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Sonntag, 29. Mai 2016

Cthulhuide Vibes aus Tokio

Auf Anregung meiner lieben Freundin Beth – für deren Blog Magical Horror ich hier noch einmal die Werbetrommel rühren will – habe ich mir vor ein paar Wochen vorgenommen, meine Bekanntschaft mit dem asiatischen Horrorkino ein Bisschen zu vertiefen. Nicht dass mir diese Provinz des cineastischen Grauens bisher völlig unbekannt gewesen wäre, aber ich muss zugeben, dass mein Wissen in dieser Hinsicht unglücklicherweise ziemlich bescheiden ist.

Wo sollte ich beginnen? Nun ja, der offensichtlichste Einstiegspunkt war natürlich Japan.

Zu Beginn der 2000er fand der sogenannte J-Horror plötzlich einen erstaunlich starken Widerhall bei einem breiteren Publikum im Westen, und für einige Jahre war es nichts ungewöhnliches, Kommentare wie diesen hier zu lesen: "When it comes to the finer points of modern horror, nobody does the genre better and with more skill than the Japanese." Viele westliche Kritiker erblickten im Land der Aufgehenden Sonne "the primary spawning ground for some of the most disconcerting, atmospheric and pessimistic horror offerings for years". Verantwortlich dafür waren in erster Linie Ringu / The Ring (1998) und Honogurai Mizu no soko kara / Dark Water (2002) von Hideo Nakata sowie Takashi Shimizus Ju-on / The Grudge (2002). Von allen drei Filmen wurden schon bald US-Remakes angefertigt.
Das Ironische an diesem Phänomen war, dass das, was auf viele im Westen an diesen Filmen frisch und innovativ wirkte, im Kontext der Geschichte des japanischen Horrorkinos eigentlich eine Art Rückgriff auf ältere Formen des cineastischen Grauens darstellte. Verglichen mit vielen Werken der ihnen unmittelbar vorausgegangenen Epoche haftete ihnen deshalb etwas Traditionalistisches, beinah schon Nostalgisches an. Christopher Brown hat das in der entsprechenden Episode  seines History of Horror Podcasts sehr schön dargelegt. Was natürlich nicht heißen soll, diese Streifen hätten nicht mehr zu bieten gehabt, als das simple Aufwärmen überkommener Motive. Sie alle verbinden das traditionelle, der Shinto-Mythologie entstammende Motiv des "rachsüchtigen Geistes" (onryō) mit Elementen, die auf die eine oder andere Weise gesellschaftliche Spannungen und Verunsicherungen im Japan der Jahrtausendwende widerzuspiegeln scheinen.
Ein wenig anders verhält es sich übrigens mit Kiyoshi Kurosawas Kairo / Pulse (2001), der gleichfalls ein US-Remake erhielt. Seine Geister sind keine onryōs, und der Film als Ganzes ist sehr viel eindeutiger {vielleicht ein Bisschen zu eindeutig} als eine Parabel auf Vereinsamung und die Unmöglichkeit echter zwischenmenschlicher Kontake in der modernen, technisierten Massengesellschaft angelegt. Im Grunde bin ich mir nicht einmal sicher, ob ich ihn dem Horrorgenre zurechnen würde. {Nebenbei bemerkt: Kairo ist ein zutiefst pessimistischer, aber kein misanthroper Film. Für mich ein sehr wichtiger Unterschied.  Er ist erfüllt von absoluter Hoffnungslosigkeit, aber weitgehend frei von Zynismus. Bei Gelegenheit sollte ich mal einen eigenen Post über ihn schreiben.}

Wie auch immer, jedenfalls hat mich die erste Etappe meiner kleinen Expedition {eher zufällig} zurück in die Zeit dieses kurzlebigen internationalen Booms des J-Horrors und zurück zu einem seiner Hauptakteure – Takashi Shimizu – geführt.
Der gewaltige Erfolg von Ju-on (2002)* hatte den 1972 in Maebashi geborenen Filmemacher zu einem der großen Stars des J-Horrors gemacht. Nachdem Sam Raimis Ghost House Pictures die Remake-Rechte an dem Film erworben hatte, versuchte das Studio, ihn als Regisseur für die amerikanisierte Fassung der Story zu gewinnen, doch Shimizu war anfangs eher skeptisch: "At first I wasn't interested in doing the remake, because I'd done the original and thought I was done". Aber schließlich ließ er sich doch überzeugen, bei der Hollywood-Version seines eigenen Werkes Regie zu führen. 
Zur selben Zeit, als er sich daranmachte, das $10 Mio. - Projekt zu übernehmen, kehrte er mit Marebito in gewisser Weise zu seinen Low Budget - Wurzeln zurück. Der Streifen war Shimizus Beitrag zu einer elfteiligen Filmreihe – "a collaboration between the Film School of Tokyo and the Eurospace cinema in Tokyo's Shibuya district". In gerade einmal acht Tagen mit einer Digitalkamera gedreht, erweist sich der Film als ein ausgesprochen faszinierendes und ehrgeiziges, wenn auch vielleicht nicht hundertprozentig erfolgreiches Werk.

 
Kameramann Masuoka (Shinya Tsukamoto) ist besessen von der Idee der Angst. Als er sich immer wieder die Filmaufnahme eines bizarren Selbstmords anschaut, bei dem sich ein Mann ein Messer ins Auge bohrt, glaubt er auf einmal, am Blick des Selbstmörders ablesen zu können, dass dieser etwas so Fürchterliches gesehen haben muss, dass er es nicht länger ertragen konnte, zu leben. 
Masuoka begibt sich an den Ort des Ereignisses – eine U-Bahnstation – und beginnt, in immer tiefer gelegne Tunnel und Gewölbe hinabzusteigen. Er betritt eine Art geheime Anderswelt unterhalb von Tokio, in der er dem Geist des Selbstmörders (Kazuhiro Nakahara) begegnet, der ihn u.a. vor den "Deros" warnt, die hier hausen und Jagd auf Menschen machen sollen. Schließlich stößt er auf eine riesige Kaverne und eine bizarre, unmenschliche Ruinenstadt. Dort findet er eine nackte junge Frau (Tomomi Miyashita), die in einer Höhle angekettet ist.
Er nimmt sie mit und bringt sie in sein Appartment, doch alle Versuche, mit ihr zu kommunizieren, scheitern. "F", wie er das Mädchen tauft, scheint mehr ein triebgesteuertes Tier, denn ein vernunftbegabtes Wesen zu sein. Masuoka installiert eine Reihe von Videokameras in der Wohnung, um sie jederzeit über sein Handy beobachten zu können. Doch da "F" sich weigert, zu essen oder zu trinken, verschlechtert sich ihr Zustand zusehends. Auch nimmt ein mysteriöser "Mann in Schwarz" (Shun Sugata) mehrmals Kontakt mit Masuoka auf und drängt ihn dazu, sie in das unterirdische Reich zurückzubringen. Außerdem begegnet er einer Frau (Miho Ninagawa), die behauptet seine Ex-Gattin zu sein und die ihm vorwirft, er halte ihr gemeinsame Tochter Fuyumi in seiner Wohnung gefangen.
Als Masuoka durch Zufall entdeckt, dass "F" menschliches Blut trinken muss, um am Leben zu bleiben, verliert er sich endgültig in einem Strudel aus Mord und Wahnsinn, in dessen Verlauf sich die Scheidewand zwischen der "normalen" Welt und dem unterirdischen Reich mehr und mehr auflöst.

Der Film entzieht sich einer eindeutigen Interpretation.
Am naheliegendsten ist es natürlich, ihn als die Geschichte eines Mannes zu verstehen, der schrittweise dem Wahnsinn verfällt. Eine Reihe von Rezensionen verweisen in diesem Zusammenhang auf den Umstand, dass Masuoka vor seinem Abstieg in die "Anderswelt" aufgehört hat, seine Medikamente (Prozac) zu nehmen. Doch so interessant dieses Detail auch ist, letztlich erklärt es wenig, denn Prozac/Fluoxetin ist ein Antidepressivum. Auch ohne den Wirkstoff sollte Masuoka nicht plötzlich unter wilden Halluzinationen leiden. Überhaupt scheint mir eine solche, sozusagen "klinische" Herangehensweise an Marebito wenig erhellend zu sein, denn selbst wenn wir die Ereignisse des Films als bloße Ausgeburten einer kranken Psyche interpretieren wollten, besteht doch kein Zweifel, dass wir die Wahnvorstellungen des Protagonisten zugleich auf eine "symbolische" oder "allegorische" Weise verstehen sollen.
Masuoka befindet sich offensichtlich in einem Zustand tiefster sozialer Entfremdung. Es ist ihm beinah unmöglich, mit seiner Umwelt anders als durch die Linse seiner Kamera zu interagieren. (Der Film springt immer wieder zwischen der Perspektive seiner Kamera und einer "objektiven" Außenansicht hin und her.) Und die Szene, in der er mehr oder weniger auf offener Straße zusammengeschlagen wird, ohne dass irgendeiner der Passanten darauf reagieren würde, zeigt, dass es sich bei dieser Isolation nicht bloß um ein individuelles Problem handelt.
Masuokas obsessives Verlangen, den Zustand reiner Furcht erleben zu dürfen, ist im Kern der pervertierte Ausdruck seines Wunsches nach authentischen, menschlichen Empfindungen.
Dass sein Abstieg in die "Unterwelt" symbolisch für einen Abstieg in das eigene Unterbewusste steht, ist ziemlich offensichtlich. Takashi Shimizu selbst hat es so in einem Interview beschrieben. Etwas schwerer fällt es, zu ergründen, was genau er dabei findet. Seine Beziehung zu "F" besitzt ohne Frage eine morbid-erotische Dimension, die im Laufe des Films an Intensität immer weiter zunimmt und dabei zugleich sehr verstörende, inzestuöse Untertöne besitzt. {Interessanterweise wollte Shimizu "F" ursprünglich von einer Kinderdarstellerin spielen lassen.} Doch heißt das, dass wir in ihr tatsächlich seine Tochter Fuyumi sehen sollen? Oder haben wir sie als Verkörperung seiner eigenen animalisch-triebhaften Seite zu verstehen, die er bei seinem Ausflug in die Welt des Unterbewussten entdeckt hat, doch zu der er kein gesundes Verhältnis aufbauen kann?
Wie gesagt, eine zweifelsfreie Deutung von Marebito ist meiner Ansicht nach unmöglich, doch scheint mir klar zu sein, dass wir in den Ereignissen mehr als das individuelle Schicksal eines offensichtlich psychisch labilen Mannes zu sehen haben. Was Masuoka in der "Unterwelt" entdeckt besitzt universelleren Charakter. Der Zustand der Furcht, nach dem es ihn verlangt, erscheint zugleich als eine Art Einsicht in den wahren Charakter der Welt. Der Film besitzt einen deutlich ctulhuiden Vibe. Und dass mit der unterirdischen Ruinenstadt, in der Masuoka "F" findet, fraglos auf Lovecrafts Nameless City und At the Mountains of Madness angespielt wird, erscheint mir dabei eher von nebensächlicher Bedeutung zu sein. Schließlich zitiert der Streifen auch die berühmt-berüchtigten Shaver Mysteries**, aus denen die "Deros" (="Detrimental Robots") stammen, das tibetisch-buddhistische (und theosophische) Shambala sowie die Geschichten vom unterirdischen Wunderreich Agartha.*** Was dem Film in meinen Augen einen lovecraftianischen Charakter verleiht ist vielmehr die Idee einer Wirklichkeit, die sich hinter der Welt unserer Alltagserfahrungen verbirgt, und die so monströs und unmenschlich ist, dass ihre Erkenntnis uns in den Wahnsinn stürzen würde.

Dass mir nichts besseres zu Marebito einfällt, als in ziemlich unzusammenhängender Weise einige meiner Eindrücke und Gedanken niederzuschreiben, vermittelt glaube ich ein recht gutes Bild des Films. Er ist ein faszinierendes Werk mit einer ungemein dichten und verstörenden Atmosphäre. Horror im Stil von Ju-on / The Grudge darf man freilich nicht erwarten. Und die verwirrende Mehrdeutigkeit der Geschichte trägt zwar einerseits zum Reiz des Streifens bei, scheint mir andererseits aber auch ein Indiz dafür zu sein, dass Shimizu und seine Mitarbeiter selbst nicht recht wussten, was genau sie mit ihrem Film eigentlich ausdrücken wollten.

Wie man Marebito im Gesamtwerk des Regisseurs einzuordnen hat, fällt mir schwer zu beurteilen. Und dass nicht nur, weil mir dieses nur sehr bruchstückhaft vertraut ist.
Takashi Shimizu hat sich selbst immer mal wieder als eine Art "Prankster" beschrieben, der mit seinen Filmen kein anderes Ziel verfolge, als seinem Publikum auf geschickte Weise Angst einzuflößen. So gesehen scheint es mir ziemlich wahrscheinlich, dass der eigenwillige Charakter von Marebito weniger auf den Regisseur als vielmehr auf den Drehbuchautor Chiaki J. Konaka und den – übrigens brillanten – Hauptdarsteller Shinya Tsukamoto zurückzuführen ist. Konaka besitzt offenbar ganz allgemein ein Faible für lovecraftianische Themen, und Tsukamoto gehört als Regisseur zu den bekanntesten Vertretern des japanischen Cyberpunk-Films.**** Sein Underground-Streifen Tetsuo: The Iron Man von 1988 – ein surrealer, fetischistischer Cyberpunk - & Bodyhorror - Alptraum, dessen manische Energie mich bei einer Spielzeit von 67 Minuten allerdings irgendwann ermüdet hat – gehört nicht nur zu den bedeutendsten Gründungswerken des Genres, sondern erregte auch beträchtliches internationales Aufsehen.
Andererseits will ich nicht verschweigen, dass ich Marebito zwar sehr faszinierend finde, Shimizus ein Jahr später entstandener und sehr viel konventionellerer Horrorstreifen Rinne / Reincarnation aber dennoch einen stärkeren Eindruck bei mir hinterlassen hat. Doch dazu das nächste Mal {hoffentlich} mehr ... 


* Der Kinofilm ist eigentlich bereits der dritte Teil einer Serie, dem zwei für den Videomarkt produzierte Streifen vorangegangen waren.
** Vgl. Episode 182 von Geek's Guide to the Galaxy.
***  Die "Frühgeschichte" Agarthas ist übrigens äußerst faszinierend. Sie beginnt mit Edward Bulwer-Lyttons Roman The Coming Race, führt über den französischen Okkultisten Joseph Alexandre Saint-Yves d’Alveydre und seine eigenartige Gesellschaftstheorie der "Synarchie"zum Ordre Martiniste, vermischt sich auf diesem Weg im frühen 20. Jahrhundert mit den Geschicken der dekadenten, esoterikbegeisterten zaristischen Hofkamarilla, um schließlich nach Revolution und Bürgerkrieg bei dem polnischen weißgardistischen Schriftsteller Ferdynand Ossendowski zu enden, dessen Buch Tiere, Menschen und Götter – eine wüste Mixtur aus antibolschewistischer Propaganda, wild ausgeschmückten Reiseberichten und mystizistischem Unsinn – den Namen des Geheimen Reiches einem breiteren Publikum bekannt machte. Nichts von alledem tut hier etwas zur Sache, aber was soll's ...  
**** Einen guten Überblick über die Entwicklung des Genres bietet der Artikel Post-Human Nightmares - The World of Japanese Cyberpunk Cinema

Samstag, 28. Mai 2016

Strandgut der Woche

Montag, 23. Mai 2016

"But the ancient gods of Olympus are angry ..."

Captain Future war die erste SciFi-Zeichentrickserie für Kinder, die {ab 1980} im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Und Junge, was war ich im Alter von sieben bis neun für ein fanatischer Fanboy! So muss ich z.B. im Besitz einer ziemlich vollständigen {wenn auch teilweise recht ramponierten} Sammlung der Bastei-Comics gewesen sein, und wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, konnte ich auch ein Modell der Comet mein eigen nennen.
Ich habe nie ernsthaft versucht, diese Kindheitserinnerungen wieder aufzufrischen, und ein kurzer Blick in die auf Youtube zu findende erste "Staffel" Der Herrscher von Megara hat mich sehr rasch davon überzeugt, dass ich das auch in Zukunft wohl besser bleiben lassen sollte. {Auch wenn ich die von Christian Bruhn für die deutsche Fassung kreierte Titelmusik immer noch ziemlich cool finde.} 

Dafür habe ich kürzlich in Gestalt von Ulysses 31 eine Animeserie kennenlernen dürfen, die sehr eindrücklich belegt, dass es Anfang der 80er äußerst interessante Alternativen zu Captain Future hätte geben können, wenn der Widerstand in der deutschen Öffentlichkeit gegen diese Art von Kinderunterhaltung nicht so groß gewesen wäre. {Captain Future rief offenbar lautstarke Proteste von Seiten vieler Eltern, Pädagogen und "Jugendschutz"organisationen hervor [obwohl die Serie in vorauseilendem Gehorsam bereits ausgiebigst mit der Zensorschere bearbeitet worden war], was mit dazu beitrug, dass für beinah ein Jahrzehnt keine vergleichbaren Produktionen mehr auf deutschen Fernsehschirmen auftauchten}. 
Die bloße Existenz der französisch-japanischen Koproduktion aus dem Jahre 1981 war mir unbekannt, bis Andy Poulastides in der ersten Episode des sehr amüsanten Podcasts Space Dock Jury die Odyssey ins Rennen schickte.* Was er über das Raumschiff und die Serie selbst zu erzählen hatte, klang recht interessant, und so begab ich mich alsbald in den unergründlichen Schatzgewölben von Youtube auf die Suche. Es sollte ein glorreicher Fund werden.


Das von Jean Chalopin entwickelte Grundkonzept der Serie ist denkbar einfach: Man übertrage Homers Odyssee ins Weltall und reichere die Handlung mit einigen der üblichen Versatzstücke einer Kinder-SciFi-Show der Zeit an. Das Ergebnis erweist sich als alles in allem recht charmant.

Auf seinem Heimflug von dem Planeten Troja zur Erde erregt der löwenmähnige Ulysses den Zorn der Götter, als er den von Poseidon erschaffenen Riesenroboter Cyclops zerstört. Zeus versetzt die Mannschaft der Odyssey daraufhin in eine Art Totenschlaf. Verschont bleiben lediglich Ulysses selbst, sein Sohn Telemachus und das außerirdische Mädchen Yumi, die von den Göttern dazu verdammt werden, durch die Weiten des "Olymp" zu irren, bis sie das Königreich des Hades gefunden haben. Erst dann werden ihre Gefährten wieder erwachen und der Weg zurück zur Erde wird sich ihnen eröffnen.

Viele der Abenteuer, die die drei zusammen mit dem kleinen {und äußerst nervigen!} Roboter Nono, in den insgesamt 26 Episoden der Serie zu bestehen haben, sind – wie zu erwarten – der Odyssee entlehnt. So bekommen wir Versionen von Äolus, den Laistrygonen, Skylla & Charybdis, den Sirenen, Kirke, Kalypso und den Lotophagen zu sehen. Und auch abseits des homerischen Epos bedient sich die Serie sehr gerne im Fundus der antiken Mythologie und Heldensage. So begegnen unsere Helden u.a. Sisyphos, der Sphinx, dem Titanen Atlas, dem gestaltswandlerischen Nereus, Theseus, Ariadne & dem Minotauren, Chronos sowie Orpheus & Eurydike. Außerdem stoßen sie auf den Planeten Lemnos, dessen riesige Fabriken wohl an die Werkstätten des Hephaistos erinnern sollen und dessen unterdrückte weibliche Bevölkerung gerade dabei ist, unter Führung von Hypsipyle (aus der Argonautika) eine Revolution zu starten. Yep, die Autoren haben ihren Gustav Schwab {bzw. wohl eher dessen französisches Äquivalent} gelesen, und schon allein das macht mir die Serie sympathisch.
Natürlich sind die einzelnen Figuren und Episoden einer mehr oder weniger heftigen SciFi-Überarbeitung unterzogen worden, in deren Verlauf sie sich mitunter sehr weit von ihren antiken Vorbildern entfernt haben. Das extremste {und zugleich bizarrste} Beispiel ist vielleicht Nereus, der in den König eines Weltraum-Venedigs verwandelt wurde, dessen Volk von bösen Haifischmenschen unterdrückt wird.
Daneben gibt es auch einige wenige Folgen, die keinerlei Anklänge an die antike Sagenwelt aufweisen. Eine von ihnen hat ihre Inspiration sogar offensichtlich eher aus den Schreibereien Erich von Dänikens bezogen, inklusive Nazca-Scharrbildern und Sintflutszenarien. Und in der vorletzten Episode wird's dann richtig meta, wenn unsere Helden fünftausend Jahre in die Vergangenheit versetzt werden und dem homerischen Odysseus bei seiner Rückkehr nach Ithaka beistehen müssen ...

In einem sehr wichtigen Punkt unterscheidet sich die Grundstory der Serie allerdings sehr deutlich von ihrem literarischen Vorbild. Homers "listenreicher" Held hatte vor allem unter dem Zorn Poseidons zu leiden, den er schon durch die Eroberung Trojas – welches unter seiner Schutzherrschaft stand – verärgert, mit der Tötung seines Sohnes Polyphem aber erst recht wütend gemacht hatte. Doch mit Pallas Athene besaß der homerische Odysseus auch seine eigene göttliche Patronin, welche ihm auf seiner Irrfahrt nach Ithaka beistand. Völlig anders in Ulysses 31! Zwar wird durch das Symbol des Dreizacks auch hier immer wieder auf Poseidon verwiesen, doch stehen unserem Helden sämtliche Götter des Olymps feindlich gegenüber. Sie alle erscheinen als grausame Willkürsherrscher, gegenüber denen Ulysses die Würde und den Freiheitswillen der Menschheit verkörpert.
Wie vieles an Ulysses 31 wirkt auch dies ein wenig unausgegoren. Wenn es die Grundidee der Serie war, Homers Epos als Vorlage zu verwenden, wollte man zugleich doch nicht darauf verzichten, die sich Ende der 70er Jahre explosionsartig entfaltende Popularität von Star Wars auszunutzen. Kein Wunder, dass unser Held in beinah jeder Episode mit einem Lichtschwert herumfuchtelt. Aber man beschränkte sich nicht auf solche äußerlichen Anleihen. Vielmehr versuchte man immer mal wieder Onkel George auch motivisch nachzuahmen, weshalb die Herrschaft der Götter mitunter Züge des Galaktischen Imperiums annimmt. Die dreizackförmigen Raumschiffe der Olympier machen im Kampf nicht nur exakt die gleichen Geräusche wie imperiale Tie-Fighter, sie sollen auch dasselbe symbolisieren wie diese – eine militaristisch-imperialistische Despotie. Das beißt sich ein wenig mit dem dem antiken Heldenepos entnommenen Material.
Dennoch kann das Ergebnis dieser Vermischung mitunter recht spannend sein. So fand ich z.B. die Episode Rebellion on Lemnos ungemein faszinierend, wenn auch keineswegs hundertprozentig gelungen: Die Bewohner des Planetzen müssen monströse Dreizack-Waffen für Poseidons Haifischmenschen herstellen. In ihren riesigen Fabriken malochen jedoch ausschließlich die Frauen, derweil sich die Männer dem eitlen Müßiggang hingeben. Als es zu einem Aufstand der weiblichen Bevölkerung kommt, handelt es sich dabei also zugleich um eine Geschlechter- und um eine Arbeiterrevolte. So weit, so schön! Doch führt das Drehbuch dann auch noch verwirrenderweise eine dritte Kaste – die Zwerge – ein, nur um das Ganze schließlich in eine Art antikolonialistische Revolution gegen die Haifischmenschen überzuleiten, bei der Frauen und Männer plötzlich Seite an Seite kämpfen. Ich bin mir nicht sicher, ob die Autoren hier irgendein Statement abgeben wollten, doch die eine oder andere Überabeitung hätte ihrem Drehbuch sicher gut getan.

Wer die Serie noch nicht kennt und jetzt vielleicht Lust darauf bekommen hat, ihr einmal einen Besuch abzustatten, muss sich allerdings im Klaren darüber sein, es bei allen Exzentrizitäten eben doch mit einer typischen Kinder-SciFi-Show ihrer Zeit zu tun zu haben. Das bedeutet vor allem zweierlei:

1) Die TV-Schaffenden jener Ära waren fest davon überzeugt, dass eine Serie, die ein kindliches Publikum ansprechen sollte, kindliche Charaktere als Identifikationsfiguren braucht.
Oft genug führte das dazu, dass man dem eigentlich erwachsenenen Heldenensemble mehr oder weniger unmotiviert ein Kind hinzufügte. Bei Captain Future wäre das z.B. Ken. {Als Kuriosität am Rande: Wenn Gene Roddenberry nicht lautstark Einspruch erhoben hätte, wäre bei Star Trek - The Animated Series jedem Mitglied der Brückencrew der Enterprise ein Kind an die Seite gestellt worden. Fröhliche Alpträume allerseits ...}
Im Falle von Ulysses 31 beschritt man einen etwas anderen Weg. Telemachus und Yumi bilden immerhin die Hälfte des Ensembles, sind also keine bloßen Sidekicks. Dabei ist es nett, dass wir es mit einem Mädchen und einem Jungen zu tun haben. Und die beiden werden völlig gleichberechtigt behandelt. Yumi hat eigentlich nie die undankbare Rolle der "Damsel in Distress" zu spielen, und zeigt sich – obwohl jünger als Telemachus – ihrem männlichen Widerpart in Mut und Intelligenz ebenbürtig. Ihre PSI-Fähigkeiten und ihre große Sensibilität lassen sie mitunter sogar als die stärkere Hälfte des Duos erscheinen. Und wenn sie sich mitunter zu etwas unüberlegten Handlungen hinreißen lässt, so nicht, weil sie ein Mädchen ist, sondern weil die tiefe Liebe zu ihrem Bruder Numinor, der zu den in Totenschlaf Gefallenen gehört, ihre Urteilskraft beeinträchtigt.
2) Der Charakter des "lustigen" Roboter-Sidekicks gehörte leider zu den festen Bestandteilen der Kinder-SciFi jener Ära. Ich will da nichts beschönigen: Nono ist eine unglaublich irritierende und dabei gänzlich unlustige Figur. Doch fände ich es äußerst ungerecht, wollte man seinetwegen den Stab über Ulysses 31 brechen. Ich halte es da mit den Statuten des ehrenwerten Gerichtshofs von The Witless for the Defence: "The Jar Jar Binks defence : No movie will be judged guilty just for having an annoying sidekick or character. (Unless it’s Chris Tucker)". Allerdings rate ich trotzdem dazu, Episode 22: The City of Cortex lieber zu überspringen, da andernfalls schwere mentale Schäden nicht ausgeschlossen werden können. Man vertraue mir: Niemand will live miterleben, wie sich der "putzige" Nono in die ebenso "putzige" Nanette verliebt!

Wer glaubt, mit diesen Problemen zurecht kommen zu können, sollte Ulysses 31 auf jedenfall mal eine Chance geben. Die größte Stärke der Serie besteht meiner Ansicht nach in ihrer visuellen Ästhetik, die wir vor allem den japanischen Künstlern Shingo Araki und Michi Himeno zu verdanken haben und in der sich typische Anime-Elemente mit Einflüssen der klassischen Antike zu einer ganz eigenartigen Melange vereinigen. Schon allein das Design der Odyssey, das seine Inspiration u,a. den am Bug antiker Kriegsschiffe oft aufgemalten Augen verdankte, ist wunderbar eigenwillig und ansprechend. Und in den besten Episoden von Ulysses 31 stößt die Serie in visueller {manchmal auch erzählerischer} Hinsicht in wahrhaft bizarre und phantasmagorische Gefilde vor. Ich jedenfalls hatte großen Spaß mit ihr.      


Geekige Fußnote: Nebenbei bemerkt hat mich die Serie auch immer mal wieder an Im Mahlstrom denken lassen, das erste in Deutsch erschienene Abenteuer für das D&D - Master - Set, in dem wir es gleichfalls mit einer in interstellare Gefilde übertragenenen Odyssee zu tun bekommen.


* Tele 5 strahlte im Rahmen ihres Bim Bam Bino - Programms (1988-92) eine deutsche Fassung unter dem Titel Odysseus 31 aus, aber das war natürlich lange "nach meiner Zeit".

Samstag, 21. Mai 2016

Strandgut der Woche

Dienstag, 17. Mai 2016

Der Décadent der Fantasy (8)

Auch wenn in diesen beiden Kapiteln erneut nichts über Clark Ashton Smith selbst zu lesen sein wird, nähern wir uns doch langsam aber sicher wieder dem guten Klarkash-Ton, geht es im Folgenden doch um den Kosmizismus im Werk von George Sterling und anderen Vertretern des kalifornischen Fin-de-siècle. Da Smiths eigenes Werk sehr stark von seiner "kosmischen Weltsicht" geprägt ist, ist es meiner Ansicht nach wichtig, sich anzuschauen, wie deren Vorläufer ausgesehen haben, um später sowohl die Kontinuitäten als auch die Unterschiede zwischen diesen beiden Formen oder Entwicklungsstufen des Kosmizismus herausarbeiten zu können.

(Ich habe übrigens keine Ahnung, wo die irritierenden weißen Streifen herkommen oder wie ich sie loswerden könnte. Meine Leser & Leserinnen mögen mir diese Unannehmlichkeit verzeihen.)

Teil 1 * Teil 2 * Teil 3 * Teil 4 * Teil 5 * Teil 6 * Teil 7


Ein neuer Hiob und der Kosmos
 
Schon Ambrose Bierce hatte George Sterling als den "Poeten der Himmel, Propheten der Sonnen" apostrophiert und dabei vor allem an sein erstes großes Werk The Testimony of the Suns gedacht. Bis heute gehört das epische Gedicht zu den bekanntesten Werken des Dichters. Jack London war so fasziniert von dem Poem seines Freundes, dass er es unter dem Titel Ephemera als das von aller Welt verkannte Meisterwerk des todkranken Russ Brissenden (1) in seinen Martin Eden einbaute:

It was a long poem of six or seven hundred lines, and it was a fantastic, amazing, unearthly thing. It was terrific, impossible; and yet there it was, scrawled in black ink across the sheets of paper. It dealt with man and his soul-gropings in their ultimate terms, plumbing the abysses of space for the testimony of remotest suns and rainbow spectrums. It was a mad orgy of imagination, was sailing in the skull of a dying man who half sobbed under his breath and was quick with the wild flutter of fading heart-beats. The poem swung in majestic rhythm to the cool tumult of interstellar conflict, to the onset of starry hosts, to the impact of cold suns and the flaming up of nebular in the darkened void; and through it all, unceasing and faint, like a silver shuttle, ran the frail, piping voice of man, a querulous chirp amid the screaming of planets and the crash of systems. (2)

Den Begriff "Kosmizismus" verbindet man heutzutage vor allem mit H. P. Lovecraft und einigen Schriftstellern aus seinem Umfeld, unter denen Clark Ashton Smith als der bedeutendste hervorragt. Man versteht darunter eine Sicht, die den Menschen in seiner kosmischen Bedeutungslosigkeit einem unendlichen, von unveränderlichen und gänzlich "inhumanen" Naturgesetzten beherrschten Universum gegenüberstellt.
Es ist verständlich und auch gar nicht völlig falsch, dass Leute wie S. T. Joshi in George Sterling den wichtigsten Vorläufer dieser philosophisch-ästhetischen Richtung sehen. Freilich betonen sie dabei oft über Gebühr die Rolle, die dieser Kosmizismus im Gesamtwerk Sterlings spielte. So erklärt Joshi in der Einleitung zu dem von ihm herausgegebenen Sterling-Band The Thirst of Satan: „Thematically, Sterling focused on the transience and evanescence of humanity in an endless cosmos that seems to have no purpose.“ In Wirklichkeit kommt der Idee des Schönen in seinem Œuvre eine sehr viel zentralere Rolle zu, und wie wir gleich sehen werden, beruht Testimony of the Suns auf ganz denselben Grundlagen und kann nur im Zusammenhang mit Sterlings stets unbefriedigter Sehnsucht nach Schönheit und Gemeinschaft verstanden werden. 
Das wird von all jenen übersehen, die den Kosmizismus hauptsächlich oder ausschließlich aus den naturwissenschaftlichen Umwälzungen der Zeit ableiten wollen. Scott Connors z.B. schreibt in seinem Aufsatz Gesturing Toward the Infinite: Sterling would assault the optimistic piety of the times in large part by making use of the discoveries of nineteenth-century science that were both a cause and a byproduct of the great change in the nation's character from agrarian republic to industrial democracy.“
Ohne Frage ist die Zerstörung des teleologischen Naturverständnisses durch die wissenschaftlichen Fortschritte des 19. Jahrhunderts eine der unverzichtbaren Vorbedingungen für die Entstehung des Kosmizismus. 1830 hatte die englische Autorin Mary Roberts – Verfasserin zahlreicher populärer Naturkundebücher – noch ganz selbstverständlich schreiben können:

All die vielfältigen Teile der Natur sind wunderschön gestaltet, damit sie im Einklang tätig sein können. Wir erkennen die Hand Gottes in den niedrigsten und in unseren Augen oftmals verachtenswerten Geschöpfen; sie weist jedem Lebewesen seine Stellung zu und ordnet es auf so bewundernswerte Weise dem mächtigen Ganzen unter, dass jedes Teilchen der Materie, und jedes lebende Geschöpf, das kreucht, fleucht und sich auf Erden bewegt, im Dienste des allgemeinen Guten gebildet wird. (3)

Wir müssen heute schmunzeln, wenn wir so etwas lesen, doch über Jahrtausende war eben das die Art gewesen, in der man die Natur betrachtet hatte. Spätestens seit Darwins Revolution in der Biologie war das nicht mehr möglich. Hinzu kamen Erkenntnisse in anderen Wissenszweigen wie der Geologie und Astromomie, die den Horizont der Menschen in Raum und Zeit gewaltig erweiterten, und nichts mehr übrigließen von der Vorstellung einer lauschigen Heimstatt, die der Liebe Gott seinen Kinderchen mit soviel rührender Sorgfalt eingerichtet hatte.
Ohne die aus diesen Umwälzungen erwachsene neue Sicht der Welt wäre der Kosmizismus nicht denkbar. Doch handelt es sich bei ihm in erster Linie nicht um die künstlerische Verarbeitung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Scott Connors behauptet zwar, Sterling sei von Ernst Haeckels „scientific materialism“ (4) beeinflusst gewesen, doch bin ich mir nicht sicher, wie verlässlich solche Angaben sind. Jedenfalls fällt es schwer, in seinem Werk konkrete Belege für den Einfluss naturwissenschaftlicher Ideen zu finden. Platon, Keats und Shelley spielen da eine größere Rolle als Darwin, Huxley oder Haeckel. Die einzige Ausnahme bildet die Astronomie, mit der sich der Dichter in jungen Jahren einigermaßen intensiv beschäftigt hatte. Doch auch da ist Vorsicht geboten. Ein Grund für die häufige Verwendung astronomischer Bilder dürfte nämlich in dem Umstand zu suchen sein, dass die Namen der Sterne Sterlings ästhetischem Empfinden entgegenkamen. Man hat beinahe das Gefühl, als habe es ihm ein sinnliches Vergnügen bereitet, Worte wie Aldebaran, Arcturus oder Betelgeuse (=Beteigeuze) auszusprechen. Und sie passen ja tatsächlich ganz ausgezeichnet zur Sprachmagie der Décadence.

Mit was genau also haben wir es bei The Testimony of the Suns zu tun? Das Gedicht beginnt mit einem Blick in den Nachthimmel mit seinen ungezählten Sternen. Dabei wird der irdischen Sicht der Dinge (Time) die kosmische (Eternity) gegenübergestellt: 

Time, to thy sight what peace they [die Sterne] share
On Night's inviolable breast!
Remote in solitudes of rest,
Afar from human change or care.

Eternity, unto thine eyes
In war's unrest their legions surge,
Foam of the cosmic tides that urge
The battle of contending skies,

The war whose waves of onslaught, met
Where night's abysses storm afar,
Break on the high, tremendous bar
Athwart that central ocean set—

From seas whose cyclic ebb and sweep,
Unseen to Life's oblivious hours,
Are ostent of the changeless Pow'rs
That hold dominion of the Deep.

O armies of eternal night,
How flame your guidons on the dark!
Silent we turn from Time to hark
What final Orders sway your might. (5)

Eigentümlicherweise scheint kaum jemandem aufgefallen zu sein, dass dieser "kosmische Krieg" ein äußerst unpassendes Bild für die Vorgänge im Universum ist. Sterne bekämpfen sich nicht! Die Vorstellung ist weniger episch oder tragisch, als vielmehr ein klein Bisschen lächerlich, und lässt die Behauptung, wir hätten es hier mit einer objektiven Sicht der Welt zu tun, zumindest fragwürdig erscheinen. 
Sehr viel mehr Sinn macht das Panorama, wenn wir es als eine unbewusste Übertragung der Verhältnisse in der "dog eats dog" - Gesellschaft des ungezügelten Kapitalismus auf die Natur verstehen. Ein häufig zu beobachtendes Phänomen, wie es sich z.B. auch in den sozialdarwinistischen Anwandlungen Jack Londons zeigte. 
Was keineswegs bedeutet, dass es Sterling in seinem Gedicht nicht tatsächlich um "kosmische" Fragen gegangen wäre. Doch der, der diese Fragen stellte, war das Produkt einer bestimmten sozialen und kulturellen Umwelt. Das lyrische Ich von Testimony of the Suns ist nicht "der Mensch", sondern ein amerikanischer Intellektueller des beginnenden 20. Jahrhunderts. Was sucht er in den Weiten des Universums? Die Antwort ist eindeutig:

Child of unrest, but fain for peace,
Life dreams, in her expectant dark,
Of final things, and waits to hark
Conclusive trumpets crying cease.
  
Ruhe und Frieden, das Ende des ewigen Kampfes, die Gewissheit "ewiger Wahrheiten", danach verlangt es ihn. Und diesen Wunsch kann ihm die Natur nicht erfüllen.

O dream not all the worlds fulfill!
Unblest, unbidden, save of hope.
Not for finality the scope
And strength of that unaltered Will.

The eternal Night hath writ in stars
Denial of the ends ye name;
Ye stand rebuked by suns who claim
The consummation of her wars.

Hier müssen wir nun zwei Dinge klar voneinander unterscheiden: Worin bestehen die realen Wurzeln dieses Wunsches, und welche Gestalt nimmt der Wunsch innerhalb des Gedichtes an?
Eins sollte vorn vornherein klar sein: Worunter das lyrische Ich leidet und wonach es sich sehnt, hat absolut nichts mit der Tatsache zu tun, dass der Mensch im Verhältnis zum Universum ohne jede Bedeutung ist oder dass alles Leben auf Erden eines Tages zu Ende gehen wird. Kein Mensch empfindet in solch kosmischen Dimensionen. Was das Selbstgefühl des Menschen in erster Linie bestimmt ist sein Verhältnis zu anderen seiner Art, nicht zur Unendlichkeit des Weltalls. Die Rastlosigkeit, die Sterling als einen allgemeinmenschlichen Wesenszug darstellt, sollte in einer Reihe gesehen werden mit der Einsamkeit und Melancholie, die uns in so vielen seiner Gedichte begegnen. Der wahre Inhalt des Kosmizismus findet sich in dem Gedicht Mystery:

Men say that sundered by enormous nights
Burn star and nearest star.
That where companioned seem the sister lights
The great abysses are.
So held by Life's unsympathetic dark,
We press to hidden goals.
From gulfs unshared the friending fires we mark,
And we are lonely souls
Your hearts, O friends! beyond their veiling bars
Are hidden deep away.
Your faces gleam familiar as the stars,
And as unknown as they. (6)

Es ist der Wunsch nach wahrer Gemeinschaft und nach einem festen Platz, einer sicheren Orientierung in der Welt, die das lyrische Ich von Testimony of the Suns seine Fragen an das Universum stellen lässt. Doch "die Welt" ist nicht der unendliche Kosmos, sondern die menschliche Gesellschaft. Soziale Entwurzelung und die pessimistische Sicht auf eine gesellschaftliche Entwicklung, die von feindseligen und unüberwindbaren Mächten beherrscht zu werden scheint, machen den eigentlichen Nährboden für Sterlings Gefühl der Verlorenheit und den Kosmizismus aus. Ich habe bereits früher darauf hingewiesen, dass die Bohèmiens dazu tendieren, ihre persönlichen Tragödien zu Weltendramen zu verklären. Eben dies geschieht hier. Sterling macht die eigene Verzweifelung zu einem allgemeingültigen Ausdruck der condicio humana. In einem Brief an Ambrose Bierce vom 3. Juni 1902 schrieb er: „I hope that it will be clear enough to the intellectual reader that my invocation to the stars is only an allegory of man's search of the universe for the secret of life." (7)
Wenn vom "Geheimnis des Lebens" oder auch vom "Sinn des Lebens" die Rede ist, gilt es stets Obacht zu wahren, denn was folgt, wird fast immer ein Stück mehr oder weniger verschleierter Religion sein. „Child of unrest, but fain for peace“ – das erinnert mich irgendwie an den berühmten Ausspruch des heiligen Augustinus: „Et inquietum est cor nostrum, donec requiescat in te“ – „Und unruhig ist unser Herz, bis es ruht in dir“. (8) Und tatsächlich – das Sternenepos ist eigentlich das Gedicht eines frommen Mannes, der nicht mehr an Gott glauben kann. Wie angenehm wäre es doch, wenn der Allmächtige uns an der Hand nehmen und einen Ausweg aus den Wirrnissen dieses Lebens zeigen würde. Oder wenn wir wenigstens im Glauben an ein glückliches Jenseits Trost zu finden vermöchten. 
 
Her [Life’s] fate, how stranger than we deem!
Tho' Faith behold with trusting eyes
A vision on transmuted skies –
The splendors of the human dream;

To live, tho' Pain and Sorrow cease;
To reach the high Eternal Heart;
To know Infinity, nor part;
To find the far Ideal, Peace –

Einige Mitglieder der "Carmel-Crowd" traten denn auch tatsächlich die Flucht in den Glauben an. Von diesen konvertierten eine ganze Reihe zum Katholizismus. Vermutlich weil diese Spielart des Christentums es besonders gut versteht, das ästhetische Empfinden sensibler Menschen anzusprechen – die Alleinseligmachende war schon immer die bevorzugte Kirche der Romantiker. Sie folgten damit den Spuren Charles W. Stoddards, der gegen Ende seines Lebens dem Orden der Franziskaner hatte beitreten wollen.
Sterling konnte diesen Weg nicht einschlagen, trotz seiner katholischen Erziehung. Doch das ersehnte Ideal blieb auch bei ihm ein religiöses. So wie er sich die Schönheit letztlich nur als platonische Idee vorzustellen vermochte, war Glück für ihn nur als ein aller Veränderung enthobener, ewiger Zustand denkbar. Mit anderen Worten – als Teilhabe am Göttlichen.

To hear within the deep of Law
The Word that moves her causal tides;
To know what Permanence abides
Beyond the veil the senses draw.

Er sucht "das Wort", also den Logos, die Weltvernunft, die sich hinter den äußeren Formen verbirgt. Und das ist ja ganz dasselbe "Wort", das im Prolog des Johannesevangeliums angerufen wird.
Nur wen es nach einem summum bonum im Sinne der alten Scholastiker verlangt, nach einem höchsten Gut, das sich durch Ewigkeit und Unveränderlichkeit auszeichnet, wird den permanenten Wandel, der sich in der Natur vollzieht, als Enttäuschung empfinden. Doch dieser Wunsch nach dem Ewigen kommt einer Negierung des Lebens gleich. Er sucht Erfüllung nicht in einer Tätigkeit, sondern in einem Zustand. Ziel und Sinn sind für Sterling Dinge, die von außen an den Menschen herangetragen, nicht von ihm selbst gesetzt und geschaffen werden. Wer so empfindet, dem muss der Anblick des Universums in der Tat grauenhaft erscheinen.

Without beginning, aim or end;
Supreme, incessant, unbegot;
The systems change, but goal is not,
Where the Infinities attend.

Bezeichnenderweise schließt The House of Orchids, das acht Jahre nach The Testimony of the Suns erschien, mit einem poetischen Stück, das den Titel The Forty-Third Chapter of Job trägt: Den Stil der King James - Bibel nachahmend fügt Sterling der großen Rede Gottes, der die Vorwürfe des zu Unrecht geschlagenen Gerechten mit dem Hinweis auf seine Allmacht zurückweist – „Shalt thou question My ways, or have dreams concerning My justice? Am not I the Lord?“ –, einen weiteren Abschnitt hinzu. Einer der Verse wirkt wie eine Erwiederung auf das "Star Poem": „Who art thou that eternity should hold parley with thee, or the pits of the sky be thy fortress?“ An die astronomischen Passagen aus dem 38. Kapitel des biblischen Weisheitsbuches anknüpfend (9) lässt er den HErrn ausrufen: „Who setteth Capella and Adicmar to be gods for a term, and a guide upon the deep to strange peoples;/ Who maketh Altair and Rigel the captains of His host; Who leaneth His spear upon Sirius ere the trumpets call;/ Who holdeth Vega His armor-bearer, and hangeth his buckler upon Aldebaran;/ Who hath convoked their chariots against the lamps of Evil, and their swords against the abyss?"
Die Beziehung zur Gedankenwelt der Testimony of the Suns ist offensichtlich. Und es scheint mir ein Beweis tiefster Resignation zu sein, dass der Dichter sein Buch mit einem "religiösen" Text ausklingen lässt, in dem dem leidenden und Gerechtigkeit einklagenden Menschen von der Gottheit entgegengerufen wird: „Be thou bowed down, nor question the pains that I have set over thee: for each thing have I ordained its shadow./ My thoughts are from eternity; I change not by reason of thy dismay. Thou shalt know Me for the Lord.“ (10)
Derselbe Band enthält Sterlings Verse auf das Grab des Franziskanerpaters Junipero Serra, in denen der Dichter selbst die Hiob-Frage stellt: 
 
Thou Power unseen whose hands implacable
Close in despair what man begins in hope, —
Unto what end, O Fate! unto what end
Dost thou hale forth on quests irradiant
Thy nobler sons? Is duty but a jest.
Seeing its guerdon given? In thy sight
Is Goodness even as Evil? Shall she find
Her wages also death? Wilt thou deride
Our ancient search for justice in thy ways?
With bitter viands evermore appease
Our hunger and our thirst for righteousness?
Dost fashion beauty for a moth's desire,
And sow thee life to garner thee but dust? (11)

Die Bildersprache der kosmischen Gedichte ist eine andere, aber das zugrundeliegende Gefühl ist dasselbe. Im Grunde verhält sich Sterling in Testimony of the Suns genauso wie Hiob, nur dass er seine Klagen nicht Gott, sondern dem Universum vorträgt. Das aber bedeutet, er behandelt die Natur als wäre sie ein göttliches Wesen. Ihre Antwort ist genauso niederschmetternd und genauso unanfechtbar wie die des alten Jahwe.

Sterlings Verhältnis zu Wissenschaft und Religion war ambivalent. So feierte er in den hymenhaften Gedichten, die er anlässlich der Panama-Pacific International Exposition von 1915 verfasste, Technik und Wissenschaft ganz im Sinne der Weltausstellung als Wegbereiter einer glücklicheren Zukunft. Aber das waren nicht mehr als die in altmodische Verse gekleideten Schulbuchweisheiten eines Fabiersozialisten, die der Weltkrieg zu diesem Zeitpunkt eigentlich bereits ad absurdum geführt hatte. Einen etwas anderen und sehr viel ehrlicheren Ton schlägt er in dem 1919 veröffentlichten Sonett To Science an:

And if thou slay Him, shall the ghost not rise?
Yea! if thou conquer Him thine enemy,
His specter from the dark shall visit thee-
Invincible, necessitous and wise,

The tyrant and mirage of human eyes,
Exhaled upon the spirit's darkened sea,
Shares He thy moment of Eternity,
Thy truth confronted ever with His lies.

Thy banners gleam a little, and are furled;
Against thy turrets surge His phantoms tow'rs;
Drugged with His opiates the nations nod,

Refusing still the beauty of thine hours;
And fragile is thy tenure of this world
Still haunted by the monstrous ghost of God. (12)

S. T. Joshi nennt dies ein „superb atheistic sonnet“ (13), aber wenn das Gedicht eins verdeutlicht, so nicht Sterlings Atheismus, sondern die Tatsache, dass er sich offenbar nie ganz von dem "Gespenst Gott" zu befreien vermochte. Die scheinbare Unbesiegbarkeit des HErrn, die er wohl deshalb so heftig beklagte, weil er sie sozusagen am eigenen Leib erfuhr, ist ein schöner Beleg dafür, dass naturwissenschaftliche Argumente allein wenig gegen religiöse Sehnsüchte auszurichten vermögen. Elsie Whitaker Martinez hatte wohl nicht ganz Unrecht, als sie auf das katholische Element in der Persönlichkeit des Dichters hinwies. (14) Vergessen wir nicht, dass Father Tabb sein erster poetischer Mentor gewesen war. Sterlings Verhältnis zur Religion unterschied sich vielleicht gar nicht so sehr von dem, was er einmal über die Verse des dichtenden Paters geschrieben hatte:

So airy sweet the fragile song,
I deemed his visions true,
And roamed Edenic vales along,
Lit by celestial dew.
Illusive gleamed the timeless bow'rs;
The winds and streams were such
As Eve had mourned but ah, the flow'rs!
Too delicate for touch! (15)

Die Vision von Eden hatte die Berührung mit der Realität nicht überstanden. Das heisst aber nicht, dass damit auch die Sehnsucht nach dem Paradies gestorben wäre. Sie lebte fort, sowohl im Kult des Schönen als auch in der gebrochenen Form des Kosmizismus. Mit Sterlings religiösen Empfindungen verhielt es sich ähnlich wie mit seinem Platonismus. Bei dem griechischen Philosophen war die Liebe zum Schönen ("Eros") ja nur die erste Stufe des Aufstiegs zur Idee des Guten gewesen. Für Sterling war dieser Weg nunmehr blockiert. Was blieb war das Gefühl eines nie zu stillenden Verlangens.

Dass The Testimony of the Suns die Gefühlslage vieler Intellektueller ziemlich genau widerspiegelte, zeigt nicht nur die begeisterte Aufnahme, die das Gedicht u.a. bei Bierce, London und Smith fand, sondern auch die Tatsache, dass sich in vielen Werken Herman Scheffauers ein ganz ähnlicher Kosmizismus findet. Mit The Masque of the Elements verfasste dieser 1906 sogar eine eine Art Mysterienspiel über den ewigen Kreislauf des Werdens und Vergehehns im kosmischen Maßstab, und vergleichbare Gedanken finden sich bereits zuvor in einer ganzen Reihe seiner Gedichte, so etwa in Hymn to the Passing Earth:
When the cliff crumbles and the splintered peak
Feels the sharp fracture of the frost and snow;
When the fell deluge and the rivers seek
To drag green continents where oceans flow;
When moons are darkened and the suns lose lustre,
And the worn axles of old Earth turn slow,
While stars in terror round her orbit cluster
To peer upon her fall and overthrow,
And all Creation in an endless flowing,
Is tidal toward her still and secret springs,
Oblivious to his coming and his going,
Must Man be numbered with her mortal things? 
Scheffauers Gedicht endet allerdings auf einer trotzig-optimistischen Note:
Must Man, on Nature's temple threshold hoary,
Groan at the far futility of things ?
O great gray question! still the deeps lie shrouded
With midnights round the word for which we yearn.
What though across the Future's peaks unclouded
Ne'er sign nor answering symbol soar and burn
In light and not in shadow fall our race!
Nor shall the monster staves of Cosmos blight
Man in his mundane majesty of place
Nor halt his march against the evening height. (16)
In dem Versdrama Lilith, einem seiner interessantesten Werke, sollte Sterling eine ähnliche Position beziehen. Aber so weit sind wir noch nicht.

Wir werden es im Folgenden noch öfters mit dem Kosmizismus zu tun bekommen. Darum wollen wir fürs Erste nur festhalten:
  1. Seine Wurzeln liegen nicht primär in den wissenschaftlichen Umwälzungen des 19. Jahrhunderts, vielmehr benutzt er die durch die Zerstörung des teleologischen Naturverständnisses entstandene neue Sicht der Welt zum Ausdruck eines Gefühls der Verlorenheit, das sozial bedingt ist.
  2. Er ist keine objektive Darstellung der Situation des Menschen in einem unendlichen, sinnentleerten und gottlosen Universum, sondern eine Art demoralisierter Religiosität, die die Bedeutung des Lebens zwar immer noch außerhalb der menschlichen Gesellschaft und ihrer Entwicklung, in einer ewigen Weltordnung, sucht, dort aber nicht mehr zu finden vermag. Damit ist er eine geradezu klassische Verkörperung des Nihilismus, wie ihn Nietzsche beschrieben hat.
Schließen wir diesen Abschnitt mit einem längeren Zitat aus Maurice Maeterlincks Ziel der Menschheit. Der Essay des belgischen Symbolisten zeigt uns einerseits, dass der Kosmizismus nicht nur in Amerika ein Grundbestandteil des Fin-de-siècle war, und verdeutlicht andererseits, dass auch ein Dècadent nicht notwendigerweise pessimistische oder misanthrope Schlüsse aus ihm ziehen musste: 

Wohin geht die Menschheit? Dieses Fragen nach Zweck und Ziel ist eine Art von Kleinstädterei und Schwäche unsres Geistes und hat mit der Realität des Weltalls anscheinend nichts gemein. Haben die Dinge ein Ziel? Warum sollten sie eines haben und was heißt überhaupt ein Ziel oder Zweck in einem unendlichen Getriebe? Aber wenn es auch wahrscheinlich ist, daß wir keine andere Bestimmung haben, als eine kurze Spanne Zeit ein bescheidenes Plätzchen einzunehmen, das, wenn wir nicht wären, von Grillen oder Veilchen eingenommen würde, ohne daß die Schönheit des Welthaushaltes darum getrübt würde, ohne daß die Geschicke der Erde um eine Stunde hinausgeschoben oder verkürzt würden, wenn wir auch nur gehen, um zu gehen, ohne irgendwo hinzugehen, so brauchen wir unser Interesse doch nicht auf dem unnützen Weg, den wir machen, zu beschränken. Wir können an vielen Dingen Anteil nehmen, und dies ist auch ganz vernunftgemäß und das Klügste und Höchste, was wir tun können. [...] Die Vernunft in ihrer Erdenferne wird unfruchtbar und lehrt uns nichts als Unbeweglichkeit, wenn sie, nach Erkenntnis der Kleinheit und Nichtigkeit unserer Leidenschaften und Hoffnungen, unseres ganzen Daseins und ihrer selbst, nicht wieder umkehrt und sich von neuem für die Kleinigkeiten und diese ganze Nichtigkeit erwärmt, als wären sie das Einzige, wozu sie auf dieser Welt taugt.

Maeterlinck schließt mit einem hoffnungsvollen Ausblick auf die gesellschaftliche Entwicklung der Menschheit, die nach Überwindung der gegenwärtigen Krise zu einem Reich der Muße führen werde,

wo die Arbeit, dank einer weniger papiernen Gerechtigkeit, dank den Maschinen, dank der landwirtschaftlichen Chemie, dank vielleicht der Medizin oder irgend einer eben auftauchenden Wissenschaft, weniger hart, weniger ununterbrochen, grob, tyrannisch und erbarmungslos sein wird. (17)

Dann wird es die höchste Aufgabe der Menschen sein, ihre so gewonnene Muße in einer würdigen und sie selbst moralisch und kulturell erhebenden Art zu nutzen.


Scissor Bill
 
Maeterlincks Essay zeigt sehr schön, dass der einzige Ausweg aus der kosmischen Verlorenheit in einer Hinwendung zur menschlichen Gesellschaft und im Glauben an die Überwindung der momentan in ihr herrschenden Verhältnisse besteht. Und tatsächlich bewies ja auch George Sterling Konsequenz genug, um im Sturz der bürgerlichen Ordnung die einzige Lösung für das Dilemma zu sehen, unter dem er litt. Doch wie wir gesehen haben, konnte er sich im Innersten nie wirklich mit dieser Perspektive identifizieren, und so eröffnete sie ihm auch keinen Ausweg aus seiner Einsamkeit und Melancholie. Ja, man könnte sogar die Vermutung aufstellen, sie habe seine seelische Zerrissenheit noch verstärkt. Es bleibt zu fragen, ob die Schuld dafür allein bei ihm selbst lag, seinem mangelnden Willen oder seiner psychischen Veranlagung.

Wie ich in einem früheren Kapitel ausgeführt habe, kann eine revolutionäre Arbeiterbewegung dem Bohèmien dabei helfen, seine psychologische Abhängigkeit vom bürgerlichen Milieu zu überwinden, seinem sozialen Niemandsland zu entfliehen und eine neue "Heimat" zu finden. Vorausgesetzt sie ist stark, selbstbewusst und energisch genug, um ihm Vertrauen in ihren letztendlichen Sieg einzuflößen. Ob diese Kriterien in den USA des beginnenden 20. Jahrhunderts erfüllt waren, muss jedoch bezweifelt werden.
Die amerikanische Arbeiterbewegung war zwar sehr militant und brachte eine Reihe herausragender Persönlichkeiten hervor, wie Eugene Debs, "Mother" Jones, "Big Bill" Haywood, "Rebel Girl" Elizabeth Gurley Flynn und Vincent "The Saint" St. John, doch die Sozialistische Partei wurde dem kaum gerecht. James P. Cannon – Wobblie, Kommunist der ersten Stunde und später Gründer und langjähriger Führer des amerikanischen Trotzkismus – hat sie im Rückblick einmal so charakterisiert:

All hues of the political rainbow, from dogmatic ultra-radicalism to Christian Socialism, showed up in the party from the start. The mixed assemblage was held together in uneasy unity by a loose organizational structure that left all hands free from any real central control. [...] To complete the picture of a socialist variety store, each party speaker, writer, editor and organizer, and – in actual practice – each individual, promoted his own kind of socialism in his own way; and the general unification, giving rise to the feeling of greater strength, stimulated all of them to greater effort. [...] The socialist movement, such as it was, was new in this country. In its experiences, as well as in its thinking, it lagged far behind the European movement. The different groups and tendencies espousing socialism had yet to test out the possibility of working out a common policy by working together in a single organization. The new Socialist Party provided an arena for the experiment. (18)

Die Heterogenität der Partei machte es leicht, sich "der Bewegung" zugehörig zu fühlen. Zugleich jedoch war es ihr unter diesen Umständen unmöglich, den Intellektuellen eine klare Perspektive zu präsentieren, die ihnen einen festen Halt hätte bieten können. Der herausfordernde Optimismus eines Jack London, wie er sich z.B. in seinem Essay Revolution zeigt, war zu einem Gutteil nur möglich, weil der Schriftsteller eine völlig unkritische Einstellung zur Arbeiterbewegung pflegte. So nannte er den glühenden Revolutionär Debs und den rechten Gewerkschaftsboss Gompers in einem Atemzug "Führer des Proletariats"! Kein Wunder, dass sich Londons Siegesgewissheit wenige Jahre später in Enttäuschung und Verbitterung verwandelte.
Die Sozialistische Partei wurde dominiert von Vertretern der Mittelschicht, Ärzten, Rechtsanwälten, Lehrern, Universitätsdozenten, Ingenieuren und überraschend vielen Pastoren, deren Bekehrung zum Sozialismus nicht unbedingt bedeutete, dass sie damit auch die Lebensweise und die Vorurteile ihrer Klasse abgeschüttelt hätten. Leo Trotzki, der 1917 im New Yorker Exil einige Erfahrungen mit diesen Führern sammeln konnte, sprach spöttisch von einem "Sozialismus der Babbitts". (19) Edwin Markhams Gedichte mit ihrer Mischung aus sentimentaler Menschheitsliebe, religiöser Phraseologie und verschwommenem Utopismus geben ein recht gutes Bild davon ab, wie man in diesen Kreisen dachte und empfand.
Noch schlechter stand es um die Gewerkschaftsbürokratie, denn dort verband sich borniertes Denken oft genug mit ungebremstem Karrierismus. Das galt für Samuel Gompers, den nationalen Vorsitzenden des AFL ("American Federation of Labor") ebenso wie für Patrick MacCarthy, den berüchtigten Gewerkschaftsboss von San Francisco. Die Stadtverwaltung der Union Labor Party war sogar nach den Maßstäben ihrer Zeit außergewöhnlich korrupt.
Ideologische Schwäche und Rückständigkeit der kalifornischen Arbeiterbewegung zeigten sich vielleicht am deutlichsten in ihrem antiasiatischen Rassismus. So wie Denis Kearneys Workingmen’s Party in den 1870ern der Champion der Anti-Coolie-Bewegung gewesen war, organisierte und finanzierte MacCarthys BTC ("Building Trades Council") nun die antijapanische Agitation. Obwohl sie sich offiziell zum Internationalismus bekannte, hielt sich die Sozialistische Partei zurück mit Kritik am Rassismus der Gewerkschaften. Sozialist Cameron King erklärte sogar ganz offen: „Our feelings of brotherhood toward the Japanese must wait until we have no longer reason to look upon them as an inflowing horde of alien scabs.“ (20) Der christliche Sozialist Jackson Stitt Wilson – von 1911 bis 1913 Bürgermeister von Berkeley – gehörte auf dem nationalen Parteitag von 1912 zu den lautstärksten Befürwortern restriktiver Einwanderungsbestimmungen. Wie in solchen Fällen üblich, mischte sich der Vorwurf des Lohndumping mit dem Glauben an die rassische und kulturelle Überlegenheit der Weißen, genauer gesagt der "Angelsachsen".
Die sozialistischen Zirkel, die Katayama Sen – einer der Pioniere der japanischen Arbeiterbewegung – unter den Issei von San Francisco gegründet hatte, änderten an dieser Einstellung wenig. Einige ihrer Mitglieder spielten möglicherweise eine Rolle bei der Gründung der kurzlebigen "Japanese-Mexican Labor Association" (JMLA), die im Jahre 1903 mehr als 1.200 mexikanische und japanische Landarbeiter im südkalifornischen Oxnard in einen erfolgreichen Streik führte. Die Reaktion der weißen AFL auf dieses großartige Beispiel für Klassensolidarität war ebenso erbärmlich wie symptomatisch. Sie war nur bereit, die JMLA in ihre Organisation aufzunehmen, wenn diese die Japaner aus ihren Reihen verbannte. Der mexikanische Arbeiterführer J. M. Lizarras reagierte mit wohlverdienter Verachtung auf Gompers unverschämte Forderung:

[O]ur Japanese brothers here were the first to recognize the importance of cooperating and uniting in demanding a fair wage scale. . . . They were not only just with us, but they were generous when one of our men was murdered by hired assassins of the oppressor of labor, they gave expression to their sympathy in a very substantial form. In the past we have counseled, fought and lived on very short rations with our Japanese brothers, and toiled with them in the fields, and they have been uniformly kind and considerate. We would be false to them and to ourselves and to the cause of unionism if we now accepted privileges for ourselves which are not accorded to them. We are going to stand by men who stood by us in the long, hard fight which ended in a victory over the enemy. (21)

Leider sahen die meisten weißen Gewerkschaftler die Sache nicht so wie Lizarras. Einzig die Wobblies führten einen kompromisslosen Kampf gegen jede Art von Diskriminierung. Sie vereinigten Weiße und Farbige, Amerikaner und Immigranten, Männer und Frauen, Ungelernte und Facharbeiter in ihrer "One Big Union". Einige von ihnen schlossen sich 1911 in Baja California der Revolutionsarmee des Anarchisten Ricardo Florez Magón an und kämpften Seite an Seite mit mexikanischen Peones und Cocopah Indianern gegen "El Caudillo" Porfirio Diaz und die Großgrundbesitzer.
Doch die Wobblies waren die Ausnahme. Es gab immer noch mehr als genug "Scissor Bills", von denen Joe Hill gesungen hatte:

You may ramble ‘round the country anywhere you will,
You’ll always run across the same old Scissor Bill.
He’s found upon the desert, he is on the hill,
He's found in every mining camp and lumber mill.
He looks just like a human, he can eat and walk,
But you will find he isn’t, when he starts to talk.
He’ll say, „This is my country“, with an honest face,
While all the cops they chase him out of every place.
Scissor Bill, he is a little dippy,
Scissor Bill, he has a funny face.
Scissor Bill should drown in Mississippi,
He is the missing link that Darwin tried to trace.

And Scissor Bill, he couldn’t live without the booze,
He sits around all day and spits tobacco juice.
He takes a deck of cards and tries to beat the Chink!
Yes, Bill would be a smart guy, if he only could think.
And Scissor Bill he says: „This country must be freed
From Niggers, Japs and Dutchmen and the gol durn Swede.“
He says that every cop would be a native son
If it wasn’t for the Irishman, the sonna fur gun.
Scissor Bill the „foreigners“ is cussin’;
Scissor Bill, he says: „I hate a Coon“;
Scissor Bill is down on everybody
The Hottentots, the Bushmen and the man in the moon.
 
Das rassistische Element in vielen Werken Jack Londons, sein dummes Geschwätz über die "gelbe Gefahr" und seine Begeisterung für die übelsten Seiten von Rudyard Kipling als dem Sänger des "White Man’s Burden" sind also weniger befremdlich, als man auf den ersten Blick annehmen möchte.
Sterling teilte mit seinem Freund den Glauben an die Überlegenheit der Angelsachsen als einer Art Eroberer- und Herrenrasse. In The Princess on the Headland kleidete er diese Überzeugung in Bilder einer düster-blutigen Romantik: Die Erbin eines Keltenkönigs verweigert sich den Männern ihres Volkes und wartet auf den Krieger, der über das Meer kommen und sie erobern wird.

At the thought of a Gaelic man
My heart is sister of ice.
T’is another for whom I wait,
Tho I have not kissed his sword :
He or none is my lord,
Tho our night be soon or late.

Dass es sich bei dem Herbeigesehnten um den angelsächsischen Eroberer handelt, ist klar, auch wenn dies nicht ausdrücklich gesagt wird. Er wird Tod und Vernichtung bringen, doch gleichzeitig eine neue Ära einleiten:

Sorrow I know he brings,
Battle, despair and change, —
Beauty cruel and strange,
And the shed bright blood of kings.

Und so träumt die Prinzessin von der lustvollen Unterwerfung unter den künftigen Bezwinger ihres Volkes:

Breast, be white for his sake!
Mouth, be red for the kiss!
Soul, be strong for your bliss!
Heart, be ready to break! (22)
  
Das Gedicht weckt unangenehme Assoziationen zu dem nur allzu bekannten Ariermythos, wobei das sexuelle Motiv dem ganzen noch zusätzlich eine besonders abstoßende Note verleiht. Ähnliche Phantasien von blonden und brutalen Eroberern und Herrenmenschen finden sich auch bei Jack London.

Einer der sympathischsten Züge Joaquin Millers war es, dass er sich diesem Rassenblödsinn strikt verweigerte und stattdessen in "The Hights" eine kleine Kolonie chinesischer und japanischer Künstler um sich scharte, zu denen u.a. der bekannte Dichter Yone Noguchi gehörte. Wie Elsie Whitaker Martinez erzählt: „At that time his ambition was to overthrow Kipling’s ‘East and West, never the twain shall meet’. Well, he was going to correct that. He succeeded in arranging several marriages between Americans and Japanese.“ (23) In dieser Hinsicht zeigte sich die junge Generation leider wenig bereit, von dem ergrauten "Byron der Sierras" zu lernen.
Selbst der alte Zyniker Ambrose Bierce erwies sich in seiner Einstellung zu "fremden Rassen" als sehr viel humaner und aufgeklärter denn so mancher Radikale. Während wir in Londons Valley of the Moon alle paar Seiten auf verächtliche Ausfälle gegen Chinesen, Japaner, Portugiesen, Mazedonier und sonstige "Ausländer" stoßen, verspottete Bierce in The Haunted Valley den amerikanischen Rassismus in Gestalt des bigotten Saloonbesitzers Dunfer, für den die Chinesen „a flight of devouring locusts“ sind und dessen christliche Moral so aussieht: „I saw him once in a towering rage because one of his herdsmen had permitted a travel-heated Asian to slake his thirst at the horse-trough in front of the saloon end of Jo's establishment. I ventured faintly to remonstrate with Jo for his unchristian spirit, but he merely explained that there was nothing about Chinamen in the New Testament, and strode away to wreak his displeasure upon his dog, which also, I suppose, the inspired scribes had over-looked.“ (24) Und hätte Bierce die rassistischen Linken treffsicherer verhöhnen können, als indem er in The Ashes of the Beacon San Francisco das Chaos der Revolution deshalb am besten überstehen lässt, weil „[it] was valorously and successfully defended by the Chinese“? (25)

Doch der Rassismus, von dem in Sterlings Werk ansonsten glücklicherweise wenig zu spüren ist, interessiert uns hier lediglich als Symptom. Dass sein Sozialismus nicht zur Überwindung seiner bigotten Vorurteile führte, ist bloß ein besonders deutliches Anzeichen für dessen innere Schwäche. Die endgültige Bestätigung dessen war Sterlings moralisch-politischer Kollaps während des Ersten Weltkriegs, auf den wir in einem späteren Kapitel eingehen werden. Den revolutionären Wobblies stand der Dichter des Wine of Wizardry so fern, wie seine kunstvoll-dekadenten Verse den ebenso schlichten wie intelligenten und witzigen Songs Joe Hills. Die Sozialistische Partei aber strahlte trotz der persönlichen Integrität von Leuten wie Eugene V. Debs nicht genügend moralische Kraft aus, um ihn aus seiner melancholischen Verlorenheit zu reißen. Und so wurde er letztenendes immer wieder auf sich selbst zurückgeworfen. Dort aber konnte er keinen Frieden finden:

The stranger in my gates – lo! that am I,
And what my land of birth I do not know,
Nor yet the hidden land to which I go.
One may be lord of many ere he die,
And tell of many sorrows in one sigh,
But know himself he shall not, nor his woe,
Nor to what sea the tears of wisdom flow;
Nor why one star is taken from the sky.
An urging is upon him evermore,
And though he bide, his soul is wanderer,
Scanning the shadows with a sense of haste
Where fade the tracks of all who went before –
A dim and solitary traveller
On ways that end in evening and the waste. (26)

Schon die Übersiedelung nach Carmel 1905 war letztenendes nichts anderes als eine Flucht vor der sozialen Wirklichkeit gewesen – ein Akt des Defätismus. Im selben Jahr, in dem Sterling sich in sein Feenreich auf der Halbinsel Monterey zurückgezogen hatte, war Jack London kreuz und quer durch die Vereinigten Staaten gereist und hatte Vorträge über die Russische Revolution gehalten ...

Fortsetzung folgt


(1) Nebenbei bemerkt mutet es schon etwas unheimlich an, dass London seinen besten Freund in Gestalt Brissendens einen ziemlich erbärmlichen Tod sterben lässt.
(2) Jack London: Martin Eden. S. 304f.
(3) Mary Roberts: The Conchologist’s Companion. Zit. nach: Stephen Jay Gould: Die unsichtbare Frau. In: Ders.: Ein Dinosaurier im Heuhaufen. Streifzüge durch die Naturgeschichte. S. 252.
(5) George Sterling: The Testimony of the Suns. In: Ders.: The Testimony of the Suns and Other Poems. S. 43-84.
(6) George Sterling: Mystery. In: Ders.: The Testimony of the Suns and Other Poems. S. 114.
(7) Zit. nach: S.T. Joshi: Introduction to "The Thirst of Satan".
(8) Aurelius Augustinus: Confessiones. I, 1. Zit. nach: Kurt Flasch: Augustin. Einführung in sein Denken. S. 257.
(9) Canst thou bind the sweet influences of Pleiades, or loose the bands of Orion?/ Canst thou bring forth Maz-zaroth in his season? Or canst thou guide Arcturus with his sons?“ (Job 38, 31f.)
(10) George Sterling: The Forty-Third Chapter of Job. In: Ders.: The House of Orchids and Other Poems. S. 135; 136; 140; 139f.
(11) George Sterling: At the Grave of Serra. In: Ders.: The House of Orchids and Other Poems. S. 111f.
(12) George Sterling: To Science.
(13) S.T. Joshi: Introduction to "The Thirst of Satan".
(14) Vgl.: Elsie Whitaker Martinez: San Francisco Bay Area Writers and Artists. S. 167f.
(15) George Sterling: On Reading the Poems of Father Tabb. In: Ders.: The Testimony of the Suns and Other Poems. S. 121.
(16) Herman Scheffauer: Hymn to the Passing Earth. In: Ders.: Looms of Life. S. 74ff.
(17) Maurice Maeterlinck: Die Zukunft der Menschheit. In: Wolfgang Asholt & Walther Fähnders (Hg.): Fin de siècle. S. 199f.
(18) James P. Cannon: E.V. Debs.
(19) Vgl.: Leo Trotzki: Mein Leben. Versuch einer Autobiographie. S. 248f.
(20) Zit. nach: Michael Kazin: Reform, Utopia, and Racism. The Politics of California Craftsmen. In: Daniel Cornford (Hg.): Working People of California. S. 331.
(21) Zit. nach: Tomás Almaguer: Racial Domination and Class Conflict in Capitalist Agriculture. The Oxnard Sugar Beet Workers’ Strike of 1903. In: Daniel Cornford (Hg.): Working People of California. S. 200.
(22) George Sterling: The Princess on the Headland. In: Ders.: Sails and Mirage and Other Poems. S. 95f.
(23) Elsie Whitaker Martinez: San Francisco Bay Area Writers and Artists. S. 182.
(24) Ambrose Bierce: The Haunted Valley. In: Ders.: Can Such Things Be. S. 102f.
(25) Ambrose Bierce: The Ashes of the Beacon. In: The Collected Works. Bd. 1. S. 33.
(26) George Sterling: „Omnia Exeunt In Mysterium“. In: Ders.: Beyond the Breakers and Other Poems. S. 93.