"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Donnerstag, 16. Februar 2017

Willkommen an Bord der "Liberator" – S01/E03: "Cygnus Alpha"

Wenn die zweite Episode von Blake's 7 vor allem dadurch zu beeindrucken versuchte, dass man praktisch das ganze für die erste Staffel vorgesehene Budget auf einen Schlag verbriet, fährt Episode 3 eine Art Geheimwaffe in Gestalt des unvergleichlichen Brian Blessed auf. Ohne Frage habe ich ihn schon sehr viel nuancierter und subtiler agieren sehen als hier, doch andererseits gibt es wenige Schauspieler, bei denen es mir soviel Spaß macht, sie im absoluten Overdrive zu erleben, wie den großen Brian.

Freilich taucht der gute Mann erst nach gut zwanzig Minuten auf.

Zuerst einmal bekommen wir zu sehen, wie Blake (Gareth Thomas), Jenna (Sally Knyvette) und Avon (Paul Darrow) ihr Raumschiff erkunden. Die Technologie scheint sehr viel fortgeschrittener als die der Terranischen Föderation. Als Jenna nach Zufallsprinzip einige der Steuerungstasten ausprobiert -- denn was bleibt unseren Helden schon anderes übrig, wenn sie deren Funktionsweise erlernen wollen? -- wird eine telepathische Verbindung zwischen ihr und dem Schiff hergestellt, was auf sie zuerest beängstigend, dann jedoch friedvoll und beglückend wirkt. Alsbald meldet sich der Schiffscomputer Zen (mit der Stimme von Peter Tuddenham) zu Worte, der sich bereit erklärt, den Befehlen der neuen Mannschaft zu gehorchen. Dabei erfahren wir auch, dass der neue Name des Schiffs, der aus der Gedankenverschmelzung von Jenna und Zen geboren wurde, "Liberator" lautet. Blake zögert nicht lange, sondern befiehlt Kurs auf Cygnus Alpha zu nehmen, wo er die übrigen Gefangenen zu befreien und als Crew zu rekrutieren gedenkt. Als hilfreich könnte sich dabei erweisen, dass die "Liberator" u.a. über eine Teleportationsvorrichtung verfügt, die in Aktion zwar nicht so hübsch ausschaut wie Star Trek's klassischer Transporter, aber dem gleichen Zweck dient -- der Notwendigkeit aus dem Weg zu gehen, aufwendige Landeszenen mit teuren Modellen und Spezialeffekten drehen zu müssen.
Zur selben Zeit müssen Vila (Michael Keating), Gan (David Jackson) und die übrigen Sträflinge, nachdem sie von der London auf Cygnus Alpha abgesetzt wurden, feststellen, dass der Planet in der Tat so unerfreulich zu sein scheint, wie man das von einer Sträflingskolonie erwarten würde. Etwas überraschend, wenn auch kaum aufmunternd, wirkt da höchstens, dass sie in der nebligen Einöde schon bald auf einen gekreuzigten Leichnam stoßen, dem ein Schild mit der ominösen, wenn auch informativen Aufschrift "So sterben Ungläubige" beigefügt wurde. Dazu passt ganz gut, dass die Neuankömmlinge wenig später einem Trupp in Mönchskutten begegnet, dessen Anführerin Kara (Pamela Salem) sie im Namen ihres "neuen Gottes" Willkommen heißt und in ein hübsch "gotisch"-gruseliges Klostergebäude führt.
Nachdem  auch die "Liberator" Cygnus Alpha erreicht hat, lässt sich Blake auf die Oberfläche teleportieren, obwohl Avon zu bedenken gibt, dass sie nicht wirklich wüssten, wie (und ob) der Transporter funktioniert. In der Folge gelangt auch unser Held zu dem wenig einladenden Tempelbau, von dem aus der offensichtlich größenwahnsinnige Vargas (Brian Blessed) als Hohepriester über einen bizarren Kult herrscht, der die einzige Form einer "geordneten Gesellschaft" auf dem Gefängnisplaneten darstellt. Als er von der Existzenz der "Liberator" erfährt, setzt er alles daran, in den Besitz des Schiffes zu gelangen, um seine {nicht wirklich} "frohe Botschaft" zu den Sternen zu tragen. Seine bevorzugten Mittel sind dabei Folter und Menschenopfer.

Das größte Highlight dieser Folge ist, wie schon gesagt, Brian Blessed als irrer Sektenführer. Doch daneben hat sie noch einiges anderes zu bieten.

Stellt man das minmale Budget in Rechnung, so ist Cygnus Alpha einer der atmosphärisch gelungeneren Planeten der ersten Staffel. Blake's 7 wird immer mal wieder Abstecher in leicht psychedelisch anmutende Gefilde unternehmen, und dies ist das erste Beispiel dafür. Dabei standen den Machern ganz offensichtlich nur einige primtive Sets, einige sehr hübsche Matte-Paintings und sehr viel Trockeneis zur Verfügung. Nicht zu vergessen das wirklich recht eindrucksvolle, mumifizierte Gesicht der gekreuzigten Leiche.

Für den weiteren Verlauf der Serie am wichtigsten sind natürlich die Charakterentwicklungen. Blake übernimmt wie selbstverständlich die Führungsrolle und macht deutlich, dass er abweichende Meinungen nur schwer akzeptieren kann. Entweder man schließt sich ihm an oder man ist in seinen Augen ein rückgratloser Feigling.
Gan erweist sich sowohl gegenüber Vila als auch gegenüber Blake als extrem loyal. Zudem zeigt er einmal mehr die Neigung, anderen mit physischer Gewalt zu drohen.
Avon hingegen macht keinen Hehl daraus, dass er Blake für einen gefährlichen Fanatiker hält. Er versucht Jenna dazu zu überreden, mit der "Liberator" das Weite zu suchen, während dieser sich auf dem Planeten befindet. Blake sei ein "crusader", der  in seinem hoffnungslosen Verlangen, das Föderationsregime zu stürzen, alle, die ihm folgen, mit ins Verderben reißen werde. Jenna ihrerseits lehnt es zwar ab, Blake und die anderen einfach im Stich zu lassen, weiß jedoch nicht wirklich etwas auf diese Charakterisierung ihres "Anführers" zu erwidern.

Besonders interessant fand ich jedoch die Idee der Kultgemeinde. Nicht dass die Episode sehr viel mit ihr anfangen würde, doch der kurze Abriss ihrer Geschichte, den Vargas in einem wilden Monolog zum Besten gibt, ist recht faszinierend. Den ersten Verbannten, die die Föderation nach Cygnus Alpha schickte, gelang es unter großen Opfern und Mühen eine halbwegs funktionierende Gemeinschaft aufzubauen. Doch als später immer mehr Sträflinge auf den Planeten deportiert wurden, drohte diese auseinanderzubrechen. Schließlich kam einer von Vargas' Vorfahren auf die Idee, eine religiöse Lehre zu kreieren, mit deren Hilfe es gelang, die immer heftigeren Konflikte unter den Verbannten zu unterdrücken und eine feste Disziplin einzuführen. Diese Ordnung basiert zwar auf Lügen, Furcht und Terror, doch immerhin erlaubt sie es den Deportierten unter den harschen Bedingungen von Cygnus Alpha zu überleben. Ein wenig hat mich das an die eigenartige "Mönchsgemeinschaft" von Fiorina "Fury" 161 aus Alien 3 erinnert, auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob das ein gutes Zeichen ist, habe ich doch nur sehr wenig für diesen Flick übrig ...

Ich glaube, das war's für heute. Am Ende von Cygnus Alpha haben mit Blake, Jenna, Avon, Vila, Gan und Zen sechs der eponymischen Sieben ihren Platz auf der "Liberator" eingenommen. Das nächste Mal werden wir Nummer Sieben kennenlernen, und nebenbei demonstriert bekommen, dass eine verwässerte Version der berühmten Star Trek - Episode Space Seed keine gute Idee für einen B-Plot ist.

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