"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Samstag, 18. April 2015

Here we go again

Ich stehe zwar immer noch zu dem, was ich vor über zwei Jahren in diesem Blog geschrieben habe: Star Wars hätte mit dem Abspann von Return of the Jedi enden sollen, aber dennoch habe ich mir vorgestern, kaum dass er online gegangen war, den neuen Teaser-Trailer für Episode VII: The Force Awakens angeschaut. Und ja, ich gebe zu, er sieht gar nicht so übel aus:


Ganz offensichtlich bemühen sich Disney und J.J. Abrams schon rein visuell, an die ursprüngliche Trilogie anzuknüpfen und die sterile CGI - und Green Screen - Bombastik der Prequels vergessen zu lassen. Unsere "weit weit entfernte Galaxis" wirkt wieder etwas erdiger, dreckiger und "verbrauchter" – ganz, wie es sich für einen guten Star Wars - Film gehört. Dennoch kann ich nicht so recht in die allenthalben im Internet ausbrechende Begeisterung einstimmen. Und dass nicht nur, weil man vergleichbare Jubelschreie auch im Vorfeld von The Phantom Menace vernehmen konnte – und wir alle wissen, was dann kam ...
Der Trailer enthält ohne Zweifel einige wirklich coole Bilder, wie z.B. den abgestürzten Sternzerstörer, aber über den Plot von The Force Awakens wissen wir nach wie vor so gut wie nichts. Um Brad Brevet von Rope of Silicon zu zitieren:
What we learned from the Force Awakens panel [bei dem der Trailer vorgestellt wurde] is it seems the three lead characters meet on the desert planet of Jaku (not Tatooine as was assumed when set pictures leaked online). Those three characters are Finn played by John Boyega who confirmed he is a stormtrooper, though whether he's good or bad is not revealed; another is Rey (Daisy Ridley) a scavenger and the third is Poe Dameron (Oscar Isaac) an X-Wing pilot sent on a mission by "a certain princess" who comes in contact with Finn.
Das ist ziemlich nichtssagend, und der Trailer selbst enthält keinerlei weitere Informationen. Dafür jedoch mindestens zwei Elemente, die mich etwas skeptisch gestimmt haben.
Da ist zum einen der kuriose Umstand, dass der gute Chewbacca um keinen Tag gealtert zu sein scheint. Zugegebenermaßen eine vielleicht etwas pedantisch anmutende Kritik, aber ich finde es ehrlich gesagt eigentümlich, dass scheinbar niemand in J.J. Abrams' Team aufgefallen ist, wie seltsam es wirken muss, wenn man dem greisen Harrison Ford einen haarigen Kumpel zur Seite stellt, der aussieht, als habe die Schlacht von Endor vorgestern stattgefunden. Sind die Wookiees eine "kanonisch" äußerst langlebige Rasse? Selbst wenn dem der Fall sein sollte, hätte es meiner Meinung nach besser zu dem oben erwähnten "erdigen" Touch gepasst, wenn wir einen Chewie mit ergrautem Fell zu sehen bekommen hätten. {Oder befürchtete man damit unangenehme Erinnerungen an Itchy aus dem Star Wars Holiday Special wachrufen zu können? Wenn ja, dann will ich nichts gesagt haben.}
Mein zweites und etwas ernsthafteres Problem mit dem Trailer ist der Bösewicht. Schon sein "Kreuz - Lichtschwert", das wir im ersten Teaser zu sehen bekommen haben, wirkt etwas lächerlich. Hier nun begegnen wir ihm erstmals "von Angesicht zu Angesicht", und ich kann mir nicht helfen, aber auf mich hinterlässt er mit seiner Maske und seiner schwarzen Rüstung {inklusive Mantel} den Eindruck, ein etwas agilerer Abklatsch des guten alten Darth Vader zu sein. Was mich ehrlich gesagt nicht wirklich überrascht, denn wie ich ich in dem oben verlinkten Blogpost bereits einmal erklärt habe: So wie ich es sehe, war das Potential von Star Wars – dieser neckischen Hommage an die alten SciFi-Serials  – bereits nach den ersten drei Filmen erschöpft. Was jetzt kommt kann darum bestenfalls ein kompetent gemachtes und leicht modernisiertes Wiederaufwärmen der alten Ideen sein. Was alles in allem immer noch sehr viel besser wäre als manch anderes, was uns von Hollywood heute so vorgesetzt wird.

Womit wir auch schon bei dem zweiten "spektakulären" Trailer dieser Woche wären: Batman V Superman: Dawn of Justice     


 
Okay, wir alle haben kapiert, dass Warner Bros / DC auch weiterhin nicht bereit sein werden, von ihrer Grimdark - Version des Superheldenfilms abzuweichen. Christopher Nolans Dark Knight - Flicks waren einfach zu erfolgreich und zu einträglich. Und dennoch: Wird diese Masche allmählich nicht selbst dem ollen Zack Snyder etwas langweilig? Immer die gleiche düster-apokalyptische Ästhetik mit den gleichen finster vor sich hin brütenden "Helden".
Hier und da bin ich über Kommentare gestolpert, deren Verfasser aufgrund dieses Trailers die verwegene These aufstellen, Batman V Superman könne eine Art "Dekonstruktion" des Superman - Mythos werden. Sorry, aber das ist in meinen Augen absoluter Bullshit. Dieser Streifen soll der Startpunkt für Warner Bros "Justice League" - Universum werden, und schon allein deshalb wird er keine ernstzunehmende "Dekonstruktion" liefern können. Am Ende einer solchen bestände einfach keine Möglichkeit mehr für ein "heroisches" Sequel.
Und außerdem: Brauchen wir bald dreißig Jahre nach Alan Moores & Dave Gibbons' Watchmen wirklich noch eine weitere "Dekonstruktion" des Superhelden-Typus? {Dass Zack Znyder selbst für die filmische Adaption dieses epochalen Werkes verantwortlich gezeichnet hat, macht die ganze Angelegenheit nur noch lächerlicher.} Manche Leute sehen in Watchmen ja den Vorläufer der heute so beliebten düsteren und pseudorealistischen Superheldengeschichten. Im Rahmen der historischen Entwicklung des Comics mag das sogar stimmen. Aber zugleich zeigt das bloß, dass viele offenbar nicht verstanden haben, was Alan Moore mit seinem Werk eigentlich ausdrücken wollte. Überspitzt formuliert: Nach Watchmen hätte es keine Superheldenstories mehr geben dürfen. Und erst recht keine, die sich als "realistisch" zu geben versuchen.

Kommentare:

  1. Ich weiß ja nicht, ob es am Zottelfell liegt, aber Wookies sind ähnlich langlebig wie Alf und können bis zu 400 Jahren alt werden. Bisher hat mich der ganze Hype um die neuen Filme kalt gelassen, aber ich muss gestehen, dass mich Han Solos »Chewie, we're home«, doch ein wenig ergriffen hat.
    Trotzdem erwarte ich nicht allzu viel von den neuen Filmen, da ich J.J. Abrams für gnadenlos überschätzt halte. Seine beiden Star-Trek-Filme halte ich für total misslungen.

    Was Superman vs. Batman angeht, der ist eindeutig an Frank Miller »The Dark Night Returns« angelehnt, in dem es ja zur Konfrontation zwischen den beiden kommt. Dieser Comic ist ungefähr zur selben Zeit wie »Watchmen« erschienen und gilt ja zusammen damit als die Dekonstruktion des Superheldenmythos. Von dem Film erwarte ich aber auch nicht viel, da ich »Man of Steel« nach vielversprechendem Anfang (mit Kevin Costner, nicht der Teil auf Krypton) für eine viel zu lange, stupide Klopperei halte, die mir lange vor Abspann schon tierisch auf die Nerven ging.

    Ich bin mit Superheldencomics aufgewachsen, ich mochte die Trilogien von Sam Raimi und Christopher Nolan sehr (wobei beiden der dritte Teil misslungen ist), aber inzwischen hängt mir diese Superheldenoverkill zum Hals raus. Und doch sehe ich mir gerade mit viel Vergnügen »Daredevil« an, einfach, weil es, ganz unabhängig vom Superheldengedöns, einfach eine sehr gut gemachte Serie ist (besser als alle bisherigen Superheldenserien).

    Auf ein Kinobesuch von »Avengers 2« werde ich gerne verzichten. Gestern habe ich den großartigen indischen Film »Lunchbox« gesehen, eine kleine, bewegende Geschichte mit Humor und Herz, die mich so berührt hat, wie es keinem Blockbuster-Superhelden-Action-Gedöns je gelingen könnte.

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  2. "Überspitzt formuliert: Nach Watchmen hätte es keine Superheldenstories mehr geben dürfen. Und erst recht keine, die sich als 'realistisch' zu geben versuchen."

    Genau so war es jedenfalls für mich persönlich. Nach WATCHMEN konnte ich keinen Superheldencomic mehr anfassen, ohne nach wenigen Bildern gelangweilt zu sein.

    Ich muss allerdings hinzufügen, dass ich ohnehin immer etwas auf Distanz zum Superheldengenre stand - bis auf eine heiße Phase in der Kindheit, wo ich zuerst Superman/Batman toll fand und dann diese gewaltige bunte Welle der Williams-Hefte miterlebt habe. Das war großartig - für ein Jahr oder so.

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  3. @Pogo
    Ich weiß nicht, ob ich JJ Abrams als "überschätzt" bezeichnen würde. Ich hatte eigentlich nie den Eindruck, der Mann werde als Genie gehandelt. Aber da kann ich mich natürlich irren. Selbst halte ich ihn für einen einigermaßen kompetenten Action-Regisseur - nicht mehr, aber auch nicht weniger. "Star Trek Into Darkness" habe ich allerdings stärker gehasst als irgendeinen anderen Film, den ich in den letzten Jahren so gesehen habe.

    Was die Superheldenfilm-Schwemme angeht, geht es mir ganz wie dir.
    Allerdings habe ich schon für Nolans "Dark Knight" - Filme nichts übrig gehabt. (*Das* ist ein Regisseur, den ich als gnadenlos überschätzt bezeichnen würde.)
    Die ersten beiden "Spiderman" - Filme von Sam Raimi waren glaube ich die letzten Superheldenstreifen, die ich wirklich genossen habe.
    Ganz allgemein bin ich der Ansicht, Superheldenflicks sollten nicht gar zu sehr versuchen, ernsthaft und "realistisch" wirken zu wollen. Dann doch lieber Adam Wests Camp-Batman aus den Sixties. Die Serie liebe ich wirklich.

    PS: Werde mal nach "Lunchbox" Ausschau halten.

    @Frank
    Ja, ich kann mit dem ganzen Superheldengenre auch nur wenig anfangen. Freilich habe ich mich auch nie eingehender mit ihm beschäftigt. Fühlte mich allerdings auch nie dazu getrieben.

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