"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


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Mittwoch, 24. Mai 2017

Cineastischer Vandalismus

Mit dem scheinbar nicht mehr aufzuhaltenden Heraufdämmern des Universal Monsters - Universums, dem von irgendwelchen besonders einfallslosen PR-Typen der aufregende neue Titel Dark Universe verpasst wurde, hat Hollywoods Reboot - Overkill einen neuen Tiefpunkt erreicht.

Die traurige Saga begann ungefähr vor vier Jahren. Ursprünglich eine Ausgeburt des Hirns von Roberto Orci, wurde die Idee zu dem "Cineastischen Universum" von der Chefetage des Studios gierig aufgegriffen, und im Juli 2014 beauftragte man Orcis alten Kumpel Alex Kurtzman und Fast & Furious - Serientäter Chris Morgan damit, das diabolische Projekt in Angriff zu nehmen. In dem verzweifelten Bemühen, ein Franchise aus dem Boden zu stampfen, das es mit Disneys Marvel Cinematic Universe aufnehmen könnte, schien den Universal-Mächtigen das schamlose Ausplündern des eigenen filmischen Erbes ein brillanter Einfall zu sein. Wie es Studio-Bossin Donna Langley im November 2014 in einem Interview mit dem Hollywood Reporter ausdrückte: "We don't have any capes [in our film library]. But what we do have is an incredible legacy and history with the monster characters." Langleys Ausführungen sprechen Bände sowohl über den respektlosen Umgang der Studios mit den Schätzen ihrer eigenen Vergangenheit, als auch über ihre tiefe Verachtung für das zahlende Publikum: "[W]e took a good, hard look at it, and we settled upon an idea, which is to take it out of the horror genre, put it more in the action-adventure genre and make it present day, bringing these incredibly rich and complex characters into present day and reimagine them and reintroduce them to a contemporary audience." Da das heutige Publikum offenbar unfähig ist, Zugang zu alten Filmen zu finden, muss man diese "neu erfinden", und das bedeutet im Falle der "reichen und komplexen Charaktere" der Universal-Monster, dass man sie zu Actionhelden macht.

Fairerweise sei hier kurz hinzugefügt, dass man etwas ähnliches zehn Jahre zuvor schon einmal mit Stephen Sommers' abgrundtief miesem Van Helsing versucht hatte. Doch waren das noch die friedlichen Zeiten vor der Erfindung der Cineastischen Universen gewesen. Niemand wäre damals auf die Idee gekommen, eine solche Schnapsidee auf die Größe eines Mega-Franchises aufzublähen, dessen künftige Entwicklung man im Stile eines Fünf-Jahres-Plans über eine halbe Dekade im voraus festlegt. Auch war Van Helsing zwar als eine {hust - hust} "Hommage" an den Universal - Horror der 30er Jahre gedacht gewesen, doch hatte man ihn nicht zu einem offiziellen Reboot der alten Klassiker erklärt. Wenn überhaupt,.so konnte man in ihm höchsten eine missglückte Neuauflage der Crossover-Monsterfilme der 40er Jahre sehen, die das Ende der klassischen Ära des Universal-Horrors gebildet hatten.

Wie dem auch sei, nach 2014 wurde es erst einmal wieder etwas ruhiger um das Projekt. Die kurzzeitig erwogene Idee, Gary Shores Dracula Untold (2014) zu einem Teil des Cineastischen Universums zu machen, wurde schnell fallengelassen, und auch wenn es in der Folgezeit immer klarer wurde, dass wir zumindest um ein Reboot des Reboots von The Mummy wohl nicht herumkommen würden, blieb das Projekt als Ganzes doch angenehm vage. Als Ende letzten Jahres bekannt wurde, dass Dr. Jekyll einen Gastauftritt in dem neuen Action-Mumien-Spektakel haben würde, ließ sich das zwar kaum anders als der offizielle Startschuss für das Universal Monsters - Universum interpretieren, doch selbst dann noch blieben Alex Kurtzmanns entsprechende Kommentare in einem Interview mit io9 auffallend vorsichtig.

Aber die Ereignisse dieser Woche haben auch das das letzte Bisschen Hoffnung, dieser Akt cineastischen Vandalismus werde uns vielleicht doch noch erspart bleiben, gründlich zerstört.

 
Dieser erste offizielle Trailer besteht aus nicht mehr als irgendwelchen zusammengeschnippelten Szenen aus Dracula (1931), Frankenstein (1931), The Mummy (1932), The Invisible Man (1933), Bride of Frankenstein (1935), The Wolf Man (1941) und Creature from the Black Lagoon (1954), aber gerade deshalb wirkt er wie eine zynische Verhöhnung der Klassiker. Dem Ganzen ist ein pseudo-epischer Soundtrack von Danny Elfman unterlegt, mit dem wir auf den Action-Blockbuster-Charakter des kommenden Cineastischen Universums eingestimmt werden, derweil aus dem Zusammenhang gerissene Dialogfetzen wie Imhoteps "Thou Shalt Rise Again" zu PR-Slogans für dieses repektlose Unternehmen umfunktioniert werden.

Die folgende Zusammenfassung der Grundidee von Dark Universe sollte auch dem letzten verdeutlichen, dass dieses Projekt nichts anderes ist als der traurige Versuch, einen Konkurrenten zum Marvel Cinematic Universe aufzubauen, wobei man offenbar glaubte, auf originelle Ideen verzichten zu können, wenn man stattdessen ikonische Figuren der Kinogeschichte zu modernen Action-Hampelmännern machen kann:
Led by the enigmatic and brilliant Dr. Henry Jekyll, Prodigium’s mission is to track, study and - when necessary - destroy evil embodied in the form of monsters in our world. Working outside the aegis of any government, and with practices concealed by millennia of secrecy, Prodigium protects the public from knowledge of the evil that exists just beyond the thin membrane of civilized society…and will go to any length to contain it.     
Man könnte natürlich einwenden, Dr. Jekylls "Prodigium" müsse doch nicht notwendigerweise ein Abklatsch von Marvels S.H.I.E.L.D. sein, sondern könne sich ebensogut an Vorbildern wie Alan Moores League of Extraordinary Gentlemen orientieren. Dazu müsste man allerdings schon verdammt naiv sein ...

Dienstag, 20. Dezember 2016

Ein verdammt schlechter Scherz

Auch wenn es sicher nicht ganz falsch ist, in der anhaltenden Schwemme von Remakes, Reboots und Sequels ein Symptom der tiefen Krise des amerikanischen Films zu sehen, sollte man nicht bei jedem neuen Remake-Gerücht, das aus Hollywood an die Öffentlichkeit dringt, augenblicklich in den kulturpessimistischen Meckermodus verfallen.
Einmal ganz davon abgesehen, dass erfahrungsgemäß ohnehin nur ein sehr kleiner Prozentsatz dieser Gerüchte jemals zu einer tatsächlichen Filmproduktion heranreifen wird, sollten wir nicht vergessen, dass Remakes seit altersher Teil der Filmindustrie waren. So war es z.B. etwas peinlich, mit ansehen zu müssen, wie Scharen von Filmkritikern und -kritikerinnen den diesjährigen Ben-Hur in die tiefsten Tiefen der Hölle verdammten, mit dem Argument, es handele sich bei ihm um ein Remake des William Wyler / Charlton Heston - Klassikers von 1959. Dass dieser selbst ein Remake gewesen war, scheint den meisten von ihnen nicht bewusst gewesen zu sein. {Wer das epische Original von 1925 nicht kennt, sei auf Fritzi Kramers gleichfalls epischen Blogpost auf Movies Silently verwiesen.} Eine ganze Reihe von Douglas Sirks klassischen Melodramen der 50er Jahre wie Magnificent Obsession (1954), There's Always Tomorrow (1956) und Imitation of Life (1959) sind Remakes. Hey, Joseph Losey hat 1951 sogar ein Remake von Fritz Langs M - Eine Stadt sucht einen Mörder (1931) gedreht! 

Und doch tauchen immer mal wieder Remake - Pläne auf, bei denen einem zurecht die Ohren schlackern. Eine neue, "ernsthafte" Version von Ed Woods Plan 9 From Outer Space? Eine Suspiria - TV-Serie? Das klingt schon recht bizarr.
Aber auch solcherart Präzedenzfälle hatten mich nicht auf die Meldung vorbereiten können, die mir vor ein paar Tagen unter die Augen gekommen ist: Sam Esmail, der Schöpfer von Mr. Robot, soll im Auftrag von Universal Cabel Productions ein Remake von Metropolis in Form einer TV-Miniserie drehen!

Bitte was!?! Das kann doch eigentlich bloß´ein schlechter Scherz sein!
Wohlgemerkt bin ich selbst überhaupt kein glühender Verehrer von Fritz Langs Original aus dem Jahre 1927. Aber das macht die Sache auf seine Art nur noch schlimmer.
In cinematographischer Hinsicht ist Metropolis ganz ohne Frage ein unsterbliches Meisterwerk. Der Film sieht einfach atemberaubend aus. Doch es wäre nicht nur verdammt arrogant von Esmail, wollte er versuchen, den großen Fritz Lang in diesem Bereich nachzuahmen {oder zu "übertreffen"}, der expressionistische Stil des Originals wäre wohl auch kaum für eine TV-Serie unserer Tage geeignet. Bleibt letztlich also nur Thea von Harbous Story. Und ich sage es ganz unumwunden: Diese Story ist absoluter Bullshit! Die ganze kindische Parabel vom "Herz", das der "Mittler zwischen Hirn und Händen" sein muss, wobei Freder Fredersen am Ende in die Rolle eines Christus des Kapitalismus schlüpft, ist in meinen Augen nicht nur fürchterlich peinlich, sondern auch stockreaktionär. Das Märchen von der Versöhnung der Klassen, die der selbstlose Fabrikantensohn herbeiführt, war vor dem Hintergrund der heftigen Klassenkämpfe der 20er Jahre absurd und wäre es ebenso vor dem Hintergrund der sich immer weiter verschärfenden sozialen Konflikte unserer Zeit.
Ich bin mir natürlich im Klaren darüber, dass die Story der TV-Serie mit ziemlicher Sicherheit sehr stark von ihrem Vorbild abweichen wird. Dennoch frage ich mich, was anderes Sam Esmail dazu verleitet haben könnte, ein solch absurdes Projekt überhaupt erst zu entwickeln. Irgendetwas muss ihn an der Geschichte angesprochen haben. Andernfalls ließe sich das Ganze bloß als der irr-arrogante Versuch interpretieren, sich mit Fritz Lang messen zu wollen. Und wie erbärmlich wäre das erst.
Der Plan eines Remakes von Metropolis ist deshalb nicht bloß eine schallende Ohrfeige für alle Freunde & Freundinnen des klassischen Films, sondern zugleich ein Beleg für die intellektuelle Armut Esmails. Wie schon Mr. Robot gezeigt hat, fühlt sich der Drehbuchschreiber & Regisseur offenbar dazu getrieben, sich mit der ständig wachsenden sozialen Polarisation in der US (und der Welt -) Gesellschaft auseinanderzusetzen. Doch scheint er nicht über den dafür nötigen historischen, politischen und sozialen Tiefblick zu verfügen.

Samstag, 18. April 2015

Here we go again

Ich stehe zwar immer noch zu dem, was ich vor über zwei Jahren in diesem Blog geschrieben habe: Star Wars hätte mit dem Abspann von Return of the Jedi enden sollen, aber dennoch habe ich mir vorgestern, kaum dass er online gegangen war, den neuen Teaser-Trailer für Episode VII: The Force Awakens angeschaut. Und ja, ich gebe zu, er sieht gar nicht so übel aus:


Ganz offensichtlich bemühen sich Disney und J.J. Abrams schon rein visuell, an die ursprüngliche Trilogie anzuknüpfen und die sterile CGI - und Green Screen - Bombastik der Prequels vergessen zu lassen. Unsere "weit weit entfernte Galaxis" wirkt wieder etwas erdiger, dreckiger und "verbrauchter" – ganz, wie es sich für einen guten Star Wars - Film gehört. Dennoch kann ich nicht so recht in die allenthalben im Internet ausbrechende Begeisterung einstimmen. Und dass nicht nur, weil man vergleichbare Jubelschreie auch im Vorfeld von The Phantom Menace vernehmen konnte – und wir alle wissen, was dann kam ...
Der Trailer enthält ohne Zweifel einige wirklich coole Bilder, wie z.B. den abgestürzten Sternzerstörer, aber über den Plot von The Force Awakens wissen wir nach wie vor so gut wie nichts. Um Brad Brevet von Rope of Silicon zu zitieren:
What we learned from the Force Awakens panel [bei dem der Trailer vorgestellt wurde] is it seems the three lead characters meet on the desert planet of Jaku (not Tatooine as was assumed when set pictures leaked online). Those three characters are Finn played by John Boyega who confirmed he is a stormtrooper, though whether he's good or bad is not revealed; another is Rey (Daisy Ridley) a scavenger and the third is Poe Dameron (Oscar Isaac) an X-Wing pilot sent on a mission by "a certain princess" who comes in contact with Finn.
Das ist ziemlich nichtssagend, und der Trailer selbst enthält keinerlei weitere Informationen. Dafür jedoch mindestens zwei Elemente, die mich etwas skeptisch gestimmt haben.
Da ist zum einen der kuriose Umstand, dass der gute Chewbacca um keinen Tag gealtert zu sein scheint. Zugegebenermaßen eine vielleicht etwas pedantisch anmutende Kritik, aber ich finde es ehrlich gesagt eigentümlich, dass scheinbar niemand in J.J. Abrams' Team aufgefallen ist, wie seltsam es wirken muss, wenn man dem greisen Harrison Ford einen haarigen Kumpel zur Seite stellt, der aussieht, als habe die Schlacht von Endor vorgestern stattgefunden. Sind die Wookiees eine "kanonisch" äußerst langlebige Rasse? Selbst wenn dem der Fall sein sollte, hätte es meiner Meinung nach besser zu dem oben erwähnten "erdigen" Touch gepasst, wenn wir einen Chewie mit ergrautem Fell zu sehen bekommen hätten. {Oder befürchtete man damit unangenehme Erinnerungen an Itchy aus dem Star Wars Holiday Special wachrufen zu können? Wenn ja, dann will ich nichts gesagt haben.}
Mein zweites und etwas ernsthafteres Problem mit dem Trailer ist der Bösewicht. Schon sein "Kreuz - Lichtschwert", das wir im ersten Teaser zu sehen bekommen haben, wirkt etwas lächerlich. Hier nun begegnen wir ihm erstmals "von Angesicht zu Angesicht", und ich kann mir nicht helfen, aber auf mich hinterlässt er mit seiner Maske und seiner schwarzen Rüstung {inklusive Mantel} den Eindruck, ein etwas agilerer Abklatsch des guten alten Darth Vader zu sein. Was mich ehrlich gesagt nicht wirklich überrascht, denn wie ich ich in dem oben verlinkten Blogpost bereits einmal erklärt habe: So wie ich es sehe, war das Potential von Star Wars – dieser neckischen Hommage an die alten SciFi-Serials  – bereits nach den ersten drei Filmen erschöpft. Was jetzt kommt kann darum bestenfalls ein kompetent gemachtes und leicht modernisiertes Wiederaufwärmen der alten Ideen sein. Was alles in allem immer noch sehr viel besser wäre als manch anderes, was uns von Hollywood heute so vorgesetzt wird.

Womit wir auch schon bei dem zweiten "spektakulären" Trailer dieser Woche wären: Batman V Superman: Dawn of Justice:      


 
Okay, wir alle haben kapiert, dass Warner Bros / DC auch weiterhin nicht bereit sein werden, von ihrer Grimdark - Version des Superheldenfilms abzuweichen. Christopher Nolans Dark Knight - Flicks waren einfach zu erfolgreich und zu einträglich. Und dennoch: Wird diese Masche allmählich nicht selbst dem ollen Zack Snyder etwas langweilig? Immer die gleiche düster-apokalyptische Ästhetik mit den gleichen finster vor sich hin brütenden "Helden".
Hier und da bin ich über Kommentare gestolpert, deren Verfasser aufgrund dieses Trailers die verwegene These aufstellen, Batman V Superman könne eine Art "Dekonstruktion" des Superman - Mythos werden. Sorry, aber das ist in meinen Augen absoluter Bullshit. Dieser Streifen soll der Startpunkt für Warner Bros "Justice League" - Universum werden, und schon allein deshalb wird er keine ernstzunehmende "Dekonstruktion" liefern können. Am Ende einer solchen bestände einfach keine Möglichkeit mehr für ein "heroisches" Sequel.
Und außerdem: Brauchen wir bald dreißig Jahre nach Alan Moores & Dave Gibbons' Watchmen wirklich noch eine weitere "Dekonstruktion" des Superhelden-Typus? {Dass Zack Znyder selbst für die filmische Adaption dieses epochalen Werkes verantwortlich gezeichnet hat, macht die ganze Angelegenheit nur noch lächerlicher.} Manche Leute sehen in Watchmen ja den Vorläufer der heute so beliebten düsteren und pseudorealistischen Superheldengeschichten. Im Rahmen der historischen Entwicklung des Comics mag das sogar stimmen. Aber zugleich zeigt das bloß, dass viele offenbar nicht verstanden haben, was Alan Moore mit seinem Werk eigentlich ausdrücken wollte. Überspitzt formuliert: Nach Watchmen hätte es keine Superheldenstories mehr geben dürfen. Und erst recht keine, die sich als "realistisch" zu geben versuchen.

Donnerstag, 26. März 2015

Houdini & Doyle? – Nicht mit mir!

Nach wie vor finde ich es problematisch, wenn aus Figuren der Geschichte die Protagonisten phantastischer Abenteuergeschichten gemacht werden. {Es sei denn, das Ganze ist als Farce angelegt.} 

Ich will gar nicht grundsätzlich ausschließen, dass man dabei zu interessanten Resultaten gelangen könnte. Unabdingbare Voraussetzung wäre allerdings, dass man dem realen Charakter der jeweiligen Personen und dem, wofür sie stehen, treu bleibt. Sich einfach irgendeine berühmte Persönlichkeit aus der Vergangenheit zu schnappen und eine generische Story um sie herum zu entwickeln, ist in meinen Augen schlicht respektlos. Noch schlimmer wird es, wenn diese Story all dem widerspricht, womit wir ihren Helden oder ihre Heldin eigentlich assoziieren.

Die Nachricht, dass Fox eine zehnteilige phantastische Fernsehserie mit Harry Houdini und Arthur Conan Doyle als den Protagonisten zu produzieren gedenkt, erfüllt mich deshalb nicht eben mit den freudigsten Gefühlen:         
In Houdini And Doyle, two of the great characters of the 20th century – Houdini, master magician, escape artist and paranormal debunker, and Doyle, creator of the world’s greatest detective and a paranormal aficionado – grudgingly join forces to investigate crimes with a supernatural slant. Although they’re both rich, famous and brilliant, they’re the original odd couple, with Houdini believing in nothing, Doyle in everything.
Stefan Holzhauer von PhantaNews schreibt ganz richtig: "Na­tür­lich fühlt man sich da an Mul­der und Scully erinnert …" Und genau da liegt für mich das Problem. 

Schon bei den X-Files fand ich das Konzept, die Ansichten eines "Gläubigen" und einer Skeptikerin einander gegenüberzustellen, nur um letztenendes stets den "Gläubigen" recht behalten zu lassen, irgendwann ziemlich irritierend. Die anfangs als intelligente und kompetente Wissenschaftlerin gezeichnete Dana Scully musste dabei schon bald als verbohrte Fanatikerin erscheinen, die offensichtliche Tatsachen nicht akzeptieren will, weil sie nicht in ihr "wissenschaftsgläuiges" Weltbild passen.

Mit anderen Worten: Ihr Verhalten glich aufs Haar demjenigen, das wir in Wirklichkeit gerade bei vielen Anhängern des "Paranormalen" beobachten können. Und ausgerechnet Sir Arthur Conan Doyle ist dafür ein ausgezeichnetes Beispiel.
In einem Artikel für den Skeptical Inquirer beschreibt Massimo Polidoro eine erstaunliche Demonstration scheinbarer Hellseherei, mit deren Hilfe Harry Houdini seinen Freund davon zu überzeugen versuchte, dass "unerklärliche Phänomene" keine übernatürlichen Ursachen haben müssen. Doch alle Beteuerungen Houdinis, dass es sich bei dem Experiment um einen mundanen Zauertrick gehandelt hatte, konnten Conan Doyle nicht davon abbringen, zu glauben, der Illusionist habe sich in Wahrheit übersinnlicher Methoden bedient. 
Die Leichtgläubigkeit des Schriftstellers gegenüber allen Arten "paranormaler" Phänomene kannte keine Grenzen und führte schließlich zum Bruch mit Houdini.

Die reale Geschichte der Beziehung zwischen Arthur Conan Doyle und Harry Houdini ist unauflöslich verbunden mit dem Thema des Kampfes zwischen Aberglaube und Rationalität. 
Selbst wenn die geplante TV-Serie nicht hundertprozentig dem X-Files - Format folgen sollte, und wir einige Folgen zu sehen bekommen würden, in denen Houdinis Skeptizismus sich als die korrekte Sichtweise herausstellt, finde ich es deshalb schwer, mich mit der Grundidee von Houdini And Doyle anzufreunden. 
Der große Magier und Entfesselungskünstler widmete in den 20er Jahren viel Zeit und Energie dem Entlarven von "Medien" und anderen "esoterischen" Scharlatanen. Damit wurde er zum Begründer einer sehr erfreulichen Tradition unter Zauberkünstlern und Illusionisten, ihre Expertise in den Dienst der Aufklärung vermeintlich "paranormaler" Phänomene und der Überführung "mystischer" Trickbetrüger zu stellen. Was bisher über den Inhalt von Houdini And Doyle bekannt ist, wirkt auf mich wie eine (unbewusste) Beleidigung dieses Vermächtnisses.  

Man verstehe mich bitte nicht falsch: Ich habe absolut nichts gegen das Genre der "okkulten Detektivgeschichte". Ganz im Gegenteil! Aber könnten die Fernsehmacher statt Houdini And Doyle nicht lieber eine Adaption von William Hope Hodgsons Stories um Carnacki, the Ghost Finder auf die Beine stellen? Die würde ich wirklich gerne sehen.   


PS: Die Nachricht, dass die X-Files nach dreizehn Jahren eine Wiederauferstehung feiern werden, hat mich aus ganz anderen Gründen nicht recht vom Hocker zu reißen vermocht. Als Chris Carters Serie nach neun Staffeln 2002 zu einem Ende gelangte, hatte sie ihr Verfallsdatum schon lange überschritten. Und so nett der Gedanke an eine Wiederbegegnung mit dem charismatischen Duo Gillian Anderson / Dana Scully und David Duchovny / Fox Mulder auch klingen mag, meine Erwartungen sid nicht besonders hoch. Es sei denn, Carter & Co würden für das Comeback den ganzen öden und blödsinnigen Alien-Weltverschwörungs-"Mytharc" über Bord werfen und uns ganz einfach sechs nette kleine "Monster of the Week" - Episoden präsentieren. Doch dass es dazu kommen könnte, halte ich nicht für besonders wahrscheinlich ...

Donnerstag, 12. Februar 2015

Wer braucht "Spaceballs 2"?

Dass viele der Neuigkeiten und Gerüchte, die man aus Hollywood so zu hören bekommt, reichlich bizarr klingen, ist natürlich nichts neues: Ein Reboot von Stargate? Eine von niemandem herbeigesehnte Neuauflage des Highlander? Eine neuer Indiana Jones mit Chris Pratt als Indy? Eine "Rekalibration" {was auch immer das sein soll} von Halloween? Derlei Schlagzeilen bin ich inzwischen gewohnt und sie rufen darum auch kaum mehr als ein Achselzucken bei mir hervor. Hin und wieder aber taucht dann doch noch etwas auf, das so absurd klingt, dass es mich aus meiner Apathie reißt. Selbiges war kürzlich der Fall, als ich lesen musste, Mel Brooks arbeite allen Ernstes an einem Sequel zu Spaceballs.    
With a new Star Wars trilogy in the works, comedian and filmmaker Mel Brooks says he’s actively working on a sequel to his iconic spoofing Spaceballs, which would begin filming after the December 2015 release of Star Wars: The Force Awakens.
During a recent appearance on Adam Carolla’s Take a Knee podcast, Brooks confirmed his desire to make the film, which would be entitled Spaceballs: Search For More Money. He said his intention is to bring back as many as the film’s original cast members as possible, including Rick Moranis, who has all but retired from acting in recent years.
Warum mich diese Botschaft stärker getroffen hat als all der andere Bullshit? Lasst es mich so formulieren: Mel Brooks war einmal ein großer Filmemacher, doch Spaceballs war nie ein großer Film.

Kaum jemand wird widersprechen können, dass die letzten Jahre in Brooks' Karriere als Regisseur einem rapiden Absturz glichen. Der Mann, der uns so wunderbare Klassiker wie The Producers (1968), Blazing Saddles (1974) und Young Frankenstein (1974) geschenkt hatte, verabschiedete sich vom Kinopublikum mit solch unglaublich öden, humor- und fantasielosen Machwerken wie Robin Hood: Man in Tights (1993) und {schauder} Dracula: Dead and Loving It (1995). Dieser Niedergang ist in seinen Ausmaßen geradezu erschreckend. Irgendwann in den 80er Jahren scheint die Quelle von Brooks' Kreativität – aus welchen Gründen auch immer – mit einmal ausgetrocknet zu sein, und sie sollte nie wieder in ihrer alten Frische zu sprudeln beginnen. Wo genau der Beginn dieses Prozesses anzusetzen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander, für mich lassen sich erste Symptome dessen bereits in History of the World, Part 1 (1981) ausmachen und mit Spaceballs (1987) beginnt dann der freie Fall.
Ich will gar nicht leugnen, dass der Streifen die eine oder andere witzige Szene enthält, aber das kann ihn in meinen Augen nicht retten. Ihm fehlen die Kreativität, Sorgfalt und Leidenschaft, die Brooks' wirklich große Filmparodien auszeichneten. Blazing Saddles und Young Frankenstein bestehen nicht einfach aus einer Aneinanderreihung mehr oder weniger gelungener Witze mit mehr oder weniger deutlichem Bezug zu ihrem "Quellenmaterial", sie schaffen es auf großartige Weise, den Look und die Atmosphäre eines klassischen Western oder Universal-Horrorfilms nachzuahmen. Ähnliches gilt für High Anxiety (1977), wenn Brooks z.B. einige von Hitchcocks berühmten cinematographischen Kunstgriffen kopiert. Diese Streifen verraten ein tiefes Verständnis für die Art von Filmen, die sie parodieren. Und vermutlich auch eine große Liebe zu ihnen. Nichts dergleichen lässt sich über Spaceballs sagen. Am nächsten kommt der Film dem vielleicht noch in der Szene mit dem Vorbeiflug des nicht enden wollenden Raumschiffs Spaceballs One, doch was dem folgt, scheint von Leuten gemacht zu sein, die kein Gefühl dafür hatten, was Star Wars oder den SciFi-Film im Allgemeinen ausmacht.
Zugegebenermaßen fand ich Spaceballs ziemlich witzig, als ich ihn mir zum ersten Mal anschaute, aber das liegt nun bereits eine halbe Ewigkeit zurück und ich war damals ... ich weiß nicht ... maximal achtzehn. Als ich mir den Streifen vor ein paar Jahren dann wieder einmal {und diesmal im englischen Original} reingezogen habe, musste ich mit Erschrecken feststellen, wie uninspiriert und streckenweise geradezu peinlich er in Wirklichkeit ist. Ich denke ein Großteil der Liebe, die dem Film auch heute noch von vielen entgegengebracht wird, wurzelt letztlich in ähnlich nostalgischen Erinnerungen.
Ulkigerweise war mir zum Zeitpunkt meiner ersten Begegnung mit Brooks' Werk auch schon der Film bekannt, den ich heute als eine sehr viel gelungenere Star Wars - Parodie Spaceballs entgegenstellen würde: The Ice Pirates von 1984. Ich weiß, eine Einschätzung, die wahrscheinlich nur von sehr wenigen geteilt wird {auf Rotten Tomatoes bekommt der Flick gerade mal 11%}, aber ich bleibe dabei: Stewart Raffills trashiger SciFi-Streifen ist vielleicht nicht wirklich ein besserer Film und er enthält vermutlich ebensoviele müde und pubertäre Witze wie Spaceballs, doch im Unterschied zu ihm ist er bei allem Rumgeblödel zugleich ein nett pulpiges Weltraumabenteuer, und das macht für mich den entscheidenden Unterschied aus: Spaceballs besteht aus einer Aneinanderreihung meist nur mäßig amüsanter Gags, für die der Plot und die Charaktere lediglich als Aufhänger fungieren. Der Film versucht gar nicht erst, eine wirkliche Story zu erzählen, die einen irgendwie packen oder auch nur interessieren könnte. The Ice Pirates hingegen mag zwar ein echt mieser Film sein, aber er erzählt weigstens eine echte Geschichte, in deren Verlauf ich zumindest echte Sympathien für Jason und seinen Trupp von Misfits & Underdogs entwickeln konnte.     

Roger Ebert schrieb seinerzeit in seiner Rezension von Spaceballs::
Did Mel Brooks make "Spaceballs" to celebrate the 10th anniversary of the "Star Wars" saga? Last month we celebrated the first decade of George Lucas's great entertainment, and now here is Brooks's satire, complete with Dark Helmet and Pizza the Hutt. [...]
The strangest thing about "Spaceballs" is that it should have been made several years ago, before our appetite for "Star Wars" satires had been completely exhausted.
In der Tat fragt man sich, was vier Jahre nach Return of the Jedi ein solcher Streifen noch in den Kinos zu suchen hatte. Anders als Blazing Saddles, Young Frankenstein, High Anxiety oder History of the World parodiert Spaceballs kein ganzes Genre, sondern ganz spezifisch Star Wars. Daran ändern auch die paar willkürlich eingestreuten "Anspielungen" auf Star Trek, Alien und Planet of the Apes nichts. Doch der große Hype war 1987  bereits vorbei. Ebenso angestaubt mussten deshalb Brooks' satirische Seitenhiebe auf die geldscheffelnden Merchandising-Maschinerie wirken, für die George Lucas schon seit langem berüchtigt war.

Wenn also bereits die erste Inkarnation von Spaceballs leicht anachronistisch wirken musste, um wieviel mehr würde dies für ein 2016 oder 2017 in die Kinos gelangendes Sequel gelten? Selbst wenn J.J. Abrams' The Force Awakens zu einem großen Erfolg werden sollte, wird der Film doch unter Garantie nichts auslösen, was dem Star Wars - Hype der späten 70er und frühen 80er gleichkäme.

Warum also streut der inzwischen achtundachtzigjährige Brooks Gerüchte über Spaceballs 2 aus? Braucht er dringend Geld und hofft tatsächlich, die Wiederauferstehung von Star Wars ausnutzen zu können? Ist er nicht länger damit zufrieden, seine alten Klassiker wie The Producers und Young Frankenstein in Broadway-Musical zu verwandeln? Will er's sich selbst und der Welt zwanzig Jahre nach seinem Abschied vom Regiestuhl noch einmal beweisen? Oder ist das Ganze bloß ein Spaß, den sich der alte Komiker auf Kosten der gerüchtegeilen Filmfangemeinde macht? Zumal es äußerst unwahrscheinlich ist, dass Rick Moranis aus dem Ruhezustand zurückkehren und sich erneut den schwarzen Riesenhelm überstülpen wird. Und Brooks selbst hat gesagt: "“Without Rick, I wouldn’t do it".

Mittwoch, 28. Januar 2015

Ghostbusters 3 - Ich kapier's einfach nicht

Eigentlich hatte ich ja immer gehofft, es werde nie zu einem weiteren Ghostbusters - Film kommen, auch wenn man seit einer halben Ewigkeit immer mal wieder entsprechende Gerüchte hören konnte. Zwar gehöre ich nicht zu denen, die Ivan Reitmans Original aus dem Jahre 1984 für ein unübertreffliches Meisterwerk der Komödie halten, aber es ist ohne Zweifel ein äußerst unterhaltsamer Film, mit dem ich zudem sehr intensive Kindheitserinnerungen verbinde. Und seine Klasse verdankt der Streifen beinahe ausschließlich dem großartigen Zusammenspiel von Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis und Ernie Hudson. Nicht nur waren sie alle vier in absoluter Topform, zwischen ihnen herrschte auch genau die richtige Chemie. Ein magischer Moment, der sich nicht so ohne weiteres wiederholen lässt, wie das unsägliche Sequel aus dem Jahr 1989 denke ich zur Genüge bewiesen hat. Und wenn es schon kaum möglich erschien, den Charme des Originals mit der gleichen Combo wiederzubeleben, warum sollte man dann den Versuch starten, eine neue Gruppe von Geisterjägern das Erbe von Peter Venkman, Ray Stantz, Egon Spengler und Winston Zeddemore antreten zu lassen?

Im August des letzten Jahres verdichteten sich die Dämpfe, die unablässig aus Hollywoods Gerüchteküche aufsteigen, schließlich zu der bald schon als gesichert geltenden Nachricht, dass tatsächlich ein dritter Ghostbusters - Film produziert werden würde. Und Regisseur Paul Feig ließ verlauten, dass er plane, das Geisterjägerteam in einer vollständig weiblichen Formation auf die Leinwand zurückkkehren zu lassen. 
Nicht mehr als eine zynische Werbestrategie von Sony Pictures? Um ehrlich zu sein, ich halte das für ziemlich wahrscheinlich, aber letztenendes auch für ziemlich unwichtig. Es mag schon sein, dass sich die Studiobosse gedacht haben, auf diese Weise ließe sich Interesse an der Wiederbelebung eines Franchises wecken, dessen Auferstehung von kaum jemandem herbeigesehnt worden war. Doch was soll's? Genre-Blockbuster mit mehr als einer weiblichen Hauptrolle sind nachwievor eine so große Seltenheit, dass es mir im Grunde egal ist, ob wir die Entstehung eines solchen Films in letzter Konsequenz marktstrategischen Überlegungen oder irgendetwas anderem verdanken. Zumal die Profitinteressen der Studios und ihrer Geldgeber doch bei allen Blockbustern ein gehöriges Wort mitzureden haben -- gelinde ausgedrückt.

Vor einigen Tagen nun hat Paul Feig die Besetzung für die vier Hauptrollen bekanntgegeben: Kristen Wiig, Melissa McCarthy, Leslie Jones and Kate McKinnon. 
{Auf Filmdivider kann man auch schon etwas über die angebliche Story des Films lesen, aber wie stets, sollte man derartige "Insiderinformationen" mit gehöriger Skepsis angehen. Oft genug erweisen sie sich als ausgemachter Bullshit.}

Wie dem auch sei: Wie schon im letzten August bekam man auch jetzt wieder in den Kommentarspalten der einschlägigen Websites unangenehm viel sexistischen Müll zu lesen. Frauen als Ghostbusters? --  Für Teile der männlichen Geek-Gemeinde scheint das an Blasphemie zu grenzen. Und wie stets in solchen Fällen kapier ich es einfach nicht. Natürlich bin ich mir bewusst, wieviel dumpfer Chauvinismus in der Welt existiert, aber kommen sich diese Typen nicht selbst etwas lächerlich vor, wenn sie ihre frauenfeindlichen Überzeugungen anlässlich der Besetzungsliste für eine Horror-Phantastik-Komödie in den Internet-Äther brüllen? Was ist ihr Problem? Niemand zwingt sie dazu, den Film anzuschauen, wenn er schließlich in die Kinos kommen wird. Wenn ihnen danach ist, können sie sich ohne Probleme das Original in Endlosschleife angucken. Vermutlich hat man diese unappetitlichen Tiraden als Ausgeburt einer unglücklichen Liaison zwischen Sexismus und Geektum zu verstehen. Mit anderen Worten: Diese Typen halten amüsante Unterhaltungsfilme wie Ghostbusters für so was wie den Heiligen Gral, und wenn auf einmal Frauen sich erdreisten, dieses magische Artefakt in die Hand zu nehmen, kommt das in ihren Augen einem Sakrileg und einer Entweihung gleich.

Ich selbst stehe dem ganzen Projekt aus oben genannten Gründen nachwievor eher skeptisch gegenüber. Aber wenn es einen Grund gibt, warum ich mir Ghostbusters 3 vielleicht tatsächlich anschauen werde, dann ist es die weibliche Besetzung. Das könnte dem ganzen wenigstens einen neuen Dreh verleihen und verhindern, dass wir es mit einer simplen Wiederaufwärmung des Originals zu tun bekommen, in der der Charme des Alten dann vermutlich durch irgendwelche CGI-Feuerwerke ersetzt worden wäre.

Dienstag, 18. November 2014

Ach Arnie ...

Wie ich ich hier immer mal wieder sehr gerne verlauten lasse, habe ich eine große Schwäche für Arnold Schwarzenegger in seiner "klassischen" Periode.
Okay, Mark Lesters Commando (1985) -- der Film, der bei vielen als das stilprägende Werk des mit Arnies Namen verbundenen Eighties & Nineties-Actioners gilt -- erweist sich aus heutiger Sicht als ein inkompetent zusammengestoppeltes Flickwerk aus Celluloid. Aber Arnie als Ein-Mann-Anti-Terror-Armee wie in True Lies (1994), Eraser (1996) oder Collateral Damage (2002) war ohnehin nie mein Fall. Ich denke da zuallererst an Conan the Barbarian (1982), Terminator (1984), Predator (1987) und Total Recall (1990). Und ich finde es wirklich schwer, mir diese Filme ohne Schwarzenegger vorzustellen. Wer hätte an seine Stelle treten können? Sylvester Stallone?!?
Um so trauriger wirken auf mich die Bemühungen des Mittsechzigers, nach seinem Ausflug in die Welt der Politik seine alte Karriere als Actionheld wieder aufzunehmen. Das Ganze hat etwas leicht peinliches und würdeloses an sich. Dabei sind Streifen wie die Action-Opa-Gipfeltreffen The Expendables 2 & 3 oder The Last Stand nicht einmal das Schlimmste. Gruseliger finde ich die Vorstellung, dass es tatsächlich noch zu den mehrfach angekündigten Sequels zu Conan und Terminator kommen könnte. Und Arnie hört nicht auf, die Gerüchte über derartige Wiederbelebungsversuche seiner alten "Klassiker" am Leben zu erhalten. Vor wenigen Tagen erst ließ er während einer Q&A - Session in London eine kurze Bemerkung über ein mögliches Sequel {oder Reboot?} von Running Man (1987) fallen.
Um ehrlich zu sein: Schon das Original war recht mies, und das einzige, was mich in Bezug auf eine Neuauflage interessieren würde, ist die Frage: Werden wir auch diesmal so einen putzigen "Revolutionär" mit Pseudo-Che-Guevara-Barett zu sehen bekommen? Ich will doch schwer hoffen!

Samstag, 15. November 2014

Universen der Ödnis?

Letzten Monat stellten sowohl Warner Bros als auch Disney/Marvel der Öffentlichkeit die Terminpläne für ihre kommenden Superheldenfilme vor:

Warner Bros (DC):
  • März 2016: Batman v Superman: Dawn of Justice
  • 5. August 2016: Suicide Squad 
  • 23. Juni 2017: Wonder Woman
  • 10. November 2017: Justice League Part One
  • 23. März 2018: The Flash
  • 27. Juli 2018: Aquaman
  • 5. April 2019: Shazam
  • 4. Juni 2019: Justice League Part Two
  • 3. April 2020: Cyborg
  • 19. Juni 2020: Green Lantern 
Disney (Marvel):
  • Juli 2015: Ant-Man
  • 6. Mai 2016: Captain America: Civil War
  • 3. November 2016: Doctor Strange
  • 5. Mai 2017: Guardians of the Galaxy 2
  • 28. Juli 2017: Thor. Ragnarok
  • 3. November 2017: Black Panther
  • 4. Mai 2018: Avengers: Infinity War Part One
  • 6. Juli 2018: Captain Marvel
  • 2. November 2018: Inhumans
  • 3. Mai 2019: Avengers: Infinity War Part Two 
Beim Anblick dieser mehr als ein Jahrfünft umfassenden Pläne überkommt mich ehrlich gesagt ein mulmiges Gefühl. Man verstehe mich bitte nicht falsch: Ich habe nichts grundsätzliches gegen Superheldenflicks, auch wenn ich der Meinung bin, dass diese bei Lichte betrachtet doch etwas lächerlichen Figuren im heutigen Film viel zu ernst genommen werden. Wenigstens werden uns endlich auch ein paar Superheldenfilme mit weiblichen und farbigen Protagonisten in Aussicht gestellt, und das ist ja schon einmal etwas. Es ist die massierte und durchgeplante Form, in der uns hier zwei der großen Studios vor Augen führen, wie sie sich die Zukunft des amerikanischen Kinos vorstellen, die ich etwas depremierend finde.

Bunter und meinetwegen auch bombastischer Eskapismus ist ein legitimer Bestandteil des cineastischen Universums. Aber wenn er zur alles dominierenden Form des Films wird, dann liegt etwas im Argen. Wenn es Warner Bros und Disney tatsächlich gelingen sollte, ihre Vision in die Wirklichkeit umzusetzen, dann werden wir alljährlich mehr als ein halbes Dutzend Superheldenflicks zu sehen bekommen. Denn neben ihren eigenen Produktionen gibt es da ja auch noch Sonys Ausbaupläne für das Amazing Spider Man - Franchise sowie Projekte à la X-Men: Apocalypse und The Fantastic Four.

Seit geraumer Zeit schon gleicht Hollywood einem bizarren Paralleluniversum, das jede Verbindung zu der Welt, in der der Rest der Menschheit lebt, verloren zu haben scheint. Stärker als vielleicht jemals zuvor in seiner Geschichte hat sich das amerikanische Mainstream-Kino von der gesellschaftlichen Realität abgekoppelt. {Warum es meiner Ansicht nach um den Independent-Film auch nicht viel besser bestellt ist, soll jetzt nicht das Thema sein.} Die Lebenswirklichkeit der überwältigenden Mehrheit der US-Amerikaner und -Amerikanerinnen findet selbst in vermittelter, abgeschwächter oder zu Klischees erstarrter Form nur noch äußerst selten eine Widerspiegelung im Film. Stattdessen konzentrieren sich die Studios ganz darauf, primitive cineastische Gegenwelten zu erschaffen, die von Mal zu Mal immer steriler wirken. Der Superhelden-Boom des letzten Jahrzehnts ist eine besonders eindringliche Ausdrucksform dieses Trends. Und wenn es nach den großen Studios geht, soll sich daran offenbar auch in den nächsten fünf Jahren nichts ändern.

Nun bin ich nicht so naiv, dass ich glauben würde, der Impuls zur Veränderung könnte aus der Filmindustrie selbst kommen. Der Anstoß dazu wird von außen, von allgemeineren sozialen und politischen Entwicklungen in den USA kommen müssen. Marxistisch ausgedrückt: Dafür wird es ein Wiederaufleben des Klassenkampfes in den Vereinigten Staaten brauchen. Nur auf diese Weise wird die selbstzufriedene Isolation Hollywoods erschüttert werden können. Doch trotz der sich Jahr für Jahr verschärfenden sozialen Gegensätze ist dieser Punkt noch nicht erreicht.
      
Wer weiß, wie es in fünf Jahren tatsächlich aussehen wird. Wir leben in Zeiten rascher und dramatischer Entwicklungen. Die Studiobosse allerdings glauben offenbar immer noch, dass sie ewig so weiter machen könnten wie bisher. Wenn sie überhaupt eine Veränderung ins Auge fassen, so besteht diese bloß in einer weiteren Verschärfung all der negativen Trends der letzten zwanzig Jahre. Das ist zumindest für mich die eigentliche Aussage der Ankündigungen von Warner Bros und Disney. Hinzu kommt, dass all dies inzwischen geradezu generalstabsmäßig geplant wird. Und dabei spielt eine nicht ganz unwichtige Rolle die {auch nicht mehr so neue} Tendenz zur Entwicklung "filmischer Universen".

Genaugenommen manifestiert sich diese bisher allerdings hauptsächlich in Ankündigungen und weniger in fertiggestellten Produktionen. Das einzige wirklich etablierte Universum ist das der Marvel - Filme, welches deshalb auch immer wieder als Vorbild herangezogen wird.
Warum andere Studios Disney hierin nachzueifern versuchen, ist nicht weiter verwunderlich: Schließlich sind Guardians of the Galaxy und Captain America: The Winter Soldier die bis dato kommerziell erfolgreichsten Filme dieses Jahres, und das Franchise als Ganzes wird in Sachen Gewinn nur noch von der Harry Potter - Reihe übertroffen. Auf den ersten Blick mag es zwar nicht ganz logisch erscheinen, eine direkte Verbindung zwischen Format und finanziellem Erfolg herzustellen, doch Logik ist nicht unbedingt das höchste Gebot in der Welt von Hollywood. Bei all dem dürfte wohl jenes uralte Gesetz des Filmgeschäfts eine große Rolle spielen, das da lautet: Wenn irgendetwas erfolgreich ist, kopiere es! Eine Faustregel, die über die Jahrzehnte nicht nur zur Produktion vieler mediokrer Machwerke, sondern auch zu einer ganzen Reihe finanzieller Flops geführt hat. Was ihr erstaunlicherweise in den Augen vieler Studiobosse dennoch nichts von ihrer Überzeugungskraft geraubt zu haben scheint. In diesem Kontext wirkt es dann vielleicht nicht mehr so erstaunlich, dass andere Studios zu glauben scheinen, ein eigenes "filmisches Universum" könne ihnen einen ähnlichen Geldregen bescheren wie den, an dem Disney sich seit einigen Jahren erfreuen kann. Unabhängig von Inhalt oder Qualität der Flicks, aus denen selbiges sich zusammensetzen soll.
Am offensichtlichsten ist das natürlich bei Warner Bros' Bemühungen, mit ihren DC - Streifen einen direkten Konkurrenten zum Marvel - Universum aufzubauen. Ähnliches gilt für Sonys eher traurige Versuche, ihr ohnehin schon erbärmliches Amazing Spider Man - Franchise zu etwas Größerem aufzublähen. Doch der Superheldenfilm ist nicht das einzige Genre, in dem wir diese Entwicklung beobachten können. Für Star Wars ist bekanntlich etwas ähnliches geplant, während mit Dracula Untold vor kurzem der erste Vertreter eines Universal Monsters - Universums in die Kinos gelangt ist. Und als wäre letzteres nicht bereits absurd und geschmacklos genug, hat Sony vor einiger Zeit auch noch verkünden lassen, man wolle ein ganzes Robin Hood - Universum auf die Beine stellen! Bei manchen Nachrichten aus Hollywood weiß man wirklich nicht mehr, ob man lachen oder weinen soll ...

Neben den offensichtlichen Versuchen, Marvels Erfolgsrezept zu kopieren, scheint das Format also ganz allgemein Schule zu machen. Die Gründe hierfür sind nicht wirklich schwer zu erraten, und sie sind ausschließlich ökonomischer Natur.
Im Großen und Ganzen gesehen sind die Profite, die die Studios produzieren, schon seit geraumer Zeit nicht mehr hoch genug, um ihre Geldgeber an der Wall Street zu befriedigen. Dies zeigte sich letzten Monat auf sehr dramatische Weise, als Warner Bros bekannt machen ließen, dass man beabsichtige, die aktuellen Produktionskosten um $200 Mio zu senken, und zum Erreichen dieses Ziels mehr als 1.000 der 8.000 Studioangestellten entlassen werde.
Chief Executive Kevin Tsujihara told investors, “We are firmly committed to improving our margins. Through that process we have committed to cutting costs significantly.” Warner Bros. recently finished in third place among rival studios for box office share, the worst showing in over a decade. The studio has made $1.08 billion in movie sales in the US and Canada so far this year, down nearly 15 percent from last year. Overall, the major studios, including 20th Century Fox and Disney, have made $7.25 billion domestically, down almost 5 percent compared to last year, according to Box Office Mojo.
Zur selben Zeit investierte Warner Bros' Mutterkonzern Time Warner -- ähnlich wie viele andere amerikanische Großkonzerne -- mehrere Milliarden Dollar in den Aufkauf eigener Aktien, um damit den Kurs künstlich in die Höhe zu treiben und die Gewinne der Anleger zu maximieren.
Die Studiobosse, bei denen es sich schon längst nicht mehr um die allmächtigen Mogule vergangener Zeiten, sondern um die bloßen Befehlsempfänger von Finanzinstituten und Hedge Funds handelt, stehen also unter einem gewaltigen Druck, und das Format des "filmischen Universums" könnte deshalb aus zweierlei Gründen sehr verführerisch auf sie wirken:
1) Auf diese Weise lässt sich ein Franchise, an dem man die Rechte besitzt, noch umfangreicher ausbeuten, als durch die übliche Sequel- oder Reboot-Masche. Anders ausgedrückt: Man kann mehr Filme aus einer Grundidee herausquetschen.
2) Ist es einem erst einmal gelungen, ein Filmuniversum zu etablieren, so sichert man sich damit auch ein Kernpublikum. Selbst Leute, die noch nie von Ant-Man gehört haben, werden sich einen Film über ihn anschauen, weil selbiger Teil des Marvel-Universums ist.

Letztlich ist das "filmische Universum" bloß eine Fortsetzung des Sequel- und Remake-Irrsinns der jüngeren Vergangenheit. Ob dieses neue Konzept einen gravierenden negativen Einfluss auf die Qualität der unter seiner Herrschaft produzierten Filme haben wird, halte ich für ungewiss. Ein Streifen wie Guardians of the Galaxy scheint eher dagegenzusprechen. Allerdings führt Scott Tobias in einem Artikel für The Dissolve folgendes, durchaus bedenkenswertes Argument an:
All movies must conform to the same template. This objection is related as much or more to traditional sequels and franchises in general than to cinematic universes in particular. [...] The specific frustration with cinematic universes, however, is that they could—and should—be stylistically discrete, but they all have to look the same anyway.
Das klingt einleuchtend, würde im Grunde aber bloß die weitere Verschärfung eines Trends darstellen, der dem modernen Blockbuster an sich eigen ist: Der Tendenz zu immer größerer strukturell-erzählerischer und stilistischer Stromlinienförmigkeit. Und dessen Wurzeln sind einmal mehr hauptsächlich wirtschaftlicher Natur.

In den bald vier Jahrzehnten seiner Existenz hat das Blockbusterformat eine Entwicklung durchgemacht, die sehr viel damit zu tun hat, wie Filme finanziert und vermarktet werden. In den späten 70er und vor allem in den 80er Jahren begann Hollywood seine Ressourcen mehr und mehr auf die Produktion von immer weniger Filmen zu konzentrieren, welche ihrerseits immer teurer wurden. Daneben flossen immer größere Summen Geldes in riesige PR-Feldzüge. Das war mit einer der Gründe dafür, dass es allmählich zu einer tiefgreifenden Veränderung in der Struktur der Filmindustrie kam. Wie praktisch alle Teile der Wirtschaft wird auch Hollywood schon seit längerem von den großen Finanzinstuten, Banken, Hedge Funds etc. dominiert, die alleine in der Lage sind, die für eine große Blockbusterproduktion nötigen Mengen an Kapital zur Verfügung zu stellen. Mehr noch als in den alten Tagen ist damit der Profit zum höchsten {und beinah einzigen} Maßstab geworden, an dem sich Filme messen lassen müssen. Hollywood ist ein Anlagegebiet unter vielen geworden, und wenn es nicht die erwarteten Gewinne abwirft, wird das Finanzkapital anderswohin abwandern. Zugleich müssen diese Gewinne immer höher werden, da die Produktionen selbst immer kostspieliger geworden sind. Ein Weg, um dies zu erreichen, ist die Ausweitung des Marktes. Längst schon produziert Hollywood nicht mehr vornehmlich für den amerikanischen, sondern für einen internationalen Markt. All dies muss zu einem immer größeren Druck in Richtung Konformismus und Simplizität führen. Jedes gar zu heftige Abweichen von den "bewährten" Schemata muss in diesem Kontext als unnötiges Risiko erscheinen. Ein Risiko, das man sich schlicht nicht leisten kann.

Zugegebenermaßen äußerte sich dieser Druck hin zu immer größerer Gleichförmigkeit bislang in Fragen des filmerischen Stils weniger extrem als in den Bereichen Inhalt und Erzählweise. In dieser Hinsicht könnte das Prinzip der "filmischen Universen" in der Tat einen weiteren Schritt auf dem Weg zum unterschiedslosen Einheitsbrei darstellen. Dennoch halte ich eine Debatte über das Für und Wider von "Filmuniversen" letztenendes für wenig sinnvoll. Zuerst einmal wissen wir nicht, ob dieses Format mehr als eine kurzlebige Mode sein wird. Wenn es keinem von Disneys Konkurrenten gelingt, ein vergleichbar erfolgreiches {sprich einträgliches} Universum wie das der Marvel-Streifen zu etablieren, glaube ich ehrlich gesagt nicht, dass dem Modell eine all zu große Zukunft beschieden ist. Darüberhinaus sind die Probleme, mit denen der aktuelle Film zu ringen hat, sehr viel grundsätzlicherer Natur. Ähnlich wie der Remake-Wahn mag auch das Konzept der "filmischen Universen" ein Symptom der Krise sein, doch deren Wurzeln reichen sehr viel tiefer. Und wenn man diese angehen will, sollte man sich nicht gar zu sehr mit irgendwelchen formalen Fragen aufhalten.

Sonntag, 24. August 2014

Bloß erschöpfte Irritation

Es ist wirklich traurig. Da erreicht mich die Nachricht, dass in absehbarer Zukunft zwei Filme über Mary Shelley produziert werden sollen, und ich fühle nichts, außer einer erschöpften Irritation. Sollte ich nicht begeistert oder wenigstens interessiert sein? Schließlich halte ich nicht nur Frankenstein für einen der ganz großen Klassiker der phantastischen Literatur, Mary Shelley selbst – ihr Leben, ihre Persönlichkeit, ihre Zeit, der Kreis von Künstlern und Intellektuellen, dem sie angehörte – könnten Stoff für einen wirklich großartigen und faszinierenden Film abgeben. Und doch, nichts als erschöpfte Irritation. Und ein bisschen Traurigkeit ...

Die allermeisten Biopics, die Hollywood in den letzten zwei Jahrzehnten oder so produziert hat, kranken in meinen Augen an einem extremen Mangel an historischem Verständnis. Fast nie gelingt es ihnen, das Leben ihrer Helden oder Heldinnen auf organische Weise mit den gesellschaftlichen Entwicklungen der Zeit, in der sie lebten, zu verbinden. Die Darstellung vergangener Epochen beschränkt sich im aktuellen Film ohnehin meist auf Äußerlichkeiten. Kaum ein Drehbuchautor oder Filmemacher scheint sich auf einer tieferen Ebene mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen oder auch nur wirkliches Interesse für sie aufzubringen. Je perfekter dabei die Imitation von Kleidern, Frisuren, Möbeldesign oder Musik der jeweiligen Epoche wird, desto deutlicher springt ins Auge, dass die Menschen, die sich vor dieser Kulisse bewegen, Menschen des 21. Jahrhunderts sind. Sie denken wie diese, empfinden wie diese und sehr oft sprechen sie auch wie diese. Und wenn es sich bei ihnen um Künstlerinnen oder Künstler handelt, dann werden sie erst recht sehr oft zu kostümtragenden Avataren westlicher Mittelklasseintelektueller unserer Zeit. Und es würde mir schwerfallen, eine soziale Gruppe zu finden, die in ihren Empfindungen und Gedanken langweiliger und banaler wäre als das, was man vielleicht als die gehobene Bohème unserer Zeit bezeichnen könnte.

Ein wirklich intelligenter Film über Mary Shelley – das wäre zugleich ein Film über ihre Zeit – eine Ära gescheiterter revolutionärer Hoffnungen und des Triumphs der Reaktion in Europa – sowie über die zweite Generation der englischen Romantiker – jene bewundernswerten Männer und Frauen, die in einer bleiernen Zeit ihre Ideale von Schönheit, Freiheit und Humanität hochzuhalten versuchten. Dabei ließe sich um die bereits für sich genommen sehr interessante Hauptfigur ein ganzes Ensemble faszinierender und eigenwilliger Persönlichkeiten gruppieren: Ihr Vater, der anarchistische Philosoph und Schriftsteller William Godwin; ihre Mutter, die Pionierin des Feminismus Mary Wollstonecraft*; Percy Bysshe Shelley natürlich; Lord Byron ... Der Stoff ist so reichhaltig, das er für eine ganze Reihe sehenswerter Filme ausreichen würde.

Doch was über die beiden sich derzeit in Vorbereitung befindenden Streifen bisher bekannt ist, deutet leider in eine ganz andere Richtung.
Da hätten wir zuerst einmal Haifaa al-Mansours A Storm in the Stars: 
Storm, written by Emma Jensen, tells the story of the passionate love affair between dangerously charismatic poet Percy Shelley and 17-year-old Mary Wollstonecraft, who would a year later write Frankenstein as Mary Shelley. ([Elle] Fanning will play the budding writer.) 
The script aims to tell of the tumult of first love of a young woman out of step with her time (Mary was well-educated and came from a family of intellectuals) who wrote one of the first pieces of literary genre fiction in modern times.
The project is seen as a perfect fit for Al-Mansour, who is the first female director out of Saudi Arabia and whose breakthrough film, Wadjda, tackled similar themes of a young woman out of step with her country’s culture.
Eine feministisch angehauchte Liebesgeschichte also. Na klasse ...
Man verstehe mich bitte nicht falsch. Als intelligente und selbstbewusste Frau hatte Mary Shelley selbstverständlich mit vielen Widerständen und Ungerechtigkeiten in der damaligen Gesellschaft zu kämpfen. Und diese Thematik verdient einen Platz in jeder filmischen Auseinandersetzung mit ihrem Leben. Doch leider tendiert man heute im allgemeinen dazu, das Thema Sexismus aus jedem weiteren gesellschaftlichen und historischen Kontext herauszulösen und auf ein zwischenmenschliches Problem zu reduzieren. Heraus kommt dabei meist ein Szenario, in dem wir auf der einen Seite die sensible, intelligente, unterdrückte Frau, auf der anderen die bornierten, unsensiblen und herrschsüchtigen Männer haben. Nicht nur führt das oft zu einer simplifizierten Charakterzeichnung (Idealisierung hier, Dämonisierung da), der Blick bleibt außerdem völlig auf den engen Kreis persönlicher Beziehungen beschränkt, wobei die beteiligten Personen nicht als Teil eines gesellschaftlichen Ganzen, sondern als völlig autarke Individuen betrachtet werden, die man dann einem moralischen Urteil unterwirft.
Der Grund für diese bornierte, wenig erhellende und meist auch schrecklich langweilige Darstellungsweise muss meiner Ansicht nach in der zugrundeliegenden Weltanschauung gesucht werden. Mary Wollstonecraft hatte in ihrem epochalen Werk A Vindication of the Rights of Woman den Kampf für die Emanzipation der Frau – ganz im Geiste von Aufklärung und Revolution – als Teil des allgemeineren Kampfes für eine von Gleichheit, Freiheit und Humanität geprägte Gesellschaftsordnung verstanden. Denn, "the more equality there is established among men, the more virtue and happiness will reign in society."** Der Hollywood-Feminismus unserer Tage {ja, so etwas gibt es} sieht das leider völlig anders. Nichts liegt ihm ferner, als die gesellschaftliche Ordnung als Ganzes in Frage zu stellen. Seine Vertreterinnen scheinen hauptsächlich damit beschäftigt, sich selbst einen privilegierten Platz innerhalb dieser Ordnung zu sichern, und das spiegelt sich in dem wider, was sie produzieren.
Mit Ausnahme der Regisseurin Haifaa al-Mansour weckt keine der mit dem Projekt verbundenen Personen bei mir besonders große Hoffnungen. Drehbuchautorin Emma Jensen scheint ihr Geld hauptsächlich mit irgendwelchen Historienromanzen zu verdienen, und als Produzentinnen bzw. Executive Producers zeichnen Amy Baer (Last Vegas), Joannie Burstein (Flypaper) und Rebecca Miller (The Ballad of Jack and Rose, The Private Lives of Pippa Lee) verantwortlich. Al-Mansours Wadjda habe ich zwar nicht gesehen, was ich darüber gelesen habe, klingt aber nicht uninteressant. Freilich wissen wir aus jahrzehntelanger Erfahrung, wie schnell ausländische Talente in Hollywood ihre künstlerische Individualität und Integrität einbüßen können, vor allem, wenn sie dem korrumpierenden Einfluss der großen Filmindustrie keine starken eigenen Überzeugungen entgegensetzen können.

Sehr viel schlimmer freilich klingt, was man aus dem Munde von Produzentin Rose Ganguzza über Coky Giedroyc' &  Deborah Baxtroms Mary Shelley’s Monster zu hören bekommt:
Monster envisions her life as “the story of the most extraordinary 19th century teenage heroine told in a visceral, sexy, contemporary way,” per producer Rose Ganguzza, who produced last year’s Beat Generation drama Kill Your Darlings. “Our film is not a period drama. It is a story of youth that transcends time, a gothic romance, a love triangle that involves a dark passenger and we are tremendously excited to have such an exciting cast onboard this wonderful project.”
Sorry, aber wenn ich so was lesen muss, stellt sich bei mir ein leichter Brechreiz ein. Wenn Künstlerinnen oder Künstler {ich fasse den Begriff hier sehr weit} anfangen, von "zeitlosen" Themen zu schwafeln, dann bedeutet das für gewöhnlich bloß, dass sie zu faul sind, um sich mit der konkreten Realität sei es ihrer eigenen, sei es einer vergangenen Zeit auseinanderzusetzen. Heraus kommt dabei entweder etwas fürchterlich Banales oder eine schlecht verhüllte Wiedergabe ihrer eigenen, meist schrecklich uninteressanten Gefühle und Problemchen. Wie so oft frage ich mich auch hier wieder: Wenn ihr eine Sexy-Gothic-Teen-Romanze im Geiste der heutigen Popkultur drehen wollt {was euch unbenommen ist}, warum müsst ihr dazu die Person von Mary Shelley verwenden? Ganz offensichtlich wird dieser Streifen absolut nichts mit dem realen Leben der Schriftstellerin zu tun haben. Es wird ja nicht einmal versucht, den Anschein zu erwecken, dass dem so sei. Ich kapier das einfach nicht ... 

Wie wunderbar wäre es, wenn uns statt dieser Filme eine Adaption von Helen Edmundsons Theaterstück Mary Shelley in Aussicht gestellt würde. Barbara Slaughters Besprechung einer Londoner Inszenierung aus dem Jahr 2012 und ihr Interview mit der Autorin machen deutlich, wie faszinierend eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Leben und der Person der Frankenstein-Schöpferin sein könnte. Aber es wäre wohl naiv, zu hoffen, etwas derartiges vom heutigen Hollywood präsentiert zu bekommen ...


* Wollstonecraft starb zwar bereits kurz nach der Geburt ihrer Tochter, doch sie war trotzdem eine wichtige "Präsenz" im Leben der heranwachsenden Schriftstellerin.
** Mary Wollstonecraft: A Vindication of the Rights of Woman. Kap. 1.

Freitag, 18. Juli 2014

Wo sind meine Voodoo-Puppen?

Im April dieses Jahres verkündeten Alex Kurtzman und Roberto Orci, dass ihre langjährige Zusammenarbeit im Kinobereich beendet sei und sie als "Drehbuchschreiber, Produzenten und Regisseure" von nun an getrennte Wege gehen würden. Ob der Grund für diese Trennung in der Erkenntnis bestanden hatte, dass sie als Einzelkämpfer doppelt soviel Schaden in der Filmwelt anrichten könnten wie zuvor? Es sieht beinah so aus.
Nachdem ich bereits vor einiger Zeit erfahren musste, dass Orci {nicht ohne Hilfe seines Kumpels J.J. Abrams} das Kommando über die Enterprise an sich zu reißen vermocht hat, erreicht mich nun auch noch via The Dissolve die Hiobsbotschaft, dass Kurtzman mit der Mission beauftragt wurde, das Pantheon der alten Universal - Monster in  ein "zeitgemäßes" Action-Franchise nach Vorbild der Avengers (!?!) zu verwandeln. Als seinen Igor hat er sich dafür Chris Morgan, das "kreative Hirn" {* Hysterisches Gekicher *} hinter der nicht enden wollenden Fast and Furious - Serie, auserkoren.  Kennen die Götter von Hollywood wirklich keine Gnade?!?
Der Univeral - Horror der 30er und 40er Jahre zeichnete sich durch Stil, Atmosphäre, Intelligenz und Humanität aus. Er wurde geprägt von so großartigen Regisseuren wie Tod Browning, Karl Freund, Edgar G. Ulmer & James Whale und von so genialen Schauspielern wie Lon Chaney Jr., Boris Karloff & Bela Lugosi. Ist es wirklich nötig, auch dieses edle Erbe dem erniedrigenden Schauspiel eines Reboots zu unterziehen?
Zugegeben: So gut wie jede der ikonischen Figuren des Universal - Horrors {Dracula, Frankensteins Ungeheuer, die Mumie, der Werwolf, der Unsichtbare Mann} hat in den letzten Jahren und Jahrzehnten mindestens eine eher unwürdige Wiederauferstehung im Kino erlebt. So gesehen gibt es da wohl kaum mehr etwas zu verhunzen. Dennoch tut es mir weh, wenn ich hören muss, dass unter der Leitung eines untalentierten Hacks wie Kurtzman ganz offiziell das Mausoleum des klassischen amerikanischen Horrorkinos geschändet werden soll.
Angesichts dessen würde ich nur zu gerne wie Boris Karloffs Imhotep in The Mummy die mörderische Macht der altägyptischen Katzengöttin Bastet gegen die Verantwortlichen entfesseln. Und wenn das nichts hilft: Ich arbeite schon seit längerem an zwei Voodoo-Puppen in der Gestalt von Kurtzman und Orci ...

Donnerstag, 26. Juni 2014

Teenage Mutant Ninja Turtles - Der neueste Trailer

Mich verbinden keinerlei nostalgische Erinnerungen mit den Teenage Mutant Ninja Turtles. In der zweiten Hälfte der 80er Jahre – als Leonardo, Michelangelo, Donatello und Raphael ihren ersten großen Triumphzug antraten – war mir ihre Existenz dank eines Kumpels, der ein großer Fan der Turtles war, zwar sehr wohl bekannt, ich selbst habe jedoch bis heute weder einen der Comics gelesen noch eine der Cartoon-Serien gesehen. Selbst was die Kinofilme angeht, beschränkt sich mein Wissen hauptsächlich auf den allerersten Streifen, der 1989 unter der Regie von Steve Barron gedreht wurde. Selbigen finde ich ganz neckisch und unterhaltsam, trotz des etwas problematischen Subtextes über sozial entfremdete / rebellische Jugendliche, die in eine kriminelle "Subkultur" abrutschen. {Man sollte meinen, ein Film über vier mutierte Teenagerschildkröten, die in der Kanalisation von New York leben, würde etwas mehr Sympathie für Außenseiter und Underdogs aufbringen.} Die in Jim Hensons Creature Shop kreierten Turtles (plus Meister Splinter) sind außerdem wunderschöne Vertreter der guten alten Kunst der Animatronics.*

Die Aussicht, dass in diesem August ein neuer TMNT - Film in die Kinos kommen wird, weckt in mir darum keinerlei starke Emotionen. Dennoch fühle ich mich dazu getrieben, einen kurzen Kommentar zu dem vor einigen Tagen auf die Werbetour durchs Netz geschickten dritten (?) Trailer abzugeben.



1) Die Teenage Mutant Ninja Turtles waren ursprünglich als eine Parodie auf die Superhelden-Comics der Zeit gedacht. Und auch wenn sich das Franchise später in andere Richtungen entwickelt hat, ist das Grundkonzept heute doch noch ebenso absurd wie 1984, als Kevin Eastman und Peter Laird den allerersten TMNT - Comic kreierten. Sollte sich das nicht im Look des Filmes widerspiegeln? Was wir im Trailer zu sehen bekommen wirkt jedoch leider fürchterlich generisch. Sollte ein Turtles - Film nicht etwas durchgedrehter und – ja – bunter aussehen? Ich weiß, ich weiß ... die frühen Comics sollen recht düster und "edgy" gewesen sein. Aber nachdem inzwischen selbst Superman in die Gefilde von Grim & Gritty umgesiedelt wurde, wirkt ein entsprechender Look einfach nur noch banal und langweilig. Etwas mehr Individualität in Hollywoods Design-Abteilungen wäre wirklich äußerst wünschenswert.

2) Muss es in einem phantastischen Action-Film heute eigentlich grundsätzlich immer gleich um die drohende Vernichtung der Welt – oder wenigstens einer Millionenstadt – gehen? Die offizielle Plot-Zusammenfassung für diesen Flick liest sich so:
The city needs heroes. Darkness has settled over New York City as Shredder and his evil Foot Clan have an iron grip on everything from the police to the politicians. The future is grim until four unlikely outcast brothers rise from the sewers and discover their destiny as Teenage Mutant Ninja Turtles. The Turtles must work with fearless reporter April and her wise-cracking cameraman Vern Fenwick to save the city and unravel Shredder's diabolical plan.
Yep, einmal mehr will man uns hier offensichtlich das inzwischen sattsam bekannte dystopische Szenario nach Schema F auftischen. Garniert mit ein paar Bröckchen Terrorismus - Paranoia, wenn der Trailer nicht täuscht. Hoffentlich renk ich mir beim Gähnen nicht den Kiefer aus. Es wäre wirklich wunderschön, wenn ein Film dieser Sorte die Handlung endlich einmal wieder auf einem etwas niedrigeren bescheideneren Level halten würde.

3) Regisseur des Films ist Jonathan Liebesman, dessen letzte Großtaten aus Battle: Los Angeles (2011) und Wrath of the Titans (2012) bestanden haben. Nicht eben besonders aufmunternd. Schlimmer jedoch ist, dass Michael Bay als Produzent verantwortlich zeichnet. Und was wir an Action in dem Trailer zu sehen bekommen, trägt eindeutig die Handschrift des Schöpfers der Transformers - Blockbuster. Bay verkörpert in besonders reiner Form, was in Hollywoods Action-Kino momentan im Argen liegt. Die Art und Weise, in der er Action-Sequenzen in Szene setzt, ist hysterisch und zusammenhangslos, das Resultat irritierend und langweilig. Und Liebesman scheint getreulich dem Rezept seines Meisters gefolgt zu sein: Möglichst viele Schnitte und das Herumgehopse zwischen möglichst vielen, völlig willkürlichen Kameraperspektiven, um den Eindruck von Dynamik zu erwecken. Nichts könnte öder sein.


* Nur so am Rande: Barron hatte zuvor bereits bei drei Episoden von Jim Hensons Storyteller Regie geführt: Hans My Hedgehog, Fearnot und Sapsorrow.  

Sonntag, 22. Juni 2014

From Darkness into Darkness




Space: the final frontier. 
These are the voyages of the starship Enterprise ...

Wer hätte ahnen können, in welch gruselige Regionen des filmischen Universums diese Reisen Captain Kirk und seine Crew einmal führen würden? Die neuesten Nachrichten aus Hollywood lassen in dieser Hinsicht jedenfalls nichts Gutes erahnen ...

Die wahre Heimat von Star Trek war stets das Fernsehen. Unter den ersten sechs Kinofilmen konnte man zwar manch Interessantes, Unterhaltsames und sogar Großartiges entdecken {ich bemühe mich verzweifelt, die Tatsache, dass The Final Frontier existiert, zu verdrängen}, aber nach The Undiscovered Country (1991) hat es eigentlich keinen wirklich guten Trek-Film mehr gegeben. {Und nein, davon nehme ich auch The First Contact nicht aus!} Dennoch fühle ich mich als Immer-noch-Fan des Franchises durch die Reboot-Filme stärker beleidigt als selbst durch solch unterirdische Machwerke wie Insurrection oder Nemesis. Zumindest seit ich das Pech hatte, mir Star Trek Into Darkness im Kino anzuschauen. – Warum diese extreme Reaktion? Ich bin mir nicht sicher, aber vermutlich nervt es mich einfach, zusehen zu müssen, wie die Welt von Star Trek in eine weitere generische Provinz des aktuellen SciFi-Action-Blockbuster-Universums verwandelt wird, und dabei unter den Händen talentloser Hacks jeden Rest von Individualität einbüßt. Alle Irrwege und Inkompetenzen der TNG-Filme wirken im Vergleich dazu beinahe harmlos ...
Doch wenn uns Hollywood in den letzten zwei Jahrzehnten eins bewiesen hat, dann, dass es nach unten hin keine Grenzen gibt. Eine Filmindustrie, in der sich Leute wie Michael Bay oder Roland Emmerich immer noch als große Macher aufführen dürfen, befindet sich längst jenseits von Gut und Böse. Und so hätte ich mich eigentlich nicht wundern dürfen, als bekannt wurde, dass bei Star Trek 3 – wie schon seit längerem gemunkelt – tatsächlich Roberto Orci auf dem Regiestuhl Platz nehmen wird. Passt doch ins Schema! Dennoch fällt es mir sehr schwer, auf diese Nachricht mit vulkanierhafter Emotionslosigkeit zu reagieren. Zusammen mit seinem Kumpel Alex Kurtzman ist Orci der lebendige Beweis dafür, dass man als Drehbuchschreiber im heutigen Blockbuster-Hollywood auch nicht die leiseste Ahnung davon haben muss, wie man eine Geschichte filmisch erzählt, und dennoch zum Multimillionär werden kann. Warum der nicht gänzlich talentlose JJ Abrams seinen Einfluss geltend gemacht hat, um Orci nun zu allem Überfluss auch noch zu einem Debüt als Regisseur zu verhelfen, entzieht sich meiner Kenntnis. Doch an einem besteht für mich kein Zweifel: Opfer dieses Freundschaftsdienstes wird das Star Trek - Franchise sein ... Ach ja, wie nicht anders zu erwarten, wird Orci – zusammen mit J.D. Payne –  selbstverständlich auch das Drehbuch für den für 2016 angekündigten Film hinschludern. Darin wollen sich die beiden offenbar mit "moral gray areas" beschäftigen. Ich denke, wir alle wissen, was das zu bedeuten hat ...

Nein, es ist keine gute Zeit für Trek-Fans. Ich persönlich tröste mich mit der Überzeugung, dass diese Streifen in Wirklichkeit gar keine Star Trek - Filme sind. Wir alle wissen doch, dass Hollywood von einer Bande geldgieriger Ferengi kontrolliert wird. Und wie lautet doch gleich die zweihundertneununddreißigste Erwerbsregel: "Never be afraid to mislabel a product".

Montag, 9. September 2013

Kleiner Einblick in ein Hollywood-Hirn

Einen erstaunlichen Mangel an Professionalität an den Tag legend, hat sich Drehbuchschreiber und Produzent Roberto "Bob" Orci letzte Woche auf trekmovie.com dazu hinreißen lassen, Kritiker von Star Trek Into Darkness als "shitty fans" und "morons" zu beschimpfen. Nachzulesen sind seine Ausfälle in den Kommentaren zu Joseph Dickersons Artikel Star Trek is broken -- Here are ideas on how to fix it.
Durch einen Beitrag von Emily Asher-Perrin auf den Zwischenfall aufmerksam geworden, habe ich mir nicht die Mühe gemacht, die unzähligen Kommentare durchzulesen, in deren Mitte sich boborcis Ausfälle finden. Persönlich stehe ich allen Versuchen, Star Trek zu "reparieren", sehr skeptisch gegenüber. Auch muss ich zugeben, dass ich selbst so meine Probleme mit dem Fandom habe. Keins von beidem spielt jedoch eine Rolle, wenn es um Orcis Äußerungen geht. Denn diese interessieren mich weniger als Beiträge zu einer Diskussion über die Zukunft des Franchises. Was ich an ihnen faszinierend finde, ist vielmehr, dass sie uns einen kleinen Einblick in das Denken eines relativ einflussreichen Mitglieds der Filmindustrie eröffnen. Orci ist schließlich nicht irgendwer. Der Hollywood Reporter nahm ihn 2007 in seine Liste der "50 mächtigsten Latinos von Hollywood" auf (wenn auch bloß auf Platz 35). Ein Artikel im Forbes Magazine vom Mai 2011 feiert ihn und seinen Kumpel Alex Kurtzman als "Hollywood's Secret Weapons". Der Grund hierfür ist simpel: Die von ihnen geschriebenen bzw. produzierten Filme "have booked a total $3 billion at the box office in six years." Das Paar selbst habe in den letzten zwölf Monaten schätzungsweise 10 Mio. Dollars verdient. Braucht es noch weitere Argumente? Vor diesem Hintergrund halte ich es für naheliegend, in der aggressiven Arroganz, mit der Orci auf seine Kritiker reagiert, etwas symptomatischeres zu sehen, als bloß den Ausdruck einer unreifen Persönlichkeit.
Hören wir uns den guten Herrn mal im O-Ton an:
I think the article above is akin to a child acting out against his parents. Makes it tough for some to listen, but since I am a loving parent, I read these comments without anger or resentment, no matter how misguided.
Having said that, two biggest Star Treks in a row with best reviews is hardly a description of “broken.” And frankly, your tone and attidude make it hard for me to listen to what might otherwise be decent notions to pursue in the future. Sorry, Joseph. As I love to say, there is a reason why I get to write the movies, and you don’t. (310)
don’ take me too seriously. if you’ve been on this board for the lar 5 years (as I have beeb) you know that twice a year I explode at the morons. today, there seemed to be a congregation, so it seemed like a good time.you are the most listened to fans ever. That doesn’t mean you will get is to do what you want. just means what I said: I listened. Then we decided, having heard as many opinions as possible. To paraphrase of one of my great and beloved heroes, George W. Bush, “we’re the deciders…. (398)
Was für ein eingebildetes Arschloch! Doch fürchte ich, dass die Mentalität, welche Orcis herablassendem und selbstherrlichem Tonfall zugrundeliegt, in den Chefetagen der amerikanischen Filmindustrie heutzutage ziemlich weit verbreitet sein dürfte. Es ist die Mentalität des Blockbuster-Kinos, welches keineswegs – wie oft behauptet – "dem Publikum gibt, was das Publikum will", sondern dieses vielmehr als bloßen Konsumentenpöbel betrachtet, der zu fressen hat, was man ihm vorsetzt. Was natürlich nicht ausschließt, dass man Marktforschung betreibt ("I listened"). Durch geschickte Manipulationen möglichst viele "Zielgruppen" ("demographics") einzufangen, gehört vielmehr zur hohen Kunst des Blockbustertums.
Doch nicht nur die Zuschauerinnen & Zuschauer, auch der Film als Kunstform wird mit offener Verachtung behandelt. Natürlich hat Orci recht, wenn er schreibt: "[T]here is a reason why I get to write the movies, and you don’t." Bloß ist dieser Grund nichts, worauf man stolz sein sollte. Ein kurzer Blick in seine Filmographie zeigt, dass Oberflächlichkeit, Konformismus und Fantasielosigkeit die einzigen Merkmale sind, durch die sich seine Werke bis heute ausgezeichnet haben. Selbst wenn man gnädigerweise darüber hinwegsieht, dass er an Michael Bays Magnum Opus der cineastischen Scheiße Transformers 2 mitgewirkt hat, wofür er eigentlich ein paar Jahre in der Schamecke verdient hätte, findet sich da nichts, was es ihm erlauben würde, derart hochmütig aufzutreten: The Island (2005), The Legend of Zorro (2005), Mission Impossible III (2006), Transformers (2007), Watchmen (2009), Star Trek (2009), Cowboys & Aliens (2011), People Like Us (2012).
Nicht wenige der in Hollywood tätigen Künstler & Künstlerinnen geben zumindest hin und wieder zu verstehen, dass sie nicht damit zufrieden sind, bloß Blockbuster zu drehen oder in ihnen mitzuwirken. Orci scheint nicht zu dieser Kategorie zu gehören, obwohl er sich offenbar einbildet, dass der sentimentale Streifen People Like Us seine kleine Rebellion gegen die Studios darstelle. Doch selbst dann noch wirkt es auf den ersten Blick unverständlich, dass ein solches Oeuvre ausreichen soll, um ein derart aufgeblasenes Ego hervorzubringen. Auf den ersten Blick, denn dann fällt einem wieder der Forbes - Artikel ein ... "a total $3 billion at the box office in six years" ... Leute wie Orci glauben offenbar, dass kommerzieller Erfolg ("two biggest Star Treks in a row") der ultimative Maßstab für filmerische Qualität sei. In Anbetracht des aktuellen Zustands unserer Kultur und Gesellschaft kein Wunder, aus der Sicht eines echten Freundes der Filmkunst jedoch nichts weiter als ein Beweis für bodenlose Dummheit.

PS: Dass Orci in seinen Kommentaren mehrfach betont, Star Trek Into Darkness zeichne sich durch seine "social commentaries" aus, finde ich beinahe lustig. Welche Art sinnvoller gesellschaftlicher Kommentare können aus der Feder eines Mannes stammen, der George W. Bush – einen der größten Kriegsverbrecher unserer Zeit – als "one of my great and beloved heroes" bezeichnet? Der gute alte Gene Roddenberry würde im Grabe rotieren, wenn man ihn nicht im Weltraum beigesetzt hätte ...

Freitag, 19. Juli 2013

Wie gehabt

Nach meinem kurzen Ausflug an die Sequel-Front hat mich ein Besuch im Den of Geek heute wieder in die sattsam bekannten Gefilde der Remake-Routine zurückkatapultiert. Und das mit erbarmungsloser Brutalität, darf man dort doch eine Liste mit sage und schreibe 
57
Remakes und Reboots bestaunen, die sich derzeit in Planung befinden!

Erstaunlicherweise hat mich die Lektüre dieses Konvoluts eher zum ausgiebigen Seufzen und Kopfschütteln als zum Fluchen und Kreischen animiert.
Die Welt braucht zwar ganz sicher keine Remakes von Highlander, Leprechaun, The Mummy, Tomb Raider, Van Helsing oder Waterworld, aber weh tun wird's auch niemandem. Und als ich gar Police Academy auf der Liste erblicken musste, konnte ich ein lautes Lachen nicht unterdrücken. Ist das jetzt ein besonders krasser Beleg dafür, wie trostlos es in den Köpfen der Verantwortlichen aussieht, oder ein weiteres Beispiel für die grenzenlose Verachtung, mit der diese Leute den Publikumspöbel betrachten, der ihr luxuriöses Leben finanziert?
Natürlich finden sich auch ein paar wirklich ärgerliche Eintragungen. Will Smiths Plan etwa, Sam Peckinpahs Klassiker The Wild Bunch ins heutige Mexiko zu verlegen und einen Ex-D.E.A.-Agenten dabei zum Helden zu machen, ist wirklich ganz schön unverschämt. Allerdings wirkt er zugleich so grotesk, dass sich kein richtiger Zorn bei mir einstellen will.
Die drohende Neuverfilmung von Gremlins ist da schon eher geeignet, heftige Emotionen in mir wachzurufen. Muss Hollywood sich denn unbedingt an Filmen vergreifen, mit denen ich nostalgische Erinnerungen verbinde? Und ist es denn tatsächlich so schwer zu kapieren, dass ein Film mit einem computergenerierten Gizmo unmöglich den Charme von Joe Dantes Original besitzen wird? Die Jungs und Mädels werden's wohl nie lernen!
Eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so heftige Reaktion ruft bei mir die Nachricht hervor, dass auch Short Circuit (Nummer 5 lebt) für ein Remake vorgesehen ist. Und warum zum Teufel brauchen wir eine neue Version von Logan's Run?! War denn das 2002er Reboot von Rollerball noch nicht genug? Und wer bitte schön ist auf die hirnverbrannte Idee gekommen, ein Remake von Hitchcocks Rebecca filmen zu wollen?
Eher bizarr mutet hingegen das Projekt an, WarGames einem filmischen Wiederbelebungsversuch zu unterziehen. John Badhams Original ist so deutlich ein Produkt der Zeit von Ronald Reagans Zweitem Kalten Krieg, dass es völlig unverständlich erscheinen muss, wie man auf diese Idee verfallen konnte. Aber vermutlich hat sich da irgend so ein Schlaukopf gedacht: "Hey, hat Matthew Broderick damals nicht einen jugendlichen Hacker gespielt? Das passt doch ganz wunderbar in unser Internet-Zeitalter!" {Seufz!}
Wirklich zum Gruseln wird's dann allerdings, wenn man erfahren muss, dass auch David Cronenbergs Videodrome "gerebootet" werden wird. Mit einem Drehbuch von Ehren Kruger! Was Mr. Kruger bisher so geschrieben hat? Na ja, u.a. das Drehbuch zu Transformers: Dark of the Moon! Und bei Transformers 2 war der gute Mann auch mit von der Partie! Ich glaube, jetzt ist es doch an der Zeit, zum Kotzkübel zu greifen ...


Sorry, aber das musste einfach sein. Wo waren wir stehengeblieben? Ach ja ...
Starship Troopers ... Ja, der Name steht auch auf der Agenda! Doch glücklicherweise könnte der kommerzielle Reinfall des Remakes von Total Recall dem einen Riegel vorgeschoben haben. {Vielleicht sollte ich den Göttern des cineastischen Olymps heute Nacht noch ein kleines Trankopfer darbringen?} Ich bin kein großer Fan des Originals, aber Paul Verhoeven hatte wenigstens versucht, aus Heinleins Roman eine Satire auf Militarismus und Faschismus zu machen. Auch wenn ihm dies meiner Meinung nach nicht wirklich gelungen ist, so fürchte ich doch, dass die Macher eines Remakes nicht einmal mehr eine solche subversive Absicht verfolgt hätten. Und was dann dabei herausgekommen wäre, möchte ich mir lieber gar nicht erst auszumalen versuchen ...
Und damit wären wir beim erstaunlichsten Eintrag in der langen Liste angekommen: Suspiria!!! Es fällt nicht leicht, die Gefühle zu beschreiben, die mich überkamen, als ich Dario Argentos Meisterwerk unter den zum Rebooten freigegebenen Filmen erblicken musste. Ungläubiges Entsetzen trifft es vielleicht am besten. Nachdem ich jedoch den Namen des verantwortlichen Regisseurs gelesen hatte, war es weniger Wut als vielmehr eine Art melancholische Verzweifelung, die mich erfüllte. David Gordon Green ist ein durchaus talentierter Filmemacher, wie er vor allem mit seinen frühen Werken George Washington (2000), All the Real Girls (2003) und Snow Angels (2007) bewiesen hat. Und ich glaube verstehen zu können, warum er gerne ein Remake von Suspiria drehen würde. In einem Interview mit Filmkritiker David Walsh hat er einmal über George Washington gesagt:
[I]deally it's a film I designed so that you could take a long walk afterward and think about what you've seen, and it would feel like a dream. One of those dreams that make perfect sense when you're dreaming, but you wake up and try to explain it to a friend and you can't quite figure out the order of things, but you know the mood you're in.
Tatsächlich besitzen seine frühen {und besten} Filme eine in gewissem Sinne traumartige Qualität. Und dasselbe gilt, wenn auch auf völlig andere Art, für Dario Argentos Horrorklassiker. Ich kann mir deshalb sehr gut vorstellen, dass David Gordon Green Suspiria liebt und bewundert. Seinen Wunsch, ein Remake zu produzieren, würde ich als einen Ausdruck eben dieser Liebe und Bewunderung interpretieren. Freilich kann ich nur schwer verstehen, wie man auf die Idee verfallen kann, dies sei die angemessene Art, um einem bewunderten Künstler Respekt zu zollen.     

So, mehr habe ich über die Liste der 57 fürs Erste nicht zu sagen. Erstaunlich finde ich allerdings immer noch, dass {mit Ausnahme von Conan} bisher kein einziger Fantasyklassiker der 80er Jahr mit einem Remake versehen wurde. Nicht dass ich mir das wünschen würde, aber es ist doch irgendwie eigentümlich ...