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Samstag, 23. November 2019

Strandgut

Montag, 11. November 2019

Willkommen an Bord der "Liberator" – S03/E05: "The Harvest of Kairos"

Ein Blake's 7 - Rewatch

Es gibt einen einfachen Grund dafür, warum es mal wieder eine recht lange Unterbrechung in unserer Reise durch die phantastischen Welten von Blake's 7 gegeben hat. Ich hatte nämlich ehrlich gesagt nur sehr wenig Lust, mir diese Episode wieder einmal anzuschauen. Und dass, obwohl sie eine unglaublich putzige Riesenspinnen-Puppe und das Modell einer Mondlandefähre enthält. Daneben aber leider auch eine ziemlich deftige Dosis sexistischer Klischees.
Dies war Ben Steeds erstes Drehbuch für Blake's 7. Er würde noch zwei weitere zu der Serie beisteuern.  Und wenn man sie nebeneinander legt, bekommt das Gefühl, dass der Autor irgendwelche ziemlich wirren und unangenehme Ideen über Geschlechterbeziehungen gehabt haben muss.

Die Episode beginnt mit einer erneuten Konfrontation zwischen der Liberator und einem Jagdgeschwader der Föderation im Orbit eines fremden Planeten. Wie das Schiff unserer Heldinnen & Helden hierher gelangt ist, und warum sich Avon auf die Suche nach einem bizarren Felsbrocken gemacht hat, der in Wirlichkeit eine höchst komplexe Lebensform sein soll, bleibt unklar. Auf jedenfall gelingt es Terrant, die gegnerischen Jäger auszumanövrieren, und Servalan, die das Geschehen von ihrem Hauptquartier aus beobachtet, eine weitere Schlappe beizubringen.

Es macht durchaus Sinn, dass Terrant in einer solchen Situation das Kommando auf der Liberator führt und sich dabei als strategisch versiert erweist. Schließlich war er selbst einmal ein Offizier in der terranischen Flotte. In Sachen Weltraumkämpfe dürfte er der Experte in der Gang sein, zumal Piloten-Ass Jenna nicht länger mit von der Partie ist.
Weniger einleuchtend ist, warum Terrants Name dem Kommandostab der Föderation bekannt ist und Servalan in ihm ihren eigentlichen Widersacher sieht. Mit Blakes Name hätte der entsprechende Dialog vielleicht funktioniert, doch der Ex-Offzier hatte schlicht nicht genug Zeit, um sich einen derartigen Ruf zu erwerben.
Mit  dem bisherigen Verlauf der Staffel gut vereinbar ist hingegen, dass Servalans Position nach wie vor nicht hundertprozentig gefestigt ist und sich sogar einfache Soldaten und Arbeiter "below decks" erlauben, ihre Handlungen zu kritisieren. Wortführer dieses "unverschämten Pöbels" ist Jarvik, ehemals selbst Offizier, nun einfacher "construction worker".

Nach ihrer gelungenen Flucht macht sich unsere Gang nach Kairos auf, einem Planeten mit höchst  wertvollen Edelsteinvorkommen, die an jeder "vernal equinox" (Frühlings-Tag-Nacht-Gleiche) von der Föderation "geerntet" werden, bevor das Überleben von Menschen auf der Oberfläche erneut für fünfzehn Erdenjahre aus  mysteriösen Gründen unmöglich zu sein scheint.
Terrant hat sich zumindest für den Moment offenbar mit seinen Plänen durchsetzen können, die Liberator in ein Piratenschiff zu verwandeln. Als sein enthusiastischster Anhänger erscheint dabei Vila. Persönlich mag der Dieb zwar nicht viel für den autoritären und draufgängerischen Ex-Offizier übrig haben, doch die Aussicht auf schier unermesslichen Reichtum wirkt auf ihn ausgesprochen verführerisch. Sehr viel wichtiger für Terrants auf einmal so dominante Stellung dürfte es jedoch sein, dass Avons ganze Konzentration für den Moment dem komischen "intelligenten Felsbrocken" gehört. Die Kaperfahrt nach Kairos interessiert unseren Zyniker nur wenig. Wir dürfen deshalb auch davon ausgehen, dass Terrant nicht auf Dauer das große Wort auf der Brücke der Liberator wird schwingen können. Sobald er nicht länger von anderen Dingen abgelenkt wird, dürfte Avon kaum bereit sein, seinen Kontrahenten widerspruchslos den Captain spielen zu lassen. 

Derweil hat Servalan sich dazu entschlossen, den respektlosen und prahlerischen Jarvik beim Wort zu nehmen. Wenn er glaubt, die Liberator mit drei Raumjägern bezwingen zu können, möge er das doch bitte über Kairos unter Beweis stellen.
  
Jarvik (Andrew Burt) hätte das Potential dazu gehabt, eine wirklich interessante Figur zu sein. Wir erfahren nie den genauen Grund für seine Degradierung.  Er selbst erklärt dazu bloß: "Because I'm a human being." Seine völlige Respektlosigkeit gegenüber Servalan hat nur bedingt etwas mit ihr als Person zu tun. In erster Linie ist sie für ihn die Repräsentantin eines Systems, das Menschen zu gefügigen Maschinen macht und Leidenschaft durch kalte Berechnung und blinden Gehorsam ersetzt. Dieses System ist es, das er verachtet, nicht so sehr Servalan selbst:
But when was the last time you felt the warmth of the Earth's sun on your naked back? Or lifted your face to the heavens, and laughed with the joy of being alive? How long since you wept at the death of a friend? Doesn't mean a thing to you, does it, Madam President? You've surrounded yourself with machines and weapons, mindless men and heartless mutoids; and when they've done your work, and the machines have done your thinking, what is there left in you that feels?! 
Wie sich zeigt, war er bei seinen Männern ein beliebter Vorgesetzter. Was sicher auch damit zu tun hatte, dass er nicht bereit ist, bedenkenlos die Leben seiner Untergebenen zu opfern. "I have this primitive respect for life."
Es mag verwirrend erscheinen, dass er dennoch bereit ist, seine Dienste Servalan anzubieten. Aber für ihn ist die Eroberung der Liberator vor allem eine persönliche Herausforderung. Mehr noch, ein Duell mit einem Mann, den er respektiert. Denn Terrant diente einmal unter seinem Kommando.
Spätestens an diesem Punkt kommt dann allerdings auch eine Facette seines Charakters zum Vorschein, die ganz und gar nicht geeignet ist, Sympathien zu wecken.
In Abgrenzung zur sterilen, seelenlosen Ordnung der Föderation geriert Jarvik sich nämlich als Vertreter einer "natürlichen Primitivität", und das bedeutet in erster Linie einer primtiven "Männlichkeit". Er ist der Typ, der Frauen nicht mit ihrem Namen, sondern bloß mit "woman" anspricht. Sein "Wettstreit" mit Tarrant muss deshalb  auch stilgerecht in einem Kampf "Mann gegen Mann" enden, während er in Dayna keinen ernstzunehmenden Kontrahenten zu sehen vermag.
Dementsprechend ist natürlich auch seine herablassende Haltung gegenüber Servalan gepaart mit einer gewalttätigen sexuellen Aggressivität, die letztlich darauf  abzielt, die hochmütige Diktatorin in ein gefügiges Weibchen zu verwandeln. Und wie das Klischee es verlangt, findet die Oberste Befehlshaberin eine solche Behandlung zwar demütigend, aber irgendwie auch verdammt erregend.

Noch Fragen, warum ich nicht unbedingt wild darauf war, mir diese Episode erneut reinzuziehen?
Womit ich nicht gesagt haben will, dass Ben Steed den chauvinistischen Machismo Jervaks kritiklos darstellen würde. Der Kerl soll sicher nicht unserer Sympathieträger sein. Aber eben auch kein ausgemachter Bösewicht. Was zuerst einmal ja durchaus positiv einzuschätzen ist. Ambivalente Charaktere sind immer interessanter als eindimensionale Karrikaturen. Aber wie schon gesagt scheinen mir hinter der Figur einige höchst verworrene Ideen zu stehen, und auf dem Bildschirm nimmt sich das alles einfach ziemlich unangenehm aus.

Samstag, 9. November 2019

Strandgut

Montag, 4. November 2019

Let Me Tell You Of The Days Of High Adventure (8)

Robert Blochs "The Dark Isle"

Als ich vor gut zwei Wochen auf dem BuCon in Dreieich das Vergnügen eines kleinen Plausches mit Gerd Rottenecker hatte, meinte dieser, ich sollte mir doch unbedingt einmal seinen letzten Beitrag auf dem Blog der Bibliotheka Phantastika durchlesen. Er enthalte ein Detail, das mich ganz sicher interessieren würde und vielleicht Anlass für einen weiteren Eintrag in "Let Me Tell You Of The Days Of High Adventure" geben könnte. Was, wie man hier sieht, dann auch der Fall gewesen ist. Noch einmal vielen Dank für diesen Hinweis!
Im weiteren Verlauf unseres Gesprächs ließ der gute Gerd die Katze dann schon vorzeitig aus dem Sack: Er war vor einiger Zeit eher zufällig auf eine Sword & Sorcery - Geschichte gestoßen, die von niemand anderem geschrieben worden war, als von Robert Bloch!
In der Tat eine erstaunliche Entdeckung, vor allem wenn man dabei an den berüchtigten Leserbrief Blochs denkt, der in der Novemberausgabe 1934 von Weird Tales abgedruckt wurde:
I am awfully tired of poor old Conan the Cluck, who for the past fifteen issues has every month slain a new wizard, tackled a new monster, come to a violent sudden end that was averted (incredibly enough!) in just the nick of time, and won a new girlfriend, each of whose penchant for nudism won her a place of honor, either on the cover or on the inner illustration. Such has been Conan’s history, and from the realms of the Kushites to the lands of Aquilonia, from the shores of the Shemites to the palaces of Dyme-Novell-Bolonia, I cry: “Enough of this brute and his iron-thewed sword-thrusts may he be sent to Valhalla to cut out paper dolls.” I would like to see the above tirade in printI feel sure that many of your other readers would support meat least there is good material there for an argument. (1) 
Blochs Abneigung gegen die Figur Conan war nicht neu. Schon im April 1934 finden wir einen Eintrag in The Eyrie, in dem er ihn "the Cimmerian Chipmunk" nennt. Doch eine derart wortreiche Attacke war natürlich eine bewusste Provokation, die er einen Monat später mit der kurzen Bemerkung: "Conan vile, C.L. Moore splendid" noch einmal unterstrich. {Im Oktober war Moores erste Jirel-Story Black God's Kiss erschienen.}
Man kann sich gut vorstellen, dass die Fangemeinde des Cimmeriers nicht eben freundlich auf diese harsche Behandlung ihres Helden reagierte. Und es ist gut möglich, dass Herausgeber Farnsworth Wright auf eine ebensolche Reaktion spekuliert hatte, als er Blochs Brief veröffentlichte. Eine hübsche kleine Kontroverse, bei der die Emotionen hochkochen, ist schließlich immer gut fürs Geschäft. Man brauchte nicht lange zu warten. In der  Januarausgabe 1935 von Weird Tales eilte Fred Anger aus Berkeley (Kalifornien) zur Verteidigung von Conans angegriffener Ehre:
By the beard of the prophet! Several things concerning the November issue have aroused my ire, and several others have done just the opposite. [...] Robert E. Howard brought his serial, The People of the Black Circle, to a very nice close; it takes second place on my voting list. A-n-d, speaking of Robert E. Howard reminds me of our friend Conan. Robert Bloch's nasty crack about our blood-thirsty hero has certainly started something. For the past day the grindstones of Angerville have been whetting my ax, and I am now ready to charge into the fray waving the banner of Conan the Cimmerian. I used to consider Conan a vile and despicable hero, but I have changed and he is now foremost in my estimation as a hero. Bring on your tale by Bloch, The Secret in the Tomb, and I'll cut it to the ground. (2)
Blochs erste in Weird Tales veröffentlichte Kurzgeschichte war dann zwar nicht wie angekündigt The Secret in the Tomb, sondern The Feast in the Abbey, die in derselben Ausgabe erschien, in der Anger seine Herausforderung ausgesprochen hatte, aber Conans Champion hielt Wort und hinterließ zwei Monate später folgenden Kommentar über Blochs Debüt:
May I remark that Mr. Bloch's attempt at showing off his ability with big words failed miserably in my estimation? All that this story convinced me of was the fact that Mr. Bloch reads the dictionary. (3)
Keine ganz falsche Einschätzung, auch wenn ich die kannibalistische Version der Gralszeremonie in The Feast in the Abbey schon recht neckisch finde. {Ob die als eine bewusste Anspielung auf Motive der mittelalterlichen Literatur gedacht war, entzieht sich allerdings meiner Kenntnis}.
Allerdings war es vielleicht wirklich keine so kluge Wahl gewesen, einen der beliebtesten Serien-Helden des "Unique Magazine" ausgerechnet kurz vor dem eigenen Debüt zu attackieren. Conan-Fans wie W. Kirk Mashburn,  Jr. und A.S. Doan witterten unlautere Motive:
A reader who buys the magazine for entertainment, and has no personal stake at issue, has every right to offer whatever adverse criticism he thinks justified by what he considers the failure of any writer to come up to expectations. But for one writer, while seeking to establish his own footing, to attack another to the editor--that smacks to me of questionable ethics. Polecat ethics is what I mean (4)
While mentioning the Eyrie, I want to register a complaint against printing letters from authors who adversely criticize the work of other authors. Besides showing a lack of fairness and sportsmanship on the part of the writers, it indicates a lack of respect for the desires of the readers, who purchase the magazine and provide a market for their own stories. It is probable that Mr. Bloch wrote in haste and is repenting in leisure as regards his severe criticism of Conan, the admirable barbarian of Robert E. Howard's stories. (5)  
Auf Anraten Lovecrafts verfasste Bloch eine ausführliche Erwiederung auf diese Vorwürfe, die im Mai 1935 in The Eyrie abgedruckt wurde:  
I have been highly interested in the comments anent my so-called "attack" on Howard in the Eyrie. Now, in all fairness to myself and such readers as Mr. Mashburn, allow me to rise in my own defense against the accusation of using "polecat tactics". I believe the following points will serve to clear up the matter. 
1st. I did not attack Howard. On the contrary, my November letter contains only a pseudo-frenzied tirade against one of his heroes, Conan. If you recall, my previous Eyrie letter of April 1934 praises Mr. Howard to the skies for his fine Valley of the Worm and his Solomon Kane stories. At no time have I ever, directly or indirectly, maligned Mr. Howard's fine and obviously talented abilities as a writer; I confined myself solely to a criticism of Conan's career. 
2nd. I have no desire to "rival" Mr. Howard. I do not presume to pit my seventeen years and some months against his mature brain, nor shall I. 
 3rd. I wholly agree with Mr. Mashburn's views regarding the unethical policy of criticizing a fellow-author. But at the time I wrote that letter I had never had anything printed in WEIRD TALES or any other magazine; consequently, when it it appeared, I was not an author at all, but a plain reader, with a reader's rights of criticism. My letter was in November, my first tale in January. I had no intention of doing anything that might be construed as unethical, not can I be considered so in view of these facts. And that, I hope, settles matters. I am glad that some readers liked my story. (6)
Wer an den weiteren Details der Kontroverse {und Lovecrafts Verteidigung von Conan} interessiert ist, sei auf Bobby Deries ausführlichen Essay Fan Mail: Bloch vs. Conan verwiesen.

Nach all dem mag es in der Tat überraschend erscheinen, dass Bloch in seinen Pulp-Tagen selbst eine Sword &  Sorcery - Geschichte schrieb, die dann auch in Weird Tales veröffentlicht wurde. Allerdings hatte er ja mehrfach darauf hingewiesen, dass er eine ganze Menge für Solomon Kane übrig hatte. Seine Abneigung galt also nicht dem Genre per se, sondern speziell der Figur Conan. Eine Einstellung, die er auch später  nie revidierte, höchstens leicht abmilderte, wie z.B. einem Interview von 1979 zu entnehmen ist:
Time hasn’t mellowed my opinion of Conan, though I do pay my respects to Howard and the rest of his output in the introduction I wrote for Glenn Lord’s edited collection The Black Stone. Neither Conan nor [Seabury Quinns okkulter Detektiv] Jules de Grandin turned me on, though I was extremely taken with [C.L. Moores] Northwest Smith and Jirel of Joiry. 
Nachdem dies aus dem Weg wäre, nun zum eigentlichen Inhalt.

Vielen heute dürfte Robert Bloch wenn überhaupt, dann vermutlich nur noch als Autor der Romanvorlage zu Alfred Hitchcocks Klassiker Psycho (1960) bekannt sein. Das Buch inspiriert von der Geschichte des realen Serienmörders Ed Gein {der auch eine der Vorlagen für "Leatherface" in Tobe Hoopers The Texas Chainsaw Massacre [1974] werden sollte}  war 1959 bei Simon  & Schuster erschienen. Bald darauf machte Hollywood ein Angebot zum Erwerb der Filmrechte. Wie Bloch später erzählt hat: "The offer was blind: the would-be buyer’s name was not mentioned, only the price five thousand dollars." Schließlich einigte man sich auf $9000, was nach Abzug der Ansprüche von Verlag und Literaturagenten, für den Autor immerhin noch $6750 übrigließ. Auch wenn das verglichen mit den Summen, die der Film schließlich einspielen würde, vielleicht etwas mager wirkt, öffnete der Psycho-Deal dem Schriftsteller doch die Tür zum Film- und Fernsehgeschäft, wo er über die nächsten Jahre und Jahrzehnte viel Arbeit finden sollte. Seinem Namen begegnet man immer wieder, u.a. im Rahmen von Boris Karloffs Thriller (1960-62), Alfred Hitchcock Presents (1960-62), The Alfred Hitchcock Hour (1962-65), der britischen Anthologie-Serie Journey to the Unknown (1968), Tales From the Dark Side (1984-87) und Monsters (1988/89). Er schrieb die Drehbücher für William Castles Strait Jacket (1964) und The  Night Walker  (1964). Freundinnen & Freunden des klassischen Brit-Horrors wird sein Name vor allem im Zusammenhang mit Hammers großem kleinen Rivalen Amicus Productions ein Begriff sein. So basiert Freddie Francis' The Skull (1965)  der vielleicht gelungenste Beitrag der Produktionsfirma zum Gothic Horror der 60er Jahre – auf Blochs Story The Skull of the Marquis de Sade (Weird Tales, September 1945), und er selbst schrieb die Drehbücher für den Thriller Psychopath (1966) und die drei Portmanteau-Horror-Streifen Torture Garden (1967), The House That Dripped Blood (1971) und Asylum (1972). Und last but not least steuerte er auch drei Scripts für Star Trek (1966-69) bei: What Are Little Girls Made Of?, Catspaw und Wolf in the Fold. Beim Blick auf den letzten TOS-Titel fällt mir auf: Bloch hatte wohl eine besondere Faszination für den Serienkiller von Whitechapel, ist eine seiner berühmtesten Stories  doch sicher Yours truly, Jack the Ripper (Weird Tales, Juli 1943) ...

Doch vergessen wir für den Moment diese seine spätere Hollywood-Karriere und wenden uns stattdessen seinen frühen Tagen als Pulpster im Kreis um Lovecraft und Weird Tales zu.

Robert Albert Bloch wurde am 5. April 1917 in Chicago geboren. Seine Eltern Raphael "Ray" Bloch und Stella Loeb waren zwar von deutsch-jüdischer Herkunft, dennoch besuchte der kleine Robert die  methodistische Gemeinde. In der Emmerson Grammar School erwies er sich schon bald als ein intellektuell extrem frühreifes und hochbegabtes Kind.
Blochs Kindheit und Jugend waren einerseits geprägt von harschen ökonomischen Verhältnissen {sein Vater war ein kleiner Bankangestellter, seine Mutter Sozialarbeiterin}, andererseits von den kulturellen Umbrüchen der "Roaring Twenties": Jazz, Kino und der Boom der Pulps. Mit acht Jahren besuchte er eine Vorführung von The Phantom of the Opera. Lon Chaneys berühmte Demaskierungs-Szene versetzte ihn in Angst und Schrecken: "[I]t scared the living hell out of me and I ran all the way home to enjoy the first of about two years of recurrent nightmares". Zugleich jedoch weckte der Film sein Interesse an Horror. Zwei Jahre später gelangte erstmals eine Ausgabe von Weird Tales in seine Hände. Seine Tante Lil hatte ihm bei einem Besuch des Chicago Northwestern Railroad Depots  den Kauf eines beliebigen Magazins versprochen. Zum Erschrecken der guten Dame fiel seine Wahl auf die Augustausgabe von WT mit Hugh Rankins Illustration zu Otis Adelbert Klines Bride of Osiris auf dem Cover. Er entwickelte schnell einen geradezu suchtartigen Heißhunger auf das "Unique Magazine". Mit dem Beginn der Großen  Depression 1929 verlor Blochs Vater seinen Job und die Familie siedelte nach  Milwaukee über, wo Stella eine Anstellung beim Jewish Settlement House fand. Die Blochs wohnten in der East Knapp Street und an jedem Ersten des Monats rannte der junge Robert die Straße hinunter zum Ogden Smoke Shop, um sich die neueste Ausgabe seines geliebten Magazins zu besorgen: "[T]imes were very hard. Weird Tales cost twenty-five cents in a day when most pulp magazines cost a dime. I remember that meant a lot to me."
Bloch besuchte erst die Washington, dann die Lincoln High School. Dort lernte er Harold Gauer kennen, der ein lebenslanger Freund werden sollte. Blochs künstlerische Interessen waren vielfältig: Er malte und zeichnete, engagierte sich im Drama Department seiner Schule, schrieb Vaudeville-Nummern und trat auch selbst in ihnen auf. Eine erste Horrorstory aus seiner Feder erschien im schuleigenen Literaturmagazin The Quill.
Im Alter von sechzehn Jahren schickte Bloch 1933 dann schließlich einen Brief an H.P. Lovecraft, den er von allen Weird Tales - Autoren am meisten verehrte. In ihm erklärte er, dass er nach einer Möglichkeit suche, an einige von HPLs alten und längst vergiffenen Stories zu gelangen. Wie es die Art des Gentleman von Providence war, reagierte dieser prompt und mit großer Höflichkeit und ehrlichem Interesse auf die Anfragen seines jungen Fans. In einem Interview mit Randy and Jean-Marc Lofficier hat Bloch 1983 über den Beginn dieser Korrespondenz und was sie für ihn bedeutete erzählt:
So, I wrote to Weird Tales and I wrote to Lovecraft in care of them to ask whether or not he knew where I could get some of these stories that I'd read about. He told me that he'd be glad to lend me any copies of any of his stories. So, we got into correspondence.
In about the fourth letter he said, “There's something about the way you write that makes me think that perhaps you'd be interested in doing the same thing. Would you like to write some stories? I'd be glad to comment on them.” So, naturally, how could I resist? I wrote several stories which were very bad, and he didn't criticize them, he praised them. Which was just the kind of encouragement I needed.
When I got out of high school at seventeen, I bought a second hand typewriter, I sat down and I began to work. Six weeks later I sold my first story to Weird Tales. Lovecraft and I remained in close contact until the day he died in 1937.          
Wie bei einer Reihe anderer angehender Schriftsteller erwies sich  Lovecraft auch bei Bloch als ein unermüdlicher, geduldiger und stets aufmunternder Förderer. Rick Lai zählt in seinem äußerst detailreichen Essay The Lost Tales of  Robert Bloch ganze einundzwanzig Stories und Storyideen auf, die Bloch im Laufe der nächsten Jahre an Lovecraft schickte und die von diesem kommentiert und kritisiert wurden. Schon bald fand Bloch Aufnahme in den weiteren "Lovecraft-Zirkel" und begann auch mit anderen seiner Mitglieder Briefe auszutauschen. Ungefähr zur selben Zeit (1934/35)  fand er außerdem Zugang zu der in Milwaukee ansässigen Schriftstellergruppe The Fictioneers, der u.a. der Science Fiction - Autor Stanley G. Weinbaum angehörte.
Die ersten Stories, die Bloch bei Weird  Tales einreichte, wurden von Fanrnsworth Wright abgelehnt. Dafür erschienen Lilies (1934), The Laughter of a Ghoul (1934) und Black Lotus (1935) dann in William L. Crawfords Magazinen Marvel Tales und Unusual Stories bzw. dem Fantasy Fan. Sechs Wochen nach seinem Schulabschluss gelang es dem inzwischen Siebzehnjährigen im Juni 1934 dann, seine erste Geschichte The Secret in the Tomb an  das "Unique Magazine" zu verkaufen. Wie schon erwähnt wurde allerdings nicht sie, sondern The Feast in the Abbey als erste dort abgedruckt.

Es verwundert sicher nicht, dass ein Gutteil von Robert Blochs frühem Oeuvre sehr deutlich den Einfluss Lovecrafts verrät. Und wie viele andere Mitglieder des "Zirkels" tummelte auch er sich dabei  öfters auf der gemeinsamen Spielwiese des Cthulhu-Mythos. Schon in The Secret in the Tomb tauchen neben dem Necronomicon und Clark Ashton Smiths Book of Eibon der Nekromant Ludvig Prinn und sein Grimoire De Vermis Mysteriis auf. Blochs wohl bedeutendste  Beiträge zum Mythos, die sich später u.a. bei Henry Kuttner, August Derleth, Brian Lumley, F. Paul Wilson und Stephen King wiederfinden.
Wie bei Fans jedweder Art  häufig zu beobachten, wurde der Mythos in späterer Zeit von vielen Cthulhu-Jüngern fürchterlich ernst genommen. Doch für Lovecraft und seine Freunde stellte er in erster Linie ein amüsantes gemeinsames Spiel dar, das oft mit recht viel Humor betrieben wurde. Man griff die Ideen der Mitspieler auf und baute zahlreiche mehr oder minder verdeckte Anspielungen auf diese in die eigenen Stories ein. So wurde z.B. aus August Derleth der Comte d'Erlette, Verfasser der fürchterlichen Cultes des Ghoules und Clark Ashton Smith machte in Lovecrafts Whisperer in Darkness einen Auftritt als atlantischer Hohepriester Klarkash-Ton. In The Suicide in the Story (Weird Tales, Juni 1935) erwähnt Bloch einen gewissen Luveh-Keraph, Priester der Bast, in Anspielung auf Lovecrafts große Liebe zu Katzen. Ein besonders neckisches Beispiel für diesen spielerischen Umgang ist ganz sicher Blochs Story The Shambler From the Stars (Weird Tales,September 1935), in der eine deutlich nach Lovecrafts Vorbild gezeichnete Figur auf genüsslich geschilderte und besonders grausliche Weise von einer Kreatur aus den interstellaren Abgründen in Stücke gerissen wird. Bloch hatte für diesen makabren Scherz zuvor die Erlaubnis seines Freundes und Mentors eingeholt, die dieser ihm nur zu gerne erteilte. Er schickte ihm eine offiziöse, von fiktiven Gestalten wie Abdul Alhazred, Robert E. Howards Von Juntz und Clark Ashton Smiths Gaspard Du Nord beeidigte, Erklärung, die es dem Empfänger gestattete "to portray, murder, annihilate, disintegrate, transfigure, metamorphose, or otherwise manhandle the undersigned in the tale entitled The Shambler From the Stars". Lovecraft revanchierte sich außerdem bei Bloch, indem er in The Haunter of the Dark nun seinerseits den aus Milwaukee stammenden Autor Robert Blake {wink! wink!} ein recht unangenehmes Ende finden ließ. (7)
Das erste Mitglied des "Zirkels", dem  Bloch  persönlich begegnete, war August  Derleth, der ebenfalls in Wisconsin lebte. Seinen ersten Eindruck beschrieb er später so: "[He] fulfilled my expectations as a writer by wearing this purple velvet smoking jacket. That impressed me even more because Derleth didn't even smoke." Schon bald hatten die beiden Freundschaft geschlossen und statteten sich regelmäßig gegenseitige Besuche ab. Anfang 1937 schmiedeten sie den Plan, Lovecraft einen Besuch in Wisconsin zu ermöglichen. Der alte  Gentleman sollte mit dem Zug nach Milwaukee kommen und dort bei Bloch oder einem seiner Freunde unterschlüpfen. Gemeinsam könnte man die Redaktion von Weird Tales in Chicago besuchen, um anschließend bei Derleth in Sauk City einzukehren. Doch all dies zerschlug sich auf tragische Weise,  als sie die Nachricht von Lovecrafts plötzlichem Tod erreichte. Das Dahinscheiden seines Mentors erschütterte Bloch zutiefst: "The news of his fate came to me as a shattering blow; all the more so because the world at large ignored his passing. Only my parents and a few correspondents seemed to sense my shock, and my feeling that a part of me had died with him."

Bloch schrieb auch weiterhin für Weird Tales, zu deren wichtigsten Autoren er bald gehörte, konnte sich in den folgenden Jahren aber auch neue Märkte bei Amazing, Strange Tales und Unknown  erschließen. Sein Freundeskreis erweiterte sich zur selben  Zeit u.a. um Henry Kuttner, C.L. Moore und Ray Bradbury. Die lovecraftianische Frühphase allmählich hinter sich lassend, begann er, seine Horrorstories mit neuen Motiven zu füllen und sich auch in anderen phantastischen Genres auszuprobieren. Teil dieser Entwicklung war wohl auch die Kurzgeschichte The Dark Isle, die im Mai 1939 in Weird Tales erschien und seinen einzigen Ausflug in die Gefilde der Sword & Sorcery darstellt.

Anno Domini 60. Unter dem Kommando von Gaius Suetonius Paulinus nähert sich eine römische Flotte einer Insel vor der Küste von Wales. "The Celts knew it as Mona; the Britons called it Anglesey; but the Welsh spoke truly when they named the shunned spot 'Ynys Dywyll' – the Dark Isle." Hier sollen sich die großen Heiligtümer der Druiden befinden. Sie zu zerstören und die üble Brut dieser barbarischen Priester und Zauberer auszurotten, ist das Ziel des Generals.  An Bord eines der Schiffe befindet sich der Legionär Vincius, genannt "the Reaper", Veteran vieler Kriege und  Schlachten. Als in der Nacht vor der Landung ein untoter Druide über die Reling klettert, kommen unserem Helden erste Zweifel über die Weisheit der geplanten Invasion. Aber schließlich ist er ein Soldat und ein stolzer Vertreter Roms, also erwähnt er den unheimlichen Besuch lieber nicht gegenüber seinen Kameraden und Vorgesetzten. So was wär schlecht für die Moral. Doch tatsächlich verwandelt sich die Erstürmung der Insel am nächsten Morgen schon bald in eine blutige Katastrophe, als unzählige Legionäre den Tod von den vergifteten Pfeilen der Barbaren finden. Aus dem Angriff wird rasch ungeordnete Flucht. Der "Reaper" bleibt ohnmächtig auf dem Schlachtfeld zurück. Nachdem er wieder zu sich gekommen ist, trifft er in den Wäldern auf den ehemaligen Galeerensträfling Lupus, der schon seit einiger Zeit gegen seinen Willen hier auf Mona lebt. Lupus weiß zu berichten, dass die Druiden beabsichtigen, am nächsten Tag finstere magische Mächte gegen die römische Flotte zu entfesseln. Der einzige Weg, um die Insel rechtzeitig zu verlassen und die Legion zu warnen,  führt durch ein Gewirr unterirdischer Gänge, in denen unsere beiden Helden schließlich mit dem geballten Schrecken der druidischen Zauberkunst konfrontiert werden.

Die Story spielt vor dem historischen Hintergrund der Erstürmung Angleseys durch die Truppen des Suetonius Paulinus, die Tacitus in seinem Agricola erwähnt. Die Druiden erscheinen dabei noch ganz als die Menschenopfer zelebrierenden Barbaren aus der römischen Literatur. Nichts von netten  Öko-Priestern. Als großer Fan von The Wicker Man hat mir die Schilderung einer entsprechenden Opferzeremonie wie sie Caesar in De Bello Gallico beschrieben hat natürlich besonderen Spaß gemacht. Angereichert wird dies mit einem ordentlichen Schuss finsterer Magie und finaler Monster-Action. Als grimmiger Veteran ist Vincius ein astreiner Sword & Sorcery - Held, der sein Schwert  nicht weniger geschickt und gnadenlos zu schwingen weiß, wie Conan der Cimmerier. Und könnte es einen klangvolleren Spitznamen für einen Helden des Genres geben als "the Reaper"? 
In gewisser Hinsicht ist The Dark Isle dennoch eine Art Affront gegen die howard'sche Sword & Sorcery. Denn für diesen war Rom stets die ultimative Verkörperung der verhassten repressiven "Zivilisation" gewesen, wie man vielleicht am deutlichsten in der Bran Mak Morn - Geschichte Worms of the Earth sehen kann. Howards Sympathie hatte stets den Barbaren gehört. In der endlosen, aber immer freundschaftlich geführten Auseinandersetzung um "Zivilisation" und "Barbarei"  zwischen ihm und Lovecraft hatten die diametral entgegengesetzten Ansichten der beiden über das Imperium Romanum eine wichtige Rolle gespielt. So gesehen könnte man The  Dark Isle beinah als die unbewusste Umsetzung einer Idee interpretieren, die Lovecraft einmal in einem Briefe an C.L.  Moore formuliert hatte: "Or I might get back at Two-Gun by having a single cohort of the VIth Legion decapitate & otherwise dismember an entire tribe of his precious barbarians! S.P.Q.R.!"  (8) Bloß dass es bei Bloch keine einzelne Kohorte, sondern ein einzelner Legionär ist. Ein Legionär feilich, der mehr mit Howards als mit Lovecrafts Helden gemein hat.
Alles in allem ist The Dark Isle nicht bloß eine faszinierende Fußnote im Werk Robert Blochs, sondern eine gediegene kleine Sword & Sorcery - Geschichte, die sich alle Freundinnen & Freunde des Genres bei Gelegenheit ruhig einmal zu Gemüte führen sollten  



(1) Weird Tales, November 1934, S. 651.
(2) Weird Tales, Januar 1935, S. 141f.
(3) Weird Tales, März 1935, S. 399. 
(4) Weird Tales, März 1935, S. 396.
(5) Weird Tales, Mai 1935. S. 651.
(6) Ebd. S. 651f.
(7) Interessanterweise wurden Teile des Plots von The Haunter of the Dark von Hanns Heinz Ewers' Kurzgeschichte Die Spinne inspiriert, die Lovecraft in der von Dashiell Hammett zusammengestellten Anthologie Creeps by Night (1931) gelesen hatte. Aber natürlich finden sich bei ihm keinerlei Spuren der sexuellen Motive aus  Ewers' Story der typischen Décadence-Figur der vampirischen Femme Fatal oder der masochistischen Untertöne des Geschilderten. 
(8) Zit. nach: Bobby Derie: Conan and Jirel: Robert E. Howard and C. L. Moore. Part Two