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Mittwoch, 28. Januar 2015

Ghostbusters 3 - Ich kapier's einfach nicht

Eigentlich hatte ich ja immer gehofft, es werde nie zu einem weiteren Ghostbusters - Film kommen, auch wenn man seit einer halben Ewigkeit immer mal wieder entsprechende Gerüchte hören konnte. Zwar gehöre ich nicht zu denen, die Ivan Reitmans Original aus dem Jahre 1984 für ein unübertreffliches Meisterwerk der Komödie halten, aber es ist ohne Zweifel ein äußerst unterhaltsamer Film, mit dem ich zudem sehr intensive Kindheitserinnerungen verbinde. Und seine Klasse verdankt der Streifen beinahe ausschließlich dem großartigen Zusammenspiel von Bill Murray, Dan Aykroyd, Harold Ramis und Ernie Hudson. Nicht nur waren sie alle vier in absoluter Topform, zwischen ihnen herrschte auch genau die richtige Chemie. Ein magischer Moment, der sich nicht so ohne weiteres wiederholen lässt, wie das unsägliche Sequel aus dem Jahr 1989 denke ich zur Genüge bewiesen hat. Und wenn es schon kaum möglich erschien, den Charme des Originals mit der gleichen Combo wiederzubeleben, warum sollte man dann den Versuch starten, eine neue Gruppe von Geisterjägern das Erbe von Peter Venkman, Ray Stantz, Egon Spengler und Winston Zeddemore antreten zu lassen?

Im August des letzten Jahres verdichteten sich die Dämpfe, die unablässig aus Hollywoods Gerüchteküche aufsteigen, schließlich zu der bald schon als gesichert geltenden Nachricht, dass tatsächlich ein dritter Ghostbusters - Film produziert werden würde. Und Regisseur Paul Feig ließ verlauten, dass er plane, das Geisterjägerteam in einer vollständig weiblichen Formation auf die Leinwand zurückkkehren zu lassen. 
Nicht mehr als eine zynische Werbestrategie von Sony Pictures? Um ehrlich zu sein, ich halte das für ziemlich wahrscheinlich, aber letztenendes auch für ziemlich unwichtig. Es mag schon sein, dass sich die Studiobosse gedacht haben, auf diese Weise ließe sich Interesse an der Wiederbelebung eines Franchises wecken, dessen Auferstehung von kaum jemandem herbeigesehnt worden war. Doch was soll's? Genre-Blockbuster mit mehr als einer weiblichen Hauptrolle sind nachwievor eine so große Seltenheit, dass es mir im Grunde egal ist, ob wir die Entstehung eines solchen Films in letzter Konsequenz marktstrategischen Überlegungen oder irgendetwas anderem verdanken. Zumal die Profitinteressen der Studios und ihrer Geldgeber doch bei allen Blockbustern ein gehöriges Wort mitzureden haben -- gelinde ausgedrückt.

Vor einigen Tagen nun hat Paul Feig die Besetzung für die vier Hauptrollen bekanntgegeben: Kristen Wiig, Melissa McCarthy, Leslie Jones and Kate McKinnon. 
{Auf Filmdivider kann man auch schon etwas über die angebliche Story des Films lesen, aber wie stets, sollte man derartige "Insiderinformationen" mit gehöriger Skepsis angehen. Oft genug erweisen sie sich als ausgemachter Bullshit.}

Wie dem auch sei: Wie schon im letzten August bekam man auch jetzt wieder in den Kommentarspalten der einschlägigen Websites unangenehm viel sexistischen Müll zu lesen. Frauen als Ghostbusters? --  Für Teile der männlichen Geek-Gemeinde scheint das an Blasphemie zu grenzen. Und wie stets in solchen Fällen kapier ich es einfach nicht. Natürlich bin ich mir bewusst, wieviel dumpfer Chauvinismus in der Welt existiert, aber kommen sich diese Typen nicht selbst etwas lächerlich vor, wenn sie ihre frauenfeindlichen Überzeugungen anlässlich der Besetzungsliste für eine Horror-Phantastik-Komödie in den Internet-Äther brüllen? Was ist ihr Problem? Niemand zwingt sie dazu, den Film anzuschauen, wenn er schließlich in die Kinos kommen wird. Wenn ihnen danach ist, können sie sich ohne Probleme das Original in Endlosschleife angucken. Vermutlich hat man diese unappetitlichen Tiraden als Ausgeburt einer unglücklichen Liaison zwischen Sexismus und Geektum zu verstehen. Mit anderen Worten: Diese Typen halten amüsante Unterhaltungsfilme wie Ghostbusters für so was wie den Heiligen Gral, und wenn auf einmal Frauen sich erdreisten, dieses magische Artefakt in die Hand zu nehmen, kommt das in ihren Augen einem Sakrileg und einer Entweihung gleich.

Ich selbst stehe dem ganzen Projekt aus oben genannten Gründen nachwievor eher skeptisch gegenüber. Aber wenn es einen Grund gibt, warum ich mir Ghostbusters 3 vielleicht tatsächlich anschauen werde, dann ist es die weibliche Besetzung. Das könnte dem ganzen wenigstens einen neuen Dreh verleihen und verhindern, dass wir es mit einer simplen Wiederaufwärmung des Originals zu tun bekommen, in der der Charme des Alten dann vermutlich durch irgendwelche CGI-Feuerwerke ersetzt worden wäre.

1 Kommentar:

  1. Sehe ich ähnlich: Das Ummodeln der Hauptrollen auf Frauen ist das einzig Interessante an dem Projekt. Da ließen sich interessante Gender-Spielchen machen, so ähnlich wie im Kriminalroman bei Robert B. Parker mit seinem Spenser und der weiblichen Variante Sunny Randall.

    Den zweiten Ghostbusters-Film habe ich mir bis heute nicht angetan ... Dafür gucke ich die Nummer 1 alle paar Jahre wieder mit Vergnügen.

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