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Freitag, 25. September 2015

"And from the spirit's page thy runes can never pass"*

Lovecraft perfected a mode of cosmic horror 
storytelling. The genre did not begin with 
Lovecraft, nor did it end with Lovecraft.
It is quite possible, and necessary, 
that much of the cosmic horror 
to be written will bear scant witness 
to Lovecraft's vision.

Laird Barron**


H.P. Lovecraft, dessen 125. Geburtstag wir letzten Monat feiern konnten, gehört ohne Zweifel zu den einflussreichsten phantastischen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Unzählige Künstlerinnen & Künstler der verschiedensten Professionen haben sich von seinem Werk inspirieren lassen, und sein Einfluss scheint in den letzten ein-zwei Jahrzehnten eher zu- als abgenommen zu haben.

Wie all jenen, die meinem Blog schon seit längerem folgen, bekannt sein dürfte, habe ich ein gespaltenes Verhältnis zu Lovecraft und seinem Oeuvre. Einerseits bin ich ein großer Verehrer des alten Gentleman und fühle mich ihm auf eigenartige Weise sehr verbunden, andererseits mache ich mir keine Illusionen über seine extrem reaktionäre Weltanschauung und bin überzeugt davon, dass diese einen sehr deutlichen Niederschlag in einem Großteil seines Werkes gefunden hat. Und damit meine ich in erster Linie gar nicht einmal seinen inzwischen recht häufig thematisierten Rassismus {so widerlich dieser natürlich auch ist}. Wie ich vor Zeiten hier und hier schon einmal etwas ausführlicher zu beschreiben versucht habe, reicht das Problem für mich sehr viel tiefer. Kurz gesagt, ich glaube, dass viele von Lovecrafts Erzählungen der Angst des Schriftstellers vor einem drohenden Zusammenbruch der Zivilisation Ausdruck verleihen, die untergraben von den zerstörerischen Kräften der Moderne (Industrie, Kapitalismus, Demokratie, Sozialismus) – schließlich in einer Orgie von Anarchie und Gewalt untergehen werde.
Damit will ich nicht gesagt haben, dies sei in meinen Augen der einzige Inhalt von Lovecrafts literarischem Schaffen. Bei weitem nicht! Trotzdem dürfte es erklären, warum ich dem Einfluss des alten Gentlemans auf die phantastische Kunst nicht vorbehaltlos positiv gegenüberstehe.

Fritz Leiber, der 1936 in Lovecrafts letztem Lebensjahr mit dem alten Gentleman korrespondiert und ihm u.a. das Manuskript von Adept's Gambit  der ersten Fafhrd & The Gray Mouser - Story zur kritischen Begutachtung geschickt hatte, nannte ihn einmal "the Copernicus of the horror story".*** Mit ihm habe sich der Fokus von den alten, einer religiösen Zeit entwachsenen Schrecken der Teufel, Dämonen und Geister zu den neuen, der wissenschaftlich-materialistischen Ära entsprechenden Schrecken der Unendlichkeit des Kosmos und dem damit verbundenen Gefühl der Bedeutungslosigkeit und Verlorenheit des Menschen verlagert.
Nun ist Lovecraft zwar weder der erste noch der einzige Verkünder des "kosmischen Grauens" gewesen {und er selbst hat das auch nie behauptet}, dennoch dürfte dieser Aspekt seines Werkes der wirkmächtigste gewesen sein. Wenn wir heute von "lovecraftianischer" Literatur sprechen, dann meinen wir damit in erster Linie keine HPL-Pastiches im Stile von August Derleth und seinen Nachfolgern. Vertreter dieser "Strömung" müssen ihre Geschichten nicht einmal mit den allseits bekannten Versatzstücken des Cthulhu-Mythos bevölkern. "Mythos"-Stories bilden bloß ein Segment der "lovecraftianischen" Literatur. Entscheidend ist vielmehr das Motiv des "Kosmischen".

In einem Brief aus dem Jahre 1927 schreibt Lovecraft:

Now all my tales are based on the fundamental premise that common human laws and interests and emotions have no validity or significance in the vast cosmos-at-large. To me there is nothing but puerility in a tale in which the human form - and the local human passions and conditions and standards - are depicted as native to other worlds or other universes. To achieve the essence of real externality, whether of time or space or dimension, one must forget that such things as organic life, good and evil, love and hate, and all such local attributes of a negligible and temporary race called mankind, have any existence at all. Only the human scenes and characters must have human qualities. These must be handled with unsparing realism, (not catch-penny romanticism) but when we cross the line to the boundless and hideous unknown - the shadow-haunted Outside - we must remember to leave our humanity and terrestrialism at the threshold. ****

Das "kosmische Grauen" entsteht aus der Konfrontation des Menschen mit einem unüberschaubaren und "unmenschlichen" Kosmos, aus der Realisation seiner eigenen Bedeutungslosigkeit im Gesamtzusammenhang eines sinn- und seelenlosen Universums, das von unveränderlichen Gesetzen beherrscht wird, die nicht das Geringste mit seinen eigenen Wünschen, Bedürfnissen und Moralvorstellungen zu tun haben.

Lovecraft war ein überzeugter Atheist und Materialist, der sich selbst in der Tradition der großen Aufklärer des 18. Jahrhunderts sah. Dementsprechend stellte er das "kosmische Grauen" als eine direkte Folge der wachsenden naturwissenschaftlichen Erkenntnis dar, die die alten mythischen und religiösen Illusionen über die Beschaffenheit des Kosmos und unsere Stellung in ihm zerstört habe. 
Viele von denen, die über Lovecraft und sein Werk schreiben, scheinen diese Erklärung unreflektiert zu übernehmen. So schreibt z.B. Jason Colavito in seinem Essay Atheim's Mythographer, der Cthulhu-Mythos "strike close to the post-modern crisis of man’s place in a materialist universe where pure reason concludes that the gods of religion seem to have abandoned man to the wrath of science.
Ich halte diese Interpretation aus mehreren Gründen für fragwürdig.
Zuerst einmal finde ich es keineswegs selbstverständlich, dass die gewaltige Größe und Komplexität des Universums Gefühle von Furcht und Verzweifelung in uns hervorrufen sollen. 
In The Whisperer in Darkness begegnet Erzähler Albert Wilmarth dem Vertreter einer außerirdischen Intelligenz, der ihm u.a. offenbart, dass das uns Menschen bekannte Raum-Zeit-Kontinuum keineswegs die gesamte Wirklichkeit ausmacht, sondern lediglich ein winziges Element in einer viel größeren, aus unzähligen Paralleluniversen aufgebauten Realität ist. Wilmarths Reaktion auf den Bericht seines Gesprächspartners, den er zu diesem Zeitpunkt noch für einen menschlichen Verbündeten der Außerirdischen hält, fällt merkwürdig hysterisch aus:

Of the extent of the cosmic horrors unfolded by that raucous voice I cannot even hint. He had known hideous things before, but what he had learned since making his pact with the Outside Things was almost too much for sanity to bear. Even now I absolutely refused to believe what he implied about the constitution of ultimate infinity, the juxtaposition of dimensions, and the frightful position of our known cosmos of space and time in the unending chain of linked cosmos-atoms which makes up the immediate super-cosmos of curves, angles, and material and semi-material electronic organisation.

Mir erscheint das Grauen hier nicht recht nachvollziehbar. Warum sollte die bloße Tatsache, dass die Wirklichkeit viel größer ist, als wir Menschen es uns bisher vorgestellt haben, solch panische Angst hervorrufen? Wilmarth ist Wissenschaftler. Wären da nicht eher Neugier und Faszination die zu erwartenden Reaktionen?
Lovecraft bezieht sich in seinen Briefen und Schriften sehr gerne auf die großen Umwälzungen in der Physik, die wir mit den Namen Planck, Einstein, Heisenberg verbinden. Doch gerade Albert Einstein, der wie kaum ein anderer Mensch des letzten Jahrhunderts die Grenzen unseres Verständnisses der Natur erweitert hat, schrieb über seine Sicht des Kosmos: „The Wonder of nature does not become smaller because one cannot measure it by the standards of human moral and human aims.“ ***** Wie Lovecraft lehnte auch er es ab, eine Zielgerichtetheit in die Natur hineinzuinterpretieren sie zu "anthropomorphisieren", wie er das nannte. Doch wie anders war seine emotionelle Reaktion! Keine Spur von "kosmischem Grauen". Die gewaltige, alles menschliche Maß übersteigende Weite und Komplexität des Universums war für ihn Anlass zur Begeisterung und Objekt ästhetischen Genusses. Gleichzeitig zeigte er sich immer wieder aufs Neue fasziniert von der Fähigkeit des Menschen, die Gesetzmäßigkeiten zu ergünden, denen die Natur unterworfen ist.
Ehrlich gesagt bin ich mir nicht einmal sicher, ob es das "kosmische Grauen" als echte Empfindung überhaupt gibt oder geben kann. Wenn man es genau betrachtet, können wir Menschen auf einer rein emotionalen, unterbewussten Ebene die überwältigende Größe des Kosmos überhaupt realisieren? G.K. Chesterton schreibt in seinem Essay A Defence of Planets: "It would be an interesting speculation to imagine whether the world will ever develop a Copernican poetry and a Copernican habit of fancy; whether we shall ever speak of 'early earth-turn' instead of 'early sunrise,' and speak indifferently of looking up at the daisies, or looking down on the stars." Ein interessanter Gedanke. In der Tat haben wir in unserem alltäglichem Empfinden bisher noch nicht einmal die Erkenntnisse eines Kopernikus oder Newton wirklich assimiliert, um wieviel weniger erst die eines Einstein, Heisenberg oder Hubble. Unser intellektuelles Verständnis der Natur ist unserer emotionalen Beziehung zu ihr um Lichtjahre voraus. Was nicht verwunderlich ist, scheint die Realität, wie sie von der modernen Naturwissenschaft beschrieben wird, doch im Gegensatz zu unseren unmittelbaren Alltagserfahrungen zu stehen. Schließlich sehen wir morgens die Sonne über dem Horizont aufsteigen, auch wenn wir wissen, dass es sich dabei in Wirklichkeit um eine Folge der Erdrotation handelt.
Doch wenn das Gefühl von Verlorenheit und Nichtigkeit, das den eigentlichen Inhalt des "kosmischen Grauens" ausmacht, in Wirklichkeit überhaupt nichts mit der Natur des Universums und der Stellung der Menschheit in ihm zu tun hat, worin liegen dann seine Wurzeln? 
Ich denke, das menschliche Selbstbewusstsein und "Weltempfinden" wird sehr viel weniger durch die abstrakte Beziehung der Menschheit zum Kosmos als vielmehr durch die sehr konkreten Beziehungen der Menschen untereinander geprägt. Der Umstand, dass die Natur sich nicht für unsere Empfindungen und Gedanken interessiert, die Menschheit im kosmischen Gesamtzusammenhang nur eine verschwind kleine Rolle spielt und das Universum nicht nach unseren Bedürfnissen von einem freundlichen Schöpfergott eingerichtet wurde, ist keineswegs Grund genug, um in Verzweifelung zu verfallen. Wie Menschen diese Tatsachen aufnehmen, hängt in hohem Maße davon ab, unter welchen gesellschaftlichen Bedingungen sie leben. 
Besonders interessant finde ich es deshalb auch, dass Lovecraft selbst seine "kosmische Sicht" immer wieder mit seinen politischen Überzeugungen, seinem unerschütterlichen Festhalten an überkommenen sozialen und kulturellen Wertvorstellungen verknüpft hat:

Now what gives one person or race or age relative painlessness & contentment often disagrees sharply on the psychological side from what gives these same boons to another person or race or age. Therefore ‘good’ is a relative & variable quality, depending on ancestry, chronology, geography, nationality, & individual temperament. Amidst this variability there is only one anchor of fixity which we can seize upon as the working pseudo-standard of ‘values’ which we need in order to feel settled & contented – & that anchor is tradition, the potent emotional legacy bequeathed to us by the massed experience of our ancestors, individual or national, biological or cultural. Tradition means nothing cosmically, but it means everything locally & pragmatically because we have nothing else to shield us from a devastating sense of ‘lostness’ in endless time & space. ******
  
Man halte daneben, was er 1927 in einem Brief an Clark Ashton Smith über seine New Yorker Erfahrungen geschrieben hat:

New York is too far removed from the main stream of any one civilisation to be the home of any genuine art. It is a hybrid place, with garishness & squalor in monotonous alternation. Such places - like all cosmopolitanism - may breed the critical spirit, but never art. Art grows out of solitude & communion with one's own past & background, & at bottom is exceedingly nativistic & nationalistic. One's dream-country, be it in Cocaigne or on Canopus, is always a vague projection & etherealisation of one's own childhood land; & the farther one's life gets from these authentic sources, the weaker his art will become. New York belongs to no well-defined fabric & has no place in anyone's hereditary or continuous life - wherefore it is a nursery of pose & pretence rather than of depth & sincerity in art. It is delightful to visit on account of its faery pinnacles & wealth of museums & the like - but as a place for a white man to live it simply doesn't exist. The old New York is dead - this one is only a kennel of feverish mongrels ... *******

Gerade Lovecrafts wütender Hass auf New York und auf alles, wofür die Metropole am Hudson für ihn stand, scheint mir sehr deutlich dafür zu sprechen, dass das, wovor ihn sein Traditionalismus schützen sollte, nichts mit der "Unendlichkeit von Zeit & Raum" zu tun hatte, sondern vielmehr in den gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklungen des beginnenden 20. Jahrhunderts zu suchen ist. Wenn er sich isoliert, verloren und machtlos vorkam, so nicht, weil die Wissenschaft ihm gezeigt hatte, wie unbedeutend der Mensch im kosmischen Gesamtzusammenhang ist, sondern weil die Gesellschaft, in der er lebte, sich in eine Richtung entwickelte, die ihm zutiefst zuwider war und die er als äußerst bedrohlich empfand.
Das Gefühl der kosmischen Verlorenheit ist alles andere als neu. So hatte schon im 17. Jahrhundert Blaise Pascal angesichts der Grenzenlosigkeit des Alls ausgerufen: „Das ewige Schweigen dieser unendlichen Räume macht mich schaudern.“ Ohne die kopernikanische Wende wäre dieser Ausspruch zwar nicht denkbar gewesen, doch Pascals Empfindungen hatten mehr mit dem Zerfall der alten Feudalordnung als mit dem Untergang des ptolomäischen Weltbildes zu tun. Der Philosoph sah sich von einer Welt umgeben, in der die aus den ständischen und korporativen Bindungen des Mittelalters gelösten Individuen scheinbar in ständigem Konkurrenzkampf zueinander standen: „Alle Menschen hassen sich von Natur untereinander.“- Hobbes’ "homo homini lupus". Angesichts dieser Realität konnte er nicht länger an eine gottgegebene sittliche und vernüftige Weltordnung glauben. Das damit verbundene Gefühl der Isolation übertrug er auf seine Sicht des Kosmos.******** Bei Lovecraft verhielt sich das ganz ähnlich.

Bedeutet das automatisch, dass all jene Künstler & Künstlerinnen, die inspiriert von Lovecraft in ihren Werken eine vergleichbare "kosmische Sichtweise" zum Ausdruck bringen, von denselben reaktionären, antimodernen Überzeugungen und Empfindungen erfüllt sind wie es der Alte Gentleman war?
Sicher nicht, auch wenn ich denke, dass dem "Kosmizismus" als solchem stets etwas von Pessimismus und Fatalismus anhaftet. Doch letztenendes gibt es eben nicht den "Kosmizismus". Schon Lovecrafts "kosmische Sichtweise" war nicht vollkommen identisch mit der seines Freundes Clark Ashton Smith, gar nicht erst zu reden von anderen Schriftstellern wie z.B. Ambrose Bierce (in An Inhabitant of Carcosa), George Sterling (in Testimony of the Suns) oder Robert W. Chambers (in The King in Yellow). In gewisser Hinsicht ist das "kosmische Grauen" mehr Form als Inhalt, kann dem Ausdruck ganz unterschiedlicher Empfindungen und Sichtweisen dienen.

So gesehen ist es nicht verwunderlich, dass sich die "lovecraftianische" Literatur der Gegenwart als äußerst bunt und vielgestaltig präsentiert. Jeder ihrer Vertreterinnen & Vertreter verdient es, individuell betrachtet und beurteilt zu werden. So problematisch das Erbe Lovecrafts in meinen Augen auch ist, es wäre grundfalsch, davon ausgehend irgendwelche allgemeinen Urteile über eine ganze "Strömung" innerhalb der "weird fiction" zu fällen. Als Beispiele mögen die folgenden acht Schriftsteller & Schriftstellerinnen dienen, die allesamt vom Werk des alten Gentleman beeinflusst wurden, und doch in vielem nicht unterschiedlicher sein könnten.
        

{PS: Die Stories wurden mehr oder weniger willkürlich ausgewählt. Sie repräsentieren weder das "beste" noch das "lovecraftianischste", was die acht geschrieben haben.}


* Clark Ashton Smith: To Howard Phillips Lovecraft.
** Vgl. hier & hier
*** Fritz Leiber: A Literary Copernicus. In: Ben J.S. Szumskyj & S.T. Joshi (Hg.): Fritz Leiber and H.P. Lovecraft: Writers of the Dark. S. 282ff.
**** H. P. Lovecraft: Selected Letters. Bd. II. S. 150.
*****  Brief vom 7. August 1941. Einstein Archive, reel 54-927.
****** H. P. Lovecraft: Selected Letters. Bd. II. S. 356f.
*******  Brief an Clark Ashton Smith vom 18. 2. 1927. Cocaigne/Cocagne ist das Schlaraffenland der mittelalterlichen französischen und englischen Literatur. In Smiths Prosagedicht In Cocaigne erscheint es als das ersehnte Utopia. Canopus - nach Sirius der zweithellste Stern am Nachthimmel - steht hier offensichtlich für die "kosmischen Weiten".
********  Blaise Pascal: Gedanken. Eine Auswahl. S. 41, 55.

4 Kommentare:

  1. Danke für den interessanten Beitrag. Ich bin zwar wirklich kein Lovecraft-Spezalist, aber auf etwas wollte ich noch hinweisen: Es gibt eine offensichtliche Nähe zwischen Lovecrafts "cosmic horror" und dem Konzept des Erhabenen resp. sublime. Bei Kant sind es im Grunde genau solche Erfahrungen von "cosmic horror", die das Erhabene auslösen. Die aufklärerische Pointe ist freilich, dass das, was die Vorstellung übersteigt, am Ende aber doch als abstraktes Konzept denkbar ist, dass die Vernunft am Ende also siegreich bleibt. Lovecrafts cosmic horror wäre demnach eine kantsches Erhabenes, bei dem die Vernunft versagt (wenn man das burksche sublime nimmt, ist die Sache ein wenig anders, die grundsätzlichen Parallelen bleiben aber).

    Wobei sich dann freilich umso mehr die Frage stellt, warum die Figuren bei Lovecraft regelmässig wahnsinnig werden und niemand in der Lage ist, in kantscher Manier mit dem Unvorstellbaren umzugehen. Lovecraft ist hier – nicht ganz überraschend – weitaus weniger optimistisch als Kant.

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  2. Vielen Dank für den Hinweis.

    Konkret kann ich dazu jetzt allerdings nichts sagen, da es schon viel zu lange her ist, seit ich mich mal mit Kants "Ästhetik des Erhabenen" beschäftigt habe. Und was Burke betrifft, ist mein Wissen noch sehr viel dürftiger. Den Gedanken, eine Verbindung zwischen Erhabenem/Sublimem und Lovecrafts "kosmischem Grauen" herzustellen, finde ich jedenfalls ziemlich interessant, und nach allem, was in meinem löchrigen Gedächtnis noch hängen geblieben ist, auch nachvollziehbar. Bei Gelegenheit werde ich mich da vielleicht mal etwas eingehender mit auseinandersetzen.

    PS: Als "Lovecraft-Experte" würde ich mich selbst übrigens auch niemals bezeichnen. ;-)

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  4. In meinem Buch «Die Konstitution des Wunderbaren» gibt's ein ziemlich kompaktes Kapitel zum Erhabenen (natürlich ohne Bezug auf Lovecraft). Falls dich das Thema interessiert, wäre das eine mögliche Anlaufstelle.

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