"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Dienstag, 16. September 2014

I Know What You Did in the Nineties

Letzte Woche konnte ich meinen einundvierzigsten Geburtstag feiern. Ich gehöre also nicht mehr zu den ganz jungen. Weshalb Hollywoods sich immer schneller drehendes Reboot-Karussel auf mich vermutlich noch etwas bizarrer wirkt als dies bei einem jüngeren Beobachter der Fall wäre. Ich kann mich halt noch recht gut an die Zeit erinnern, als I Know What You Did Last Summer / Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast (1997) in die Kinos kam, und die Nachricht, man wolle die olle Slasherstory mit dem Eisenhaken nun erneut auf das Publikum loslassen, erscheint mir deshalb wohl besonders grotesk. Vor ein paar Jahren hätte ich vielleicht noch mit ungläubigem Staunen reagiert, aber das hat mir Hollywood inzwischen abgewöhnt.

Ich habe die Zählebigkeit des Slashers nie so recht verstehen können. Hatten nicht bereits die 80er Jahre das wenn man so will "goldene Zeitalter" des Genres mit den nicht enden wollenden Sequels zu Halloween, Friday the 13th und Nightmare on Elm Street zur Genüge bewiesen, wie wenig ausbaufähig das magere Grundkonzept dieses Horrortyps ist? Schon das Wiederaufflackern der Mode in der zweiten Hälfte der 90er Jahre fand ich damals eher uninteressant und im Rückblick ziemlich eigenartig. Ausgelöst wurde der kurzlebige Trend durch Wes Cravens Scream (1996), und der sollte ja eine Art "Dekonstruktion" des Genres darstellen. Aber statt dieses endgültig zu Grabe zu tragen, führte der Flick zur Produktion solch generischer Werke wie I Know What You Did Last Summer (1997) und Urban Legends (1998). Mehr noch, mit Kevin Williamson zeichnete derselbe Drehbuchschreiber für Scream und I Know ... verantwortlich. Ich kapier das nicht so ganz: Wie kann ein Autor die Konventionen eines Genres erst ironisch zerpflücken und sie anschließend in ihrer alten Form wiederverwenden, so als wäre nichts geschehen? Spricht das nicht entweder für einen deutlichen Mangel an künstlerischer Integrität oder dafür, dass der vermeintlich kritische Impuls der "Dekonstruktion" in Wirklichkeit nicht mehr war als das eitle Verlangen, der Welt zu zeigen, wie clever man ist? Und schwingt da nicht sogar ein klein bisschen Publikumsverachtung mit, nach dem Motto "Ich bin so schlau, dass ich das alles durchschaue, aber denen da draußen in den Kinos kann ich das olle Rezept allemal noch mal vorsetzen, die werden's schon fressen."

Vielleicht gehe ich mit all dem etwas zu hart ins Gericht. Schon die Slasher-Filme der 80er Jahre haben halt nie zu meinen großen Favoriten in der Welt des Horrors gehört. Dennoch finde ich es ein wenig bizarr, mitzuerleben, wie mit I Know What You Did Last Summer der Vertreter einer Revival-Welle wiederbelebt werden soll, die sich selbst bereits nicht eben durch überbordende Originalität auszeichnete. Die Kopie einer Kopie  ... 

Kommentare:

  1. Nachträglich herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag (beinahe Altersgenosse)!

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  2. Vielen Dank! Das ist wirklich sehr nett von dir.

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