- Brazil, interpretiert von dem göttlichen Django Reinhardt ♫
- The Active Listener Sampler 34 ♫
- Dario Argento Tribute (Album) von Dæmonia ♫
- Alma Hitchcock with Alfred’s wax head in the fridge (1972) ☼
- Peter Falk & Jack Nicholson ☼
- Lauren Bacall ☼
- Humphrey Bogart & Peter Lorre ☼
- Orson Welles & Charlie Chaplin ☼
- Robert Bresson ☼
- Sergio Leone, Robert De Niro & Federico Fellini ☼
- Sophia Loren & Vittorio De Sica ☼
- Dänisches Plakat für Fritz Langs M (1931) ☼
- Französisches Plakat für James Whales Bride of Frankenstein (1935) ☼
- Schwedisches Plakat für Michael Curtiz' Angels With Dirty Faces (1938) ☼
- Italienisches Plakat für Victor Flemings The Wizard of Oz (1939) ☼
- Humphrey Bogart, James Cagney & Raoul Walsh während des Drehs von The Roaring Twenties (1939) ☼
- Italienisches Plakat für John Hustons The Maltese Falcon (1941) ☼
- Fred MacMurray, Barbara Stanwyck & Billy Wilder on the set of Double Indemnity (1944) ☼
- Französisches Plakat für Orson Welles' The Lady from Shanghai (1947) ☼
- Deutsches Plakat für Carol Reeds The Third Man (1949) ☼
- Italienisches Plakat für Alfred Hitchcocks Strangers On A Train (1951) ☼
- DDR-Plakat für Federico Fellinis La Strada (1954) ☼
- Deutsches Plakat für Stanley Kubricks Paths of Glory (1957) ☼
- Französisches Plakat für Terence Fishers The Hound of the Baskervilles (1959) ☼
- Mario Bava & Barbara Steele während des Drehs von La maschera del demonio / Black Sunday (1960) ☼
- Indisches Plakat für Satyajit Rays Charulata (1964) ☼
- Spanisches Plakat für Mario Bavas Planet of the Vampires (1965) ☼
- Ida Lupino directing The Trouble with Angels (1966) ☼
- Französisches Plakat für Batman (1966) ☼
- Dänisches Plakat für François Truffauts Fahrenheit 451 (1966) ☼
- Japanisches Plakat für Nicolas Roegs Don't Look Now (1973) ☼
- George A. Romero & Stephen King wähernd des Drehs von Creepshow (1982) ☼
- The World's Most Hauntingly Beautiful Abandoned Theme Parks ☼
- Treakbout - Episode 151: Q-Less / Dax & Episode 152: The Passenger / Move Along Home
- Mission Log Podcast - Suplemental 024: The One With George Takei
- A History of Horror Podcast: Grindhouses
- The Strange & Deadly Show: The Evil / The Nesting
- Hypnobobs - Microgoria 17: Leeviathan 99
- Island of Lost Scores #3 - Scott Johanssen (Damn Fine Podcast)
- SFFaudio Podcast: The Lost World by Bryan Alexander, Jesse, Mr Jim Moon) * The Moon-Bog by with Jesse, Juan Luis Prez, Mr Jim Moon, Seth Wilson) * The White Ship by (with Jesse, Mr Jim Moon, Seth Wilson)
- The Lovecraft eZine panel interviews author Peter Clines
- The Lovecraft eZine panel talks with author Gemma Files & filmmaker Len LoBiondo
- NUTS4R2 bespricht Ant-Man * The Gallows * Maggie * Vampira - Dark Goddess Of Horror
- Bibliotheka Phantastika: Zum 70. Geburtstag von M. John Harrison
- Films on Wax: Celebrating Shirley Walker von Charlie Brigden
- Films on Wax: Mr. Holmes & Capricorn One von Charlie Brigden
- Films on Wax: Blazing Saddles von Becky Grace Lea
- Great Adaptations: Rebecca (1940) von Becky Grace Lea
- Weird Fiction Review: 101 Weird Writers #36 - Saki von Leif Schenstead-Harris
- Cinephilia & Beyond: Rebecca: Why Hitchcock's First American Film Was So Ahead Of Its Time
- Cinephilia & Beyond: Time Bandits: The Ever-Lasting Importance Of Terry Gilliam's Best Fairy Tale
- Billy Wilder's Double Indemnity (1944) and the phenomenon of American film noir von David Walsh & Joanne Laurier
- Cinetropolis: Tribute To Stunt Legend Terry Leonard
- Wrong Reel: Plakaty: Polish Movie Posters as Art von Mikhail Karadimov
- Wrong Reel: The Accidental Auteur: How Jaws Almost Derailed Steven Spielberg's Career von Mikhail Karadimov
- Great Ghosts of the Shelves #18 - Horror Trump Cards + Tomb of Trumps #0 (The Packs) & #1 (Devil Priest Pack Part I) von Jim Moon
- John Hay Library of Providence and H. P. Lovecraft
Seiten
"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."
Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."
Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten
Montag, 3. August 2015
Strandgut der Woche
Donnerstag, 30. Juli 2015
Invasion oder Friedensmission? – Teil 1: "The Man From Planet X"
Bei Außerirdischen im SciFi-Film der 50er Jahre wird man beinah automatisch an Szenarien einer drohenden Invasion denken – sei es in Gestalt gewaltiger UFO-Flotten, die Tod und Zerstörung bringen, wie in War of the Worlds (1953) oder Earth vs The Flying Saucers (1956), sei es in Gestalt heimlicher Infliltration wie in Invaders from Mars (1953), Nigel Kneales großartiger TV-Serie Quatermass II (1955) oder Don Siegels Klassiker Invasion of the Body Snatchers (1956). Aber auch wenn dieses Motiv, das zu einem Gutteil in der antikommunistischen Paranoia des Kalten Krieges wurzelte, in jenen Jahren tatsächlich weit verbreitet war, bedeutet das noch lange nicht, dass alle Besucher von den Sternen, die damals die Leinwand bevölkerten, infernalische Eroberungspläne verfolgt hätten. Das wohl berühmteste Gegenbeispiel dürfte Klaatu in Robert Wise's The Day the Earth Stood Still (1951) sein, der als eine Art Weltraum-Messias mit einer Botschaft des Friedens auf die Erde herabgestiegen kommt. Doch auch einige der weniger bekannten Aliens der Fifties hatten nicht unbedingt die Versklavung der Menschheit {oder aller aufrechten Amerikaner} im Auge. Zwei von ihnen werden wir nun etwas näher kennenlernen.
Bei dem ersten ist die Lage freilich nicht ganz eindeutig, scheint The Man From Planet X (1951) auf den ersten Blick doch ein geradezu archetypischer "Alien Invasion" - Film zu sein.
Bei dem ersten ist die Lage freilich nicht ganz eindeutig, scheint The Man From Planet X (1951) auf den ersten Blick doch ein geradezu archetypischer "Alien Invasion" - Film zu sein.
Einige Monate vor Howard Hawks' & Christian Nybys legendärem The Thing From Another World in die Kinos gelangt, ist The Man From Planet X ein recht früher Vertreter seiner Art. Anders als viele andere B-Movies versuchte er deshalb in erster Linie auch keinen filmischen Modetrend auszunutzen, sondern den Medienrummel um vermeintliche Sichtungen wirklicher Fliegender Untertassen, der zwei Jahre zuvor nach Kenneth Arnolds angeblicher UFO-Sichtung an der amerikanischen Pazifikküste ausgebrochen war.* Pressematerial für den Film warb mit Slogans wie "You asked for an exploitation about Flying Saucers and here it is!" Noch weiter war man ein Jahr zuvor bei der Werbekampagne für Mikel Conrads The Flying Saucer (1950) gegangen: Da hatte man gar das Gerücht in Umlauf gesetzt, der Streifen enthalte Filmaufnahmen von einem realen UFO-Absturz. "[A]n actor hired by Conrad posed as an FBI agent and swore the retrieval claim was true."**
Das Budget für den von Mid Century Film Productions produzierten und in den Hal Roach Studios gedrehten Man from Planet X war ohne Zweifel äußerst klein. Um Geld zu sparen, verwendete man z.B. die alten Kulissen von Victor Flemings Joan of Arc (1948), denen man mit exzessivem Einsatz von Nebelmaschinen einen etwas anderen Look zu verleihen suchte. In gerade einmal sechs Tagen runtergedreht ist der Streifen ein waschechter B-Movie. Dennoch enthält er eine Reihe recht interessanter Elemente, wofür wir ohne Zweifel vor allem dem Regisseur zu danken haben – dem legendären Edgar G. Ulmer.
That a personal style could emerge from the
a director without alibis.
Andrew Sarris***
Der 1904 im tschechischen Olomouc/Olmütz, damals noch Teil von Österreich-Ungarn, geborene Edgar G. Ulmer ist eine ausgesprochen faszinierende Figur der Filmgeschichte. Wie so viele Vertreter & Vertreterinnen des Goldenen Zeitalters von Hollywood war auch er eine Person mit einem weiten kulturellen Horizont und einem wachen Gespür für die gesellschaftliche Realität seiner Zeit. Dennoch wurde er schon ganz zu Beginn seiner Regiekarriere ins Exil von "Poverty Row" geschickt.– was sich freilich nicht unbedingt als ein Fluch herausstellen sollte. Er selbst hat einmal erklärt: "I didn't want to be ground up in the Hollywood hash machine."
In jungen Jahren hatte Ulmer als Kulissenbauer für Max Reinhardts Bühne in Wien gearbeitet, während er zugleich Philosophie und Architektur studierte.Wann genau sein Einstieg in die Welt des Films stattfand, ist nicht ganz sicher, auf jedenfall wurde er schließlich zum Lehrling des großen F.W. Murnau. Und auch wenn sein Hauptbetätigungsfeld weiterhin in Kulissenbau und Produktionsdesign bestand, übernahm er bei Die Finanzen des Großherzogs (1924) und Der letzte Mann (1924) doch auch bereits die Aufgabe des Regieassistenten. 1926 ging er zusammen mit Murnau nach Hollywood, wo er zum "Assistant Chief Art Director" von Universal avancierte. Bis zu seinem Regiedebüt sollte es freilich noch einige Jahre dauern. Und kurioserweise fand dieses nicht in Amerika, sondern in Deutschland statt, wo er 1930 an der Seite der künftigen Hollywood-Größen Robert Siodmak, Fred Zinnemann und Billy Wilder den Film Menschen am Sonntag drehte. Drei Jahre später führte er bei Damaged Lives, der sich ziemlich offen mit dem Tabuthema Syphilis auseinandersetzte, zum ersten Mal auch in einem amerikanischen Film Regie. Als ihn Universal daraufhin mit dem Dreh von The Black Cat (1934) beauftragte schien dies sein großer Durchbruch zu sein. Der Film, in dem erstmals Bela Lugosi und Boris Karloff gemeinsam auftraten, ist nicht nur einer der faszinierendsten Vertreter des Universal - Horrors der 30er Jahre, ihm war auch ein ordentlicher Erfolg an den Kinokassen beschieden. Doch erstaunlicherweise folgte auf Ulmers ersten richtigen Hit kein Karriereschub, sondern die alsbaldige Verbannung des Regisseurs aus dem Kreis der großen Studios. Seiner Tochter Ariané Ulmer Cipés zufolge, gab es zwei Gründe für diese überraschende Wendung. Zum einen habe ihr Vater größere künstlerische Kontrolle über seine Filme gefordert, zum anderen habe seine Affäre mit ihrer Mutter Shirley, die zu diesem Zeitpunkt noch mit Produzent Max Alexander verheiratet gewesen war, den Zorn von Universal - Patriarch Carl Laemmle und dessen Sohn, dem Studioboss Carl Laemmle Jr. heraufbeschworen. 1936 ließ sich Shirley von Alexander scheiden und heiratete Ulmer. Bei vielen seiner späteren Filme übernahm sie u.a. die Aufgabe des "Script Supervisors". Gemeinsam mussten die beiden sich von nun an ihren Lebensunterhalt auf der "Poverty Row" verdienen. Zuerst drehte Ulmer eine Reihe ukrainischsprachiger und jiddischer Filme, die beim jüdischen Publikum offenbar recht gut ankamen, aber keine weitere Verbreitung fanden. Ab 1942 arbeitete er für PRC (Producers Releasing Corporation). Die B-Movie - Schmiede gewährte ihm beinah uneingeschränkte künstlerische Freiheit, vorausgesetzt er drehte seine Filme in sechs Tagen und mit einem Budget von maximal $20.000. Nach dem Untergang von PRC 1946/47 verdingte er sich bei einer Reihe anderer kleiner Studios. Trotz der ihm auferlegten finanziellen und anderen Einschränkungen gelang es Edgar G. Ulmer während seiner Zeit auf der "Poverty Row" einige wirklich eindrucksvolle Filme zu drehen. Genannt seien bloß Bluebeard (1944), Detour (1945), Ruthless (1948) und The Naked Dawn (1955).
Ulmer behauptete, in den 20er Jahren an der Produktion solcher Klassiker wie Paul Wegeners Der Golem, wie er in die Welt kam (1920), Fritz Langs Die Nibelungen (1924) und Metropolis (1927) beteiligt gewesen zu sein. Ob dem tatsächlich so gewesen ist, scheint umstritten. Doch unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Anekdote besteht kein Zweifel daran, dass seine Lehrjahre in der deutschen Filmindustrie der 20er Jahre einen bleibenden Einfluss auf ihn hatten. The Black Cat ist in vielem der Ästhetik des Deutschen Expressionismus verpflichtet, und auch in Ulmers späteren Filmen lassen sich immer wieder deutliche Spuren dieser Tradition ausmachen, sei es im intensiven Spiel mit Licht und Schatten, dem tiefen Gespür für Atmosphäre oder den mitunter leicht unwirklich anmutenden Sets, deren eigenartiger Charakter nicht allein auf die beschränkten fininaziellen Möglichkeiten, die Ulmer und seinem Team zur Verfügung standen, zurückgeführt werden kann. Und wie von einem Murnau-Schüler nicht anders zu erwarten, war Ulmer außerdem ein Meister darin, innere Zusammenhänge oder die tiefere Bedeutung eines Ereignisses mit Hilfe von Kamerabewegungen zu veranschaulichen. Wie Bill Krohn in seinem sehr lesenswerten Essay All lost in wonder: Edgar G. Ulmer schreibt:
Ulmer behauptete, in den 20er Jahren an der Produktion solcher Klassiker wie Paul Wegeners Der Golem, wie er in die Welt kam (1920), Fritz Langs Die Nibelungen (1924) und Metropolis (1927) beteiligt gewesen zu sein. Ob dem tatsächlich so gewesen ist, scheint umstritten. Doch unabhängig vom Wahrheitsgehalt dieser Anekdote besteht kein Zweifel daran, dass seine Lehrjahre in der deutschen Filmindustrie der 20er Jahre einen bleibenden Einfluss auf ihn hatten. The Black Cat ist in vielem der Ästhetik des Deutschen Expressionismus verpflichtet, und auch in Ulmers späteren Filmen lassen sich immer wieder deutliche Spuren dieser Tradition ausmachen, sei es im intensiven Spiel mit Licht und Schatten, dem tiefen Gespür für Atmosphäre oder den mitunter leicht unwirklich anmutenden Sets, deren eigenartiger Charakter nicht allein auf die beschränkten fininaziellen Möglichkeiten, die Ulmer und seinem Team zur Verfügung standen, zurückgeführt werden kann. Und wie von einem Murnau-Schüler nicht anders zu erwarten, war Ulmer außerdem ein Meister darin, innere Zusammenhänge oder die tiefere Bedeutung eines Ereignisses mit Hilfe von Kamerabewegungen zu veranschaulichen. Wie Bill Krohn in seinem sehr lesenswerten Essay All lost in wonder: Edgar G. Ulmer schreibt:
In a magic moment in Ruthless (US 1948), impoverished 13-year-old Horace Vendig walks through the gate and into the yard of a rich family; the camera is still, for until this moment Horace has been a victim wherever his place. But now, as Horace stops and stands still, the camera, after a pause, begins to move in, tracking through the gate and down the path to join Horace, and we understand that Horace has taken control of his life and intends to conquer a place in this new home. It is typical of Ulmer's art that, as with Murnau and King Vidor and John Ford, abstract ideas like conviction and free will are argued not in words but in sensory motionsEdgar G. Ulmer war fest verwurzelt in der reichen europäischen Kulturtradition. Seine weitgespannten Interessen umfassten u.a. klassische Musik, Literatur, Malerei, Architektur, Philosophie und Ballett. Zugleich war er – wie so viele Intellektuelle und Künstler der Zeit – stark geprägt von sozialistischen Ideen. Seine Tochter Ariané berichtet: "He was an FDR New Deal Liberal [...], but [...] a socialist at heart." Auch wenn er offenbar nie zu den Sympathisanten der KP gehörte, war und blieb er in Denken und Empfinden "part of the socialist revolutionary beliefs of his European era". Daneben hatten die turbulenten, widersprüchlichen, tragischen und blutigen Ereignisse der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – zwei Weltkriege, revolutionäre Umwälzungen, Faschismus und Holocaust – einen tiefgreifenden Einfluss auf Ulmer. Um noch einmal Ariané zu zitieren:
He loved Thomas Mann, Schiller, and Goethe. He was a European intellectual who had based most of his thinking on the great minds of the German language, only to find that it led to a stupid monster of an Austrian painter named Hitler. For the rest of his life he tried to understand how civilization could end up in barbarism.
Und auch wenn er eine tiefe Verbundenheit zu seiner "neuen Heimat" Amerika empfand, war er alles andere als blind für die sozialen und psychologischen Abgründe, die sich hinter der offiziellen Fassade des amerikanischen Kapitalismus verbargen.
Schon The Black Cat schien auf symbolische Weise sagen zu wollen, die Gesellschaft der Goldenen Zwanziger sei auf den unzähligen Leichen des großen Gemetzels von 1914-18 errichtet worden. Und auch viele von Ulmers späteren Filme vermitteln den Eindruck, dass mit der Welt, so wie sie ist, etwas auf fundamentale Weise ganz und gar nicht in Ordnung ist. Man kann dieses Gefühl eher spirituell interpertieren, wie dies Luc Moullet 1956 im Cahiers du cinéma getan hat, als er "the great solitude of man without God" als das Grundthema von Ulmers Oeuvre bezeichnete. Doch eine gesellschaftskritische Herangehensweise ist ebenso gut möglich. So hat z.B. Andrew Britton das Thema von Detour einmal sehr treffend als "the grotesque deformation of all human relationships by the principles of the market" beschrieben. Ein Gefühl von Schicksal oder Determiniertheit, vom Gefangensein in einer Ordnung, die die Handlungen der Menschen zu diktieren scheint, gehört zu den durchgehenden Motiven von Ulmers Werk. Aber auch wenn dem ohne Zweifel ein gewisser pessimistischer Fatalismus anhaftet, wäre es falsch, seine Charaktere als bloße Marionetten zu betrachten. Sie sind Opfer und Täter zugleich. Im Grunde jagt Al – der Protagonist von Detour – bloß dem "Amerikanischen Traum" von Erfolg, Reichtum und persönlicher Freiheit hinterher. Sein Handeln wird in hohem Maße von den Wertvorstellungen der Gesellschaft bestimmt, in der er lebt, auch wenn er sich dabei mehr und mehr in ein Netz von Lügen und Verbrechen verstrickt. Doch dass er das Bedürfnis hat, jede seiner zunehmend fragwürdigen Handlungen mit irgendwelchen immer absurder anmutenden Argumenten moralisch vor sich selbst zu rechtfertigen, zeigt zugleich, dass er kein willenloser Automat ist. Motive von Schuld und persönlicher Verantwortung sind fester Bestandteil von Ulmers Welt. Gier, Egoismus und Willen zur Macht, deren zerstörerische Wirkung wir so oft in seinen Filmen vor Augen geführt bekommen, sind zugleich überpersönlich-schicksalshafte {oder gesellschaftliche} Mächte und persönlich-individuelle Leidenschaften.
Nun wird niemand behaupten wollen, The Man From Planet X gehöre zu Edgar G. Ulmers bedeutenderen Werken, aber der Film hat seinen Charme – und noch ein Bisschen mehr.
Die Story ist so abstrus, wie man das von vielen SciFi - B-Movies der 50er Jahre gewohnt ist. Aus den Tiefen des Weltraums rast der geheimnisvolle Planet X auf die Erde zu. Zwar befindet er sich nicht auf direktem Kollisionskurs, doch seine Bahn wird ihn gefährlich nahe an unserer Heimatwelt vorbeiführen. Professor Elliot (Raymond Bond) – der Entdecker des Planeten – lädt den amerikanischen Journalisten John Lawrence (Robert Clarke), den er während des Weltkriegs kennengelernt hatte, zu sich auf eine kleine schottische Insel ein – dem Punkt auf der Erde, der dem fremden Himmelskörper im Moment des Vorbeiflugs am nächsten kommen wird. In Schottland angekommen erwarten den guten John angenehme und weniger angenehme Überraschungen: Des Professors Tochter Enid (Margaret Field) ist in den letzten sechs Jahren zu einer äußerst attraktiven jungen Frau herangewachsen. – Sehr nett! Leider abe rhat sich bei ihrem Vater auch der wenig vertrauenserweckende Dr. Mears (William Schallert) eingenistet, dabei sollte der doch aufgrund irgedwelcher verbrecherischer Machenschaften, über deren Natur wir nie etwas näheres erfahren, im Gefängnis sitzen. – Weniger nett! Wirklich unheimlich wird's allerdings erst, nachdem Enid inmitten der nebelverhagenen Moorlandschaft ein außerirdisches Raumschiff mitsamt Pilot entdeckt. Der kleinwüchsige Kamerad im Raumanzug verfügt über eine Strahlenkanone, mit der er Erdlinge in willenlose Zombies verwandeln kann, scheint aber nicht grundsätzlich feindselig gesonnen zu sein. Erstkontakt herzustellen, erweist sich dennoch als gar nicht so einfach, hat der Alien es doch offenbar nicht für nötig empfunden, vor Start seiner Expedition die englische Sprache zu studieren. Als der skrupellose Mears schließlich zu Foltermethoden greift, um in den Besitz des offenbar weit überlegenen technischen Wissens des Außerirdischen zu gelangen, gerät die Situation endgültig außer Kontrolle. Der Besucher vom Planeten X verschanzt sich in seiner Kapsel und beginnt mit der mentalen Versklavung der Inselbevölkerung. Von Lawrence alarmiert bringt die britische Armee alsbald ihre Kanonen in Stellung, um die beginnende Invasion – um was sonst könnte es sich handeln? – mit Granaten und Schrapnells zurückzuschlagen.
Der Plot von The Man From Planet X ist sicher nicht besonders komplex, und die Charaktere bleiben allesamt äußerst blass, dennoch muss man anerkennen, dass sich Aubrey Wisberg & Jack Pollexfen bei Verfassen des Drehbuchs offenbar etwas mehr Gedanken gemacht haben, als man das bei einem Flick dieser Klasse vielleicht erwarten würde. Dafür sprechen einige nette kleine Details, die der Story bei all ihrer unleugbaren Absurdität einen Hauch von "Realismus" verleihen. So schicken die Aliens zuerst einmal eine Sonde auf die Erde, um die Beschaffenheit unserer Atmosphäre zu analysieren. Und tatsächlich – selbige ist für ihresgleichen nicht atembar, weshalb ihr Abgesandter einen "Raumanzug" tragen muss und extrem abhänig von der künstlichen "Luftzufuhr" ist. Auch erkennt der Film im Unterschied zu vielen anderen seiner Art die Tatsache an, das Englisch nicht die Lingua Franca der Milchstraße ist. Der außerirdische Besucher gibt vielmehr ausschließlich irgendwelche fiependen Töne von sich. Viele haben darin eine Vorwegnahme der "musikalischen" Form von Kommunikation aus Steven Spielbergs Close Encounters of the Third Kind (1977) sehen wollen. Sei dem wie ihm sei, ich persönlich finde es weitaus interessanter, dass Professor Elliot und Dr. Mears schließlich auf den Gedanken kommen, geometrische Lehrsätze seien der beste Ansatz für eine Kommunikation mit dem Alien: Die Mathematik sei die einzige wirklich universale Sprache.
Doch so nett diese kleinen Details auch sind, sie machen nicht den eigentlichen Reiz von The Man From Planet X aus. Dieser liegt – zumindest für mich – vor allem in zweierlei:
Zum einen zeigt Edgar G. Ulmer hier einmal mehr, dass er es ganz meisterlich verstand, Atmosphäre zu kreieren. Dass ihm dabei in John L. Russell ein äußerst talentierter Kameraman zur Seite stand, soll freilich nicht verschwiegen werden. Der gute Mann hatte immerhin u.a. bei Orson Welles' Macbeth (1948) die Kamera geführt!
Die Joan of Arc - Sets verwandeln sich unter Ulmers Regie in ein nebelverhangenes, unheimliches und menschenleeres Ödland. Wenn wir unsere Protagonisten durch diese Landschaft stapfen oder rennen sehen, vermitteln sie einen leicht desorientierten und verlorenen Eindruck..Ziemlich beeindruckend ist auch das Spiel mit Licht und Schatten, vor allem, wenn es dabei um das in dem Moor gelandete Raumschiff geht.
Der gewaltige mittelalterliche Turm, den der Professor und Enid zu ihrer zeitweiligen Heimstatt erkoren haben, wirkt finster, einsam und abweisend. Er erscheint wie ein steingewordener Widerspruch zu der wissenschaftlich-aufgeklärten Arbeit, die Elliot hier vollbringen will. Zugleich aber wirkt er wie er eine Art symbolischer Kommentar auf die Lage des Professors. Er, der Vernunft und Humanität verkörpert, ist gerade deshalb zu einer Art Eremitendasein verdammt. Viele der Innenaufnahmen vermitteln einen beengten und bedrückenden Eindruck.
Auch erweist sich Elliot als ziemlich hilflos, als die Situation zu eskalieren beginnt. Abgesehen von dem Versuch, mit dem Alien zu kommunizieren, dessen Ausführung er dann auch noch dem wenig vertrauenswürdigen Mears überlässt, weiß er sich keinen besseren Rat, als einfach abzuwarten.
Zum anderen besitzt der Film eine faszinierenmde Ambivalenz. Ist er wirklich ein "Alien Invasion" - Flick? Gegen Ende der Geschichte erklärt Mears, der unter den hypnotischen Einfluss des Aliens geraten ist, zwar ausdrücklich, dieser sei der Vorbote einer kommenden Streitmacht von dem sterbenden Planeten X, doch haben wir das als die Wahrheit hinzunehmen? Mears ist ein durch und durch korrupter Mensch, der aus reiner Macht- und Profitgier ein ihm scheinbar hilflos ausgeliefertes intelligentes Lebewesen gefoltert hat, um in den Besitz von dessen technischem Wissen zu gelangen. Nicht unbedingt der zuverlässigste Zeuge, möchte man meinen. Und der Außerirdische selbst wirkte zumindest anfangs nicht unbedingt feindselig. Könnte es sich bei ihm nicht um einen friedvollen Abgesandten gehandelt haben, der im Namen einer andernfalls zum Aussterben verurteilten Rasse um Asyl auf unserem Planeten bitten sollte? Enid zumindest hält dies auch am Ende des Films immer noch für möglich. Doch zu diesem Zeitpunkt gibt es keine Chance mehr, herauszufinden, welche der beiden Interpretationen die richtige gewesen ist. Der fremde Planet ist bereits an der Erde vorbeigeflogen, seine Bewohner damit zum Untergang verdammt. Schuld daran ist nicht allein Mears, sondern ebenso die staatlichen Autoritäten, die nicht anders auf die Situation zu reagieren verstanden haben, als mit militärischer Gewalt. Und so wissen wir am Ende nicht recht, was für eine Geschichte uns gerade eben erzählt wurde. Die Geschichte einer im letzten Augenblick verhinderten Invasion der Erde oder die Geschichte von der Chance einer möglichen Begegnung mit einer außerirdischen Rasse, die durch die Gier und Kurzsichtigkeit der Menschen zerstört wurde?
Fortsetzung folgt ... hoffentlich ...
* Arnolds Bericht wird oft als die erste UFO-Sichtung der Geschichte bezeichnet, was nicht ganz richtig ist. Zum Beispiel war es über ein halbes Jahrhundert zuvor in den USA bereits zu einer ganzen Reihe von mysteriösen "Luftschiff" - Sichtungen gekommen. Vgl.: James McGaha & Joe Nickell: Mount Rainier: 'Saucer Magnet' / Joe Nickell: Mysterious Entities of the Pacific Northwest, Part II. Auf Kenneth Arnolds Erlebnis geht allerdings die Bezeichnung "Fliegende Untertasse" zurück, auch wenn der Grund dafür ironischerweise ein journalistischer Fehler gewesen zu sein scheint.
** Joe Nickell: The Roswell Legacy.
** Joe Nickell: The Roswell Legacy.
*** Andrew Sarris: The American Cinema. Directors and Directions 1929-1968. S. 143.
Sonntag, 19. Juli 2015
Strandgut der Woche
- Cyd Charisse ☼
- Marilyn Monroe & Carl Sandburg (1962) ☼
- Anna Karina & Carl Theodor Dreyer ☼
- Romy Schneider in Paris (1960) ☼
- Michael Caine ☼
- Lino Ventura & Jean Gabin ☼
- Mike Leigh ☼
- Plakat für Das Cabinet des Dr. Caligari (1920) ☼
- Schwedisches Plakat für Erich von Stroheims Foolish Wives (1922) ☼
- Plakat für Karl Freunds The Mummy (1932) ☼
- Schwedisches Plakat für The Mummy (1932) ☼
- Französisches Plakat für Josef von Sternbergs Blonde Venus (1932) ☼
- Schwedisches Plakat für Edgar G. Ulmers The Black Cat (1934) ☼
- Katharine Hepburn & Cary Grant warming up for their stunt in George Cukor's Holiday (1938) ☼
- Sergio Leones Cameo in Vittorio de Sicas Ladri di biciclette (1948) ☼
- Gregory Peck & Raoul Walsh während des Drehs von Captain Horatio Hornblower (1951) ☼
- Henri-Georges Clouzot looking very macho without his shirt filming The Wages of Fear (1953) ☼
- Spanisches Plakat für The War of the Worlds (1953) ☼
- Akira Kurosawa on the set of Seven Samurai (1954) ☼
- Joan Crawford on the set of Nicholas Ray's Johnny Guitar (1954) ☼
- Italienisches Plakat für Fred Wilcox' Forbidden Planet (1956) ☼
- Plakat für The Astounding She Monster (1957) ☼
- DDR-Plakat für Terence Fishers The Hound of the Baskervilles (1964) ☼
- Luis Buñuel & Jeanne Moreau on the set of Le journal d'une femme de chambre (1964) ☼
- Deutsches Plakat für Michelangelo Antonionis Blow Up (1966) ☼
- Glenda Jackson & Ken Russell on the set of Women in Love (1969) ☼
- James Garner watches Bruce Lee demonstrate his technique on the set of Marlowe (1969) ☼
- Edward Woodward, Christopher Lee & Robin Hardy während des Drehs von The Wicker Man (1973) ☼
- Sam Peckinpah, James Coburn, & Kris Kristofferson grab a smoke on the set of Pat Garrett & Billy the Kid (1974) ☼
- Ridley Scott, Rutger Hauer & Harrison Ford on the set of Blade Runner (1982) ☼
- William S. Burroughs on the set of David Cronenberg's adaptation of his novel Naked Lunch (1991) ☼
- The golden age of the strongman (1890s-1940s) ☼
- Trekabout - Episode 150: Babel / Captive Pursuit
- A History of Horror Podcast: American Ghosts
- Hypnobobs - Hypnogoria 16: A Tribute to Sir Christopher Lee Part IV
- The Lovecraft eZine panel interviews Angela Slatter and Richard Luong
- William Hope Hodgsons The Voice in the Night vorgetragen von Julia Morgan
- NUTS4R2 bespricht Jonathan Strange and Mr. Norrell (BBC) * Terminator Genisys * Doc Savage - The Man of Bronze 1-8 + 2014 Annual
- Bibliotheka Phantastika: Zum 80. Geburtstag von Anthony Swithin
- Richard Goodness bespricht Veil of Darkness - (1) * (2)
- Diary of a Screenwriter: Andrei Tarkovsky: Dialogue on Science Fiction
- Celluloid Wicker Man: Cinematic Identity Crisis and Francis Bacon - Part 2 (The Shout) von Adam Scovell
- Enter the Dragon fighting the censors von Christopher Brown
- Great Adaptations: Timeline (2003)
- Cinephilia & Beyond: Once Upon a Time in America: A Butchered Filme Rising Up as a Phoenix
- Lovecraft eZine: H.P. Lovecraft and H.R. Giger: How Their Dreams Became Our Nightmares von John A. DeLaughter
- The Great Acting Blog: The Ventura Conundrum von James Devereaux
- Manglehorn and The Cobbler: The influence of social-gravitational forces von David Walsh
- Rep Diary: Ford and Ireland von Max Nelson
- Mad Max : Feral Orphans and Chosen Families von Athena Andreadis
- Mary Ellen Mark: Photographer and humanist von Seraphine Collins
- Irish Cadaver Stones * Abandoned in Ireland * The Hills of Slane in Ireland * The Dead of Ireland von Amanda Norman
- Where's a Witch to Rest? Chimney Stacks and Witches' Seats von Willow C. Winsham
- "Into the Woods" series, 39: The Enchanted Harp von Terri Windling
- Folklore on Friday: Chained Ghosts von Jim Moon
- Public Domain Review: Cat Pianos, Sound-Houses, and Other Imaginary Musical Instruments von Deirdre Loughridge & Thomas Patteson
- Public Domain Review: Julia Pastrana: A “Monster to the Whole World” von Bess Lovejoy
- Filmmaker IQ: Hitchcock's Storyboards From 13 Classic Films
Dienstag, 14. Juli 2015
Ein Jahr vor dem "Blair Witch Project"
"Found Footage" ist in den Gefilden des Horrorfilms bekanntlich immer noch groß in Mode, auch wenn es viele Freundinnen & Freunde des Genres gibt, die gerne und oft auf die problematischen Aspekte des Formats hinweisen: Sei es der häufig zu bemerkende Mangel an innerer Logik {"Warum filmt der/die das immer noch, statt schreiend davonzulaufen?"}, sei es die in ihm angelegte Gefahr, filmerische Schlampigkeit und Inkompetenz mit dem Argument von "Authentizität" und "Realismus" zu entschuldigen. {"Das wurde ja von 'Amateuren' gefilmt, also darf es auch mies aussehen."}
Vor einigen Wochen nun habe ich mir Episode 70 des Honey Radio angehört, in welcher sich die Horror Honeys ganz dem "Found Footage" - Film widmen. Dabei gehen die Ladies natürlich auch kurz auf die Geschichte des Formats ein. Als erster seiner Art wird im allgemeinen Ruggero Deodatos berühmt-berüchtigter Streifen Cannibal Holocaust aus dem Jahre 1980 angesehen. Die Flut der letzten anderthalb Jahrzehnte hingegen wird in erster Linie auf den phänomenalen Erfolg des Blair Witch Project (1999) zurückgeführt. In der jüngeren Entwicklung spielt natürlich vor allem die Paranormal Activity - Reihe eine wichtige Rolle. So weit war mir das alles nicht neu. Unbekannt hingegen war mir bisher gewesen, dass die Hexe von Burkittsville einen unmittelbaren Vorläufer in Gestalt von The Last Broadcast (1998) gehabt hatte Und obwohl der Film bei den Honeys denkbar schlecht abschnitt, war meine Neugier geweckt.
Vor einigen Wochen nun habe ich mir Episode 70 des Honey Radio angehört, in welcher sich die Horror Honeys ganz dem "Found Footage" - Film widmen. Dabei gehen die Ladies natürlich auch kurz auf die Geschichte des Formats ein. Als erster seiner Art wird im allgemeinen Ruggero Deodatos berühmt-berüchtigter Streifen Cannibal Holocaust aus dem Jahre 1980 angesehen. Die Flut der letzten anderthalb Jahrzehnte hingegen wird in erster Linie auf den phänomenalen Erfolg des Blair Witch Project (1999) zurückgeführt. In der jüngeren Entwicklung spielt natürlich vor allem die Paranormal Activity - Reihe eine wichtige Rolle. So weit war mir das alles nicht neu. Unbekannt hingegen war mir bisher gewesen, dass die Hexe von Burkittsville einen unmittelbaren Vorläufer in Gestalt von The Last Broadcast (1998) gehabt hatte Und obwohl der Film bei den Honeys denkbar schlecht abschnitt, war meine Neugier geweckt.
Genau genommen ist The Last Broadcast kein "Found Footage"-, sondern ein Pseudodokumentarfilm. Die Übergänge zwischen den Formaten sind fließend, aber ich denke, es ist dennoch wichtig, zwischen ihnen zu unterscheiden. Der Film von Stefan Avalos und Lance Weiler enthält zwar "Found Footage" - Material, doch dieses ist in den allgemeineren Rahmen einer Doku eingefügt, d.h. auch in der Logik des Films ist das Material bereits bearbeitet, ausgewählt und geschnitten worden, um einer bestimmten Zielsetzung zu dienen. Damit wird von vornherein eine größere Distanz zwischen dem Betrachter und den Personen und Ereignissen, die er in dem "gefundenen Filmmaterial" zu sehen bekommt, hergestellt.
Der Pseudodokumentarfilm ist deutlich älter als das "Found Footage" - Format. Seine Wurzeln reichen zurück bis in die 60er Jahre, und er verdankt seine Entstehung u.a. der Auseinandersetzung mit den verwandten und doch unterschiedlichen Strömungen von Direct Cinema und Cinéma vérité. Frühe Beispiele sind u.a. Culloden (1964) und The War Games (1965) von Peter Watkins, Jim McBrides David Holzman's Diary (1967) und Mitchell Blocks No Lies (1972). Im Horrorgenre fand das Format meines Wissens nach nur in leicht abgewandelter Form Verwendung. So z.B. in der legendären BBC-Produktion Ghostwatch (1992)*, die die Gestalt einer Live-Reportage besitzt, sowie in dem belgischen Film C'est arrivé près de chez vous / Man Bites Dog (1992), der versucht eine besonders clevere und beißende Kritik am Cinéma vérité zu sein, sich letztenendes aber bloß als ein weiterer Beleg für die Demoralisation und Desorientiertheit herausstellt, die sich zu seiner Zeit in Künstler- und Intellektuellenkreisen breitmachten.
Auch The Last Broadcast ist kein lupenreiner Pseudodokumentarfilm. In den letzten zehn Minuten durchbricht der Streifen seine bisherige Struktur und nimmt für den finalen Twist eine konventionelle Form an.
Wie ja bereits dem Trailer zu entnehmen, geht es in dem Streifen um die Geschichte eines grauslichen Dreifachmordes, für den möglicherweise ein Unschuldiger büßen musste.
Die beiden TV-Moderatoren und Mächtegernfilmemacher Steven "Johnny" Avkast (Stefan Avalos) und Locus Wheeler (Lance Weiler) versuchen der sinkenden Popularität ihrer Show Fact or Fiction mit der Einführung eines Live Internet Chats in die Sendung entgegenzuwirken. Einer der anonymen Chatter bringt sie auf die Idee, eine "Vor Ort" - Reportage über den "Jersey Devil"** zu drehen. Also machen sich die beiden schließlich zusammen mit dem Tontechniker Rein Clackin (Rein Clabbers) und Jim Suerd, einem einheimischem Sonderling, der behauptet, über paranormale Fähigkeiten zu verfügen, in die Pine Barrens auf. Sie planen, ihre Livereportage zugleich via Fernsehen, Radio und Internet zu präsentieren. Aber irgendetwas läuft schief, und Suerd kehrt als einziger lebendig von dem Trip zurück. Nachdem die Polizei zwei fürchterlich verstümmelte Leichen gefunden hat, wird er vor Gericht gestellt, verurteilt und ins Gefängnis gesteckt. David Leigh (David Beard) jedoch, der Regisseur unseres "Dokumentarfilms", glaubt Beweise dafür gefunden zu haben, dass es sich bei dem Ganzen um einen politisch motivierten Justizirrtum gehandelt hat, insbesondere als er auf mysteriöse Weise in den Besitz von bislang verloren geglaubtem Filmmaterial aus jener verhängnisvollen Nacht in den Wäldern gelangt.
Um keine falschen Vorstellungen aufkommen zu lassen: The Last Broadcast ist ein schlechter Film, und nicht im Sinne von unterhaltsam schlecht. Zugegebenermaßen gelingt es ihm ganz gut, den Stil einer konventionellen Doku mit Interviews, Kommentaren des Filmemachers und kurzen Videoeinspielungen nachzuahmen, doch zugleich ist er erschreckend zäh und langweilig. Das "Found Footage" - Material ist von unterirdischer Qualität, was sicher auf Absicht beruht, doch selbst in der Logik des Films nicht recht Sinn macht: "Johnny" und Locus mögen ziemlich inkompetente Filmemacher sein, aber immerhin leiten sie eine kleine TV-Show. Man sollte annehmen, dass sie zumindest wissen, wie man mit einer Kamera umzugehen hat. So oder so wirken die oft verwackelten und aus absurden Perspektiven gefilmten Sequenzen ziemlich irritierend. Und wie der ganze Rest des Films, gelingt es auch ihnen nicht einmal ansatzweise, Spannung oder eine bedrohliche Atmosphäre heraufzubeschwören.
Es ist mindestens zehn Jahre her, seit ich The Blair Witch Project gesehen habe, doch was mir an dem Film damals besonders gut gefallen hat, war, dass es in ihm eigentlich weniger um irgendwelche übernatürlichen Schrecken geht, sondern um das sich verändernde Verhalten von drei Menschen in einer sich stetig steigernden Extremsituation. Die immer heftigeren Konflikte innerhalb der Gruppe; Ausbrüche von Panik, sinnloser Aggression und irrationalem Verhalten etc. etc. Das "Found Footage" - Format verstärkt die beklemmende Wirkung dessen noch, indem es uns ganz nah an die Drei herankommen lässt. Wir sehen die Welt quasi durch ihre Augen und können uns deshalb sehr viel unmittelbarer in ihre Lage versetzen, als dies bei einer konventionelleren Erzähl- und Filmweise der Fall gewesen wäre.
Oberflächlich betrachtet existieren durchaus Parallelen zwischen The Blair Witch Project und dem "Found Footage" - Material in The Last Broadcast. Auch hier wandert eine Gruppe von Menschen in irgendwelche gottverlassenen Wälder, es kommt zu immer schärferen Konfilkten zwischen ihnen und am Ende geschieht etwas furchtbares, von dem wir jedoch nicht ganz sicher sein können, was genau es gewesen ist. Doch weder scheint die Entwicklung der Charaktere sonderlich glaubhaft {sie befinden sich nicht wirklich in einer Extremsituation, haben sich nicht verirrt}, noch fühlen wir uns ihnen nahe.
Freilich sollte man bei diesem Vergleich nicht außer Acht lassen, dass Stefan Avalos und Lance Weiler vermutlich gar nicht beabsichtigt hatten, mit ihrem Film eine ähnliche Wirkung zu erzielen, wie ein Jahr später Daniel Myrick und Eduardo Sánchez mit dem Blair Witch Project. Es ließe sich sogar fragen, ob The Last Broadcast überhaupt als ein echter Horrorfilm intendiert war. Meiner Meinung nach spricht vieles dafür, dass dem nicht der Fall gewesen ist. Sicher, der Streifen enthält Horrorelemente, doch scheint er mir in erster Linie ein Kommentar auf die "neuen Medien", vor allem auf das Internet, sein zu wollen. Verändertes Sehverhalten; ein Wandel in der Beziehung zwischen Prodizenten und Konsumenten; Auswirkungen der Anonymität im Netz usw. – zu diesem ganzen Themenkomplex versucht der Film offensichtlich irgendetwas zu sagen. Leider ist absolut nicht klar, was. "Johnny" und Locus werden von einem anonymen Chatter zu ihrer verhängnisvollen Expedition animiert und sie wollen ihre Reportage live im Internet übertragen. So weit, so gut. Doch was genau hat das mit den blutigen Ereignissen jener Nacht in den Pine Barrens zu tun? Und was soll uns damit über die "neuen Medien" und ihre gesellschaftlichen oder kulturellen Auswirkungen gesagt werden? Ich habe keine Antwort auf diese Fragen finden können, und so wirkt der Film auf mich letztlich wie ein prätentiöser intellektueller Bluff in Gestalt einer ziemlich langweiligen Horrorstory. Der finale Twist {dessen Inhalt ich nicht verraten werde} verstärkt diesen Eindruck noch, zumal er innerhalb der Logik der Story, die uns bis dahin erzählt wurde, absolut keinen Sinn macht und mehr Fragen aufwirft als beantwortet.
Und doch scheint mir The Last Broadcast nicht ganz ohne Interesse zu sein, wenn man ihn als den unmittelbaren Vorläufer des Blair Witch Project betrachtet. Und das "Found Footage" - Format ist dabei nicht der entscheidende Punkt.
The Blair Witch Project ist in gewisser Hinsicht die vielleicht berühmteste {auf jedenfall aber die finanziell einträglichste} Verkörperung dessen, worüber The Last Broadcast offensichtlich zu reflektieren versuchte. Der Film verdankte seinen gigantischen Erfolg bekanntlich vor allem der geschickten Nutzung des Internets für PR-Zwecke. Daniel Myrick und Eduardo Sánchez schufen mithilfe ihrer Website die Illusion, es handele es sich um "authentisches" Filmmaterial und entzündeten zahllose Netzdebatten darüber, ob ihr Flick "echt" oder "gestellt" sei. Heute ist das kaum noch vorstellbar, doch selbst lange nachdem The Blair Witch Project in den Kinos angelaufen war, gab es nicht wenige Leute, die tatsächlich glaubten, die letzten dokumentierten Lebenszeichen dreier in den Wäldern von Maryland verschollener Studenten gesehen zu haben.
Hier liegt der wirkliche Berührungspunkt zwischen den beiden Filmen. Dieselbe technische und kulturelle Entwicklung, die das Blair Witch - Phänomen hervorbrachte, ist das eigentliche Thema des Streifens von Avalos und Weiler, auch wenn diese nichts wirklich erhellendes darüber zu sagen wissen. Ich finde das irgendwie faszinierend, zumal die beiden Flicks für gewöhnlich nur über das "Found Footage" - Format miteinander in Verbindung gebracht werden. Das macht The Last Broadcast natürlich nicht zu einem besseren Film. Er ist und bleibt zäh und langweilig. Aber mich faszinieren solche kuriosen Koinzidenzen.
* Wer etwas mehr über Ghostwatch erfahren will, dem sei Episode 53 von Mr. Jim Moons Podcast Hypnobobs empfohlen.
** Der Skeptical Inquirer hat vor Zeiten einen sehr interessanten Artikel von Brian Regal über die realen historischen Hintergründe der modernen Legende vom Jersey Devil veröffentlicht.
Sonntag, 12. Juli 2015
Strandgut der Woche
- Joseph Cotten, Rita Hayworth & Orson Welles performing their magic art for U.S. troops ☼
- Edward G. Robinson & James Cagney ☼
- John Huston, Humphrey Bogart & Lauren Bacall ☼
- Fritz Lang ☼
- Mia Farrow ☼
- Sergio Leone ☼
- Boris Karloff & Bela Lugosi on a break during the filming of The Raven (1935) ☼
- Charles Laughton gets a touch of makeup on the set of Mutiny on the Bounty (1935) ☼
- Schwedisches Plakat für Flash Gordon (1936) ☼
- Französisches Plakat für Dracula's Daughter (1936) ☼
- Türkisches Plakat für Rowland V. Lees Son of Frankenstein (1939) ☼
- Ingrid Bergman & Salvador Dalí on the set of Hitchcock's Spellbound (1945) ☼
- Cary Grant, wardrobe test for Howard Hawks’ I Was a Male War Bride (1949) ☼.
- Spanisches Plakat für Billy Wilders Sunset Boulevard (1950) ☼
- Jean Cocteau & Juliette Gréco having fun on the set of Orpheus (1950) ☼
- Vivien Leigh, Marlon Brando & Kim Hunter on the set of Elia Kazan's A Streetcar Named Desire (1951) ☼
- Alfred Hitchcock working on location in Marakesh, The Man Who Knew Too Much (1956) ☼
- Italienisches Plakat für Earth vs The Flying Saucers (1956) ☼
- Akira Kurosawa on the set of Throne of Blood (1957) ☼
- Plakat für Ingmar Bergmans Det Sjunde Inseglet / Das Siebente Siegel (1957) ☼
- Polnisches Plakat für Sergei Eisensteins Iwan der Schreckliche II (1958) ☼
- Julie London & Gary Cooper während des Drehs von Anthony Manns Man of the West (1958) ☼
- Omar Sharif & David Lean on the set of Lawrence of Arabia (1962) ☼
- Anthony Perkins & Romy Schneider on the set of Orson Welles's The Trial (1962) ☼
- Clint Eastwood playing some golf on the set of The Good, the Bad and the Ugly (1966) ☼
- John Wayne, Kim Darby, Glen Campbell & Henry Hathaway during filming of True Grit (1969) ☼
- John Cassavetes on the set of A Woman Under the Influence (1974) ☼
- Film on Paper: Tom Chantrells Plakat für At The Earth's Core (1976) ☼
- Japanisches Plakat für Richard Lesters Superman 2 (1980) ☼
- Japanisches Plakat für Mad Max 2: The Road Warrior (1981) ☼
- Sting, David Lynch & Kyle MacLachlan on the set of Dune (1984) ☼
- A Podcast to the Curious - Episode 47: The Five Jars, Part 3
- A History of Horror Podcast: Cinema Bis
- Trekabout - Episode 149: A Man Alone / Past Prologue
- The Black Dog Podcast - Episode 243: Drink from the Bestial Fountain
- Hypnobobs - Microgoria 15: A Tribute to Sir Christopher Lee - the Intermission
- NUTS4R2 bespricht The Key / La Chiave (1983) von Tinto Brass & Tim Burtons Planet of the Apes (2001)
- Bibliotheka Phantastika: Zum 45. Geburtstag von Ekaterina Sedia
- Cinetropolis: The Great Unmade? Star Trek Phase II
- Films on Wax: Southpaw von Karol Krok
- Cinephilia & Beyond: Young Frankenstein: Comedy Master Mel Brooks At The Peak Of His Craft
- The Chiseler: The Devil's Daughter Remembers Christopher Lee von Tony Sokol
- The Public Domain Review: The Krakatoa Sunsets von Richard Hamblyn
- Pygmalia: Galatea & RoboCop von Molly Tanzer
- Films of High Adventure (with Molly Tanzer & Jesse Bullington): The Road Warrior (1981) & Dune (1984) ☼
- Building a World in a Vacant Lot: The Circus of Dr. Lao von Thomas Parker
- Folklore on Friday: The Pickled Parson of Sedgefield von Jim Moon
- Great Ghosts of the Shelves: A Book of Ghosts and Goblins von Jim Moon
- Open Culture: Blade Runner’s Miniature Props Revealed in 142 Behind-the-Scenes Photos
- The Disney Alice in Wonderland That Never Were von Wade Sampson
- Open Culture: Mark Twain & Helen Keller’s Special Friendship: He Treated Me Not as a Freak, But as a Person Dealing with Great Difficulties
Samstag, 11. Juli 2015
Shannara, MTV-style
Mein Eindruck war stets, dass Peter Jackson in seiner Adaption von Tolkiens Lord of the Rings das Werk des "Professors" quasi durch die Brille seiner Epigonen betrachtet habe. Unter seiner Hand wurde Mittelerde zu einer Welt, wie wir sie aus der High Fantasy der 80er Jahre – genauer gesagt: aus den klischeehaftesten Werken dieser Epoche – kennen. Deshalb finde ich es ausgesprochen amüsant, dass uns MTV Anfang nächsten Jahres eine TV-Serie zu bescheren gedenkt, die sich allem Anschein nach in ihrer Ästhetik sehr deutlich am Vorbild Jacksons orientieren, aber auf Terry Brooks' Shannara - Zyklus basieren wird – jenen Büchern also, die weiland die High Fantasy - Welle ins Rollen brachten. In gewisser Weise wächst hier zusammen, was zusammen gehört.
Auf der San Diegoer Comic Con wurde der Öffentlichkeit nun der erste Trailer für das Projekt vorgestellt:
Auf der San Diegoer Comic Con wurde der Öffentlichkeit nun der erste Trailer für das Projekt vorgestellt:
Was wir hier präsentiert bekommen, hat mich zwar nicht vom Hocker gerissen, aber dennoch schaue ich der Serie mit einem gewissen Wohlwollen entgegen.
Der jacksonsche Stil des Fantasyfilms ist ein Stil der schönen Oberfläche. Auch wenn der neuseeländische Filmemacher größtenteils unfähig ist, seinen Geschichten Subtilität, Tiefe oder einen wirklich poetischen Zauber zu verleihen, enthalten seine Filme doch immer wieder recht hübsche Bilder. Im Fall von The Lord of the Rings bedeutete das den Verlust all dessen, was Tolkiens Werk zu einem außergewöhnlichen Stück Literatur macht. Terry Brooks' Shannara hingegen ist selbst schon größtenteils Oberfläche. Hier kann nicht wirklich etwas verloren gehen, weil gar nichts dagewesen ist, was verloren gehen könnte. Mithin ist der jacksonsche Stil genau die richtige Herangehensweise an eine Adaption.
Klugerweise hat man sich dazu entschlossen, Sword of Shannara zu überspringen und gleich mit den Elfstones anzufangen. Und in der Tat – wir besitzen ja bereits eine jacksonifizierte Version des Lord of the Rings. Wozu bräuchten wir also noch eine pseudojacksonsche Adaption des vielleicht schamlosesten Herr der Ringe - Plagiats der Literaturgeschichte? Elfstones und Wishsong (auf welchem vermutlich die zweite Staffel der Shannara Chronicles basieren wird) sind hingegen, soweit ich mich erinnern kann, simpel gestrickte, aber recht unterhaltsame und nicht unsympathische Fantasygeschichten. Ideales Ausgangsmaterial für eine TV-Serie mit ganz denselben Qualitäten. Zugleich sind Brooks' Bücher auf angenehme Weise altmodisch, meilenweit entfernt von der zynischen, pseudorealistischen Grimdark-Mode unserer Tage. Wenn die TV-Serie in dieser Hinsicht dem Geist ihrer Vorlage treu bleibt, wäre dies eine höchst erfreuliche Abwechselung von der Kost, die uns von einem Großteil des phantastischen Fernsehens nachwievor angeboten wird.
Was den Trailer selbst angeht, so lässt sich – abgesehen vom allgemeinen Look – wenig konkretes über die Serie aus ihm ableiten. Das einzige, was ich über ihn zu sagen habe, ist, dass das wilde Aneinanderstückeln kurzer Szenen zwar zu den Merkmalen vieler Trailer gehört, hier jedoch besonders hysterisch wirkt. Auf ironische Weise angemessen für eine MTV-Produktion, bleibt der Name des Senders doch wohl auf ewig verbunden mit der ersten großen Blüte der Musikvideos in den 80er Jahren. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie selbst nicht gleichfalls von dieser Videoclip-Ästhetik geprägt sein wird. Recht cool finde ich übrigens die Szenen, in denen der postapokalyptische Hintergrund der Welt von Shannara bildlichen Ausdruck findet. Ich habe einfach eine Schwäche für so was. Außerdem dürfte es sich dabei um das einzige mehr oder weniger originelle Element in Brooks' Büchern handeln.
Zum Abschluss noch zwei amüsante Details, die ich dem io9 - Artikel über den Trailer entnommen habe. Zum einen die Information, dass die Produzenten Al Gough und Miles Millar ursprünglich vorgehabt hatten, Brooks' humoristischen Fantasyroman Magic Kingdom For Sale – Sold zu verfilmen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich enttäuscht oder beglückt bin, dass sie sich schließlich doch für Elfstones of Shannara entschieden haben. Zum anderen dieses Zitat von Millar: "With Terry’s work, you see how many people have ripped [Terry] off over the ages." Da kann ich ein amüsiertes Kichern nicht unterdrücken.
Der jacksonsche Stil des Fantasyfilms ist ein Stil der schönen Oberfläche. Auch wenn der neuseeländische Filmemacher größtenteils unfähig ist, seinen Geschichten Subtilität, Tiefe oder einen wirklich poetischen Zauber zu verleihen, enthalten seine Filme doch immer wieder recht hübsche Bilder. Im Fall von The Lord of the Rings bedeutete das den Verlust all dessen, was Tolkiens Werk zu einem außergewöhnlichen Stück Literatur macht. Terry Brooks' Shannara hingegen ist selbst schon größtenteils Oberfläche. Hier kann nicht wirklich etwas verloren gehen, weil gar nichts dagewesen ist, was verloren gehen könnte. Mithin ist der jacksonsche Stil genau die richtige Herangehensweise an eine Adaption.
Klugerweise hat man sich dazu entschlossen, Sword of Shannara zu überspringen und gleich mit den Elfstones anzufangen. Und in der Tat – wir besitzen ja bereits eine jacksonifizierte Version des Lord of the Rings. Wozu bräuchten wir also noch eine pseudojacksonsche Adaption des vielleicht schamlosesten Herr der Ringe - Plagiats der Literaturgeschichte? Elfstones und Wishsong (auf welchem vermutlich die zweite Staffel der Shannara Chronicles basieren wird) sind hingegen, soweit ich mich erinnern kann, simpel gestrickte, aber recht unterhaltsame und nicht unsympathische Fantasygeschichten. Ideales Ausgangsmaterial für eine TV-Serie mit ganz denselben Qualitäten. Zugleich sind Brooks' Bücher auf angenehme Weise altmodisch, meilenweit entfernt von der zynischen, pseudorealistischen Grimdark-Mode unserer Tage. Wenn die TV-Serie in dieser Hinsicht dem Geist ihrer Vorlage treu bleibt, wäre dies eine höchst erfreuliche Abwechselung von der Kost, die uns von einem Großteil des phantastischen Fernsehens nachwievor angeboten wird.
Was den Trailer selbst angeht, so lässt sich – abgesehen vom allgemeinen Look – wenig konkretes über die Serie aus ihm ableiten. Das einzige, was ich über ihn zu sagen habe, ist, dass das wilde Aneinanderstückeln kurzer Szenen zwar zu den Merkmalen vieler Trailer gehört, hier jedoch besonders hysterisch wirkt. Auf ironische Weise angemessen für eine MTV-Produktion, bleibt der Name des Senders doch wohl auf ewig verbunden mit der ersten großen Blüte der Musikvideos in den 80er Jahren. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie selbst nicht gleichfalls von dieser Videoclip-Ästhetik geprägt sein wird. Recht cool finde ich übrigens die Szenen, in denen der postapokalyptische Hintergrund der Welt von Shannara bildlichen Ausdruck findet. Ich habe einfach eine Schwäche für so was. Außerdem dürfte es sich dabei um das einzige mehr oder weniger originelle Element in Brooks' Büchern handeln.
Zum Abschluss noch zwei amüsante Details, die ich dem io9 - Artikel über den Trailer entnommen habe. Zum einen die Information, dass die Produzenten Al Gough und Miles Millar ursprünglich vorgehabt hatten, Brooks' humoristischen Fantasyroman Magic Kingdom For Sale – Sold zu verfilmen. Ich bin mir nicht sicher, ob ich enttäuscht oder beglückt bin, dass sie sich schließlich doch für Elfstones of Shannara entschieden haben. Zum anderen dieses Zitat von Millar: "With Terry’s work, you see how many people have ripped [Terry] off over the ages." Da kann ich ein amüsiertes Kichern nicht unterdrücken.
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