre Bücher zur Hand zu nehmen! Denn das wäre in der Tat höchst bedauernswert. Ich jedenfalls habe den ca. 400 Seiten starken Roman in knapp vier Tagen verschlungen. Und das ist angesichts der Tatsache, dass ich zur Zeit eigentlich kein wirklich schneller Leser bin, erstaunlich.
The Glass Demon ist eine straff gebündelte, spannend erzählte Geschichte ohne Längen oder Absacker mit einer sehr lebendigen und sympathischen Protagonistin, der es ausgesprochen gut gelingt, die Schilderung zwischenmenschlicher {familiärer} Probleme und Auseinandersetzungen mit einer abenteuerlichen Handlung zu verknüpfen, die durch die historisch-legendenhaften Elemente und deren sehr authentisch wirkende regionale Verankerung einen ganz eigenen, für mich sehr ansprechenden Charakter erhält.
Ganz sicher wird dies nicht das einzige Buch von Helen Grant bleiben, das einen Platz in meiner Bibliothek findet. Erst recht nicht, wenn die anderen Romane {inzwischen sind es insgesamt fünf} halten, was die Autorin in einem kürzlich veröffentlichten Interview versprochen hat: "[A] strong sense of place (I love my foreign locations!), thrills, and a sprinkling of gruesome and sometimes grotesque deaths!" Yeah!
PS: Eines der Allerheiligen-Fenster {der "Engelssturz"} wurde übrigens direkt von einem der Steinfeld-Fenster inspiriert, wie man hier nachlesen kann.
PPS: Auch der Dämon Bonschariant besitzt sein Vorbild in einer authentischen Sage: "[T]here really is a local Eifel legend about the demon Bonschariant. It's
connected with Steinfeld Abbey. Count Sigebodo (love that name!), who
built the abbey, is supposed to have had a mysterious servant named
Bonschariant ("the good servant") who was actually a demon. The count
turned a blind eye to Bonschariant's demonic aspects for a long time
because he was such a useful person to have around - he once flew into
the air during a battle carrying the count with him to save him from
being killed. But eventually the count's wife became frightened and
encouraged the count to get rid of Bonschariant. The count built the
abbey and fixed a cross to the highest point - when Bonschariant saw the
cross he flew away snarling and was never seen again."
PPPS: The Vanishing of Katharina Linden und The Glass Demon sind inzwischen auch in deutscher Übersetzung als Die Mädchen des Todes bzw. Blutige Scherben erhältlich.
PPPS: The Vanishing of Katharina Linden und The Glass Demon sind inzwischen auch in deutscher Übersetzung als Die Mädchen des Todes bzw. Blutige Scherben erhältlich.
Samstag, 20. September 2014
Strandgut der Woche
- Are Friends Electric? von The Rowan Amber Mill & Emily Jones ♫
- The GoatMan Original Soundtrack von The Unseen ♫
- Stanley Kubrick & Marlon Brando ☼
- Francis Ford Coppola & Marlon Brando ☼
- Jacques Tati & Marlon Brando ☼
- Buster Keaton & Boris Karloff ☼
- Marilyn Monroe ☼
- Lauren Bacall, Frank Sinatra & Kim Novak ☼
- Luchino Visconti & Maria Callas ☼
- Dario Argento mit Tochter Asia ☼
- Lon Chaney in He Who Gets Slapped (1924) ☼
- Buster Keaton während des Drehs von Edward Sedgwicks The Cameraman (1928) ☼
- Während des Drehs von Edgar G. Ulmers The Black Cat (1934) ☼
- Elia Kazan und Marlon Brando auf dem Set von A Streetcar Named Desire (1951) ☼
- Joan Crawford und Nicholas Ray auf dem Set von Johnny Guitar (1958) ☼
-
Dänisches Filmplakat für The Night of the Hunter (1958) ☼
- Stanley Kubrick, Tracy Reed & George C. Scott auf dem Set von Dr. Strangelove (1964) ☼
- Francis Ford Coppola, Marlon Brando & Al Pacino während des Drehs von The Godfather (1972) ☼
- Marlon Brando auf dem Set von Apocalypse Now (1976) ☼
- Robert Wise während des Drehs von Star Trek: The Motion Picture (1979) ☼
- Paul Newman, James Garner, Marlon Brando, and James Baldwin at the March on Washington for Jobs and Freedom (1963) ☼
- N.Wilson, Eartha Kitt, Sammy Davis, Jr, Sidney Poitier, Berry Gordy, Marlon Brando at Dr. Martin Luther King's funeral (1968) ☼
- Willie Nelson & John Belushi ☼
- The Models of Grant Wood's American Gothic ☼
- Leo Tolstoi mit Enkelin & Enkel ☼
- Video Nasties Podcast: Tenebrae
- Mission Log Podcast - Episode 103: Justice
- The Black Dog Podcast - Episode 210: EVERYONNNNNE!
- Trekabout - Episode 107: In Theory / Redemption
- Hypnobobs - Microgoria 03: In Search of a Ghost
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- Bibliotheka Phantastika: Moyashi bespricht Labyrinth: The Novelization
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- Interview mit Tennessee Williams
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- Folklore on Friday: The Rampages of Robin Redcap von Jim Moon
- The Pirate Empire: Real Pirate Food
- The Red Shirt Diaries - Episode 3: Where No Man Has Gone Before
Freitag, 19. September 2014
"Find him, bind him, tie him to a pole ..."
Auch wenn es in ihm nicht wirklich um Freibeuter geht, dachte ich mir, The Mariner's Revenge Song von der amerikanischen Indie-Folk-Band The Decemberists wäre ein sehr schöner {wenn auch ziemlich finsterer} Beitrag zum heutigen "Talk Like A Pirate Day". Arrrh ...
Dienstag, 16. September 2014
I Know What You Did in the Nineties
Letzte Woche konnte ich meinen einundvierzigsten Geburtstag feiern. Ich gehöre also nicht mehr zu den ganz jungen. Weshalb Hollywoods sich immer schneller drehendes Reboot-Karussel auf mich vermutlich noch etwas bizarrer wirkt als dies bei einem jüngeren Beobachter der Fall wäre. Ich kann mich halt noch recht gut an die Zeit erinnern, als I Know What You Did Last Summer / Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (1997) in die Kinos kam, und die Nachricht, man wolle die olle Slasherstory mit dem Eisenhaken nun erneut auf das Publikum loslassen, erscheint mir deshalb wohl besonders grotesk. Vor ein paar Jahren hätte ich vielleicht noch mit ungläubigem Staunen reagiert, aber das hat mir Hollywood inzwischen abgewöhnt.
Ich habe die Zählebigkeit des Slashers nie so recht verstehen können. Hatten nicht bereits die 80er Jahre – das wenn man so will "goldene Zeitalter" des Genres – mit den nicht enden wollenden Sequels zu Halloween, Friday the 13th und Nightmare on Elm Street zur Genüge bewiesen, wie wenig ausbaufähig das magere Grundkonzept dieses Horrortyps ist? Schon das Wiederaufflackern der Mode in der zweiten Hälfte der 90er Jahre fand ich damals eher uninteressant und im Rückblick ziemlich eigenartig. Ausgelöst wurde der kurzlebige Trend durch Wes Cravens Scream (1996), und der sollte ja eine Art "Dekonstruktion" des Genres darstellen. Aber statt dieses endgültig zu Grabe zu tragen, führte der Flick zur Produktion solch generischer Werke wie I Know What You Did Last Summer (1997) und Urban Legends (1998). Mehr noch, mit Kevin Williamson zeichnete derselbe Drehbuchschreiber für Scream und I Know ... verantwortlich. Ich kapier das nicht so ganz: Wie kann ein Autor die Konventionen eines Genres erst ironisch zerpflücken und sie anschließend in ihrer alten Form wiederverwenden, so als wäre nichts geschehen? Spricht das nicht entweder für einen deutlichen Mangel an künstlerischer Integrität oder dafür, dass der vermeintlich kritische Impuls der "Dekonstruktion" in Wirklichkeit nicht mehr war als das eitle Verlangen, der Welt zu zeigen, wie clever man ist? Und schwingt da nicht sogar ein klein bisschen Publikumsverachtung mit, nach dem Motto "Ich bin so schlau, dass ich das alles durchschaue, aber denen da draußen in den Kinos kann ich das olle Rezept allemal noch mal vorsetzen, die werden's schon fressen."
Vielleicht gehe ich mit all dem etwas zu hart ins Gericht. Schon die Slasher-Filme der 80er Jahre haben halt nie zu meinen großen Favoriten in der Welt des Horrors gehört. Dennoch finde ich es ein wenig bizarr, mitzuerleben, wie mit I Know What You Did Last Summer der Vertreter einer Revival-Welle wiederbelebt werden soll, die sich selbst bereits nicht eben durch überbordende Originalität auszeichnete. Die Kopie einer Kopie ...
Ich habe die Zählebigkeit des Slashers nie so recht verstehen können. Hatten nicht bereits die 80er Jahre – das wenn man so will "goldene Zeitalter" des Genres – mit den nicht enden wollenden Sequels zu Halloween, Friday the 13th und Nightmare on Elm Street zur Genüge bewiesen, wie wenig ausbaufähig das magere Grundkonzept dieses Horrortyps ist? Schon das Wiederaufflackern der Mode in der zweiten Hälfte der 90er Jahre fand ich damals eher uninteressant und im Rückblick ziemlich eigenartig. Ausgelöst wurde der kurzlebige Trend durch Wes Cravens Scream (1996), und der sollte ja eine Art "Dekonstruktion" des Genres darstellen. Aber statt dieses endgültig zu Grabe zu tragen, führte der Flick zur Produktion solch generischer Werke wie I Know What You Did Last Summer (1997) und Urban Legends (1998). Mehr noch, mit Kevin Williamson zeichnete derselbe Drehbuchschreiber für Scream und I Know ... verantwortlich. Ich kapier das nicht so ganz: Wie kann ein Autor die Konventionen eines Genres erst ironisch zerpflücken und sie anschließend in ihrer alten Form wiederverwenden, so als wäre nichts geschehen? Spricht das nicht entweder für einen deutlichen Mangel an künstlerischer Integrität oder dafür, dass der vermeintlich kritische Impuls der "Dekonstruktion" in Wirklichkeit nicht mehr war als das eitle Verlangen, der Welt zu zeigen, wie clever man ist? Und schwingt da nicht sogar ein klein bisschen Publikumsverachtung mit, nach dem Motto "Ich bin so schlau, dass ich das alles durchschaue, aber denen da draußen in den Kinos kann ich das olle Rezept allemal noch mal vorsetzen, die werden's schon fressen."
Vielleicht gehe ich mit all dem etwas zu hart ins Gericht. Schon die Slasher-Filme der 80er Jahre haben halt nie zu meinen großen Favoriten in der Welt des Horrors gehört. Dennoch finde ich es ein wenig bizarr, mitzuerleben, wie mit I Know What You Did Last Summer der Vertreter einer Revival-Welle wiederbelebt werden soll, die sich selbst bereits nicht eben durch überbordende Originalität auszeichnete. Die Kopie einer Kopie ...
Montag, 15. September 2014
Spät auf der Party
Wie so oft bin ich natürlich auch diesmal reichlich spät zur Party gekommen. Macht es überhaupt noch Sinn, irgendetwas zu Guardians of the Galaxy zu schreiben? Wahrscheinlich nicht, aber ich mach's trotzdem, nachdem ich vor vier Tagen endlich die Gelegenheit hatte, ihn mir anzuschauen. Und da dies im Rahmen eines Besuchs bei Molosovsky in Frankfurt geschah {für dessen Gastfreundschaft ich mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bedanken will}, kam ich sogar in den Genuss der Originalversion.
Gar zu viele Worte will ich nicht verlieren, darum das allerwichtigste zuerst: Selten hat ein Film, auf den ich so große Hoffnungen gesetzt hatte, diese ähnlich bravourös erfüllt wie James Gunns Streifen.
Regelmäßigere Leserinnen & Leser meines Blogs werden wissen, dass ich im heutigen phantastischen Kino besonders schmerzlich jenen bunt-abenteuerlichen Unsinn vermisse, der bis in die frühen 80er Jahre hinein einen Gutteil des Genres ausmachte. Schon der erste Trailer zu Guardians of the Galaxy ließ mich deshalb vor Vorfreude laut aufjubeln, sprach doch vieles dafür, hier endlich einmal wieder ein Weltraumabenteuer im Stil der alten Pulps und B-Movies präsentiert zu bekommen.
Und tatsächlich: Gunns Film ist völlig frei von dem grimmigen Pseudorealismus oder der aufgesetzten und für gewöhnlich schrecklich banalen "Tiefsinnigkeit", die mir den Großteil der Kino- und TV - Phantastik unserer Tage vermiesen. Guardians of the Galaxy ist ein Film, der nur ein Ziel kennt: Er soll Spaß zu machen. Und mit seiner farbenfrohen Ästhetik, gut gemachter Action, klasse Schauspielern & Schauspielerinnen sowie einer human-optimistischen Grundstimmung erreicht er dieses Ziel wie kaum ein anderer Film der jüngeren {und auch der nicht mehr ganz so jungen} Vergangenheit, der mir bekannt wäre.
Letztes Jahr hatten wir zwar Pacific Rim, und der war ein Riesenspaß, aber bei aller Liebe zum Schlock und zu Guillermo del Toro führt kein Weg daran vorbei, sich eingestehen zu müssen, dass der Flick sehr deutliche Schwächen – vor allem in der Charakterzeichnung und -entwicklung – besitzt. Keine seiner Hauptfiguren bleibt lebendig in der Erinnerung. Einem Vergleich mit Guardians of the Galaxy hält er jedenfalls ganz sicher nicht stand.
Hier und da ist mir die Meinung zu Ohren gekommen, der durchgehend selbstironische Ton von Gunns Film führe dazu, die etwas ernsteren Akzente, die hier und da gesetzt werden {vor allem im Zusammenhang mit Groot & Rocket}, mehr oder weniger ihrer Wirkung zu berauben. Dem kann ich mich nicht anschließen. Guardians of the Galaxy zeichnet sich vor allem durch eine lebendige, nie erzwungen wirkende und humorvolle Leichtigkeit aus. Im Rahmen eines solchen Films können die entsprechenden Szenen natürlich nicht die Ernsthaftigkeit entfalten, die ihnen in einem anderen Kontext möglicherweise zugekommen wäre. Aber für die Funktion, die sie in dieser Art Film zu erfüllen haben, scheinen sie mir gerade intensiv genug zu sein. Und diese Funktion ist äußerst wichtig. Ohne sie besäße der Flick nicht jenen sympathisch humanen Grundton, der in meinen Augen sehr viel von seinem Charme ausmacht. Für sich genommen ist keine dieser Szenen zu tiefst berührend oder überwältigend, aber zusammen genommen schaffen sie so etwas wie eine Atmosphäre der Menschlichkeit. Und eine stärkere Wirkung sollten sie im Rahmen eines unterhaltsam-schrägen Weltraumabenteuers dieser Sorte auch gar nicht haben.
{Wenn Rocket und die Ravagers am Ende die Xandar-Metropole beschützen, während diese evakuiert wird, ist das natürlich außerdem eine nette Antwort auf das Metropolis-Massaker in Zack Snyders Man of Steel.}
Das einzige, was mein Vergnügen an Guardians of the Galaxy ein ganz klein wenig trübt, ist der Umstand, dass der Flick Teil des großen Marvel-Film-Frachises ist. Ich habe halt nicht viel übrig für zeitgenössische Superhelden-Flicks. {Und um das klarzustellen: Guardians of the Galaxy ist in meinen Augen kein Superheldenfilm, sondern ein hübsch schräges SciFi-Abenteuer in bester Pulp-Tradition.} Noch sind die Verbindungen ja eher periphär. Außer Thanos {dem einzigen echten Schwachpunkt des Filmes; der lila Riese ist ebenso überflüssig wie unbeeindruckend} hätten wie da bloß den Infinity-Stone {und so ein unsinniges McGuffin braucht jede ordentliche Pulp-Story}. Doch bei ihrem nächsten Auftritt werden die Guardians dann wohl endgültig in die Welt der Avengers eintreten, und ich fürchte, dass könnte ihnen viel von ihrem Charme rauben.
Eine kurze Bemerkung zum Schluss: Als wir uns aufmachten, das Kino zu verlassen, ließ Molo die Bemerkung fallen, Guardians of the Galaxy habe die Latte für Star Wars Episode VII sehr hoch gelegt. Dem konnte ich schwerlich widersprechen. Doch inzwischen hat sich in meinem Kopf {der manchmal etwas langsam arbeitet} die Ansicht herausgebildet, dass eine solche Gegenüberstellung von James Gunns Film und dem kommenden Einstand von JJ Abrams in das Jedi-Universum in gewisser Hinsicht gar nicht angemessen wäre. Wie ich hier schon einmal etwas ausführlicher dargelegt habe, lässt sich Star Wars spätestens seit dem Ende der ursprünglichen Trilogie nicht länger als ein neckisches Pulp-Adventure charakterisieren {und hätte deshalb mit Return of the Jedi enden sollen.} Mit den Prequels wollte George Lucas seine kindische Science Fantasy dann in eine "epische Tragödie" verwandeln. Damit ist er zwar grandios gescheitert, doch leider habe ich nicht das Gefühl, dass Star Wars unter Abrams' Leitung in die alten Gefilde zurückkehren wird. {Ob das überhaupt möglich wäre, ist noch einmal eine andere Frage.} Kurz gesagt: Das Franchise nimmt sich selbst viel zu ernst. Es kann deshalb auch überhaupt nicht etwas vergleichbar locker-flockiges wie Guardians of the Galaxy hervorbringen.
Samstag, 13. September 2014
Strandgut der Woche
- The Active Listener Sampler 23 ♫
- Perfect Shot: Ingmar Bergmans Smultronstället / Wilde Erdbeeren (1957) ☼
- Orson Welles & Charlie Chaplin ☼
- Edward G. Robinson mit Katze ☼
- Charles Laughton ☼
- Groucho Marx ☼
- Myrna Loy in The Mask of Fu Manchu (1932) ☼
- Myrna Loy in a still for W.S. Van Dyke's Penthouse (1933) ☼
- Cary Grant, Carole Lombard, Ronald Colman, Lawrence Tibbett, and Groucho & Chico Marx at a 1939 radio rehearsal ☼
- Olivia de Havilland studies her script (surrounded by fencing paraphernalia!) in a "candid" shot for Michael Curtiz' Captain Blood (1953) ☼
- Marilyn Monroe und Lauren Bacall während der Premiere von Jean Negulescos How To Marry A Millionaire (1953) ☼
- Claudia Cardinale auf dem Set von Sergio Leones Once Upon a Time in the West (1968) ☼
- Leonard Nimoy, Jeff Goldblum und Philip Kaufman auf dem Set von Invasion of the Body Snatchers (1978) ☼
- Japanisches Filmplakat für David Lynchs The Elephant Man (1980) ☼
- Robert E Howard (right) engaged in some hardcore cosplay with his friend Tevis Clyde Smith ☼
- Aughra (from The Dark Crystal) and Jim Henson take a walk in London ☼
- Die Monty Pythons fotographiert von Richard Avedon ☼
- 1600s: Jewelled Skeletons ☼
- SFFaudio Podcast #281: Philip K. Dick's Do Androids Dream Of Electric Sheep? (Diskussion mit Jesse, Bryan Alexander & Mr. Jim Moon)
- Hypnobobs - Microgoria 02: The Wish-Hounds
- Video Nasties Podcast: SS Experiment Camp
- The Black Dog Podcast - Episode 209: Complete Brick
- Trekabout - Episode 106: The Host / The Mind's Eye
- Hypnobobs - Hypnogoria 002: Horror Double Bills Part II
- Alfred Noyes' Midnight Express und Murray Ewings Alice at R'lyeh vorgetragen von Julia Morgan
- NUTS4R2 bespricht Doctor Who: Robot of Sherwood * Adam Wingards The Guest * Star Wars Episode V: The Empire Strikes Back * Ted V. Mikels' The Doll Squad
- Bibliotheka Phantastika: Moyashi bespricht Sharon Lynn Fishers Ghost Planet
- Open Culture: Neil Gaiman's Free Short Stories
- Open Culture: Le Voyage Dans La Lune und fünf weitere Filme von Georges Méliès
- Open Culture: Hear The Epic of Gilgamesh Read in the Original Akkadian and Enjoy the Sounds of Mesopotamia
- Cinephilia and Beyond: The Making of David Cronenberg's Videodrome
- Segundo de Chomón: Forgotten Fantasist of Silent Film von Sean McLachlan
- Pre-Code A to Z: 26 Favorites von The Nitrate Diva (@NitrateDiva)
- Magical Horror: Precision Sharpened Blade & The Man in the Shadows von Beth (@horror_magic)
- The Red Shirt Diaries - Episode 2: Charlie X
- Ashens: Classic Doctor Who Figures * Loot Crate: August 2014
- RedLetterMedia: A Conversation with Samurai Cop star Matt Hannon (part 2)
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