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Mittwoch, 20. März 2013

Eremitentum ist nichts für jedermann

Siddharta Gautama soll ja in der Waldeinsamkeit die Erleuchtung gefunden haben und zum Buddha geworden sein. Dass das Einsiedlertum nicht bei jedem solch erfreuliche Resultate hervorbringt, hat James Cameron vor gut einer Woche in einem Interview mit PlayGoesStrong unter Beweis gestellt. Der Regisseur hat sich auf eine kleine Farm in Neuseeland zurückgezogen, um dort das Script für den zweiten und dritten Teil von Avatar zu schreiben, die in einem Aufwasch gedreht werden sollen. Ob er sich zur Unterstützung auch noch ein paar Magic Mushrooms reingepfiffen hat, weiß ich natürlich nicht, aber was er so von sich gibt, klingt doch recht bedenklich: "I'm deep into it and I'm living in Pandora right now. [...] When you live in a special world like Pandora, you have to live in that world." Natürlich wäre es höchst erfreulich, wenn Cameron tatsächlich auf den Planeten der Öko-Schlümpfe übergesiedelt wäre und am Besten nie mehr von dort zurückkehren würde, aber es steht zu befürchten, dass sich hier bloß wieder einmal sein übersteigertes Ego zu Wort gemeldet hat. "Huuuhh, ich bin ein KÜNSTLER! Ein wahrhaft Inspirierter!" Dafür spricht auch, was er über ein kürzlich geführtes Gespräch mit Peter Jackson zu sagen hat: "I was talking the other day with Peter Jackson and said, 'You had it easy dude. You had the books when you did the second and third 'Lord of the Rings.' I have to create my own books in my head and extract a script from it." Nun bin ich zwar kein großer Fan von Jacksons Lord of the Rings {im Gegenteil!}, aber zu behaupten, es sei quasi ein Kinderspiel gewesen, das Buch in einen hollywoodtauglichen Blockbuster zu verwandeln, ist schon reichlich absurd. Und bei genauerer Betrachtung ist Camerons Aussage sogar noch sehr viel größenwahnsinniger, vergleicht er sein Klischee-Potpurri Avatar doch eigentlich gar nicht so sehr mit Jacksons Flicks als vielmehr mit Tolkiens Epos. Ich sag ja, Magic Mushrooms ...

Woher bloß bezieht Cameron sein so offensichtlich völlig übersteigertes Selbstbewusstsein? {Abgesehen natürlich von der Tatsache, dass er eine Shitzillionen Dollars mit trivialem Kitsch wie Titanic und Avatar verdient hat?} Betrachtet man sich seine Filmographie, so dürfte doch eigentlich kein  Zweifel darüber bestehen, dass er nie mehr war als ein einigermaßen begabter Handwerker Hollywoods.
Seine ersten drei Filme Terminator, Aliens und The Abyss besitzen alle ihren Reiz, aber keiner von ihnen kann als sonderlich komplex oder intelligent gelten. Terminator lebt in erster Linie von seiner Simplizität und dem eigentümlichen Charisma {nicht Talent!} Arnold Schwarzeneggers. Aliens ist zwar das einzig sehenswerte Sequel zu Ridley Scotts Klassiker, doch bei Lichte betrachtet, ist der Streifen auch nicht viel mehr als ein gut gemachter Actionflick mit einer netten satirischen Spitze gegen den militaristischen Marines-Kult. Und bei The Abyss kann ich mich eigentlich nur an die beeindruckende Tricktechnik erinnern.
Alles was folgte (Terminator 2, True Lies, Titanic und Avatar) zeigte nur immer deutlicher, dass sich hinter Camerons aufgeblasenem Ego bloß eine gähnende Leere verbirgt. Er mag ein Talent dafür besitzen, sein Publikum emotional zu manipulieren, aber das macht noch keinen Künstler aus ihm.


PS: Wie um zu beweisen, dass Cameron bei weitem nicht das Schlimmste ist, was der amerikanische Film heutzutage zu bieten hat, erreichte mich außerdem via Black Dog die Nachricht, dass der Dark Lord von Hollywood  Michael Bay soeben mit den Dreharbeiten zu Transformers 4 begonnen hat. Wird das Elend denn nie ein Ende nehmen!? Nein! Der Film soll offenbar bloß der Auftakt zu einer weiteren Trilogie sein!! Tsathoggua stehe uns bei!

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