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Mittwoch, 2. Mai 2012

Cthulhu fhtagn!

Es mag eine Fehleinschätzung meinerseits sein, aber ich hatte immer das Gefühl, dass die Übertragung des lovecraftschen Horrors auf die Leinwand selten besonders gut geglückt ist. So habe ich mir z.B. vor kurzem Stuart Gordons Dagon zu Gemüte geführt (der nebenbei bemerkt weniger auf der gleichnamigen Kurzgeschichte als vielmehr auf Shadows over Innsmouth basiert) und weiß immer noch nicht, ob ich diesen Film als Parodie auf oder als Hommage an Éch-Pi-El auffassen soll. Ich mag Roger Cormans The Haunted Palace (der auf The Case of Charles Dexter Ward basiert)*, aber das hat weniger mit Lovecraft als vielmehr mit dem typisch dekadenten Stil des Regisseurs und mit Vincent Price zu tun.**  Natürlich hätte ich gerne gesehen, was Guilleromo del Toro aus At the Mountains of Madness gemacht hätte, wenn die Bosse von Universal nicht gewesen wären. Doch alles in allem ist mein Eindruck, dass die Beziehung zwischen Hollywood und dem Gentleman von Providence nicht eben die glücklichste ist.

Von allen Geschichten Lovecrafts würde mir The Call of Cthulhu als diejenige erscheinen, die am schwersten filmisch umzusetzen wäre. Wirkt der erwachende Monstergott von R'lyeh nicht schon im Original fast wie eine Vorwegnahme von Gummi-Godzilla? Und doch ist gerade für diese Story die vielleicht genialste filmische Adaption geschaffen worden. Im Sommer 2004 begannen Andrew Leman & Sean Branney von der H.P. Lovecraft Historical Society gemeinsam mit einer Gruppe Gleichgesinnter eine Filmversion von  Éch-Pi-Els Meisterwerk zu drehen. Das Außergewöhnliche an diesem Projekt war, dass das Ziel darin bestand, einen Film zu schaffen, der in Stil und Technik jener Zeit entsprechen sollte, in der die Story entstanden war. Und was soll ich sagen – dem Team der HPLHS ist das auf nahezu perfekte Weise gelungen.


Das Faszinierende an diesem Streifen besteht nicht allein in der Liebe, die ganz offensichtlich in jedes seiner Details eingeflossen ist, sondern auch in der Erkenntnis, dass der Stil eines 20er - Jahre - Stummfilms vielleicht am Besten geeignet ist, den Geist von Lovecrafts Horrorstories wiederzugeben. Grund hierfür dürfte sein, dass man damals noch nicht den Fetisch 'Realismus' anbetete. Prägend für den phantastischen Film jener Zeit war der deutsche Expressionismus mit Werken wie Das Cabinet des Dr.Caligari, Dr. Mabuse – Der Spieler und Nosferatu. Dessen Einfluss war noch bei den Universal - Monsterstreifen der 30er Jahre mal mehr, mal weniger deutlich zu spüren. Statt einem vermeintlichen computergenerierten Naturalismus nachzujagen, war den damaligen Filmemachern die Verwandtschaft zwischen Phantastik und Symbolismus/ Surrealismus ganz selbstverständlich. Und so mögen die unirdische Architektur von R'lyeh und der Stop - Motion - Cthulhu in diesem Film zwar nicht 'realistisch' wirken, aber wer braucht schon diese Form von 'Realismus'?


* Obwohl das nicht zum Thema gehört: Das musikalische Hauptmotiv dieses Films von 1963 erinnert verdächtig an jenes von David Lynchs grandios misslungener Adaption von Dune aus dem Jahre 1984.
** Nebenbei bemerkt: Gordons Dagon spielt ganz bewusst auf The Haunted Palace an.

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