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Montag, 12. März 2012

Revolution der Affen?


'Anubis' hat kürzlich auf Lake Hermanstadt eine kurze Besprechung des letztjährigen Rise of the Planet of the Apes veröffentlicht. Das in positivem Sinne überraschende an diesem Film sei, "dass er tatsächlich von einer Revolution handelt", die nicht wie heute üblich als eine blutige, irrationale Racheorgie dargestellt werde, sondern als ein durchdachter, mutiger und disziplinierter Massenaufstand, an dessen Ende "Caesar und seine Genossen nichts zu bereuen haben."
Ich bin darüber nicht weniger erfreut als 'Anubis', frage mich aber, ob für eine Auseinandersetzung mit dem Thema Revolution eine Neuauflage der alten Affensaga die glücklichste Wahl war.
Trotz einer nostalgischen Schwäche für die Originalserie (mit Ausnahme des fünften Teils Battle for the Planet of the Apes natürlich), bin ich der Meinung, dass das alles in allem keine besonders guten Filme waren. Die politische Allegorie war denkbar plump, und der misanthrope Grundton insbesondere in den ersten beiden Filmen sehr stark. Das Verhältnis zwischen Affen und Menschen ließ sich als kaum verhüllter Kommentar zu Rassismus und Rassenunterdrückung lesen. Als Conquest of the Planet of the Apes -- die 'Vorlage' für den aktuellen Film -- 1972 in die Kinos kam, lagen die großen Ghettoaufstände in den USA erst wenige Jahre zurück, und es war naheliegend, die Geschichte vor ihrem Hintergrund zu sehen, mit Caesar als einer Art erfolgreichem Malcolm X. Was auch immer man sonst über den Film denken mag, dies verlieh ihm zumindest eine Verankerung in der gesellschaftlichen Realität seiner Zeit.
Wie ist es in dieser Hinsicht um Rise of the Planet of the Apes bestellt? Man kann Caesars Aufstand als eine Revolution interpretieren, aber ihr Inhalt bleibt dann sehr verschwommen, trotz der deutlichen Gefängnisassoziationen in den 'Tierheim'-Passagen. In Conquest waren die Affen Diener der Menschen, die die Arbeiten von Haussklaven, Straßenkehrern, Gepäckträgern usw. zu verrichten hatten. Mit viel gutem Willen ließ sich ihr Aufstand deshalb als Metapher für eine soziale Revolte verstehen. Gleiches gilt nicht für Rise. In einigen Besprechungen des Filmes ist Caesar als ein Spartakus der Affen beschrieben worden, aber er und seine Artgenossen sind eigentlich keine Sklaven. Sie sind die Opfer medizinischer Experimente und unmotivierter menschlicher Grausamkeit. Das legt eine Interpretation der Geschichte im Geiste wohlfeiler Misanthropie nahe. Tatsächlich springen uns in den Rezensionen allenthalben Begriffe wie "menschliche Hybris" und "Virus des Menschen" entgegen. Am deutlichsten wurde Doris Kuhn in der Süddeutschen: "'Prevolution' ist durchaus didaktisch gemeint. Der Film will eine Botschaft anbringen, die zwar durch Tricks und Action etwas codiert wird, aber keinen womöglich ironischen Schlenker duldet: Der Mensch hat seinen Untergang verdient. Das sieht man hier an seiner Gier nach Geld und Ruhm, an seiner Konzentration auf den eigenen Vorteil, vor allem aber sieht man es daran, wie er andere Primaten behandelt."
In einer wirklich gelungenen filmischen Behandlung des Themas Revolution würden diese Leute kein Futter für ihren selbstzufriedenen Zynismus finden. So erfreulich ich es auch finde, wenn wir im Kino endlich einmal wieder einen positiv gezeichneten Massenaufstand zu sehen bekommen, denke ich doch, dass mit einem Film, der solche Kommentare möglich macht, etwas nicht stimmen kann. Rise of the Planet of the Apes fehlt vor allem der Bezug zu den Aspekten der heutigen Realität, aus denen ein revolutionärer Konflikt tatsächlich entspringen könnte. Ein paar karrikaturenhafte gierige Geschäftsleute reichen da nicht aus.

2 Kommentare:

  1. Wenn ich darauf noch einmal zurückkommen darf (ich habe ja vor Monaten angekündigt, dass ich irgendwann auf diesen Post antworten würde, und mache die Ankündigung jetzt viel zu spät wahr):

    Ich habe den Film natürlich sehr wohlwollend interpretiert. Damit will ich sagen, dass ich durchaus finde, man kann in ihm auch eine ganz andere Aussage als Hauptlinie sehen (die ich ähnlich beurteile wie du): Die Menschen sind hochmütig und schlecht; das sieht man daran, dass sie Tiere quälen; irgendwann werden die geschundenen Kreaturen es uns verdientermaßen heimzahlen. Und diese Geschichte lässt sich natürlich auch noch wunderbar personalisieren, indem man die Figur eines bösen Konzernchefs als Antagonisten wählt.

    Ich glaube aber, man kann eben auch die Linie in dem Film sehen, die ich in meiner Rezension so hervorgehoben habe, als ich schrieb: »Caesar erkennt einfach, dass es für ihn aufgrund seiner gesteigerten Intelligenz unerträglich wäre, von den Menschen weiter wie ein Tier behandelt zu werden. Er weiß durchaus, dass Rodman es gut mit ihm meint, aber er glaubt einfach nicht mehr daran, dass der Mensch ihm wirklich helfen kann – die Affen müssen sich selber helfen.«

    Caesars Problem ist nicht, dass er mies behandelt worden wäre und deshalb einen unversöhnlichen Hass auf alles Menschliche hegt. So lange er bei Rodman lebt, geht es ihm ja vergleichsweise gut. Sein Problem ist eher, dass er sich bewusst geworden ist, kein Haustier mehr sein zu können, und seine Lösung ist, die Verhältnisse so auf die Spitze zu treiben, dass seine Artgenoss_innen auch nicht mehr als Haustiere leben können. Aus einem solchen Erkenntnisprozess nicht einen moralischen Appell zu machen, sondern ihn als Ausgangspunkt für eine Veränderung der gesellschaftlichen Verhältnisse zu sehen, das finde ich eine fast schon kommunistische Aussage.

    Es kommt natürlich darauf an, ob man die Affenrevolte als ein Aufbegehren gegen menschliche Grausamkeit sieht oder als ein kollektives Handeln gemäß der Einsicht, dass die Verhältnisse auch anders, und zwar besser und freier, sein können. Wenig überraschend schlossen die meisten Deutungen des Films sich eher der ersten Linie an, die sicherlich auch offensichtlicher ist (und womöglich, ich weiß es nicht, von den Macher_innen des Films gewollt). Die entsprechenden Zitate hast du ja gebracht. Aber allein, dass Rise die Möglichkeit einer anderen, revolutionären Deutung zulässt (und das tut er meiner Ansicht nach), finde ich bemerkenswert.

    Ich stimme aber darin zu, dass dem Film »der Bezug zu den Aspekten der heutigen Realität, aus denen ein revolutionärer Konflikt tatsächlich entspringen könnte« fehlt. Aber das Empörende an den gegenwärtigen Verhältnissen ist halt nicht nur, dass es zahlreichen Menschen schlecht geht, sondern eben auch, dass ständig suggeriert wird, es ginge überhaupt nicht besser. In so einer Situation ist schwerlich zu erwarten, dass ein Hollywoodfilm die Frage nach revolutionären Bruchlinien in der heutigen Realität stellt.

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    1. Hallo, Anubis

      Du darfst,Du darfst ...
      "Aber das Empörende an den gegenwärtigen Verhältnissen ist halt nicht nur, dass es zahlreichen Menschen schlecht geht, sondern eben auch, dass ständig suggeriert wird, es ginge überhaupt nicht besser."
      Da stimme ich Dir voll und ganz zu, und so gesehen besitzt 'Rise of the Planets of the Apes' vielleicht tatsächlich mehr Potential, als ich ihm zugestanden habe. Auch sollte ich hinzufügen, dass ich den Film ja auch für einen der besseren phantastischen Blockbuster der letzten Jahre halte. Was nicht bedeutet, dass ich meine kritischen Anmerkungen zurücknehme.

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