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Dienstag, 20. Dezember 2016

Ein verdammt schlechter Scherz

Auch wenn es sicher nicht ganz falsch ist, in der anhaltenden Schwemme von Remakes, Reboots und Sequels ein Symptom der tiefen Krise des amerikanischen Films zu sehen, sollte man nicht bei jedem neuen Remake-Gerücht, das aus Hollywood an die Öffentlichkeit dringt, augenblicklich in den kulturpessimistischen Meckermodus verfallen.
Einmal ganz davon abgesehen, dass erfahrungsgemäß ohnehin nur ein sehr kleiner Prozentsatz dieser Gerüchte jemals zu einer tatsächlichen Filmproduktion heranreifen wird, sollten wir nicht vergessen, dass Remakes seit altersher Teil der Filmindustrie waren. So war es z.B. etwas peinlich, mit ansehen zu müssen, wie Scharen von Filmkritikern und -kritikerinnen den diesjährigen Ben-Hur in die tiefsten Tiefen der Hölle verdammten, mit dem Argument, es handele sich bei ihm um ein Remake des William Wyler / Charlton Heston - Klassikers von 1959. Dass dieser selbst ein Remake gewesen war, scheint den meisten von ihnen nicht bewusst gewesen zu sein. {Wer das epische Original von 1925 nicht kennt, sei auf Fritzi Kramers gleichfalls epischen Blogpost auf Movies Silently verwiesen.} Eine ganze Reihe von Douglas Sirks klassischen Melodramen der 50er Jahre wie Magnificent Obsession (1954), There's Always Tomorrow (1956) und Imitation of Life (1959) sind Remakes. Hey, Joseph Losey hat 1951 sogar ein Remake von Fritz Langs M - Eine Stadt sucht einen Mörder (1931) gedreht! 

Und doch tauchen immer mal wieder Remake - Pläne auf, bei denen einem zurecht die Ohren schlackern. Eine neue, "ernsthafte" Version von Ed Woods Plan 9 From Outer Space? Eine Suspiria - TV-Serie? Das klingt schon recht bizarr.
Aber auch solcherart Präzedenzfälle hatten mich nicht auf die Meldung vorbereiten können, die mir vor ein paar Tagen unter die Augen gekommen ist: Sam Esmail, der Schöpfer von Mr. Robot, soll im Auftrag von Universal Cabel Productions ein Remake von Metropolis in Form einer TV-Miniserie drehen!

Bitte was!?! Das kann doch eigentlich bloß´ein schlechter Scherz sein!
Wohlgemerkt bin ich selbst überhaupt kein glühender Verehrer von Fritz Langs Original aus dem Jahre 1927. Aber das macht die Sache auf seine Art nur noch schlimmer.
In cinematographischer Hinsicht ist Metropolis ganz ohne Frage ein unsterbliches Meisterwerk. Der Film sieht einfach atemberaubend aus. Doch es wäre nicht nur verdammt arrogant von Esmail, wollte er versuchen, den großen Fritz Lang in diesem Bereich nachzuahmen {oder zu "übertreffen"}, der expressionistische Stil des Originals wäre wohl auch kaum für eine TV-Serie unserer Tage geeignet. Bleibt letztlich also nur Thea von Harbous Story. Und ich sage es ganz unumwunden: Diese Story ist absoluter Bullshit! Die ganze kindische Parabel vom "Herz", das der "Mittler zwischen Hirn und Händen" sein muss, wobei Freder Fredersen am Ende in die Rolle eines Christus des Kapitalismus schlüpft, ist in meinen Augen nicht nur fürchterlich peinlich, sondern auch stockreaktionär. Das Märchen von der Versöhnung der Klassen, die der selbstlose Fabrikantensohn herbeiführt, war vor dem Hintergrund der heftigen Klassenkämpfe der 20er Jahre absurd und wäre es ebenso vor dem Hintergrund der sich immer weiter verschärfenden sozialen Konflikte unserer Zeit.
Ich bin mir natürlich im Klaren darüber, dass die Story der TV-Serie mit ziemlicher Sicherheit sehr stark von ihrem Vorbild abweichen wird. Dennoch frage ich mich, was anderes Sam Esmail dazu verleitet haben könnte, ein solch absurdes Projekt überhaupt erst zu entwickeln. Irgendetwas muss ihn an der Geschichte angesprochen haben. Andernfalls ließe sich das Ganze bloß als der irr-arrogante Versuch interpretieren, sich mit Fritz Lang messen zu wollen. Und wie erbärmlich wäre das erst.
Der Plan eines Remakes von Metropolis ist deshalb nicht bloß eine schallende Ohrfeige für alle Freunde & Freundinnen des klassischen Films, sondern zugleich ein Beleg für die intellektuelle Armut Esmails. Wie schon Mr. Robot gezeigt hat, fühlt sich der Drehbuchschreiber & Regisseur offenbar dazu getrieben, sich mit der ständig wachsenden sozialen Polarisation in der US (und der Welt -) Gesellschaft auseinanderzusetzen. Doch scheint er nicht über den dafür nötigen historischen, politischen und sozialen Tiefblick zu verfügen.

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