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Montag, 26. März 2012

Ein affiges Kastensystem

Ich habe hier kürzlich bereits einmal mein ambivalentes Verhältnis zu den ursprünglichen Planet of the Apes - Filmen erwähnt. So halte ich die Art, in der sie ihre politische Botschaft zu vermitteln versuchen, für ziemlich grobschlächtig. In Beneath the Planet of the Apes bekommen wir ja sogar ein Sit-in von jungen Schimpansen zu sehen, die gegen den bevorstehenden Krieg demonstrieren! Hallo, Vietnamkriegsproteste ...

Doch gerade weil der soziale Kommentar beinahe so offen daherkommt wie in Star Trek - The Original Series, lassen sich aus den Filmen einige Erkenntnisse über den amerikanischen Radikalismus der späten 60er Jahre ziehen – wenn auch nicht unbedingt über seine positiven Seiten. So finde ich den zynischen Pessimismus der ersten beiden Filme recht erstaunlich, der seinen konzentrierten Ausdruck in den beiden Schlussszenen findet – der berühmten Sequenz mit der Freiheitsstatue und der Vernichtung der Erde durch Taylors Zünden der Doomsday-Bombe.


Die Filme stammen aus den Jahren 1968  und 1970, und die Erkenntnis, dass Hoffnungslosigkeit und Misanthropie offenbar schon zu einem so frühen Zeitpunkt derart weit verbeitet waren, wirkt auf mich erschütternd. Überall auf der Welt fanden zu dieser Zeit militante Massenkämpfe statt, deren Ausgang noch keineswegs feststand, und doch proklamieren Franklin J. Schaffner und Ted Post hier bereits die ultimative Niederlage des Menschengeschlechts.

Gerade vor diesem Hintergrund wirkt das Kastensystem der Affen (Orang Utans, Gorillas, Schimpansen) besonders interessant.
Eine Dreiteilung der Gesellschaft ist nichts besonders originelles, man denke nur an die feudale Ideologie des europäischen Mittelalters mit den drei ordines der oratores (Beter/Klerus), pugnatores (Kämpfer/Adel) und laboratores (Arbeiter/Bauern). Eine solche ständische Triade besitzt schon beinahe klischeehaften Charakter, so finden wir z.B. in der SciFi-Serie Babylon 5 bei den Minbari die Kasten der Priester, Krieger und Arbeiter. Doch das äffische System unterscheidet sich in einem ganz entscheidenden Punkt von diesem klassischen Vorbild. Mit den Orang Utans (Dr. Zaius) haben wir die geistliche/priesterliche Elite, und die Gorillas (General Ursus) stehen für das Militär, aber die Schimpansen sind nicht die Arbeiter. Exemplarisch vertreten durch Zira und Cornelius verkörpern sie vielmehr die Intellektuellen. Es gibt keine Arbeiterkaste unter den Affen.
Auf den ersten Blick erscheint das bloß absurd, schließlich muss ja irgend jemand die Felder bewirtschaften, die wir im ersten Film zu sehen bekommen. Doch im Zusammenhang mit dem 60er Jahre - Radikalismus macht es durchaus Sinn. Die Mehrheit der studentischen Rebellen sah in der arbeitenden Bevölkerung eine durch 'Konsumterror' und 'Kulturindustrie' ruhiggestellte Masse. Autoren wie Herbert Marcuse (Eros and Civilization; The One-Dimensional Man)  hatten ihnen dafür die theoretische Begründung geliefert. Selbst wenn sie sich einer marxistischen Phraseologie bedienten, war die Arbeiterklasse für sie nicht länger das 'revolutionäre Subjekt', von ihr konnte man keine progressive Veränderung der Gesellschaft erwarten. Neben den Guerillabewegungen der sog. Dritten Welt (Che Guevara, Ho Chi Minh) waren es die radikalisierten Studenten und Intellektuellen selbst, die nunmehr die Rolle der Avantgarde spielen sollten. In Planet of the Apes sind das die Schimpansen, die gegen den Dogmatismus der Orang Utans aufbegehren, gegen den Militarismus der Gorillas demonstrieren und den misshandelten Menschen Taylor und Brent helfend beiseite stehen.

Doch in Wirklichkeit können Studenten und Intellektuelle natürlich nicht die Gesellschaft umkrempeln. Ihre Rolle im sozialen Mechanismus ist dafür viel zu unbedeutend. Jeder Studenten-streik beweist dies aufs Neue. Darin liegt die Wurzel für jenen Pessimismus, der in der obigen Szene seinen zugegebenermaßen recht beeindruckenden Ausdruck gefunden hat. Insofern sind die Filme also durchaus konsequent.

Und wenn wir in Conquest of the Planet of the Apes schließlich doch noch eine Art Klassenkampf zu sehen bekommen, so wird dieser ganz unter dem Blickwinkel der Rassenfrage betrachtet. Tatsächlich erinnert mich Caesars Rede, die er nach der siegreichen Revolution hält, sehr stark an die Äußerungen einiger extremer schwarzer Nationalisten der 60er/70er Jahre: "I will lead my people from their captivity! And we shall build our own cities, in which there will be no place for humans except to serve our ends! And we shall found our own armies, our own religion, our own dynasty!"

Freilich ist das Kastensystem der Affen oft auch so interpretiert worden, dass die Gorillas eine dunkelhäutige Unterschicht darstellen sollen, "[who] did the more menial tasks in ape society, which included the fighting of its wars." Doch wenn wir unser dieser Sichtweise anschließen würden, wäre die Folge geradezu desaströs. Die Gorillas erscheinen vor allem in Beneath the Planet of the Apes ausnahmslos als primitiv, brutal und chauvinistisch. Wenn sie tatsächlich die 'schwarze Arbeiterklasse' verkörpern sollen, wäre das nicht nur ein noch deutlicherer Beleg für die feindselige Einstellung 'linker' Intellektueller gegenüber der Masse der Bevölkerung, sondern zudem auch noch rassistisch. Ich kann darum nur hoffen, dass das nicht stimmt.

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