"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Samstag, 11. Juli 2015

Shannara, MTV-style

Mein Eindruck war stets, dass Peter Jackson in seiner Adaption von Tolkiens Lord of the Rings das Werk des "Professors" quasi durch die Brille seiner Epigonen betrachtet habe. Unter seiner Hand wurde Mittelerde zu einer Welt, wie wir sie aus der High Fantasy der 80er Jahre – genauer gesagt: aus den klischeehaftesten Werken dieser Epoche – kennen. Deshalb finde ich es ausgesprochen amüsant, dass uns MTV Anfang nächsten Jahres eine TV-Serie zu bescheren gedenkt, die sich allem Anschein nach in ihrer Ästhetik sehr deutlich am Vorbild Jacksons orientieren, aber auf Terry Brooks' Shannara - Zyklus basieren wird – jenen Büchern also, die weiland die High Fantasy - Welle ins Rollen brachten. In gewisser Weise wächst hier zusammen, was zusammen gehört.

Auf der San Diegoer Comic Con wurde der Öffentlichkeit nun der erste Trailer für das Projekt vorgestellt:



Was wir hier präsentiert bekommen, hat mich zwar nicht vom Hocker gerissen, aber dennoch schaue ich der Serie mit einem gewissen Wohlwollen entgegen.

Der jacksonsche Stil des Fantasyfilms ist ein Stil der schönen Oberfläche. Auch wenn der neuseeländische Filmemacher größtenteils unfähig ist, seinen Geschichten Subtilität, Tiefe oder einen wirklich poetischen Zauber zu verleihen, enthalten seine Filme doch immer wieder recht hübsche Bilder. Im Fall von The Lord of the Rings bedeutete das den Verlust all dessen, was Tolkiens Werk zu einem außergewöhnlichen Stück Literatur macht. Terry Brooks' Shannara hingegen ist selbst schon größtenteils Oberfläche. Hier kann nicht wirklich etwas verloren gehen, weil gar nichts dagewesen ist, was verloren gehen könnte. Mithin ist der jacksonsche Stil genau die richtige Herangehensweise an eine Adaption.
Klugerweise hat man sich dazu entschlossen, Sword of Shannara zu überspringen und gleich mit den Elfstones anzufangen. Und in der Tat – wir besitzen ja bereits eine jacksonifizierte Version des Lord of the Rings. Wozu bräuchten wir also noch eine pseudojacksonsche Adaption des vielleicht schamlosesten Herr der Ringe - Plagiats der Literaturgeschichte? Elfstones und Wishsong (auf welchem vermutlich die zweite Staffel der Shannara Chronicles basieren wird) sind hingegen, soweit ich mich erinnern kann, simpel gestrickte, aber recht unterhaltsame und nicht unsympathische Fantasygeschichten. Ideales Ausgangsmaterial für eine TV-Serie mit ganz denselben Qualitäten. Zugleich sind Brooks' Bücher auf angenehme Weise altmodisch, meilenweit entfernt von der zynischen, pseudorealistischen Grimdark-Mode unserer Tage. Wenn die TV-Serie in dieser Hinsicht dem Geist ihrer Vorlage treu bleibt, wäre dies eine höchst erfreuliche Abwechselung von der Kost, die uns von einem Großteil des phantastischen Fernsehens nachwievor angeboten wird.
Was den Trailer selbst angeht, so lässt sich  – abgesehen vom allgemeinen Look – wenig konkretes über die Serie aus ihm ableiten. Das einzige, was ich über ihn zu sagen habe, ist, dass das wilde Aneinanderstückeln kurzer Szenen zwar zu den Merkmalen vieler Trailer gehört, hier jedoch besonders hysterisch wirkt. Auf ironische Weise angemessen für eine MTV-Produktion, bleibt der Name des Senders doch wohl auf ewig verbunden mit der ersten großen Blüte der Musikvideos in den 80er Jahren. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie selbst nicht gleichfalls von dieser Videoclip-Ästhetik geprägt sein wird. Recht cool finde ich übrigens die Szenen, in denen der postapokalyptische Hintergrund der Welt von Shannara bildlichen Ausdruck findet. Ich habe einfach eine Schwäche für so was. Außerdem dürfte es sich dabei um das einzige mehr oder weniger originelle Element in Brooks' Büchern handeln.

Zum Abschluss noch zwei amüsante Details, die ich dem io9 - Artikel über den Trailer entnommen habe. Zum einen die Information, dass die Produzenten Al Gough und Miles Millar ursprünglich vorgehabt hatten, Brooks' humoristischen Fantasyroman Magic Kingdom For Sale Sold zu verfilmen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich enttäuscht oder beglückt bin, dass sie sich schließlich doch für Elfstones of Shannara entschieden haben. Zum anderen dieses Zitat von Millar: "With Terry’s work, you see how many people have ripped [Terry] off over the ages." Da kann ich ein amüsiertes Kichern nicht unterdrücken.

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