"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Sonntag, 22. Juni 2014

From Darkness into Darkness




Space: the final frontier. 
These are the voyages of the starship Enterprise ...

Wer hätte ahnen können, in welch gruselige Regionen des filmischen Universums diese Reisen Captain Kirk und seine Crew einmal führen würden? Die neuesten Nachrichten aus Hollywood lassen in dieser Hinsicht jedenfalls nichts Gutes erahnen ...

Die wahre Heimat von Star Trek war stets das Fernsehen. Unter den ersten sechs Kinofilmen konnte man zwar manch Interessantes, Unterhaltsames und sogar Großartiges entdecken {ich bemühe mich verzweifelt, die Tatsache, dass The Final Frontier existiert, zu verdrängen}, aber nach The Undiscovered Country (1991) hat es eigentlich keinen wirklich guten Trek-Film mehr gegeben. {Und nein, davon nehme ich auch The First Contact nicht aus!} Dennoch fühle ich mich als Immer-noch-Fan des Franchises durch die Reboot-Filme stärker beleidigt als selbst durch solch unterirdische Machwerke wie Insurrection oder Nemesis. Zumindest seit ich das Pech hatte, mir Star Trek Into Darkness im Kino anzuschauen. – Warum diese extreme Reaktion? Ich bin mir nicht sicher, aber vermutlich nervt es mich einfach, zusehen zu müssen, wie die Welt von Star Trek in eine weitere generische Provinz des aktuellen SciFi-Action-Blockbuster-Universums verwandelt wird, und dabei unter den Händen talentloser Hacks jeden Rest von Individualität einbüßt. Alle Irrwege und Inkompetenzen der TNG-Filme wirken im Vergleich dazu beinahe harmlos ...
Doch wenn uns Hollywood in den letzten zwei Jahrzehnten eins bewiesen hat, dann, dass es nach unten hin keine Grenzen gibt. Eine Filmindustrie, in der sich Leute wie Michael Bay oder Roland Emmerich immer noch als große Macher aufführen dürfen, befindet sich längst jenseits von Gut und Böse. Und so hätte ich mich eigentlich nicht wundern dürfen, als bekannt wurde, dass bei Star Trek 3 – wie schon seit längerem gemunkelt – tatsächlich Roberto Orci auf dem Regiestuhl Platz nehmen wird. Passt doch ins Schema! Dennoch fällt es mir sehr schwer, auf diese Nachricht mit vulkanierhafter Emotionslosigkeit zu reagieren. Zusammen mit seinem Kumpel Alex Kurtzman ist Orci der lebendige Beweis dafür, dass man als Drehbuchschreiber im heutigen Blockbuster-Hollywood auch nicht die leiseste Ahnung davon haben muss, wie man eine Geschichte filmisch erzählt, und dennoch zum Multimillionär werden kann. Warum der nicht gänzlich talentlose JJ Abrams seinen Einfluss geltend gemacht hat, um Orci nun zu allem Überfluss auch noch zu einem Debüt als Regisseur zu verhelfen, entzieht sich meiner Kenntnis. Doch an einem besteht für mich kein Zweifel: Opfer dieses Freundschaftsdienstes wird das Star Trek - Franchise sein ... Ach ja, wie nicht anders zu erwarten, wird Orci – zusammen mit J.D. Payne –  selbstverständlich auch das Drehbuch für den für 2016 angekündigten Film hinschludern. Darin wollen sich die beiden offenbar mit "moral gray areas" beschäftigen. Ich denke, wir alle wissen, was das zu bedeuten hat ...

Nein, es ist keine gute Zeit für Trek-Fans. Ich persönlich tröste mich mit der Überzeugung, dass diese Streifen in Wirklichkeit gar keine Star Trek - Filme sind. Wir alle wissen doch, dass Hollywood von einer Bande geldgieriger Ferengi kontrolliert wird. Und wie lautet doch gleich die zweihundertneununddreißigste Erwerbsregel: "Never be afraid to mislabel a product".

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