"Außerdem studierte er abstruse Bücher, die aus chaldäischen Bibliotheken
gestohlen worden waren, wenn Fafhrd auch aus langer Erfahrung wusste,
dass der Mausling selten über das Vorwort hinauskaum (obwohl er oft die
letzten Kapitel aufrollte und neugierig hineinschaute und beißende Kritik
äußerte)."

Fritz Leiber, Das Spiel des Adepten


Montag, 30. Juli 2012

Einmal anders

Wenn ich hier über kommende Filme schreibe, dann gebe ich ja meistens den Miesepeter und erwecke vermutlich den Eindruck, ich könne mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass die heutige Filmindustrie etwas gutes hervorzubringen in der Lage sei. Doch dem ist mitnichten so, auch wenn ich zugegebenermaßen kein sonderlich positives Bild von ihr habe. Darum heute also einmal ungetrübte Vorfreude statt Meckerei.

Vor allem dank El Espinazo del Diablo (The Devil's Backbone) und El Laberinto del Fauno (Pans Labyrinth) gehört Guillermo del Toro zu meinen verehrten Lieblingen unter den lebenden Filmemachern. Entsprechend ungeduldig warte ich seit Jahren auf ein neues Werk des Mexikaners. Doch bekanntlich verstrickte er sich nach der Fertigstellung des eher mittelmäßigen Hellboy II (2008) mit dem Hobbit und At the Mountains of Madness für Jahre in zwei Projekte, die letztlich entweder ohne ihn oder überhaupt nicht fertiggestellt werden sollten. Nun erwartet uns dieses nächstes Jahr mit Pacific Rim wohl einer Art Hommage an die klassischen japanischen Monsterflicks – endlich wieder ein Film von Del Toro. Doch ist es nicht das, was mein Herz höher schlagen lässt. Mit Begeisterung erfüllt mich vielmehr das Wissen, dass er sich unmittelbar danach an die Umsetzung seines seit langem geplanten Pinocchio-Projektes machen wird.

Natürlich sieht Guilleromo del Toro, der auch für das Drehbuch verantwortlich sein wird, in der klassischen Geschichte von Carlo Collodi mehr als den Stoff für einen herzigen Kinderfilm. In einem Interview für Inside Movies erklärte er auf der diesjährigen Comic-Con: "In a strange way, two of the stories that fascinate me the most are kind of related, which is Frankenstein and Pinocchio. They are both about creatures that are created and then get lost in a world they don’t understand. And they are both journeys of understanding, and journeys of evolution of the spirit. When we started working on Pinocchio we knew very clearly that we wanted to make it different in the sense that it is not just a fairy tale but a fairy tale that actually moves you and emotionally affects you. It deals with ideas that are relevant to everyone, to all mankind in a way." Im Unterschied zu der allseits bekannten Disney-Version werde dieser Film "more adolescent, more teenage. I hesitate to say just darker, because it’s not just darker. It is a tale that is adapted to a more complex reality, more complex ethical questions. It’s more a tale for youth than a tale for just kids." Seine Adaption werde, wie er an anderer Stelle betonte, "take advantage of all the allegorical aspects of the tale".

Die Ästhetik des Films wird selbstverständlich einmal mehr ganz dem entsprechen, was wir von diesem Liebhaber des Grotesken erwarten. Zumal sich Del Toro diesmal mit dem Illustrator Gris Grimly zusammengetan hat. Aber es wird noch besser. Zum einen wird der Film in Kooperation mit der Jim Henson Company entstehen, was für mich bereits ein Garant für Qualität darstellt. Zum anderen wird man sich einer Mischung aus Animation und Stop-Motion bedienen. Also keine sterile CGI-Zauberei, sondern – um Lisa Henson zu zitieren – "a hand-crafted style [...] which [...] requires a high level of artistry and craftsmanship". Und als wäre das noch nicht genug, wird auch noch Nick Cave die Musik beisteuern! Ich glaube, ich schwebe grade in irgendwelchen überirdischen Sphären ...

Nein, das phantastische Kino ist nicht tot!


PS: Da der Hobbit hier kurz Erwähnung gefunden hat, noch eine Neuigkeit, die viele in der Fantasy-Community vielleicht begeistern wird, mich jedoch völlig kalt lässt: Peter Jackson wird offenbar noch einen dritten Hobbit-Film drehen.

Kommentare:

  1. Hast du schon Troy Nixeys Don't Be Afraid of the Dark gesehen? Da hat del Toro natürlich nicht Regie geführt, aber produziert und das Drehbuch geschrieben. Ich fand den Film gut geeignet, um die Wartezeit bis zum nächsten richtigen del Toro zu überbrücken. Es steckt eine Menge von seiner Handschrift in Don't Be Afraid, und der Film lässt sich außerdem als liebevolle Hommage an Autoren wie Machen und Blackwood sehen. Natürlich handelt es sich um ein Remake, dessen Original ich leider nicht kenne, und in einer Liga mit El espinazo del diablo und El laberinto del fauno spielt es nicht. Trotzdem ein netter Film.

    P.S.: Soll Pacific Rim nicht erst nächstes Jahr in die Kinos kommen?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Was "Pacific Rim" angeht hast Du natürlich völlig recht, und ich hab das schnell ausgebessert. Ich weiß auch nicht, warum ich der Überzeugung gewesen bin, Del Toros Monster und Riesenroboter müssten sich schon dieses Jahr auf der Leinwand tummeln.
      "Don't Be Afraid of the Dark" habe ich noch nicht gesehen, sollte das aber wohl bald einmal versuchen nachzuholen. Vielen Dank für den Tip! Zumal ich eine starke, mir selbst nicht ganz verständliche Zuneigung für Arthur Machen besitze ...

      Löschen